Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Kann, aber muss nicht“ – verdienter Sieg für Düüüüüüüüüüßeldorf

„Ich bin auf einmal so alleine – wo ist das Glück, das hier begann?“ summte ich Alexandras Gassenhauer „Was ist das Ziel in diesem Spiel?“ vor mich hin. Um mich herum verlassene, rote Schalensitze. „Wir können die Jungs doch nicht gerade jetzt alleine lassen“ raunte ich kurz zuvor noch meinem Sitznachbarn zu, der nichtsdestotrotz ent-täuscht die Tribüne zum kühlen Nass des Bieres verlassen hatte. Ich wartete die Ehrenrunde ab. Die Spiele gegen 1860 oder in Cottbus und Bochum sind ja nun nicht aufgehoben. Wer straft denn bitte mit Liebesentzug nach Fehlverhalten? Die Beine von Florian Bruns sind nach Niederlagen nicht minder schön als nach Siegen! Hey, Loser sind die wahren Helden, und wer wohnt schon in Düüüüüüüüüüßeldorf?

Also, nix gegen die Fortuna-Crowd auf den Rängen, die gar ein „Flora bleibt!“-Transparent enthüllte. Und mag es auch lange her und manch USP-Mitglied da noch gar nicht geboren sein: Diese Spätsiebziger, Frühachtziger-Phase im „Ratinger Hof“, die ich auch nur aus Büchern, Erzählungen, Bildern, Platten kenne, das war wahrlich unvergessenes, ästhetisches Heldentum. Gibt es Carmen Knoebel noch? Tolle Frau.

Ansonsten kann man freilich nicht behaupten, dass diese Düüüüüüüüüüüüüüßeldorfer Truppe da auf dem Platz gestern aus dem Geist der Kunstakademie, die noch die frühen NDW-Versuche im legendären Club inspirierte, Fussball spielte. Das war ja, mal ab von den Toren und final 10-15 Minuten Barmherzigkeit zu unseren Gunsten, eher eine Schmierenkomödie unter der Regie des Herrn Perl.

Was jetzt gar nicht die rammdösige Konzeptionslosigkeit unserer gestern Anti-Helden ab ca. Minute 25 schön reden soll, selbstverständlich war die Niederlage verdient und auf eigene Fähigkeiten des Torefangens gegründet. Aber auch darauf, dass Trainer Schubert das Hirn des Teams, Florian Bruns, unsinnig heraus nahm. Und dass auch Thorandt sich irgendwann dachte: „Hey, gegen diese fiese, abgewichste Ekeltruppe sind wir einfach viel zu lieb“ und diese Erkenntnis am falschen Ort zur falschen Zeit in eine überflüssige Impulshandlung umsetzte.

Herr Perl hatte das freilich geschickt eingefädelt, angespornt von Darbietungen wie jenen des einst mal so strahlenden, nun auf das Gleis der unschönen Variante des der „Der Zweck heiligt die Mittel“ gewechselten Herrn Rösler, indem er ständig Fouls pfiff gegen uns, die keine waren, und die Düüüüüüüüüüüüüüüüüüßeldorfer Fallobst spielten in grober Missachtung dessen, was ein Josef Beuys einst unter sozialer Skulptur verstand, das jedoch nicht sanktioniert wurde.

Na, die Saat ging auf, die Brennesseln sprossen, und unsere Jungs guckten verwundert auf juckende Pusteln, von kurzen Aufwallungen, die zu Lattenkrachern und Pfostenschüssen führten, mal abgesehen, blickten eher hilflos aus der Wäsche angesichts der geballten Skrupellosigkeit der Rheinländer und der drei wirklich ziemlich geilen Tore.

„Kann, aber muss nicht“ konnte man zu Beginn des Spiels auf der Gegengerade lesen – ja, solche Tore kann man sich fangen, muss man aber nicht. Inwiefern das Malen langer Transparente über „Laberei“ bei Facebook eine dollere Tätigkeit als bei Facebook labern, das sei ergänzend dahin gestellt als Frage und ist wieder nur typisch für die Netzverweigerung mancher „aktiver Fans“, die ja nervt und auch nur Angst vor Kontrollverlust ist. Deren Transparentemalerei mich ja ansonsten beeindruckt und von mir aufrichtig bewundert wird. Trotzdem: Hingabe!

Überhaupt war die Stille im Stadion gestern deprimierend. Sonst ist es gar nicht so schwer, H8, sprich Hate, auch mal in Wallung zu bringen – gestern ging nix. Auch da nicht, als die Unsere noch ihre bravourösen 25 Minuten Volldampf spielten, was mit dem Tor belohnt wurde. Obwohl wir zwei, drei da mittendrin uns echt Mühe gaben, gesanglich mitzureißen. So richtig in Wallung kam das Stadion trotzdem nicht. Vielleicht ja der Versuch, kommerzkritisch den Übertragenden keine Kulisse zu bieten. Dass die Rheinländer hingegen eigentlich immer und überall zu laut sind, ist ja nix Neues.

Fing auch alles schon so seltsam an: Mittags vor dem O-Feuer stiegen Thimo Schulz und Robert Palikuca gemeinsam aus einem mit Fortuna Düsseldorf (!!!) gelabelten, roten Auto aus. Und irgendwelche Menschen mit Brille standen mit Fortuna-Trikots dort am Tresen. Also, man kann einfach auch ZU gastfreundlich sein. Der Palikuca bekam sogar noch den Spieler-Sonderpreis beim Bezahlen des Essens. Ja, sein Tor gegen die Hertha im Pokal einst, es ist unvergessen – trotzdem, manchmal sind wir wohl zu einladend. Da braucht man sich die Tore nur noch mal angucken.

Aber was solls. Jetzt sind wir zum Glück keine Spitzenmannschaft mehr – „kann, aber  muss nicht“ stimmt ja. Und die zweite Liga ist eh cooler. Und so, wie die Düüüüüüüüüüüüüüüüüüßeldorfer gespielt haben, will ich euch auch gar nicht spielen sehen, ihr Boys in Brown. Von den Toren mal abgesehen. Und je höher die Erwartung, desto größer die Enttäuschung, desto schlimmer die Stimmung im Stadion. Also: Erwartungsfreie Hingabe! St. Pauli!

Die Stimmung vor der Domschänke nach dem Spiel war um so angenehmer – stilvolle, Hamburger Melancholie statt tosendem Düüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüßeldorfer Frohsinn. Hatte was. War schön.

Edit: Dem Magischen FC zufolge lautete das titelgebende Transparent: „Alles kann, nix muss“ . Man kann ja alles richtig zitieren, muss man aber nicht 😉 … zumindest nicht in diesem Fall.

3 Antworten zu “„Kann, aber muss nicht“ – verdienter Sieg für Düüüüüüüüüüßeldorf

  1. Pingback: Empörend — ☠ ring2

  2. Pingback: Gegengeraden-Gerd: Jetzt rede ich! » » Rechenschieber

  3. momorulez Oktober 19, 2011 um 7:50 pm

    Zur Aufklärung des oben benörgelten Facebook-Spruchbandes:

    http://sanktpaulimafia.blogsport.de/2011/10/19/spruchbanderklaerung-fcsp-duesseldorf

    Womit sich das Genörgel aufgehoben hätte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s