Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Konzentration auf den Text als Schweigegelübde

Es ist ja einigermaßen finster, liest man sich durch, was die veröffentlichte Meinung zum Papstbesuch derzeit treibt. Wie so vieles – sei es nun „antideutsche“ Antisemitismuskritik oder Polemiken das „sich neu erfinden“ anhand einer Materialbasis, die im wesentlichen aus Broschüren von großen Unternehmensberatungen besteht – ist Welterfahrung eine seltsame Auslegepraxis von Texten geworden, nicht mehr realhistorischen oder gesellschaftlichen Geschehens. Eine Debatte, die rund um den Begriff „Meinung“ sich rankt und viel von Toleranz für die Intoleranten schwadroniert. Besonders krass dieser Text in der taz:

 

„Anders ist kaum zu erklären, dass Zehntausende gegen den Mann aus Rom protestieren wollen und dieser Protest offenbar für manche eine fast identitätsstiftende Kraft hat. Und das, obwohl viele von ihnen längst aus der Kirche ausgetreten sind, der Papst ihnen also eigentlich egal sein könnte.“

 

Auch da wird darüber referiert, was der Papst so alles sagt, und in manchen Texten hat man den Eindruck, als hätten Inquisition, Hexenverbrennung, Sodomiegesetze, Religionskriege, das hervorragende Kooperieren mit mehr oder weniger absolutistischen Herrschern, Leibeigenschaft nie existiert, dann „das Christentum“ aus sich heraus die Aufklärung geboren und so die pure Glückseligkeit seines historischen Wirkens noch durch Menschenrechte und Gerechtigkeit ergänzt.Bis böse Atheisten wie Hitler, Mao und Stalin dann das so heimelig-nächstenliebende geschehen in „christlichen Ländern“ unterbrachen. Nunmehr müsse die Ordnung jedoch wieder hergestellt werden.

So dass nunmehr der in Rom wohnhafte Herr als Vorreiter der Kapitalismuskritik auftreten kann – erinnert sich noch wer an Don Camillo und Peppone? Oder daran, wie christliche Gewerkschaften die Arbeiterbewegung schwächten, während Herr Bismarck ungefähr zugleich die Sozialistengesetze erließ? Und wie sah es da mit dem Frauenwahlrecht aus, und warum wohl?

Mal ab davon, dass man die Gleichheit vor Gott und andere, egalitäre Vorstellungen als in Religionen gründend sehr wohl diskutieren kann: Nun ausgerechnet einen derart hierarchischen Laden wie die katholische Kirche daran maßgeblich mitwirken zu sehen, ist in sich schon völlig absurd, wenn Stellvertreter-Popstar Benedikt zum Event im Bundestag angereist kommt.

Was aber ja gar nicht Sujet sein soll: Es ist geradezu grotesk, wie Kirchensteuer und sonstige staatliche Unterstützungen der Kirchen, die Rolle derer in den Parteien, Rundfunkräten,der Einfluss der Kirchen auf das Staatsfernsehen, die Schulbidlung etc, ist immens,; im gesammelten Hilfssektor – Arbeiter Samariter Bund, Johanniter, Malteser, auch ein Markt -, als Träger von Kindergärten und Altenheimen ignoriert wird in Zitaten wie dem obigen. Ich war selber in einem christlichen Kindergarten und habe da Geschichten gelauscht, wie aus dem Paradies geworfen wurde, habe christliche Lieder gesungen und will das auch gar nicht verächtlich machen, all das aufopfernde Engagement der Menschen in diesen Institutionen.

Es ist nur zum einen ja schon ein gesellschaftliches Phänomen, dass dieser Bereich den Kirchen überlassen wird, was in den USA noch viel stärker der Fall ist und auch deren Macht dort erklärt – denn neben all dem Herausragenden, was an solchen Orten, statt findet, findet im schlimmsten Fall zugleich eine patriachale, offiziell homophobe usw. Indoktrination statt, von den Missbrauchsfällen mal ganz abgesehen.

Wie stark das nun empirisch wirkt, das wäre ja eine wirklich interessante Frage, die stellt aber gar keiner, und vor allem wenn, dann fast affirmativ: „Christlich-jüdische Tradition“, was auch noch halb verlogen ist, meines Wissens wurde die „Gottesmord“-These erst um das Zweite, Vatikanische Konzil herum ein wenig relativiert, also Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Jegliche Kritik an christlicher Prägung scheint mir verschwunden, ganz, als würde diese nur Gutes tun. Hetzer wie Herr Meissner haben durchaus mediale Präsenz, die über die Wirkung von Lilo Wanders deutlich hinaus geht; ja, annähernd unzählige Plots von TV-Schmonzetten zementieren Vorstellungen heterosexuellen Ehe- und Beziehungslebens im christlich-fiundamentalistischen Sinne, dass man manchmal schreiend weg laufen möchte.

Was auf den zweiten Punkt verweist: Es starren allesamt wie blöde auf „Meinungen“ oder das, was der Papst sagt. In welchen Kontexten das aber wie WIRKT und was da eher philosophisch-metaphsysisches Welterklären ist, was jedoch ganz klar als Gebot Anspruch auf eine gesellschaftliche Norm, die für ALLE gilt, erhebt, wird schon gar nicht mehr diskutiert. Obwohl die Hetzer jüngst Hunderttausende in Spanien gegen die Homo-Ehe auf die Straße brachten. Ich erwarte von niemandem „Verschwulung“, die katholische Kirche jedoch greift massiv in die Gestaltung geltenden Rechts ein. Mit Opus Dei-Mitgliedern, die als Rechtsprofessoren an Universitäten sitzen, als Landesverfassungrichter agieren und die Bundesregierung als Gutachter bei Fragen der Verankerung des Diskriminierungsschutzes für Schwule, Lesben, Transsexuelle im Grundgesetz beraten. Als wäre das irgendein dahin gepredigtes Gerede, das päpstliche, was man auch mal eben locker ignorieren kann, wenn man von CDU-Mitgliedern als minderwertig beschimpft wird und bestimmte Inhalte in Mainstream-Medien einfach nicht geparkt bekommt, weil alle Angst vor dem Bischof und dem Fernsehrat haben.

Die feministische Perspektive kann ich nicht, würde ich aber gerne beisteuern, da müsste ich mich erst mal tiefer eindenken. Die Identifzierung von Frau mit Fleisch und Sünde, die lange galt, inwiefern das heute noch wirkt, weiß ich nicht wirklich. Das Festlegen auf die Mutterrolle, um so etwas wie Eigenwert zu erfahren, weil ansonsten das Bild der „Hure“ statt der „Heiligen“ greift, das ist immer noch äußerst prominent in Hirnen vertreten, so weit ich das beurteilen und auf Bürgersteigen beobachten kann. Auch die Ächtung der Abtreibung ist von Frauen einfach besser zurück zu weisen, als wenn ich das hier stellvertretend tue.

Und all das, obgleich die Affinität der Jesus-Überlieferung nun eher den Marginalsierten, den Ausgegrenzten, der Ehebrecherin, der Prostituierten galt, insofern ist vieles des katholischen und evangelikalen Terrors auch noch im engeren Sinne antichristlich.

Was wiederum zum nächsten Ignorierten überleitet:Die ökonomische Rolle der Katholischen Kirche mittels Vatikanbank, unter anderem. Dass diese u.a. bevorzugt Mafiagelder gewaschen hat, dazu gibt es mittlerweile viele Veröffentlichungen, die ich zwar nicht überprüfen kann, die aber gut belegen; und dass diese ihre Finger auch weiterhin in allerlei Unbill tunkt, steht zu vermuten.

In all diesen diskursanlytischen Traktakten über die Begründung von Normen und Werten taucht NICHTS von alledem auf; da sind die großspurigen Leitartikler und Sonntagsredner wie Herr Thierse auch wie üblich recherche-.und denkfaul. Letzterem ist das noch insofern nachzusehen, dass in der DDR die Kirche der einzige teilweise noch staatsferne, öffentliche Raum war. Das ist nur auf aktuelle, bundesrepublikanische Ordnungen nicht übertragbar, da ist eher umgekehrt. Dass es eine Trennung zwischen Kirche und Staat gar nicht gibt, sieht man schon daran, dass man sich in vielen Regionen beim Standesamt um den Austritt müht und die Christlich-Demokratische Union an der Regierung ist. Die Kirchensteuer führt das Finanzamt ab.

Stattdessen starren sie auf das, was der Mann sagt und schreibt – nicht jedoch darauf, wie das wo wirkt, in welchen institutionellen Verflechtungen dies geschieht, und welche ökonomische Rolle der Vatikan in der Welt spielt. Fast, als hätten sie ein Schweigegelübde abgelegt. Was doppelt schlimm ist, weil eben diese drei miteinander korrespondierenden Ebenen, Ökonomie, Institutionen, Struktur von Öffentlichkeiten sowieso und ganz grundsätzlich unter den Tisch fallen, wenn allesamt mal irgendwas auf „Meinung“ reduzieren, als würden wegen eben dieser nicht nachts in Parks Schwule verprügelt werden oder sich US-Teenies umbringen.

Niedlich auch diese Bundestagsabgeordneten, die per SpOn verkünden, wenn der Papst schon mal da ist, würden sie ihn doch auch sehen wollen. Wollte ich Take That auch, andere wollen Madonna bewundern. Mir wäre nicht bekannt, dass für deren Besuche 50-100 Millionen aus der Staatskasse geflossen wären oder diese im Bundestag getanzt hätten. Klar, sie sind keine Staatsoberhäupter, obwohl von Pop-Nations zu sprechen nicht mal nur dummes Zeug wäre – aber können sie die Damen und Herren Parlamentarier dann nicht einfach eine Karte für irgendeine Arena kaufen, so wie dieser Mensch sich mit Pomp und Glorie inszeniert, als würde er in einem historischen Hollywood-Streifen den Hauptdarsteller geben?

Wie die Eventisierung des Fussballs könnte man durchaus auch jene der Religion beklagen, wenn man das möchte, weil man religiös ist. Diese ganzen charismatischen Popstars unter den Predigern, letztlich entwürdigen sie doch den Gehalt dessen, wofür sie zu stehen vorgeben. Es ist dies eine Orientierung an medialen Mechanismen, die das Heilige noch für die, die ernsthaft glauben, dieses habe etwas mit dem Papst zu tun, dem Profanen in einer ziemlich erbärmlichen Form anheim gibt.

Was auch nicht dadurch zu ändern ist, dass der Bundestag etwas würdiger wirkt als die Schalke-Arena, wenn dort Aida gezeigt wird. Eine Oper übrigens über die fatale und mörderische Macht der Priesterherrschaft – ja, Verdi ließ da sehr wohl seine Sicht auf die Katholische Kirche einfließen. Auch das hat Kulturräume geprägt. Zum Glück.

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31 Antworten zu “Die Konzentration auf den Text als Schweigegelübde

  1. Paul_in_Hamburg September 21, 2011 um 4:52 pm

    Und dass unser Innenminister Friedrich von der CSU erklärt, dass der Papst in seiner Funktion als Staatsoberhaupt empfangen wird, impliziert ja auch schon, dass selbst diese Partei nicht ganz von der Richtigkeit des Besuchs seiner Scheinheiligkeit überzeugt ist.

  2. momorulez September 21, 2011 um 4:53 pm

    Was den Besuch aber auch nicht besser macht 😦 …

  3. Paul_in_Hamburg September 21, 2011 um 6:13 pm

    Nein, es macht ihn noch unverständlicher. Scheinheiliger trifft auf Scheinheilige.

  4. qweqerq September 22, 2011 um 10:58 am

    Hm. Was wäre hier wohl zu lesen, wenn der Ayatollah Khamenei in Berlin empfangen würde?

  5. momorulez September 22, 2011 um 11:09 am

    Drastische Worte – würde er im Bundestag sprechen, wäre das ein Grund für die Revolution.

    Ansonsten ist das auch nur eine dümmliche „Geh doch nach drüben“-Variante von Seiten des arisch-evangelikalen Komplexes, die Du hier einwirfst. Solche reflexhaften Ablenkungesstrategien von den Machenschaften des mörderischen Debakels „christliche Kirche“ werde ich in Zukunft auf wieder einfach löschen.

    Ansonsten kannst Du Dir ja auf Bilder aus Abu-Ghraib in christlicher Traditionen einen runter holen, manchen soll ja auch aus bei der Wasserfolter von Hexen einer angegangen sein, und den Massenmord an Irakern im Zuge christlicher Religionskriege feiern. Weide Dich an Leichen!

  6. Loellie September 22, 2011 um 11:23 am

    Ich hatte ja gehofft, dass die Generation F.J. Strauss irgendwann ausstirbt. Meinst du das sind Restbestände oder hats da wirklich Nachwichs.

    Nö, Den Typo lass ich drin 😀

  7. Loellie September 22, 2011 um 12:12 pm

    Und weil uns hingerichtete Schwule im Iran bekanntlich auch nicht interessieren, ein paar Nachrichten aus der Freien Welt:

    Für ihn hier interessiert sich auch in den USA niemand wirklich, auch wenn sich meine Sympathien selbst in engen Grenzen bewegen.

    http://www.huffingtonpost.com/2011/09/21/lawrence-russell-brewer-executed_n_974926.html

    Vor knapp 3 Wochen während einer „Presidential Debate“ der potentiellen republikanischen Präsidentschaftskandidaten. Rick Perry ist Gouvaneur von Texas.

    http://www.youtube.com/watch?v=pXB8avpzMyI

    Auch der Gouvaneur von Georgia möchte wiedergewählt werden.
    Natürlich ist es noch unappetitlicher, wenn Unschuldige hingerichtet werden, das Problem mit der Todesstrafe liegt aber nicht in ihrer Fehlbarkeit, sondern ihrer Unmenschlichkeit.

    Ron Paul eine Woche später während „Tea-Party-Debate“ auf CNN.

    http://www.youtube.com/watch?v=HJqlqZ13qeE

    “ … Mr Snyder is credited with turning his one-man operation into a phenomenon now calling itself ‚The Freedom Movement‘.

    He persuaded Mr Paul to run for office and launched his campaign on his own computer in his apartment in Arlington, Virginia.

    From there he built it into a $35million operation with 250 employees that secured more than a million votes for Mr Paul’s nomination. … “

    http://www.dailymail.co.uk/news/article-2037330/Ron-Pauls-campaign-manager-died-pneumonia-afford-health-insurance.html#ixzz1Yg4xJTW4

    ___________________
    Leider wird es immer schwieriger die High-Lights von Jon Stewart und Steven Colbert auf youtube zu finden und auf deren Webseiten, wo man die kompletten Sendungen und Clips ansehen kann, funktioniert das mit dem linksetzen nicht. Vllt bin ich auch nur zu blöd. Das ist bisweilen einfach nur grossartig, was die beiden raushauen.

  8. momorulez September 22, 2011 um 2:22 pm

    @Loellie:

    Ich glaube, das sind wahlweise Schwuppen, denen eingeredet wurde, der kommende „Islamofaschismus“ würde ihnen an den Kragen gehen wollen, und die gar nicht schnallen, dass das nur ein groß angelegtes Manöver ist, um von einer viel gruseligeren Re-Christianisierung abzulenken, die vor allem deshalb gemeingefählrich ist, weil sie über Jahrhunderte gelernt hat, wie man sich im Staat bürgerlicher Prägung so organisiert, dass Normalisierung und Profit sich die Hände reichen und das alles auch noch neu-evangelikal libertär zu tarnen. So einen musste ich heute schon bei Twitter blocken. Die sind wie die Pawlowschen Hunde – wenn einer „Papst“ sagt, entgegnen sie „Mullah schlimmer!“.

    Oder eben „Antideutsche“, also CIA-Gehirnwäsche Unterzogene, die angesichts des berechtigten juvenilen Entsetzens über die Shoah, mit der mit gedanklich nicht fertig werden kann, auf die sichere Seite zu retten glauben. Denen empfehle ich noch mal den Link zum „Gottesmord“ oben im Text. Wenn es dazu noch Ossis sind, haben sie ja auch nicht erfahren, wie die christlichen agieren, wenn sie Macht haben.

  9. che2001 September 22, 2011 um 3:41 pm

    So Einer ist auch gerade bei mir unterwegs, muss irgendwo ein Nest sein.

  10. momorulez September 22, 2011 um 3:45 pm

    Die fallen überall ein, schlimm.

  11. momorulez September 22, 2011 um 4:19 pm

    Und, als Ergänzung für die Hegelianer unter den Lesern:

    „Wie erkennt man, was recht ist? In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist.

    Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft.“

    Von hier:

    http://www.welt.de/politik/specials/papst/article13615911/Papst-haelt-Rede-im-Bundestag-viele-Plaetze-leer.html

    Wie war das bei dem römischen, wie bei dem griechischen Recht? Jupiter, Zeus? Abgesehen davon kann man so tatsächlich auch die Schariah in welcher Interpretation auch immer rechtlichen Regeln zugrunde legen. Zudem der Herr Ratzinger „Vernunft“ völlig unspezifisch verwendet, und was nun auch noch „Natur“ in diesem Zusammenhang sinnvoll heißen kann, wo meines Wissens ziemlich unumstritten ist, dass der „naturalistische Fehlschluß“, also dass man nicht vom Sein auf Sollen schließe könne. Und ein außermoralisches Recht gibt es noch nicht mal bei Utilitaristen.

    Das ist einfach verlogen, was der da quasselt, weil er das wider besseren Wissens redet. Auch die Präambel des Grundgesetzes determiniert nicht den Rest. Das Grundgesetz ist säkular und ohne Gott begründet.

  12. Loellie September 22, 2011 um 5:16 pm

    Etliche Jahre bevor wir uns über die Füsse gelaufen sind, hatte ich mal einen von dieser Sorte am Wickel. Der wollte mich in einem Schwulen Porno-Forum zu Intelligent Design konvertieren, war dabei aber so unbeholfen, dass ich den irgendwie ganz niedlich fand. Das ging ein paar Tage, bis ich den Eindruck hatte, dass er jedesmal wenns für ihn eng wurde Rücksprache hielt, um mit frischen „Argumenten“ weiter zu diskutieren. Ich hab natürlich gebockt, weil ich weder Theo- noch Biologe bin und garnicht weiss bzw nicht einsehe, warum ich darüber überhaupt diskutieren soll.
    Jedenfalls hatte ich ihn dann irgendwann soweit, dass er mir genug vetraut hat, um sich ganz heftig zu verplappern.
    Der war 15 und sass im Keller einer evangelikalen Mission, irgendwo in Holland, um unter Anleitung eines Erwachsenen zu missionieren. In einem schwulen Porno-Forum!

    Und letztens das mit den Bonusmeilen für Jesus betreffs der im Jemen ermordeten Missionarinnen war auch keine Polemik. Es gibt in bestimmten Missionarskreisen, und die Bibelschule zu der die alle gingen gehört dazu, tatsächlich ein System bei dem die fürs missionieren Punkte sammeln können, um ab einer bestimmten Anzahl garantiert in den Himmel zu kommen. Der von Duckhome hat das damals auseinander genommen und ich verstehe wirklich nicht, dass es keine Strafrechtlichen Konsequenzen hat, wenn jemand Abhängige im Zuge eines Praktikums zum Missionieren in ein Land schickt, für das das Auswärtige Amt die maximale Reisewarnung ausgegeben hat, und in dem schon der Besitz einer Bibel nach geltendem Recht unter Todesstrafe steht.

    Das lässt natürlich keine Rückschlüsse auf Einzelne, die irgendwo dazwischen pupen zu, auf SPON zB kann man dies aber sehrwohl regelmässig beobachten, dass eine Handvoll Spammer es immer wieder schafft den Eindruck entsehen zu lassen, es handele sich aufgrund der Summe aller Kommentare um eine Pattsituation, obwohl hundert oder mehr Kommentatoren zum Teil massiv widersprechen.

    Und das wird bei den ganzen Stiftungen und Instituten zur Rettung des Westens auch nicht anders aussehen. Noch ein paar Psychos und Trolle dazu und Diskussion wird praktisch unmöglich.
    Natürlich nicht jetzt und hier wegen eines Dummschwätzers, lass 5 von der Sorte hier ankommen, aber was in den Mainstream-Foren nicht durch schiere Masse erschlagen wird, räumen Interessengruppen ab. Dazu kommt dann noch, dass das Pentagon eine Sofware in Auftrag gegeben hat, mit der pro Psy-Warrior ein dutzend „echter“ Online-Profile gemanaged werden können, und gerade letzte Woche wurde berichtet, dass eine Firma Software vertreibt, die selbständig Artikel schreiben kann. Die gibt es zZt zwar nur für Sportnachrichten, funktioniert aber erschreckend gut.

    Zensur ist ein sehr weites Feld über das wir noch nachdenken müssen, genau wie Meinung, auch wenn ich mal wieder nicht die Kurve zu letzterem gekriegt hab.

    Dabei wollt ich eigentlich nur sagen, dass ich den Link zum Gottesmord glatt übersehen hatte.

  13. momorulez September 22, 2011 um 7:09 pm

    Tora?

    Ansonsten das ja Guerilla-Marketingpraxen wie aus dem Callcenter. Nur dass die wenigstens noch irgendwie Geld verdienen und nicht Punkte für den in den Himmel kommen.

  14. momorulez September 22, 2011 um 7:58 pm

    http://www.faz.net/artikel/C32826/papst-benedikt-xvi-die-oekologie-des-menschen-30691002.html

    Diese Papst-Rede ist echt eine suggestive und manipularive Unverschämtheit. Wie üblich ein bißchen bei Horkdorno und Habermas geklaut – Positivismuskritik, die Differenz zwischen legal und legitim -, sehr viel Geschichtsklitterung und letztlich ein abstruser normativer Naturbegriff im Sinne eines verklausulierten Kreationismus, der mit Naturrechtsvorstellungen, wie sie mir bekannt sind, gar nichts zu tun hat. Dann klaubt er was bei den Stoikern, um als nächstes die alten Griechen, die Herr Paulus in seinen Briefen als verlotterte Bande behandelte, nunmehr als Quelle einer unspezifischen Vernunft, die irgendwie „weiter“ als die positivistische sei, zu behaupten.

    Dass das die Argumentation entfaltet, die zur Entwertung schwulen Lebens dient, kriegt in diesem Brei dann wieder keiner mit. Das ist ja eine hanebüchene Setzung, eben der Wille, auf den er sich unter Bezugnahme auf den späten Kelsen bezieht, der in einer nicht weiter begründungfähigen Art und Weise Formen zu lieben dann als „widernatürlich“ und „wider die Vernunft“ behauptet, was mit den paar Bibelstellen, in denen das Thema behandelt wird, gar nix zu tun hat; die prominentesten neben den auf Sodom und Gomorrah bezogenen sind eh aus den Paulus-Briefen GEGEN griechische Gepflogenheiten gerichtet. Um das wiederum als über-rechtliche, Mehrheitsentscheidungen nicht zugängliche Wahrheit zu behaupten, was dann auch die Argumentation von US-Juristen strukturell ist, die gut begründen, dass Mehrheiten nicht mal eben Minderheiten Rechte aberkennen können, insofern Mehrheitsentscheidungen die Homo-Ehe betreffend keine Relevanz haben dürfen. Um dann noch in einer waghalsigen, gedanklichen Operation den naturalistischen Fehlschluss als richtig auszuweisen.

    Mal ab von dem letzten Punkt macht er, was alle auf der Neuen Rechten machen: Keinen eigenen Gedanken formulieren, aber linke Motive gegen die Linke wenden. Ohne die Quellen zu nennen. Der ist ein Gaukler und Trickster und Verschweiger, aber was das alles nun – mal ab von dem Willen Gottes in der Natur, ein angesichts der traditionellen Leibfeindlichkeit des Christentums nicht gerade tradiert christlicher Gedanke – mit Theologie oder gar Jesus Christus zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Das ist zudem noch nicht mal tauglich für philosophische Proseminare, so schlaumeierlich das auch auftrumpft.

    Das Abstruse ist, dass er echt ein 68er ist in seinem Denken. Nur eben ein Invertierter.

  15. momorulez September 22, 2011 um 8:29 pm

    Zum Naturrecht noch ein eher schlechter Wikipedia-Artikel:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Naturrecht

    Natürlich wird da wieder vor allem die Kritik kritisiert bzw. unter Vorbehalt gestellt.

    Viel wichtiger sind in der Neuzeit Rechtbegründugen, die hypothetisch „Naturzustände“ sich in dem Sinne hypothetisch vorstellen, was passieren würde, worauf sich Menschen einigen würden, wenn sie geschichtslos bei 0 anfingen. Wenn 500 Leute auf einer einsamen Insel landeten und mal alle Traditionen strichen, keine Macht- und Besitzverhältnisse schon da wären, welche Regeln würden sie sich dann geben? Selbst Habermas‘ Diskursethik mitsamt der „kontrafaktischen Antizipation“, also Vorwegnahme, Vorstellung eines herrschaftsfreien Raumes,der nie und nirgends gegeben ist, operiert noch mit einem solchen Modell, das bis hin zu Dystopischem, „Herr der Fliegen“, alle möglichen Vorstellungen erzeugte. Sehr häufig allerdings Vertragsmodelle. Dadurch, dass Ratzinger diese maßgebliche Tradition weg lässt, suggeriert er Kontinuitäten, die es so gar nicht gibt.

  16. momorulez September 22, 2011 um 10:02 pm

    Prantl geht dem Trickster auch auf den Leim, weil er nicht schnallt, dass des Papstes Berufung auf „Natur“ als den Grundrechten vorgängig a.) nicht etwa Recht aus demokratischen Prozessen hervor gehend, die IHRERSEITS Grundlagen wie Gleicheit, Gerechtigkeit, Minderheitenschutz etc. voraus setzen müssen, begreift, insofern eine explizit antidemokratische Haltung einnimmt, der Prantl folgt, und b.) diese Vorstellung von „Natur“ des Papstes ja all den Terror gegen Schwule und Frauen erst hervor bringt. Lächerlich auch die Vorstellung, dass das Grundgesetz aus Gottesfurcht nach gottloser Zeit geboren sei; der Biologismus der Nazis hat eben auch eine metaphysisch aufgeladene Vorstellung
    von Natur gepredigt und im Führerprinzip das Papsttum kopiert als Quasi-Religion des „Deutschtums“. Dass nun „das Christentum“ in seiner kirchlichen Praxis auf Nächstenliebe und Gerechtigkeit setze ist eh der blanke Hohn angesichts des aggressiven Kampfes gegen Frauen und Schwule. Auch diese Vokabel „reflexhaft“ geht auf die Nerven, diese Papstverteidigung ist doch erst recht,sonst würden man ja mal hin lesen. Und nun zu fiern, dass unter Bedingungen des Jahres 2011 sich eine steuerfinanzierte Institution dann auch dazu herab lässt, sich zu Menschen- und Grundrechten zu bekennen, belegt nur, was für Laden das ist, dass das schon als bemerkenswert empfunden wird.

    http://www.sueddeutsche.de/politik/benedikt-xvi-in-deutschland-der-glaube-versetzt-in-rage-1.1147829-2

  17. Loellie September 22, 2011 um 10:14 pm

    Jetzt musste ich aber wirklich lachen.
    Ich weiss nicht ob dir ein gewisser „Thommen“ schon unangenehm aufgefallen ist, aber der hat letztens während einer Diskussion geprahlt, er wäre während seines Wahlkampfs in den 80ern als Schwulenpapst von den Medien bezeichnet worden. Der fliegt auch überall raus wegen seines blöden Geschwätz.
    Anyways, mein Mann sagt dass der manchmal garnicht so blöd klingt, und weshalb der mich so aufregt. Ich „ach, der klaubt sich aus sämtlichen Ideologien und geschlossenen Weltanschauungen den homophobsten Teil raus, rührt das durch, spickt das mit linken Begriffen wie Emanzipation, und verkauft das dann als … ja, was eigentlich. Im Prinzip ist der die virtuelle Entsprechung des Typs, der mit einem Pappschild um den Hals an der Strasse steht und inkoherent vor sich hin brabbelt.“

    Heisst Tora nicht Gesetz und meint das Alte Testament?

    Das hier ist Recht frisch und liesst sich für mich sehrwohl nach Einflussnahme auf den Gesetzgeber, und was haben Opus Dei auf Richterstühlen verloren?
    http://holybulliesandheadlessmonsters.blogspot.com/2011/09/will-catholic-church-declare-war-on.html
    Dort versuchen die Evangelikalen ja auch über die Religionsfreiheit in der Verfassung den Gottesstaat zu begründen.

    Und das wir gemeint sind, wenn der von „natürlich“ schwafelt und das das keiner merkt, ist ja der Grund, weshalb ich in der Causa C. so verständig und nachgiebig bin 😉

    Natürlich ist das Guerilla-Marketing mit einem guten Schuss Grassroots. Deshalb waren bei den Antidemokraten von 6 Autoren 5 Werbefutzies und der 6. ein Politiker der seine eigene rechte Partei als gelbsozialistisch beschimpft hat. Auch im Counter-Jihad ein Consultant nach dem anderen.

  18. momorulez September 22, 2011 um 10:30 pm

    Thommen? Wie, wo? Als „Schwulenpapst“ hat Alfons Silbermann immer Rosa von Praunheim bezeichnet 😉 …

    Und diese US-Katholiken, also, bei meinem neuen Freund Robert Wilson habe ich gestern in „E-Mail“ ans Universum über das US-Recht in Maryland in den 60er Jahren gelesen: Da fasst man sich nur an Kopf. Wilson zufolge durften da Atheisten u.a. nicht als Zeuge vor Gericht aussagen. Da fasst man sich nur immer wieder an den Kopf, was in diesem als Hort der Freiheit behandelten Land mit all den Großartigkeiten, die da entstanden sind, für einen Irrsinn fabriziert – so ein Opus-Dei-Kluth muss hier ja noch halbwegs im Verborgenen agieren, aber diese Komplett Durchgeknallten da drüben, unfassbar.

  19. Loellie September 22, 2011 um 10:47 pm

    Ach, sorry, der ist Schweizer aus Basel und nennt sich auch Schwulenaktivist. Treibt sich eigentlich überall rum. Wenns um Lesben, Gott bewahre, oder Frauen geht, verlinkt er EiFrei und Maskulisten und die wollen uns kastrieren und vergewaltigen, die Weiber, wenns um Safersex geht beschwert er sich über Phallozentrik und Männlichkeitswahn zB. Wer nur daran denkt ohne Gummi zu ficken, was man eh nicht machen sollte, egal ob mit oder ohne, für den bedeute Autonomie des Körpers Anarchie, weshalb das egoistisch sei weil, frei nach Thatcher „jeder ist sich selbst der nächste“, um sich über kulturlose Schwuppen in der Konsumwelt … usw.
    Der „Argumentiert“ auch immer wie der Papst, nur nicht so inteligent, oder der Schlechtmensch da oben gerade. So verquer, dass ich jetzt suchen müsste, das kann man nicht aus der Erinnerung wiedergeben.

  20. Loellie September 23, 2011 um 5:23 pm

    In den westlichen, jüdisch-christlichen Medien gibt es noch andere Schweigegelübte

    Poll: 70% of Israelis say Israel should accept UN decision

    http://www.jpost.com/DiplomacyAndPolitics/Article.aspx?id=238855

    Und 25% der Kommentare unter dem Artikel sind vom gleichen User. 😀

  21. Sonnenstrahl September 23, 2011 um 6:07 pm

    Betreffs Pope: Prantl geht ihm auf den Leim, weil Ratze es gelernt hat, seinen reakt. Mist zu verklausulieren @ Loelli: Ja, Tora heißt Gesetz – nur ist „altes Testament“ eine etwas blöde Formulierung, so, als sei die Bibel durch das „Neue Testament“ überholt.

  22. Simon2 September 23, 2011 um 11:36 pm

    Die „taz“, die du zu Beginn zitierst, lese ich nur noch unregelmäßig, weil ich da wirklich den Eindruck habe, dass sie zum Sprachorgan der öko-kapitalistischen Bionade-Spießer geworden ist, die „grün“-protestantisch-katholische Verzichtsethik tatsächlich für Kapitalismuskritik halten und sich „links“ wähnen, nur weil sie den überall propagierten Geburtenkrieg halt mit Kindertagesstätten gewinnen wollen.

    Es wurde zwar auch Kritik bzgl. des Papstbesuches formuliert, doch wirkt diese schon deshalb sehr schal, weil die Zeitung einen stark esoterisch-protestantischen Einschlag hat – mit all diesen Artikeln über Yoga-Gurus, Shivas, Shaktis, Anthroposophie und der zärtlichen Sonderberichtserstattung über den Evangelischen Kirchentag.

    Was die Schwulen anbelangt: diese Erfahrung mache ich auch immer öfter, dass da ein ganz merkwürdiger Rechtsruck stattfindet. Ich treffe sowohl in der Realität als auch im Internet immer häufiger junge homosexuelle Männer, die von einer gruseligen Unterwürfigkeit gegenüber weißen, rechtskonservativen Heterosexisten geprägt sind. Geben sich betont „bürgerlich“ und „politisch inkorrekt“ in der Hoffnung, dass ihnen eben jene Heterosexisten ihre Homosexualität verzeihen („Ich bin zwar auch schwul aber einer von den guten Schwulen – keine perverse, linke Transe!“) und sie eines Tages vor den bösen Muslimen schützen mögen.

    Was allein schon deshalb skurril ist, weil all diese „inkorrekten“ „Islamkritiker“ ja s p ä t e s t e n s, seit sie von dem sarrazinesken Geburtenkriegsvirus befallen sind, die angebliche „Islamisierung“ nur als Folge der angeblichen „Dekadenz“ und der sozialistischen(!) Politik des Westens betrachten und jetzt wie P.I. von der Prügelstrafe schwärmen und gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche, Homosexuelle, Feministinnen undundund hetzen.

    Eigentlich finde ich diese „inkorrekten“ Rechtspopulisten mittlerweile sogar NOCH schlimmer als diese ganz klassischen Rechtskonservativen. Ich betone extra das „noch“! Das ist kein Plädoyer für eine Querfront oder eine Verhamlosung! Ich denke nur: Das, was diese Rechten so schlimm macht, der Rassismus, der Heterosexismus usw., diese ganze Idee, dass man Unterdrückung, Unfreiheit und Diskriminierung braucht, damit „wir“ nicht aussterben – all das gibt es bei den Rechtspopulisten mittlerweile auch. Aber wo die altmodischen Rechten gegenüber Kapitalismuskritik, Umweltschutz, Kritik an NATO-Kriegen usw. doch noch wenigstens h a l b w e g s aufgeschlossen sind (man denke etwa an Robert Spaemann oder den Beginn der Grünen), da sind die Rechtspopulisten knallhart kapitalistisch (Obama ist für P.I. ein Sozialist…), mit regelrechtem Hass auf jede Form von Natur (alles nur gutmenschlich) und kriegslüstern wie die schlimmstne US-amerikanischen und israelischen Hardliner.

    Natürlich muss dann die Linkspartei vom VS überwacht werden – aber wenn die Rechtspopulisten paarmal „Grundgesetz“ schreiben und sich mit US-amerikanischen und israelischen Hardlinern solidarisieren, haben sie schon nix mehr zu befürchten…

  23. Simon2 September 23, 2011 um 11:41 pm

    Nachtrag: Wobei … die Linkspartei. Wenn ich an den Gysi denke, wie er jedesmal über den Papst redet, einmal schnell „Habermas!“ sagt und dann seine Furcht vor einer „gottlosen Gesellschaft“ verkündet. Ach Herrje…

  24. momorulez September 24, 2011 um 8:11 am

    @Simon2:

    Bin in so ziemlich allem ganz bei Dir. Das sind viele Motive, die Du aufzählst – diese merkwürdig christliche Verbürgerlichung jener, die sich noch irgendwie links wähnen wie auch von DIE ZEIT, taz, St. Pauli-Gegengerade, dieser Kampf gegen die vermeindlich „inkorrekten“ Neuen Rechten, das sind ja einge der zentralen Themen dieses Blogs. Die Selbstkritik schwuler Szenen kommt hier chronisch zu kurz; das aber auch, weil die Linksspießer immer nur darauf lauern, die alte Leier von den „schwulen Nazis“ anzustimmen, was eben zu all den Externalisierungsmechanismen gehört, diese christliche Reinwaschung der je eigenen Lebensform, unter dann ganz zynischer, hochaggressiver Ballast des Verdrängten lauert.

  25. Loellie September 24, 2011 um 1:06 pm

    „Die Selbstkritik schwuler Szenen kommt hier chronisch zu kurz“

    Was ja daran liegt, dass sich hier kaum welche Blicken lassen und es ansonsten auch praktisch keine ernstzunehmende Schwule Stimme gibt. Weder als Publikation und sowas wie einen Wortführer gibt es auch nicht mehr. Volker Beck ist noch der einzige der gelegentlich auftaucht und auch wenn der mir schon zu verbürgerlicht ist, hat er dennoch oft genug recht mit dem was er sagt, weshalb ich es für kontraproduktiv halte, sich ausgerechnet an dem abzuarbeiten.
    Queer.de ist so flach, dass es kaum lohnt und einer wie Feddersen hat sowenig Substanz, das alles, was über ein treffendes „Dummschwätzer“ hinaus geht zuviel der Ehre ist. Rosa, der ja auch nicht jünger wird und wirkt, als fände er seit geraumer Zeit zum Glauben zurück, hätte letztens auch besser die Klappe gehalten, anstatt in Reaktion auf Kraushaars richtige Feststellungen und Fragen zum Zustand der „Bewegung“ die Hose runter zu lassen.

    „Ich treffe sowohl in der Realität als auch im Internet immer häufiger junge homosexuelle Männer, die von einer gruseligen Unterwürfigkeit gegenüber weißen, rechtskonservativen Heterosexisten geprägt sind.“

    Was zumeist mit der panischen Distanzierung von Tunten, „Barebackern“, Cruisern, gerne auch SM, und vorallem Pädophilen einhergeht. Das ist deshalb fatal, weil der Bevölkerungsanteil, der uns nichts böses will, garnicht auf die Idee kommt, sogenannte „Homosexualität“ damit synonym zu sehen, und es für den arisch-evangelikalen Komplex sowas wie gute Homos nicht gibt und auch nie geben wird.

    Das ist auch kein neues Phänomen als solches, dieser Konflikt zwischen den Schrillen und den „normalen“ Unsichtbaren. Neu ist, das die Unsichtbaren sich wohl aufgrund der Anonymität des Internets lauter zu Wort melden.
    Der Tuntenstreit als innerlinke Veranstaltung hat das Problem, dass sich heute zB mit der TAZ zeigt, in den frühen 70ern vorweggenommen.
    Jetzt wollte ich noch schreiben, dass ich die TAZ, die von PoC-Aktivisten als rassistische Mainstreamzeitung der BRD bezeichnet wird, auch kaum lese, da fällt mir ein, dass es mit alternativen Titeln wie Wildcat oder Arrancha, die entschieden progressiver sind als die TAZ, auch nicht besser aussieht. Beim lesen des vom konservativen Feuilleton bejubelten „Der kommende Aufstand“ hatte ich sogar veritable Wutanfälle.

    Und wer sich in der BRD zum Lautsprecher ausländischer Extremisten macht hat sehrwohl was zu befürchten. Bildungsreisen in die USA und nach Israel und üppige Schecks inkl Altersversorgung. Im Falle der Anti-Deutschen auch vom VS und BND.

    Wir müssen das überdenken von Begriffen, fast hätte ich „neu erfinden“ geschrieben, auch nicht auf Zensur und Meinung beschränken. Ohne die rechts-nationalen Fussball-Hooligans und deren Eingreifen, hätte die Besetzung des Madin Tahrir auch anders ausgehen können. Das war auch eine Querfront, auch wenn der kleinste gemeinsame Nenner wohl ACAB war.

  26. Loellie September 24, 2011 um 1:08 pm

    „die von PoC-Aktivisten als rassistische Mainstreamzeitung der BRD bezeichnet wird,“

    rassistischste

  27. momorulez September 24, 2011 um 1:46 pm

    Zudem ich ja hier seit geraumer Zeit versuche, antirassistische, feministische und antihomophobe Aspekte in ihrer Relation zueinander zu denken und dabei den Klassismus-Aspekt nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Das ist ja immer schon die Gegenposition zu diesem rechtsliberalen, frauenfeindlichen Scheiß, den man bei gaywest und solchen findet und in der verbürgerlichten schwulen Szene im Allgemeinen, die da auch nur das mentalitätstechnisch mit macht, idiotischerweise, was Simon2 so treffend mit „den Geburtenkrieg mittels Kita-Plätzen gewinnen“ beschreibt, trotz aller Allergien gegen Kinder, die es bei Schwulen ja auch gibt. Was sich aber eher aus diesem unerträglichen Zelebrieren der Fortpflanzer und der Sinnstiftungsmütter ihrer Lebensform speist.

  28. Simon2 September 24, 2011 um 3:32 pm

    „Was sich aber eher aus diesem unerträglichen Zelebrieren der Fortpflanzer und der Sinnstiftungsmütter ihrer Lebensform speist.“

    Das ist sicher richtig; vorallem befeuert das natürlich diesen Versuch, Schwule quasi „neubürgerlich“ zu domestizieren und dadurch dann wieder andere Menschen ausgrenzen zu können.

    Aber die zwei größten Probleme mit diesem Fruchtbarkeitskult bleiben meines Erachtens, dass er erstens auf blankem Rassismus fusst, weil bewußt oder unbewußt davon ausgegangen wird, dass mit dem „Wir“, das vor dem Aussterben bewahrt werden müsse, Weiße gemeint sind und folglich PoC und Schwarze nie zu diesem „Wir“ gehören können.

    Und zweitens: Wer nicht über die weltweite Überbevölkerung spricht, der soll auch schweigen, wenn es um die Umweltzerstörung geht, das Aussterben von Tierarten (Natürlich müssen die dann weichen, siehe Indien), die Verwandlung dieses schönen Planeten in eine Mischung aus Sojafeldern, Autobahnen und Hochhäusern. Und der soll auch schweigen, wenn es um weltweites Lohndumping geht, um Milliarden von Hungerleidern, die sich im Kampf um die immer knapper werdenden „Jobs“ nach unten konkurrieren. Was bringt so ein Streik schon, wenn ein elendes Millionenheer bereit ist, für weniger zu arbeiten.

    Aber anstatt die Überbevölkerung wenigstens regelmäßig zu thematisieren (ein Problembewußtsein wäre doch schon ein Beginn), werden die Deutschen in einen dämlichen Geburtenkrieg verwickelt und ihnen gleichzeitig eingeredet, dass sie künftig auf Autos, Fleisch, Fernreisen und heiße Badewannen zu verzichten haben. Ohne Überbevölkerung wäre auch das kein Problem – aber mit Überbevölkerung bleibt nur Sojafraß, die kalte Dusche, dunkle Birne und ein feste Burg ist unser Gott mit Frau Göring-Eckardt singen.

  29. Loellie September 24, 2011 um 3:40 pm

    „Zudem ich ja hier seit geraumer Zeit versuche, antirassistische, feministische und antihomophobe Aspekte in ihrer Relation zueinander zu denken und dabei den Klassismus-Aspekt nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Das ist ja immer schon die Gegenposition zu diesem rechtsliberalen, frauenfeindlichen Scheiß …“

    Ja eben. Ich wüsste auch garnicht, wie man sich im Hinblick auf Schwule Spezifik dem Counter-Jihad annähern könnte, oder was dabei heraus kommen sollte. Das Konzept Homo-Nationalismus halte ich auf die USA bezogen für fragwürdig, und in Europa aufgrund der Konstruktion „Der Westen“, als propagandistisches Subsitut für den US-Nationalismus, für falsch. Und die sich ausbreitende Hinwendung zu rigider Sexualmoral tritt dann auf, wenn der Schuld und Sühne-Komplex im Sinne des Stockholm-Syndroms pathologisch wird.

    Gerade auf Queer.de überflogen, da wurden Christen, die ihre unschuldigen Kinder vor Sexualkunde durch Schulentzug schützen wollten, vom Europäischen Gerichtshof abgewatscht und im ersten Kommentar gehts um islamische Mädchen, die angeblich nicht am Schwimmuntericht teilnehmen dürfen.
    Was erstmal als Gegenstück zu den „Advokaten für Freiheit und Glauben“ zu verstehen ist, und es darüberhinaus auch nie darum ging, dass sich der christliche Nachwuchs während der Sexualkunde als Anschauungsobjekt vor der ganzen Klasse hätten ausziehen sollen.
    Gut, jetzt wollte ich schreiben, dass ich nicht sehe, wie einem die schwule Perspektive hier weiterhülfe, aber in der konkreten Konstellation Stockholmert es dann doch erheblich, wenn auf arisch-evangelikale Homophobie Probleme mit Moslems herbeifantasiert werden, auch dann, wenn die Entscheidung des EuGh vordergründig begrüsst wird.

  30. Pingback: Fundstücke 02.10.2011 « Serdargunes' Blog

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