Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Woher kommt eigentlich diese Spiegelbildlichkeit?

„Die verschwörungstheoretische Mentalität verrät sich durch ihre übermäßige Folgerichtigkeit. Ihre Theorien sind viel kohärenter als die Wirklichkeit und lassen keinen Raum für Fehler, Zufälle oder Zweideutigkeiten.“

Von „welcher Seite“ stammt dieser Satz?

Von den „Truthern“, jener „Wahrheitsbewegung“, die fordern, das alles rund um den 11. September doch endlich mal aufgeklärt werden müsse und die die „offizielle Version“ selbst für das „Höhlenmärchen von Osama und den 19 Teppichmessern“ und somit eben auch für eine Verschwörungstheorie halten? Eine, in der ein Mastermind in Afghanistan den großen Plan ausheckte, der die Welt veränderte?

Oder stammt der Satz von jenen, die einigermaßen willkürlich mit Kampfbegriffen wie „Antiamerikanismus“ und irgendwie zwanghaft hinein geschmuggeltem Antisemitismusvorwurf – der bei einigen der „Truthern“ zweifelsohne zutrifft, die Fragen der anderen aber ja nicht entwertet – die Nase rümpfen?

Das ist verwunderlich, wenn man nach und nach erst die einen, dann die anderen, erst Mathias Broeckers, dann z.B. Bernd Greiner, der der „offiziellen Version“ folgt, um nichtsdestotrotz harsch die folgende Selbstermächtigung der Exekutive – auch in Deutschland – zu geißeln, liest: Dass bestimmte Vorwürfe, Kritiken, Polemiken annähernd im oben zitierten Sinne geradezu gleichlautend auf beiden Seiten aufscheinen. Eben die oben Zitierten.

Nicht minder bemerkenswert, dass die Hinterfragepraxis eines Mathias Broeckers keinerlei Antwort auf Seiten der „Offiziellen Medien“ erfährt, auch bei Greiner nicht. Da wird auf zwei Seiten, ich bitte um Entschuldigung, wenn ich was überlesen habe, mal eben abgewatscht und dann voraus gesetzt, was andere hinterfragen, ohne diese begründeten Zweifel zu thematisieren. Während umgekehrt bei den „Truthern“ mir scheint, dass auf so ziemlich jeden Punkt der „Gegenseite“ irgendwie eingegangen wird. Ob nun mit belegbaren oder einfach willkürlich im Netz zusammen gesammelten Gründen, das kann ich auch nicht überprüfen, das betonen die Autoren auch, dass sie selbst es nicht können, sondern allenfalls Gerichte und Ermittlungsbehörden, und ich würde lügen, wenn ich nicht zugäbe, dass mir einiges dessen, was die „Truther“ schreiben, schlicht plausibler erscheint (vergleiche auch die Debatte bei Bersarin) – das aber vor allem auch dank der Bestätigung  durch die durchideologisierten Sottisen z.B. eines Jörg Lau, der einen einigermaßen erbärmlichen Text in DIE ZEIT mit folgender Rhetorik schließt:

„Die „al-qaidisch-ladinistische Weltverschwörung“ (Bröckers) kann darum nur eine Lüge der Geheimdienste und der mit ihnen konspirierenden Medien sein. Es darf einfach nicht wahr sein, dass 19 junge arabische Männer in ihrem Hass auf die westliche Welt einen solchen Massenmord zu begehen bereit sind. Das besondere Problem mit diesem Hass ist nämlich, dass er so umfassend, im strengen Sinne totalitär ist. Er attackiert die feinen moralischen Unterscheidungen, an denen wir uns orientieren: Dieser Terrorismus macht eben keinen Unterschied zwischen den Gesellschaftskritikern und dem Establishment, Linken und Rechten – wie er ja auch keinen Unterschied zwischen den Brokern und den Putzfrauen im World Trade Center gemacht hat. Für die Verschwörer des 11. September gehörte auch der institutionalisierte westliche Selbstzweifel, dessen absurd-paranoide Zuspitzung Mathias Bröckers und Michael Moore verkörpern, zu jenem Weichlichen und Entarteten unserer Zivilisation, das sie aus tiefster Seele verachteten.“

Ist der gleiche Text wie jener, aus dem das Eingangszitat stammt. Das, wie gesagt, ganz ähnlich auch von den „Truthern“ formuliert werden könnte.

Nur: Woher stammt diese seltsame Annahme von Herrn Lau? So als Teil des Restlinken hatte ich nie Probleme, mir vorzustellen, dass eine derartige Radikalisierung, ursprünglich eifrig gegen die damalige Sowjetunion von „westlicher Seite“ gefördert, in afghanischen Städten und an Hamburger Universitäten in einigen Köpfen sehr wohl statt finden könnte. Teile dessen kennt man ja hier aus der politischen Rhetorik, nur dass jene, die sie formulierten, nicht selbst in Hochhäuser fliegen, sondern sich lieber an irgendwelchen Nachtsicht-Flugzeug-Innenperspektiven bei der Ansicht des bombardierten Bagdad ergötzten. Das ist ja in etwa eine Umschreibung der „Gutmensch“-Rhetorik, was Lau da aufgreift, eben der Hass auf Verweichlichten und Entarteten, die vor dem skizzierten „Totalitarismus“ kapitulieren, Hurra!, würden.

Lau deutet übrigens „totalitär“frappierend ahistorisch nicht etwa als Mechanismengefüge innerhalb eines tatsächlich durch und durch paranoiden Systems wie des Stalinismus, das mit Schauprozessen, Bespitzelungen, Gulag und Nomenclatura arbeitet,  sondern als diffus Haltung, „totales“ Gefühl oder sowas, was auch typisch für Debatten in Deutschland ist. Mit so einer terminologischen Unschärfe kann man noch nicht mal reale Phänomene wie den Wächterrat im Iran sinnvoll beschreiben. Das erstaunt aber nicht, dass so ein Wischiwaschi bei einem vermutlich hochbezahlten Mitarbeiter eines großen Wochenmagazins sich zeigt, der sich noch selbst für den Unwillen zur Recherche feiert, indirekt:

„Denn die Verschwörungstheorie inszeniert sich als Wissenschaft. Eine besondere Pedanterie mit Fußnoten, Zitaten und lückenlosen Beweisketten ist geradezu ein Erkennungszeichen ihres Pseudo-Rationalismus. Die verschwörungstheoretische Mentalität verrät sich durch ihre übermäßige Folgerichtigkeit.“

Na, das geht ja gar nicht. Verdorbenes Volk! Dass sich jemand, der sich vermutlich „Journalist“ schimpft, gar nicht schämt, so was zu schreiben, erstaunt. Natürlich, direkt danach folgt oben zitierter Satz, und auch im Journalismus muss man wohl mit Unschärfen und Inkonsistenzen, Skepsis und Unwissen schon mal arbeiten, aber dann wäre ja schön, wenn man eben dieses dem Rest des Textes auch anmerken und das zugeben würde.

Und: Was ist eigentlich diese „westliche Welt“, und was Referenz des auch von Rechtsbloggern immer wieder angeführten „Antiamerikanismus“?

In der Tat erinnere ich mich, als wir z.B. „Amerika“ von Fee hörten, damals in der Friedensbewegung der frühen 80er, dass es einen Diskurs gab, der sich als friedliches Deutschland gerne neu erfinden wollte nach all dem von Vätern und Großvätern angerichteten Grauen, eine noch nicht vorhandene Souveränität in Fragen dessen, welche Pershings wo stationiert werden, beklagte, sich ein neutrales Land außerhalb der NATO wünschte und mit einer tatsächlichen Arroganz „deutsche Tiefe“ gegen „amerikanische „Kommerz- und Plastik-Oberflächlichkeit“ ins Feld führte.

Letzteres würde ich schon als kulturellen Antiamerikanismus identifizieren, der mitteleuropäisch dünkelt und sich auch im Ressentiment gegen Popkultur im Allgemeinen, Disco-Musik z.B. im Besonderen, zeigt. Aber nun Britney Spears mit guten Gründen als nievauloses Spektakel abzutun, ist das schon „Antiamerikanismus“? Im schlimmsten Fall spielt dieser Diskurs allerdings immer „echt“ gegen „künstlich“ aus und pflegt den Heideggerschen Jargon der Eigentlichkeit.

Das andere, Erwähnte jedoch sind einfach politische Forderungen im Rahmen eines demokratischen Gemeinwesens, die von mir aus naiv waren, von mir aus von der Stasi auch noch angefüttert wurden, aber was daran nun „antiamerikanisch“ gewesen sein soll, weiß ich bis heute nicht.

Ebenso wenig, wenn manche spekulieren, dass die Bush-Regierung etwa wahlweise einfach nur zu ließ oder selbst inszenierte, was schlichtweg schauerlich war. Wieso ist das „antiamerikanisch“? Wieso unterstellen einem da irgendwelche Rechtsblogger und ZEIT-Redakteure „Krokodilstränen“ und sprechen einem in ihrem Hass auf die Linke, die sie seit 150 Jahren am liebsten vernichten wollen,  so scheint es zumindest manchmal, mangelnde Emphatie zu, wenn Menschen in panischer Angst aus einem Hochhaus springen ? Mein Mitgefühl setzt da auch dann nicht aus, wenn ich mir vorstelle, dass Bush, Cheney und Rumsfeld die Drahtzieher gewesen sein könnten.

Diesen ganzen Lau-Absatz „es darf einfach nicht wahr sein, dass“, oben zitiert, könnte man doch nun spiegelbildlich auf eben jene Vorstellung umschreiben, dass eben einfach nicht wahr sein dürfe, dass eine amerikanische Regierung oder Teile derer oder auch nur die CIA, nicht etwas das Super-Subjekt „Amerika“, tausende Landsleute umbringen könnten, um Kriegsgründe zu erfinden, erschütternd zeitnah nach den Anschlägen den „Patriot Act“ durchzusetzen usw..

Was soll an dieser Vorstellung absurd oder paranoid ist sein? Sie kann völlig falsch sein, aber kann man das nicht mal irgendwie besser belegen, dass sie das ist? Dann würden die „Truther“ vermutlich prompt verstummen.

Die Geschichte hat nun einige andere Beispiele parat, wo sie nun auch nicht gerade „verweichlicht“ oder differenziert agiert haben,  die US-Regierungen, ihr Militär, ihre Geheimdienste, wenn es um ökönomische Interessen und Vormachtstellung ging. Hallelujah, was bin ich sogar froh, dass sie das im Falle Deutschlands auch so taten!

Was nun über eine allgemeine Haltung zu Amerika so gar nix aussagt, was liebe ich Janis Joplin, Aretha Franklin, den Cool Jazz oder Teile der Massenkultur! Wäre ja unsinnig, das nun alles aufzuzählen, und hätte ich die Wahl, entweder nach San Francisco oder nach Teheran zu ziehen, ich würde wohl den Blick auf die Golden Gate Brigde aber so was von vorziehen. Wobei Teheran eine sehr spannende, in sich hoch ausdifferenzierte Stadt sein soll.

Es sind doch diese schwachsinnigen Totalisierungen, das, was, Lyotard die „Großen Erzählungen“ nannte, diese Erfindung von Supersubjekten mit Eigenschaften, DER ISLAM, DER WESTEN, DIE DEUTSCHEN usw., diese furchtbaren Substantivierungen selbst und die sich um sie gruppierenden Legitimationserzählungen selbst, die all die Verwirrung erzeugen. Übrigens auch bei islamistischen Hasspredigern, die linke Antiimperialismusmotive in einen Diskurs von Selbstmordattentatsrechtfertigungen überführen, die es ja auch gibt. Aus denen nun eine hassgesättigte, mentale Gleichschaltung von Millionen und Abermillionen von Menschen nicht abzuleiten wäre. Ebenso wenig wie von George W. Bush nicht auf das „Wesen“ eines jeden Amerikaners zu schließen wäre.

Und zumindest Broeckers muss man einfach zugestehen, dass er im Gegensatz zum Feuilletongeschreibsel eines Jörg Lau eine Ebene tiefer ansetzt. Was, wie neulich bereits beschrieben, wohl wegweisender ist. Damit diese kruden Spiegelbildlichkeiten sich auflösen. Man muss doch auch mal die Mikro-Ebene wieder angehen, anstatt immer nur auf Makro-Ebenen daher zu schwafeln.

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7 Antworten zu “Woher kommt eigentlich diese Spiegelbildlichkeit?

  1. noker September 13, 2011 um 5:05 pm

    kann es vielleicht sein, dass die linke deswegen restlinke ist, weil sie sich selbst zerlegt und dementiert hat? und dass die bereitschaft, sich mit dem unappetitlichen völkchen der truther einzulassen, in diesem und anderen von mir eigentlich sehr geschätzten blogs, darauf zurückzuführen ist, dass man endlich aus dieser vermaleideten moralischen defensive herauskommen möchte, koste es, was es wolle … die empathischen gefühle für die opfer sind doch gleich ganz andere, wenn man weiß, dass es mindestens ein „let it happen“-szenario war, da weiß man doch wieder, wofür man steht.

  2. momorulez September 13, 2011 um 5:38 pm

    Die letzte Unterstellung würde ich mal unappetitlich nennen und weiß auch nicht, was Dich dazu veranlasst.

    Mein Problem aktuell ist eher, dass ich all die Hansel von SPIEGEL bis ZEIT viel unappetitlicher finde und Herrn Greiner am Anfang des Buches schlichtweg unseriös, weil er noch nicht mal Quellen angibt. Die darauf folgende Entwicklung, die er aufrollt – Patriot Act etc. – ist meines Erachtens vor lauter Verteidigung von Sozial-, Rechtsstaat und Demokratie viel zu wenig in den Mittelpunkt der Kritik der Restlinken gerückt, so im Allgemeinen gesprochen, so das das irgendwie diffus Liberalen, verkappt Rechtsradikalen überlassen wurde, was ich für einen Riesenfehler halte.

    Die wirklich Unappetitlichen unter den „Truthern“, Alex Jones und solche, würde ich hier nicht verlinken. Bei dem Broeckers sehe ich eher klassisch linke, kritische Perspektiven am Wirken. Das Buch habe ich nun ganz gelesen, und das bringt schon ins Grübeln. Das würde ich mal ab vom etwas albernen Schlusskapitel unter Aufklärung verbuchen, was ja nun auch der eine oder andere unter unappetitlich verbucht, mittlerweile.

    Was mich veranlasste, es überhaupt zu lesen, WAR die Rhetorik von Aust und Konsorten, denen man doch anmerkt, dass sie so was wie Wahrheit nicht sonderlich interesssiert. Das sind politische Hetzer und Demagogen meiner Ansicht nach, die Regeln des Sagbaren formulieren wollen, um ihre eigenen Wirtschafts- und Machtinteressen aggressiv durchzusetzen.

    Zudem ich bestimmte Mechanismen des Weglassens nun als jemand, der selbst in den Medien arbeitet, einfach sehr gut kenne. Nur dass das eben in der Regel nicht die angeblich „unbequemen Wahrheiten“, die irgendwelche Rechtsschwätzer „tabu brechend“ für sich in Anspruch nehmen, sind, sondern ganz andere.

    Unappetitlich finde ich zudem Regierungen, die foltern lassen, die von Gadafi wie die von Bush, Geheimdienste, die illegale Aktionen mit Drogengeschäften finanzieren, Antisemitismus-Vorwürfe, die den, der wirklich statt findet, verschleiern helfen, Privatarmeen, die Zivilisten abknallen – ich könnte jetzt auch im Iran bei dieser folternden und schlachtenden Quasi-Bürgerwehren oder Arbeitsbedingungen in China weiter machen mit der Formulierung meiner Empörung oder sonstwo. Ich fand auch die DDR und die Stasi aber so was von Scheiße.

    Ich glaube nur nicht, dass all das in einer dichotomen Welt passiert, wo Reiche des Guten gegen jene des Bösen kämpfen, sondern zumeist Reiche gegen Arme unter anderem in globalen Vernetzungen, die aufzuklären ich als Aufgabe der Linken sehen würde, ja. Weil das Interessengemeinschaften sind, und ich meine nicht die „Bilderberger“.

    Wenn mir irgendwer hierzulande und auf hier bezogen mit „Antiamerikanismus“ kommt wie der Herr Lau, weiß ich seit Franz-Josef Strauss, dass der mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit lügt oder verschleiert. Weil das in den meisten Fällen auf einer falschen Ebene ansetzt.

  3. noker September 13, 2011 um 8:16 pm

    Die von dir genannten regimes und praktiken finde ich nicht nur unappetitlich, sondern geradewegs widerlich. Und was die moralische vereinfachung der komplexität sozialer konflikte angeht, bin ich sofort bei dir.
    Die unterstellung des ‚unappetitlichen‘ speiste sich aber nicht zuletzt auch aus deinem letzten eintrag zu diesem thema, als du auf infokrieg, alex jones etc. verwiesen hast. das (wohlgemerkt nicht du!) ist nun allerdings querfront, es kippt mit erschreckender leichtigkeit von links nach rechts und wieder zurück. vielleicht hat sich broeckers von diesen leuten abgegrenzt, ich weiß es nicht.
    mein problem ist aber eigentlich tiefer gelagert, dass es nämlich diesen leuten ja nicht einfach nur um die wahrheit geht, sondern um die produktion verborgener wahrheiten, wobei man sich dann je nach präferenz eine zielgruppe aussuchen darf, gegen die sich der verdacht richtet, diese wahrheit zu unterdrücken. wenn du so willst, eine schwundform des spekulativen diskurses, der nicht widerlegt werden kann, weil jedes gegenargument zum element der eigenen wahrheitserzählung umfunktioniert wird. es ist meine abneigung gegen diese sozusagen mittelgroßen erzählungen. soll das eine linke perspektive sein?
    Das geht nicht gegen kritik und hinterfragen, nur dagegen, dass man die frager nicht befragt (das hätte lau in seinem in der tat eher schwachen text mal machen sollen …).

  4. momorulez September 13, 2011 um 9:03 pm

    Puuh, sind das Querfronten? Mir kommt das immer eher so vor, als habe die Rechte, wie historisch ja schon häufiger, der (klassischen) Linken, hier den anarchistischen Varianten, etwas geklaut, simplifiziert und mit den üblichen Feindbildern aufgeladen. Wobei man z.B. Alex Jones nun schlecht „Antiamerikanismus“ vorwerfen kann, den finde ich ansonsten, so weit ich das beurteilen kann, sehr, sehr gruselig. Und die Abgrenzung, die Broeckers meines Erachtens schon vornimmt, ist schon ernst zu nehmen, glaube ich.

    Das Ganze ensteht aber ja nicht, weil nun irgendwelche Querfronttendenzen da wären, sondern weil die Vorgänge selbst so dubios sind und tatsächlich der Eindruck eines journalistischen Establishments entsteht, das mit der „freien Wirtschaft“ wie auch politischen Funktionsträgern eng verquickt ist, schummelt und eher mit großer Rhetorik, aber wenig Argumenten Weltbilder stabilisiert, anstatt Recherche zu betreiben.

    Nun ist, deswegen ja die Überschrift mit der Spiegelbildlichkeit, so ungefähr das, was ich hier gerade schreibe, wahrscheinlich auch sinngemäß bei PI-Kommentatoren hinsichtlich der kulturmarxistischen Mainstreammedien, die den Islamofaschismus fördern würden, zu lesen. Was nun nicht meiner massenmedialen Alltagserfahrung entspricht, egal.

    Aber was stimmt da nun nicht? Zum einen wohl, dass Sarrazin wochenlang Seite 1 der BILD bekommt und in diversen Talkshows zu besten Sendezeiten sitzt und Broder eine eigene Sendung bekommt. Und sie als mutige Tabubrecher gehandelt werden.

    Broeckers zumindest bekommt ja gerade mediales Interesse, weil das zu stark ist, was er schreibt; aber nun wirklich nicht im selben Ausmaß, und das nach 10 Jahren Rumgenerve. Während Aust zur besten Sendezeit manipulierte Bilder zeigt, die jeder Idiot als manipuliert erkennt, der genau hinguckt.

    Zum anderen aber, und das ist ja mein eigentliches Problem hier, dass vor lauter Zentralisierung und Verdichtung von Macht in zusammen schießenden, letztlich aber kleiner werdenden institutionellen Verknüpfungen zwischen staatlichen Subsystemen, ökonomischen Einheiten und dem militärisch- industriellen Komplex diese Einheiten immer mehr „unter sich“ haben, im Sinne des diese Regierens, Stichwort EU-Wirtschaftsregierung – und während sich große Teile der Gefühlslinken gefühlslinks geben, haben die Rechten, damit meine ich auch Teile der Liberalen, für diese ja nun tatsächlich feinere Sensorien entwickelt. Die dann allerdings, ganz wie Du es schreibst, mit ihren üblichen Feindbildern aufgeladen werden, weil das ja völlig richtig ist, dass man nun gerade bei den im Verborgenen agierenden „Verschwörungen“ immer das wirken sehen kann, was einem eh schon immer als auszurottendes Grundübel erschien. Und die Tea-Party mit ihren überbordenden Hitler-Vergleichen im Falle von Gesundheitsreformen oder Jones mit seiner Sowjetisierung durch die geheime Weltregierung, das ist dann gefährliche Fiction.

    Trotzdem kann es doch nicht sein, dass man diesen Irren die Kritik neuer Totalitarismen, Faschismen und am immer mehr sich zentralisierenden und immer weiter selbst ermächtigenden Handeln der Exekutive ÜBERLÄSST. Darum geht es mir. Ich eier hier nur so rum, weil ich da einiges noch eher erahne, als das ich das schon wirklich durchdacht hätte, aber ich schreibe das ja hier, weil ich durch Einwände wie Deine ggf. auch im Denken voran komme.

    Weil das alles irgendwie mit sich umsortierendem Drinnen und Draußen, innersystemischen Prozessen und außen wuchernden Öffentlichkeiten Dank des Netzes, zusammen hängt. Mal ganz ab davon, was man nun jeweils bei 9/11 glaubt und was nicht, diese Facebook-Gruppe in Ägypten ist doch ein Paradebeispiel. Auch da wurde eine ganze Generation exkludiert, weil die organisierten Systeme sich verdichtet haben und keinen mehr rein ließen.

    Der Journalismus ist da auch immer ein gutes Beispiel: Während es immer scheint, als gäbe es eine mediale Diversifizierung, sind die, die Geld haben, immer weniger und immer mächtiger, und da sitzen sich dann die Laus ihren Arsch breit und verkünden Herrschaftswissen im Zuge oberflächlichen Abwatschens.

    Während alle Großverlage, Produktionsfirmen usw. immer mehr Leute „frei setzen“, die den Meinungsdiktaten von immer weniger Laus ausgesetzt sind. Daraufhin bilden sich allerlei andere Medien, die allerlei Mist verbreiten, in Einzelfällen und bei einzelnen Themen aber auf einmal verzerrt echt zum Problem für die in den Zentren werden, leider wieder sehr oft als Dreckschleudern wirtschaftlich starker Interessengruppen wie z.B. im Falle der Tea Party.

    In einer solchen Struktur konstituiert sich das Verhältnis Lau – Truther. Und es gibt nun sehr wenige wie z.B. Broeckers, die sie als solche angreifen, ohne nun auf einer Seite der Medaille verortet zu sein. Der fordert die drinnen auf, ihren Job zu machen, und stärkt dadurch auflagenstark das Draußen. Ich habe „Democracy Now“ nicht mehr verfolgt, die waren aber auch so was.

    Was ich mir wünschen würde, das wären Wege auf der Linken, sich da mal nachhaltiger fantasievoll zu geben und vor allem anarchischer und weniger staatstragend zu sein. Das waren wir doch mal.

    Das war jetzt sehr viel laut Gedachtes, ich lasse mich dafür auch prügeln 😉 …

  5. che2001 September 13, 2011 um 10:24 pm

    Sei mal eher gelobt als geprügelt;-)
    Wobei, weisst Du ja, ich immer eine andere Linke kenne und mich zu der bekenne, die mag sehr marginal sein, aber es gibt sie. Also, die Ansatzpunkte sind da. Kallisti!

  6. momorulez September 13, 2011 um 11:14 pm

    Ich schreib hier ja immer über „Die Linke“ in den Teilen der veröffentlichten Meinung, die ich mit bekomme, was vielleicht auch absurd selektiv ist. Weil ich dazu neige, eher zu kritisierende Gegenpositionen zu verfolgen. Und solche diskursiven Suchbewegungen, die u.U. voller Banalitäten stecken, vollziehe ich normalerweise gar nicht öffentlich. Aber igrendwas in mir ahnt, dass es um etwas geht 😉 …

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