Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

!

„Das Thema selbst ist schon schwierig für 12- bis 13-Jährige und die Schilderung einer völlig einseitigen von Heterosexualität im Film könnte hier zu einer Desorientierung in der sexuellen Selbstfindung führen.“

20 Antworten zu “!

  1. ziggev Dezember 2, 2011 um 4:47 pm

    ich weiß nicht so genau, ob ich hierzu überhaupt was schreiben sollte. Aber das ist ja nun wirklich absoluter Schwachsinn. An meiner Schule gabs ein Film-Theaaterprijekt, das auch Showelemente enthielt, und bei dem ebenso leichtbekleidete Tänzerinnen auftraten (Thema Luxuxdampfer, Südsee) wie ein wundervoll gespielter, quirliger, schnellsprechender italienischer Koch, zugleich virtuos, linkisch, fahrig, kommödiantisch, geschickt, tuntig (wenn ich das sagen darf) – mit offensichtlicher Freude gespielt: da war allen sowieso klar, was los war, wie ich mindestens 10 Jahre später erfuhr. Ich musste mich aber in die Aufführung reinschmuggeln: ich war zu alt! Das war ein Mittelstufenprojekt! (btw, ne echt coole Kunstlehrerin)

    Es gab allerdings auch ein paar Jahre zuvor diese Umkleideraumgeschichte. Erschütternd. Ebenfalls ein super begabter Schauspieler, der da fertiggemacht wurde. Aber ich war, was das anging, ein Nullchecker. Hätte in meiner Stufe Homosexualität offen(er) gelebt werden können, wäre auch ich das Thema Sexualität viel offener angegangen. Einer, den ich im „Verdacht“ habe, ging dann auf ein Internat (obwohl Eltern nun nicht gerade reich), die Mädchen hatten eher hinterhergeseuftzt, er war ja so unerreichbar … Eigentlich sollte ich hierzu gar nichts schreiben, das eine Coming Out (weiß nicht, ob freiwillig oder nicht) hatte ja desaströse Folgen gehabt und dieser talentierte Schauspieler hatte immer bizarrere Verhaltensweisen an den Tag gelegt, ich kannte den noch aus der Zeit „davor“ und war, obwohl ja noch jung, echt beeindruckt von seiner freien, unbelasteten Spielfreude, der Unterschied zu später, eine traurige Geschichte, echt krass! Der wechselte, glaube ich, auch die Schule.

    Musste ich wirklich erst Tonio Kröger (Tonio Kröger/Hans Hansen), Buddenbrooks (Hanno/Kai Graf Mölln) lesen, damit mir das alles klar wurde? Damit ich meine Vorstellungswelt dafür öffnen konnte, was bei einigen Mitschülern da so abging (die positiven wie die üblen Storys)? Damit sich meine Wahrnehmung entzerrte? „verzerrte Realität“! Den Tod in Venedig haben wir z.B. auch in der zehnten gelesen, glaube ich wenigstens, da waren also die meisten noch 15. Überhaupt, die Vorstellung, man müsse die Kinder nur richtig dressieren. Ist Th. Mann jetzt nicht jugendfrei?

  2. momorulez Dezember 2, 2011 um 5:14 pm

    Was für „bizarre Verhaltensweisen“ denn? 😀

    Das ist halt einfach das, was die Mehrheit der Gesellschaft denkt: Gott, die Schwuppen muss man schon aushalten können, so lange sie sich nicht zu sehr aufspielen, dann gibt es Saures – es gibt sie halt, aber wer will SO WAS schon WERDEN? Nee, ein glückliches, konstantes Beziehungsleben führt nur heterosexuell und indem man die Geschlechterrollen auch annimmt, da sollte man die armen Kinder nicht auch noch mit solchen freakigen Sondermodellen konfrontieren, da fühlen sich ja selbst Erwachsene belästigt.

    Das, was Du als „Verdacht“ beschreibst, funktioniert ja ähnlich – eben die Abgrenzug konstant halten, indem man einem „Verdacht“ aussetzt, gegen den sich dann zur Wehr gesetzt wird. Arme Gesellschaft, die dergleichen nötig hat.

    Im Gegensatz dazu erinnere ich mich gut, das hatten wir hier schon mal, als ich als ziemlich kleines Kind, so 6 vielleicht, einen Film gesehen habe, in dem ein Sohn mit seinem Vater bricht, als er raus findet, dass dieser schwul ist. Was er raus findet, weil dieser von seinem Lover eine Uhr mit Liebeserklärung oder so erhält.

    Ich habe das Entsetzen dieses Sohnes einfach nicht verstanden, und es gelang meinen Eltern damals auch nicht, mir das plausibel zu machen. Wieso sollen die sich denn nicht lieben? Ich habe damals er völlig verstörend gefunden, lange vor irgendeinem Coming Out-Bewusstsein, dass irgendwer was gegen Liebe hat.

    Diese heteronormative Propaganda der FSK ist ja eine hundsgemeine Sache und hoch aggressiv gegen abweichendes Verhalten gerichtet, weil da ganz natürliche Prozesse unterbunden werden, indem man zu „schützen“ vorgibt. Verstörend ist ja für die Betroffenen, wie man nun wirklich unter inneren Qualen zu Zeiten, da es das Internet noch nicht gab, dann mit knallroter Birne heimlich sich dieses dämliche „Schwul, na und?“ von Thomas Grossmann zulegte – an so was ist auch die FSK schuld. Die verursacht massenhaft individuelles Leid. Was für ein Aufwand das damals war, auch nur „Der fromme Tanz“ von Klaus Mann sich zu besorgen! Was gab das für eine verfickte Diskussion, als „Die Konsequenz“ im Fernsehen dann doch mal lief, der Bayrische Rundfunk sich ausschaltete, man natürlich wieder nur eine Geschichte rund um Schuld, Sühne, Entsagen und Gewalt zu sehen bekam und dann noch der Freund meiner Mutter homophob ausrastete.

    Was eben dieses Thomas Mann-Ding ist: Geschichten von entsagenden Klemmschwestern LIEBEN die Leute ja. Hauptsache, Schwule sind unglücklich, Und wenn sie es nicht von selbst sind, dann sorgt man schon irgendwie dafür, um das Glücksversprechen für Fortpflanzer und Ernährer exklusiv zu halten.

    So wird dann in einer tatsächlich völlig verzerrten Form Dir ganztägig das einseitige, heteronormative Glücksversprechen in die Gedärme geprügelt, weil alles andere ja nur „verwirren“ würde. Die FSK agiert da wie ein Skinhead, der Teenies zusammen prügelt.

    Was ja funktioniert. Du fügst Dich dann ja in die Rolle des zugewiesenen Unglücks, und alle Kiddies werden auf die eine Form getrimmt ganz wie in totalitären Regimen die jeweilige Leitideologie.

  3. ziggev Dezember 2, 2011 um 5:44 pm

    Mit dem bizarren Verhalten von dem Kerl meinte ich welches, das, meine Vermutung, aus dem Terror, dem er ausgesetzt war, zumindest Teilweise, resultierte. Wie gesagt, ich damals nichts, aber auch gar nichts geschnallt. Aber von ihm ging irgendwann immer eine nur mit Mühe unterdrückte Aggression und Wut aus, was eigentlich überhaupt nicht zu ihm passte. Im Unterricht holte er dann den Schwanz raus und holte sich einen runter. Ich weiß nicht, ob das mit den engen Hosen zu tun hatte, die der betreffende Lehrer stets trug.

    Und: Ja, Treffer. Ich hatte schon schreiben wollen, dass ich die Th. Mannschen Geschichten ‚anrührend‘ gefunden hatte. Nur irgendetwas stimmte damit nicht. Also ließ ich´s. Dass ich allerhöchstwahrscheinlich es auch einfach bequem fand, dass es unglückliche Geschichten sind, tja, das hast Du mir jetzt eben bewusst gemacht. Und das passt dann auch wieder gut zu dem „Verdacht“ und überhaupt zu dem tränenerstickten Geschreibsel von mir oben.

  4. momorulez Dezember 2, 2011 um 8:36 pm

    Ein wenig buddhistisches Nirvana habe ich Dir gelassen 😉 …

  5. MartinM Dezember 2, 2011 um 9:27 pm

    Es bestätigt wieder einmal, dass in Deutschland mit der Begründung „Jugendschutz“ buchstäblich jeder Blödsinn weitgehend unhinterfragt durchgeht. Dass allerdings die FSK so offen mit pädagogischen Theorien von vorgestern eine repressive, „neoprüde“ und betont heteronormative Sexualmoral, die leider nicht von vorgestern, sondern seit einiger Zeit wieder „modern“ ist, befördert, erschreckt mich dann schon.

  6. mark793 Dezember 2, 2011 um 10:31 pm

    Die Begründung der FSK ist hanebüchen bis dorthinaus und atmet den modrigen Geruch der Bewahrpädagogik des wilheminischen Zeitalters. Andererseits kann man ja zumindest hoffen, dass der Film ab 16 für die jüngeren potenziellen Zuschauer eher noch interessanter sein dürfte als mit Freigabe ab 12.

  7. momorulez Dezember 3, 2011 um 11:51 am

    Ach, wenn sich das so durchsetzte, dass schwul als cool gilt, das hätte ja was 🙂

  8. mühsamer Erich Dezember 3, 2011 um 11:53 am

    Wenn ich mir über „bizarre Verhaltensweisen“ so Gedanken mache, dann fallen mir vor allem heteronormative Weiber und Mackertypen ein. Plausibel fände ich es, wenn Filme mit Doris Day, Sandra Bullock, Cameron Diaz, Chuck Norris oder Nicolas Cage ab 18 indiziert werden oder ganz verboten. Verboten wäre besser. Oder Sylvie van der Vaart im Abendfernsehen! Geht gar nicht.

    Das diese bizarre heteronormative Scheiße auf unsere Jugend losgelassen wird, ist widerwärtig hoch drei!

  9. che2001 Dezember 3, 2011 um 1:46 pm

    Wieso denn jetzt Cameron Diaz, was hat die verbrochen?

  10. Nörgler Dezember 3, 2011 um 2:23 pm

    Doris Day indizieren geht gar nicht.

  11. C.K. Dezember 3, 2011 um 2:24 pm

    Wenn man mal wieder ein Beispiel braucht, was Heteronormativität ist und wie sie wirkt, ist es wohl dieses erbärmliche FSK-Schreiben. Das rafft jeder, der es raffen will, auch ohne Theorie.
    Unfassbar. Wirklich unfassbar.

  12. mühsamer Erich Dezember 3, 2011 um 5:51 pm

    Das Verbrechen: Explizites heteronormatives Gehabe in aller Öffentlichkeit. Sowas auf Kinder und Jugendliche loszulassen, ist komplett unverantwortlich und bedroht sie in ihrer Entwicklung! Das Filmschaffen von Doris Day gehört dabei zuallererst indiziert. Unentschuldbar ist es, dass derartige Filme sogar im Nachmittagsprogramm zu sehen sind. Die zu indizierenden heteronormativen Werke könnten beispielsweise mit Filmen von Rosa von Praunheims oder mit genderkritischen Vorträge ersetzt werden. Während das zum Kotzen Widerwärtige im tagtäglichen heteronormativen Terror unentkommbar ist, müssen Kostbarkeiten in entfernten Ecken des Internets ungesehen verstauben.

    Die Verhältnisse gehören umgekehrt!

  13. momorulez Dezember 3, 2011 um 7:09 pm

    Ich mag aber keine Rosa von Praunheim-Filme, es kam sogar vor, dass ich mich von ihnen diskriminiert fühlte 🙂 – und gebe ja zu, Cameron Diaz ganz gerne zu mögen. Und Doris Day-Filme sogar auch, die sind ja manchmal richtiggehend campy.

    Die Umkehr mal durchzuspielen und vor allem darauf zu achten, was für eine Zementwelt im heteronormativen Sinne und was für Geschlechterrollenvorstellungen da auf Kinder prasseln, so dass die in dieser Gesellschaft echt ständig psychischer Gefährdung ausgesetzt sind gerade da, wo viele das Warme, Heile, Wohlige wähnen, das sehe ich ja auch so.

  14. Nörgler Dezember 7, 2011 um 9:44 am

    Um Kinder zu gesunden und selbstbewußten Heterosexuellen zu machen, ist es wichtig, die Thematik unhetiger Phänomene von ihnen fernzuhalten. Denn nur so entwickelt sich die Wahrnehmung der Homo- und Transsexualität als des ganz Anderen, Abweichenden, Abnormen. Grundlage dieser Strategie der Xenotisierung ist der in ihr positiv aufgegriffene Umstand, dass, wie die Meinungsforscher zeigen, „Fremden“- und „Ausländerhaß“haß dort am stärksten sind, wo es die Gehaßten überhaupt nicht oder nur in homöopathischer Dosierung gibt.

    Die Vermeidung und Unterbindung jeglicher Nähe generiert allererst das Fremde als Fremdes, und bewirkt damit die Ausschaffung des Fremddefinierten aus dem Kreis des affektiv Akzeptablen. Ist diese Installation erst einmal existent, ist das Beste, das den Unheten noch widerfahren kann, die „Toleranz“: die bloße Duldung des eigentlich kaum Duldbaren. Dabei sollten die Geduldeten die Duldsamkeit der Erduldenden nicht überstrapazieren. Denn der edle Dulder trägt die tonnenschwere Duldungslast ohnehin schon heroisch. Jedes Gramm Mehrbelastung, durch öffentliche Zurschaustellung etwa, kann Folgen haben, für die dann allerdings der Belaster allein verantwortlich ist.

    Um die Fremdidentität der definiert Fehlsexuellen bleibend sicherzustellen, ist die Grenzlinie zwischen der Duldung und einer Nähe, die wahrhafte Normalität wäre, erbittert zu verteidigen. Die Verfrontexisierung aller Lebensverhältnisse ist ein Charakteristikum des Spätkapitalismus.

  15. che2001 Dezember 7, 2011 um 10:54 am

    Die Tatsache, dass zwar gelbe Sterne und rosa Winkel gedruckt wurden, aber keine schwarzen Ns, verdankt sich der Kostenersparnis: Die Schwarzen sind schon schwarz, mann sieht es ihnen an. Es ist eine noch uneingelöste Bringschuld der Juden und der Schwulen, dass sie Kosten verursachten, weil sie kein signifikantes Erswcheinungsbild mitbringen und somit markiert werden mussten.

  16. mühsamer Erich Dezember 7, 2011 um 2:38 pm

    Toleranz ist doch fürn Arsch. Darauf ist geschissen!

  17. mühsamer Erich Dezember 7, 2011 um 3:47 pm

    Wäre ich gegenüber Mehrheitsgesellschaftlern und ihrem Kacksystem tolerant, hieße das, ich toleriere meine Unterdrückung.

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