Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Was hat der FC St. Pauli noch mit St. Pauli zu tun?

„ein aspekt bei der diskussion kommt für meinen geschmack zu kurz und zwar der blick auf die gentrifizierungsbauten überall im viertel, in die sich die welle/tsunami nahtlos einführt. ob ich als bewohner vom bnq vorbei am riverside über die tanzende türme + den dann neu gebauten esso revier mich am ende auf die welle stellen soll und das alles nicht so schlimm finden soll. je mehr ich darüber nachdenke umso weniger kann ich mich damit anfreunden.
will man dem zeitgeist entsprechen muß die welle gebaut werden. aber dem fcsp würde hier auch einen kontrapunkt zum unsäglichen bauboom im viertel gut zu gesicht stehen.
die diskussion ob eine gegengerade das viertel vielleicht auch zum negativen ändern kann, oder der gentrifizierung vorschub leistet, sollte auch in die diskussion mit einfliessen.
am rande sei erwähnt, das ich gestern bei der eröffnung eines weinfestes auf dem spielbudenplatz anwesend war und eine spontandemo gegen bezirksfürst schreiber der betroffenen mieter der esso häuser miterleben durfte. am rande der protestaktion in einer diskusson fiel der satz, wenn die esso häuser fallen ist der stadtteil gekippt. dagegen kann ich kein gegenargument finden.
lange rede kurzer sinn, bei bauten im viertel sollte auch dieser gesichtspunkt nicht unter den tisch fallen, denn der verein hat auch veranwortung für das viertel und den kampf der menschen für ihre wohnungen.“

Weil das drüben beim glänzenden Artikel vom Lichterkarussell niemand diskutieren will und im Forum das Gegengeraden-Establishment jeglichen Vergleich mit Elbphilharmonie zu unterbinden sucht, wiederum andere der Ansicht sind, architektonische Formen hätten doch nix mit Gentrifizierung zu tun, sondern nur, was drinnen passiert, hole ich diesen Aspekt mal hier rüber.

Es ist ja erstaunlich, dass ausgerechnet  bei einer Lilo Wanders prompt „Ballermann“ geschrien wird, während die Diskussion um den Gegengeraden-Neubau mir ziemlich frei von solchen Aspekten zu sein scheint, ohne den ganzen Thread im Forum nun verfolgt zu haben, vielleicht irre ich ja und freue mich über Korrekturen. Zunächst fielen mir allenfalls die Ressentiments dagegen auf, „etwas Besonderes sein zu wollen“, die Normalisierungsfraktion bei uns schläft ja nicht.

Und zudem erstaunlich ist, dass, während Sexismus-Diskussionen ja nicht zu führen wären, sondern immer das Verhältnis von Gremienvertretern „zum Verein“, sehr rege debattiert wird, wenn es darum geht, wo man selbst im Stadion steht oder sitzt. Ja, ist eine entscheidende, alles verändernde Weichenstellung im Vereinsleben, trotzdem interessant die Diskussionintensität im Thread im Bereich „FC St. Pauli“, während man Randgruppen unter „unpolitisch“ im selbigen St. Pauli-Forum verortet. Politik ist irgendwie was anderes als Vereinspolitik, so scheint es.

Dass wiederum aus meiner vielleicht falschen Perspektive Leute aus Henstedt-Ulzburg und Adendorf über die Gestaltung ihrer innerstädtischen Erlebnisfläche debattieren, in die sie zu den Events dann einrücken, vielleicht irre ich auch da, dann sorry, während die Struktur des Viertels selbst wie schon bei der Entsolidarisierung von Sex-Arbeitern wie üblich außen vor bleibt und nur dann bemerkt zu werden scheint, wenn die Weinbar tatsächlich skandalöserweise aus ihren Räumen gemobbt wird, das fällt schon auf. Klar, mit Familie sich noch Wohnungen auf St. Pauli oder der Schanze leisten zu können ist auch hammerhart, und wer will die Kids schon auf die Schulen dort schicken?

Zugleich bauen Werbeagenturen flauschige Lofts in Hinterhöfen am Pferdemarkt, wo zuvor irgendwie freischaffend Kulturschaffende sich durch schlugen, zu ihrem Terrain aus direkt um die Ecke der Weinbar. Und Vertreter solcher Institutionen schlagen nun so ein Monument wie „die Welle“ vor als nächste Station beim Stadtbummel durch all die anderen Monumente, die Sparschäler aufzählt. Während in der oberen Neustadt gerade 3 (!!!) neue Hotels mit direktem Millerntor-Zugang, kurz mal an den Wallanlagen vorbei, gebaut wurden neben Wohnungen, die ich mir nicht leisten könnte.

Von der „Welle“ begeben sich geneigte Städtetouristen dann in die Hafencity, um den Marco Polo-Tower zu bestaunen. Was natürlich immer auch ein Problem des FC St. Pauli mit seiner außergewöhnlichen Innenstadtlage ist, dass sowieso, ob gewollt oder nicht, er und sein Stadion als touristische Attraktion gilt. Nur dass zwar alle gegen die Schlagermovisierung wettern, aber in meiner Wahrnehmung außer einem unspezifischen Heimatschutzbundverhalten dieses Sujet, vielleicht irre ich, ansonsten erstaunlich wenig Reflektion erfährt, weil man so damit beschäftigt ist, sich gegen „Milieu“ abzugrenzen. Man ist ja anständig.

Man liest dann in Fanzines, in welchem Viertel wie viele USP-Aufkleber an Laternen pappen, und sonst so? Ganz erstaunlich die Wahrnehmung im KIEZKIEKER, dass in der Neustadt ja architektonisch schon alles irgendwie anders sei. Ja, warum wohl? Geschichtsbewusstsein reduziert sich aufs Aufkleber verteilen. Ansonsten wettert man gegen Olivia Jones und Lilo Wanders. Und weiß wohl nichts darüber, dass die Neustadt zu weiten Teilen mal das Arme-Leute-Quartier Hamburgs wie auch vor dem Grindel das jüdische Viertel war. Und dass die heutige Aufteilung, z.B. die Backsteinbauten rund um den Bäckerbreitergang, ein Gentrifzierungsresultat sind.

Hafencity ist auch ein gutes Stichwort: Dass dort gleich nebenan, dort, wo heute die Speicherstadt steht, mal ein wunderschönes Wohnviertel war, weiß das noch jemand? Brookviertel hieß es, glaube ich. Wenn ich mich recht entsinne, wurden 20.000 Leute umgesiedelt.

Dass das besetzte Gelände „Gängeviertel“ so viel mit den historischen nicht zu tun, war schon Randlage, das waren eher provisorisch aufeinander getürmte Fachwerkhäuser mit viel Prostitution und Kommunisten darin, ein Straßenzug steht ja noch, hat das noch jemand auf dem Zettel? Dort, wo heute das Unilever-Hochhaus steht, war der letzte Rest vom Gängeviertel, der u.a. eine der Herbertstraße analoge, abgesperrte Bordell-Gasse enthielt,  hat sich damit mal jemand beschäftigt? Die Bewohner der verschiedenen Gängeviertel sind von der Cholera-Epidemie Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Bau des kurioserweise unter Denkmalschutz stehenden Unilever-Hauses in die Vororte vertrieben worden, zunächst z.B. nach Hammerbrook in schäbige Arbeiterhöfe, auch jene, zuungunsten derer gegenüber des Hauptbahnhofs die „Prachtstraße“ Mönckebergstraße gebaut wurde. Nach dem Krieg hat man, wie alle „kommunistischen“ Viertel, so auch die Gebäude in Hammerbrook, nicht wieder aufgebaut, wie man auch jenen Bereich nicht restaurierte, da einst der „Altonaer Blutsonntag“ statt fand,der  heute von immerhin Wohnungen, den Hochhäusern unweit des alten, jüdischen Friedhofs, bebaut ist.

Was eben alles zu den Esso-Hochhäusern überleitet. Hamburger Stadtgeschichte ist, Wohngebiete Unterprivilegierter zugunsten von architektonischen Monumenten abzuräumen. Einzig die Hafenstraße und die bis heute von vielen als „Schandfleck“ empfundene Flora haben Entwicklungen zumindest verzögert. Noch vor gar nicht so langer Zeit rief man wenigstens „Bambule“. Heute pappt man Aufkleber an Laternenmasten und schreibt Artikel darüber. Ich hätte gerne einen Schandfleck als Gegengerade.

Als im letzten Winter der Jolly Rouge im Stadion allseits zu sehen war, hatte ich das Gefühl, dass diese Zusammenhänge symbolisch zumindest präsent waren, und sei es auch nur gefühlt. Nunmehr ist ja eher der Eindruck entstanden, dass die Sozualromantiker-Aktion von Gremien-Platzhirschen initiert worden sein könnte, um sich selbst mehr Gewicht im Verein zu schaffen, und als sie es hatten, war unser biederes, vorortbewohnendes Präsidium irgendwie ganz richtig, weil halt kein starker Gegner, und die Forderungen irgendwie auch egal.

Nunmehr wird „die Welle“, erdacht von einer Werbeagentur, vom Übersteiger präsentiert (und kritisch begleitet), und auf einmal hallen die Appelle durch die Szene, diese immanent, also auf einmal wie üblich nicht mehr aufs Viertel bezogen, zu diskutieren (und Sexismus-Fragen möglichst auch nicht), und Zusammenhänge zwischen architektonischer Form und Herrschaftsverhältnissen haben viele aus Adendorf auch nicht auf dem Zettel.

Geht ja um IHR Wohnzimmer samt Couch.

Plötzlich ist die Frage verschwunden, inwiefern eben die geradezu cäsarische Herrschaftsarchitektur der Hauptribüne (ich muss mir da immer vorstellen, wie im Asterix-Heft derselbe demolierte Löwen vor denen mit Lorbeerkranz auf den Kissen sich Räkelnden ablegt, weil die Business-Seats einfach sehr ähnlich wirken wie diese Balkone in der Karrikatur antiker Arenen) selbst ein Desaster ist. Die auf der Süd finden eh die V.I.P-Plätze hinter sich selbst doofer, wie einer Umfrage in der BASCH zu entnehmen war, Scheiß auf die Haupttribüne, ist ja auch peinlich, wenn die Rauten Transparente entfalten „Ultrakurve mit Business-Seats“, und ansonsten folgt man brav den Präsidiumsvorgaben und diskutiert im Rahmen dieser.

Und wo bleiben die Bewohner der Esso-Häuser? Sind davon noch welche im Stadion? Würde mich echt mal interessieren. Also, wie man das hinbekommt, diese Frage verstärkt zu stellen und nicht nur die nach den Fluchtwegen in Richtung Heiligengeistfeld.

48 Antworten zu “Was hat der FC St. Pauli noch mit St. Pauli zu tun?

  1. Bersarin September 1, 2011 um 2:11 pm

    Diese Gentrifizierung bzw. daß der Stadteil langsam aber stetig umkippt, ist mir aufgefallen, als ich jetzt wieder einmal in der „Schanze“ war, zu Besuch bei einer Freundin, die „Am Grünen Jäger“ oder wie das heißt, wohnt. Erschreckend wie sich das Viertel seit meinem letzten Besuch in Hamburg geändert hat. Man sieht dies auch beim Blick auf die Hinterhöfe: hier ein kleiner Neubau, da eine winzige Sanierung. Und sie machen es schleichend: Schritt für Schritt. Schon diese Verbreiterung der Gehsteige auf dem Schulterblatt mit den elend langen Sitzbänken: das ist nicht nur ästhetisch abstoßend, sondern impliziert noch viel mehr.

    Kleine Begebenheit am Rande: ich habe mit einer Freundin an einem sehr heißen Mittwochabend, zwei Tage nach dem FC St. Pauli-Spiel gegen MSV Duisburg, in das ich am Rande hineingeriet, bei einem Italiener in der Juliusstraße (St. Lucia oder so ähnlich) eine Kleinigkeit gegessen und uns eine Flasche Wein bestellen. Es war laut Aussage des Wirtes der beste Wein, er kostete etwa 24 EUR die Flasche, und ich habe selten einen so schlechten Wein getrunken; das war unentschuldbar. Aber ich empfand dann den Preis doch wieder ok, weil ich mir dachte: diesen im Grunde sympathischen kleinen Italiener werden sie demnächst platt machen, und wenn ich die Wahl habe zwischen diesem gestelzten Pseudo-Bürgerlichen und einem solchen kleinen Restaurant, dann ist es völlig in Ordnung, einen schlechte und überteuerten Wein zu trinken und zu bezahlen. Beim nächsten Mal gibt es halt Bier. Und ein solches Viertel lebt (auch) von genau diesen Restaurants. Worauf ich hinaus will: vielleicht ist dieses Restaurant auch objektiv schlecht, aber diese Dinge gehören eben doch dazu. Früher, in den 80ern, 90ern wäre dort irgendwann ein neues Restaurant eingezogen, mit etwas besserer Weinqualität, aber es bliebe eben doch ähnlich und wäre kein Restaurant der Klasse „Neue Bürgerlichkeit“, so wie diese ganze Scheiße unten am Fischmarkt.

    (Und am 25.8 weilte ich sogar in Hamburg und hätte an der Weinverkostung der „Weinbar“ teilnehmen können – sehr ärgerlich. Das ganze sieht sehr sympathisch aus, und Du hast es mir ja schon einmal empfohlen.)

    Ach ja, bevor ich es vergesse: So wie es auf Deinem Twitter-Account ausschaut, schien es, daß Du Geburtstag hattest: Wenn es sich so verhält, dann bitte weiterlesen: Alles Gute auch von mir und viele liebe Wünsche.

  2. momorulez September 1, 2011 um 2:27 pm

    Dankeschön! Ja, ich war gestern mal wieder fällig 😉 ….

    Das geht hier ja tatsächlich schleichend, aber brutal, und das im Grunde genommen seit 25 Jahren. Das ist ja ein wenig die Paradoxie, dass auch Flora und Hafenstraße, weil zeitweise hipp, gleichzeitig Teil und Hindernis der Gentrifizierungsbewegung waren.

    Im oberen Teil von St. Pauli, da zog das auch schon früher an – im Amüsier- und Rotlichtdestrikt ist das halt alles ein wenig schwieriger, weil eben laut und dreckig, hoher PoC-Anteil usw..

    Da ziehen sie aber den vom Sparschäler beschriebenen Keil von Osten her ein, und das bildet dann eine Achse mit dem Millerntor-Stadion (hätten uns da ja ohne weiteres über den Weg laufen können, war ja beim Spiel, und arbeite SEHR nah an diesem Italiener, ganz ungentrifziert, unsere Büromiete ist vom Quadratmeterpreis her echt ein Witz für die Lage). Und dieser Keil sieht nicht nur Scheiße aus, alleine diese albernen „Tanzenden Türme“, furchtbar, der signalisiert auch die Einheit von Vergnügen (verspielt tanzend) und ökonomischer Macht. Unsere Millerntor-Fassade finde ich da eigentlich ganz gut gelöst, weil die durch Anspielung an Backstein-Industriearchitektur noch irgendwie was Restproletarisches aufweist, deshalb ist mir ein völliges Rätsel, wieso man nun diese furchtbare Welle da aufrichten will. Da wäre eine Anspielung an den historischen „Trichter“, eine Art Varieté da einst um die Ecke, viel besser, zum Beispiel.

    Hier im Viertel mit diesem furchtbaren Schanzen-Ballermann gegenüber der Flora gibt es ja, weil eben auch irgendwie noch laut und dreckig, ja tatsächlich noch Restbestände wie diesen Italiener. Ottensen hingegen, noch Ende der 80er als „Türkenviertel“ verschrien, ist wegen dieser vermaledeiten, GAL-orientierten Kulturschickeria schon völlig umgekippt. Wobei das immer die Mittelschichten sind, die bei uns auf der Gegengerade verteilt stehen, das große Geld sitzt an Elbe, Alster, in Harvestehude.

    Und das folgende ist jetzt KEIN Berlin-Bashing: Finde ja gerade, was blöde Neubauten betrifft, Berlin da immer ein schreckliches Beispiel in manchen Ecken – Postdamer Platz, Regierungsviertel zum Beispiel. Und Hamburg macht in Hafencity und dem südöstlichen St. Pauli jetzt auch so einen Scheiß. Selbst bei der Elbphilharmonie, die ich prinzipiell Scheiße, in der Ausgestaltung aber gar nicht so übel finde, ist ja noch irgendwas Eigenes am Wirken. Das, was die auf St. Pauli hinstellen, ist allerdings grausam. Und tot, völlig tot.

  3. che2001 September 1, 2011 um 2:48 pm

    Als ich zum ersten Mal nach St. Georg kam war das noch ein bronxähnliches Slum, das erkennt man heute überhaupt nicht mehr wieder.

  4. Bersarin September 1, 2011 um 2:57 pm

    Da hast Du schon recht mit Deiner Berlinkritik; wobei ich da immer noch sagen würde: diese Viertel sind andererseits halb so schlimm, weil ab vom Schuß; und der Potsdamer Platz schafft es – zum Glück – nicht auf die Potsdamer Straße überzuschwappen. Wobei die ersten Galerien dort bereits Einzug halten. Regierungsviertel, neuer Hauptbahnhof (zumindest bedingt) und Potsdamer Platz waren früher Brachen (oder Randlagen), keine Wohnviertel, wenn man die 60er, 70er, 80er Jahre nimmt. Teils Niemandsland, das dann allerdings auf eine fast schon surreale Weise bebaut wurde. Der Potsdamer Platz steht da wie ein Ufo. Er hat freilich die Tendenz über die Leipziger Straße Anschluß an die Friedrichstraße zu suchen. Nichtsdestotrotz gibt es hier in Berlin natürlich schlimme Entwicklungen. Bei den besagten Vierteln hält es sich in Grenzen, weil da früher kaum etwas war. Und Berlin hat den Vorteil der Weitläufigkeit, selbst die schlimmen Einschnitte im Prenzlauer Berg und in Kreuzberg verlaufen sich in Berlin ein wenig. In Hamburg, so würde ich aus der Gastperspektive heraus schreiben, sind sie allerdings augenfälliger, gerade auf St. Pauli: Reeperbahn, Schanze, Karoviertel. Ich will jetzt keine Berlin-Feier halten, aber strukturell sind da Unterschiede zu Hamburg. Und deshalb ärgern mich diese Veränderungen bei Euch noch viel mehr als das, was sich in Berlin abspielt. Wenn St. Pauli kippt, dann gibt es da nicht mehr viel zum Ausweichen: südlich ist der Hafen, östlich die Innenstadt, nördlich Eimsbüttel und westlich Ottensen. Da liegt das Problem. (Und Wilhelmsburg werten dann Typen wie Roger Behrens, dieses trojanische Pferd, mit ihrem pseudokritischen Geseiere auf.)

    Ballermannisierung trifft es fürs Schulterblatt vor der roten Flora sehr gut. Aber wenigstens gibt es die Daniela-Bar noch; ist freilich lange her, daß ich da drinnen war und zahlreiche Biere (wohlweislich) trank.

  5. momorulez September 1, 2011 um 3:34 pm

    @che:

    Kommt auch da noch drauf an, wo man da ist. Das ist aber übrigens auch ein Drama für Schanze/St. Pauli: Dass die schwule Szene komplett dahin abgewandert ist. Was einerseits schon auch an den oft erschreckend unpolitischen Schwuppen liegt, aber auch an dieser selbstgerechten Linksspießigkeit der Bürgerlichen, die sich noch irgendwie für politisch halten, aber irgendwohin abgedriftet sind, wo sich echt nicht mehr so ganz wohl fühlen kann. Was sich eben zum Teil auch bei uns im Stadion wieder finden lässt.

    @Bersarin:

    Das ist ein Riesenproblem hier, dass wir diese ganzen Freiflächen nicht haben und fast alles östlich der Alster ja, na, so dolle nicht ist. Deshalb beackern sie ja die Veddel und Wilhelmsburg; nur dadurch, dass das städtisch initiiert wird, kann das nur schief gehen. Die Spontanität wie in Berlin gibt es hier wirklich nicht. Sie werden jetzt ja auch den Bahnhof Altona in ein Wohngebiet umwandeln, aber auch das ist wieder so trutschig, wie die da ran gehen … hier in HH hat halt traditionell die Immobilienmafia die Macht, schon früher, selbst der große Brand soll ja irgendwie von denen veranlasst gewesen sein, dass die immer gleich das Blöde anschieben.

    Umgekehrt tut es der Stadt echt gut, dass wir mittlerweile so im Windschatten von Berlin sind 😀 … dadurch, dass alle glauben, bei euch sei es viel hipper, gehen da auch die ganzen Idioten hin, was hier eigentlich mehr Raum bedeuten müsste. Und wenn das greifen würde, bräuchte man auch diese doofe Welle gar nicht. Sondern irgendwas Schäbbiges, Abstoßendes 😀 …

  6. che2001 September 1, 2011 um 3:39 pm

    Meine ersten St. Georg-Erlebnisse waren halt mitanzusehen, wie eine Bombergang auf offener Straße mitten am Tag einen Mann ausgeraubt hat und alle das normal zu finden schienen und wie mein Gastgeber ungebetene nächtliche Gäste mit der Knarre die Tür gewiesen hatte. Und ich denke, das ist definitiv nicht mehr so in St Schorse.

    Berlin ist doch nur n blödes Slum in der Nähe von Marzahn.

  7. momorulez September 1, 2011 um 3:41 pm

    Das passt gerade:

    http://supra-magazin.net/vom-unternehmen-hamburg-zur-big-city-hamburg-erscheint-mit-edward-glaeser-ein-neuer-heilsbringer

    Solche Artikel würde ich mir ja mal in unseren anderen Fanzines wünschen. Supra ist ja FC-St.Pauli-Umfeld, trotzdem.

  8. vuvuzela//riotqueer September 1, 2011 um 4:18 pm

    Happy B-DayMomo,..alles erdenklich Gute und gesunde im weiteren Verlauf deiner Naivität bzgl der Hansestadt Hamburg, ein’m Ghetto vorm Herrn:)
    Ich lebte 13 Jahre in Steilshoop und 9 Jahre auf dem Kiez, der Rest ist verteilt im gesamten Stadtgebiet und auch Bauwagen Homo_nationalismus ist ein Begriff.
    Es stellt sich eher da, wie die ‚mid-life‘ Fashion victims aus dem genannten Stadtgebiet denn ihre Drogenmechanik in den Altersruhestand retten können. Denn wenn Man(n) sich überlegt, das Man(n) alles in Hamburg innerhalb von 40 Minuten mit dem HVV erreichen kann, dann ist die Konzentration auf die genannten Stadtgebiete schon anderen Fragen würdig als das was links, weiß und heterosexuell gern hätte!

  9. Loellie September 1, 2011 um 4:18 pm

    Gratulieren oder kondolieren? Immer diese Fragen!
    Alles Gute!!!! passt in jedem Fall 🙂

    Und es wäre mir neu, dass ein Vermieter ohne Lärmpegelmessung den Mietvertrag kündigen kann. Wobei Gebäudeschall unberechenbar ist. Ich hab selbst schon mehrfach über Kneipen gewohnt. Da konnte man trotz wenig Betrieb und leiser Musik jedes Wort verstehen, was dann wirklich die Hölle ist. Auch wenn sich das bei der Weinbar so liest, als hätte der Vermieter ein besseres Angebot.

    Ich weiss nicht was heute in der Potsdamer Strasse los ist, in den 90ern ging es in den Nebenstrassen richtig rund. Kumpelnest und 90Grad gibt es erstaunlicherweise immer noch, was auch immer daraus geworden ist, dann waren da noch zwei Kneipen deren Name mir partout nicht einfallen will, die „Kantine“ in die später das „Rock It“ migrierte, nachdem diese Neuköllner Institution die Karl-Marx-Strasse verlassen musste, und nicht zuletzt, meine Güte Alzheimer, dieser Laden auf der Potse, in den später wieder ein yuppieeskes Variete gebaut wurde.
    Man war ständig in der Potse unterwegs, zu Konzerten und als Transit auf dem Weg ins WMF, Tresor, Friseuer, E-Werk etcetcetcpp, auch wenn das mit dem Transit oft genug in einem Absturz vor Ort endete.
    Einen Grund, weshalb die Gentrifizierung an dieser Ecke vorbeigezogen ist, sehe ich allerdings überhaupt nicht. Der Strich und die Junkies können es nicht gewesen sein. Die waren zumindest damals lokal sehr begrenzt und eher deffensiv, als das man belästigt oder gar bedroht worden wäre.

    Komischerweise war das in der O-Strasse, als erst die O-Bar, dann die kleine niedliche Disco gegenüber und dann sogar noch das Drama, welch Drama!, dicht machen mussten, noch kein Thema. Da gings ja aber auch um Schwule.

  10. momorulez September 1, 2011 um 4:27 pm

    @riotqueer:

    Danke für die Geburtstagswünsche 😉 … und ich bekenne ja, insofern selbst völlig beschränkt zu sein, da mein Lebensraum so im Normalen zwischen Binnenalster/Dammtor, Großneumarkt und Bernhard-Nocht-Straße ist 😉 … über die Fruchtallee hinaus nach Norden stoße ich Fashion Victim mit Nikotin und Alkohol als einzige Drogen nur vor, wenn ich zum Zahnarzt muss. Habe allerdings 10 Jahre in Barmbek gearbeitet, das fand ich schlimm 😀 …

    @Loellie:

    Ach, ich fühle mich aktuell wohler als mit 32, von daher gerne gratulieren – Danke!

    Diese Ecke rund ums 90 Grad kenne ich sogar noch, das hatten wir als Location für ganz andere Sachen eine zeitlang immer gebucht. O-Strasse ist Oranienstraße, nicht Oranienburger, oder? Habe ja tatsächlich bis 97 Berlin boykottiert, weil ich so sauer war, wie die „Wieder“-vereinigung gelaufen ist 😉 … und die Leute, mit denen ich so tun hatte, die gingen eigentlich alle immer ins Café Anal.

  11. che2001 September 1, 2011 um 4:30 pm

    Wie schön, dass Du geboren bist,
    hätte Dich sonst sehr vermisst –

    alles, alles Gute!!!

  12. momorulez September 1, 2011 um 4:31 pm

    Danke! Das Lied wurde mir gestern abend sogar von 3 Rheinländern beim Feiern in der Kneipe gesungen, ich kannte das gar nicht ….

  13. Bersarin September 1, 2011 um 4:42 pm

    @ che: Ja, richtig. Denn ein Stadteil, welcher eine Straße mit den Namen „Allee der Kosmonauten“ besitzt, dem kommt lobenswerter Weise eine exponierte Stellung zu, gegen die Berlin nur verblaßen kann. Und Berlin ist natürlich: Aufruhr, Widerstand, es gibt kein ruhiges Hinterland. Insofern bin ich froh, weitab von diesen Dingen in meinem bürgerlichen Heim im Grandhotel Abgrund zu logieren, inmitten einer Bibliothek. Leider fehlt meinem schönen Altbau ein viertes Zimmer, wo ich mein Auto parken kann. Das Slum, das sind immer die anderen: Das wußte bereits Sartre.

    @ Momorulez
    Ein wenig freue ich mich für Euch durchaus, daß diese Typen hierher abwandern. Aber lange geht das eben auch für diese Stadt nicht mehr gut, weil hierher Typen nicht nur aus Hamburg, sondern aus aller Welt kommen.

    Und wie zeichnete es kürzlich der Zeichner OL: Zu einer Anti-Gentrifiezierungs-Demo mit Plakaten wie „Be Berlin, be bezahlbar“, „Keine Vertreibung durch Luxussanierung“ und „Wir bleiben alle“ läßt er ein vorübergehendes Pärchen sprechen: „Ei freilisch bleibe wir. Mir sin do grad erschd da her gezoge.“

  14. Loellie September 1, 2011 um 4:51 pm

    Ja, Oranienstrasse.
    Dafür fühle ich mich gerade umso älter. Musste gerade mit entsetzen feststellen, dass das „Variete“ auf der Potse der Wintergarten ist, mittlerweile auch dicht, und das Quartier Latin von Andre Heller und Konsorten schon 92 dicht gemacht wurde. Ich hätte geschworen, dass das später war.

    Das 90Grad war tatsächlich noch vor dem Mauerfall der erste halblegale Club in Berlin. Nicht wirklich mein liebster Club, aber warum von Anfang an keiner Bob Young leiden konnte, hab ich nie verstanden. Später ja, weil er sich wohl gerne vor den Rechnungen fürs ständige umdekorieren gedrückt hat …
    Der UFO-Club in Kreuzberg kam etwas später, ich glaub aber auch noch vor dem Mauerfall, den ich ja nu auch nicht hätte verhindern können. Und das Berlin Hauptstadt wird, wollte kein Mensch. Meine Güte, was da alles alleine schon in der Bannmeile liegt, bzw lag.

    Kannst du dich noch an dieses rattenscharfe Teil erinnern, das im Anal gearbeitet hat? Gross, dunkel, breit und einfach nur ein zum wegschmeissen schöner Mann, den jeder haben wollte?
    *Protz* … Hatte ich mal 🙂
    Nee, den Namen verrate ich öffentlich nicht. Den Namen von dem anderen, der dabei war, hab ich vergessen 🙂

  15. Bersarin September 1, 2011 um 4:52 pm

    @ Loellie
    Nein, die Gentrifzierung ist an der Potsdamer Straße nicht vollständig vorüber gegangen, das ist richtig, und mittlerweile ändert sich dort einiges, insbesondere im Gebäude des ehemaligen Tagesspiegel. Es hat diese Ecke aber lange nicht so schlimm erwischt wie den Prenzlauer Berg bspw. oder wie Friedrichshain. Von den alten Bewohnern wohnt kaum noch einer dort.

    Transit ist ein gutes Wort für diese Straße. Viele der Namen habe auch ich vergessen. Aber diese Zeiten sind auch lange her.

  16. vuvuzela//riotqueer September 1, 2011 um 4:53 pm

    Ich denke, wenn erst mal mit Verhältnissen als Kommunikationsstrang angefangen wird, dann hört auch das ewige ‚Beschreiben‘ auf und ‚Porno‘ als ästhetische Grundform und Farbe sich Bahn bricht.

    Mir wurde gerade mein ALG 2 um 40,-€ gekürzt,..also wieder mal St.Pauli im TV und kein ‚Onkel Otto‘ bzw. mit dir Momo würde ich I.M. Pudel schwoofen.

    Salut!

  17. Loellie September 1, 2011 um 5:23 pm

    Ich war ja das letzte mal vor 10 Jahren in Berlin und fand das dermassen frustrierend, dass ich eine Woche früher als geplant wieder abgereist bin. Nach dem Tagesspiegel müsste ich glatt googeln.

    Mir ging es ja darum aufzuzeigen, dass die üblichen Gentrifizierungsvorboten in den 90ern durchaus gegeben waren und erstmal nix passiert ist. Das wollte ich eigentlich schon angemerkt haben, als du es neulich bei dir drüben von der Potse hattest, wurde dann allerdings neugierig und hab erstmal gegoogelt ob es das Kumpelnest zB noch gibt, um mit fast drei Jahren Verspätung zu erfahren, dass mein Kumpel Gunter gestorben ist. Dann war der Tag erstmal gelaufen.
    Herzversagen. Wär mir auch passiert, wenn ich mich nicht rechtzeitig vom Acker gemacht hätte.
    Deshalb auch der Frust bei meinem letzten Besuch. Kaum eine meiner Stammkneipen hatte nach nur 3 Jahren überlebt, und die paar bekannten Gesichter, die mir begegneten, sahen aus, als würden sie es nicht länger. Und ich stand dermassen gut im Futter, dass mich kaum jemand erkannte. 25kg zugelegt an der frischen Luft, im Wald auf der Baustelle und die sahen aus wie bereits verstorben. Sehr tragisch das alles.

    Und der Widerspruch beim Wintergarten, der, jetzt geschlossen, ja selbst das Quartier gentrifizierte. Letzteres war eine entschieden wichtigere Location für Konzerte als dieses bürgerliche Kasperltheater.
    Ich hätte allerdings die Frage „Hä? Rock It? Neukölln?“ erwartet. Muss ja nicht.

  18. vuvuzela//riotqueer September 1, 2011 um 5:38 pm

    Wo ich sehr gerne bin ist das Projekt in der ‚KÖPI 137‘,..und da ist mir alles andere ‚egal‘ was es an Verhältnissen in der bi-furcated Hauptstadt gibt.
    Aber auch alle 4 Jahre oder so, denn auch eine Nacht mit Sterni muss finanziert werden…ansonsten für die positive Beschreibung zur Urne getragenen ist die Tatsache, das die letzte Klappe die beste ist.

  19. Bersarin September 1, 2011 um 5:55 pm

    Hä? Rock it? Neukölln?

    Es gab Phasen, da war ich ein Stubenhocker mit teils ungesunden Verhaltensweisen, der kaum nach draußen ging, und ich verweigerte mich der Welt. Auch fehlte das Geld für das Bier und das Drumherum. Und nur eines zu trinken ist einfach scheiße, da ist es zu Hause doch besser. Die Partys fanden in Wohnungen statt bei Mittelklasseweinen, die andere mitbrachten. Immerhin reichte das Geld noch für Bücher und Zigaretten.

    Das mit den 90ern stimmt allerdings; es gab ja diese Vorboten bereits. Es geht eben schleichend.

  20. vuvuzela//riotqueer September 1, 2011 um 6:25 pm

    Generations-Konflikt No. 1 in den 1990ern war und sit immer noch die Genügsamkeit beim ‚Freiraum Sex‘,…oder?

  21. Loellie September 1, 2011 um 6:34 pm

    Bankrot und Stubenhockerei kenn ich auch, auch wenn ich mit schnorren und anschreiben nie Probeleme hatte.

    Das RockIt war richtig kultig. Sympathisch mitte der 80er hängengeblieben, spottbilliger Eintritt, spottbilliges Bier und funktionsfähige Flipper. Das war in diesem komischen, nach hinten verstetzten Neubau, rechte Seite, kurz vorm Karl-Marx-Platz, ganz oben im letzten Stock. Jetzt ist unten ein Schlecker drin. Das rieseige China Restaurant im 2. Stock gibt es auch nicht mehr, was man auf google-maps an den versyfften Flecken erkennt, wo mal die Reklame hing.
    War gerade etwas überrascht, als ich virtuell durchspaziert bin. Um die Jahrtausendwende gabs in der Ecke ohne Ende Leerstand. Mindestens 50% der Läden war dicht. Bestenfalls ein paar 1-Mark Läden. Vorher hat man da alles bekommen, was man brauchte.
    Was dann auch wieder ein Faktor ist, wenn sich ein Kiez auch ohne äusseren Einfluss selbst entvölkert. Die leeren Läden waren direkt nach dem Mauerfall natürlich pure Spekulation, die Reichsbahnwohnungen erst recht eine riesen Sauerei weil, zu diesen Konditionen hätte selbst ich Hungerleider meine Wohnung kaufen können, bzw mir schenken lassen können, bin halt kein Hedge Fond, aber die allgemeine Abwanderung bei den Wohnungen war keine Verdrängung in dem Sinne. Die wollten da schon alle von selbst raus. Wer verzichtet denn freiwillig auf den Körnerpark?

  22. Wettbueor September 1, 2011 um 6:38 pm

    Ich habe gar nicht gewusst, dass Du Geburtstag hast. Hätte (auch ich komme vom Rhein) auch gern mit den Rheinländern auf Dein Wohl gesungen („Ich hab den Vater Rhein ins seinem Bett gesehen, ja das war wunderschön…“). Wir gegen 1860 mit ordentlich Wodka nachgeholt.

  23. Loellie September 1, 2011 um 6:39 pm

    Nö, in den 90ern gab es keine Räume die frei waren von Sex.
    Nirgends.

    Die Köpi kenn ich garnicht, aber auf dem Dach von dem ehemaligen Bordell, wo der Friseur, das Electro, hiess das Cipi-Bar und das WMF drin waren, hab ich trotz Steildach und Höhenangst auch schon gefickt. Das war allerdings was frisch 18 gewordenes Weibliches. Brennend schön war die Anatolin and broke my heart, that rotten Bitch.

  24. momorulez September 1, 2011 um 7:31 pm

    @Wettbüro:

    Ja, lass uns das nach holen!!! Aber ohne Woka 🙂 – wir hatten uns eher spontan im 439 zusammen gerottet, auch so ein Relikt aus den 80ern. Aber angenehm unspektakulär!

    @Loellie:

    Ich selbst war ja nie im Café Anal – da gingen nur alle immer hin, die so kannte. O., der auch im Tuntenhaus in der Mainzer Straße gewohnt hatte, aber auch C., der Pharmaforscher …

    @Vuvuzela:

    Warum haben die Dir denn die Kohle gestrichen? Bei den aktuellen Sätzen ist das echt eine Menge Holz …

    @bersarin:

    Na, das mit denen aus aller Welt kommentiere ich jetzt mal nicht als Hafenstädter, der in einer Messestadt aufwuchs 😉 …

  25. Bersarin September 1, 2011 um 8:05 pm

    @Momorulez
    „der in einer Messestadt aufwuchs“ Wußte ich ja: Also biste doch aus Berlin: Grüne Woche undso. 🙂
    (Nein, keine Berlin – Hamburg-Battle: ich mag Deine Stadt, sehr sogar.)

    @ Loellie
    Schnorren ging bei mir nicht, ich habe geklaut. Meine Freundin hat, weil ich das so schlecht konnte, für mich dann mitgeklaut.

    Komisch, da wo ich ausging, war nie Sex, aber das muß an mir gelegen haben, der ich den Dunst Hegels und Adornos verströmte oder nicht sah, was offensichtlich sich darbot. Na ja, zuweilen hat mich scheuen Theoretiker doch die eine oder andere Frau entdeckt.

    Zeit wird es, nach langer Zeit, für eine Phototour nach Neukölln.

  26. cut September 1, 2011 um 8:19 pm

    Da ich ja immer gerne gratuliere: Glückwunsch noch. Und alles Gute! Gesungen haben die Kollegen dann ja wohl schon.

  27. sparschaeler September 1, 2011 um 8:49 pm

    glückwunsch, ein gelungener artikel.

  28. vuvuzela//riotqueer September 1, 2011 um 9:00 pm

    Die Courtage für meine Butze will seit dem 1.1.11 abgestottert werden und erfahren habe ich dies heute….Naja,…..think positiv Mann, hat ja die Relation von ’nur‘ einer Million zu Eins, das Mensch mal den Lotto-6er hat. Ansonsten ist Mann bei denen im Stadtgebiet der Früchtchen nur ein ‚Pimp‘ und ja, die 40,- € schmerzen …..

  29. momorulez September 1, 2011 um 9:14 pm

    @Cut:

    Dankeschön! Vielleicht fahr ich ja zum Spiel nach Düsseldorf 😉 …

    @sparschäler:

    Dank auch Dir fürs Lob! Das, was Du gestern abend erzählt hast, lies mir ja keine Ruhe – dann sah ich noch beim Lichterkarussell nach und war schlicht erstaunt, dass wirklich keiner auf Dich auch nur irgendwie reagiert hat. Guckte im Forum, wie und wohin dort die Diskussion von „Autoritäten“, die ich selbst noch Jolly Rouge-Flugblätter verteilen sah, gesteuert worden war und rieb mir noch erstaunter die Augen, was denn da nun gerade abgeht. Und das Traurige ist dann immer, dass unsere ja meiner Ansicht nach coolen Ultras, in meiner Wahrnehmung, aus juveniler Verve und reinem Erfahrungsmangel heraus doch die Tendenz haben, politisch scharf daneben zu schießen, weil sie irgendwie Probleme haben, von ihren konkreten Lebensbedingungen zu abstrahieren. Was dann die Platzhirsche sich zu Nutze machen. Das wird langsam echt peinlich für die Fanzszene, die immer mit ganz riesengroßer Klappe durch die Republik reist, um dann vor Ort manchmal – so scheint es mir zumindest – gar nix mehr zu peilen, außer dass Polizisten Scheiße sind und dass es so was wie Gentrifizierung gibt. Auch Slogans wie „abgehängte Generation“ bringen ja wenig, wenn man sich im eigenen Verein von Gegengeraden-Establishment und Präsidium abhängen LÄSST. Aber in der BASCH wurde ja zum Glück jetzt laustark opponiert. Und trotzdem mit Daten des Verfassungsschutzes das Phämomen „Rechtsextremismus“ analysiert, wo doch ein NPD-Verbot daran scheiterte, dass diese Partei sich annähernd als Verfassungsschutzorgan heraus stellte. Irgendwie fehlt es bei uns echt an politischer Bildung.

    @Bersarin:

    Hannover war immer die Hölle, wenn zu Messezeiten Menschen aus aller Welt einfielen … und „Berlin ist international“ von Funny van Dannen fand ich auch immer prima 😉 …

  30. workingclasshero September 1, 2011 um 9:51 pm

    Auch von mir herzlichste Glückspünsche!
    Stay tuned!
    Vorwärts und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht – die Deviantität!
    Wir bleiben unserem Grundsatz treu -anders, schrill und normenscheu!

  31. sparschaeler September 1, 2011 um 9:55 pm

    @momo
    die gentrifizierung der fanszene hat bei manchen themen erschreckende ausmasse angenomen 😉

  32. momorulez September 2, 2011 um 7:55 am

    @wokingclasshero:

    Danke 😉

  33. cut September 2, 2011 um 9:07 am

    fahr ich ja zum Spiel nach Düsseldorf …

    Nur zu! Ich bin auf jeden Fall im Stadion. Und hoffe, es ist zu dem Zeitpunkt dann ein echtes Spitzenspiel. 🙂

  34. momorulez September 2, 2011 um 9:14 am

    Och, ich kann mich diese Saison auch mit einem einigermaßen gesicherten Mittelfeldplatz zufrieden geben und euch die Favoritenrolle gönnen 😉 ….

  35. Sonnenstrahl September 2, 2011 um 11:40 am

    Die Toten der Cholera-Epedemie starben aufgrund der gleichen Geisteshaltung, die sich heute in der Gentrifizierung zeigt: Nur Geld zählt. Die feine Kaufmannsstadt Hamburg war sich damals zu fein und zu geizig, um den Bewohnern des historischen Gängeviertels eine Abwasseranlage zu „spendieren“. „Nicht für solche Leute!“

    So dachte man damals in Hamburg, in der Bürgerschaft und bei den Entscheidern. Und so denkt man heute.

    Wenn „die Welle“, die ich architektonisch interessant finde, mit etwas verknüpft werden würde, was den alternativen, rebellischen und sozialen Charakter des Vereines deutlich machen würde, dann könnte ich besser damit leben. Aber so? Eventarchitektur in St. Pauli, und ausgerechnet beim FC St. Pauli??

    Ich möchte:

    1. Eine Welle mit über hundert (!) festen Installationen von Spendenboxen für verschiedene soziale Projekte

    2. Eine Welle, mit integrierter und laufend gepflegter Dauerausstellung zur Geschichte vom FC St. Pauli und vom Stadtteil

    3. Eine Welle mit einem großen, gut sichtbaren „fight capitalism!“ – ich bin ziemlich sicher, dass dieser Spruch bei einer Abstimmung unter den Mitgliedern von FC St. Pauli das Rennen machen würde

    4. Eine Welle, die einen Kunst-Shop für die Produkte lokaler Künstler beinhaltet

    5. Eine Welle, die einem „Ausgestaltungswettbewerb“ und den dort erarbeiteten Vorschlägen folgt

    Kurzum, eine Welle, die nicht dem Gedanken der Eventarchitektur folgt, sondern dem Spirit von St. Pauli!

    Der Flaschensammler

  36. momorulez September 2, 2011 um 11:42 am

    Mit dem Forderungskatalog könnte ich mich auch gut anfreunden 😉 …

  37. sparschaeler September 2, 2011 um 12:15 pm

    @sonnenstrahl

    respekt, ein interessanter forderungskatalog, der mich spontan begeistert hat.

  38. vuvuzela//riotqueer September 2, 2011 um 12:25 pm

    Gemeinsame Klos für ALLE!

  39. vuvuzela//riotqueer September 3, 2011 um 7:01 am

    Vielleicht sollten alle mit gesunder Tuntentinte mal den Stream http://www.lemixx.com hören und dann an ein St.Pauli der 1980er denken, der diesem Gefühl schon nahe kommt. Punk war auch in diesem Zeitfenster eher Alternative als Mainstream auf dem Kiez!

  40. Loellie September 3, 2011 um 8:44 pm

    Wie im Zirkus

    Drogenhöhlen, Spielhöllen, geheime Tunnel: Im Hamburger Hafenviertel existierte bis in die dreißiger Jahre Deutschlands einzige Chinatown

    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/2620/opium_und_pils_vom_fass.html

    @ Bersarin

    Ach, ich dachte du wohnst in Neukölln, sonst hätte ich das garnicht so breitgetreten, wenn dann doch keiner weiss, wovon ich rede, ist das ja Witzlos.

    Bei meinem ersten Ladendiebstahl wurde ich gleich erwischt, was erwartungsgemäss sehr unangenehm war, und das mit dem Schnorren und Anschreiben war, naja, wenn man in der Kneipe arbeitet und dann in eine andere geht wo man sich kennt, gibts den ersten Drink sowieso umsonsonst und anschreiben ist auch meistens kein Problem. Dann trinkt man ja mit den anderen Stammgästen gerne Runden und ich war, wenn liquide, selbst alles andere als geizig (ich hatte auch immer den feinsten Dope in der Tasche, das steigert die Popularität ungemein ;-)), das war völlig normal den Einen, der gerade blank war mit abzufüllen.

    Ich hab ja 10 Jahre in der gleichen Strasse gewohnt, da kann man dann auch irgendwann überall anschreiben, weil Kiez. Die im Gemüseladen hat mir dann Sachen sauber geschnitten, zur Seite gelegt und geschenkt, weil sie wusste, dass ich Koch bin und auch Sachen nehme, die sonst keiner will, beim Stammgriechen am Personal/Familientisch umsonst Essen, Evchen, die herzensgute, hat meinen Nikotinspiegel immer aufrecht erhalten, und die Schöne mit den wundervollen Augen, in der Bäckerei, ich glaub, die war die alte Jungfer oder verwitwet, die sich nie entscheiden konnte, ob sie mich adoptieren oder heiraten will … ich steh dann mit meinen Groschen und Kupfermünzen da, bestell ein Brot, „kann ich nur eine Wurst haben statt des Paars“ und das Scheibchen Schaafskäse bitte hauchdünn … da musste ich zwei Tage dran Essen, oder drei … und wenn ich fertig war, hielt sie mir die Tüte offen an einem Griff halb hin, brach den Augenkontakt ab und guckt in eine andere Richtung während sie mir die Hand fürs Geld hinhält, schmeisst das Geld unbesehen in die Kasse, dreht sich um und schmeisst die andere Wurst, ein grosses Stück Käse, zwei Sesamringe und zwei süsse Stückchen in die Tüte, gibt mir die Sachen endlich rüber, noch immer ohne mich anzusehen, dreht mir den Rücken zu und verschwindet in der Backstube …
    *seufz* herrlich diese kurzen verstohlenen Blicke, die wir uns zuwarfen, wenn ich am Laden vorbei ging …

    Alles scheiss „Migranten“ die heute keiner mehr haben will. So deutschenrassistisch ging das zu, in diesem Neukölln.

  41. vuvuzela//riotqueer September 3, 2011 um 9:22 pm

    Warste der Neu-Köllner, der beim Kick des FC St.Pauli gg. die Hertha seine Springerstiefel ausziehen musste und dann auf Socken in der Kurve die 1 zu 2 Niederlage mit ansah anno 1992?

  42. Loellie September 4, 2011 um 2:34 pm

    ganz bestimmt nicht 😉

  43. Pingback: Gegen-Gerade = Welle? « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  44. Ulrich Barth September 8, 2011 um 3:17 pm

    Ach Du meine Güte!
    Hört sich für mich stark nach spätjugendlicher Generalkritik an den gesellschaftlichen Zuständen an…
    Was für eine verquaste Vermischung von allem und jedem! Schade, daß Du nicht auch noch über die schrecklichen Urwaldrodungen und Tierquälereien, das Wegwerfen von Lebensmitteln durch Supermärkte, die schlimme Sozialpolitik und den miesen Hamburger Sommer geäußert hast!
    Wäre doch irgendwie auch noch ein Zusammenhang herstellbar gewesen, oder? 😉

  45. momorulez September 8, 2011 um 3:32 pm

    Spätjugendlich? Ich bin 45! Und der Zusammenhang erschließt sich freilich nur dem sittlich reifen Leser und weniger jenen, die sich über Urwaldordungen und Sozialpolitik erheben. Dass solche Leute, die wie gewohnt das Konsumieren von Texten einfordern, anstatt sie zu lesen, ganz, wie sie das von ihrer Stamm-Huren gewohnt sind, bedient werden halt, sich auch noch überheblich gerieren, ist wohl ein weiteres Symptom dessen, was im Text steht, Du süßer, kleiner Troll, Du!

  46. Loellie September 8, 2011 um 3:43 pm

    Naja,

    „Ich bin 45!“

    Nach Schwuler Zeitrechnung demnach seit ein paar Tagen der Pubertäterä entronnen.

  47. momorulez September 8, 2011 um 3:45 pm

    Eher seit ca. 5 Jahren wieder mittendrin, aber das muss ich ja nicht dämlich rum stänkernden Trolls unter die Nase reiben 😉 …

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