Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„When people of color point out racism as it is happening, I feel personally attacked“: Institutionelle Formen und nicht-diskutierte Inhalte

 

Abschließende Worte meinerseits in diesem Blog zur „Übersteigerfrage“! Solche Diskussionen vergiften ja das je eigene Begehren und überschreiben, wie eine Freundin dies jüngst treffend formulierte, die schönen Erfahrungen, das Selbstverständnis und das Empfinden des Alltags jenseits derselben.

Halte die ganze Debatte nichtsdestotrotz auch weiterhin für notwendig; viele der Reaktionen haben gezeigt, dass in der Fanszene des FC St. Pauli einige mit exakt jenen Mustern reagieren, die auch gesamtgesellschaftlich üblich sind Marginalisierten gegenüber, Reaktionen, die diskrimierende Strukturen permanent festigen und die sich anhand des von SPNU veröffentlichen Fragenkataloges präziser fassen lassen.

Will die Fanszene des FC ST. Pauli wieder jene werden, die sich an die Spitze des Kampfes gegen Homophobie, Rassimus und Sexismus, möglichst auch Klassismus setzen will, so ist trotz all des hochrespesktablen Erreichten verdammt viel zu tun.

Mir ist aufgefallen, dass sowohl im Übersteiger-Blog, auch bei Twitter („Stammtischsprüche: „Der spielt so, als würde er zu Hause einen Rock anhaben“ wurden kritisiert), hat mich wirklich gefreut, als auch bei anderen Publikationen rund um den FC St. Pauli wie GAS oder Supra verstärkt das Thema schwule Subkultur und Homophobie in den Focus gerückt ist. Keine Ahnung, ob das was mit der Diskussion rund um dieses Blog zu tun hat oder reiner Zufall ist oder an der Plakataktion liegt; wenn wir nicht einschlafen und vor uns hin dümpeln und vor allem auch vieles aus der Ära Littmann verarbeiten wollen, ist wohl eine ganze Menge zu tun.

In der aktuellen Ausgabe des Übersteiger wird das Thema NICHT aufgegriffen, was eben trotz oben skizzierter Freude eine weitere Entwertung sich echauffierender Schwuler bedeutet. Ein Leserbrief von mir hätte es auch nicht getan, auf Antwortmails wurde nicht reagiert.

Allerdings findet sich in dem aktuellen heft eine, wenn ich das richtig gesehen habe analog zur Stadionzeitung, Verlautbarung des „Aktionsbündnisses gegen Homophobie“. Neben dem Satz „Es ist wirklich nicht nötig, tief in die Argumentationskiste der Gender-Diskussionen zu greifen, um jemandem bewusst zu machen: was du gerade gesagt hast, ist diskriminierend„, was ich für falsch halte, zumindest Fanzines sollten in dieser Kiste sehr wohl mal gekramt haben, um sich schlicht und ergreifend über den Status Quo der Entwicklung in solchen Fragen zu informieren, eine ganz gute Darstellung dessen, was mich so wahnsinnig aufgeregt hat:

„Unser FC St. Pauli hat nicht nur einen antirassistischen, sondern auch antidiskriminierenden Satzungsparagraphen in seine Stadionordnung aufgenommen (§6 (2) a). Es wurde dort festgeschrieben, dass niemand aufgrund ihrer/seiner sexuellen Orientierung oder Hautfarbe bzw. ihre/seines Geschlechts oder Glaubens diskriminiert werden darf.

Es genügt aber nicht, diesen Paragraphen lediglich einzuführen. Wir müssen ihn mit Leben füllen: Zivilcourage beweisen und unser Vokabular nach diskriminierenden Worten abklopfen. Was machst Du, wenn du in der Kurve einen Gesprächsfetzen wie „das Shirt sieht echt schwul aus“ aufschnappst? Ziehst du es vor, wegzuhören, weil du keine Lust auf blöde Diskussionen hast, oder nicht als nervig rüberkommen willst? Kennst du den Menschen vielleicht und weißt, der hat ja nichts gegen Schwule und Lesben, also musst Du auch nichts sagen?“

Wer ist das „Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus §6(„)a“? in: Der Übersteiger 104, 22.8. 2011, S. 36

Ja, so ging es mir bei der Lektüre des 11-Freunde-Sonderheftes: Ich dachte, ich sag mal was, fülle mit Leben. Ich habe zunächst den Mail-Weg gewählt, die erste Antwort zu zitieren erspare ich der Welt und dem Autor, hat er ja per Twitter wieder gut gemacht – und hatte prompt eine blöde Diskussionen am Hals. Manche Antworten erweckten den Eindruck, als würde man, wenn man zufällig in der Gegengeraden jemanden in einem solchen Fall ansprechen, erst mal eine Woche warten müssen, bevor man folgende Antwort erhält – nachdem in der Tat zuvor ein Leserbrief angeboten wurde:

„Es geht bei der Nennung der beiden Namen um das überzeichnete Klischee des Kiezklubs und des Freudenhauses der Liga, welches (zumindest uns) einfach nur noch nervt. Nicht, weil die dort genannten Personen nerven (oder gar ihre sexuelle Orientierung, ihre Kunstform, ihre Rolle oder irgendetwas anderes an ihnen), sondern der Umgang der Medien eben damit, die Verquickung von Klischees rund um unseren Verein.
Diese Nennung kann man uns, so wie Du es getan hast, offensichtlich diskriminierend auslegen, wenn man denn will. Wir haben dies nicht so gemeint, sondern im oben beschriebenen Kontext.
Nach dem Lesen Deines Textes und Deiner Kommentare im Blog, fällt uns aber auch kein Weg ein, wie wir dies glaubhafter machen können, als es Frodo bereits versucht hat.“

Ganz ehrlich: Bei einem schlichten „Sorry, ja, soll nicht wieder vorkommen, Danke, dass Du uns da auf was hingewiesen hast“ hätte ich sofort die Schnauze gehalten. Stattdessen dieses unverschämte „Wenn man denn will“ und Rumlamentieren.

Wenn es um das alles nicht geht, fragt man sich ja immer noch, wieso nun ausgerechnet zwei Persönlichkeiten … aber lassen wir das, es verweist ja einfach nur darauf: Ich rüffelte wegen meiner Ansicht nach diskriminierender Äußerungen, und hatte wie gesagt erst einmal eine blöde Diskussion am Hals. Ja, ich habe sie, weil ich die Reaktion exemplarisch fand und solche Diskussionen sehr gut aus meinen Einblicken in die Arbeit des „Braunen Mobs“ kenne, in mein Blog gestellt. Auch, weil ich sauwütend war, dass im Rahmen meines heißgeliebten Vereins solche Sätze auf mich einprasseln und es wichtig finde, das dann auch OFFEN zu diskutieren. Wenn sich Fronten bilden, kann man die ja bei einem Bier auch wieder auflösen. Also, ich zumindest kann das wirklich.

In den Mittelpunkt der Diskussion wurden die Intentionen mutmaßlich Heterosexueller gestellt, nicht die Empfindungen Schwuler – ja, es ging so weit, mir zu unterstellen, ich würde ja ganztägig damit beschäftigt sein, Diskriminierung zu suchen.

Wie kommt man eigentlich auf so einen Scheiß? Wieso sollte ich das tun?

Man stelle sich also vor, im Stadion spricht jemand einen Forumsdiskutanten an „Hey, lass solche Sprüche sein!“, und der antwortet dann „Ach, Du suchst ja auch nur die ganze Zeit rum, was Dich gerade diskriminieren könnte.“ Könnte ich jetzt ewig fort führen, und es ist ja exakt analog zu dem von SPNU Zitierten:

„Muss ich mir rassistische Sprüche anhören und weiß, dass das dann nicht groß thematisiert wird? Ja. Werden zwei Schwarze Frauen schon mal ohne jeden Anlass bepöbelt und alle glotzen doof und niemand schreitet ein? Ja. Sind das Einzelfälle? schön wärs. Bei ‘zehn’ hab ich aufgehört zu zählen und meine Dauerkarte verschenkt. Ist die Bude schlicht und einfach weit davon entfernt, ein ‘safe space’ zu sein? Aber Hallo. Bildet der Verein (die Angestellten) sich fort, was und wie Antirassismus eigentlich überhaupt ist und funktioniert? nein. Kann ich eine Combo ernst nehmen, die gegen Rassismus sein will, sich aber über ihre eigenen Exklusionssignale und -Gepflogenheiten keine Gedanken macht? Nein. Es geht nicht ums Persönliche. Sondern ums Strukturelle. Beim ‘ernst meinen’ geht es eben nicht um „Ohren“ (das klingt fast, als haben Leute die nicht marginalisiert werden möchten ein ‘Anliegen’ und sollten ‘gehört’ werden, nicht so dass es notwendigerweise das ‘Anliegen’ einer Gruppe sein muss, Diskriminierung zu verstehen und zu bekämpfen) sondern um eigentlich genau das Gegenteil von ‘Ohren auf andere richten’, nämlich Selbstreflexion und Revision. Und auch noch gegen ‘Ohren’: http://www.noahsow.de/blog/?p=563 – Noah Sow ggue Metaliust & Subdiskurse

Zudem es im konkreten Fall noch um einen weiteren, brisanten Punkt ging: Travestie-Künstler als Präsidenten eines Fussballvereins. Da greift übertragen folgende Frage:

"I can accept leadership from people of color."

 

Kann sich ja jeder selber Gedanken machen, was das vielleicht AUCH mit der Ära Littmann zu tun haben könnte. Dass auch ich an Corny viel zu kritisieren sehe, ja, schreibe ich zwei Mal die Woche. Es wurde dennoch AUCH mit homophoben Klischees gearbeitet, zu denen es im Falle Orths  noch nicht mal mögliche Analogien gäbe.

Ansonsten kamen die üblichen Sprüche – so ein Wort wie Transphobie habe man ja noch nie gehört, es wurde die übliche „Wer definiert denn, was Diskriminierung ist?“-Frage gestellt, was immer etwas absurd ist, wenn diese Frage von jenen gestellt wird, die zu dem Teil der Bevölkerung gehören, der strukturell NICHT diskriminiert wird – Diskriminierung ist die Frage des Empfängers, ganz einfach.

Diskriminierung funktioniert unabhängig von Intentionen, was, Danke für die Diskussion hier im Blog, schon daran deutlich wird, dass ein mit Beleidigungsintention geäußertes „Hopp, Du Bürgersteig“ nicht im selben Sinne funktioniert wie beispielsweise „Momo, Du Tunte“. Es kann nicht angehen, dass Diskriminierte darüber Belehrung erfahren, wann sie sich diskriminiert fühlen dürfen und wann nicht. Was für eine Groteske, wenn man sich das im Stadion vorstellt. Dass nunmehr Aufklärung über diskreditierende Muster auch in objektiver Hinsicht erfolgen muss, ja, sehe ich auch so.

Wie völlig frei von Sensibilität in solchen Fragen dennoch manche Mitglieder des FC St. Pauli sind, zeigt sich zum Beispiel auch am Bericht der 7. Herren zum Besuch im Vatikan, ebenfalls im Übersteiger.

Nun gilt selbstverständlich auch jener Passus des §6, dass niemand wegen seines Glaubens diskriminiert werden darf. Dennoch ist weltweit, insbesondere in den USA, aber auch in Ländern wie Uganda und eben AUCH in Deutschland ein offener Konflikt zwischen christlichen Kirchen und so called „Homosexuellen“ permanent am Köcheln. Der Papst ist da einer der Antreiber, er steht diktatorisch einem Gottesstaat vor, der u.a. intiiiert, dass Gutachter der Bundesregierung, die Opus Dei-Mitglieder sind, den Diskrimierungsschutz für Schwule z.B. mit Mitteln des Grundgesetzes attackieren.

Nun steht es jedem Katholiken frei, sich enthaltsam zu zeigen, vor dem Glauben selbst habe ich hehren Respekt, wenn er homoerotische Neigungen verspürt, es besteht ja kein Fick-Zwang.

Die Katholische Kirche jedoch geht deutlich darüber hinaus und attackiert allerorten staatliche Gesetzgebungen zu Diskriminierungsschutz und Gleichstellung, bringt in Spanien Hunderttausende zur Demonstration gegen Schwule auf die Straße. Ich finde es ein bißchen absurd, wenn nun ein Besuch in dieser Institution, dem Vatikan, ohne auch nur ein Wort zu all diesen Themen zu verlieren, wie eine x-beliebige Touristenattraktion behandelt wird.

Ein weiterer zu pointierender Aspekt findet sich in dem Artikel zu der Auseinandersetzung mit Susis Showbar, der wiederum die oben skizzierte Form des Ausweichens bei Diskussionen berührt:

„Die Diskussion, ob Stangentanz sexistisch oder diskriminierend oder weder noch ist, wollten wir nicht führen, wir bezogen uns lediglich auf die bestehenden Zusagen des Vereins, dass am Millerntor der Fußball im Vordergrund zu stehen habe und es solche Tanzeinlagen eben nicht gibt.“

Anwalts Show Bar, in: Der Übersteiger, a.a.O., S. 9

Ach so. Wiederum wird Diskriminierungs- und Sexismusdiskussion umgangen und ein ganz anderes Thema in den Vordergrund geschoben. Das ist schon erstaunlich; handelt es sich hier nicht um eine Ignoranz der Stadionordnung? Es ist auch nicht zu vergessen, dass der Herr Stenger politische Transparente als „hat mit Fussball nichts zu tun“ einordnete; vielleicht sieht das ja der eine oder ander mittlerweile auch bei der Antidiskriminierungsarbeit so?

Die Problemverschiebung ist schon erstaunlich: Wieder wird eine ernstzunehmende Diskussion unterbunden zugunsten der institutionellen Ordnung. So oft wie in letzter Zeit „Das diskutiere ich nicht mit DIR!“ habe ich selten in meinem Leben vernommen, nicht nur ich, übrigens; manchmal schaut man erstaunt in die Leere des Seins und fragt sich, ob beim FC St. Pauli die Diskussion, wer was mit wem wann diskutiert oder auch nicht prioritär gegenüber dem zu Diskutierenden ist.

Heute stand im Abendblatt ein Auszug aus einem Buch des ehemaligen Sonstwas-Senators Peiner, der meinte, dass unter Ole von Beust in der CDU irgendwann Sachfragen keine Rolle mehr gespielt hätten, sehr wohl aber die nach Posten und Gremienbesetzung. Nun steht so dermaßen oft das „Ernstnehmen der Gremien“ viel mehr im Focus als das, was diese eigentlich machen, treiben, sagen, tun, dass man sich insbesondere bei der Lektüre der aktuellen BASCH schon weiter gehende Fragen stellt:

„Der entscheidende Moment, in dem jeder feststellen musste, der sich mit diesem Verein und seiner Fanszene seit einigen Jahren beschäftigt, war der Tag, an dem der ständige Fanausschuss seine Stellungnahme veröffentlichte. Zum Höhepunkt der Proteste traf sich die die vermeintliche Führung des FC St. Pauli mit dem Gremium des Vereins, um über eine Beruhigung der Lage zu sprechen. Das Präsidium hatte in diesem Moment schlicht und ergreifend den Willen „die Kuh möglichst schnell vom Eis zu kriegen“. Das ist ihnen gelungen und das ist ein schlechtes Zeichen.

Wenige Tage nach diesem Treffen vom 18. Januar erschein eine Stellungnahme des Ständigen Fanausschusses, in der angekündigt wurde, dass es von nun an regelmäßige Treffen mit dem Präsidium gebe, das erste sei bereits geplant – Ende März. Des weiteren würden die positiven Signale aus dem Präsidium anerkannt. Es ist mir bis heute schleierhaft, warum sich ein Gremium, welches sich aus langjährigen aktiven Fans zusammen setzt (Fanladen, USP, Übersteiger …) so hat verarschen lassen.“

Henning, Das Ende des Jolly Rouge?, in: BASCH #2, 22.08. 2011, S. 7

Dreht sich um die Sozialromantiker-Proteste. Haben sie ja vielleicht gar nicht, sich verarschen lassen. Vielleicht ist die Art, wie aktuell das Gegengeraden-Neubau-Thema z.B. über den Übersteiger gespielt wird  ja das, was viele bei der Jolly Rouge-Aktion erreichen wollten: Dass nicht, wie schon unter Corny, die Fan-Gremien ignoriert werden, sondern aktiv in Gestaltungsprozesse eingebunden. Und das ist ja dann zunächst mal ein riesiger Erfolg, von außen betrachtet.

Es bleibt trotzdem die Frage: Und was ist nun aus den INHALTEN geworden, die mit der Jolly Rouge-Kampagne verknüpft waren? Mehr Macht den Gremien, prima Sache, aber wofür stehen die denn aktuell? Sexismus- und Homophobie-Fragen nicht zu diskutieren? Weil es ja ein Aktionsbündnis gibt, soll das sich doch darum kümmern?

Ich glaube, wenn wir das ernst meinen mit dem, was in §6(2) steht, brauchen wir eine Quotierung in allen relevanten Vereinsorganen – verbindlich müssen Frauen, Queer People bzw. LGTB und PoC in diesen vertreten sein bis hin zu Aufsichtsrat und Präsidium.

Das ist übrigens keine Bewerbung, mir war die aktuelle Diskussion schon zu nervenzehrend, als dass ich zu so was bereit wäre. Ich habe Norbert vom Magischen FC angeboten, Infoveranstaltungen durchzuführen; wenn irgendein Fanzine Gastartikel haben will, schreibe ich die gerne.

Aber die Quotierung muss her. Da sitzt ein eingespielter und verdienter Klüngel, der mal aufgemischt werden muss. Dass auch wieder INHALTE der Diskussion zugänglich werden.

 

Advertisements

11 Antworten zu “„When people of color point out racism as it is happening, I feel personally attacked“: Institutionelle Formen und nicht-diskutierte Inhalte

  1. vuvuzela//riotqueer August 24, 2011 um 3:21 pm

    Fang an diese ‚Szene‘ als verfickte – heterosexistische Männer zu sehen, und dann läuft die Kritik auch in weiteren Strukturen linksradikaler Ökonomien und vielleicht bis hin zur Dependance der Sozialwissenschaften, was denn an ‚diesem‘ Verein denn noch ‚links‘ ist?

    Gruß

    http://www3.mopo.de/forum/viewtopic.php?t=9152

    PS.: Was mich ein wenig stört, ist die Tatsache, lieber Momo (mit seiner Tuntentinte), das Du und deinen Hintergrund schon fast starr auf diesen Blog fokussierst und keineswegs ‚Tucken-Flexibilität‘ zeigst. Wie die Blog-Szene überhaupt!

    Hugs & Kisses

  2. momorulez August 24, 2011 um 3:37 pm

    Ach, die ganze Diskussion hat mich ja eher an den Punkt gebracht, dass es zwar sehr viel Verfickt-Heterosexistisches gibt, aber eben auch sehr viel anderes. Und dass das für einen Fussballverein schon mal eine ganze Menge ist.

    Was die Frage „Ist der Verein noch links“ betrifft, sehe ich das aber eher ähnlich. Das ist dann die nächste Baustelle 😉 – vielleicht bilde ich mir das ein, aber bei unseren Ultras sehe ich eine Menge Potenzial. Da ist aber. und da können die ja nix für, das Problem, dass ganz allgemein „auf der Linken“ nun seit dem Mauerfall nicht mehr so viel los ist; und heute knapp über 20jährige sind da gerade mal geboren worden. Das einzige Angebot, was es da fatalerweise wirklich gab, war dieser ganze „antideutsche“ Fast-Nazi-Scheiß, und vorher noch ein wenig Attac und Globalisierungskritik, die natürlich zu Heimatschutzbundverhalten geradezu einlädt. Da können die auf der Süd aber nix für. Ich hatte doch mit 16 schon mehr Denkangebote in diese Richtung als heute 30jährige.

    Ein weiteres Problem ist die mittlerweile fast vollständige Entkopplung von linker und schwuler Szene, so stellt das mir zumindest dar. Was bei Queer.de so kommentiert, das ist ja ein Graus. Das war aber schon Ende der 80er so, trotzdem es später auch Baustelle und so gab – rund um die Hafenstraße waren wir kaum mehr als 10 immer mal präsente Homos, wenn ich das recht erinner. Mittlerweile hat sich das ja alles nach St. Georg separiert, fiel mir beim Schanzenfest mal wieder auf.

    In den 90ern gab es ja wenigstens noch Techno-Underground; dass unsere Ultras Techno und Electro hören und nicht punkiges Gitarrengeschrammel, das ist ja schon mal ein ganz gutes Zeichen.

  3. momorulez August 24, 2011 um 3:38 pm

    Ach so; ich kann hier die Kommunikation steuern. So was wie Mopo-Foren, das offizielle Forum, das St. Pauli-Forum, das stehen meine Nerven nicht durch. Dadurch. dass SPNU vieles aufgreift, hat das aber durchaus Reichweite, der hat eine sehr große Facebook-Gruppe.

  4. vuvuzela//riotqueer August 24, 2011 um 5:20 pm

    Auf dem offiziellen Forum des FC St.Pauli wird mir auch schon Kloppe angeboten, und wer mich kennt, kann sich ein grinsen nicht verkneifen.
    Naja,…was die Strukturen um die Ultras angeht, finde ich Vieles einfach erst mal ‚gut‘,…aber auch ich bin mit 36 Jahren auch schon in die Kategorie verfallen, dass es keine Konsum-Kritik in dem Sinne, wie am Millerntor anno 1980er mal für Schüler und Studenten die Karte 5,- DM kostete, mehr geben kann, und das aus einer Notwendigkeit heraus, das es mal DAS Armenhaus der Liga war……und das ‚ärmste Stadtteil‘ der Hansestadt, ließe sich noch am ehesten eine Kritik formulieren.

    Du, Momo (mit seiner Tuntentinte),..viele Menschen werden mir auch -egal-, trotz Herkunft und Kategorie-Zuweisung, denn diese Menschen bilden sich schon was ein, was ihrer ‚peer-to-peer‘-Kommunikation so her gibt. Türken bleiben unter sich, und haben ein Stacheldraht vor der Tür (Zitat: Schleimkeim- DDR-Punk-Combo)

    Wie schon mal geschrieben, verliert dieser Stadtteil an Bedeutung für linke Theorien und wird sich weiter auf ein Maß an Rückgrat_lose Individuen reduzieren, die alles den Pathologien für bare Münze nehmen.

    Wie lächerlich……Monstren!

    Deine Position hinsichtlich der ‚Roten Flora‘ und die/der ‚Tierrechts-Szene‘ um die TAN,…lässt sich wunderschön er_ahnen.

  5. che2001 August 24, 2011 um 6:39 pm

    @“das Problem, dass ganz allgemein „auf der Linken“ nun seit dem Mauerfall nicht mehr so viel los ist;“ —— das würde ich regional noch differenzieren: In Ost-Berlin war in den 90ern jede Menge los (Barrikaden in Friedrichshain usw.), in Bremen, Berlin und Göttingen waren die frühen 90er eine Aufbruchsphase. In der gleichen Zeit fiel Hamburg von der linken Hochburg geradewegs ins Loch. Seit 2001 würde ich dann generell von nicht mehr so viel los sprechen – wobei dieses merkwürdige Antideutschtum auch wiederum nur auf bestimmte Städte beschränkt war.

  6. momorulez August 24, 2011 um 7:39 pm

    @Vuvuzela:

    Zu Tierrechten habe ich keine Meinung, und dass die Flora da ist, ist prima 😉 …

    @Che:

    In Berlin war doch mit der Räumung der Mainzer Straße irgendwie auch alles anders, oder? – und mir geht es weniger um aktive Szenen, als Denkangebote in der Diskussionsgroßwetterlage. Hier war ja rund um Bambule auch wieder was los, aber das hatte nicht mehr die Wucht der frühen 80er, als deren letztes Fanal ich immer die Hafenstraßenauseiandersetzungen und die um die Flora, in Hannover auch das Sprengel-Gelände, gesehen habe. Das rechte Rollback war doch durchgreifend und ist in den letzten 10 Jahren gerade, was Lebensformen betrifft, doch sehr spießig geworden. Und einen Denkrahmen gibt es nicht mehr wirklich, sonst wäre die Reaktion auf die Bankenkrise eine ganz andere gewesen. Und ich habe immer das Gefühl, dass z.B. unsere Ultras auf der Suche sind und die Denkangebote gar nicht mehr kriegen.

  7. che2001 August 24, 2011 um 8:41 pm

    Mit Denken wurde ungefähr nach der De-Facto-Abschaffung des Asylrechts aufgehört.. Es gab dann 1966/97 noch die Diskussionen um Roths thesen zur Neuzusammensetzung der Klasse und um 2000 das sogernannte „Neue Historische Projekt“, wo es darum gehen sollte, das Kapital auf dem Ist-Stand der aktuellen weltpolitischjen Entwicklung zu interpretieren, aber das waren alles in der Tat nur noch Binnenreflektionen in einer geschlossenen Szene. Und die sind auch längst Vergangenheit. Gewesene Linke.

  8. momorulez August 24, 2011 um 8:47 pm

    Tja, dann müssen wir wohl ran 😉 …

  9. che2001 August 24, 2011 um 9:16 pm

    Der Pfad der Kritik ist allein noch offen, the future is unwritten…

  10. vuvuzela//riotqueer August 24, 2011 um 10:15 pm

    Ich meine sehr schön zu er_kennen, das Du, verehrter Momo von Tuntentinte, leider nicht den Versuch unternimmst, mehrfache Diskriminierungen im kapitalistischen Modell subjektiv zu verordnen, aber die er_weiterung von Stereotypie in Doppel-Standards, wie ich diese bei der ‚Intersektionalität‘ versuche zu er_kennen, als Sprach_komplex der verschiedenen, tages-politischen _Ismen und auch Freunden von einem großen Haufen bio_politischer Masse am Millerntor zu denken (Kompliment!) , das links-sein nicht mit dem Real-Sozialismus verschwunden ist (meine Wenigkeit war in Hamburg der 1990er Schwerpunkt_mäßig aktiv),….auch das denunzieren von Sexualität hin zu einem ‚Coming out‘ hat den Phallus nicht ins wanken gebracht sondern einfach verortet und somit auch die linke Geschichte von so Vielen am Millerntor nicht die Lust ausgegangen ist, dies einfach als Gewalt anzusehen was in den anderen Foren passiert und zeitig an Rechtsradikalität mündet.

  11. vuvuzela//riotqueer August 27, 2011 um 7:49 am

    AAS = Autonomer Antifa Sex!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s