Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Gastbericht

Zu wenige ergreifen mich. Obwohl es doch sogar die politische Forderung gibt, mich allen gleichermaßen zu gewähren. Zu recht!

An Wochenenden und vereinzelt Montagen sind viele mein Tod – ich bin schon so oft kläglich gestorben … manche vergeben mich. Einfach so. Ja, richtig gelesen, nicht etwa mir, sondern mich. So viele haben Probleme, den richtigen Weg zu mir zu finden und mich zu nutzen.

Manch große Liebe fand deshalb nicht statt. Weil Menschen errötend und stotternd in Ecken stehen blieben. Um irgendwann anders irgendetwas zu nutzen, was ich gar nicht war – da sind sie einem Betrüger aufgesessen!

Wobei ich auch nicht immer und überall zu finden bin. Deshalb mag ich Abende wie gestern, wo man mich wenigstens in voller Intensität heraus arbeitet. Überhaupt ist dieses Spiel wie für mich gemacht, wobei zu erwähnen ist: Je besser die Mannschaften, desto seltener komme ich vor. Es gibt Vereine, die mich einfach nicht zulassen, die mag ich nicht. Ich fühle mich dann ausgeschlossen und hocke traurig und verlassen in einem anderen Variantenraum, abgeschoben und wissend, dass ich doch so gar nicht überflüssig bin. Aber dass ich trotzdem so behandelt werde: Das kann schon frustrieren.

Schon wegen der Spannung braucht man mich doch! Obwohl ich ständig übersehen werde, aber da gewöhnt man sich dran. Andere sind ganz und gar darauf konzentriert, mich zu „vereiteln“, diese destruktiven Arschlöcher, während Dritte glauben, sie hätten mich als die ihres Lebens ja genutzt, und das wäre es dann auch schon gewesen mit mir. So verharren sie. Dabei bräuchten sie doch nur mal die Augen offen zu halten und würden sehen, wie oft ich lockend und becircend direkt vor ihrer Nase herum tanze, nicht nur an irgendwelchen Plot-Points im Drehbuch ihres Lebens platziert und dann auf eingefahrenen Bahnen bis auf weiteres ignoriert. Aber sie weiden sich lieber am Elend der Stagnation, nachdem sie dieses eine einzige Mal zugegriffen haben. Dabei biete ich mich. Nicht an, ich biete MICH. Auch so ein grammatisches Kuriosum, aber ich bin halt einzigartig, obwohl ich ständig irgendwo auftauche.

Klar, es gibt politische und ökonomische Konstellationen, auch die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, da lässt man mich nicht zu. Ganz vielen verbauen Mächtige den Weg zu mir. Ganze Gesellschaften sind auf Fundamenten errichtet, dass ich manchen geradezu hinterher geschmissen werde, während man mich zu anderen gar nicht erst lässt. Das treibt mich auch zur Verzweiflung, ich will doch für alle Menschen da sein!

Gestern, der Eintracht, der habe ich mich geradezu hingeschenkt! Angeboten! Ja, ich habe mich fast bar jeden Stolzes an sie ran geschmissen, mich ihr aufgedrängt, doch sie hat mich ein aufs andere Mal kläglich vergeben. Okay, da stand auch dieser Typ auf der Linie, der es vorher besser gemacht hat als die Rot/Schwarzen. Ist ja nicht so, dass ich parteiisch gewesen wäre. Und dann war da noch der, der sich heroisch dazwischen warf, wenn ich von den Frankfurtern erkannt wurde. Aber so sehr ich mich auch offenbarte, so schnöde der Gebrauch, der von mir gemacht wurde.

Dann war ich irgendwann echt sauer. Fühlte mich zurück gewiesen, so wie die mich verpuffen ließen. Ätschbätsch, dachte ich mir, dann eben andersrum, andersrum ist ja eh cool: Ach, und wie dieser Bartels und der Kruse begierig mich wahr nahmen und so formvollendet nutzten, das ging mir runter wie Öl, ein Hochgenuss!, da war ich glücklich, und gefreut hat es auch die meisten im Stadion sehr. So habe ich das gern.

Dann konnte ich mich gemütlich zurück lehnen und bin ganz zufrieden ins Bett gegangen …

Gestatten, ich bin die Chance!

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17 Antworten zu “Gastbericht

  1. Gabi Dezember 20, 2011 um 12:46 pm

    Was für ein wunderbarer Text! Danke

  2. momorulez Dezember 20, 2011 um 12:50 pm

    Gerne geschehen! Und ich freu mich auf Sylvester 😉 …

  3. Toby Dezember 20, 2011 um 1:16 pm

    Das ist ein wunderschöner Text! Darf ich den bitte im Einschlafen Podcast vorlesen? Also, nicht, dass er langweilig ist, aber das ist Niels Holgersen ja auch nicht. Höchstens Kant. Naja.

    Im Ernst, darf ich? Wäre mir und meinen Hörern eine Freude!

  4. momorulez Dezember 20, 2011 um 1:20 pm

    Danke! Ja, klar darfst Du! Genehmigt 😉 …

  5. Toby Dezember 20, 2011 um 1:30 pm

    Super! Kommt dann Donnerstag 🙂

  6. quotenrocker Dezember 20, 2011 um 1:48 pm

    ICh hab‘ draus zitiert und verlinkt…Grüße an den Autor! Klasse!

  7. momorulez Dezember 20, 2011 um 2:09 pm

    Gruß zurück 😉 – und Dankeschön!

  8. sparschaeler Dezember 20, 2011 um 3:11 pm

    wie geil ist das denn!!!

  9. Pingback: #FCSP beim #SCP beim #FCI und nu’: Three points more on the list…7 Punkte aus den letzten drei Spielen gegen Armin Veh, juchee! « Quotenrock by QuoteniRud.us

  10. gawd668 Dezember 20, 2011 um 9:32 pm

    Chance genutzt. Schön.

  11. jekylla Dezember 20, 2011 um 9:33 pm

    Das ist einer der schönsten Texte, den ich seit langer, langer Zeit gelesen habe. Und deswegen lese ich ihn noch mehrmals. Toll. Schön. Im wahrsten Sinne des Wortes.

  12. momorulez Dezember 20, 2011 um 10:03 pm

    Dankeschön! War auch ganz seltsam – mir ging es so richtig gut beim Schreiben 😉 …

  13. Pingback: Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Gebrannte Mandeln

  14. Pingback: EP 125 - Drei kurze Geschichten zu Weihnachten - Einschlafen PodcastEinschlafen Podcast

  15. Toby Dezember 26, 2011 um 10:44 pm

    Tadaaaa, fröhliche Weihnachten, ich hab endlich den nächsten Podcast aufgenommen (und diese grandiose Geschichte vorgelesen). Vielen Dank für die freundliche Genehmigung!

    http://einschlafen-podcast.de/2011/12/125-drei-kurze-geschichten-zu-weihnachten/

  16. momorulez Dezember 26, 2011 um 11:20 pm

    Fröhliche Weihnachten hab ich gehabt, ich hoffe Du auch 🙂 – höre morgen in Ruhe rein! Gern geschehen!

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