Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Aktion Libero

Na, die Anzahl der Unterstützer ist ja enorm – wenn es auch immer zwiespältig ist, nach der „Affäre Amarell“, wo schwulenfeindlicher Pfeffersprayeinsatz massenmdial die Luft verpestete, den Herrn Zwanziger da lächeln zu sehen. Aber wie schreibt Jeky so schön: „Words are cheap“.

Habe die Texte noch gar nicht alle gelesen, die freilich trotz der soeben zitierten Weisheit eine voll zustimmungsfähige Sache sind; wenn am Ende die Erkenntnis bei dem einen oder anderen gewonnen wurde, dass schwules Leben auch sehr prima und schwules Lieben und Begehren was sehr Schönes ist, dann ist das ja toll.

Wieso nun so viele Menschen sich an Formen der Lust und des Miteinanders reiben und diese zwanghaft abwerten müssen,  so dass etwas an sich Schönes auf einmal zum Problem gemacht wird, dass an sich gar keines wäre, das verstehe ich im Grunde genommen trotz aller Erklärungsansätze und Verstehensversuche bis heute nicht.

Insofern ist das „keine Rolle spielen“ im offiziellen Text auch  etwas unglücklich gewählt; natürlich spielt es eine Rolle, ob man mittels Termini wie „schwule Sau“ in die je eigene Lust- und Liebe hinein sozialisiert wurde oder nicht. Das sind differente Erfahrungen, die sehr wohl Sujet sein müssen, und dass sie allerorten marginalisiert werden und da, wo sie sich trotzdem zeigen, als „Schwulenkult“ und „Positivdiskriminierung“ zu oft gleich wieder die Schnauze gestopft bekommen, wenn mal nicht beschimpft wird, das ist ja das Problem.

Differente Erfahrungen als formal gleichwertig anzuerkennen, darum geht es, und die Erfahrungen als solche sind somit auch das Anzuerkennende.

Somit berührt und freut der Text vom Freitagsspiel. Zwar gilt immer noch das Motto Michel Foucaults, man habe nicht in sich das Schwulsein zu befreien, sondern „es“ kreativ auszugestalten, damit dieser ganze verbale Müll, der ein Leben lang auf einen einprasselt, keine Wirkung zeigen kann – diese vom Freitagsspiel gezeigte Form der Emphatie und des Sich-Einfühlens ist nichtsdestotrotz der Weg zur Möglichkeit des Empowerments, wie es so schön heißt.

Sehr gefreut habe ich mich auch über Jekys Text, dem ich weitestgehend beipflichten kann. Auch, dass Lesben bei Jeky nicht wie sonst oft  üblich unter den Tisch fallen, finde ich ganz hervorragend und bedanke mich sehr dafür!

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11 Antworten zu “Aktion Libero

  1. Pingback: Aktion Libero – Fast an die Wurzel - Medienelite

  2. sparschaeler November 16, 2011 um 4:15 pm

    so wichtig die aktion auch ist, muß ich doch die rolle von hr. zwaniger kritisieren.

    das thema dafür zu benutzen sich als liberal und weltoffen der öffentlichkeit zu präsentieren aber keine taten folgen zu lassen ist schwach., um es mal weniger scharf zu formulieren.
    ich war damals und auch noch heute der meinung das es für einen angestellter des dfb, hier bierhoff, für seine damaligen äußerungen arbeitsrechtliche konsequenzen geben müssen.
    bei hr. zwaniger kann ich mich des eindrucks nicht erwehren das in sonntagsreden gerne über das thema wohlfeil schwadroniert wird, aber wenn es ungemütlich wird und der dfb frieden in gefahr ist, wird sich weggeduckt und geschwiegen.
    wenn von fans courage und einmischung gefordert wird, sollte hr. zwanziger endlich taten folgen lassen. wasch mir den pelz aber mach nicht nass funktioniert nicht.
    hr. zwanziger ist aufgefordert seine worte und taten in einklang zu bringen.

  3. momorulez November 16, 2011 um 4:41 pm

    Der Herr Zwanziger zementiert das, was auch den von Lantzschi erwähnten Tatort so unerträglich machte: Das Schwule benutzt werden, einerseits das, was man „Heteronormativität“ nennt, stabilisiert, privilegiert und als Ausgangspunkt aller Überlegungen genutzt wird, und von dieser Position aus weist man – man ist hier richtig – den Schwuppen, den Lesben, den sonstwie als abweichend Erkannten ihre Position zu. Im Tatort lief das so, dass Frau Furthwängler eine heiße mit einem leckeren Journalisten war es, glaube ich, hatte, die als wahres Abenteuer konsequent gegen sich weinerlich dafür, dass sie es sind, entschuldigende Schwule geschnitten wurde, die darum flehten, dass die Heten doch bitte nicht so böse zu ihnen sein sollen, sie könnten doch auch nix dafür. Zugleich inszeniert man sich als den, der das dann noch wohlwollend und gutherzig toleriert und natürlich über alle Macht der Welt verfügt, tolerieren zu dürfen.

    Exakt so operiert auch Zwanziger: Er unterbindet nicht die Aufregung darüber, dass im selben Film Nationspieler als schwul bezeichnet werden, er definiert also den Grenzverstoß durch Unterlassen, also Nicht-EIngreifen, so weit mir bekannt ist, im Sinne der Abgrenzung gegen Schwule. Das Familien-Motiv hat Jeky schön heraus gearbeitet.

    Ebenso bei Amarell: Herr Beckenbauer kann seine jüngere Sekretärin ja gerne schwängern, hat er doch?, aber Herr Amarell doch keine Beziehung mit einem jungen Mann haben, die wechselseitig einvernehmlich ist, daran wurde noch nicht mal GEDACHT in diesem Fall, folgt man zumindest der medialen Berichterstattung zu diesem Thema, drin stecken tue ich auch nicht. Es wurde als Möglichkeit den Presseberichten zufolge gar nicht in Betracht gezogen. Stattdessen wurde das, wo man nach einem Machtmissbrauch vielleicht noch fragen, ihn aber nicht einfach behaupten konnte, auch noch im Paradigma des Kindesmissbrauchs diskutiert, was nun wieder ein homophober Klassiker ist. Kempter war Mitte 20, glaube ich.

    Das ist auch die Gefahr bei solchen Aktionen, immer, wenn „Toleranz“ gesagt wird: Dass deren Grenzen immer gleich mit gedacht werden und sehr schnell sehr harte Positionszuweisungen erfolgen, die klar machen, dass man Heten vieles zugesteht, während Homos auch noch schön dankbar sein sollen, dass man sie überhaupt erlaubt. Mal überspitzt gesagt. Selbst Vergewaltigungsdebatten werden, mal ab von Kachelmann, ja oft verniedlichend geführt.

    Ergänzend sei noch das Problematische an diesem Katarr-Vergleich in einem Blog, wo auch explizit gesagt wird, es ginge nicht um Zwanziger, sondern nur um Blatter: Nix pro Blatter oder gar die Gesetzeslage in Katarr. Aber das sind die Geschichten, die die oben skizzierte Haltung stützen: Notfalls verweist man auf Länder, wo Schwule aufgehängt werden, um die hiesige Diskriminierung zu verniedlichen. Habt euch mal nicht so. Hier wird doch „toleriert“.

    Insofern: Ja, sehe ich auch so 😉 …

  4. kleinertod November 16, 2011 um 9:26 pm

    Von diesem Bloggerprojekt habe ich erst heute morgen erfahren, das war irgendwie an mir vorbeigegangen. Vermutlich lief da wieder so einiges über Facebook oder was auch immer – jedenfalls für mich kein Grund, nicht auch mit einem Text mitzuwirken, schließlich können die Stimmen gar nicht laut genug gegen Homophobie sein. Umgekehrt ist es ja leider die „Normalität“ und leise ist die nun wirklich nicht – was mir dank meines Heteroprivilegs nur am Rande direkt zu schaffen macht. Hierunter leiden andere und da kann man natürlich nicht auf eine Weise mitreden, als hätte man das Recht, über deren aufgedrängte Erfahrungen in dieser Gesellschaft auch noch zu urteilen. Eine Gefahr bei diesem Projekt, mit Sicherheit, und auch am Text selber kann man durchaus auch Kritik üben – nur im Gesamten sehe ich hier doch deutlich das Positive. Und es ist ja ein Diskurs, der hier eröffnet wird – was in dieser Breite nicht nur für Aufmerksamkeit (und auch Trittbrettfahrer…) sorgt, sondern eben auch ein Zeichen gegen Homophobie darstellt – nicht ihre Abschaffung wohlgemerkt. Aber eben auch ein zaghaftes Infragestellen ihrer „Normalität“. Ein Schritt, der in der Gesamtheit in die richtige Richtung gehen kann und auch im Einzelnen zumindest dafür sorgen könnte, daß manch ein schwulen- oder lesbenfeindlicher Spruch WENIGSTENS Heruntergeschluckt wird (was alles andere als ausreichend, aber besser als ein Aussprechen wäre). Wie dieses Projekt und die einzelnen Beiträge letztlich von Schwulen und Lesben beurteilt wird bzw. werden, das ist noch ein weiterer, hochspannender Aspekt. Hier haben sich ja jetzt etliche Heteros „in den Ring“ getraut und können somit für ihr Handeln in Worten auch beurteilt werden – kein Zwang, aber für Denkanstöße wie hier auch großartig zur Befruchtung der Diskussion. Solange dabei nicht wieder das geschieht, was damit gerade angeprangert werden soll…

  5. momorulez November 16, 2011 um 9:51 pm

    Das ist eine Aktion u.a. von diesem Netzwerk, dessen Teil ich ja auch nicht bin – ganz ironiefrei freundlicherweise haben sie auf der Seite aber auch ambivalente Texte wie meinen und den noch um einiges kritischeren von Lantzschi auch verlinkt, was ja ein gutes Zeichen hinsichtlich ernsthafter Diskursoffenheit ist. Ich hab mich hier auch im Grunde genommen an Jeky ran gehängt, weil ich deren Text sehr gut fand, bei allen Differenzen, die wir in der Vergangenheit hatten. Außerdem wollte ich ein wenig Homosexualität propagieren 😀 – das wird einem ja von rechts eh immer vorgeworfen und steht meines Wissens auch in manchen europäischen Ländern unter Strafe. Als würde nicht Heterosexualität auch rund um die Uhr allerorten propagiert. (Kleine Randanekdote: In längst versunkenen Diskussionen beim Antibürokratieteam wurde mir mal entgegnet, als ich schrub, dass ich die Katholische Kirche doch auch tolerieren würde, eine derartige Devianz würde man da, wo mein Gesprächspartner her kam, nicht in jedem Fall gewaltfrei beantwortet lassen oder so ähnlich 😀 – was jetzt einfach noch mal die Assymetrie der Toleranzforderung belegt).

    Andernorts wurde auch angemerkt, dass da doch sehr viele Blogs teilnehmen würden, mit denen man nun gerade bei Antidiskriminierungsaktionen nun nicht in einer Reihe stehen wollen würde. Nun sehe ich Lizaswelt z.B. auch am anderen Ende des politischen Spektrums, er sich ja nicht, der wähnt sich links, für mich ist da einiges erschienen, was meiner Ansicht nach offen rassistisch agitiert. Dummerweise fand sich nun gerade da neulich ein derart treffender und saukomischer Text zum Thema des Heterooutings von Arne Friedrich, dass ich da eher vor der üblichen Ratlosigkeit angesichts der „antideutschen“ Ecke stehe, dass man bei einigen derer in Homophobie-Fragen noch irgendwie klar kommt, das dann aber häufig nur instrumentalisiert wird, um Muslime pauschal in die Pfanne zu hauen. Ansonsten gehen einige aus der Ecke allerdings mittlerweile auch zu offener Homophobie über und haben den „Queerfeminismus“ zum Lieblingsfeind erkoren. Wo nun Liza meines Wissens nix für kann. Weiß aber auch gar nicht, ob er gemeint war.

    Was bei einer so breit angelegten Aktion aber wohl auch nicht ausbleiben kann, dass da auch welche bei sind, mit denen man so gar nicht kann. Das Zeichen, das gesetzt wird, finde ich weiterhin gut.

    Zudem jene bei uns, die das anmahnten, sich nun gerade bei Antidiskrimierungsfragen in letzter Zeit auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben 😀 – aber das haben sie ja gar nicht gemerkt.

  6. kleinertod November 16, 2011 um 10:23 pm

    Vielleicht kommt bei manchen das Merken ja auch erst verspätet, quasi hinterher – wobei es ja nie zu spät ist, solange man noch atmet. Erkenntnis ist ja kein Zeitpunkt irgendwann im Leben oder eine Urkunde, die man nach einer Ausbildung erhält und sich nicht mehr fortan darum kümmern müßte… Kann natürlich auch sein, daß ich zu optimistisch eingestellt bin, mag meine Natur sein. 😉

    Aufdringlicher als wir Heterosexuellen kann man ja eigentlich gar nicht sein – überall prangen Photos auf Plakaten, laufen bewegte Bilder, herrschen anderweitig gesellschaftliche Normen wie bei inszenierten Eheschließungen oder werden einfach ungeniert in aller Öffentlichkeit Liebesbekundungen zwischen Mann und Frau ausgetauscht. Wie sich Heterosexuelle da über das minimale Bruchteil eines Prozentes an homosexueller Liebes“zurschaustellung“ aufregen können, habe ich noch nie verstanden. Wie auch sonst nicht die Bestrafung von Liebe.

    Die Problematik mit den „Bettgefährten“ bei dieser Aktion ist ja ähnlich wie auch bei der aktuellen Ultra-Diskussion. Da regen sich überall aus guten Gründen und mit berechtigt vorgetragenen Argumenten Leute über Fehlentwicklungen auf – und mit vielen davon möchte man gar nicht „unter einer Decke stecken“… Nicht immer einfach, aber vielleicht ja eine Brücke, über die auch andere Dinge zu jenen herübergelangen. Wie gesagt, für Erkenntnis ist es ja nie zu spät…

  7. momorulez November 16, 2011 um 10:40 pm

    Nee, für Erkenntnis ist es nie zu spät, und ein heute recht heftiges Aufeinanderprallen mit Funktionsträgern von Fan-Gremien bei Facebook, weil ich wagte, angesichts des Verlinkens eines Videos zum „Tunten“-Image von Schwulen und dessen diskreditierender Wirkung anzumerken, dass für manche ja sogar ein Alptraum sei, Lilo Wanders könne St. Pauli-Präsidentin werden 😀 , endete versöhnlich damit, dass man beschloss, einfach mal gemeinsam ein Bier trinken zu gehen zum Aufbau wechselseitigen Verständnisses. Und so sollte es ja eigentlich sein!

  8. Pingback: Metalust & Subdiskurse Reloaded, Medienelite | Aktion Libero

  9. Jekylla November 17, 2011 um 11:05 am

    Danke für die freundliche Erwähnung, ich habe ja hier und im Umgang mit Ihnen einiges dazugelernt, auch wenn es manchmal nicht den Eindruck macht und zu Konflikten führt. Aber man darf nicht aufhören mit der Auseinandersetzung, auch wenn man sich zuweilen persönlich unverstanden fühlt 😉 Aber darum geht es ja gerade: um das Verstehen, die Auseinandersetzung. Auch wenn es mal unbequem wird.

  10. momorulez November 17, 2011 um 11:09 am

    Das ist ja das, was manche auch in unserem geliebten Vereinskosmos oft nicht zur Kenntnis nehmen wollen: Dass es, auch wenn man in die Auseinandersetzung zieht, darum geht, mal voran zu kommen, weil zu lernen hat ja jeder was, und das macht im Grunde genommen auch Spaß.

    Insofern Danke für dieses Feedback! 😉

  11. Pingback: Aktion Libero – gegen Homophobie im Fußball « KleinerTods FC St. Pauli Blog

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