Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Ähem …

Offensiv homophobe Beschimpfungen, Vereinsmäzenen entgegen geschmettert, fallen ja sogar manch Fanzine im Umfeld des FC St. Pauli auf, das es da ansonsten nicht so genau nimmt. Merkwürdig hingegen die Reaktion auf andere Anfeindungsmodi in Richtung von Piepston-Hopp, die andernorts zu lesen waren, und deren öffentliche Diskussion:

 

 „Diese Leute sollten mal darüber nachdenken, wie es ist, vor 30.000 im Stadion und Millionen Fernsehzuschauern als ‚Sohn einer Hure‘ beschimpft zu werden. Das Schlimme ist, man fühlt sich total hilflos. Ohnmächtig. Ich bin auch nur ein Mensch. Wer meine Mutter kannte, weiß: Sie war eine herzensgute Frau. Es tut weh, so beleidigt zu werden.“

 

Ich finde es auch nicht gut, Herrn Hopp zu beleidigen. Der gibt auch nur einer Struktur ein Gesicht.

Aber wieso beleidigt dieser dann im Gegenzug Huren (in der Hoffnung, dass diese Selbstbezeichnung noch up to date ist)? Man kann nun wirklich viel zum Thema Prostitution denken und schreiben, ein hochkomplexes Thema, aber die Nachkommenschaft von Sex-Arbeiterinnen ebenso zu verunglimpfen, wie a priori davon auszugehen, bei Huren könne es sich nicht um herzensgute Frauen handeln, also, mich empört das schon.

Zudem auch die populäre übertragene Bedeutung „Frau mit verschiedenen Sexualpartnern“, im Volksmund ja negativ belegt, warum eigentlich?, nur einmal mehr diese absurde bürgerliche Vorstellung, eine Frau habe Gattin zu sein und einem Mann zur Verfügung zu stehen, zementiert (während der sich ggf. Puffbesuche mannhaft zugesteht, um dann die abzuwerten, die da arbeiten). Was nix gegen wechselseitig einvernehmliche und freiwillige Treue-Geblöbnisse sagen soll.

Kann man den Beschimpfungskanon nicht mal etwas weniger bürgerlich-patrichal gestalten? Wenigstens auf die Freier von Zwangsprostituierten losgehen? Vorschläge erbeten.

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21 Antworten zu “Ähem …

  1. sparschaeler August 17, 2011 um 3:59 pm

    in meiner jugendzeit war ein „du freier“ ein böses schimpfwort. das scheint mir aus der mode gekommen zu sein.
    davon abgesehen, lieber der sohn einer ehrlichen hure als von einer politikerin oder einer bankerin, die sich in stadionlogen rumdrücken und bei sekt und kaviar dem eventfussball huldigen 😉

  2. momorulez August 17, 2011 um 4:08 pm

    Ich würde ja Freier von „freiwillig“ unter aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen als Hure arbeitenden Frauen nun auch noch jeder als gute Kundschaft gönnen; da wird es nur problematisch, was „freiwillig“ heißt, also was die Alternativen wären.

    Umgekehrt hat sich z.B. die Union jahrzehntelang geweigert, den Straftatbestand „Vergewaltigung in der Ehe“ anzuerkennen und Frauen an den Herd beamen wollen, um sich in wirtschaftlicher Abhängigkeit zu belassen, also, ähem …

    In der Conclusio bin ich ganz bei Dir 😉 … wobei ich mich da nicht nicht auf die weibliche Form beschränken wollen würde 😀 … vielleicht wäre „Son of a Hopp“ ja eine Alternative? 😀 -aber selbst da griffe ja Sippenhaft, können die Kinder ja nix für.

  3. jekylla August 17, 2011 um 4:28 pm

    Dass Herr Hopp das Wort „Hurensohn“ so empfindet, wie es von den Skandierern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch gemeint ist, nämlich gesellschaftlich „anerkannt“ und per Strafrecht verfolgbar, wundert mich nicht.

    Ich finde die Verunglimpfung der Damen, die sich meines Wissens nach immer noch selbst so bezeichnen und (wenn es sich nicht um Zangsprostituierte handelt) ein offiziell anerkanntes und steuerlich relevantes Gewerbe betreiben, auch mies. Ähnelt ungefähr der Fragestellung bei „Susis Showbar“ und ihren Damen, ob diese es begrüßen, dass man sie für nicht selbststimmte Frauen hält, die diesen Beruf höchstens unfreiwillig ausführen können, weil sie sexistisch ausgenutzt werden oder sich vielleicht doch eher beleidigt fühlen, wenn ihnen da helfende Hände entgegenstürzen und Rechte einfordern, die sie selbst vielleicht gar nicht bedroht sehen.

    Dass diese Hoffenheim-Nummer und das Rumgeheule und Rausgerede nun aber auch gar nicht geht, ist unstrittig.

    Abgesehen davon finde ich die Diskussion über homophobe Gesänge und „nur“ diskriminierende beleidigende“ Gesänge auch etwas kritisch. Hurenfeindliche und beleidigende Gesänge werden nicht dadurch automatisch besser, dass homophobe Gesänge im Vergleich schlimmer sind. Ich finde beides schlimm.

    Ganz früher war der Freier ja mal jemand „Ehrenwertes“ auf Brautschau, heute jemand, der für sexuelle Dienstleistung bezahlt. Sie würden sicherlich auch heute erfolgreiche Freier im ursprünglichen Sinn finden, die später mal über ihre Ehe sagen würden, dass der Sex da auch Geld kostete. Auf die eine oder andere Weise. /irony off

  4. momorulez August 17, 2011 um 5:06 pm

    „Ähnelt ungefähr der Fragestellung bei „Susis Showbar“ und ihren Damen, ob diese es begrüßen, dass man sie für nicht selbststimmte Frauen hält, die diesen Beruf höchstens unfreiwillig ausführen können, weil sie sexistisch ausgenutzt werden oder sich vielleicht doch eher beleidigt fühlen

    Ja, in der Tat. Wobei ich schon finde, dass es gute Gründe gibt, das nicht im Stadion haben zu wollen, weil das eben doch sexistische Grundsetting – Männer im Anzug lassen nackte Frauen für sich tanzen – im Stadion noch mal was anderes besagt und anders auf die Ränge ausstrahlt, als in einem in sich geschlossenen Etablissement auf dem Kiez. Weil es ein Frauenbild prägt, das für viele Frauen auf den Rängen auch nicht witzig ist.

    Dass aber die Frage gar nicht gestellt wurde, sondern mit selbst sexistischen „Titten!“-Titelbildern wieder gar nicht auf das Setting, sondern auf „Reduktion von Frauen auf Geschlechtsmerkmale“ abgehoben wurde, zeigt nur die bei manchen ständig scheiternde Versuche, „satirisch zu überspitzen“, indem man einfach das auch macht, was man vorgeblich zu kritisieren vorgibt.

    Und diese neuerdings so angesagte Selektion von Personengruppen hinsichtlich des Stadtteilverständnisses ist tatsächlich obskur spießbürgerlich, weil eben tatsächlich die Mädels bei Susi recht selbstbewusst-freiwllig agieren und ziemlich gut verdienen. Die Arschlöcher auf dem Kiez sind ganz andere, an die sich auch keiner ran traut. Die Sex-Arbeiterinnen haben Leute wie Günther Zint noch ins Museum für Arbeit gebracht, um Anerkennung für Verfemte zu schaffen, und nun haben die um die 30jährigen auf einmal eine Haltung drauf wie unter Adenauer.

    Bin ansonsten ganz bei Ihnen! Sehe ich auch so.

  5. jekylla August 17, 2011 um 5:17 pm

    So als Frau auf dem Rang kann ich ja auch was dazu sagen. Das Frauenbild ändert sich für mich nicht durch den Ort des Geschehens, ob das nun eine geschlossene Loge im Stadion oder ein Club auf dem Kiez ist. Dass das nicht während des Spiels stattfinden sollte, ist eine andere Sache. Die Männer tragen Anzüge, ob im Club beim Poledance oder in der Loge im Stadion. Was macht das Geschehen in der Loge (das nicht fussballbezogene) aber eigentlich so verwerflich im Vergleich zu einem Immobilienmakler, der eine Handvoll Kunden mitnimmt und während des Spiels Immobilien verkauft? Für mich ist das scheinheilig.

    Und wenn man sich in seine Stadionordnung, die wir ja alle ganz toll finden und die Dortmunder so toll, dass sie sie übernommen haben, schreibt, dass Diskriminierungen (und das schließt Beleidigungen mit ein) nicht erwünscht sind, man sie aber bei einer Hassfigur wie Herrn Hopp dann aber selektiv und ruhigen Gewissens, ob zuhause auder auswärts, rausplärren kann und das damit rechtfertigt, dass das ja der Hopp ist, der den Fussball kaputtmacht, ist ebenso scheinheilig. Also Diskriminieren geht schon klar, wenn es der vermeintlich Richtige ist.

    Würde mich mal interessieren, wie man reagiert hätte am Millerntor, wenn man St. Ani aus der Gästekurve heraus so bedacht hätte. Konsequent zu Ende gedacht wäre das ja nur akzeptable Fussballfolklore. Hauptsache nicht homophob oder rassistisch, der Rest geht irgendwie klar.

  6. momorulez August 17, 2011 um 5:57 pm

    Die Frage nach dem Immobilienmakler ist schon deshalb richtig, weil wir im Präsidium einen Fachanwalt für Immobilientransaktionen sitzen haben. Und ein Mitglied des CDU-Wirtschaftsrates, der lange bei der Deutschen Bank gearbeitet hat. Mich erstaunt ja immer ein wenig, für was – teils zu recht – der erste schwule Präsident eines deutschen Fussballvereins aufs Heftigste persönlich attackiert wurde, wie irgendwie dann doch zufrieden man aber im Nachhinein diese bürgerliche Herrenriege zu beurteilen scheint. Diese ganzen Distanzierungspraktiken von der realen Kiez-Historie sind ja analoge Verbürgerlichungstendenzen, dass ernsthaft Alkoholverbote diskutiert werden und ein Nicht-Mitnehmen von Rauchern in Fanbussen, das weist ja in eine ähnliche Richtung eines rigiden, bürgerlichdn Protestantismus.

    Wenn jetzt nicht auf der JHV irgendwas Gravierendes passiert, muss man die Sozialromantiker im Nachhinein auch unter mediale Inszenierung verbuchen und Politfolklore, ist ja leider so. Oder als reinen Appell, dass die Platzhirsch-Hinterzimmer-Ordnung besser flutscht.

    Der „Hurensohn“ wäre auch bei Stani nicht reflektiert worden, glaube ich. Und Susi, das sehe als Nicht-Frau trotzdem anders 😉 – da finde ich z.B. die Slutwalks richtiger, als nun den Stangentanz im Stadion nicht auch als Verfügungsgewalt und auf körperliche Merkmale reduzierende Praktik zu begreifen. Wobei die Verfügungsgewalt über Maurerkörper auch niemand mehr kritisiert, zu derDifferenz sollten aber wirklich lieber Frauen sich äußern und ich schweigen.

    Was alles auch gar kein Dissens ist, den man auflösen müsste, mir gefiel nicht, dass das nach meiner Wahrnehmung gar nicht so diskutiert wurde, sondern eher nach dem Motto „MEINE Frau ist anständig, die zieht sich was an.“

  7. sparschaeler August 17, 2011 um 6:10 pm

    schmähgesänge zu relativieren in kategorien von a. geht gar nicht bis c. kann gerade noch so durchgehen ist ein unding. wenn nun hurensohn unter c eingeordnet wird, kann man das bei uns im stadion auch mal brüllen???
    unfaßbar, wie locker mit beleidigungen umgegangen wird, wenn man sich aus falsch verstandener solidarität fanfolklore rechtfertigen will.

  8. dosenpfand August 17, 2011 um 8:33 pm

    Wenn man schon die Familie thematisiert sollte man einfach „Dietmar Hopp, du Sohn einens Nazis“ skandieren, das lässt die herzensgute Mutter und den anständigen Beruf der Prostituierten aus dem Spiel und würdigt einen verdienten SA-Führer aus dem Kraichgau
    http://www.dugehstniemalsallein.de/?p=513

  9. momorulez August 17, 2011 um 8:53 pm

    Ah, Danke für den Link! Ansonsten ist „Nazi“ ja tatsächlich strafbewehrt, auch das Andenken Verstorbener betreffend, aber das werte ich mal als belastbaren Beleg.

    Bin ja auch Sohn eines Nazis, bis er 18 wurde, war er das jedenfalls. Als, zum Zeitpunkt meiner Zeugung war er es somit nicht mehr 😉 Und es macht diese ganze „Son of a …“-Sache tatsächlich prägnant als idiotisch verständlich. Womit ich nun aber gar nicht meine Pimpf-Wuzeln bestreiten will.

    Das ist auch ganz interessant hinsichtlich eines, na, sehr oberflächlichen Anwendung des „struktureller Antisemitismus“-Topos in einem anderen St. Pauli-Blog gerade. Da wäre dann im Sinne der verkürzten Kapitalismuskritik jene an Hopp auch strukturell antisemitisch, die an Corny Littmann übrigens auch. Nun war aber im Sinne der Nürnberger „Rassegesetze“ aber, wer Sohn eines Juden war, auch Jude, ganz gleich, ob er sich konfessionell gebunden sah. Waren die dann gar nicht strukturell antisemitisch, diese Gesetze?

    Globke hingegen, Kommentator der „Rassegesetze“ zu deren optimaler Durchführung, hat in Adenauers Vorzimmer prokapitalistische Westbindungspolitik betrieben. Also auch kein Antisemit.

    Aus Sicht der Tea-Party nun wiederum war Adenauer eh stalinistischer Sozialist. Was einen dann zu der Conclusio bringt, dass es sich bei der „Mauer“ um einen antisozialistischen Schutzwall handelte. Und da wenigstens könnte was dran sein. Irgendwie.

  10. jekylla August 17, 2011 um 9:01 pm

    Der Link zu „Verlorene Brüder“ bei der SZ führt leider nur auf die Hauptseite. Schade.

  11. jekylla August 17, 2011 um 9:07 pm

    Man sollte allerdings den ganzen Artikel lesen und nicht nur die Zitate auf „dugehstniemalsallein“.

  12. momorulez August 17, 2011 um 9:36 pm

    Danke auch für den Link; ist aber schon auch ein wenig verkitscht, dieses Verständigungsepos. Für Hopp ist es nun echt ein Leichtes, aus der Portokasse Dokumentarfilme und Übersetzungen zu finanzieren, um das schlechte Gewissen zu beruhigen. Hätte er die selbe Kohle wie in seinen Verein in Antirassismusarbeit gesteckt, hätte ich das besser gefunden. Da findet man nämlich keine Finanziers.

    Wobei er sich damit wenigstens dem stellt, was bei uns ja auch in der Vereinssatzung steht, nämlich aktiv zum Erhellen der eigenen Geschichte im Nationalsozialismus beizutragen. Wo übrigens Dortmund meines Wissens auch für deutsche Verhältnisse recht früh dran war, irgendwann in den 90ern (!!!).

    Und diesen Verweis auf die herzensgute Mutter gegen die asozialen, offenkundig nicht herzensguten Huren, das mal mit Nazi-Ideologien und Mutterkreuzen in Verbindung zu setzen, das könnte weder Herrn Hopp noch den Dortmunder Fans noch dem einem oder anderen der unseren schaden …

  13. momorulez August 17, 2011 um 9:47 pm

    Achtung, heftiger Link:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Lagerbordell

    Man beachte vor allem auch den Schlusspassus, dass die Zwangsprostituierten nach dem Krieg, weil als „Asoziale“ eingestuft, keine Entschädigung erhielten – wie Träger des Rosa Winkel ja auch nicht, was vor kurzem noch vom Bundesgag gerechtfertigt wurde, dass die keine erhielten.

    Ansonsten war Prostituion wohl offiziell im „3. Reich“ absolut verboten, was nicht daran hinderte, „Joy Divisions“ ins Leben zu rufen, die gleichnamige „Love will tears us apart“-Band hat sich danach ja benannt.

    Na, man kann ja Herrn Hopp mal anmailen, ob er einen Film zu den „Lagerbordellen“ auf „Dresden“-Niveau zu finanzieren bereit wäre. Als Entschuldigung an den Huren. Er hätte ja auch stolz drauf sein können, dass man ihn für einen solchen Sprössling hält.

    Und DAS wäre mal eine Ausstellung bei uns im Stadion wert, das Thema.

  14. momorulez August 17, 2011 um 10:14 pm

    http://ludersocke.blog.de/2008/11/28/prostitutionsgewerbe-hamburg-st-pauli-part-iii-5126533/

    Hier noch eindifferenzierterer Link, speziell St. Pauli und die Neustadt betreffend. Viel Text, aber hochinteressant. Dieses Ludersocke-Blog ist eh hochinteressant für all diese Themen. Wäre schön, wenn sich mal für so was interessiert würde und nicht primär dafür, wie viele USP-Aufkleber in welchem Stadtteil kleben. Auch die Geschichte der letzten Gängeviertel wird erwähnt, die halt auch Teil der Geschichte der Prostituion waren und auch deshalb von den Nazis abgerissen wurden, auch eine Form von Gentrifizierung.

    Wohne unweit der Straße „Hütten“, das waren einst Soldatenhütten am Wall, kurz vor dem Heiligengeistfeld, und später hieß „das ist eine von den Hütten“ „das ist eine Hure“. Da gegenüber waren nicht zufällig auch schwule Cabarets, „3 Sterne“ hieß das, glaube ich.

  15. cusscuss August 18, 2011 um 2:52 pm

    also naja, im Einzelnen habe ich mich ja noch nie mit diesem Themenkomplex befasst, jedenfalls nicht so, dass ich annäherungsweise einen Überblick über etwa St.-Pauli-interne Diskussionen bekommen hätte. Aber – nun, das gereicht jetzt nahezu zu einer Verteidigung von Hopp – der Fall einer solchen Beleidigung, jedenfalls der beabsichtigten, scheint mir relativ klar zu sein. Deutsche Flüche, ins Englische buchstäblich übersetzt, erzeugen dort sehr oft einen übleren Eindruck als im Deutschen. Andererseits scheint mir überhaupt im Englischen häufiger geflucht zu werden. Hier nun liegt der umgekehrte Fall vor. Sohn einer Hure, Hurensohn, ist für meine Ohren inzwischen mehr ein Anglizismus, eher eine buchstäbliche Übersetzung von „son of bitch“, und nicht mehr sonderlich idiomatisch. Ich kann mir kaum einen Kontext vorstellen , in dem dieser Ausdruck im deutschen Idiom vorkommt. Z.B. „Hundesohn“, das erinnert mich eher an die Sprache von schweren Jungs in einem 60er-Jahre-Western oder so. Das habe ich z.B. zuletzt auf irgendeiner Kinderschallplatte gehört, meine ich.

    Es ist also ganz klar die Beleidigungsabsicht, dazu noch die Lust an der Vulgarität, die sich noch dadurch steigert, dass das deutsche Idiom gewissermaßen verfälscht wird. Darüberhinaus: es ist natürlich auch die Freude daran, einen eigentlich ungebräuchlichen Ausdruck wieder eine Bedeutung zu geben, ähnlich wie Verballhornungen, Sprachspiele etc. besonders dem Volksmund schon immer besondere Freude bereiten, also als neue Prägung sozusagen: Sohn einer Hure = „Hopp“.

    Das Beleidigende an einer Beleidigung ist ja die beleidigende Absicht, und die sticht ja hier geradezu hervor, weil sie hier durchaus buchstäblich und weniger anders zu lesen ist. Es wird einfach eine Aussage gemacht, konstatiert, es verhalte sich so und so mit der Verwandschaft von Herrn Hopp. Im Grunde eine „harmlose“ Feststellung, so „ins Blaue“ hinein, von der vermutet werden kann, dass sie falsch ist. Und die Absicht, zu beleidigen, gelingt für mich weniger des Wortes „Hure“ wegen, sondern weil dem Hopp jetzt alle Negativ-Assoziationen, die mit diesem Wort verbunden sind (wenn auch in meinen Ohren eher verblassend) reingebaggert werden, nicht so sehr von den Verunglimpfenden, als vielmehr von denjenigen, die die Verunglimpfung hören. D i e s e Absicht ist das Empörende, finde ich. „Hure“ ist dabei zunächst bloß das Vehikel.

    Auf der anderen Seite: „für mich ist ‚Hure‘ ja gar kein wirkliches Schimpfwort, also kann das ja keine Beleidigung gewesen sein“ sich so herausreden zu wollen, wäre ja superblöddummdreist. D.h. es gibt keinen Zweifel, dass hier auch Prostituierte verunglimpft werden, dass hier der „Hure“ wieder eine herabwürdigende Funktion zukommt, und an der man sich schadlos halten könne.

    Der Hopp hat also leider nur fast genau richtig verstanden, was da abging. Zunächst also die Feststellung, die er impliziert, meine Mutter ist/war keine Hure, dann die Abwehr gegen die mobilisierte Unterstellung, sie sei nicht „anständig“ usw. gewesen. Ich glaube ihm also, dass er sich gekränkt fühlte. Dass ihm allerdings nichts anderes einfällt, als die Beleidigung von der Ebene, auf der sie stattfand, wegzuschieben, indem er einerseits das üble Spiel, das ihm galt, mitspielt und sich schadloshaltend dem Wort Hure wieder all die üblen Konnotationen zukommen lässt bzw. erneut bestätigt, zeugt nicht gerade von intellektueller Brillianz, Charakter, das ist traurig, aber leider nicht so überraschend.

    PS. den Link eben finde ich aus ziemlich interessant.

  16. momorulez August 18, 2011 um 3:48 pm

    Na ja, Bitch ist ja auch nicht nett, weil es eben ein ziemlich fieses Frauenbild zum Ausdruck bringt. Und Du kannst nicht nicht jeden x-beliebigen Ausdruck zum Beleidigen verwenden, die meisten mutieren dann eher zu Metaphern, „Hopp, Du Gänseblümchen“ oder „Hopp, Du Bürgersteig“, also, da müsste man ja schon erst mal grübeln, was da gemeint ist. Gibt ja mittlerweile so eine Humorform, „Du Klappstuhl“, aber das transportiert eben nicht das, was „Bitch“ oder „Schwuchtel“ meint. Es ist auch tatsächlich NICHT so, dass das Entscheidende an einer Beleidigung die Intention sei, wirklich nicht. Die meisten passieren völlig unabsichtlich. Wenn einem schwarzen Düsseldorfer attestiert wird, dass er ja bemerkenswert gut deutsch spräche, ist das schon eine Merkwürdigkeit. Beleidigend ist die soziale Rollenzuweisung. Und es ist schon bemerkenswert, dass fast alle Schimpfworte wahlweise etwas mit Fäkalem, Genitalem, Frauenverachtendem, Schwulenfeindlichen oder Rassistischen zu tun haben – allerdings auch mit politischen Zusammenhängen, „Nazi“, „Kommunist“, in anderen Kreisen „Sozialdemokrat“ 😉 . Auch Intellektuellenfeindlichkeit ist häufig vertreten, aber auch Geringschätzung „Unterschichten“ gegenüber „Proll“. Das sagt dann schon was aus darüber, wie diese Gesellschaft tickt. Dass man sich nun allerdings nicht „raus reden“ kann, Hure sei ja gar keine Beleidigung, okay, das wäre aber eine zumindest originelle Entgegnung.

    „Hundesohn“ ist noch mal ganz interessant, das wirkt echt alterümlich. Wir hatten als Kinder aus unerfindlichen Gründen die „drei mal um den Kirchturm gewickelte Wüstensau“, keine Ahnung, ob das was mit den „Gates of Vienna“ zu tun hatte, implizit – ja, Tiernamen gibt es halt auch. Und psychisch abweichendes Verhalten, „Narr“, „Psycho“, „Irrer“.

    Danke aber für die ausführliche Kommentierung!

  17. cusscuss August 18, 2011 um 5:08 pm

    Das mit dem Entscheidenden der Intention zu verallgemeinern, war sicherlich etwas unüberlegt.

    Im Fall Hopp dachte ich wohl mehr an den Unterschied zwischen Schandpfahl, dem Pranger, mit der zusätzlichen Auskunft, was das Vergehen sei, fair oder nicht fair, und einer mehr idiomatischen Bezeichnung, die weniger wie eine buchstäbliche Übersetzung aus einer anderen Sprache klingt und dadurch eher wie etwas, das irgendetwas nun im Einzelnen erklärt. Das ist für mein Gefühl entweder unterstes Register oder beleidigende Absicht, den Rest erledigen dann schon die anderen, Futter für den Mob.

    Im Deutschen übrigens eher fäkal, im Englischen genital.

  18. Sonnenstrahl August 19, 2011 um 12:23 am

    Hurenbock. Das Gegenstück. Gefällt mir nicht, genauso wenig wie die Anschaffung einer technischen Niederkräh-Einrichtung durch Hopfenhain und das ganze verlogene Drumherum. Schähgesänge gehören generell zur Fankultur, besonders von Ultrakreisen.

    Kann man jetzt finden, wie man will. Ich finds: nebensächlich.

  19. che2001 August 24, 2011 um 1:54 pm

    Ein alter Freund von mir gebrauchte ganz altertümliche Beschimpfungen: Hundsfott, Diffeldoffel, Arschkrampe.

  20. che2001 August 24, 2011 um 1:59 pm

    Es gibt da einen rumänischen Fluch, der lautet „Ich pisse auf den Wald, in dem das Holz geschlagen wurde, aus dem die Kommode gefertigt wurde, in der das Kondom gelegen hat, das bei Deiner Zeugung geplatzt ist.“

    In Serbien sagt man: „Bei Deiner Beerdigung ficke ich die erste Reihe der Trauergäste.“

    In Mexiko gibt es die Beschimpfung „Sohn eines räudigen Kojoten, dessen Kadaver der Aasgeier verschmäht.“

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