Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Bafögschwuchteln“

„Ob der gemeine Bildungsbürger überhaupt weiss, was unter einem Fussballfan zu verstehen ist ?“

Unter Bildungsbürgern ist es ja neuerdings trendy, andere Bildungsbürger des Bildungsbürgertums zu bezichtigen – wahlweise, indem Frau, ansonsten in jedem zweiten Kommentar auf Sportwagen und Führungsposition im Marketing verweisend, die eigenen proletarischen Wurzeln hervor kehrt oder aber ausgebildete Juristen sich als Fussballprolls inszenieren. Vorzugsweise wird diese Masche gestrickt, wenn die Perspektiven von Marginalsierten ins Feld geführt werden, sozusagen als Abwehr eben dagegen. Das wird dann als „Herrschaftsanspruch“ ausgelegt.

Weit über Abwehr hinaus weisend – insofern ein ganz andere Phänomen – ging man in Halle gerade zur direkten Aktion über:

„Etwas anders erging es den Fans des VfL Halle 96, als diese Ende Oktober beim Heimspiel gegen Lokomotive Leipzig das Banner in ihren Block hängten. „Die Lok-Fans in unserer Nähe beschimpften uns als ,Bafögschwuchteln‘, andere sangen das ,U-Bahn-Lied‘ oder wollten sich prügeln“, erinnert sich Thomas Korbmann, Fan des VfL Halle.“

Mal ab von den strafrechtlich höchst relevanten Gesängen, bei denen in mir nur Entsetzen aufsteigt und der mal manifest, mal latent allseits auffindbaren Gewaltandrohung gegen Schwule: Bei „Bafögschwuchteln“ musste ich sogar lachen, Schande über mich, aber warum eigentlich? Was ist da nun eigentlich gemeint? Die „sexuelle Orientierung“, das Studententum als solches? Oder dass sie nicht selbst das Studium bezahlen oder von ihren Eltern finanzieren lassen?

„Schwule Studenten“ war hier in Hamburg eine durchaus auch in „proletarischen“ Kreisen  (wahrscheinlich waren das gar keine proletarischen, im Volkspark rufen besonders gerne Mittelständler „Schwuchtel“) angesagte Diffamierung im Sprachgebrauch der vermeintlich Street-Crediblen. Gemeint damit waren Typen mit Designerbrillen oder Tocotronic-Look, irgendwie aus der Außensicht „weichliche“, verkopfte Typen, die dem virilen Gestus vermeintlich ungebrochener Männlichkeit, wie es in allen Schichten teilweise gepflegt wird, nicht entsprechen. Ein Angestellter von mir wurde einst mit eben der „Beschimpfung“ „schwuler Student“ auf dem Hans-Albers-Platz umgeknockt, da war eine „sexuelle Orientierung schon gar nicht mehr gemeint.

Was ja dann im Sinne des „Klassenkampfes“ gegen die „Bildungsbürger“ nun kaum noch zu kritisieren wäre – so zumindest die mögliche Conclusio aus Kommentaren in manchen „linken Blogs“. Wo gleichzeitig verkündet wurde, Schwule hätten zu anderen Themen als schwulen Themen gefälligst die Schnauze zu halten, wenn sie sich der Forderung nach einer Geschichtsschreibung, die PoC einbeziehe, anschlössen, sei das kleinbürgerliche Moral, die ausschließlich dazu diene, andere zu erpressen.

Mal ab davon, dass ich diese Diskurse zuletzt in Debatten mit Fleischauer-Fans und Rechtsliberalen las und nicht inmitten eines noch irgendwie linken Selbstverständnisses, wie kommt man denn auf so was? Es sei nur erwähnt, weil es aktuell so prototypisch ist.

Das verweist allerdings auf ein tatsächliches Problem: Im Zuge alltäglichen heftig ausgelebten Klassismus, sei es nun staatlich, von privaten Sicherheitsdiensten oder sonstwie, GIBT es natürlich die permanente Herabwürdigung bildungsferner Schichten.

Umgekehrt hätte kaum ein Bergwerkarbeiter „Das Kapital“ von Marx verstanden, was schon Bildungsbürgern schwer fällt, ist es den Studenten nach ’68 nicht gelungen, die Arbeiterschaft in den Betrieben zur Revolution zu animieren, und das mir bekannte maßgebliche Wissen zur Kenntnis der Erfahrungen  Marginalisierter wurde – man korrigiere mich – zumeist im universitären Kontext aufgearbeitet. Gab allerdings auch gewerkschaftliche Aktionen wie „Ne touche mon pôte“ oder so ähnlich, frankophone mögen mich korrigieren, das mit der gelben Hand.

Wie sortiert man das alles mal zeitgemäß? Bildungsbürger haben die Schnauze zu halten?

Als durch Michel Foucault Geprägtem hat mich einst dessen Konzept des „spezifischen Intellektuellen“ sehr fasziniert. Also nicht als Generalist, wie z.B. Jean-Paul Sartre, als der Weltgeist die Weltpolitik bereisen, sondern spezifisches Wissen zu bestimmten Themen sozusagen der Allgemeinheit als Dienstleistung zur Verfügung stellen. Weil man schlicht die Zeit und die Privilegien und Formen des Kapitals hatte, es sich anzueigenen.

Ist auch wenig Ansatz dieses Blogs: Die Schnittstellen zwischen Sexismus, Rassismus, Homophobie und zum Teil auch Klassismus aufspüren, und wen das interessiert, der kann ja hier lesen.

Dass das sogar bis in die Fussballfankurven vordringen kann, dabei gewonnene Erkenntnisse, wenn auch nicht in alle, das belegt wohl die Geschichte des FC St. Pauli. In der Tat war am Millerntor die europaweit anerkannte Keimzelle derartiger Versuche in den späten 80ern, frühen 90ern.

Muss man das nun retrospektiv nebenan in Blogs als bildungsbürgerliches Paternalisieren und kleinbürgerliche Moral denunzieren? Warum? Weil es paternalistisch ist, gegen Homophobie, Sexismus und Rassismus, auch Klassismus an zu schreiben? Ist es nicht vielmehr so, dass dieses Formen eines teilweise höchst gewalttätig auftretenden Paternalismus sind, und deren Kritik insofern den Patrnalismus selbst kritisiert?

Nun ist es freilich auch bei manchmal, nein, ich plauder nicht aus allen Mailverkehren, so, dass die Abwehrmechanismen mittlerweile diese progressiven Tendenzen gelegentlich zum Absterben bringen. Da interessiert sich der eine oder andere schon mehr dafür, ob nun Katholischen Geistlichen Unrecht getan wird, als sich dafür zu interessieren, was die Katholische Kirche Schwulen für Unrecht antut. Das ist aktuell in fast allen irgendwienochlinken Kreisen schwer angesagt: Eben nicht jenen, die z.B. Rassismen oder Ausdrucksformen der Homophobie identifizieren in öffentlichen Räumen, Solidarität zu spenden, sondern sich instinktiv schützend auf die Seite derer, die solche Stereotype oft unbewußt reproduzieren, zu schlagen. Warum eigentlich?

Ich glaube weiterhin, dass da eine neue Runde Action notwendig ist, das Niveau der Diskussion beim FC St. Pauli auf den Stand der Aktualität in solchen Fragen bringen. anstatt lediglich immer wieder die frühen 90er zu musealisieren.

Mit Slogans wie „Wir sind schwule Antifa-Module“ ist der Grundstein für ein St. Pauli, das sich als Fortschreiben der eigenen Geschichte versteht, anstatt nur noch auf sportlichen Erfolg zu setzen und aufgrund dessen Spieler zu beschimpfen, schon mal gelegt. Danke noch mal dafür!

Spitzt man das Ganze nun auf die Frage der „bildungsbürgerlichen Herrschaft über das Proletariat“ zu, kann man freilich gar nicht mehr agieren und sich nur noch ggf. zusammen schlagen und in Halle als „Bafögschwuchtel“ beschimpfen lassen – nicht, weil „proletarisch“ Homophobie bedingt, glaube ich nicht, sondern weil die Kritik von Homophobie als bildungsbürgerlicher Herrschaftsversuch denunziert wird.

Das U-Bahn-Lied zitiere ich jetzt nicht. Keine Sorge.

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128 Antworten zu “„Bafögschwuchteln“

  1. mühsamer Erich Dezember 12, 2011 um 6:52 pm

    Wie sortiert man das alles mal zeitgemäß? Bildungsbürger sollen nicht mit haltlosen Unterstellungen operieren.

    Ich fand deine Performance in Ches Blog wirklich schrill.

  2. momorulez Dezember 12, 2011 um 9:03 pm

    Schrill? Wie meinste das?

    Da war nix „haltlos“.

  3. momorulez Dezember 12, 2011 um 11:52 pm

    Vielleicht ist das ganz erhellend hinsichtlich einer möglichen Kritik an meinem obigen Text:

    http://clararosa.blogsport.de/2011/12/06/dieses-scheiss-hamsterrad-gefuehl/

    Weil bestimmte Startvoraussetzungen, ohne aus „reichem Hause“ zu kommen, bei mir definitiv besser waren – ich musste keine Kredite für mein Studium aufnehmen, wenn auch den letzten Part, die Prüfungsphase, wegen Auslaufen des Waisengeldes durch Arbeit komplett finanzieren. Und habe geerbt, was mir noch mehr als ein Jahrzehnt später die Firmengründung ermöglichte, weil das ohne Sicherheiten nicht geht, Startkapital zu erhalten. Habe bestimmt auch einen Habitus lernen dürfen, der Gespräche mit Banken und Kunden ungemein erleichtert. Und, wie das bei Privilegien so ist, man merkt sie gar nicht, einen Zusammenhang zwischen Selbstwert und Kontostand nie empfinden müssen, was auch dazu führt, dass mir Statussymbole wie Sportwagen völlig schnurz sein dürfen.

    Andere Teile kenne ich da trotzdem sehr gut, und mein Einkommen hat sich fast halbiert, seitdem ich selbstständig bin, und das ist schon ein steter Struggle.

    Aber was hat das nun alles damit zu tun, dass Hinweise auf die Zurkenntnisnahme marginalisierter Perspektiven – von PoC, Schwulen, Lesben, Frauen, sonstwie Deklassierten – irgendeine illegitime, bildungsbürgerliche Zurechtweisung, die kleinbürgerlicher Moral folge? Und ist das Verlinken auf Claras Text nun ein Instrumentalisieren Claras? Ich schnalls nicht.

    Um auf den Punkt noch einzugehen: Es ist mittlerweile manifestes, schwulenfeindliches Stereotyp, dass diese ja eh alles Besserverdiener seien, die ihr Partyleben auf Kosten ehrbaren Familien in 200 qm-Lofts ganztägig feiern würden. Sozusagen der Westerwelle-Effekt. Ich zähle jetzt hier nicht all die jobbenden, von Hartz IV lebenden, als Friseur oder in der Gastronomie arbeitenden Schwulen einzeln auf; es ist ein ziemlich dämliches Klischee.

  4. ClaraRosa Dezember 13, 2011 um 12:35 am

    „touche pas a mon pote“ war´s…. erinner ich mich noch dran.. frage mich, wo mein button hin ist… aber das nur am rande.

    bin ja nur zufälig hier (wegen der spookie innervirtuellen kontrollfunktion via referers) – und es ist ja schon spät, aber ich möchte schon mal einwerfen, dass „bildungungsfern“ schon mal nicht so der freundlichste begriff ist (um jetz ma mit der betroffenheitspolitischen definitionsmachtschere anzukommen) – ohne moralisieren zu wollen setzt der begriff bei einem begriff von bildung an, nach dem es leute gibt, die „schlauer“ sind – also bildung haben – oder „dümmer“ – also bildungsfern sind.

    dass die bergarbeiter marx (den ich erstaunlich klar in seiner sprache finde) nicht verstanden hätten wage ich zu bezweifeln – sich von irgendwem sagen zu lassen, dass man sich endlich als das revolutionäre subjekt zu erkennen habe… äh – excusez moi: da hätt ich auch besseres zu tun gehabt….

    ich find das nicht verwerflich allie zu sein und perspektiven einzuwerfen, möchte aber zu den beiden angesprochenen punkten noch mal kurz den erhobenen zeigefinger in die luft werfen:

    die – ungefilterte – be-wertung von wissen ist eine der gröbsten beleidigungen – und diskriminierungen – die sich menschen mit zugang zu dem was „höhere bildung“ genannt wird gegenüber menschen aus arbeiter_innen-/armuts-klassen erlauben dürfen.
    sprechverbote sind ja immer so´n zweischneidiges ding, die zwischen moralisieren und selbstermächtigung liegen… aber wenn schon die frage nach dem paternalismus im raum steht werfe ich das mal als wunsch an die sensible sprache/reflektion in den virtuellen raum….

    ansonsten: schöner text. hat spass gemacht zu lesen.
    damit gute nacht.

  5. momorulez Dezember 13, 2011 um 9:39 am

    Danke für die Hinweise! Und willkommen 🙂 …

    Das mit den „bildungsfernen Schichten“ sollte ironisch den „allgemeinen Diskurs“ spiegeln; ging dann in die Hose, dafür ‚tschuldigung.

    Ansonsten immer willkommen auch mir kritischen Hinweisen und Rüffeln! Wir hatten das hier in der Bloghistorie häufiger, dass ein Stammkommentator, der nun nicht aus einem Akademikerhaushalt kam, irgendwann völlig zu Recht tillte, wenn lauter Akademiker über ihn her fielen. Bemerkenswerterweise genau jene, die einer der Anlässe für diesen Blog-Eintrag waren und nun ihre „proletarischen Wurzeln“ hervor kehren, während sie ihre Geschichtsschreibung „der Linken“ in Abwehr von Frauengeschichte wie auch der Geschichte von Queer-People und PoC betreiben.

    Umgekehrt bin ich immer sehr empfindlich, wenn man meine Sprache angeht, das war so leicht für mich auch nicht, da verschiedene Formen zu finden, die zu transportieren vermögen, was ich jeweils meine, und Intellektuellenfeindlichkeit gibt es halt auch, und die sind allen Unkenrufen zum Trotze auch nie an der Macht gewesen

    Danke für das finale Lob!; wirklich immer herzlich willkommen auch dann, wenn ich daneben haue! Freue mich da über Hinweise und mühe mich, sie zu berücksichtigen.

  6. mühsamer Erich Dezember 14, 2011 um 11:18 am

    Schrill finde ich, wie du drüben die Leute charakterisierst. Deine Vorwürfe erschließen sich für mich einfach nicht. Ich sehe da drüben nur eine Person als echten Rechten. Deine Schimpfworte und Zuschreibungen, die du auf diesen Trupp anwendest, wirken auf mich darum etwas grob, pauschalisierend. Einfach unzutreffend, auch wenn diese Leute nicht gerade einen gebildeten Eindruck machen. Du kennst diese Personen sicher besser und es ist deine grosse Stärke, wie ich finde, mit feinen Beobachtungen überall allgemeine Grundmuster zu erkennen. Eine Stärke kann zugleich auch eine Schwäche sein. Verstehst du?

  7. momorulez Dezember 14, 2011 um 12:58 pm

    Ich verstehe zwar, was Du meinst, sehe das aber komplett anders. Und solche Effekte zu erzielen ist ja Spezialität solcher Leute, sich dann auch noch als Opfer der zickigen Tunte zu inszenieren, während sie immer dann, wenn es ernst wird, ihre heterosexuellen Freunde in Schutz nehmen und sich gegen Schwule solidarisieren.

    Das ist bei denen exakt so wie beim FC St. Pauli.

    Ausnahme Nörgler.

    Ich bezeichne auch niemanden als „Rechten“, außer Dean, der sich da hin entwickelt hat in „Gender“-Fragen, sondern als Reaktion, eben Teil eines Rollbacks, und das, weil im Zuge einer rein selbstreferentiellen Geschichtsschreibung von „Linken“ Faktoren wie Feminismus oder Queere Bewegungen so lange sie bunt, schrill und niedlich sind, wohlwollend geduldet werden, sobald diese aber an der heteronormativen Matrix kratzen, ganz wie bei PI als jene beschrieben werden, die unzulässig über gesunde Heten herrschen wollten. Das ganze wird dann noch nicht etwa im Sinne einer marxistischen Kritik der Moralisierung von Theorien unter Verzicht auf die ökonomische Analyse, sondern ganz allgemein als „kleinbürgerlich“ verunglimpft, und dann begibt man sich zu den „weniger degenerierten“ PoC. Was im Kontext der innerlinken Diskussion, wo auf verschiedene Arten Schwule und Migranten gegeneinander ausgespielt werden, auch und gerade beim „Homonationalismus“-Thema übrigens, alles schon schlimm genug ist; dann jedoch folgt eine Diskussion, die in etwas dem hier entspricht:

    „Bei ihrer Kritik machte die jüngste Ministerin der schwarz-gelben Bundesregierung auch vor der Ikone der deutschen Frauenbewegung, Alice Schwarzer, nicht Halt. Etliche ihrer Thesen seien zu radikal, sagte Schröder: „Zum Beispiel, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau. Da kann ich nur sagen: Sorry, das ist falsch.“ Sie fügte hinzu: „Es ist absurd, wenn etwas, das für die Menschheit und deren Fortbestand grundlegend ist, per se als Unterwerfung definiert wird. Das würde bedeuten, dass die Gesellschaft ohne die Unterwerfung der Frau nicht fortbestehen könnte.“
    Es sei ein Fehler einer radikalen Strömung der Frauenbewegung gewesen, Beziehungen zwischen Männer und Frauen abzulehnen, sagte Schröder weiter. „Dass Homosexualität die Lösung der Benachteiligung der Frau sein soll, fand ich nicht wirklich überzeugend.““

    Wo nun auch ausgerechnet auch Bildungsbürgerin Nebitch mit spielt. Das alles stabilisiert dann im heteronormativen Sinne eine Crowd, die ja chronisch unfähig ist, so etwas wie „schwule Wut“ zu akzeptieren und dann auch noch wie üblich Diskriminierungserfahrung bezweifelt, da sind doch auch zwei Lesben in meinem Fitness-Center. Da Che das chronisch betreibt und sich lieber an die Seite irgendwelcher homophoben, katholischen Kühe flüchtet, die rechte Propaganda von US-Kirchen in seinem Blog verbreitet , bei der er bis heute nicht begreift, wie die funktioniert, wurde es mir jetzt einfach zu blöd angesichts dieser fortgesetzten Scheinsolidarität, die dann zwei Wochen später mir ins Blog schreibt, dass er Kritik von schwuler Seite ja eh selten plausibel fände.

    Spätestens bei Netbitches „Bildungsbürgernummer“ wurde es mir dann aber echt zu blöd, seitdem habe ich bei denen nicht mehr gelesen. Das ist ein so billiger Trick, der ja zudem wieder diese Herrschaftsnummer à la PI bedient, kennt man schon aus den Protokollen der Weisen von Zion (jetzt denkt wieder irgendwer, ich würde irgendwem Antisemitismus unterstellen wollen in Zeiten, da selbst Doppeldoktoren nur noch Signalsprache beherrschen, nein, es geht mir um die Struktur, Minderheiten Herrschaftswillen zu diagnostizieren); und dann noch den Verweis auf PoC-Geschichte an deutschen Universitäten nach dem Motto „Du Tunte , kümmer Dich um schwule Themen und halt ansonsten die Schnauze“ zu beantworten, sorry, das ist Fleischauer pur: „Die Linken suchen sich immer eine Lieblingsminderheit, für die sie sich einsetzen, um sich moralisch zu erhöhen“, was die mir da in Ches Blog gekotzt hat, als Reaktion pur.

    Und DAS ist das, wo ich nun tatsächlich abkotze, da tauchten dann ja nicht zufällig auch noch so Vögel wie dieser Jolly auf: Mit den Leuten da habe ich nun ein paar Jahre mit den Rechtsliberalen gestritten, und nach und nach adaptieren die all deren Argumente. Da fühle ich mich schlicht verarscht. Danach habe ich da nicht mehr gelesen und werde das auch in Zukunft bleiben lassen, solche Leute hindern einen nur am Denken.

    Insofern war aber a priori mein drastisches da rein platzen als Abschied gemeint, solche Leute konservieren einfach irgendeine irrelevante Geschichte zuungunsten Dritter, mit denen braucht man sich auch nicht mehr politisch verbünden. Bin zudem menschlich maßlos enttäuscht, das wird denen mit mir aber nicht anders gehen, was mir einigermaßen schnurz ist.

    Wichtig ist das für mich ergänzend hinsichtlich des FC St. Pauli: Da läuft ja das gleiche. Bin nun nacheinander mit Übersteiger, Fanräume e.V., Fanclubsprecherrat und Fanladen aneinander gerasselt, weil ja auch da whm Homophobie am liebsten ohne Schwule bekämpfen, Antirassismus ohne PoC betreiben (letzteres trifft auch Che zum Glück nicht zu) und das ganze zu einer inner-heterosexuellen, weißen Debatte macht im Zuge einer Musealsierung linker Bewegungen. Wichtig ist, das man nicht homophob ist, und Schwule sind in dem Zusammenhang völlig egal oder stören ggf. eher. Das ist eine ganz merkwüridge Selbstbezüglichkeit, die sich von der realtion hetero-schwul völlig verabschiedet und das zu einer Identitätsfrage umwandelt, die durch Dialoge mit echten Schwulen dann eher gefährdet wird. Frauen sind dann dann – z.B. im Fanclubsprecherrat – für die Kinderbetreuung zuständig, im „Bündnis gegen Homophobie“ für die Schwulen ebenso, und die weißen, heterosexuellen Männer kümmern sich dann um den Häuslebau bei Fanräume und in der AG Stadionbau. Und wenn ein Schwuler eigene Perspektiven formuliert, wird alles dafür getan, den zur zickigen Tunte zu stilisieren – das geht PoC-Frauen ja immer ganz genau so, dass man ihnen dann diese Rolle zuweist, um die Linksspießerwelt, der Schwule und PoC im Grunde genommen am Arsch vorbei gehen und die mit Vorliebe Feministinnen bekämpfen, um auch in Sexismus-Fragen die whm-Hoheit zu wahren, zu immunisieren. Bemerkenswert übrigens, dass es zumeist endgültig kippt, wenn die Kirche ins Spiel kommt.

    Insofern werden die immer alles dafür tun, ihren Gemütlichkeitszustand wieder herzustellen: Dass SIE die Guten sind, weil sie ja so gar nicht homophob, sexistisch und rassistisch sind, aber doch bitte keine Schwarzen und Schwulen, die sich selbstbewußt oder gar angriffslustig gebährden und beim Wohlgefühl stören. Denen ist doch oft völlig egal, was ein Schwarzer empfindet, der Affenlaute hört, denen geht es darum, dass ihre Szene „rein“ bleibt und tolle Geschichtsschreibung rund um weiße Gitarrenmusik, beginnend mit Boby Dylan, betreibt. Was das Stonewall Inn war, wissen doch die meisten gar nicht mehr.

    Das läuft beim Feminismus alles noch drastischer.

    Und dafür habe ich keine Lust mehr, mich mißbrauchen und beschimpfen zu lassen.

  8. che2001 Dezember 14, 2011 um 3:12 pm

    Dann mal als letztes Wort von mir: Genaues Hinlesen bei dem, was andere schreiben findet bei Dir halt nur sehr bedingt statt, und Realitätskontrolle erst gar nicht. Tschüß von meiner Seite.Maßlos enttäuscht bin ich auch.

  9. momorulez Dezember 14, 2011 um 3:38 pm

    Ich brauche halt immer ’ne Hete, die mir dann erst mal erklärt, wie es gemeint ist 😉 … musealisiert ihr euch mal selbst. Edit: Wobei noch zu ergänzen wäre, dass das für mich das Kernproblem ausmacht – das Mehrheitsgesellschaftler Minderheiten eben als Objekt der Analyse fortwährend produzieren, zugleich aber nun gerade NICHT hinsehen, sondern diese auch noch permanent damit beschäftigen, nun doch bitte ganz besonders intensiv mit der Güte, Großherzigkeit, Offenheit und „Toleranz“ der Mehrheitsgesellschaftler beschäftigt zu sein. Die Subjektivität der Devianten und Degradierten hingegen wird wahlweise als „nur subjektiv“ behauptet oder gar nicht ertragen. Was in vielen Fällen auch für die Subjektivität von Frauen gilt, die gar keine Minderheit sind. Was immer am deutlichsten in den Vergewaltigungsdebatten wird.

    Das ist einfach das übliche Dominanzschema, das sich auch bei denen entfaltet, die 5 Jahren lang nun auch keine allzu große Bereitschaft zum „Hinlesen“ entwickelt haben. Mark hat das übrigens schon auch, also hingelesen.

    Womit noch der Abschiedskommentar das entfaltet, was mich wahnsinnig macht.

  10. mühsamer Erich Dezember 15, 2011 um 11:28 am

    Heftig, heftig, heftig. Fast wie white supremacy. Holla, fast wär ich auf dieses miese Pack herein gefallen. Gut, daß du mich gewarnt hast! Nur, warum hast du dich von denen missbrauchen und quälen lassen? Jahrelang, wenn ich dich richtig verstanden habe?

  11. momorulez Dezember 15, 2011 um 12:41 pm

    Das ist eher Ignoranz, glaube ich, wie auch oft bei „White Supremacy“. Und es gibt diverse Felder, wo die ja prima sind, Che als Aktivist in Abschiebungs- und Antirafragen z.B. . Netbitch schreibt ja auch immer mal Gutes zu feministischen Fragen und hat da einen eigentlich prima hedonistischen Ansatz; was mich ja immer wieder und nun final frappiert hat, ist, wie theoretische Ansätze völlig unvermittelt neben dem Verhalten Personen gegenüber wie auch der Selbstgeschichtsschreibung linker Subkulturen bestehen können. Wo dann alle nicht-hm-Einflüsse wahlweise völlig getilgt werden (Alter Bolschewik, wobei der dann einen Ansatz wählte, das auszubessern, aber was die bei „Migranten“ noch hinkriegen, geht bei Schwulen und Lesben dann völlig schief) und in den Abwehrreaktionen eben einfach das gleiche einsetzt wie bei allen liberalen Subjekten. Es gibt da zwar eine klare Wertorientierung „gegen Homophobie, Rassismus und Sexismus“, aber die wird nicht vermittelt mit dem tatsächlichen Verhalten.

    Und hätte es die Parallel-Story mit Funktionsträgern des FC St. Pauli nicht gegeben, hätte ich das vielleicht einfach ignoriert und wäre stumm weg geblieben. So ist das die Funktionsweise eines ganzen Milieus, würde ich mal behaupten, und das Frappierende ist für mich immer, dass auch bei Dir ja zunächst irgendeine ungerechtfertigte, schwule Zickigkeit rezipiert wurde, aber nicht das, was ich schreibe. Da gibt es ganz seltsame Wahrnehmungskanäle, die steuern, wann Kritik als akzeptabel gilt. Es ist schlichterdings unmöglich, strukturell rechte, oft auf US-Mist gewachsene rechte Agitationsmuster zu benennen, weil das immer als Hinweis darauf verstanden wird, man wolle sagen wer „ein Rechter“ IST als irgendeine seltsame Seinweise. Was ja völliger Quatsch ist, das ist ja nur in Ausnahmefällen eine Identitäsfrage, das sind Muster, die sich im Verhalten Anderen gegenüber zeigen, die Macht wirkt in den Beziehungen. Es ist den Arschlöchern von Schröder Walser bis PI irgendwie gelungen, „rechts“ als Merkmal exklusiv von Neonazis zu behaupten, um gleichzeitig die Mitte nach rechts zu rücken. Nichts ist Tabuisiertes als das Benennen rechter Machtkonfigurationen, und das ist jetzt mitten in „linken“ Milieus angekommen. Und so und in der Form ist das auch neu da bei denen, obwohl es unterschwellig immer vorhanden war.

    Gerade die Aufforderung zum „Hinlesen“, während ich Kommentar um Kommentar schrub, worum es mir ging, aber nun wirklich gar keiner außer Nörgler mal zur Kenntnis nahm, was ich da meinte, ist echt eine Unverfrorenheit. Das ist die glatte Machtdemonstration, dass sich die Schwuppe gefälligst an den Vorgaben von Heteros zu orientieren habe, eigene Aspekte aber unerwünscht sind. Dann noch mit „Prawda“ und „Meinungsfreheit“ zu kommen ist Franz-Josef-Strauß-Rhetorik, vor allem, wenn zuvor die „Schattenseiten“ der Lesben- und Feministinnenherrschaft und dieser idiotischen Typen, die in Männergruppen ja wenigstens mal versucht haben, ihren Anteil am sexistischen Geschehen zu reflektieren, Sujet war. Das ist sarrazinesk: Wir müssen aber auch die „Schattenseiten“ der Migration in den Mittelpunkt der Diskussion stellen.

    Auch hier wird wieder allenfalls jeder zwanzigste Leser zur Kenntnis nehmen, was ich gerade schreibe, es wird reagiert auf „Franz-Josef Strauss“ und „sarrazinesk“. Was ja das ist, was ich meine: Deren Strategien werden mittlerweise höchst aggressiv von „links“ tabuisiert.

    Das ist mittlerweile völlig verbreitet. Wichtige Funktionsträger der Fanszene des FC St. Pauli sind mittlerweile der Auffassung, Schwule würden die Katholische Kirche diskriminieren, wenn diese sich gegen deren Diskriminierung WEHREN. Exakt das zu behaupten ist erfolgreichstes Kampfmittel der religösen RECHTEN in den USA. Und Che hatte auch schon so Ansätze in seinem Blog, auf diesen Leim zu gehen.

    Natürlich sind dann wieder alle der Meinung, ich würde irgendetwas „verdrehen“, weil ja die Schwuppe erst mal die Texte Heterosexueller genau lesen soll, bevor sie sich äußert.

  12. mühsamer Erich Dezember 15, 2011 um 1:46 pm

    Ich versuche mich bei che2001 einzulesen aber ich schnalle das nicht so ganz. Schaue ich mir das dort an, dann hast du den Kleinbürger gegen die rausgeholt. Nicht die gegen dich.

    Tschuldige, ich lese dort einen Opa, der von früher erzählt. Irgendwann packte ihn damals der Frust wegen irgendwelcher Leute, die sich vor zirka 20 oder 30 Jahren wie Tugendwächter aufgeführt haben. Diese Leute nennt er moralisierende Kleinbürger, welche die ganze schöne Revolution verkacken. Da hat bei einer konkreten Männergruppe verschissen oder so. Shit happens. Dann kommentierst du, und findest es kacke, daß er seine Erfahrungen schildert und diese Leute Tugendwächter genannt hat. Im Gegenzug nennst du dann alle Leute bei Che moralisierende Kleinbürger. In der Folge tun die dann ganz empört und beschwören ihre authentischen Proletengene, während sie sich von dir gelegentlich beschimpft werden. Weil sie keine Kritik verknusen können und es satt haben, fahren sie dann dir gegen den Karren und nennen dich einen bösen Bildungsbürger, der armen Proleten in die Schranken verweist. Dann bist wieder du beleidigt. Mehr steht da nicht drin.

    Ja nur, wer, wenn nicht du soll denn diesen heteronormativen Dreckshaufen in die Schranken weisen? Die sind doch mit ihrem Denken volle Kanne auf dem Stand vor 20 Jahren. Was heute zählt, kapieren die einfach nicht. Die sollen zuallererst mal gründlcih die Klappe halten und ihre politischen Abenteuer, die sie vor Urzeiten mal erlebt haben, die zählen schon mal gar nicht!

  13. momorulez Dezember 15, 2011 um 2:55 pm

    Ich würde dieser Darstellung so zustimmen 😉 … nur, dass ich es ja an sich nicht Kacke finde, wenn jemand seine Erfahrung schildert, sondern wenn die so geschildert werden, dass sie sich anhören wie von Christina Schröder geschildert.

  14. mühsamer Erich Dezember 15, 2011 um 4:16 pm

    Okay. Du bist vermutlich auch nicht mehr der allerjüngste ähnlich wie die da drüben. Das interessiert mich, was hast du vor 20 Jahren so für Erfahrungen in linken politischen Gruppen gemacht? Lief bei dir immer alles glatt?

  15. momorulez Dezember 15, 2011 um 4:49 pm

    😀 – so alt wie Che oder oder Nörgler bin ich nicht! Aber schon so, dass ich vor 20 Jahren Erfahrungen in Polit-Gruppen hätte machen können 😉 …

    Meine Erfahrung war, dass ich sie zumeist nach kurzem Reinschnuppern wieder verlassen habe. Von daher kann ich dazu so viel gar nicht sagen, und das waren auch welche, die so gar nix mit Autonomen oder so was zu tun hatten, sondern wenn eher mal an der Uni und schnell die Flucht ergriffen.

    Ich gehörte schon zu einem seeeeehr erweiterten Hafenstraßen-Umfeld, was die da drum herum gruppierenden Schwuppen betraf.

    Mein hier zum Teil proklamiertes Wissen habe ich mir ziemlich autonom und außerhalb von Arbeitsgruppen oder ähnlichem universitär/beim Hausarbeiten schreiben angeeignet und habe ansonsten in House-Clubs mit dem Arsch gewackelt und habe das sehr geliebt, war in der Wunderbar, dem Toom Perstall und so unterwegs und habe ab ’93 schon sehr viel gearbeitet und meine politische Praxis eher dort angesiedelt.

    Ich erinnere mich auch daran, dass gerade in autonomen Umfeldern – Flora und so – tatsächlich etwas sehr Moralinsaures und Lustfeindliches sich in den frühen 90ern ausbreitete, was ich so aus den 80ern nicht kannte. Und dass meine Schwester, die in Göttingen studiert hat, aus der dortigen „Polit-Szene“ nur Horror-Stories erzählt hat. Ich würde dem nur, kann man ja bei Che in Antwort auf den alten Bolschewiken nachlesen, überhaupt keine gesamtgesellschaftliche Relevanz zuweisen, aber wenn man das so aufbereitet wie Che, dann bekommt es unter aktuellen Bedingungen eine.

    Für mich hat sich eine Re-Politisierung eher im Zuge des Arbeitens in der Realwirtschaft vollzogen. Weil man da vieles erlebte, was insbesondere Marx und so wieder ins Bewusstsein rief. Die Antidiskriminierungsarbeit hat sich u.a. durch die Macher des Braunen Mobs, mit denen ich seit mehr als 10 Jahren befreundet bin, wie auch durch das Bloggen intensiviert, obwohl die in meinem Broterwerb immer auch präsent war.

    Zudem ich hier schlicht so was wie ein nachholendes Empowerment vollzogen habe, ich bin aus Szene-Zusammenhängen weitestgehend raus. Stellte aber irgendwann fest, dass ich mich nun mit Sujets auch konfrontieren kann, was ich mit 20 oder 35 so gar nicht ausgehalten hätte, weil da noch mitten drin hängt in dem, was aus einem gemacht wird. Hätte ich jetzt mein Coming Out, hätte ich mehr Spaß dran, als ich mit 17 hatte 😉 …

  16. mühsamer Erich Dezember 15, 2011 um 4:54 pm

    Aber eine Männergruppe wirst du doch mal mitgemacht haben, oder?

  17. momorulez Dezember 15, 2011 um 4:56 pm

    Nö. Noch nicht mal Gruppensex 😉 … mir ist das Denken aber durchaus geläufig, das da gepflegt wurde.

  18. Nörgler Dezember 15, 2011 um 6:50 pm

    Ich beziehe mich nurmal auf ein kleines Detail, ich finde es nämlich grottenkomisch, wenn eine Dooftröte aus schierer und stierer Dummheit in Richtung Wahrheit ausrutscht:
    „Das würde bedeuten, dass die Gesellschaft ohne die Unterwerfung der Frau nicht fortbestehen könnte.“
    Ups, Frau Schröder, da hatten wir gerade eine Erkenntnis, die wir gar nicht haben wollten.

  19. Nörgler Dezember 15, 2011 um 6:52 pm

    Ächz, hinter „fortbestehen könnte“ habe ich vergessen, das „b“ zuzumachen. Es sollte nur das Zitat fett sein.

  20. che2001 Dezember 15, 2011 um 8:00 pm

    Ich versuche ein letztes Mal zu sagen, worum es mir geht, die Vorlage hast Du ja gerade geliefert: „Da Che das chronisch betreibt und sich lieber an die Seite irgendwelcher homophoben, katholischen Kühe flüchtet, die rechte Propaganda von US-Kirchen in seinem Blog verbreitet , bei der er bis heute nicht begreift, wie die funktioniert.“ — Das ist der springende Punkt, und da ignoriere ich keine schwule Subjektivität, sondern gehe von einer anderen Faktenlage aus als Loellie und Du. Nicht die Katholikin hatte Propaganda von US-Kirchen auf meinem Blog verbreitet, sondern ich hatte einen Beitrag verlinkt, der sich damit beschäftigte, dass angeblich ein christlich-fundamentalistischer Schüler in den USA seinem Lehrer einen Maulkorb an den Hals geklagt hatte, weil dieser sich über dessen religiöse Vorstellungen lustig gemacht hätte. Die ganze Geschichte stellte sich später als von homphoben rechten Arschlöchern betriebener Propaganda-Hoax heraus, was wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht wussten und Loellie viel später berichtete. Ich machte mich zuinächst über die Geschichte lustig und verglich das Ganze mit der Inquisition. Dann kam die Katholikin daher und sagte, der Lehrer hätte sich nicht über die religiösen Vorstellungen des Schülers lustig machen sollen, sondern ihn besser einen Aufsatz über Darwin und die Evolutionstheorie schreiben lassen sollen. Es entwickelte sich ein längerer Thread, in dem sie Seltsames über die Wahrnehmung des papstes in der Öffentlichkeit schrieb und Nörgler sie daraufhin scharf angriff. Dann kam Loellie und wies zu Recht daraufhin, dass eine Scheinwerferumkehr Richtung religiöse Rechte in den USA verharmlosen auf einem linken Blog nicht stattfinden dürfe, und führte dann alles auf, was es an eliminatorischen Schwulenhass und Klerikalfaschismus so gibt, identifierte die Katholikin damit und bezeichnete sie als Drecksau. Von diesem Augenblick an war die nur noch auf Abwehr und stocksauer. Ich kenne die im real life und weiß, dass die Vorwürfe Loellies an dieser Stelle unbegründet waren. Sie führt zwar einen Diskurs, in dem sie ihre Religiosität mißachtet sieht, und diese Religiosität verstehe ich auch nicht, aber der Hinweis zu dem Lehrer war pädagogisch gemeint und in die Richtung, dass man allgemein religiöse Haltungen rspektieren sollte und nicht als Verteidigung der Klerkalfaschisten, auis deren ecke der ganze Mist kam, den Zusammenhang merkte sie nicht mal. Dann machte sie, als das Wort Evangelikale fiel, auch noch den saublöden Fehler, zu erwähnen, dass sie welche kenne und deren Bescheidenheit und soziale Kompetenz bewundere. Die Evangelikalen die sie da meinte sind eine Gruppe von etwa 20 Leuten, nach Deutschland eingewanderte GhanaeerInnen, und innerhalb deren Community gibtv es Schwule, die dort akzeptiert werden. Als sie schrub, „ihre“ Evangelikalen hätten nichts gegen Schwule, meinte sie konkret diese Leute und bestritt nicht etwa, dass von evangelikalen Gruppen insbesondere in Schwarzafrika Schwulenhass ausginge. Seitdem ist sie aber für Dich eine eliminatorische Schwulenhasserin (tut nichts, dass sie Schwule in ihrem Freundeskreis hat und eine ihrer besten Freundinnen Lesbe ist) und wird von Dir fortlaufend mit Schimpfworten bezeichnet. Wenn ich Dir da nicht folge, dann deshalb, wei ich Deinen Vorwurf für inhaltlich, rein faktisch, nicht begründet halte

    Und so sehe ich es bei vielen Deiner Reaktionen auf das, was andere in Blogs sagen. Hochgradig projektives Lesen. Manchmal habe ich das Gefühl, besimmte Stichworte lösen bei Dir ein Kopfkino aus, und das Ende des inneren Films ist dann für Dich das, was Dein Gegenüber gesagt hat.

    @Prawda: Ich habe Dir damit keinen Stalinismus unterstellen wollen. Prawda ist zunächst mal ein russisches Wort, das so viel heißt wie die Wahrheit, die subjektiv und parteiisch ist und daher nur dann erzählt wird, wenn sie dem eigenen Anliegen nützt. Die Vorstellung, ich sollte lieber nicht erzählen, dass ich innerhalb der eigenen Männergruppe erlebt hatte, dass dort weniger sexistische Strukturen aufgearbeitet als neue Hierarchien aufgebaut und moralischer Rigorismus kultiviert wurde und diese daraufhin ebenso verließ wie das ganze StudentInnenmilieu und stattdessen anfing, Antirassismusarbeit an der Basis zu machen, weil Anhänger heteronormativer Rollenmuster dann sagen würden „seht ihr, das ist doch alles krank und falsch“, das ist für mich genau das. Un die Schlussfolgerung, wenn ich so etwas erzähle rechtferzige ich damit Spießigkeit ist für mich sogar völlig abwegi. Meine eigentlich wilde Zeit war mit dieser Geschichte ja erst losgegangen.

    So, jetzt ist von meiner Seite her endgültig Schluss. Ich habe auf diese ganzen Kommunikationsknoen definiti keinen Bock mehr.

    Alles Gute und Danke für den Fisch!

  21. mühsamer Erich Dezember 15, 2011 um 8:02 pm

    Aber du warst schon immer politisch sehr interessiert denke ich. Irgendwo las ich bei dir was von Klassensprecher. Dann müßtest du mit Politgruppen klar kommen. Warum hast du es beim Reinschnuppern belassen? Den Heteronormativen das Feld überlassen ist doch auch keine Lösung.

  22. mühsamer Erich Dezember 15, 2011 um 8:07 pm

    Che hat die Männergruppe verlassen, weil ihm das zu viel Stress war als weißer Mann seine heterosexistische hegemonialnormative Seite zu eleminieren. Das ist der Klassiker!

  23. momorulez Dezember 15, 2011 um 8:39 pm

    @Che:

    Die Nummer mit dem Kopfkino isses doch – das kennt auch jeder aus dem FF, der nur in Antidiskriminierungsarbeit hinein schnuppert. Alles nur der Irrsinn durchgeknallter Tunten. Um heteronormativ-hegemoniale Sichtweisen zu zementieren und, siehe ob, den subjektiven Faktor devianter Erfahrung wahlweise als Belästigung zu empfinden oder einfach zu entwerten. Wie das so üblich ist unter „linken“ Heten. Worauf ich objektiven Anspruch erhebe, dass dieses Muster tatsächlich überall aufzufinden ist bei Typen aus Deinem Milieu. Du belegst das, was ich oben geschrieben habe.

    Dass diese sexistischen Hysterisierungsnummern mit Vorliebe auch auf Schwule angewandt werden, hast Du im Zuge der Frühvergreisung offenkundig auch vergessen. Oder Dich nie mit beschäftigt.

    Nicht Cassie, diese dumme, katholische Bigotterie in Person ist der Knackpunkt, sondern Deine geradezu frappierende Ignoranz. Dass Du jetzt auch noch diese Frechheit mit „deren beste Freundin ist aber Lesbe“ auspackst, das müsstest Du eigentlich aus der Antisemitismusforschung kennen, wie billig das ist.

    Nee, hast nur wieder wortreich belegt, wieso Du ausscheidest. So einen Schmonz würde ich normalerweise löschen.

    @Nörgler:

    Ich fand das gefettet ganz passend 😀 – darf ich das nicht so lassen?

  24. momorulez Dezember 15, 2011 um 8:47 pm

    @Mühsamer Erich:

    Ich bin nicht der Typ für Gruppen. Dafür bin ich nicht gebaut, nenn es Egozentrik, Divaverhalten, Angst vor Kontrollverlust, Mangel an Vertrauen, Wert auf Individualität legen, wasauchimmer.

    Ich habe den Heteronormativen nicht das Feld überlassen. Ich fand es nur nie sinnig, in irgendwelchen Klüngeln zu verrecken, die keinerlei Wirkung entfalten, sieht man ja bei Che, was dabei raus kommt. In meinem anderen Leben erreiche ich seit 18 Jahren ein wesentlich breiteres Publikum als jedes Flugblatt, und seitdem ich eine eigene Firma habe, achte ich auch in der Personalpolitik darauf, da keine whm-Dominanz aufkommen zu lassen.

  25. Nörgler Dezember 15, 2011 um 9:30 pm

    „Ich fand das gefettet ganz passend – darf ich das nicht so lassen?“
    Ja, OK. Aber korrigiere doch bitte den Vertipper „Wahreit“ um das fehlende „h“.

  26. Nörgler Dezember 15, 2011 um 10:08 pm

    „Che hat die Männergruppe verlassen, weil ihm das zu viel Stress war als weißer Mann seine heterosexistische hegemonialnormative Seite zu eleminieren. Das ist der Klassiker!“

    Nur dass es so eben nicht war. Ich war da nicht dabei, aber ich kenne Che und ich kenne die szenischen Denk- und Verhaltensweisen, die ihn zur Tür hinaustrieben. Im historischen Zusammenhang waren das Spätfolgen des Zerfalls der APO: Als die Veränderung der Gesellschaft mißlang, und danach die Variante „K-Gruppe“ kompromittiert war, glaubte man, sich selber bearbeiten zu können, denn im Binnenbereich war man schließlich, so die Überzeugung, der Herr im Haus. Wenn schon die Objektivität der Gesellschaft sich sträubte, so müsse doch die Subjektivität modellierbar sein; wenn schon das Schlechte nicht aus der Welt zu schaffen war, so doch aus den Subjekten, wenigstens einigen. Da die Subjekte aber in der Objektivität doch etwas fester drinhingen als erhofft, führte das zu grotesken Debatten, Zuständen, Forderungen. Jeder wußte immer sehr gut, wie die anderen sich zu verändern hätten, zB die heterosexistische Seite tilgen. Da war viel Überwachen und Strafen, weil Veränderung nicht funktioniert, wenn man aufs „Eliminieren“ setzt.
    So wie ich Che verstanden habe, ging er er, weil ihm das zu hegemonialnormativ war. Aus dem gleichen Grund war ich nach 6 Monaten nicht mehr im KSV.

  27. mühsamer Erich Dezember 15, 2011 um 11:25 pm

    Ausflüchte und Abwehr.

  28. che2001 Dezember 15, 2011 um 11:29 pm

    Also mein defintiv allerallerletzter Kommentar hier:

    @“Che hat die Männergruppe verlassen, weil ihm das zu viel Stress war als weißer Mann seine heterosexistische hegemonialnormative Seite zu eleminieren. Das ist der Klassiker!“ —

    Ich habe diese Gruppe verlassen, weil ein bisexueller Mann, der allgemein als Sonderling angesehen wurde, aus der Gruppe ausgeschlossen wurde und innerhalb der Gruppe sich eine neue Hierarchie etablierte, in der die in festen Beziehungen lebenden heterosexuellen Männer oben standen, auch, weil sich da so ein „wir sind besser als die Anderen, weil ja in einer Männergruppe“-Gefühl etablierte und damit das Problem, nicht die Lösung reorganisiert wurde, und auch, weil mir zu dem Zeitpunkt konkrete Arbeit gegen Abschiebungen und der Wiederaufbau einer zerbombten Schule im Irak wichtiger war. Gute Nacht allerseits!

  29. momorulez Dezember 16, 2011 um 12:37 am

    @Che:

    Wie heroisch!

    @Nörgler:

    Das mag ja alles sein und ist auch richtig; die psychoanalytisch- freudomarxistischen Ansätze hatten diese Tendenz freilich vorher schon.

    Das ändert allerdings nix dran, dass Che, typisch heterosexueller Mann, stets alles dafür tun wird, die Aufmerksamkeit auf sich, seine persönlichen Heldensagen und überragend entfaltete Subjektivität zu ziehen und alles, was dem widerstrebt, an die Wand drücken oder mit narzißtischer Kränkung, und, siehe @Mühsamer Erich, da hat er völlig recht, Abwehr reagieren wird. Die meisten nunmehr Männer im Allgemeinen kennen so was wie Intersubjektivität ja gar nicht, was man nun tatsächlich an der philosophischen Tradition eben auch ablesen kann. Sie werden immer den Anderen zum Stellvertreter eines Allgemeinen degradieren, der ihnen als Objekt zur Verfügung zu stehen hat, und wenn der Andere sich dem entzieht, wird von beleidigt bis hochaggressiv die ganze Palette abgespielt und es werden notfalls endlose Tiraden verfasst, wie ach so weiblich Mann doch in Psycho-Test abgeschnitten habe. Oder eben irgendeine Story ausgekramt, wie ach so ritterlich Mann sich doch an die Seite eines Bi-Sexuellen geworfen habe. Oder es wird mitten in eine Diskussion zu einem ganz anderen Thema hinein gejammert, dass man keine abkriegt.

    Klar, was ich hier gerade schreibe, ist ein glatter Selbstwiderspruch: Ich fordere ja auch die Zurkenntnisnahme schwuler Subjektivität ein und objektiviere eifrig ganze Milieus, als deren Stellvertreter ich einen bestimmten Typus von St. Pauli-Fans behandele.

    Was ja in manchen Momenten des Lebens einen Heidenspaß macht 😀 … das kennen die nämlich nicht. Weil sie es von kleinauf so gewöhnt sind, dass sie selbst da Rollen zuweisen.

    Jetzt dürfen wir gleich wieder ellenlange Kommentare darüber lesen, dass Che auf dem Schulhof verprügelt wurde.

    Du agierst ja, trotzdem Du nun wirklich viel schärfer angreifst, als Che es je tun würde, völlig anders. Du hälst Dich als reale Persönlichkeit meistens raus und nimmst über ziemlich lange Zeiträume sehr genau wahr. Ich bin immer wieder verblüfft, wenn Du ein halbes Jahr später brilliant formuliert einen Gedanken aufgreifst. Da geht es mir dann gar nicht um Zustimmung, wir haben auch genug Dissens, aber da findet Auseinandersetzung statt, von Dir eher mehr als von mir. Das ist einfach eine ganze andere Einstellung zum Du, die Du da an den Tag legst.

    Ich habe mittlerweile tatsächlich Probleme, diese Einstellung whm gegenüber zu aktivieren. Was ich mittlerweile als politische Notwendigkeit begreife. Weil im Gegensatz zu Dir, Kleiner Tod, Ring2 und ein paar anderen, Mark manchmal, die meisten dann doch so agieren wie Che: Eine vorgetäuschte Offenheit, die hochallergisch reagiert, wenn die eigene Heldensage mit all dem heteronormativen Ballast mal nicht im Mittelpunkt steht, die sich notfalls auf Kosten Dritter, z.B. Feministinnen und Lesben, inszeniert.

    Kann man mir jetzt auch alles attestieren; den Kampfschwulen, den ich hier im Netz gebe, der notfalls mit dem Rammbock seine Perspektiven zur Geltung bringt, um hegemoniale Strukturen wenigstens temporär anzugreifen, der ist ja nur ein Teil dessen, was ich sonst noch so lebe. Hatte nur irgendwann den Eindruck, dass so einer mal nötig ist, und sehe mich in all den Konflikten da auch deutlich bestätigt.

  30. mühsamer Erich Dezember 16, 2011 um 9:41 am

    Das ist ja wie Kino hier! 😀

    Ich warte schon auf den nächsten vor Selbstmitleid triefenden Kommentar von Che, in dem er uns das Irre am täglichen heteronormativen Wahnsinn verdeutlicht. Noch besser, die verlogene Fassade der Toleranz fällt und Hegemonialität entlädt sich mit Belehrungen. Popcorn!

  31. momorulez Dezember 16, 2011 um 9:50 am

    🙂 – nur, dass keiner glaubt, es ginge hier nur um Persönliches: Jede Antirassismusdebatte läuft so, dass Weiße PoC eine Debatte über ihre eigenen Befindlichkeiten aufdrücken, falls PoC da überhaupt wahr genommen werden; jede Feminismus-Diskussion damit, dass Männer Frauen ihre Befindlichkeiten aufdrücken wollen und einfordern, man habe sich um diese zu kümmern; jede Diskussion zu Homphobie, die nicht sinnentleerte Stereotype Schwulen und Lesben aufbürdet oder diese hysterisiert, entwertet oder gleich für widernatürlich erklärt, stellt an irgendeinem Punkt die Angst- und Aggressionsreaktionen der Mehrheitsgesellschaftler in den Mittelpunkt. Freilich nie kritisch, immer an deren Bedürfnissen orientiert. Da ist Che nur Symptom. Und das alles ist Gegenteil dessen, was z.B. „Critical Whiteness“ meint.

  32. mühsamer Erich Dezember 16, 2011 um 10:06 am

    Könntest du vielleicht einen Beitrag verfassen, wo deutlich wird, wie „Critical Heterosexualism“ aussehen kann – als Gegensatz zu Hegemonialheten wie Che?

  33. momorulez Dezember 16, 2011 um 11:16 am

    Ich kann das ja versuchen und gebe zu, dass mir das selbst allmählich erst klar wird. Je mehr man in die Auseinandersetzungen einsteigt, desto deutlicher wird das ja. War ja auch jahrelang froh, wenn man ausnahmsweise mal nett ist zu mir in heterosexuellen Kreisen.

    Ein bißchen in die Richtung geht der hier:

    https://metalust.wordpress.com/2011/07/28/was-ich-einmal-mehr-gelernt-habe/

    weil da, glaube ich, die Diskursmechanismen deutlich werden. Und die meisten Heten sind viel zu verblödet in ihrer Supremacy-Haltung, dass sie auch nur das Sujet des Textes begreifen würden.

    Ich werkel mal dran rum!

  34. mühsamer Erich Dezember 16, 2011 um 11:32 am

    Sehr schön! Bis der Beitrag fertig ist wird es jede Menge Hetensolidarität und Derailingversuche zu bestaunen geben, als dazu passendes Anschauungsmaterial. 😀

  35. Goodsoul Dezember 16, 2011 um 12:01 pm

    Sehr interessante und lesenswerte Sache hier!

    Noch interessanter könnte es werden, wenn ihr mal miteinander kommuniziert anstatt ständig intellektuelle Schwänze zu vergleichen. Na ja! Kopfbasierte Männer halt!

    Aber das Problem kommt, schon allein durch Euer Verhalten gegenüber dem anderen, sehr gut rüber. Auch vor dem Hintergrund des FCSP! Und so schwer das lesen und verstehen für einen weißen christlichen heterosexuellen Proletarier wie mich auch ist (Tätärätätä!): wenn man den teuflischen Intellekt abschaltet und der einzigen Wahrheit (dem reinen Gefühl) horcht so merkt man, dass Momo letztlich recht hat und „das System“ durchschaut.
    Traurige Sache!

  36. momorulez Dezember 16, 2011 um 12:33 pm

    Danke für die Conclusio 😉 – und da ich nun echt versucht habe, den FC St. Pauli betreffend, auch ohne in der Tat typisch männliche, intellektuelle Schwanzvergleiche nun wirklich eine der Institutionen der Fan-Szene des FC St. Pauli nach anderen mal zu kontakten – Fanladen, Fanräume e.V., Übersteiger, nach, einen dann zwar mit gemeinsamen Biertrinkenwollen endenden, aber zunächst mit Angepisse beginnendem Kurzdialog mit einem Mitglied des Fanclubsprecherrates -, bin ich nur noch genervt. Von USP-Mitgliedern kommen zum Glück andere Signale.

    Wenn ich mir den „Affenlaute“-Thread so durchlese, schreibt da ja auch keiner, man müsse solche Leute mal „abholen“, also, dass da nun freundlicher agiert würde, als ich das zu tun pflege, kann man nun auch nicht behaupten. Klar bin ich angriffslustig, aber angesichts der Reaktionen, die man dann so erhält und die teilweise einfach erschütternd sind, bleibt mir ja nur das Blog hier. Die desorganisierten Fans aus der Twitter-Bezugsgruppe sind da ungleich denkoffener, muss man echt sagen.

    Es wird sehr allergisch reagiert, wenn ein Betroffener sich betroffen zeigt und somit ja nicht nur den Intellekt, sondern auch Emotionen zum Ausdruck bringt.

    Ich kann z.B, keinem Schwulen empfehlen, sich wegen Homophobie an den Fanladen zu wenden.

    Den Schuh ziehe ich mir echt nicht an, ich habe allerlei Bereitschaft zur Kommunikation gezeigt, abbrechen tun das durchgängig die Anderen den Dialog, weil ich nicht nach deren Regeln zu spielen bereit bin; zudem irgendwann angebotene Leserbriefe im Übersteiger ja auch nix ändern, die whm bleiben dann ja trotzdem, wie sie sind.

    Schreibe ich nur, weil Du ja, glaube ich, aus dem St. Pauli-Kontext kommst.

  37. momorulez Dezember 16, 2011 um 1:11 pm

    Zum Thema „Derailing“ noch das hier, kennen zwar die meisten, trotzdem:

    http://derailingfordummies.com/

  38. Goodsoul Dezember 16, 2011 um 2:11 pm

    Der Klassiker ist ja eigentlich immer die „Der Spieß wird jetzt umgedreht – Nummer“. Da ist der Farbige dann plötzlich der eigentliche Rassist und Momo ist ein verbohrter Hetenfeind. Und USP sind ja eigentlich die wahren Faschisten!
    Das ist wohl das, was Ihr auch schon weiter oben etwas komplizierter dargestellt habt.

    Ich stehe in der Nord und kenne diese Scheisse leider (nicht am eigenen Leib aber im Umfeld). Ist jedoch –zumindest im G-Block- besser geworden. Und ab und an muss halt auch mal einer richtig angemacht werden, damit er es schnall oder bestenfalls nie wieder gesehen wird. Schlägereien sind selten geworden. Ich halte generell aber auch körperliche Gewalt für legitime Fortsetzungen gescheiterter „Politik“.

    However! Keep the faith & don’t stop complaining!!!

  39. momorulez Dezember 16, 2011 um 3:03 pm

    Ja, das mit Momo als dem „verbohrten Hetenfeind“ habe ich ja auch schon oft zu hören bekommen 😀 – und aus der Nord hört man ja wirklich immer das verhältnismäßig Schlimmste. Wobei ich die versteckten Formen persönlich oft schlimmer finde als die offenen, mal ab von direkten Gewaltandrohungen gegen Schwule. Wobei ich Dir auch in diesem Punkt, was die Feinde betrifft, zustimme 😉 ..

    Edith: „Farbiger“ ist – warum, kann man beim „Braunen Mob“ nach lesen – auch nicht ganz korrekt. PoC oder schwarz. Als wirklich freundlich gemeinter Hinweis 😉 …

  40. Urfaust Dezember 16, 2011 um 7:21 pm

    Hehe, in Ches Blog hat sich gerade eine imposante Selbsthilfegruppe gegründet, in der sich alle offensichtlich Momorulez-Geschädigten treffen. Herrlich komisch! Manche scheinen geradezu besessen von dir zu sein. Wieso nur? So interessant bist du doch gar nicht 😀

    Aber immerhin hast du so zur Gründung einer neuen Männergruppe beigetragen. Ist doch schon mal was.

  41. momorulez Dezember 16, 2011 um 8:14 pm

    😀 – ich dachte mir schon dergleichen, deshalb lese ich da auch nicht mehr. Bestätigt mich ja eher darin, dass man bestimmte Milieus bei bestimmten Themen einfach vergessen kann. Viele andere ja auch.

    Bald erscheinen dann da Artikel, dass Juden schuld am Antisemitismus sind, Frauen naturgemäß dümmer, aber zum Ficken besser und man sich nur noch unter .. ach, den lass ich jetzt.

    Dass die das als einigermaßen jähen Loyalitätsbruch empfinden und der eine oder andere sauer ist oder aber sich verletzt fühlt, das verstehe ich ja. Nur dass dafür ja umgekehrt auch nur sehr eingeschränktes Verständnis herrschte, was zudem strukturell bedingt ist, war ja nun Anlass, mal anderswo weiter zu kommunizieren. Und das auch nicht zum ersten Mal, hatte ja damals gute Gründe, bei Shifting Reality auszusteigen und muss morgens auch in den Spiegel gucken können.

    Edith: Jetzt habe ich doch mal rüber gelinst; ist ja gar nicht so dramatisch wie gedacht, wobei ich Dean, Genova oder Hartmut eh überlese. Nehme somit den Spruch oben mit dem Antisemitismus und den Frauen zurück und sag sorry.

    Die Psychopathologisierungsnummer ist halt die Übliche, wobei das Austreiben homophober Überschreibungen tatsächlich was mit dem Austreiben von Traumata zu tun hat. Ist vermutlich auch so was wie der Versuch eines sich anders nicht äußern könnenden Mitgefühls, weil es dafür auch keine Sprache gibt. Umgekehrt brauchen die allein schon so was wie Mitleid mit Schwulen, um die Assymetrie wieder herzustellen, die sie zu Stabilisierung ihrer brüchigen Selbst-Modelle brauchen.

    Fühle mich ansonsten allerdings so gut wie seit Jahren nicht 😀 – so gar nicht traumatisiert, ganz im Gegenteil.

    Dass ein Haufen gekränkter Heten den Schwulen pathologisiert, um sich nicht an die eigene Nase fassen zu müssen, das ist ja nun auch abendländische Tradition. Gehört halt zur Supremacy-Nummer mit dazu. Möchte allerdings nicht wissen, was für Traumata das sind, die Heteros durchleiden, um so zu werden. Bestimmt nicht feministische Dominanz in studentischen Hochburgen. Das ist ja völlig irre 😀 …

    Das ist überhaupt das Verblüffende, wie hochallergisch auf Äußerungen reagiert wird, wie wenig Bewusstsein aber herrscht, was die selbst so den ganzen Tag von sich geben, während sie ihre Hegemonien nicht hinterfragt sehen wollen oder das vielleicht sogar wollen, aber nicht können. Oder sonstwie blinde Flecken produzieren.

    Das wirklich Komische ist an der Diskussion, dass jene, die immer so großartig kleinbürgerliche Moral im Besonderen und Moral im Allgemeinen geißeln, da einen reinen Moraldiskurs führen 😀 – was für armselige Zurechtweisungen. Der Alte Bolschewik entpuppt sich endgültig als Pfeiffe, dann doch lieber Arschloch sein, als sich auf so was noch mal einzulassen 😀 …

    Dank an Mark, falls der hier mit liest. Ansonsten nie wieder!

  42. mühsamer Erich Dezember 18, 2011 um 9:13 pm

    Gibt es eine Erklärung dafür daß diese Leute so empfindlich darauf aus sind die Diskurse der Marginalisierten zu entwerten? Gibt es über Homophobie hinaus eine Erklärung warum sie dich so hassen? Ist das vielleicht sogar die gleiche Frage? Das Pathologisieren von Schwulen kennt man ja. Ich finde es auffällig wie viele der Pathologisierer mächtig was an der Waffel haben. Das ist eine zuverlässige Regel: Wer Schwule pathologisiert, der ist krank.

  43. momorulez Dezember 18, 2011 um 10:45 pm

    Ach, ohne zu viel erzählen zu wollen: Einer der Diskutanten da hat sich mal öffentlich, also nicht in privaten Kommunikationen, als psychisch schwer krank „geoutet“, wenn auch in einer aktuell stabilen Phase. Ein anderer hat sich über die Jahre unter immer wieder neuen, erfundenen Identitäten hier eingeschmuggelt, also auch so was wie virtuelle Nähe gesucht, um immer dann, wenn es um schwule Themen ging, auszuklinken und raus zu fliegen. Ein Dritter hat mir in seinem Blog mal unterstellt, Minderheiten, die so aufträten, seinen ja mentalitätstechnisch nah dran, so was wie die ETA zu gründen 😀 – habe mich in meinem Leben noch nicht mal geprügelt.

    Man kann nun auch nicht behaupten, dass ich allzu freundlich zu denen gewesen wäre; aber ja nicht aus dem Nichts heraus, ich setzte aggressiv Grenzen und lasse mir von denen auch nicht die Regeln vorgeben oder Minderheiten definieren. Das allein können die schon nicht ab, wenn man deren mehrheitsgesellschaftliche Definitionsmacht anzweifelt.

    Da spielen viele Motive hinein; bei Homophobie und Rassismus und Sexismus sind die dazu erzogen erzogen, sich für höherwertig zu halten, und sehen dann offenkundig sofort eine Umkehroperation vollzogen, wenn jemand diese Ansicht nicht teilt.

    Während bei Rassismus die Supremacy automatisch greift, geht es bei Homophobie eben noch mehr in den intimen Bereich. Da sie dann aber wissen, dass sie ja „eigentlich“ nichts dagegen haben „dürfen“, sind sie ganz darauf getrimmt, gute Menschen zu sein, dass sie „so was“ ja sogar „tolerieren“, obwohl nun auch ihnen das heteronormative Schema eingetrichtert wurde, wofür sie ja nix können. Wenn man diese gütig-wohlwollende Haltung bei der Analyse anormaler Insekten zurück weist, die die so einnehmen (solltest mal „Kritik und Kunst“ und Genova vertraulich in Kommentarsektionen über „Analverkehr“ quatschen lesen, die nehmen echt eine Haltung ein wie Zoologen bei der Analyse exotischer Tierarten), geht das mitten ins linke Selbstverständnis.

    Letzteres greift bei Che und Netbitch nur bedingt. Und Mark hat einfach die souveränste und angstfreieste Haltung hinsichtlich seiner Männlichkeit.

    Neben Dean habe ich mal vor Hagenbeck gesessen, das weiß der gar nicht, und nur noch die Flucht ergriffen, weil ich mit so einem wirklich keine Zeit verbringen wollte.

    Das vergisst man ja in Netz-Debatten oft, mit was für unverächtlich „armen Schweinen“ man es da zu tun hat. Die setzen sich dann zeitweise hier fest, ich weiß auch nicht, was für eine scheiternde, neurotische Problemlösung das ist, und knallen irgendwann durch. Das hat man ja bei feministischen Blogs noch viel mehr, dass da irgendwelche ver- und gestörten Männer abdrehen, weil sie irgendwas in der eigenen Psyche nicht gedeichselt bekommen.

    Das Irre ist nur: Die sind ja alle hier von selbst aufgelaufen. Das war nicht ich, der da Kontakt gesucht hätte.

  44. mark793 Dezember 18, 2011 um 11:52 pm

    @Momo, da nicht für. Als harmoniesüchtiger Alles- und Jeden-Versteher bedaure ich natürlich, dass das Ganze so entgleist ist, und Du weißt auch, dass ich Dich da nicht unbedingt als unschuldiges Opferlamm sehe. Aber dass da jetzt einige der Filme ablaufen, die Du immer beschrieben hast, ist leider nicht von der Hand zu weisen.

    @mühsamer Erich: So wenig ich für „diese Leute“ sprechen kann, so wenig plausibel scheint es mir, Homophobie für deren Hauptproblem mit Momo zu halten. Und die Pathologisierungsnummer wird auch nicht besser davon, wenn Du als Minderheitler sie gegen gegen die Vertreter der Mehrheit in Stellung bringst. Auch wenn Du wahrscheinlich ernsthaft glaubst, dass das ja gaaanz was anderes ist.

    Ich bin in den Debatten auch nicht so regelmäßig drin gewesen, um parat zu haben, wer da wann welche Hühnchen mit wem gerupft hat, aber geh mal davon aus, dass Che, Hartmut, Genova, Doc Dean und wiily56 keinen monolithischen Block der Homophobie bilden, nur weil sich da in dem Thread paar Leute einfinden, die mit Momo mal da und dort aneinandergerumpelt sind.

    Ist natürlich auch nur eine Hypothese von mir, aber ich könnte mir vorstellen, dass es zwischen dem einen oder anderen in der Runde und Momo auch dann rumpeln würde, wenn da nicht auch noch Homo gegen Hetero stünde.

  45. momorulez Dezember 19, 2011 um 12:11 am

    Als „unschuldiges Opferlamm“ sehe ich mich selbstverständlich auch nicht 😀 – exakt das suche ich ja zu vermeiden, und damit kommt der eine oder andere dann nicht klar.

    Und das Trüppchen da ist schon eines, das hochallergisch auf die whm-Kritik reagiert; willy/el mocho ja eher auf den Rassismus-Aspekt. Also, das jetzt exklusive Working Class Hero, Che oder Netbitch; dass da aber viele Muster so anders nun auch nicht laufen, ist für mich seit Kurzem ziemlich offensichtlich, auch wenn sie sich besser tarnen. Da wird theoretisch gewusst, und in Kommunkationen auch eine Scheiß-Haltung eingenommen.

    Für mich bleibt allerdings Kern des Dilemmas, siehe oben, dass aktuelle Konfigurationen dessen, was man als „rechts“ fassen kann, nicht benennbar sind. Dann rasten alle aus, weil das ja immer die Anderen sind, verweigern sich jeglicher politischer Realität und stabilisieren einfach die falsche Ordnung. Dabei ist das, was Loellie den „arisch-evangelikalen“ Komplex nannte, wirklich mitten in lebensweltlich linke Milieus vorgedrungen, und diese Debatte dient dazu, eben diese Erkenntnis zu unterbinden, weil alle dann völlig entrüstet ist, wenn man das erwähnt. Oder mit „Kopfkino“ kontern, was man immer einwerfen kann, ich ja auch, dann ist die Debatte halt vorbei. Wenn ein Haufen Heten die hegemoniale Perspektive absichert, ist das eh immer reine Ideologie.

    Das hängt aber schon eng mit dem Feminismus/Antirassismus/Homophobie-Diskurs zusammen. Und ich gebe substantiell immer viel zu viel vor, inhaltlich, als dass man mich auch in Polemiken mal eben unter Pöbeln verbuchen könnte.

    Das ist aber mehr, was Mühsamer Erich meint: Ich halte Homophobie auch für hochpathologisch. Das ist keine Umkehrfigur, das ist der Fall.

  46. mark793 Dezember 19, 2011 um 1:17 am

    Für mich ist die hochpathologische Homophobie eine Hypothese unter mehreren, meine Meinungsbildung dazu ist noch nicht abgeschlossen. Im Moment sticht mir dabei vor allem die Symmetrie der gegenseitigen „Ihr seid doch die Kranken“-Vorwürfe ins Auge, aber vielleicht unterliege ich da auch einer optischen Täuschung.

    Was Deine/Eure hochgradig unbequeme Diagnose rechter Paradigmen in linken Zirkeln angeht, fühle ich (der ich mich nie dezidiert als Linker positioniert und verstanden habe) mich eigentlich darin bestätigt, dass diese eindimensionale Achse inzwischen viel zu unterkomplex ist, um noch irgendwelche gesellschaftlichen Realitäten sinnvoll einordnen zu können. Im Extrem sieht man das bei Antideutschen, die zum Teil so weit links draußen sind, dass sie rechts wieder reinkommen (bildlich gesprochen). Bin schon etwas zu bettschwer, um das jetzt noch auszuarbeiten, wie wenig das Rechts-Links-Schema noch taugt, wenn man die politische Einstellung als Summe oder Schnittmenge der Einstellungen zu bestimmten „Issues“ versteht (und das war immerhin schon Diskussionsgegenstand der Wahl- und Parteienforschung, als ich in den 80ern bei Dieter Roth studierte und parallel dazu auch Politbarometer und andere FGW-Umfragen telefonierte). Ich versuche das evtl. morgen noch bisschen genauer auszuführen, worauf ich damit hinauswill.

  47. mühsamer Erich Dezember 19, 2011 um 9:17 am

    Tocotronic sagt es.

  48. Nörgler Dezember 19, 2011 um 9:25 am

    „Ich finde es auffällig wie viele der Pathologisierer mächtig was an der Waffel haben. Das ist eine zuverlässige Regel: Wer Schwule pathologisiert, der ist krank.“

    Ich nun wieder finde Deine Psychiatrisierungstiraden auffällig. Als gesellschaftlich Geformte sind wir alle auch deformiert, sagt Adorno. „Normal“ ist niemand. Wie sollte er es auch sein in Verhältnissen, die gemessen an der Idee einer rationalen Vergesellschaftung von „normal“ weit entfernt sind. Was wahrhaft „normal“ sei, ist eine Vorstellung, die zu entwickeln den Unfreien nicht gegeben ist. Bei der Aufstellung „zuverlässiger Regeln“ im Zusammenhang mit Menschen und deren Seelendevianz läuft es mir kalt den Rücken runter. Und dieses Hähä, der hat ja selber mal gesagt, dass er schwere psychische Probleme hat, das verbuche ich jetzt mal unter Ausrutscher.

    Das, wodurch m. Erich es gelang, sich über die Aufmerksamkeitsschwelle des Nörglers zu heben, ist, wie er das Brodersche Verfahren zur Anwendung bringt: Wer irgendetwas äußert, das dem Herrentäschchen nicht paßt, ist schneller ein Antisemit als man „Jude“ sagen kann. Wer Schwule pathologisiert hat selber einen an der Waffel, das habe ich nie anders gesehen, aber nicht jeder, der Erichs wenig mühevoller Denkweise zum Opfer fällt, hat zuvor Schwule pathologisiert.
    Ich sehe weder, wie Urfaust, der andere Submerker, meint, eine „Männergruppe“, noch, dass „die“ Momorulez hassen, noch sehe ich überhaupt „die“.

    „Gibt es eine Erklärung dafür daß diese Leute so empfindlich darauf aus sind die Diskurse der Marginalisierten zu entwerten?“
    Da zu „diesen Leuten“, um nur mal einen herauszugreifen, auch Che gehört, empfehle ich Dir In Deiner Eigenschaft als aktueller Spitzenentwerter, dass Du die Antwort auf die Frage nach der Ursache von Entwertungsbedürfnissen idealerweise bei Dir selbst suchst.

    Ohnedies sieht das aus, als habe man eine Liste der Schlechtigkeiten erstellt, um Punkt für Punkt „Trifft auf Che zu“ abzuhaken. Z.B „Selbstmitleid“: Ich kenne ich ihn on- und offline; das ist einfach nicht der Typ für Selbstmitleid. Allerdings habe ich Verständnis dafür, dass seine „Heldengeschichten“ nerven – wenn man selber keine zu erzählen hat.

  49. futuretwin Dezember 19, 2011 um 9:28 am

    Das Rechts-Links-Schema ist in der Tat schwierig zu handhaben. Das ist aber wahrscheinlich schon immer so gewesen, das wurde wahrscheinlich in der Vergangenheit eher künstlich stabilisiert. Bei vielen Antisemitismusvorwürfen hatten die Antideutschen ja recht, sind aber jetzt ihrerseits wieder „rechts angekommen“, das hast du gut augedrückt, mark.

    Aber daraus nun den Schluss zu ziehen, die Kategorie „links“ zu verwerfen, finde ich auch problematisch. „Die Leute die behaupten, werder links noch rechts zu sein, sind meistens rechts.“ das hat Diederichsen mal geschrieben. Das soll jetzt gar kein Angriff sein, bitte nicht falsch verstehen, aber das hat in letzter Zeit wieder Konjunktur, z.B. gegen Kapitalismus zu sein, aber sich mit Marx gar nicht erst auseinander zu setzten, weil „das war ja auch der falsche Weg“. Ist bei BGE-Aktivisten recht verbreitet und ich schätze mal auch im Umfeld Piratenpartei / Occupy / Anonymous.

    Solche Gruppierungen haben zum Teil Ziele, die man als links bezeichnen könnte, konzentrieren sich dann aber auf genau diese Ziele und berücksichtigen andere Problematiken (Feminismus, Homophobie, etc.) gar nicht. In einem sich als „links“ verstehenden Umfeld bekommt man schonmal Ärger wenn man da was ausblendet. Deshalb definieren sich die Antideutschen zum Teil ja gar nicht mehr als links. So Wortspiele wie „antideutsche Linke = antilinke Deutsche“ haben die sich längst selbst zu eigen gemacht.

  50. futuretwin Dezember 19, 2011 um 9:31 am

    Mein Posting ist eine Antwort auf mark793.

  51. momorulez Dezember 19, 2011 um 9:54 am

    @Mark:

    Nee, das, was ich da mit „rechts“ meine, das ist ziemlich klar eine bestimmte Propagandamaschinerie aus den USA, deren Effekt die Antideutschen eh schon sind und deren Methode, um Che zu zitieren 😀 , unter anderem bewirkt, dass man linke, politische Begriffe nicht mehr sinnvoll verwenden kann. Und was ich damit meine, das kann man ja drüben problemlos nachlesen. Dass Che dann auch noch mit „Meinungsfreiheit“ und „Prawda“ um die Ecke kommt, als hätte er den Tee der Tea-Party gesüppelt, zeigt, dass diese Gehirnwäsche funktioniert. Ebenso Genovas oder Malte Weldings RAF- bzw. ETA-Fantasien im Falle eines selbstbewussten Vertreten antirassistischer und antihomophober Positionen oder das „MomoähErnstRöhm“ von dem anderen da einst. Ersteres ist mittlerweile üblich in neurechter Agitation, Schwulsein selbst als Terrorismus zu behaupten und Assimilationsforderungen zu erheben. Diese „die schwulen Nazis“-Nummer läuft global auf Hochtouren, hat Cassie auch bedient, und erzähl den Leuten oft genug, dass Juden gierig sind und die Welt parasitär aussaugen wollen, sie werden irgendwann dagegen handeln auch dann, wenn das Quatsch ist. Oder der „Blidungsbügerherrschaftsquatsch“ vom Alten Bolschewiken, dessen Statement drüben ich übrigens am schlimmsten fand, sich in der Rolle des Plenums-Richters auszufantasieren, was man mit dem Schwulen so alles anstellen könnte, um das heroisch-hochmoralisch zurückzuweisen, auf so eine ekelhafte Art Dritte zum Objekt zu machen, das habe ich lange nicht gelesen. Diese Herrschaftsfantasie zu entgegnen, wenn es um das Einklagen der Perspektive von PoC und Schwulen geht, das ist schon der Knaller – Sarkozy hat in Frankreich ein Gesetz durchzudrücken versucht, dass die Kolonialgeschichte positiv darzustellen sei, in Kalifornien gab es rechte Initiativen, verbieten zu wollen, schwule Geschichte überhaupt zu erzählen. Das ist jeweils einen Schritt weiter, aber die einfach weg zu lassen ist ja auch nicht besser.

    Wenn mich dann parallel noch mails vom Fanladen St. Pauli erreichen, dass ich doch bitte – sinngemäß – unterlassen solle, Katholiken zu diskriminieren, der Papstbesuch habe doch gezeigt, wie sehr den die Menschen lieben, dann ist das ein weiterer Baustein der Propaganda des arisch-evangelikalen Komplexes, was einfach eine Metapher für das Agieren der US-Rechten ist. Dass Schwule Christen diskriminieren eben. Dass sie deshalb gegen die Religionsfreiheit verstoßen und deshalb weg müssen, das ist dann einfach der nächste Schritt, der noch nicht vollzogen wurde, aber eben auch in Ches Blog und anderswo sozusagen diskursiv den Boden bereitet bekommt.

    Das ist ja, was mich zum Reingrätschen animierte: Dass Che seit Wochen die Hetze von Dean da stehen lässt und dann selbst noch diese Christina-Schröder-Artikel schreibt. Wenn der permanent den Hetzern Raum gibt, ist er politischer Gegner, ganz einfach. Der hat sich für mich aus Diskussionszusamjenhängen, in denen es um emanzipatorisches Denken geht, schlicht verabschiedet.

    Das sind alles sarrazineske Rhetoriken: Erst mal Behauptungen in moderaterer Form installieren in den Hirnen, wie Meme, um den nächsten Schritt vorzubereiten, obwohl man das vielleicht gar nicht will, den nächsten Schritt.

  52. momorulez Dezember 19, 2011 um 10:02 am

    @Nörgler:

    Da warste aber schon mal besser in Form. Und ein Ausrutscher war das nicht, irgendwann reicht es mir einfach, dass mir permanent von einem nach rechts gekippten Hetenklüngel das Recht auf Selbstverteidigung beschnitten wird, umgekehrt aber, wie man es ansonsten eher von Frauen erwartet, immer noch tiefes Verständnis dafür erwartet wird, dass diese Arschlöcher agieren wie die Wildsäue. Ja, auch Che, wie üblich in der miesesten Form der Entwertung: „Ich wollte ja nicht verletzen“. Als ginge es darum. Ich tippe mir seit Jahren die Finger wund, und er will im Gegenzug „nicht verletzen“, ohne auch nur ein Wort zur Kenntnis zu nehmen.

    Den Broder schieb Dir mal als Dildo in den Hintern, auch das ist mittlerweile üblich, den gegen jene ins Feld zu führen, die Strategien derer, die hinter dem stehen, zurück weisen. Da ist nicht die Verletzung problematisch, sondern die Ignoranz.

    PS: Bezieh doch mal als Salonmarxologe, der Du bist, Deine etwas tragikomische Pointe bzgl. der Heldensage auf das Konkurrenzprinzip und die Grundlagen der Leistungsgesellschaft.

  53. momorulez Dezember 19, 2011 um 10:05 am

    @Futuretwin:

    Sehe ich auch so. Dieses Gewetter gegen die bemerkenswerterweise „Gesäßbiographie“, nicht zufällig bei den Liberalen populär, dient nur zur Delegitimierung ernstzunehmend emanzipatorischer Zielsetzungen.

  54. Nörgler Dezember 19, 2011 um 10:39 am

    Recht auf Selbstverteidigung, Preemptive Strike – da kenn‘ sich noch einer aus.

  55. futuretwin Dezember 19, 2011 um 10:45 am

    Puuh.
    Ich dachte die Diskussion hätte sich wieder etwas beruhigt………

    @momo: Der Broder-Vorwurf vom Nörgler ging doch an den mühsamen erich. Da brauchst du doch jetzt nicht so reinzugrätschen. Lass den doch selbst antworten.

  56. futuretwin Dezember 19, 2011 um 11:05 am

    Es liegt mir übrigens fern, mich als kühlen Kopf zu inszenieren. Meine Zurückhaltung begründet sich eher darauf, dass ich hier komplett neu bin und bei vielen Themen eher das „still Mitlesen und Lernen“ praktizieren möchte. Aber bevor sich die Debatte jetzt wieder so hochschaukelt…

  57. momorulez Dezember 19, 2011 um 11:14 am

    @Nörgler:

    Du bist ja zumindest prinzipiell lernfähig 😉 …

    @Futuretwin:

    Ich geh da nur so drauf ab, weil exakt diese rhetorische Figur MIR gegenüber neulich ein Mitglied des Fanclubsprecherrates verwandte 😉 … und habe übrigens rein gar nix gegen hitzköpfige Diskussionen. Wenn jemand zunächst mal wütend ist, wenn man ihn mit denen eigenen, homophoben Stereotypen konfrontiert, finde ich das eher normal. Was mir auf die Nerven geht, ist, wenn Gesagtes nicht zur Kenntnis genommen wird und stattdessen alle zur Signalsprache übergehen. Dann wird aus einem Argument, dass den „Meinungsfreiheit“-Begriff problematisiert in zugegeben scharfer Form, auf einmal die angebliche Unterstellung, jemand habe zur „korrektiven Vergewaltigung“ aufgerufen. Nein, das war ein Beispiel für Äußerungen, die mit „Meinungsfreiheit“ nix zu tun haben.

  58. futuretwin Dezember 19, 2011 um 11:41 am

    Klar sind hitzige Diskussionen spannend. Aber m.E ist dieses Nichtzurkenntnisnehmen ein Produkt der „Temperatur“ der Diskusssion. Je heißer, desto schneller „muss“ man selbst wieder in die Tasten hauen und je weniger nimmt man sich wirklich Zeit nochmal genau nachzulesen. Es gibt immer einen Punkt wo das kippt. Am geilsten sind Diskussionen wo beides drin ist: Hitze und Aufmerksamkeit.

  59. Nörgler Dezember 19, 2011 um 11:45 am

    „Tragikomische Pointe“ gefällt mir, gut gesehen. Dazu gehört aber auch, dass Ches Erzählungen von mir nicht als „Heldengeschichten“ wahrgenommen werden. Es ging, wie ich es verstand, um eine Gruppe, die er verließ, weil deren ursprüngliche Zielsetzung sich ins Gegenteil verkehrte, um daraufhin in dezidiert unbürgerlichen Kreisen sich mit armen Schweinen tätig zu solidarisieren.

  60. Urfaust Dezember 19, 2011 um 12:14 pm

    „Ich sehe weder, wie Urfaust meint, eine „Männergruppe“…“

    Ich war ja schon gespannt, wann das erste Dumpfbäckchen meinen Kommentar als Solidaritätsadresse an Momorulez missverstehen würde. Aber ich bin nur ne miese kleine Type, die so etwas wie Loyalität nicht kennt.

    Das komische Potential des Kommentarstranges bei Che war es, das mich auf den Plan gerufen hat. Wer kein Gespür für die Lächerlichkeit hat, mit der dort einer nach dem anderen aufläuft, um seine persönliche Leidensgeschichte mit Momorulez auszubreiten (Stichwort: Opferkonkurrenz), der beschwert sich auch über die unrealistischen Schlusssequenzen in Ozon-Filmen.

    PS: Jetzt warte ich darauf, dass mir einer erklärt, dass ich das mit der Opferkonkurrenz mitnichten richtig verstanden hätte. Hähä.

  61. Nörgler Dezember 19, 2011 um 12:28 pm

    Lagerdenken und Solidaritäten, Urfaust, sind Deine Projektionen auf die Welt. Um zu sehen, dass Deine Männergruppenphantasie in sich unsinnig ist, muß ich nicht auf Externes referieren.
    Das ist es, was Du nicht verstanden hast.

  62. mühsamer Erich Dezember 19, 2011 um 12:59 pm

    Nörgler gibt den hetensolidarischen Erklärbären, hält sich für objektiv und überparteilich. Nebenbei solidarisiert er sich mit heteronormativen rechten Diskursmustern und spricht Marginalisierten das Recht auf Selbstverteidigung ab. Momorulez solle die Zumutungen doch bitteschön erdulden. Was dieses Dreckspack betrifft: Ich wäre baff, wenn auch nur einer dort je nur einen Finger für einen Marginalisierten gekrümmt hätte. Tatsache ist, die Komiker da drüben benutzen die Marginalisierten nur. Genau das ist ein Kennzeichen der heteronormativen Matrix!

  63. momorulez Dezember 19, 2011 um 1:16 pm

    @Mühsamer Erich:

    Das sehe ich auch so. Das hat auch nix mit Lagerdenken zu tun, das sind die gesellschaftlichen Positionszuweisungen, die da wirksam werden. Nörgler insistiert gerade darauf, dass ich mich gefälligst mit den Motivationslagen heterosexueller Männer auseinander setzen soll, anstatt damit, dass Feministinnen und Lesben fortwährend gegen „Migranten“; möglichst gefoltert, ausgespielt werden. Und meine eigenen Motivationslagen haben schon mal gar keine Rolle zu spielen, deshalb haben sie marginal zu bleiben. So funktionieren Marginalisierungsprozesse. Dass das ganze aus einer menschlich verstandenen Soilidarität mit Che heraus geschieht, ist zwar sympathisch, aber auch nix anderes, als dabei den manipulativen Seiten von jemandem, der dann das treudoofe Opfer gibt, auf den Leim zu gehen.

    @Futuretwin:

    Meine eigene Hitzigkeit verdankt sich ja dem, dass versucht wird, mich daran zu gewöhnen, dass man Perspektiven wie der meinen auch keine Aufmerksamkeit zu schenken HAT. Um nichts anderes geht es doch da, dazu einen vermeintlichen Begründungsdiskurs zu etablieren. Wobei ich jetzt gar nicht weiß, ob Du diese parallele Debatte verfolgst, tu ich ja auch nicht mehr 😉 …

  64. futuretwin Dezember 19, 2011 um 1:52 pm

    @ momo Der Thread ist zu. 😉
    OK, ich geb doch nochmal ein bisschen Senf zu den Inhalten der Debatte.
    Das Gegeneinander Ausspielen ist doch der Kernpunkt dieses Konfliktes. Ich dachte eigentlich es wäre hier (was immer hier heißt, es gibt ja anscheinend keine irgendwie geartete „Einheit“ mehr auf die dieses hier referieren könnte) Konsens, dass dies zu unterbleiben hat.
    Und mit dem Gegeneinander Ausspielen hat Che quasi angefangen, auch wenn ich bei ihm noch nicht so deutlich das gesehen habe, was du dann sofort kritisiert hast. Netbitch hat das dann mit den Stilblüten fortgeführt. Wobei dann umgekehrt von dir auch ein paar Sachen kamen, die ich in der Hinsicht grenzwertig fand (oder ich hab sie nicht richtig verstanden), so was in Richtung „die Frauen sollen sich mal nicht über Lesben aufregen, die (also erstere) sind ja noch nichtmal ne richtige Minderheit“.

  65. Nörgler Dezember 19, 2011 um 1:56 pm

    „Erich“ ist nicht echt. Das ist ein Textbot. So schematisch und vorgestanzt wie das klingt, ist es zudem eine Version aus den Kindertagen der Künstlichen Intelligenz. Die Keywords („heteronormative Matrix“ etc.) sind vorhanden, werden aber nur reproduktiv gebraucht. Eine Generierung von Sinn, der über das in den Schlüsselwörtern Implementierte hinausginge, liegt nicht in Systemreichweite.
    Maschinensysteme ‚wissen‘ nur, was ihnen eingegeben wurde. Der Bot kann nichts dafür, dass er die Implikationen des Begriffs des „Rechts auf Selbstverteidigung“ nicht kennt. Der nämlich ist die Sprachregelung von Staaten, die damit Handlungen begründen, die außer dem Recht des Stärkeren keine weitere Begründung besitzen. Über „Recht auf Selbstverteidigung“ bin ich darum gestolpert, weil das Aufbegehren gegen Diskriminierung das gerade Gegenteil des Herfallens von Stärkeren über Schwächere ist. Darum habe ich auf den „Preemptive Strike“ angespielt, der ebenfalls stets mit dem „Recht auf Selbstverteidigung“ begründet wird. Und wo war das nochmal, wo ich darlegte, dass Marginalisierte sich nicht wehren dürfen?

    Che krümmte und krümmt weit mehr als nur einen Finger für Marginalisierte. Wenn er davon erzählt, ist der Bot aber nicht „baff“, sondern textet, dies sei bedeutungslos. Aber erklär mal einer KI aus den 80ern, dass das ein Widerspruch ist.

  66. Nörgler Dezember 19, 2011 um 2:12 pm

    „Dass das ganze aus einer menschlich verstandenen Soilidarität mit Che heraus geschieht (…)
    Überschätze da mal nicht meine Menschlichkeit.

  67. futuretwin Dezember 19, 2011 um 2:21 pm

    Ich habs nochmal nachgelesen und ich hatte es in der Tat nicht kapiert. Sorry.

  68. momorulez Dezember 19, 2011 um 3:06 pm

    @Nörgler:

    Deine despektierlichen Anmerkungen zur eigenständigen Denkleistung anderer Kommentatoren hier will ich nicht haben. Und was Che sonst so alles treibt ist mir völlig schnurz, die Homophobie-Frage, da ist er ganz einfach unreflektierte Hete. Und treibt Dich auch dazu, ständig über heterosexuelle Befindlichkeiten in einem schwulen Blog zu referieren. Das passiert in Antira-Blogs auch immer: Es wird alles dafür getan, PoC-befindlichkeiten zu entwerten und an deren Stelle die von Weißen, die über sich reden, zu setzen. Den Rest später, ich muss los …

    @futuretwin:

    Zu gelegentlichen Grenzwertigkeit bekenne ich mich ja auch offen, das war ja da meine Abschiedsrede, dann öffne ich ja keine argumentativen Räume, sondern polemisiere, klar. Ich halte den Großteil dessen, was ich da meinte und worauf da wie üblich nicht eingegangen wurde, trotzdem für sehr treffsicher.

  69. Nörgler Dezember 21, 2011 um 12:57 pm

    „Unter Bildungsbürgern ist es ja neuerdings trendy, andere Bildungsbürger des Bildungsbürgertums zu bezichtigen.“
    Wieso neuerdings? Das machst Du doch, seit ich Dich kenne.

    Indem Frau, ansonsten in jedem zweiten Kommentar auf Sportwagen und Führungsposition im Marketing verweisend, die eigenen proletarischen Wurzeln hervorkehrt, bin demgegenüber ich selbst ein sozialrassischer Glücksfalls, denn auf Proletarisches muß ich nicht verweisen, da meine Vorfahren inkl. der Ururgroßeltern allesamt Fabrikanten, Generaldirektoren und Ärzte waren. Wegen des einen Ausreißers – ein Großvater, der Vorarbeiter war, und für den ich mich hiermit entschuldige – wird man selbst bei kritischster Betrachtung mir Prahlsucht mit Proletarischem kaum vorwerfen können.

    Wenn allerdings in Issue-Town böse Buben und Mädchen garnicht anzutreffen sind, ergibt es wenig Sinn, breitbeinig wie John Wayne hereinzustampfen und mit dem Gestus „Es ist ein neuer Sheriff in der Stadt“ die großkalibrige „Perspektive von Marginalisierten“-Wumme zu ziehen.
    Von den „Anti“deutschen durften wir lernen, wie das scharfe Schwert der Antisemitismuskritik durch dauerhaften Mißbrauch stumpf ward.
    ________________________________________________

    Du möchtest despektierliche Anmerkungen zur eigenständigen Denkleistung anderer Kommentatoren hier nicht haben. Halten wir es doch einfach so: Du entscheidest darüber, ob Du meine Kommentare löschst oder mir anderswie Hausverbot erteilst. Bis dahin aber gibt es nur einen, der darüber entscheidet, was der Nörgler schreibt, und der bist nicht Du. Rausschmeißen ja, Vorschriften nein. So einfach kann das Leben sein.

    Meine Äußerungen waren, sagst Du, „despektierlich“. Es ist nur so: Wenn mir einer mit „rechten (!) Diskursmustern“ kommt, der zudem außer angelernten Sprachstanzen und dauerredundanten Platitüden nichts vorzuweisen hat, dann hat das nunmal Folgen. Wer glaubt, mir billigst ans Bein pinkeln zu können, wird mit der Tollkühnheit seines Unterfangens konfrontiert.

    Du beklagst Dich über nicht erfolgtes Löschen von Kommentaren bei Che. Aber wenn ich als homophober Nazi hingestellt werde – nichts anderes bedeutet die rhetorisch vornehme Rede von den „rechten Diskursmustern“ – dann hast Du mit dieser Entgleisung kein Problem. „Rechte Diskursmuster“ in Bezug auf mich ist das Gestammel eines intellektuell Minderjährigen, das sofort hätte editiert werden müssen. Du kannst es aber stehen lassen, denn das Zeitfenster für einen Eingriff hat sich längst geschlossen.

    Wo ich hier „über heterosexuelle Befindlichkeiten“ und dies auch noch „ständig“ referiert haben soll, wissen die Götter. Das sind dieselben, die Kenntnis über die Stelle haben, an der ich darauf insistiere, dass Du Dich „gefälligst mit den Motivationslagen heterosexueller Männer auseinander setzen“ sollst. Und auch, „dass Feministinnen und Lesben fortwährend gegen ‚Migranten‘; möglichst gefoltert [Super Witz, N.], ausgespielt werden“, ist dort gut aufgehoben. Deine „eigenen Motivationslagen haben schon mal gar keine Rolle zu spielen, deshalb haben sie marginal zu bleiben“ – soll ich da jetzt den Kopf schütteln, bitter auflachen, weinen, heulen wie ein Wolf?

    Ich verzichte jedoch darauf, um den Beleg auch nur für einen dieser Insulte nachzusuchen, da dies fraglos nicht das Begehr des rationalen Diskurses wäre, sondern stracks dem finsteren Herz der heteronormativen Matrix entspringt.

    Man wird auch mit der Klärung der Frage nicht weiterkommen, was denn reaktionär und schröderesk ist am Verlassen einer Männergruppe (deutsch, weiß, kernhetig, mittelschichtig, studentisch), deren gute Absichten ins Autoritäre, Anti-Queere und Patriarchal-Hierarchische abstürzten. Diese Männergruppen sind übrigens alle gescheitert und alle genau so. Jeder Linke weiß das, nur Momorulez weiß es nicht.

    Der Grund dafür, mit der Klärung jener Frage nicht weiterzukommen, besteht darin, dass der Gefragte bereits die Frage selbst als Nötigung definiert, mit quengeligem Hetenleid sich beschäftigen zu sollen, obzwar die Fragestellung damit offensichtlich nichts zu tun hat, und bisher auch noch keine Anhaltspunkte dafür geliefert wurden, inwiefern die Frage eine Nötigung der Beschäftigung mit Hetenkram überhaupt sein könnte.

    Abgewehrt wird die Frage in Wahrheit darum, weil Momorulez sich zu weit aus dem Fenster hängte und aus der Nummer nicht mehr rauskommt: Er müßte nämlich zugeben, dass er die Angelegenheit aus bloß debattiertaktischen Erwägungen – gewillkürt – ins schwul-hetige Themenfeld gezogen hat, um so auf leicht hinterfotzige Art die Anderen alt aussehen zu lassen. Denn jetzt kann man alles, was sonstwie nicht paßt, als typischen Hetenmist killerphrasieren. Das ist es was ich meine, wenn ich „Broder“ sage. Momorulez zieht alles auf die Folie „schwul“ ab, Broder auf die Folie „Jude“. Den B. werde ich empfehlungswidrig auch darum mir nicht „als Dildo in den Arsch schieben“, weil ich bei Gebrauchsartikeln des täglichen Sexualbedarfs (Dildos, Ketten, Frauen) auf Qualität achte.

    Jenes Verfahren der Folienprojektion indes darf darum als fortschrittlich gelten, weil es das Totschlagargument aus der Begrenztheit seiner bloß fallweisen Verwendung befreit. Denn jetzt ist die Killerphrase ins System erhoben: Jede mißliebige Äußerung trifft inhaltsunabhängig auf die weit ausgespannte Projektionsfläche und wird von dort dem Mißliebigen als dessen Diskreditierung zurückgespiegelt. Egal, was man darlegt, argumentiert, nachweist: Der Igel hat die Folie immer schon installiert, da kann der Hase rennen wir er will.

    Dieses generelle Problem hat vor wenigen Tagen auch der z.Zt. noch gelobte Mark gesehen, als er darauf hinwies, dass die Kontroverse ein deutlich schmaleres Sexualpräferenzfundament besitzt, als Momorulez das zu glauben scheint.
    Dies führt uns zu einer traditionellen Eigenschaft Momorulzens, die schon manche Diskussion sehr kurvenreich machte: sein Hang, etwas, das als seine Grille und Marotte ein bloß Subjektives ist, auszustatten mit den höheren Weihen eines Allgemeinen. Er, der wie kein Zweiter dem Absoluten mißtraut, läßt es gerne für sich arbeiten, wenn’s der Position in der Debatte dient: Sein von Blitz und Donner begleiteter Abgang aus Shifting Reality beruhte auf einer Kontroverse um den Ausdruck „sich selbst neu erfinden“. In diesen McKinsey-Sprech der neoliberalen Dressur hatte Momorulez sich irgendwie verguckt, verteidigte den Spruch wider jede vernünftige Einrede auf Biegen und Brechen und war schwersteingeschnappt, weil alle anderen das anders sahen. Heute erklärt er, er habe SR verlassen, um „noch in den Spiegel gucken“ zu können.
    So wird der kleine Reflex einer beleidigten Leberwurst zur hochmögenden Verteidigung allgemeinmenschlicher Würdewerte.

    Wer die Erfahrung machen möchte, wie innerhalb von Sekundenbruchteilen die Raumtemperatur um 20 Grad Celsius absinkt, begebe sich in eine „Osteoporose-Selbsthilfegruppe“, und erkläre dort, dass mit Höchstwahrscheinlichkeit alle Anwesenden gesund sind, weil aus der verschwindend geringen Zahl der tatsächlich Erkrankten in D und weltweit sich das statistisch so ergibt. Denn jetzt geschieht etwas Merkwürdiges: Anstatt den Überbringer der frohen Botschaft wie einen Messias mit Hosianna-Rufen zu umjubeln, sieht sich der Bote mit wütender Ablehnung konfrontiert. Das legt die Schlußfolgerung nahe, dass das dieser Gruppe zugrundeliegende Bedürfnis jedenfalls nicht das nach Gesundheit ist.
    Der befremdliche Mechanismus ‚Bei guter Nachricht Wut‘ findet sich auch bei Momorulez. Statt darüber sich zu freuen, dass Cassandra kein evangelikaler Schwulen-Terminator ist, besteht er kontrafaktisch darauf, sie sei es doch. Ches wiederholt geführter Nachweis perlt an ihm ab und dient – wir beobachten das Wirken des Folienmechanismus – umgekehrt als Beleg für homophobe Tendenzen bei Che.

    Wenn ein so called Schwuler entgegen eindeutiger Faktenlage mit hochemotionaler Beharrlichkeit darauf besteht, eine Schwule nicht hassende Person hasse sie doch, dann ist das diesem Insistieren zugrundeliegende Bedürfnis dezidiert kein schwules, denn als Homosexueller kann ich kaum ein Interesse an einer möglichst weit verbreiteten Homophobie haben. Aus schwuler Perspektive ist jeder Nicht-Homophobe ein Gewinn, was unausweichlich in die Conclusio führt, dass Momorulez in Sachen Cassandra eine schwule Perspektive gerade nicht einnimmt. Diese Perspektive wird foliengemäß nur behauptet. Man spürt die Absicht, und man ist verstimmt.

    Falls allerdings die „Ich habe nichts gegen Schwule, ich bin tolerant“- und die „So richtig Schwulenfeindschaft gibt es doch garnicht mehr“-Homophobenfraktion glaubt, mit meiner Argumentation herumfuchteln zu können, dann weise ich vorsorglich darauf hin, dass in Nörglers Fleischwolf noch viel Platz ist. Zu „die hysterischen Schwuppen übertreiben“ ist hier gerade kein Anlaß gegeben, weil das hier in Rede Stehende sich überhaupt nicht in diesem Gebiet bewegt. Dass es so sei, meinen bloß die Homophoben und Momorulez.

    Denn die Trennlinie, meint auch Mark, verläuft hier nicht zwischen Schwulen und Heten. Der aggressive Bezug aufs Diskriminierungsthema dort, wo er nicht existiert, ist ein Irrtum, der sich bei Dir, Momorulez, inzwischen zum Status einer Lebenslüge ausgewachsen hat. (Ich habe auch meine Lebenslüge(n), jeder hat sie.) Nach einer gewissen Zeit erträgst Du Zusammenhänge und Gemeinsamkeiten nicht mehr. Dann wird dagegen angewütet, bis sie zerstört sind. Warum das so ist, weiß ich nicht. Aber dass es mit Schwulsein nichts, aber auch rein garnichts zu tun hat, das weiß ich wohl.

  70. momorulez Dezember 21, 2011 um 1:18 pm

    So, ab dem Satz:

    „Abgewehrt wird die Frage in Wahrheit darum, weil Momorulez sich zu weit aus dem Fenster hängte und aus der Nummer nicht mehr rauskommt:“

    So, ab dem Satz habe ich nur noch kursorisch weiter gelesen, weil ich gar nicht wüsste, wo ich nun eigentlich heraus kommen sollte außer aus diesen dämlichen Diskussionsmustern, die in Ches Umfeld bedient werden. Ich habe da keinen Klärungsbedarf und wüsste auch nicht, wieso ich den haben sollte; die Leute kann man getrost vergessen. Da habe ich lange genug die Auseinandersetzung versucht, hat nichts gebracht, also lasse ich es doch bleiben und beschäftige mich lieber mit konstruktiveren Bereichen als diesem frühvergreisten Gesabbel.

    Das ist schon in der ersten Hälfte Deiner bemühten Ausführungen mit staatsanwaltlichem Gestus formuliert so viel Unsinn, dass man da auch nichts drauf erwiedern kann, ohne fortwährend jene Machtmuster zu reproduzieren, die Leute davon ablenken sollen, mal politisch zu denken.

    Da habe ich auch gar nicht die Zeit zu, das ist mir echt zu anstrengend, mein Leben weiterhin mit der Zurückweisung unsinniger Prämissen zu verbringen, obgleich das zu jeder schwulen Biographie dazu gehört. Dafür bin ich langsam zu alt und will noch ein bißchen Spaß haben.

    „Rechts“ ausschließlich mit Nazis zu identifizieren, während ich permament auf die US-Rechte verweise, ist schon wieder so schröderesk, wie die Analogien zwischen Ches und Netbitches Ausführungen zu denen der Ministerin offenkundig sind. Die Nazis hält man sich hierzulande, um von dem Mist anderer Milieus abzulenken, das weißt Du in anderen Fällen ja auch. Das zum Thema Lebenslüge. Und dass Alternativen zum Kapitalismus gescheitert sind, wissen ja auch alle außer Nörgler 😀 – auch wieder so ein Quatsch, dieser Satz mit den Männergruppen. Die sind an eben den sexistischen und heteronormativen Strukturen gescheitert, die Che und Netbitch offiziell kritisieren, in ihren Anekdötchens aber reproduzieren.

    Deine ganze Rhetorik zielt wie üblich bei Heten darauf ab, Diskreditierten auch noch Lebenslügen anzudichten, wieso sollte ich das diskutieren? Was Du hier treibst, ist der ziemlich jämmerliche, wenn auch wortreiche Versuch, strukturelle Probleme zu individualisieren, warum sollte ich darauf eingehen? Gib mir einen Grund, warum ich mit Dir weiterhin kommunizieren sollte.

    Dass Du jetzt auch noch diese dämliche Cassie auskramst, die bei arschwackelnden 1860-Spielern irgendwelche Nazi-Vodenker ausbuddelt, sorry, dass ihr reihenweise dieser manipulativen Ziege auf dem Leim geht, zeigt einfach nur, wie gemeingefährlich die christlichen Organisationen sind.

    Ich habe fertig zu diesem Thema; kann aber jeder gerne noch mal los werden hier, was ihn gerade beschäftigt.

  71. mark793 Dezember 21, 2011 um 2:05 pm

    Kleiner Nachtrag noch von meiner Seite. Ich hatte bei Che in dem Thread die Frage aufgeworfen:

    Oder anders gefragt: Wenn man nun mal so einen Hammer hat wie etwa working-class-background oder eben das, was Max Goldt mal den „unterhaltsamen kleinen Defekt“ genannt hat – berechtigt oder verpflichtet das den Betreffenden, die ganze Welt nur noch als Nagel zu betrachten?

    Ist keiner drauf eingestiegen, aber ich glaube, ich kann mir die Antwort jetzt selber geben.

  72. momorulez Dezember 21, 2011 um 3:46 pm

    Verstehe ich ehrlich gesagt gar nicht, was Du meinst – wo haben denn Che, Nörgler oder Netbitch einen Hammer, der sie dazu veranlassen würde, die Welt nur noch als Nagel zu betrachten?

  73. mark793 Dezember 21, 2011 um 6:34 pm

    Die Frage zielte auch weniger in Richtung der eben von Dir genannten. Der Vorkommentator hatte von einem Kommilitonen mit working-class-background berichtet, der eine auch als nicht klassistisch-abwertend verstehbare Gesprächssituation als diskriminierend empfand. Worauf ich die Frage aufwarf, ob der Kollege mit dem working-class-background automatisch Recht hat mit seiner Lesart – weil er ja in dem Fall der Diskriminierte ist und somit als einziger autorisiert, die Diskriminierung als solche festzustellen?

    Und auf unser eigentliches Diskussionthema bezogen habe ich die Frage dann ausgeweitet dahingehend, ob man denn als Schwuler verpflichtet ist, jedwede Kontroverse auf einen möglicherweise, aber nicht zwingend vorhandenen Homo-Hetero-Antagonismus runterzubrechen – auch auf die Gefahr hin, dass es so rüberkommt: Ihr seid seid anderer Meinung als ich und dazu noch heterosexuell – also müsst Ihr homophobe und reaktionäre Dreckskerle sein. Das war wie gesagt als Frage formuliert, und die ging eher an die Adresse von Dir, Loellie oder dem mühseligen Erich. In der Zwischenzeit hat der noergler diese Frage bezugnehmend auf unsere konkrete Diskussion für sich beantwortet und das Verfahren dahinter so beschrieben:

    Jenes Verfahren der Folienprojektion indes darf darum als fortschrittlich gelten, weil es das Totschlagargument aus der Begrenztheit seiner bloß fallweisen Verwendung befreit. Denn jetzt ist die Killerphrase ins System erhoben: Jede mißliebige Äußerung trifft inhaltsunabhängig auf die weit ausgespannte Projektionsfläche und wird von dort dem Mißliebigen als dessen Diskreditierung zurückgespiegelt. Egal, was man darlegt, argumentiert, nachweist: Der Igel hat die Folie immer schon installiert, da kann der Hase rennen wir er will.

    Diese Richtung des Diskussionsverlaufs habe ich ab einem gewissen Punkt auch gesehen, wenngleich ich darauf nicht mit so großen Scheinen wie „Lebenslügen“ herausgeben würde. Aber des Eindrucks, dass Dein Schwulsein und was weiter daraus an Vorwürfen Richtung Hetenwelt resultieren mag ab einem gewissen Punkt als Totschlagargument herhalten muss, konnte auch ich mich nicht ganz erwehren, so sehr ich mich um sowas wie kritisches Hetentum (im Sinne der critical whiteness) mühe. Deswegen formulierte ich es bewusst als Frage, inwieweit einen so ein Homo-Hammer verpflichtet, die Welt nur als heteronormativen-Matrix-Nagel wahrzunehmen. Wo bleibt da die Intersubjektivität? Ist die nur eine Bringschuld derer, denen der Zufall nunmal die Hetero-Nummer auf den Rücken gestickt hat?

  74. mühsamer Erich Dezember 21, 2011 um 7:08 pm

    Momorulez, du bist manipuliert worden. So klug und intelligent du sein kannst, das schließt leider nicht aus, dass auch du manipulierbar bist – besonders, wenn der Manipulant deine Schwächen kennt.

    Ich hole mal ein wenig aus: Ich habe mich schon immer für Travestie interessiert. Und zwar, niemals in der Rolle des Zuschauers. Das klingt jetzt vielleicht etwas merkwürdig. Travestie anzuschauen, das fand ich immer unsäglich langweilig. Okay, wenn Travestie wirklich vorzüglich geschauspielert wird, dann schau ich schon gerne hin. Der Punkt ist – selber eine Travestie vorzunehmen, und in eine völlig fremde, geradezu entgegen gesetzte Rolle zu schlüpfen: Das hat mir immer schon einen Heidenspaß gemacht. Sei es bei der Organisation, Vorbereitung und Durchführung satirischer Veranstanstaltungen, mit mir auf der Bühne vor 1000 Zuschauern, sei es auf Arbeit bei der Verwandlung eines Weicheies (ich) in einen knallharten Verhandler, sei es im Alltagsleben. Doppelt war der Genuss daran, wenn ich damit zugleich etwas Gutes bewirken konnte. So brachte ich (immerhin rund ein Dutzend Mal) Bekannte und Freunde in gute Jobs unter. Als Sozialarbeiter „Tobias Weinstein“ paukte ich einen Deutschrussen aus seiner Malaise und ersparte ihm drei Monate Vollsperrung seitens der Agentur. Und, obwohl ich tatsächlich eine ehrliche Haut bin (wie passt das zur Vorliebe zum Rollenwechsel?), habe ich beim Bloggen irgendwann einmal angefangen, immer neue Charaktäre zu erfinden. Beispielsweise als schnöselig-reaktionären Rechtsliberalen „Thomas Edmund von Haller“. Irrwitzigerweise wurde „mein“ Fortbleiben, nachdem mich die jeweilige Rolle nicht mehr interessierte, meistens sehr bedauert, je absurder die Rolle ausgelegt war, sogar umso mehr. Spannend war dabei für mich, neben der Perfektion des Rollenspiels, dass ich dabei plötzlich Verständnis entwickelte für die von mir künstlich hergestellte Figur, ihre absurden Haltungen, die sie einnahm – und auch das Umfeld aus dieser Rolle heraus besser verstand.

    Auch der mühsame Erich ist so eine Rolle. Die Idee dabei war, eine bestimmte Fehlhaltung (Nörgler hat das schon ziemlich gut getroffen) auf den Punkt zu bringen. Freund-Feind-Denken, pauschale Begrifflichkeiten (begriffliche Totschlagargumente), gezieltes Verdrehen des gegnerischen Standpunktes und vor allem, wirklich vor allem, eine latent feindselige und höchst vorwurfsvolle Grundhaltung in Verbindung mit Affirmation eines bestimmten ideologischen Profils. Die Idee war, um nochmal darauf zurück zu kommen, die Gefahren und Fehlerhaftigkeit dieses Diskurs- und Diskussionsverhaltens so weit zu überspitzen, dass es am Ende wirklich für alle einleuchtend ist.

    Mit dem mühsamen Erich habe ich allerdings, ungewollt, zugleich Benzin und brennendes Streichholz gespielt. Wollte ich erreichen, dass Momorulez die Beschimpfungstiraden des mühsamen Erich zurückweist, so habe ich das exakte Gegenteil bewirkt, sogar dann, wenn der mühsame Erich nur kontrafaktischen Blödsinn äußerte. Am Ende wurde für Streit gesorgt, wo keiner sein sollte. Das ging richtig in die Hose.

    Warum, ist mir jetzt erst so einigermaßen klar. Ich habe Dämonen (Nörgler nennt sie: Lebenslügen – aber der Begriff stimmt nicht so ganz, denn hinter den „Lebenslügen“/Dämonen steht echtes Gefühl, echtes Leben, ja auch echtes Leid) wach gerufen – und diese entwickelten fortan ein Eigenleben. Wenn ich geahnt hätte, dass der mühsame Erich zu Zerwürfnissen führt – und eben nicht dahin, „seine“ übersteigerte, absurde Feindseligkeit und Vorwurfshaltung abzulehnen, dann hätte ich das niemals angefangen. Tja, und obendrein war ich von der Lust an der Travestie blind gemacht worden gegenüber dem, was diese Rolle bewirkte.

    Wenn es ein Experiment war, dann war es lehrreich. Nur leider, die Zerwürfnisse sind echt – und ehrlich: Das ist es nicht wert.

    P.S.
    Das ist die letzte Blog-Kommentatorenrolle, die ich gespielt habe. Der Spaß daran ist mir gründlich vergangen, und ich habe auch keine Ahnung, wie ich den Scherbenhaufen zusammen kehre.

  75. momorulez Dezember 21, 2011 um 9:25 pm

    @Mark:

    Das ist ja schon wieder so eine Raysoneske, verzeih mir 🙂 – oder Fleischauereske oder was weiß ich. Ist ja nun nicht so, dass mir diese Diskursmethode nicht bekannt wäre, und, ganz ehrlich, für Aufklärung bezüglich der Möglichkeit solcher Diskursmuster brauche ich auch nicht den Nörgler. Das ist Standard, das zu unterstellen, und vollzieht zudem nur wieder das, was mich ja eigentlich ärgert – dass solche ja in sich schon wieder homophoben Unterstellungen, dass die Schwuppen eh zu verdreht sind, mal einen Sachverhalt adäquat zu beurteilen, weil sie eh nur alles als homophob rezipieren, vor die Zurkenntnisnahme des Geschrieben geschoben werden. Das tut mir jetzt leid, das ausgerechnet Dir zu antworten, weil Du, eben nicht in diesen verfickten links-subkulturellen Milieus sozialisiert bist, deshalb kann man mit Dir ja auch reden. Für mich ist diese Figur, nicht Du, einfach nur höherstufige Homophobie, die wiederum zum Zwecke hat, Schwule zu entmündigen. Weil sie wiederum nicht auf das eingeht, was ich schreibe, sondern irgendwas anderes unterstellt.

    Ich platze doch nicht in einen Aufruf von Che, eine Abschiebung zu verhindern,und unterstelle ihm Homophobie. Oder wenn er über verhungernde Hartz IV-Empfänger schreibt.

    Der konkrete Anlass, der ja nicht vom Himmel fiel, sondern Ergebnis einer längeren Diskursentwicklung war, war ein Eintrag, wo mal wieder diese Leier von den Auswüchsen in den Szenen irgendwelcher Provinzuniversitäten angestimmt wurde, wo natürlich vor allem heterosexuelle Männer schrecklich drunter zu leiden hatten, die sich dann auch noch bigott in Männergrupen zusammen rotteten, und die arme Netbitch dann auch, weil diese bösen Menschen sie Schwanzlutscherin nannten, ohne dass auch nur der Versuch unternommen wurde, das in irgendeinem aktuell relevanten, politischen Kontext zu verorten.

    Ich kenn doch diesen Scheiß von ihm, wo dann endlos referiert wird, wie Lesben unzulässigerweise zu Herrenmenschen (ja, ist mir aufgefallen, das „Herren“) stilisiert wurden, ohne dass auch nur ein einziger Gedanke daran verschwendet wird, wie es denn wohl den Lesben dabei gegangen sein könnte. Und das zu Zeiten, also jetzt, wird das geschrieben, wo zeitgleich die NPD gegen den „Schwulenkult“ wettert und die Mär von der Positivdiskriminierung von Minderheiten nicht tot zu kriegen ist. Bekommt dieses heteronormative Pack wie üblich nicht mit, betrifft sie ja nicht. Blogge ich zwar seit 5 Jahren drüber, aber warum sollte der Herr Che das mal zur Kenntnis nehmen? Der tut ja auch beim Telefonieren so, als würde er zuhören, während er eigentlich drauf wartet, dass man eine Pause macht, damit er wieder Geschichten aus den linken Subkulturen der 80er erzählen kann. Ganz unabhängig davon, worüber man gerade geredet hat.

    Dann habe ich von Reaktion geschrieben, noch gar nicht von homophob, weil diese Rollback-Figuren eben, kann man ja oben nachlesen, ebenso von Frau Schröder angeführt werden. Während direkt daneben Dean den Hassblogger gibt, irgendwelche Umerziehungsfantasien behauptet werden, und Che dann noch die Prawda zückt – alles Original Bissige Liberale 2006.

    Es wird sich freilich inständig geweigert, auch nur ein Wort dessen zur Kenntnis genommen, was ich schreibe, und stattdessen angebliche diskursive Strategien behauptet und der Schwule pathologisiert, natürlich gar nicht als Schwuler, sondern als irres Individuum. Und Nörgler meint noch, mir was von meinen „Lebenslügen“ ins Blog schreiben zu müssen 😀 – ich meine, da wird die Sache einfach nur noch komisch.

    Natürlich sind das dann klassisch homophobe Reaktionen.

    Die Lesben-Story weiter oben könnte man auch ganz anders erzählen: Tatsächlich erinnere ich mich daran, dass damals irgendwielinke Frauen im Zuge ihrer feministischen Mobilisierung Affären mit Lesben anfingen, wohl auch aus echten Emotionen heraus, um nach Studiumsende dann binnen kurzem mit Mann und Kind zu enden.

    Ich habe mich das immer gefragt, wie das für die Lesben wohl war. Okay, weil in einer Lebensphase mehr Auswahl? Scheiße, weil sie nur instrumentalisiert wurden?

    Interessiert Che oder Netbitch aber gar nicht. So was musste man ja wegen kleinbürgerlicher Moral hinter sich lassen. Fickt euch, echt.

    Was dann zum Unterschied zwischen heteronormativ und homophob überleitet, das nimmt ja auch keiner zur Kenntnis. Probier mal!

  76. momorulez Dezember 21, 2011 um 9:28 pm

    @mühsamer Erich:

    Das ist ja alles ganz spannend; aber überschätz Dich mal nicht dahingehend, dass Du nun zum Grund eines Zerwürfnisses avanciert wärest 😉 … ich fand Deine Einwürfe an den richtigen Stellen platziert, und wenn Du das als unerträgliche Überspitzung wahr genommen hast, kannst Du von einer Deiner Rollen offenkundig noch was lernen 🙂 – manchmal sind die ja schon weiter als man selbst.

  77. Robert Michel Dezember 21, 2011 um 10:15 pm

    „Ich habe fertig zu diesem Thema; kann aber jeder gerne noch mal los werden hier, was ihn gerade beschäftigt.“

    Morgen gibt es Schnitzel.

    Im Ernst: Spannende Debatte bei der ich mich nicht entscheiden kann wem ich Recht geben soll. Einerseits bedient sich Nörgler genau die Diskursmuster, über die sich Momo schon immer beschwert. Etwa das er als Hetero einem Schwulen erzählen will, ob er für die Schwulen stellvertretend ist. Anderseits muss ich ihm in vielen Punkten recht geben. Momo du neigst, dazu deine Sichtweisen als alleinige Realität anzusehen und räumst anderen Perspektiven nicht das Recht ein stehen zu bleiben, sonder legst sie mitunter als persönlichen Affront aus. Ein Agree to Disagree ist mit dir nicht möglich und ich halte das nicht für ein Hetero-Homo-Thema.

    Zu den Lebenslügen so viel: Wenn eine Kommunikationsstrategie nicht funktioniert, dann ist das für Menschen, die den Erfolg wollen, Anlass diese zu ändern. Wie oft hast du dich in der Debatte darüber beschwert dass dein Cetero Censo seit Jahren nicht verstanden wird?

  78. Robert Michel Dezember 21, 2011 um 10:18 pm

    @mühsamer Erich: Damit hätte ich jetzt echt nicht gerechnet. Bei dir habe ich mich immer gewundert, wie ein Mensch so kaputt und hasserfüllt werden konnte. Siehe das als Kompliment. Aber ich denke nicht, dass du ein Katalysator warst. Das Muster dieser Debatte hat es schon lange vor dem mühsamen Erich gegeben.

  79. che2001 Dezember 21, 2011 um 10:25 pm

    MR, hättest Du das früher so auf den Punkt gebracht wie jetzt hätte ich mich anders dazu verhalten. Ich kenne das ja von mir selber, dass ich mich ausbreite, wo ich besser zuhören sollte oder Threads mit dem okkupiere, das mich gerade umtreibt, aber eigentlich gerade nicht Thema ist. Habe ich so gelernt als Nesthäkchen in einer großen Familie, wo alle sehr laut sind und Tischgespräche Kämpfe um „Einschaltquoten“ sind und ich ständig in der Situation Dessen war, der Schwierigkeiten hatte zu Wort zu kommen. Die Art, wie Du sehr oft bisher darauf reagiertest ließ bei mir aber eher Ratlosigkeit zurück („wie kommt er darauf? Was meint der jetzt?“), und Blogdiskussionen, zu denen Du meintest, ich hätte Dich einerseits vereinnahmt und andererseits ausgegrenzt hatte ich selbst so wahrgenommen wie: Der erzählt seinen eigenen subjektiven Standpunkt, ich stelle dem meinen gegenüber, vielleicht macht das noch jemand Drittes, vielleicht kommt was Spannendes Neues heraus. Was Du offensichtlich als eine Art Machtkampf wahrnahmst, war für mich eher eine gemütliche Sofaplauderei. Und dann kommt hinzu, dass wir sehr oft Gesagtes diametral anders wahrnehmen. Hartmann und Co geschenkt, mir fällt dazu eine Auseinandersetzung bei Modeste ein, wo sie unter dem Titel „An die alten Männer“ einen Text schrub, in der es für sie und nach Meinung der allermeisten MitdiskutantInnen darum ging, einen bestimmten Typus älterer männlicher sexuell übergriffiger Vorgesetzter in ihre Schranken zu verweisen, Du nahmst das aber als Versuch wahr, Dir Deine sexuellen Möglichkeiten vorschreiben zu wollen. Solche Fälle sind Legion. In unzähligen Erzählsituationen erlebte ich Deine und meine Wahrnehmung als extrem weit auseinanderliegend, und ich denke, das hat auch etwas mit dem Medium Internet zu tun: Gestik, Mimik, Körperhaltung, Raumathmosphäre finden nicht statt. Ich halte es auch nicht mehr für sinnvoll, diese Kommunikation noch fortzusetzen, doch solltest Du wissen, dass ich Dich sehr mag.

  80. mark793 Dezember 21, 2011 um 10:29 pm

    @Momo: Tja, schwierig. Wie gesagt, den Kern Deiner Kritik an diesen alten Geschichten, dass da die Perspektive der gesamtgesellschaftlich Marginalisierten mal wieder so gar nicht vorkommt, kann ich mühelos nachvollziehen. Aber richtig ist auch, dass die beiden aus diesen lang vergangenen Erfahrungen im exotischen Orchideen-Biotop irgendwelcher international unbedeutender Provinzunis eben KEINE gesamtgesellschaftlichen Schlussfolgerungen im hier und heute ziehen, die einen vermeintlichen Schwulenkult kritisieren oder von Positivdiskriminierung fabulieren, deren Auswüchse man rückgängig machen müsse. Insofern schien es mir so, als würden Che und Netbitch in Deiner Reaktion darauf mit abgewatscht für irgendwelche unschöne Entwicklungen bei Deinem Heimatverein und für eine Reihe von gesamtgesellschaftlichen Rollback-Entwicklungen, für die ich in diesemTeil der Blogosphäre keine nennenswerte Zustimmung wahrgenommen habe (dieses Schrödersche Parallelogramm, was Du da zeichnest, seh ich jedenfalls nach wie vor nicht so deutlich, was auch an meiner Optik und meinem Blickwinkel liegen kann).

    Was ich mich halt frage: Muss es zwingendermaßen darum gegangen sein, Momo in seiner Eigenschaft als Schwuppe als verdreht und hysterisch hinzustellen? Da habe ich meine Zweifel, dass das die Intention war. Meine jedenfalls ist es nicht. Ich habe mir vorhin mal ein paar alte Threads von Shifting Reality angeguckt, und da seid Ihr doch nicht minder heftig aneinandergerasselt. Zum Teil hat man Dir auch Überreaktion vorgeworfen – aber ohne dass Deine sexuelle Orientierung und die der Mitdisktutanten auch nur die allergeringste Rolle gespielt hätte. Gut, nun kam im aktuellen Fall halt verschärfend hinzu, dass es eben um diese Thematik ging, da ist dann natürlich verschärfter Trigger-Alarm, zumal, wenn dann noch Doc Dean und andere mit ins Spiel kommen. Aber hey. Ich meine die Umerziehungsphantasien von dem einen Pannenkommentator schenken sich wenig bis nichts mit dem Weihnachtswunsch eines anderen, den Planeten eine Woche lang WHM-frei zu halten (Ahhh, Vernichtungswille !!!1elf!).

    Ach, ich weiß auch nicht, fänds jedenfalls schade, wenn das Tischtuch jetzt endgültig zerschnitten wäre. Trotz gelegentlichen Aneinenanderrumpelns und mancher Redundanzen fand ich Eure Diskurse doch immer sehr lehrreich und unterhaltsam (auch wenn ich weiß, dass das für die Involvierteren ja durchaus nicht immer ein Spaß ist).

  81. momorulez Dezember 21, 2011 um 10:30 pm

    @Robert:

    Ein Agree to Disagree ist für mich so lange nicht möglich, so lange sich die Gegenseite noch nicht mal bemüht, meine Sichtweise zu verstehen, sondern die ihre einfach nur fortwährend wiederholt und unter konstanter Ignoranz devianter Perspektiven stumpf fort schreibt. Dann mach ich das doch auch so. Assymetrie haben wir da eh schon bis in die Gesetzgebung hinein.

    Das ist dann nämlich kein „Agree zu Disagree“, sondern wahlweise Ignoranz oder Unterwerfung, wenn ich bei solchen Leuten jetzt auch noch rum schleimen würde. Klar hätten die das gern.

    So lange alle nur dafür fighten, binnenheteronormative Perspektiven zu stabilisieren, indem sie sich dann lieber auf mich einschießen, anstatt auch nur die Frage zu stellen, ob Che sich da nicht regelmäßig einen ziemlichen Scheiß zusammen schreibt und Netbitch dummes Zeug daher quasselt, wüsste ich nicht, wieso ich nun ausgerechnet ich mich in ausführlicher Selbstkritik ergehen sollte. Machen die doch auch nicht. Das sind einfach die üblichen gruppendynamischen Prozesse, die solche Szenen so unerträglich machen. Grauenhaft.

  82. momorulez Dezember 21, 2011 um 10:51 pm

    @Che:

    Ich nehme das in generalisierter Form ungefähr so als Machtkampf wahr, wie ich gerade auf Robert geantwortet habe, aber das jetzt nicht als einen zwischen uns zweien.

    Was die Sache zweifelsohne erschwert, ist, dass ich Genervtsein von bestimmten Verhaltensweisen nun auch nicht durchgängig von der allgemeinen Ebene trennen kann, wobei da eben immer auch eine allgemeine Eben hinein spielt. Es IST einfach so, dass heterosexuelle Männer im Besonderen und Männer im Allgemeinen dazu neigen, dafür zu sorgen, dass irgendwann nur noch ihre je eigenen Befindlichkeiten zum Thema gemacht werden – u.a. durch „Der hat mich ja so verletzt, weil er mich homophob nannte!“, und homophobe Muster geraten dann aus dem Blickfeld. Es IST einfach so, dass Weiße dazu neigen, irgendwann nur noch zu diskutieren, wie gemein es ist, dass böse PoC sie „in die Rassistenecke stellen“ und dahinter das Thema Rassismus verschwindet. Es IST einfach so, dass Männer sich gerne als Feminismusopfer stilisieren, und überSexismus redet dann keiner mehr.

    Nun schreibe mit Sicherheit auch ich oft Scheiße : D – und mache ja auch gerne meine Befindlichkeit zum Thema. Allerdings weit unpersönlicher, als es hier den Anschein haben mag. Was ich seit geraumer Zeit zum Thema mache, weil ich glaube, dass das exemplarische Erfahrungen sind, ist das Geprägtsein durch homophobe Muster ins Blog zu stellen in ja bereits stilisierter Form, einfach, weil das sonst keiner macht, zumindest ist es mir nicht aufgefallen. Lantzschi macht das aus lesbischer Perspektive, Noah aus PoC-Perspektive – und wir kriegen zwar graduell unterschiedliche, aber in manchen Hinsichten derart ähnliche Reaktionen, dass ich das zunehmend für notwendig halte, weil dadurch gesellschaftliche Muster sichtbar werden, die sonst unterschwellig wirken. Da bin ich einigermaßen stolz drauf, das ist nämlich ganz schon anstrengend, das durchzuhalten.

    Okay, und dann gibt es Leute, mit denen man lange in die Schlacht zog, und da tauchen die auch auf einmal auf. Kann zumindest mal versucht werden, wenigstens mein Entsetzen da wenigstens hypothetisch nachzuvollziehen?

    Die eher zwischenmenschlichen Aspekte, die Du anführst, ja, die spielen auch eine Rolle, und klar nehme ich zur Kenntnis, dass sie Dir auch bewusst sind. Mir geht es aber nicht nur um diese, sondern schon um das oben skizzierte.

  83. Robert Michel Dezember 21, 2011 um 10:58 pm

    „ob Che sich da nicht regelmäßig einen ziemlichen Scheiß zusammen schreibt und Netbitch dummes Zeug daher quasselt, wüsste ich nicht, wieso ich nun ausgerechnet ich mich in ausführlicher Selbstkritik ergehen sollte.“

    Du warst der Hauptadressat, aber mein Posting ging nicht nur an dich. Es ist mir zum Teil unbegreiflich, warum Nögler oder Che nicht merken, dass sie genau die Muster verwenden, gegen die du dich seit Jahren wehrst und von denen sie eigentlich wissen müssen, das sie damit die Diskussion eigentlich sabotieren.

    „Das sind einfach die üblichen gruppendynamischen Prozesse, die solche Szenen so unerträglich machen. “

    Ich glaube eher das es am Linken Weltverständnis liegt, die solche Prozesse auslöst. Das ist doch einer der Gründe warum Linke Ansätze scheitern. Jetzt nicht nur auf Minderheiten bezogen sondern generell. EIch glaube, dass es in linken Szenen keine Deeskalationsmechanismen gibt.

  84. momorulez Dezember 21, 2011 um 11:04 pm

    @Mark:

    Das mit dem Heimatverein ist zweifelsohne richtig; und natürlich sind weder Che noch Netbitch für den Rollback verantwortlich, aber wenn sie es nicht kontextualisieren und zudem noch, siehe oben, ganz wie der Alte Bolschewik die Perspektiven von nicht-whm gleich ganz aus der Geschichtsschreibung werfen, auch wenn sich dann in den Schoß der PoC geflüchtet wird, dann ist das leider Teil eines übergreifenden Trends, der Marginalisierung fort schreibt. Und von Bündnispartnern erwarte ich tatsächlich, dass das reflektiert wird. Zudem das ja nicht die erste dieser Diskussionen war, sonst hätte ich mir ja Mühe gegeben.

    Zu Shifting Reality damals hat Somlu einst mal das mit Abstand beste geschrieben. Das find ich jetzt nicht auf die Schnelle. Dieses „Sich neu erfinden“ damals und auch das ganze Zitat, dass den Biedermann positiv gegen die schrillen Vögel ausspielte, das hatte sehr viel mit schwuler Sozialisation zu tun, wenn auch indirekt. Das ist ja Glanz und Elend, Chance und Bürde zugleich, dass man sich vorgegebene Identitätsraster nicht begeben kann, weil alle schwulen Rollen negativ konnotiert sind. Man hat nicht die Wahl, einfach so den allseits akzeptierten Fortpflanzer- und Ernährerweg zu gehen, den auch nicht Heten gehen, aber die meisten gehen könnten, wenn sie wollten. Insofern befindet man sich eh von 17 an in einer chronischen Identitätskrise und wählt Wege des Sich-neu-erfindens jenseits der Pantoffel.

    Machen viele Heten auch, klar. Sie müssen aber nicht. Wenn dann so einer wie der Hartmann kommt und rum tönt, das fasst mich schon sehr an.

    Edith: Trotz Deines „ultraprogressiven Schwuppentums“ 😀 hatte ich bei Dir auch nie den Eindruck, dass Du marginalisiete Perspektiven weg drückst. Du nimmst auch eine andere Erfahrung als andere Erfahrung zur Kenntnis, ohne Dein Gegenüber zu ent-individualisieren oder zu ignorieren, dass es andere Erfahrungen eben auch gibt.

    Das Unterhaltsame sei ja allen Mitlesern gegönnt; ich mache das hier aber schon, weil ich zumindest über die Hybris verfüge, das alles unter lehrreich für mich, aber auch Dritte zu begreifen. Dass ich auch bereit bin, dafür Verletzungen Anderer und meiner selbst hinzunehmen oder ggf. auch zuzufügen, das kann man mir tatsächlich vorwerfen. Aber ich glaube, dass sich ohne einfach nichts bewegt, weil die Themen brisant sind.

  85. momorulez Dezember 21, 2011 um 11:09 pm

    @Robert:

    Na, zum auch regelmäßig Scheiße schreiben habe ich mich ja gerade schon mal bekannt 😀 … das Problem ist, glaube ich, dass alle die Guten sein wollen. Jetzt schreib ich hier schon wie Rayson. Ich ja auch. Und dann alle fürchterlich empfindlich sind, wenn das nicht anerkannt wird. Und komischerweise sind immer die am emofindlichsten, die am lautesten gegen Moralisierung anschreiben, was ja kein Zufall ist, die kennen sie halt so gut, auch die manipulativen Formen. Das war zu Post-Punk-Zeiten irgendwie entspannter 🙂 …

  86. che2001 Dezember 21, 2011 um 11:10 pm

    @Momo: „Okay, und dann gibt es Leute, mit denen man lange in die Schlacht zog, und da tauchen die auch auf einmal auf. Kann zumindest mal versucht werden, wenigstens mein Entsetzen da wenigstens hypothetisch nachzuvollziehen?“ –Dies vollziehe ich nicht nur hypothetisch nach, entsetzt bin ich von Vielem hier, hätte mir manchmal gewünscht, dass Du, ich, Noergler, Netbitch, Workingclasshero und Mark das in einem Closed Room ausdiskutiert hätten, ohne die ganzen Störfeuerer.

    @Robert Michel: „Ich glaube eher das es am Linken Weltverständnis liegt, die solche Prozesse auslöst. Das ist doch einer der Gründe warum Linke Ansätze scheitern. Jetzt nicht nur auf Minderheiten bezogen sondern generell. EIch glaube, dass es in linken Szenen keine Deeskalationsmechanismen gibt.“ … Gibt es zumindest zu wenig. Es liegt nicht unbedingt am linken Selbstverständnis, wohl aber am Binnenhorizont linker Szenen. Die Treffsicherheit des Nörglers ist dadurch bedingt, dass er in denen nicht drinhängt. By the Way: Ein Freund, der das Alles mitgelesen hatte, ohne jemals zu kommentieren meinte dazu: „Leben des Brian“. Sind wir vielleicht schon eine Satire unserer eigen Debatten?

  87. Robert Michel Dezember 21, 2011 um 11:15 pm

    „das Problem ist, glaube ich, dass alle die Guten sein wollen.“

    Darum erscheint mir der liberale Weg, die Durchsetzung einer universellen Minimalmoral, erfolgversprechender.

    „Und komischerweise sind immer die am emofindlichsten, die am lautesten gegen Moralisierung anschreiben, was ja kein Zufall ist, die kennen sie halt so gut, auch die manipulativen Formen.“

    Lest mehr Nietzsche, das ist wenigesten konsequent Moralkritik.

  88. momorulez Dezember 21, 2011 um 11:25 pm

    @Che:

    Ich glaube ja, dass der Open Room da trotz allem gar nicht so schlecht ist, wobei Du da viel weniger aufpasst als ich, das sozusagen wirklich Private raus zu halten. Was ich jetzt gar nicht kritisch meine, sondern eher, dass Du da besser auf Dich aufpassen könntest. Und Störfeuer kann man löschen 🙂 …

    Und natürlich hat das alles auch seine komische Qualitäten; in Satire würde ich das jetzt aber trotzdem nicht auflösen wollen. Dafür isses dann doch zu wichtig, was Sujet ist.

    @Robert:

    Du erwartest jetzt aber nicht, dass ich Dir zustimme? 🙂

  89. momorulez Dezember 22, 2011 um 1:10 am

    Okay, wenn Du Dean bist, mühsamer Erich, wirst Du von nun an wieder gelöscht und hast die Charade gut gespielt und offenkundig sogar was gelernt. Anerkennung dafür.

    Da jedoch Dein letzter Kommentar eine Deiner üblichen Zumutungen ist, wird er gelöscht, und verpiss Dich endlich aus meinem Blog, Stalker, und lass mich endlich in Ruhe. Dass ich bei solchen Drecksäcken wie Dir manipulierbar bin, scheint dann der Fall zu sein. Hol Dir gerne einen drauf runter.

  90. futuretwinf Dezember 22, 2011 um 9:48 am

    „Die Lesben-Story weiter oben könnte man auch ganz anders erzählen: Tatsächlich erinnere ich mich daran, dass damals irgendwielinke Frauen im Zuge ihrer feministischen Mobilisierung Affären mit Lesben anfingen, wohl auch aus echten Emotionen heraus, um nach Studiumsende dann binnen kurzem mit Mann und Kind zu enden.

    Ich habe mich das immer gefragt, wie das für die Lesben wohl war. Okay, weil in einer Lebensphase mehr Auswahl? Scheiße, weil sie nur instrumentalisiert wurden?“

    Ist das denn wirklich so komplett anders erzählt? Das was du hier schilderst, Momo, war doch ein Effekt der gleichen Strukturen. Und wenn man der zweiten, also der Instrumentalisierungsthese folgt, dann ist die Verselbstständigung dieser Strukturen doch aus der Homoperspektive auch zu kritisieren, oder? Und wenn das von Homo- und Hetero-Seite problematisiert wird, kann man doch vielleicht diese Frontziehung mal beiseite lassen, auch wenns schwer fällt.
    Ich stimme dir zu, dass bei Che viele problematische Dinge in dem Thread geschrieben wurden und die hast du auch zu Recht kritisiert. Aber mit diesem Beispiel hätte man viel früher zu einer gemeinsamen Problematisierung kommen können. Problematisierung davon, was an dem ganzen Komplex Männergruppen/“aus politischen Gründen lesbisch argumentierenden Hetera-Feministinnen“/etc. positiv und was negativ war.

  91. momorulez Dezember 22, 2011 um 9:59 am

    Ich diskutiere ja mit denen nicht erst seit heute; das Einbeziehen differenter Perspektiven ist sozusagen meine Standard-Forderung, und was mich frustriert, ist, dass auch nach Versuchen behutsamer Aufklärung ja nicht nur im für alle einsehbaren Bereich immer wieder dieser Mist aufploppt in eher noch verschlimmerter Form.

    Und die Geschichte ist nicht die gleiche, weil Lesben als fühlende und empfindungsfähige Personen in Ches Story gar nicht auftauchen und ich das zudem als Frage stelle, ich weiß es ja nicht. Hatte ja auch meine Geschichten mit offiziellen Heten, die eigentlich ganz schön waren. Gerade weil die nicht an diese Bürgerlichkeit assimiliert waren, die viele Schwule nachleben wollen.

    Was mich auch wirklich erstaunt, was jetzt gar nicht gegen Dich gerichtet ist, dass immer alles dafür getan wird, den Kritiker unter Rechtfertigungsdruck zu stellen, anstatt sich mit der Kritik zu beschäftigen.

  92. futuretwin Dezember 22, 2011 um 10:28 am

    Ich wollte nur der Diskussion ne andere Richtung geben.

  93. Pingback: und nun: Diskussion bei Momorulez « wortanfall

  94. ziggev Dezember 22, 2011 um 10:37 am

    neue ausgelagerte Kommentar-Datei! Nachzulesen bei ziggev – geschrieben beim Kenntnisstand zum Zeitpunkt des längeren Kommentars des Nörglers. Jetzt hätte ich sicherlich einiges anders geschrieben (und werde nur kleine Details noch nachbessern). Andererseits fühle ich mich in einigen Punkten bestätigt.

  95. momorulez Dezember 22, 2011 um 10:43 am

    @Futuretwin:

    Ging ja auch nicht wirklich an Dich 😉 …

    @Ziggev:

    Ich gehe gerne mal gucken.

  96. Nörgler Dezember 23, 2011 um 8:46 am

    Mit Dean ist es wie mit diesem Koch: Egal wo man reinguckt – der Lafer ist schon drin.

    Und hoppala, ich hab’s gewußt und ich habe es geschrieben: Erich ist nicht echt. Klang und Diktion waren nicht so, als ob dahinter ein wirklicher Mensch, genauer: eine wirkliche Überzeugung steht. Da haben meine musikalischen Ohren mal wieder richtig gehört, während Momorulez das U-Boot vehement verteidigte, das sich auf Feindfahrt gegen ihn befand und ihm nun mit „Treffer – versenkt!“ entgegengrinst.
    Mit kurzen Hosen dazustehen ist nur begrenzt lustig, aber das hast Du Dir nicht nur verdient; das hast Du Dir regelrecht erarbeitet. Denn Dean hat nur die Falle zuschnappen lassen, die Du Dir selber stelltest: die Falle nämlich, jede noch so wüste und irre Beschimpfung gutzuheißen, wenn sie nur gegen einen Debattenkontrahenten gerichtet ist.

    __________________________________

    „Ist ja nun nicht so, dass mir diese Diskursmethode nicht bekannt wäre“.
    Dass ein Methodenverwender die von ihm verwendete Methode kennt, ist aber nicht wirklich sensationell.

    Und nun vom Methodenwissen zur Anwenderpraxis:
    „(…) in sich schon wieder homophoben Unterstellungen, dass die Schwuppen eh zu verdreht sind, mal einen Sachverhalt adäquat zu beurteilen, weil sie eh nur alles als homophob rezipieren“ – so geht Folie; das ist es, worüber wir sprechen.
    Denn der tragende Gedanke meines Langkommentars, an mehreren Stellen erläutert im Detail, ist gerade das Gegenteil dessen, was Momorulez mir zurückfoliert, kann man ja nachlesen. Nämlich: Nicht „die Schwuppen“, und auch nicht Momorulez „als Schwuler“, sondern er bloß als Debattiertrickser verdreht die Sachverhalte so, wie er es gerade schon wieder tut. Und dazu hat er allen Anlaß: Der Igel muß sich beeilen, die Folie zu flicken, die der Hase zerriß.

    Wie lange willst Du Dich noch zum Affen machen, indem Du Dich hinter „schwul“ versteckst, wo es nur um Deine kleinen Dirty-“Diskursmethoden“-Tricks geht? Auf den Fake, ad majorem gloriam der eigenen Subjektivität das Kontingente als das Allgemeine auszugeben, muß man nicht hereinfallen: Deine Exaltationen sind nicht „typisch schwul“, sondern bloß typisch Momorulez. Die Primitivhäme, mit der Netbitch im Eröffnungsbeitrag dieses Threads überzogen wird, zeigt, dass die Ablehnung des Taschenspielertricks der Kontingenzaufhübschung nicht verziehen wird.

    Deine argumentative Monokultur ist an ihre Grenzen gelangte (der Witz „Momokultur“ wäre jetzt einfach zu flach), Du hast nur den Schuß noch nicht gehört. Der würde nicht einmal dann zu Dir vordringen, wenn hier Schwule sich einfänden, die Dir den Schindluder und den Mißbrauch um die Ohren hauen, den Du mit der Homophobie-Kritik treibst.

  97. momorulez Dezember 23, 2011 um 9:39 am

    Ach Nörgler, armer, verbitterter Mann – Du hattest zwar recht, dass Erich ein Fake war, aber ja gar kein nur schlechter. Da ist auch keine „Falle zugeschnappt“, da hat jemand aus Versehen was begriffen, und als ihm das auffiel, hat er sich vorsichtshalber wieder als das übliche Arschloch gezeigt, um sich in seine üblichen Paternalismen zu flüchten, die Typen mit chronischen Minderwertigkeitskomplexen halt brauchen, um in den Spiegel gucken zu können. Davon gibt es im Netz halt viele, die sich dann hier produzieren, weil ihnen ansonsten vermutlich keiner zu hört. Da habe ich das Glück, dass das in meinem Alltag anders ist.

    Zudem ich auch weiterhin Kommentatoren, die, ob sie das nun vorgeben oder auch nicht, sich als aus einem queeren, einem feministischen oder einem PoC-Kontext stammend präsentieren, gegen Deine Bedürfnisse, andere Menschen zu demütigen, schützen werde. Alles andere wäre lediglich inkonsequent.

    Dein Rest widerlegt sich gewissermaßen selbst. Ich lasse das mal als Beleg dafür stehen, dass dieser ganze Mist, den die Bissigen Liberalen und andere einst vorbereit haben, nun tatsächlich auch in Dein Hirn eingedrungen sind. Was schade ist, weil Du als so ziemlich einziger neben Mark in demChe-Diskussionsklüngel da schon mal weiter warst. Das ist auch unter Deinem Niveau, was Du da schreibst.

    Aber wenn Dich das alles so nervt, dann kannste ja weg bleiben. Es muss mich ja keiner lesen oder mit mir kommunizieren. Aus dem Che-Netbitch-Kreis bin jetzt raus.

    Ich mag Dich trotzdem. Und Danke für viele auch sehr erhellende Kommentare in all den Jahren.

  98. Nörgler Dezember 23, 2011 um 11:32 am

    „Ich mag Dich trotzdem. Und Danke für viele auch sehr erhellende Kommentare in all den Jahren.“
    Hatte ich nicht mit gerechnet. Danke. –

    Du stellst fest, dass AB, WCL, NB, Che, ich plötzlich Fleischhauerisches und Neoliberallakram vertreten. Nur: Ist das realisitsch, so etwas anzunehmen? Wie könnte das geschehen sein? Sicherlich gibt es immer wieder Konvertiten. Aber ein halbes Dutzend auf einen Schlag? Hier? Entspricht das der Lebenserfahrung, dass dergleichen überhaupt möglich sei?

  99. momorulez Dezember 23, 2011 um 12:15 pm

    Ja, weil bei Mehrheitsgesellschaftlern mit geradezu naturwissenschaftlicher Exaktheit ähnliche Abwehrmechanismen auf den Plan treten, wenn man deren Definitionsmacht nicht akzeptiert und die Zurkenntnisnahme abweichender Subjektiven.

    Und weil es ja so was wie Programmierungen durch Meme gibt, die gezielt permanent gestreut werden. Das ist schon spooky.

    Ich glaube, dass die Differenz zu den B.L.O.G.s darin besteht, dass „auf der Linken“ ein chronisch schlechtes Gewissen vorherrscht, oft auch völlig zu Unrecht, das im Zuge seiner Aktivierung dann gewissermaßen aus Selbstschutz zum Gegenschlag ansetzt. Das ist bei Leuten wir Hartmut sehr dominant, und dann besteht die Tendenz, viel Verständnis für die angeblich „moralischen Erpressungsversuchen“ ausgesetzten Mehrheitsgesellschaftler zu entwickeln und dadurch gar nicht mehr hinzu schauen, wo nun gerade gar kein Diskurstrick vorliegt. Szenen wie die Antideutschen, die sich ja selbst von Motiven der US-Rechten ernähren, haben da ganze Arbeit geleistet, dass man eher bereit ist, deren nun tatsächliche Diskurstricks irgendwo hinein zu lesen, als sich mal mit dem zu beschäftigen, was gesagt wird.

    Bei Debatten mit Leuten aus linken Subkulturen tritt strafverschärfend hinzu, dass die oft so abgekoppelt von mehrheitsgesellschaftlichen Prozessen leben, dass sie gar nicht merken, wann sie bei ähnlichen Mustern angelangt sind. Da wird dann schneller mit narzißtischer Kränkung reagiert, weil man ja stolz auf die eigene Lebensleistung ist.

    Oft setzt die Abwehr aber auch ein, weil die Historiserung der je eigenen „Mlieus“ schon aus Altersgründen gerade massiv einsetzt, nach den ’68ern eben die der Leute danach, und es da die Tendenz gibt, die je eigenen Umfelder als Akteure eher zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Das war ja der Konflikt mit AB. Das kenne ich ziemlich gut aus der Popmusiksschreibung, dass alles, was schwarz und schwul ist, dann zwar in Fussnoten noch irgendwie auftaucht, ansonsten aber plötzlich eine whm-Geschichtsschreibung einsetzt, die wieder eher die Grandiosität dessen, was der eigene, weiße Bezugspunkt ist, in den Mittelpunkt rückt und den Rest im politischen Kontext als eine Art Störfaktor, im Popmusikkontext als künstlerisch ungenügend behauptet und einfach vergißt. Oder aber als etwas, wo man nun selbst so toll war, als Objekt, behandelt. Da ist AB nun wirklich so was von typisch, da hat er aber ja auch zunächst darauf reagiert und die Geschichte mit dem Griechen ausgebuddelt. Seinen Auftritt in der Diskussion beim Che verzeihe ich ihm trotzdem nicht, habe mich selten so angefasst gefühlt in meinem Leben. Was für ihn unverständlich sein wird, aber das ist eben die Sache mit den Privilegien: Wer sie hat, der merkt das nicht und kann vielleicht auch Sensoren wirklich nicht entwickeln, da Unterschwelliges wahr zu nehmen.

    Das sind alles Momente, die bei den B.L.O.Gs ganz anders eine Rolle spielen, weil die eh so was wie whm als Kategorie gar nicht auf dem Zettel haben.

    So weit mein Erklärungsversuch 😉 …

  100. Loellie Dezember 23, 2011 um 3:51 pm

    Hab ich das jetzt richtig verstanden? Erichs Tiraden auf Metalust sind ein Problem, während die des Hasspredigers Dean, auf Che2001.blog noch immer ein gern gesehener Kommentator, in Ordnung sind?

    Es gibt auf Queer.de nun wirklich genug schwule NPD-Groupies die Momo aufs allerheftigste widersprechen würden, was selbstverständlich auch für die flächendeckend von der FDP unterwanderten schwulen Institutionen gilt, aber allein unter Heteros laufen deratige Diskussionen nur und ausschliesslich dann anders, wenn die Schwuchtel frühzeitig genug die Klappe hält. Zuverlässig. Auch und gerade unter sogenannten besten Freunden und am heftigsten mit irgendwelchen wie auch immer gearteten Linken.

    Ich weiss nicht was der Alte Bolschewik eingeworfen hat, um sich in die neutrale Position des aussenstehenden Beobachters haluzinieren zu können.
    Ich weiss auch nicht, auf welcher Grundlage der Nörgler sich einbildet, Schwule über Homophobie und Heteronormativität belehren zu können.
    Ich weiss noch weniger, was irakische Schulen mit dem Thema zu tun haben sollen, oder welche Relevanz die Anzahl besuchter Demonstrationen für diese Diskussion haben. Oder warum jemand glaubt in einer Diskussion um Diskriminierung und strukturelle Gewalt, in deren Verlauf ein Schwuler sich gegen genau die zu kritisierende Gewalt wehrt, mit „zurück zum Thema“ zur Ordnung rufen zu müssen, nur um dadurch zu demonstrieren, dass ihn das alles nichts anginge. Wo doch ausgerechnet sogar eines meiner eigenen bevorzugten Hassobjekte, Robert Michel, den Gegenstand der Kritik wenigstens noch erkennt, während angeblich solidarisch Verbündete besagten Gegenstand nachhaltig verleugnen.
    Ich weiss auch nicht was irgendwelche angeblich nicht homophoben Heteros dazu treibt, eine derart militante Supremacy-Haltung einzunehmen. Wobei ich mittlerweile sehr gut weiss, warum Tim Wise in solchen Zusammenhängen von „the pathology of (white) privilege“ spricht. Die hier abgelegten Abschiedsschreiben sprechen Bände. LoL, Sprechen. Diese Schreie wecken beim lesen erstaunlicherweise mein Mitleid.
    Ich verstehe einfach nicht, obwohl ich es schon aus purer Neugierde zu gerne täte, wie es möglich ist, dass ein kleine Gruppe Menschen es schafft, die atemberaubende Uebereinstimmung zwischen eigenen Postitionen/Erzählung, und dem oben für spätmerker explizit zitierten und verlinkten Schröderinterview vor sich selbst zu verleugnen. Um nur ein Detail heraus zu greifen.

    Vor ein paar Jahren hat Momo von einem gemütlichen Abendessen unter Freunden erzäht. Und über homophobe Sprüche, die er ohne zu zucken über sich ergehen liess.
    Hintervotziger Diskurstaktiker der ich bin, habe ich ihn gefragt, wie er es schafft in einer solchen Situation seine Klappe zu halten. Hintervotzig und hundsgemein desshalb, weil ich ihn gefragt habe warum, obwohl ich ganz genau wusste, warum. Nicht etwa weil er feige ist, oder sich nicht wehren könnte, das arme Ding, sondern wegen der uns abgesprochenen Lebenserfahrung. Alleine schon das der Nörgler sich wundert:
    „Ist das realisitsch, so etwas anzunehmen? Wie könnte das geschehen sein? Sicherlich gibt es immer wieder Konvertiten. Aber ein halbes Dutzend auf einen Schlag? Hier? Entspricht das der Lebenserfahrung, dass dergleichen überhaupt möglich sei?“
    Ich kann ja nur für mich und Menschen sprechen, mit denen ich in meinem direkten Umfeld zu tun hatte, aber nein, das ist nicht „möglich“, sondern passiert zuverlässig, vorhersehbar und berechenbar, wenn ein Schwuler alleine! unter Heteros sitzt und sich die Frechheit herraus nimmt, das Wort Homophobie auszusprechen, ohne sich umgehend dafür zu entschuldigen.
    Die Gemeinheit meiner Frage, warum er sich nicht gewehrt hätte besteht nämlich exakt darin, dass ich nur zu gut weiss, dass, hätte er sich tatsächlich gewehrt, an diesem Abend Freundschaften zerbrochen wären. Was genauso unzumutbar ist, wie sich von „Freunden“ erklären zu lassen, dass man doch irgendwie anders und unnatürlich ist. Ich persönlich lege auf derartige Bekannte oder Freunde keinen Wert, aber das kann ich doch unmöglich von jedem Anderen in jeder anderen Situation erwarten und einfordern. Ich mach dann Skandal, was auch nicht jedermanns Sache ist, aber ob Momo nun letztendlich, bzw wieviel er mit diesen Leuten heute noch zu tun hat, muss er selbst berichten, auch wenn ich mir an einem Finger abzählen kann, dass er entweder garnichts mehr, oder, wenn es sich nicht vermeiden lässt, in der zwischenzeit den Kontakt auf ein minimum beschränkt hat.

    Aus einer bestimmten Perspektive waren die endlosen Diskussionen der letzten Jahre hier und anderswo tatsächlich eine Art Phantomdebatte, ging es doch ih Wirklichkeit nie um etwas anderes, als die eine Schwuchtel die Arschloch gesagt hat, und die andere Schwuchtel, die ums verrecken ihre blöde Fresse nicht halten will.
    Mal ganz abgesehen von dem immer wieder auftauchenden Klassismus, der sich in Aeusserrungen wie „Ich habe mich mit Skinheads geprügelt“, oder „schlagt sie wo ihr sie seht“ äussert, während das beim Akademikerkränzchen bekleckerte Tischtuch jahrelang skandalisiert wird – nicht das ich was dagegen hätte, wenn sich Leute mit Nazis prügeln, schon garnicht in konkreten Notwehrsituationen, aber auszuschliessen, zur Abwechslung mal einen Zettel, oder Sarazin, oder diesen B-Punkt mit einer dicken Fresse nachhause zu schicken spricht Bände – kann ich das Missverständniss mit dem Hammer und der Welt als Nagel sogar ein Stück weit nachvollziehen. Nur sehen weder ich noch Momo uns hoffnungslos von Homophobie umzingelt, obwohl das bei Heteronormativität sehr wohl der Fall ist, es ist nur so, dass wir bei exakt diesen Themen nicht kleinbei geben. OK, für mich stimmt das ja garnicht, weil ich ja schon längst kleinbei gegeben habe und ihr mich mit eurer Scheisse längst kreuzweise könnt. Dann sterbt eben dumm, was soll mich das noch scheeren. Bejubelt nur weiter offensichtlich schwerst psychisch gestörte Dummschwätzer als gloreiche Fallensteller und fantasiert euch weiterhin Beamte, die durch einen Eid an den Staat gebunden sind, zu Proletariern um.
    Ihr Helden der Revolution.

    Nochmal für die ganz langsamen. Schwule können Homophobie nur und ausschliesslich dann mit Heteros Diskutieren, wenn die angesprochenen Heteros das Gefühl haben, sie seien nicht gemeint. Der Schwule muss zwingend dem Hetero gegenüber Auftreten, wie es der Bildungsferne Rassist tut. Kanacken sind voll scheisse, aber du, Ali, bist einer von uns! Stinken tust du nicht und faul bist du auch nicht.
    Egal wie nichtig der Anlass und vollkommen egal wie man „das war jetzt aber homophob“ kommuniziert, es gibt nur und ausschliesslich zwei Wege das Gespräch zu beenden. Klappe halten und den meist unbewusst geäusserten homophoben Dreck schlucken und wehrlos über sich ergehen zu lassen, oder nicht die Klappe halten und sein Leben mit einem oder mehreren „Freunden“ weniger weiterleben.

    Und als ob ichs lassen könnte:
    Ihr blöden Arschlöcher solltet dankbar sein, dass Momo sich diese Scheisse seit Jahren immer und immer und immer wieder aufs neue mit euch angetan hat, seitenlang refferierend, warum das so ist, und stattdessen benehmt ihr euch wie die letzten Dreckschweine. Was zum Teufel soll das?

    Was jetzt mal wieder zwei Stunden verschwendeter Lebenszeit meinerseits waren. Es ist ja nicht so, als sei an irgend einem Punkt der letzten Jahre der Eindruck entstanden, dass das was ich schreibe, überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Insofern möchte ich diesen Kommentar explizit nicht als Diskusionsbeitrag missverstanden wissen, sondern schlicht als Solidaritätsadresse an Momo und als Ausdruck meines Entsetzens.

  101. momorulez Dezember 23, 2011 um 4:14 pm

    Danke für die deutlichen Worte 😉 – und die Solidaritästadresse, und dass Du überhaupt mal wieder auftauchst 😉 …

    Dass ich da inhaltlich mit übereinstimme, brauche ich ja nicht zu betonen. Wobei mich schon wundert, was jetzt so ganz und gar nichts gegen Dich ist, ganz im Gegenteil, dass ich schon immer als Turbo-Aggressor wahr genommen werde, wo ich mich eigentlich häufig zwar polemisch, aber ansonsten undeutlicher ausdrücke. Und ich mit dem Nörgler da wesentlich besser klar komme als mit Che, ich weiß auch nicht, warum. Vielleicht, weil der weiß, dass Austeilen eben auch „zum Geschäft“ gehört und nicht immer noch einen auf achsolieb macht.

    Ich kann mich an das Abendessen, von dem Du schreibst, bemerkenswerterweise nicht erinnern. Muss ich verdrängt haben, dann wohl mit gutem Grund.

    So in meinen Alltagssituationen außerhalb der FC St. Pauli-Crowd fällt mir seit längerer Zeit keine Situation mehr ein, wo ich so was erlebt hätte. Und innerhalb der Crowd gibt es auch sehr denkoffene, wo solche Situationen nicht entstehen, wobei das zumeist wahlweise deutlich Jüngere sind oder aber solche, die nicht in diesen vermeintlich linken Subkulturen sozialisiert wurden, sondern auf ihre Art ein ziemlich unkonventionelles Leben geführt haben und noch führen, ganz tolle Leute dabei (auch wenn @sparschaeler gerade sauer auf mich ist). Die gar nicht so ein Brimborium machen und einem mit einer warmherzigen Selbstverständlichkeit begegnen.

    Während die plenumserfahrenen Apparatschiks der Fan-Szene reihenweise ausrasten. Das ist echt gruselig, WEIL man sie halt für Bündnispartner hielt und dann auf die Fresse kriegt. Siehe das von Dir Geschriebene.

  102. Nörgler Dezember 23, 2011 um 6:13 pm

    Ja Loellie, altes Haus! Rustikal wie je, raue Schale, schwieriger Kern, ein Charmeur und Herzensdieb, und wäre er denn Österreicher, wär’s das gold’ne Wiener Herz.
    Ganz stark: Im Unterschied zu „Erich“ existiert Loellie tatsächlich. Jede Latte, die ihm an seinem Zaun fehlt, ist echt. Obwohl man das kaum glauben mag, denn kein verrückter Dean-Fake ist auch nur halb so schräg wie der reale Loellie.

    Loelli fragt, der Nörgler antwortet:
    Die Frage: „Ich weiss auch nicht, auf welcher Grundlage der Nörgler sich einbildet, Schwule über Homophobie und Heteronormativität belehren zu können.“
    Die Antwort: Auf garkeiner Grundlage, weswegen der Nörgler auch noch nie Schwule über Homophobie und Heteronormativität belehrt hat.

    Wenn das, „was jetzt mal wieder zwei Stunden verschwendeter Lebenszeit meinerseits waren“ – das brav Aufgesagte nämlich, das klingt, als wär’s vom „Erich“ – von Dir in die Lektüre meiner Kommentare investierte wäre, und zwar nicht mit 2 Stunden, sondern bloß mit 20 Minuten, dann nämlich hättest Du es uns erspart, Deine präformiert stereotypen Herzergießungen zum gefühlt 1000sten mal lesen zu müssen. Du laberst seit Jahren denselben Einzellermurks nach demselben Projektions- und Folienschema, glaubst, Du wärst – in den Debatten – schwul, dabei bist Du nur bekloppt. Dieses Verfahren der mächtigen Worte und der aufgepumpten Subjektivität fährt dann regelmäßig vor die Betonwand, auf der in großen Lettern „Nörgler“ steht.

    „Vielleicht, weil der weiß, dass Austeilen eben auch „zum Geschäft“ gehört und nicht immer noch einen auf achsolieb macht.“ Die skrupellosen Profikiller erkennen einander. Die Resultante ist das Amalgam von Respekt und Tod.

  103. momorulez Dezember 23, 2011 um 7:37 pm

    Na, Nörgler, üben wir doch mal: Die Forderung, den Text zu lesen, auch selber befolgen. Und die Stereotype, die Loellie treffend beschreibt, sind halt typische Abwehrmechanismen, Machtansprüche, Irrelevanzerklärungen usw., die viele so called „Heterosexuelle“ ebenso stereotyp anwenden, als habe sie jemand konditioniert. Was ja auch so ist. Deshalb ist es so schwierig, da nun geneigten Lesern ständig neue Inspiration oder sonst irgendwas Unterhaltsames vorzusetzen, weil sich da ja auch nix ändert. Deshalb kann man stereotypes Verhalten auch nur mit Wiederholungen beschreiben, das ist ja das Drama, dass mit aller Kraft dafür gesorgt wird, die dominanten Strukturen zu stabilisieren, obwohl sie so grauenhaft langweilig sind und dabei auch noch Leuten weh tun.

    Ich bin froh, dass Loellie mir den Rücken stärkt. Und erhat einfach recht.

  104. Nörgler Dezember 23, 2011 um 8:25 pm

    Loellie beschreibt keine Stereotypen, er ist eins. Tschulligung, aber den Durcknallerevent „Loellie“ erachte ich nicht als diesseits des Diskutierbaren.

  105. momorulez Dezember 23, 2011 um 8:49 pm

    Ich finde, dass er seit Jahren der mit Abstand treffsicherste ist 😉 …

  106. David Dezember 23, 2011 um 9:03 pm

    Nun ja, die Sowjets bauten 50Mt-Bomben, weil sie nicht besonders gut zielen konnten und so dennoch niemals ein Ziel hätten verfehlen müssen.

    Aber Loellies letzter Kommentar kann, meine ich, durchaus zu denken geben; wegen mehr als nur der Mt-Zahl.

    Jetzt erstmal frohe Feiertage, auch den Ungläubigen.

  107. momorulez Dezember 23, 2011 um 9:16 pm

    Dir auch, David! Genieße 🙂 …

  108. Nörgler Dezember 23, 2011 um 9:31 pm

    „Ich finde, dass er seit Jahren der mit Abstand treffsicherste ist“
    sofern man es gutheißt, dass der Irre mir innert 30 Minuten
    Prügel, die Staatsanwaltschaft und
    den Verfassungschutz androhte.
    Wenn ich recht erinnere, hast Du, Momorulez, in der Situation auf die Seite der Prügel, der Staatsanwaltschaft und des Verfassungsschutzes Dich gestellt, und Du tatest es mit Beigeisterung.
    Insoweit machen Deine jüngsten Kommentare mich schmunzeln.

  109. momorulez Dezember 23, 2011 um 9:54 pm

    Na ja, Nörgler, in irgendwelchen Scharmützeln setzen wir dann halt auch mal die fiese, überhebliche Maske des Achsogebildeten auf und langen viel heftiger hin. Das hättest Du übrigens Loellies Kommentar problemlos entnehmen können und greift einen anderen ja völlig durchgeknallten Aspekt der ganzen Debatte auf: Diese Groteske, dass sowohl Netbitch als auch der Alte Bolschewik dann auf einen den Bildungsbürger an mir abarbeiten,mum den Schwulen negieren zu können, weil sie eben in der Welt leben, die Du mir oben unterstellst: Dass so etwas wie Diskriminierungserfahrung nur als Diskursstragie in deren Welt aufscheint und von daher Hinweise z.B. auf das Rauswerfen von PoC aus der Geschichtsschreibung vorsichtshalber mit einer gekontert werden, weil argumentativ kein anderer Ausweg bleibt. Bei Netbitch wundert mich das, weil die nun auch tatsächliche Erfahrungen diesbezüglich haben wird. Da ticken die dann trotzdem wie in diesem lächerlichen Kartenspiel vom Spiegelfechter und glauben, dass Andere auch so seien. Was Du mir hier ja auch wortreich unterstellen wolltest; hier trifft es aber nicht zu.

    Ansonsten machst Du gerade das, was in der ganzen Diskussion nervt und mir auch in bestimmten Hinsichten vorzuwerfen wäre: Du versuchst, über die Person Loellie zu reden, um das nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen, was er schreibt.

    Ich habe tatsächlich auch durch Genervtsein von Netbitch, Che und anderen beim Che so rein gegegrätscht, weil ich mir diesen Scheiß da nicht mehr geben wollte, allerdings, NACHDEM ich die Schröderesken da zur Kenntnis genommen hatte.

  110. Nörgler Dezember 23, 2011 um 10:01 pm

    „Ich finde, dass er seit Jahren der mit Abstand treffsicherste ist“
    sofern man es gutheißt, dass der Irre mir innert 30 Minuten
    Prügel, die Staatsanwaltschaft und
    den Verfassungschutz androhte.
    Wenn ich recht erinnere, hast Du, Momorulez, in der Situation auf die Seite der Prügel, der Staatsanwaltschaft und des Verfassungsschutzes Dich gestellt, und Du tatest es mit Beigeisterung.
    Insoweit machen Deine jüngsten Kommentare mich schmunzeln.

  111. Nörgler Dezember 24, 2011 um 10:07 am

    Das Knalldeppentum kann durch das Schwulsein nicht geheiligt werden, weil beides nichts miteinander zu tun hat. Und da gibt es ein paar Leute – die Blödesten sind es ja nicht –, die es leid sind, dass man sie da hinter die Fichte führen möchte.

  112. momorulez Dezember 24, 2011 um 10:33 am

    Na ja, das Knalldeppentum, das Du hier zelebrierst, hat aber schon was mit der sicheren Assimilation an heterosexistische Machtstrukturen zu tun, sonst kämest Du ja ganz von selbst darauf, das mal zu thematisieren. Über Schwule richten und denen dann zu dozieren, was bei ihnen nun jeweils was mit „Schwulsein“ zu tun hat und was nicht, das mag ja eine fester Traditionsbestand christlicher Kultur sein; dass das Ganze nun auch noch mit der üblichen klassistischen Haltung gewürzt wird, macht die Sache ja nicht besser. Beim RTL-Nachmittags-Umerziehungsfernsehen haben sie bestimmt Jobs für euch, ebenso in der katholischen Lebensberatung, wo man sich ja auch um das Seelenheil der Perversen sorgt, aber sie, wenn sie sich erfrechen, „auf der Nase herum zu tanzen“, die Niederen, die nur dann was sagen dürfen sollen könten, wenn sie auf den Knien bleiben, mit dem Ku Klux-Clan vergleicht. Oder der Prawda, um Lesben zu dissen im Namen der Meinungsfreiheit.

    Loellie steckt analytisch und diagnostisch diesen ganzen bornierten Akademikerklüngel mal eben locker in die Tasche, und das seid ihr leid, dass hinter eurem aufgeblasenen Getue einfach nur der deutsche Spießer steckt und er euch das permanent vor führt.

    So weit mein Wort zur heiligen Nacht 🙂 … und nun lies die Paulus-Briefe. Ich bin das ja auch leid, mir diesen repressiven Müll ständig durchlesen zu müssen. Schreib das doch Che ins Blog,der freut sich, und Jolly, Dean, Hartmut und Genova werden Dir zujubeln und freundlichst in den Heten-Chor einstimmen. Ist ja Weihnachten. Sind ja alle seit der Umkleidekabine so gewöhnt. Habt euch wohl!

  113. mark793 Dezember 24, 2011 um 2:39 pm

    Loellie, lets talk about knuckles.

    In diesem Sinne: Frohes Fest, Ihr Schnuffis!

  114. Nörgler Dezember 24, 2011 um 4:49 pm

    Die Tatsache, dass es bei Schwulen wie Heten vernünftige Leute gibt und solche, die es nicht sind, ist der Beweis, dass das nichts miteinander zu tun hat.
    Der Vorwurf, ich wollte Schwule belehren, geht darum ins Leere.

  115. momorulez Dezember 24, 2011 um 5:23 pm

    Gar nicht unterm Tannebaum? 🙂

    Dir auch ein frohes Fest – inspirierende Raunächte, wie Martin so schön sagte! Und dass nun die vernünftige Beschreibung von Verhaltensweisen, die Heterosexuelle an den Tag legen können, aber ja nicht müssen, und die tatsächlich Freundschaften beenden können, wenn man das Spiel als Schwuler nicht mit spielt, nun nichts mit Schwulsein zu tun haben sollen, das ist eine durch die Vernunft nicht mehr gedeckte Aussage. Wir diskutieren hier ja aktuell weder Kernkraft noch Herrn Wulff (na, indirekt schon, weil der als Katholik mit den Evangelikalen kungelte), und es ist ja ein Frage der Lebenserfahrung, wann das nun eine Rolle spielt und wo nicht, einer Erfahrung, über die Du gar nicht verfügst.

    Da wir aber ja alle lern-, sprach-, -denk und handlungsfähige Wesen sind, lassen wir doch alle mal sacken und feiern stattdessen das Fest der Liebe!

  116. Loellie Dezember 24, 2011 um 7:19 pm

    *stress*

    Euch auch schöne Weihnachten!

    *zurückindieküchehetz*

  117. cut Dezember 25, 2011 um 12:08 pm

    Auch von mir schöne Weihnachten! Aus dem Lager der Blockfreien sozusagen.

  118. momorulez Dezember 25, 2011 um 1:40 pm

    🙂 -Gruß nach Düsseldorf! Und schöne Restfeiertage!

  119. Nörgler Dezember 27, 2011 um 12:30 pm

    Jolly Roger freut sich wohl nur begrenzt, denn er hat mir bislang nicht zugejubelt, als ich ihm entgegnete: „In Momorulez Scheiße ist mehr Intelligenz als in Deinem Gehirn.“ –

    Der hiesigen Mehrheitsreligion stehe ich deutlich ferner als jemand, dem eine schamanistische Christologie recht gut zu gefallen scheint.

  120. momorulez Dezember 27, 2011 um 1:56 pm

    „In Momorulez Scheiße ist mehr Intelligenz als in Deinem Gehirn.“

    Dankeschön 😉 …

  121. workingclasshero Januar 20, 2012 um 4:01 pm

    trackback

  122. momorulez Januar 20, 2012 um 5:06 pm

    Das ist so ein Blog, wo ich einfach nicht mehr lesen möchte, und bitte darum, das zu respektieren. Hier muss ja auch keiner lesen, der nicht will.

  123. workingcklasshero Januar 22, 2012 um 7:26 pm

    Niemand kann dich zwingen, irgendwas zu lesen, und ich möchte mich auch nicht aufdrängen. Aber dieser trackback könnte ja vielleicht deine Sichtweise auf den Konflikt ändern. Mir auch egal, ich halt mich da raus.

  124. momorulez Januar 23, 2012 um 12:28 pm

    Ich habe den ersten Absatz gelesen, dann hatte ich genug, und fühle mich in meiner Sicht der Dinge bestätigt 😉 – kaum kratzt man an Ego-Fassaden, schon kommt der Liberale hervor gekrochen. Die Rasysonisierung der Pseudo-Linken hat sich sozusagen vollkommen vollzogen, und die weiße Heterosexuelle flüchtet sich in die Individuierung zur Kritik der Kritik gesellschaftlicher Strukturen. Ich finde ja auch, dass man Josef Ackermann als Individuum wahrnehmen sollte, da landet man nur auch nicht bei der Kritik der Besitz- und Eigentumsverhältnisse als Formationen gesellschaftlicher Macht und Herrschaft.

    Dass sich die ganzen weißen Heten mal wieder völlig einig sind, das war doch aber von vorherein klar. Das läuft immer so. Dazu gibt es ja Heteronormativität. Ich widme mich auch in Zukunft lieber wieder Jüngeren, wo in den Köpfen noch was statt findet, als Formen des Konservatismus. Das, was Netbitch da schreibt, kann man schon bei Milton Friedman lesen. Sonderlich individuiert ist das nicht.

    Edith: Zudem sich mir wirklich die Frage stellt, inwiefern mir ein Text, in dem mir unter anderem manipulative Lesarten unterstellt werde und dann auch noch ein paternalistisches Arschloch wie der Alte Bolschewik abgefeiert wird, der nun selber irgendeine vermeintliche Arztsohn-Haltung hinter den Äußerungen anderer wittert, um sich mit den Inhalten nicht auseinander setzen zu müssen bei seiner weiß-männlich-heterosexuellen Musik- und Universitätsgeschichtsschreibung als Vorzeigeproletarier im beschaulichen Beamtenstädtchen Freiburg, insofern schon weiß, wovon er da schreibt, mir nun irgendeine neue Sichtweise vermitteln sollte. Was für eine denn?

    Und diese Subkulturgeschichtsschreibung zur vermeintlichen Positivdiskriminierung fragt sich schon wieder nicht, wie eine Lesbe das gleiche Thema beschreiben würde. Und das war, um es noch einmal deutlich zu schreiben, für mich der Grund des Gesprächsabbruches: Dass man sich 5 Jahre lang die Tatstatur fusselig schreibt und NICHTS von dem auch nur zur Kenntnis genommen wurde dessen, was ich geschrieben habe. Dann sucht man sich halt lieber andere Gesprächspartner, als sich dieses Hetengejammer rein zu ziehen.

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