Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Transphobie beim Übersteiger

In der Kommentarsektion dieses Blogs entbrannte vor kurzem die Diskussion, ob es sich beim FC St. Pauli um einen „Safe Place“ handeln würde. Einem Lebensbereich also, in dem man sich als Schwarzer, als Frau, als Schwuler problemlos aufhalten kann.

Von einer schwarzen Freundin wurde dieses dezidiert zurück gewiesen. Koloniale Darstellungstraditionen, Karrikaturen Schwarzer  auf mal eben im Stadion hoch gehaltenen Plakaten, dumme Sprüche gegen PoC-Frauen, wenn diese protestieren. Koloniale Darstellungstraditionen auch in den Comics Guido Schröters im Übersteiger. Dieser, so wurde mir in einem Flughafenbus in München berichtet, habe darauf entgegnet, Karrikaturen überzeichneten nun mal. Wie in Deutschland üblich gibt sich der „Humor“ als Hort des Stereotyps und der fort geschriebenen Diskreditierung – da fühlt sich der Mehrheitsgesellschaftler wohlig befreit von der Tyrannei der „Political Correctness“, weil das ja alles nur Satire sei. Ebenso, ich habe sie nicht gelesen, fand sich im Übersteiger wohl ein Traktat, dass man doch wohl Herrn Schwensen bei seinem alten, rassistischen Nick-Name nennen „dürfe“, was meines Wissens auch mit Gerichtsverfahren einher ging.

Der eine oder andere Leser weiß, warum ich so so weit aushole. Anlass ist eine wahnsinnig witzige Antwort auf eine an sich unverfängliche Frage im aktuellen „11 Freunde Sonderheft“, die, so wurde mir bestätigt, tatsächlich von Mitarbeitern des Übersteiger so gegeben wurde, die Frage bezog sich auf den Saisonverlauf:

„(11 Freunde): Dein größter Alptraum? (Der Übersteiger): Jahreshauptversammlung 2011: Überraschend erklärt das Präsidium den Rücktritt. Der Aufsichtsrat präsentiert als Nachfolger: Lilo Wanders und Olivia Jones. Das Separee von Susis Showbar wird ab sofort in der Halbzeit live auf der Videowand übertragen, und Beate Uhse wird neuer Sponsor. Außerdem kann man ab sofort Astra per Spritze im Fanshop erwerben.“

11 Freunde Bundesliga 2011/12, S. 99., Berlin 2011

Ähem – war Mario Barth der Autor? Ist ja der Brüller. Wie überzeichnet.  Soll wohl die „Freudenhaus“-Klischees rund um den FC St. Pauli aufs Korn nehmen, aber wieso tauchen da nun ausgerechnet zwei in der Öffentlichkeit als Transen auftretende Männer als Alptraum auf? Mal ab davon, dass Gernot Stenger mein persönlicher Alptraum ist, wie zum Teufel kommen weiße Vorort-Familienväter nun ausgerechnet auch so eine spießbürgerliche „Halbwelt“-Fantasie-Aneinanderreihung „Olivia Jones – Lilo Wanders – Susis Showbar – Beate Uhse – Spritze“ als Alptraumszenario? Könnte ja was mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen zu tun haben. Eine Selbstreflektion, die beim Übersteiger offenkundig nicht statt findet.

Es gab einst diese offen homophobe BILD-Titelseite „St. Pauli braucht keinen Tunten-Präsidenten“, eines der wenigen Male, da Corny auf schwulenfeindliche Zuschreibungen offen allergisch reagierte. Es gab in der Tat sehr viel an Corny als Präsident zu kritisieren, die homophoben Einsprengsel, die sich natürlich bei Linksspießern immer mal wieder einschlichen, die sind so, hat er sonst jedoch nie gekontert. Weil er wusste, man würde ihm dann vorwerfen, er würde „seine Homosexualität“ instrumentalisieren, um Kritik abzuwehren, kann auch Westerwelle ein Lied von singen, selbst so ein homophober Klassiker ebenso wie diese permanente Behauptung, dass „Homosexualität“ doch gar keine Rolle spielen würde, wenn es um „Leistung“ ginge.

Bei diesem ach so witzigen Szenario, vom Übersteiger entworfen, kam mir sofort dieses Mopo-Titelbild in den Sinn. Obwohl vermutlich die Autoren wie üblich gar nicht schnallten, was sie da mobilisieren, welche Kontexte sie eröffnen, wie sie all das Undiskutierte rund um die Susis Showbar-Frage in reaktionärster Form mit einem transphoben Ressentiment kombinierten, um auch noch indirekt einen Witz über Drogenabhängige hinterher zu schieben.

Natürlich betreibt Olivia Jones eine Table Dance-Bar für Frauen, in der Männer strippen. Natürlich hat Lilo Wanders „Wa(h)re Liebe“ moderiert. Ich weiß noch nicht mal, ob die Witzbolde vom Übersteiger das wissen. Dass das nun freilich unreflektiert verknüpft wird mit Susis Showbar und Beate Uhse, verrührt wird zu einem Gesamtszenario des „Schrillen“, das man doch als St. Pauli-Klischee nicht wolle, hallelujah, das sind Konnotationen, an denen US-Evangelikale ihre Freude hätten.

Das verweist neben der unterschwelligen Homo- und Transphobie solcher Witzchen, die immer mit läuft , ob gewollt oder nicht, wenn man feminisierte Männer als „Alptraum“ (dazu gehören auch Frank Rosts „rosa Röckchen“, witzig!, Männer tragen so was eben nicht, wurde mir mal gemailt, was habe das denn bitte mit Homophobie zu tun?) und dann noch in Führungpositionen, Gott bewahre!, imaginiert werden, eben auch auf eine äußerst drastische Schieflage bei der „Susis Showbar“-Diskussion. Ich will die auch nicht im Stadion haben und wittere da üblen Sexismus; freilich schleicht sich dennoch immer wieder eine Entsolidarisierung von Sex-Arbeiterinnen, ein Zurückweisen eines wichtigen Teils der Viertel-Historie als Freiraum für „Deviante“ und eine EMMA-lastige Pornographiekritik, die sich problemlos mit der US-Rechtsradikaler fusionieren lässt, in die Debatten ein. Das alles war gar nicht wirklich Gegenstand der Diskussion, diese bürgerliche Abgrenzung gegen Sexualität in offener Form, rund um das „Susis Showbar“-Problem, von Einträgen bei Ring2 und Jeky mal abgesehen. Dabei ist das Thema, wenn ich es richtig verstehe, man korrigiere mich, bei der „Slutwalk“-Bewegung. Dass parallel so ein seltsamer Hochzeitsbilder-Hype gerade ausgebrochen ist, fügt sich nahtlos in eben dieses Schema.

Womit auf Magazine wie „Liebe Sünde“ und „Wahre Liebe“ zurück zu kommen wäre und ebenso Olivia Jones Tabledance-Gastronomie: Ursprünglich äußerst progressive Versuche, Sexualität aus der Schmuddelecke zu holen und als Hort der Freiheit in der Vielfalt der Lüste zu begreifen. Dass in manchen Fällen diese Magazine wieder genau bei dem Schmuddel landeten, den sie eigentlich aufheben wollten, ja, das ist richtig; dass ein als Transvestit auftretender Familienvater, ist Lilo Wanders ja, dergleichen moderierte, war in den 90ern immerhin noch möglich. Mit seinen doofen Witzchen attackiert der Übersteiger solche Denkweisen gleich mit, indem er sie im Beate-Uhse-Kontext verortet, ebenso wie mit diesem dämlichen „Titten!“-Titelbild im letzten Herbst.  Ich bin einer Georgette Dee und einem Ernie Reinhardt, also Lilo Wanders, tatsächlich zu tiefem Dank verpflichtet, weil sie mir eine schwule Sozialisation ermöglichten, die in einer heteronormativen Welt nun weiß Gott anstrengend genug war. Der Übersteiger hat wohl was dagegen …

Selbst wenn man diese Reihung als irgendwie stellvertretend für die Klischees des „lustigen und schrillen“ FC St. Pauli begreift, macht das die Sache nicht besser: Persönlichkeiten wie Lilo Wanders oder Olivia Jones sind keine Stellvertreter. Ich würde beide sofort wählen als Präsidentinnen des FC St. Pauli: Geschäftstüchtige, charismatische, kluge und medienerfahrene Persönlichkeiten, die die spießige Fussballwelt ordentlich aufmischten und sich weglachen würden, wenn Rostocker gegen die „schwulen Hamburger“ sängen.

Die Ausgangsfrage war, ob der FC St. Pauli ein „Safe Place“ u.a. für Schwule ist.

Wenn ich solche Aussagen des Übersteiger lese: Nein, ist er nicht. Die finde ich schlimmer als „Schwuchtel“-Rufe im Stadion.

 

Edith: Im Forum wurde darauf hin gewiesen, dass es sich bei „St. Pauli braucht keinen Tuntenpräsidenten“ um eine BILD-Schlagzeile gehandelt hätte. Ich habe das im Text geändert.

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339 Antworten zu “Transphobie beim Übersteiger

  1. kleinertod Juli 25, 2011 um 12:41 pm

    Wie immer ein wichtiger Beitrag an dieser Stelle. Wird ja so gerne drüber weggesehen, wenn solche Sprüche losgelassen werden. „Nicht so gemeint“ und „man soll nicht immer alles so persönlich nehmen“ kommt dann ja gerne wie aus der Pistole geschossen.

    Kleine Gegenfrage: Lilo Wanders und Olivia Jones oder das aktuelle Präsidium – was wäre wem aus welchem Grund lieber? Eine Assoziation mit dem Begriff Alptraum möchte ich aber nicht bringen, dann das hieße bereits die Büchse der Pandorra öffnen. Argumentationen, die sich um Personen und nicht um Inhalte drehen, sind eh gespickt mit unterschwelligen Vorurteilen. Wie viele lehnen homosexuelle Politiker beispielsweise insgeheim allein aufgrund dieser Eigenschaft ab?

    Warum so viele Männer damit ein Poblem haben, wenn andere Männer ein Kleidungsstück tragen, das nach aktuell vorherrschender Meinung als weiblich angesehen wird, konnte ich noch nie nachvollziehen. Vielleicht haben die ja auch alle einen Hosenfetisch, wer weiß. Ich empfehle einfach mal eine Horizonterweiterung anläßlich eines Besuchs in Schottland. Wobei es da immer spannend wird, denn ein Kilt wird schließlich auch gern von den Rockhassern akzeptiert. Hauptsache, die Norm steht und muß nicht hinterfragt werden.

  2. momorulez Juli 25, 2011 um 2:08 pm

    Ich bin ja auch schon auf Antworten bzgl. dieser überempfindlichen, humorlosen Tunten innerlich eingestellt, die irgendwas irgendwo hinein lesen 😉 … was bei dem Zitat allerdings schwer nur als Behauptung durchzuhalten ist. Wie kommt man auf so was? Wieso gerade die beiden?

    Und man spürt dem aktuellen Präsidium zumindest an, sobald es zu „Toleranz“-Reden anhebt, dass es von dem, was ja Kernwertebestand des FC St. Pauli ist, Kampf gegen Sexismus, Homophobie und Rassismus, wirklich so was von gar keine Ahnung hat, und das eben aufgrund privilegierter Herkunft (weiß, männlich, hetero). Ich erlebe das als Bedrohung, wenn die mich zu tolerieren auffordern. Und Du hast ja Deine Offenheit bei solchen Themen auch, weil Du andere Formen der Marginalisierung durchlaufen hast.

    Gibt übrigens auch Schwule, die finden, dass Olivia Jones nur Klischees reproduzieren würde. Das ist aber noch mal was anderes, wenn das ein Homo formuliert, als wenn es der Übersteiger macht.

  3. sparschaeler Juli 25, 2011 um 4:16 pm

    vor dem hintergrund , das man sich in diesem 11freunde saisonplaner als sprachrohr der fcsp fans feiern lässt, ist das eine entgleisung die nicht zu entschuldigen ist.

  4. momorulez Juli 25, 2011 um 4:27 pm

    Ich finde das aus eben dem Grund auch schwer entschuldbar. Das ist immerhin eines der meist diskutierten Fussballblätter, 11 Freunde, und Der Übersteiger ist das meistgelesene Fanzine des FC St. Pauli und mit diversen Vereinsorganen verwoben. Mir wurde noch eine offizielle Stellungnahme versprochen, auf die bin ich nun echt mal gespannt. Mit dem Text ist es schwierig, sich noch über homophobe Entgleisungen in Stadien zu ereifern. Und für mich tatsächlich schwierig, noch einfach so ins Stadion zu gehen. Wenn in Machtzentren des Vereins so gedacht wird. Und die Haltung zur Geschichte des Viertels, die sich da zeigt, ist an ressentimentgeladener Spießbürgerlichkeit ja kaum zu überbieten.

    Nix gegen intelligente Pornographiekritik, aber doch nicht so.

  5. sparschaeler Juli 25, 2011 um 4:53 pm

    ich habe für mich bereits die konsequenzen gezogen, der text hat mich in meinem vorhaben bestärkt.

  6. momorulez Juli 25, 2011 um 5:09 pm

    Schade 😦 – wobei ich tatsächlich, erst recht nach einem ergänzenden Mailverkehr, auch überlegt habe, ob ich das Spiel heute Abend unter St. Paulianern überhaupt gucken will. Habe mir dann selbst gesagt, dass es ja auch Norbert, Kleinertod, Ring2, den Quotenrocker, Dich gibt und konnte meine Perspektive dadurch etwas verändern.

    Leute wie die vom Übersteiger, die groß gegen Homophobie anschreiben und vermutlich als „aktive Fans“ wohlfeile Transparente bemalen, hingegen merken nicht, dass sie da das mehrheitsgesellschaftliche Drohpotenzial mobilisieren. Die können ja mal mit Fummel über die Reeperbahn gehen – Olivia Jones wird durch die Prominenz geschützt.

    Die können ja mal fragen, wieso auf dem Transenstrich an der Schmuckstraße manche gar keine Alternative haben, als da zu stehen, weil sie sonst keinerlei Broterwerbschancen haben.

    Alptraum Lilo Wanders und Olivia Jones – prima!

  7. kleinertod Juli 25, 2011 um 6:23 pm

    Alternativ zum Segel streichen wäre ich ja eher dafür, in der Fanszene mal den Vorschlag zu machen, ob man mit einem Aktionstag wie „Let’s Rock Sabnkt Pauli!“ bei dem möglichst viele in einem Rock zum Spiel kommen, nicht mal aufzeigen könnte, wie albern und unsinnig Abwertungen gegenüber nicht der Norm entsprechenden (hier: gekleideten) Menschen ist…

  8. momorulez Juli 25, 2011 um 6:39 pm

    Hier geht es ja um Identitätskonzepte – eben darum, was männlich ist. Im Fussball nicht nebensächlich. Und die Verbuchung unter „schrilles St. Pauli-Klischee“. Und ganz allgemein um „sexuelle Ausdrucksformen“ außerhalb des ehelichen Spießbürger-Schlafzimmers, wo es sexistische Formen gibt, Susis Showbar, aber die Tendenz besteht, in viktorianische Prüderie umzukippen und Sexualität als „Privatsache“ abzuhandeln, was keine Sexismus-Kritik ist, und dann fragt man sich, wieso man etwas gegen Homophobie tun sollte und das Argument plötzlich eine Rolle spielt, wenn es um Schwule und Transen geht, nicht jedoch bei knutschenden Ultra-Hochzeits-Bildern. Aber da geht es ja auch um Liebe, bei Schwulen hingen um Sex. Äh? Das Attribut „Familienvater“ ist ja auch immer die veredelte Form von „Fortpflanzer“. Aber da kam ja auch was bei raus, nicht so wie bei den Schwuppen und ihren Lustknaben. Gleich behauptet wieder jemand, ich sei heterophob 😀 …

    Das ist ein wenig die apolitische Haltung der Rostocker Suptras, die sich da zeigt: Nämlich mit dem Argument, man wolle keine Politik im Stadion, primär die Linken treffen und ansonsten Männerbünde pflegen. Und nein, ich schiebe das alles nicht vollständig dem Übersteiger rüber, das sind aber die relevanten Sujets. Und das, was rund um Corny bei mir hängen blieb.

    Das ist ein bisschen mehr Stoff. Ich glaube ja immer noch, dass man da über Aktionstage hinaus denken muss, bei denen sich dann alle total gut fühlen, die nicht betroffen sind, und danach geht alles weiter wie vorher. Ich glaube, dass man da schlicht Informationen und Schulungen bereit stellende Institutionen auch im St. Pauli-Rahmen braucht.

    Es gibt eine ausgeprägte Reflektionslosigkeit und auch Informationsdefizite, so dass man manchmal den Eindruck bekommt, gegen Homophobie sein, aber möglichst ohne rum nervende Schwule, und gegen Rassismus, aber doch bitte ohne diese ständig PC einfordernden, schwarzen Nervensägen sei irgendwie zentral bei bildungsbürgerlichen „Linken“. Ich glaube nicht, dass da ein Aktionstag Abhilfe schafft. Eher mal wirklich die ganze Ultra-Kurve im Fummel oder so was. Bei denen sehe ich auch mehr Potenzial als bei den Vereinsmeiern, bei denen man manchmal nicht weiß, was einfach nur Terrain verteidigen und was wirklich Argument ist.

  9. kleinertod Juli 25, 2011 um 6:46 pm

    Die Ultra-Kurve im Fummel… Das wäre doch mal ein Bild. ^^

    Und ja, ein Aktionstag kann das wirkliche Beschäftigen mit dem Thema nicht ersetzen, vielleicht aber für manche ein Anfang sein.

    Nichts geht über nervende Schwule, störend schwarze Nervensägen und sonstige Menschen dieser Art, die den Mund aufmachen und mit einfachen Argumenten deutlich machen, was am Bild der „Normalen“ alles so fehlgeht. Verschiedene Perspektiven sorgen schließlich dafür, daß man besser sieht. Die Bereitschaft dazu mag fehlen, sowohl bei den „Nervenden“ als auch bei den „Normalen“. Aber darum höre ich nicht auf, mit den Leuten zu diskutieren. Die Argumente sind schließlich auf unserer Seite. 😉

  10. headnut Juli 26, 2011 um 6:17 am

    Sorry, ich bin übermüdet, ich will auch garantiert nicht Partei für den Übersteiger ergreifen, aber streich mich mal lieber von der Liste, ich passe mir da irgendwie nicht rein.

    Falls ich irgendwann wieder wach bin und dann noch Lust habe über das Thema zu diskutieren, schreibe ich da eventuell was zu.

    Grüße

  11. momorulez Juli 26, 2011 um 7:33 am

    Das ist mir, ehrlich gesagt, zu orakulös, um da sinnvoll was antworten zu können. Aber wenn Du möchtest, kann ich Dich gerne von der Liste streichen, die mir noch den Glauben an den FC St. Pauli bewahren 😉 …

  12. momorulez Juli 26, 2011 um 11:48 am

    PS: Die „Liste“ bezog sich auf jene, bei denen ich weiß, dass sie eine Eigenständigkeit schwuler und schwarzer Erfahrung respektieren, zuzuhören bereit sind und nicht sofort alles okkupieren. Das meint ja „Safe Place“ – einigermaßen homophobie- und rassismusfreie Räume oder zumindest solche, bei denen man auf solche Strukturen verweisen kann, ohne dass das Gegenüber blöd reagiert und einem erst mal einen Vortrag darüber hält, was z.B. Rassismus sei und was nicht und dass man doch bitte unterlassen solle, Anderen dergleichen vermeintlich instrumentell unterzuschieben.

    Eure Haltung ist für mich was fundamental anderes als das, was Der Übersteiger mit seinem Machtgebahren veranstaltet, indem einzelne derer z.B. den ehemaligen Nickname Karl-Heinz Schwensens bei der ersten Gelegenheit gebrauchen oder auf Transen rum trampeln.

    Ansonsten habe ich ja, was z.B. die Ultras betrifft, völlig andere Ansichten als der Quotenrocker oder Sparschaeler. Ich weiß aber, dass ich hinsichtlich des Homophobie-Themas auf sehr denkoffene Gegenüber stoße, mit denen ich gerne ein Bier trinken gehe und die ich als Persönlichkeiten sehr schätze und mag. Dass das nun alles auch auf Dich zutrifft, dagegen kannste gar nix machen 😉 …

  13. jekylla Juli 26, 2011 um 7:26 pm

    Wenn das das Sprachrohr des FC Sankt Pauli ist, stellt sich noch einiges mehr in Frage als ohnehin schon.

    Wir mögen in vielerlei Hinsicht sehr unterschiedlicher und auch unvereinbarer Meinung sein, aber dieses Stück neueste St. Pauli Geschichte ist beängstigend. Milde ausgedrückt.

  14. momorulez Juli 26, 2011 um 8:01 pm

    Jeky, Sie werden es nicht glauben, aber – ich habe Zeugen! – gerade in einer Mail heute nachmittag an jemanden ganz anders fiel mir auf, an einem Punkt in unserer Kommunikation tatsächlich eines Ihrer Anliegen völlig falsch verstanden zu haben. Da bin ich in Rage geraten, weil ich etwas als Behauptung auffasste, was wohl eher als Frage gemeint war. Und eine Verunsicherung nicht wahr genommen habe. Gar nicht an dem Punkt, wo es dann zum Abbruch der Kommunikation kam, sondern tatsächlich bei dem Homophobie-Thema. Dafür entschuldige ich mich hiermit gerne öffentlich.

    Womit auch gesagt wäre, dass ich mich natürlich auch oft über irgendetwas aufrege, weil ich es missverstehe. Klar. Bei dem Text oben wüsste ich allerdings nicht, was man da missverstehen soll. Ich meine, Lilo Wanders! Wer einmal ein Solo-Programm von ihr gesehen hat, sie einst die Schmidt-Show moderieren sah, sie in Talkshows erlebte, wo sie gegen den „Aldi-Kult“ Besserverdienender wetterte, während Andere den Scheiß fressen MÜSSEN – eine überragende, St. Paulianische Persönlichkeit. Und ich wüsste jetzt nicht, wieso sie weniger Ahnung von Fussball oder Geschäftlichem haben sollte als Herr Orth. Sie hat Schmidt und Schmidts Tivoli mit aufgebaut.

    Ich habe meine Fassung noch nicht wieder gewonnen und stimme Ihnen zu!

  15. jekylla Juli 26, 2011 um 8:07 pm

    Ich habe es wieder und wieder gelesen und ich sehe keinen Ansatz, wo man das missverstehen könnte. Ich rege mich eigentlich nach jedem Durchgang noch ein bisschen mehr auf.
    Wobei noch dazukommt, dass man das als St. Paulianisches Credo verkauft, weil man sich als das Sprachrohr versteht. Da wird mir körperlich übel. Ich bin froh, dass es überhaupt Reaktionen wie hier darauf gab, weil ich schon vermutet habe, dass ich -wie so oft- die mit den Verständnisproblemen bin, die komplett Humorbefreite, aber das ist nicht witzig. Nicht im Mindesten.

    Entschuldigung öffentlich akzeptiert, manchmal laufen Dinge aus dem Ruder. Und zu Mißverständnissen gehören auch mal zwei.

    Ich bin gespannt, ob es eine Reaktion geben wird, aber ich befüchte, sie wird so, wie ich es befürchte. Einfach so ein Gefühl.

  16. momorulez Juli 26, 2011 um 8:22 pm

    Es ist eine Reaktion angekündigt, und ich bin auf wirklich ALLES innerlich vorbereitet 😉 … auf das Schlimmste wie auch auf eine vernünftige Antwort. Vielleicht die Nestbeschmutzer-Nummer, keine Ahnung. Vielleicht eine ernsthafte Auseinandersetzung. Wie auch auf einfach aussitzen und sich in Fanzine-Machtposition denken „Soll der doch im Netz rum hupen, ist uns doch schnurz.“

  17. momorulez Juli 26, 2011 um 10:19 pm

    Ergänzend möchte ich noch auf Paragraph 2, Absatz 2 der Vereinssatzung verweisen. Wenn „Wechselwirkung mit dem Viertel und dessen sozialer Struktur“, sinngemäß zitiert, dergestalt selektiv interpretiert wird, dass eine Olivia Jones, die Stadtführungen durch das Viertel leitet, zu Lilo Wanders habe ich genug geschrieben, nicht als Vereinsfunktionäre in Frage kommen, und Leute, die bei Beate Uhse hinter Kasse sitzen und Sex-Toys verkaufen und froh sind, einen Job zu haben, öffentlich gedisst werden, zudem gegen ein in der Stadionordnung fest geschriebenes Diskrimierungsverbot verstoßen wird, ist das im Satzungs-Kontext nicht trivial. Wie gesagt, Pornographie – und Sexismuskritik gerne, aber bitte nicht so.

    Aber vermutlich kommt wieder der neurechte Konter, ich würde Heterosexuelle diskriminieren … sagen die Evangelikalen dann ja auch. Und irgendwelche „Keulen“ schwingen.

  18. che2001 Juli 26, 2011 um 10:30 pm

    Das wäre mein Alptraum:

    Der Aufsichtsrat präsentiert als Nachfolger: Heino und Herrn Voscherau. Der Andachtsraum der Bahnhofsmission wird ab sofort in der Halbzeit live auf der Videowand übertragen, und Ratzinger wird neuer Sponsor. Außerdem kann man ab sofort Antabus per Spritze im Fanshop erwerben.“

  19. momorulez Juli 26, 2011 um 10:33 pm

    Das mit der Bahnhofsmission wäre ein Faux-Pas, weil wir da ja schlafen, wenn wir nicht unter Brücken schlafen 😉 …

  20. CulturalTourist Juli 26, 2011 um 10:41 pm

    Grundsätzlich sehe ich die Problematik vollkommen ein.
    Es wäre vielleicht von Vorteil gewesen, die Sache erstmal direkt an den Übersteiger heranzutragen und dann als zweiten Schritt die Öffentlichkeit zu suchen. Ich hätte diese Vorgehnsweise präferiert, da der Übersteiger ja nun nicht per se als transphob etc gilt. Aber gut, dein Ding, deine Vorgehensweise.

    Zum Thema Lilo for Prez: Auch für mich wäre so etwas hart am Rande des Alptraums und zwar explizit nicht wegen sexueller Ausrichtung von ihr, sondern weil es der Overkill in Sachen Klischeereprodukton wäre.
    Und diese Reproduktion käme ja nicht von Lilo Wanders, dem Übersteiger, dem Verein, sondern eben von transphoben normalmenschen und der tendenziös schreibenden Presse. Die ‚Kult’scheiße würde so ein Ausmaß annehmen, dass unfassbar viel größer wäre als zu Zeiten Littmanns, der war ja schließlich noch als Mann, schwul oder nicht, automatisch besser für Fussball geeignet, aus Sicht der beschriebenen Normalen und der Presse.
    Der früher in diesem Kontext oft (sinngemäß) gehörte Satz „Hehe, die lustigen Paulis, die haben sogar ne Schwuchtel als Präsident!“ überträgt sich auf „Hehe, die Paulis, jetzt haben sie sogar zwei Transen im Vorstand!“, und dadurch wird der FC St. Pauli mit Sicherheit nicht mehr Safe Place als er jetzt ist.
    Dass Orth und Konsorten meiner Meinung nach nicht besser qualifiziert sind für ihre Posten als Jones und Wanders möchte ich hier auch kurz noch anfügen.

    Es wäre cool, wenn du auf mein Geschreibsel eingehen könntest und es nicht als bullshit abtust, ich würd es gerne verstehen und weiter vertiefen.

  21. momorulez Juli 26, 2011 um 11:01 pm

    Nein, ich tue das nicht als Bullshit ab, das führt ja mitten in die Problemzone. Ich habe mich ja zuerst an einen Mitarbeiter des Übersteigers gewendet, und neben anderem, das mich dann veranlasste, diesen Blogeintrag zu schreiben, wurde mir ein Leserbrief angeboten. Da die Herren Autoren, hier der Herr Leser. Das mag für Nicht-Betroffene merkwürdig erscheinen, aber auf solche Hierachisierungen lasse ich mich als Schwuler, allerdings längst raus aus der Szene, Heterosexuellen gegenüber nicht ein. Ich bin da nicht Bittsteller oder zu Tröstender, meiner Ansicht nach ist der Übersteiger im Sinne der Grundsätze des FC St. Pauli unter massivem Rechtfertigungsdruck. Es wurde noch eine Erklärung angekündigt. Da warte ich drauf. Den Blog-Eintrag hatte ich angekündigt. Und das hier ist ja nicht das Abendblatt.

    Aber was zum Teufel ist denn so schlimm daran, wenn man auf den schwulen Präsidenten angesprochen wurde? Ich fand wirklich auch sehr vieles in dessen Präsidentschaft kritisierenswert, darauf, dass die Rostocker so blöd waren, „nicht nur der Wind bläst scharf, sondern auch Corny“ zu plakatieren, war ich fast schon wieder stolz. Das wird vielleicht etwas unterschätzt, was für das Schwule bedeutet, wenn einer der ihren in so einer Macho-Bastion Präsident ist. Bei zwei Transen wäre ich noch stolzer 😀 …

    Ich verstehe diese Ressentiments gegen die mediale Darstellung des „schrillen Pauli“ nicht. Was ist denn daran so schlimm? Wollen wir bieder sein? Ich nehme auch an, dass exakt das, was Du schreibst, den Übersteiger motiviert hat. Aber warum? Vielleicht verstehe ich das auch nicht, weil ich mittlerweile so dermaßen viele Außenseiterpositionen gelebt habe, dass sich da wirklich eher eine Art Stolz draus entwickelt hat. Aber das ist ja nix, was dem FC St. Pauli schlecht bekäme. Es beklagen sich doch immer alle, dass das „Not established“ nicht mehr gefüllt würde.

  22. CulturalTourist Juli 26, 2011 um 11:41 pm

    Is spät daher nur in Kürze: Ich will Lilo Wanders nicht als Präsident, weil sie Trans ist, sondern weil sie Ahnung von Fußball und Geschäft hat und mit dem Stadtteil verbunden ist. Presse und normale Spaken würden sie aber immer, immer, immer nur auf ihre Heels reduzieren, und. Das. Nervt. Und daher wäre sie als Präsidentin alptraumhaft. führe das morgen nochmalmnähr aus.

  23. momorulez Juli 26, 2011 um 11:56 pm

    Ich antworte auch mal in Kürze: Zum einen war sie nie ernsthaft in der Diskussion als Präsidentin. Wie zum Teufel kommt dann Der Übersteiger ausgerechnet auf sie und Olivia Jones?

    Zum Zweiten: EXAKT DAS IST DOCH DAS PROBLEM! Schwarze werden auf ihr Schwarzsein, Schwule auf ihr Schwulsein, Transvestiten auf High Heels reduziert. Und Frauen auf ihren Körper. Und wir wollen gegen Homophobie, Rassismus, Sexismus und sonstwas sein, indem wir eben dem auch noch aktiv aus dem Weg gehen? Gegen Homophobie sein, aber sichtbare Schwule erzeugen diese, also bitte nicht? Hmmm.

    Bin aber weiter gespannt auf das, was Du morgen schreibst, weil das ja wirklich das Thema ist und das Ziel gewissermaßen definiert. Auf den Punkt. Aber ist das nicht einfach eine Sauerei, gegen die man angehen muss als St. Paulianer?

    Danke für Deine Kommentare, wirklich, das meine ich vollkommen ernst. Das geht doch vielen durch den Kopf, und keiner schreibt es. Das ist doch schon ein Riesenschritt.

  24. sparschaeler Juli 27, 2011 um 8:09 am

    ich habe soviele alpträume wenn ich nachts an den fc st.pauli denke, die aber nie von showbars oder transen handeln.
    warum gerade transen herhalten müssen, kann nur einen tieferen beweggrund haben. denn nach meinem wissensstand sind die beiden nie ernstaft thema bei einer ämtervergabe gewesen.

  25. Frodo Juli 27, 2011 um 8:27 am

    Vorbemerkung: Ich schreibe das als Einzelperson, nicht im Namen der Redaktion.
    Wie Du hier bereits richtig anführst, hatten wir zwei vor Erscheinen Deines Blogs mittleren bis ausführlichen Austausch per Mail. Dieser sollte, so war es abgesprochen, „privat“ bzw. „unter uns“ bleiben. Schade, dass Dir dies nicht nur in einem Fall nicht gelang, Details hast Du per Mail.

    Bzgl. „Sprachrohr der Fanszene“:
    Man unterstellt uns vielleicht diese Arroganz, aber so selbstherrlich sind wir dann doch nicht, für die Gesamtheit dieser heterogenen Fanszene sprechen zu wollen.
    Diese Beschreibung bzw. diese Bildunterschrift wurde von der 11Freunde-Redaktion gemacht.

    Angeblich „zugesicherte offizielle Stellungnahme“:
    Ich gehe davon aus, dass etwas kommt. Allerdings kennen wir (sowohl ich als auch jetzt die Redaktion) diesen Text jetzt erst seit heute morgen, daher dauert es sicher noch eine Weile. Redaktionssitzung ist morgen Abend, vor Freitag kommt also sicher nichts.
    Fürs Protokoll: Auch dies ist keine „Zusicherung“, ich gehe aber wie gesagt davon aus.

    Zum Thema:
    Es geht bei der Nennung der beiden Namen um das überzeichnete Klischee des Kiezklubs und des Freudenhauses der Liga, welches (zumindest mich) einfach nur noch nervt. Nicht, weil die dort genannten Personen nerven (oder gar ihre sexuelle Orientierung), sondern der Umgang der Medien eben damit.
    Cultural Tourist hat dies ähnlich formuliert und trifft es damit aus meiner Sicht auch ganz gut.
    Diese Nennung kann man, so wie Du es getan hast, uns offensichtlich diskriminierend auslegen. Ich versichere Dir persönlich, dass es definitiv nicht so gemeint war sondern eben eine Aufzählung weiterer Personen war, die nach Littmann (der ja auch bei vielen Gelegenheiten mit diesem Klischee in den Medien gespielt hat) in die genannten Klischees fallen.
    Ich wiederhole: Dies hat nichts mit ihrer sexuellen Ausrichtung, sondern lediglich mit ihrem (ja auch gewollt selbst definiertem) Bild in der öffentlichen Wahrnehmung zu tun, die dann ein weiteres Mosaiksteinchen in das Bild von „den herrlich lustigen Paulis vom Kiez/der Reeperbahn“ setzen würden, völlig ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung.
    Kannst Du mir glauben, musst Du nicht.

    Ich finde es gut und wichtig, dass wir beim FC St.Pauli auch solche vermeintlich unangenehmen
    Themen untereinander innerhalb der Fanszene immer wieder offen ansprechen, keine Frage. Die Art und Weise, wie Du es hier in der Vorgeschichte des Textes und beim Text selber gemacht hast, solltest Du aber für die Zukunft nochmal überdenken.

  26. momorulez Juli 27, 2011 um 9:26 am

    Lieber Frodo, ich habe Dich bisher gar nicht erwähnt und die Zusicherung der Stellungnahme zu euren Gunsten erwähnt. Meiner Ansicht nach ist das Ding oben ein derartiger Hammer, dass ich es schon erstaunlich finde, dass man nicht sofort eine Übersteiger–Krisensitzung einberuft und prompt reagiert. Alles andere ist schon wieder eine Entwertung des Anliegens. Groß gegen Diskriminierung anschreiben, wenn es selber tut aber erst mal die nächste Redaktionnsitzung abwarten ist nicht, sorry. Eure institutionelle Ordnung ist nicht prioritär gegenüber meinem Anliegen.

    Ansonsten, wo Du schon darauf Bezug nimmst, kannst Du Dir die harsche Reaktion meinerseits gerne zurechnen, ebenso wie die Erwähnung weiterer Faktoren, die erst durch das Thema „Zuspitzung von Klischees über Minderheiten als Satire“ einfach dazu gehören und übergreifend wichtig sind.

    Ich war in einem Ausmaß stinkwütend, die sich denen, die selbst Diskriminierungserfahrungen haben, wohl besser erschließt. Auch auf Dich.

    Ansonsten folgen jetzt zwei Standard-Reaktionen: Das Ausweichen auf Formfragen und das „ist nicht so gemeint“. Wie schrub hier neulich jemand so schön: Ist doch schnurz, ob man mir das Klavier absichtlich auf den Fuss wirft oder auch nicht, weh tut es trotzdem. Und jetzt auf irgendwelche Verfahrensfragen auszuweichen, um möglichst in Zukunft sich darauf zurück ziehen zu können, ist Umkehrung des Rechtfertigungsdrucks für Anfänger.

    Nö, ich halte den Weg genau für richtig, weil sonst in irgendeinem Gemauschel das Anliegen flöten geht. Was eh ein gravierendes Problem beim FC St. Pauli darstellt.

    Die Behandlung von Personen wie Lilo Wanders als „schrille Kiez-Klischees“ empfinde ich als Alptraum der ganz besonders schlimmen Sorte. Und empörend und sogar als groben Satzungsverstoß. Und wer sich entsolidarisiert, erfährt im Gegenzug das gleiche.

    Transvestiten und Transsexuelle haben ùbrigens nicht notwendig eine „andere“ sexuelle Orientierung. Wenn man so großartig in Antisexismusdebatten rum trötet, sollte man das eigentlich wissen.

    Was Du in diesem Kommentar wiederholst ist einfach nur die Reproduktion eines ausgrenzenden Schemas. Und ich bin einigermaßen froh, diesen Weg gewählt zu haben, anstatt mich einwickeln zu lassen. Falls das nunmehr keine weitere Reaktion Deiner Mitredakteure wegen Beleidigtsein hervor ruft, ist das eben auch ein Statement „devianten“ Lebensformen gegenüber. Eigentlich erwarte ich zumindest eine öffentliche Entschuldigung. Ich hoffe auf mehr Einsicht bei Deinen Kollegen.

  27. momorulez Juli 27, 2011 um 9:32 am

    @sparschaeler:

    Du wirst es nicht glauben, ich hatte heute nacht auch Schlafstörungen, weil ich mich über das Thema so aufregen musste. Mit dem Culture-Touristen kann ich trotzdem sehr gut leben, der ist einfach grundehrlich. Nicht leben kann ich damit, wenn jede Kommunikation mit einer Mischung aus dem Fortschreiben der Diskriminierung und dem Aufwerfen der Machtfrage beantwortet wird. Das hat Frodo nun in aller Öffentlichkeit zum derart wiederholten Male gemacht, sorry, irgendwann ist einem das einfach zu blöd.

  28. Urfaust Juli 27, 2011 um 9:45 am

    Auch ich finde es gut, wie offen wir hier beim SC Paderborn die Dinge ansprechen. Lilo Wanders ist eine Person, die am roten Kanapee eine tolle Figur macht und Olivia Jones bei ihrer Größe vielleicht ein echtes Kopfballungeheuer – aber mal ehrlich, wie sieht das denn aus? Bei Frodo und CulturalTourist ist die Pflege unseres geliebten Heimatvereins dagegen in den besten Hosen.

    In diesem Sinne rufe ich euch Gleichgesinnten zu: Papst, Pansen, Paderborner! Nur der SC! Und immer schön anständig bleiben!

  29. momorulez Juli 27, 2011 um 9:45 am

    PS: Es kamen 14 Leute über das St. Pauli-Forum hierher; nun existiert der Thread nicht mehr. Was war da los?

  30. sparschaeler Juli 27, 2011 um 10:13 am

    @momorulez ist der satz

    „Die Art und Weise, wie Du es hier in der Vorgeschichte des Textes und beim Text selber gemacht hast, solltest Du aber für die Zukunft nochmal überdenken.“

    wieder nur eine mißglückte ironie oder einfach nur frech?

  31. momorulez Juli 27, 2011 um 10:48 am

    Die Vorgeschichte ist der Text in der 11 Freunde … und natürlich auch anderes, was einem im Laufe der Jahre am Übersteiger auf den Geist ging, dort aber keinerlei Reflektion erfuhr.

  32. momorulez Juli 27, 2011 um 10:51 am

    Jetzt linkt hier ein Forums-Thread her, der von mir mein Passwort verlangt … äußerst transparent. Habe meines vergessen und weiß auch gar nicht mehr, welche e-mail ich angegeben hatte. Schnüffz.

  33. jekylla Juli 27, 2011 um 10:55 am

    Vielleicht ein Link aus den PNs? Normalerweise braucht es nur da ein Passwort.

  34. sparschaeler Juli 27, 2011 um 10:59 am

    @momorulez

    kritik ist nicht erwünscht, wenn ich die guten ratschläge an dich lese, was du in zukunft tun oder doch lieber gleich lassen solltest.

    das ganze endet irgendwo zwischen aussitzen und beschwichtigen oder abtun. trotz alledem eine sehr erhellende diskussion. ich bin wieder ein stück schlauer geworden 😉

  35. momorulez Juli 27, 2011 um 11:28 am

    @Jeky:

    Das kann natürlich sein …

    @Sparschaler:

    Ich glaube und hoffe, das das nicht so ist. Ich meine, hier geht es ja um ziemlich zentrale Komponenten des Vereinsselbstverständnisses. Normalerweise sind das die Empfindlichkeiten, die automatisch auftreten, je mehr man sich „auf der richtigen Seite glaubt“, desto intensiver ist die narzißtische Kränkung, die vor der Reflektion kommen im günstigen Fall. Wir haben trotz allem ein weit überdurchschnittliches Diskussionsniveau im Verein, und ich habe hier im Laufe der Jahre weit verständnislosere und derbere Reaktionen bei solchen Themen erhalten als die vom Frodo, die in manchen Hinsichten auch sehr souverän ist. In anderen nicht so. Und es gibt da ja gleichzeitig auch eine Denkoffenheit, die einem normalerweise eher nicht begegnet. Kann man ja auch mal fest halten.

  36. sparschaeler Juli 27, 2011 um 12:02 pm

    eine selbstreflektion kann ich zu zeit noch nicht entdecken und ich hege auch keine hoffnung diezbezüglich.
    in wirklichkeit möchte man doch gar nicht wissen mit wem man da so im stadion steht, denn ich glaube fest das stammtischparolen verbreiteter sind als man glauben möchte. gerade diese themen werden sich krampfhaft schöngeredet. für mich steht das alles auf ganz dünnem eis und jederzeit kann das ganze fragile gebilde des „wirsindsoanders“ einbrechen.
    um es mit einem bild zu verdeutlichen:
    der fcsp zug fährt seit geraumer zeit in eine falsche richtung, der eine teil der gäste ist es egal wo dieser zug endet, der andere , der sich mit dem anders sein schmückt, glaubt immer noch die richtung mitzubestimmen. bevor ich am ende irgendwo lande wo ich nie hin wollte, steig ich lieber rechtzeitig aus. Ich hoffe nur, das der katzenjammer für die weiterreisenden nicht zu groß sein wird, wenn der zug in der kommerziellen einöde stehen bleibt.
    am ende stellt sich die frage, warum wurde ein alptraum beschrieben in denen die beiden die hauptrolle spielen und nicht das viel wahrscheinlichere szenario einer immer mehr um sich greifende kommerzialisierung ?

    ein wahrer alptraum wäre ein sofortiger wiederaufstieg, denn diesen wird der verein nutzen alle register zu ziehen um einen verbleib unter den ersten 15 vereinen zu sichern.

    lieber zwei transen im präsidium als led werbung im stadion

  37. momorulez Juli 27, 2011 um 12:21 pm

    In der Diagnose sehe ich das ähnlich. Den Schluss habe ich noch nicht gezogen, obwohl ich noch nie so nah dran war wie bei Lektüre des 11-Freunde-Heftes. Das ja übrigens indirekt dem aktuellen Präsidium den Rücken stärkt – „lieber die als Lilo Wanders und Olivia Jones“.

    Und verblüffend finde ich, dass die Reaktion – mal gucken, ob wir jetzt noch reagieren – einigermaßen analog zu jener des Präsidiums bei den Sozialromantikern ausfällt 😀 … aber das kann sich ja noch ändern.

    Vielleicht erfolgt jetzt ja auch die Gegenkampagne á la Stenger, ich hoffe aber, dass das anders läuft. Es wurde zumindest nicht für Unsinn erklärt, dass ich mich aufrege. Das ist wirklich was anderes, als man sonst in solchen Fällen erlebt.

  38. jekylla Juli 27, 2011 um 1:07 pm

    Nun wird es diskutiert.
    http://www.stpauli-forum.de/viewtopic.php?p=3196142

    Ich sag jetzt mal nix mehr 😡

  39. janni Juli 27, 2011 um 1:58 pm

    Ich habe in den Kommentaren zum neuen Blogpost des ÜS nach einer Stellungnahme gefragt…

    Frodo hat daraufhin auf seinen Kommentar in diesem Thread verwiesen und wiederholt ein ‚offizielles Statement‘ für Freitag angekündigt…

  40. Mirco Juli 27, 2011 um 2:00 pm

    Hmm, vielleicht (und ich bin weder Mitarbeiter des Übersteiger oder ein „prominenter“ Blogger, noch in einem der bekannten Fanclubs organisiert) wird mit einer solchen Aussage Lilo Wanders oder Olivia Jones das kritisiert, wofür sie NEBEN ihrer sexuellen Ausrichtung stehen? Schon mal dran gedacht? Vielleicht ist die Nennung gerade dieser beiden Personen ein unglücklicher Zufall? Vielleicht stehen diese Personen für ein St. Pauli der „24-h-Reportage“, des Ausverkaufs des Stadtteils, der Gentrifizierung und des Ballermann-Feier-Pöbels. Vielleicht hätten es auch Inkasso-Henry und andere „Kiezprominenz“ getan. Vielleicht stehen die beiden für genau das, weshalb viele Corny nicht mochten. Und denen wars vermutlich überwiegend egal ob er schwul war. Für mich stehen speziell Jones und Littmann (Wanders tatsächlich weniger) dafür, unter dem Banner der Weltoffenheit eine schleichende und bedauerliche Stadtteil-Entwicklung auch noch zu beschleunigen, aus ihr Profit schlagen, sich dabei aber ganz subkulturell zu geben…..und daher finde ich die Aussage im 11F – wenn auch unbedacht in der Kombination – nicht so sehr abwegig. Sie ist unscharf und missverständlich, was sie vielleicht dumm macht, aber nicht bösartig.

    Zweifellos eine unglückliche Konstellation, aber die Motivation, warum ich jemandem ein „Klavier auf den Fuß haue“ macht sehr wohl einen Unterschied aus. Auch wenns weh tut, ist die Nachhaltigkeit des Schmerzes eine andere.

    Viele Grüße
    Mirco

  41. Fred Juli 27, 2011 um 2:06 pm

    Erstmal: Ich finde die im Blogeintrag geäußerte Kritik wichtig und richtig, obwohl ich bei der Lektüre des 11Freunde-Heftchens die Alptraum-Beschreibung des ÜS sofort so verstanden habe, wie Frodo sie auch verstanden haben wollte. Vll war ich aber auch zu verärgert über die Blödheit des „Fussballfan-Sprachrohrs“ 11Freunde, im selben Artikel nicht zu checken, wer „die Region“ ist, um weitergehend über die ÜS-Vision nachzudenken. Jedenfalls finde ich solche leicht polemischen Kritiken wie die von momorulez immer ganz interessant, weil sie Diskussionen vorantreiben können, was ich gerade in der jetzigen Phase des „Diskurses“ innerhalb der FCSP-Fanszene, der in Heimatschutzphrasen abzugleiten droht, für weiterführend halte.
    Natürlich kommt jetzt das aber: Ich bin mal gespannt, wie die Diskussion sich so entwickelt, denn irgendwo kommt (für mich) der Punkt, an dem das Ganze nicht mehr zielführend ist, um es mal mit deinen eigenen Worten zu sagen momo: „Normalerweise sind das die Empfindlichkeiten, die automatisch auftreten, je mehr man sich „auf der richtigen Seite glaubt“, desto intensiver ist die narzißtische Kränkung, die vor der Reflektion kommen im günstigen Fall.“ Die Gefahr besteht natürlich auf beiden Seiten. Immerhin erkennst du ja an, dass deine Kritik (zumindest von einigen) ernstgenommen wird. Ich hoffe mal, du verlierst dich nicht zu sehr darin, über „Machtfragen“ und Szenevorherrschaft nachzudenken sowie nach Satzbruchstücken zu suchen, die deine negativen Erwartungen bzgl. ÜS-Reaktion erfüllen. Dass du ansonsten von vielen als beleidigte Leberwurst oder gar Spinner abgestempelt werden dürftest, wird dir (zurecht) egal sein; aber die sich hier im Dialog mit sparschläer andeutende „Wir sind euch im denken schon so weit voraus, dass wir kein Bock mehr haben, zu warten, bis ihr es auch endlich kapiert“-Haltung hat für mich dann auch mehr mit intellektuellem Schwanzvergleich zu tun als mit dem Willen, etwas in eine bestimmte Richtung zu bewegen.

  42. momorulez Juli 27, 2011 um 2:15 pm

    @Jeky:

    Na ja, das kommt da immer als erstes, übrigens auch der Verweis auf Tucholsky. Wenn man dann mit Witzen über weiße, deutsche Heteros kontert, finden die das an irgendeinem Punkt meistens nicht mehr lustig.

    Das sind übrigens genau die Reaktionen, die Frodo sich verkniffen hat und wohl auch nicht als Haltung einnehmen würde, die aber die üblichen sind, wenn man sich zu Themen wie Transphobie, Homophobie, Sexismus oder Rassismus äußert. Alleine schon als „gequirlte Scheiße“ zu bezeichnen, was andere schreiben, zeigt einfach nur die Haltung anderen Personen gegenüber, die einfach nur von einem ziemlich menschenverachtenden Weltbild zeugt.

    Ebenso das Herunterspielen dessen, dass es sich um zwei Transvestiten handelt. Dass das ja gar keine Rolle spiele, ist dann der ewige Konter, auch in Sexismus-Diskussionen. Und als nächstes kommt, man wolle irgendwen in irgendeine Ecke stellen, es seien ja nicht alle so und man würde seine Minderheitenposition instrumentalisieren, um irgendwen moralisch zu erpressen. Bei Rassismus-Diskussionen kommt meistens zuerst, dass das gar keiner sei, weil Weiße so gewohnt sind, über dergleichen zu bestimmen, wann es sich um welchen handelt und wann nicht, dass sie als erstes signalisieren, dass das gefälligst so bleiben solle. Hier nun also: Was transphob ist, bestimme ich, aber doch nicht die Schwuppe da.

    Statt „Alarmismus“ steht dann da normalerweise „hysterisch“, was ein Klassiker in der Diskreditierung von Frauen ist. ist mir neulich auch passiert, habe ich nach Hinweis gleich gelöscht.

    In den Kommentarsektionen feministischer Blogs geht es dann meistens noch’n Zacken schärfer zu. Möchte nicht wissen, was da stünde, wenn ich mich selbst als Transe bezeichnet hätte. War leider nie mein Style. Welche Effekte solche Texte auf potenziell Betroffene haben, ist ja gut untersucht – das spürt man körperlich. Habe ich Samstag bei der Lektüre erleben dürfen. Ich musste sogar schreiben, um mich wieder als Subjekt, nicht als Objekt zu spüren.

    Aber da ich dieses Forum nicht als Querschnitt der Fanszene betrachte, harre ich mal der institutionellen Ordnung des Übersteigers. Ist ja alles nicht so wichtig.

  43. momorulez Juli 27, 2011 um 2:41 pm

    @Janni:

    Ja, hatte ich gelesen und mich gefreut, dass Du das angemahnt hast! Die Antwort auf Dich ist nur kurioserweise wieder gelöscht.

    @Mirco:

    So, wie Du das formulierst, kann man das ja diskutieren und geht für mich dann auch in die richtige Richtung. In dem Kontext kann man vielleicht, ich sehe das anders, auch Olivia Jones kritisieren. Bei Lilo Wanders sehe ich das wie Du völlig anders: Die kommt aus einer Phase der Schwulenbewegung, wo die ganze „Tunten“-Nummer als Selbstbezeichnung völlig anders konnotiert war, und nicht umsonst ging damals „Brühwarm“ mit Ton Steine Scherben auf Tour. Und das, was zunächst in „Schmidt“ und Schmidts Tivoli abging, war hochambitioniert und hat sehr viel zu dem Wandel des Viertels, von dem auch der FC St. Pauli ab Mitte der 80er profitierte, beigetragen. Ich war dabei 😉 … man kann das immer als erste Stufe der Gentrifzierung betrachten, klar, das war die Hafenstraße dann aber auch, weil die u.a. trendy war. Furchtbares Paradox.

    Hätten da jetzt eindeutig dem Gentrifzierungskontext zugehörige Namen gestanden, hätte ich mich ja nicht aufgeregt. So ist die Bedeutungskette für mich aber schon noch mal anders gebaut. Und da bin ich ja froh, wenn man zuhört und nachzuvollziehen versucht, wie ich darauf komme. Für mich war das echt ein Tritt in die Eier; alleine das schon mal zu akzeptieren, ist ja schon ein Riesenschritt.

    Egal ist da ja nie, ob jemand schwul ist; ich hoffe aber, deutlich gemacht zu haben, dass ich sehr viele der Kritik an Corny sehr nachvollziehbar finde, wenn ich auch nicht alles, aber vieles teile. Es kam trotzdem vor, dass sich homophobe Untertöne einschlichen, und das hat mich damals tatsächlich fertig gemacht. Und vielleicht kann man das im Nachhinein sogar besser diskutieren als damals, wo er Weltmeister darin war, anderen auf den Schlips zu treten.

  44. momorulez Juli 27, 2011 um 2:50 pm

    @Fred:

    Ich gebe ja gerne zu, dass ich als Typ mich gerne alle Nase lang auf intellektuellen Schwanzvergleich einlasse und das nicht immer gut ist, ja. Aber mir geht es wirklich darum:

    „Jedenfalls finde ich solche leicht polemischen Kritiken wie die von momorulez immer ganz interessant, weil sie Diskussionen vorantreiben können, was ich gerade in der jetzigen Phase des „Diskurses“ innerhalb der FCSP-Fanszene, der in Heimatschutzphrasen abzugleiten droht, für weiterführend halte.

    Ich finde, dass die Antirassismus, Antirassismus und mit Abstrichen Antisexismus-Arbeit bei uns stagniert ist, glaube, dass auch deshalb so ein Faux-Pas im 11-Freunde-Heft passiert ist und hätte das im Sinne des Vereins gerne auf ein neues Niveau gehoben, dass wir da wieder Avantgarde werden im deutschen Fussball.

    Um Machtfragen geht es mir nur und ausschließlich in der Hinsicht, dass ich nicht will, dass „Mehrheitsgesellschaftler“ die ihre über Schwule und Schwarze ausüben und Männer nicht über Frauen. Ich gehöre zu keiner Gruppierung, meine Kontakte sind, glaube ich, eher ungewöhnlich breit gestreut, habe mich schon mit Jeky gefetzt bis aus Blut, mag die Ultras, habe Kontakte zur „Breiten Masse“ ebenso wie zum Domschänkenbetreiber, sitze auf der Haupttribüne und habe gerade erst mit dem Kleinen Tod einen Fanclub mit dem Motto „Alle Ziele, alle Richtungen und keiner kommt an“ gegründet, weil wir über keinerlei Programmatik verfügen. Ich strebe kein Vereinsamt an, sehe aber nicht ein, dass ich nun meine Schnauze halte, nur weil es sich um den Übersteiger handelt. Frodo kennt mich auch persönlich.

  45. momorulez Juli 27, 2011 um 2:52 pm

    Ach so, und danke an alle, dass so eine Bereitschaft besteht, das Thema ernsthaft zu diskutieren!!! Nach den ersten eineinhalb Seiten Forum dachte ich ja schon wieder „Nein …. schluchz …“, deshalb diskutiere ich da auch nicht, aber das hier macht ja Mut!

  46. Fred Juli 27, 2011 um 3:40 pm

    @momo: Du kriegst meine volle Unterstützung bei der Zielsetzung, wieder die „politische Avantgarde“ im deutschen Fussball zu werden, da sehe ich z.B. Teile der Bremer Fanszene mit ihren Aktionen gegen Rassismus und Homophobie sowie dem Austritt aus dem Alerta-Netzwerk mit entsprechender Begründung viel weiter. Ich weiß nicht, ob das „in unseren Reihen“ Stagnation ist, auf jeden Fall ruhen sich viele Leute auf dem Ruf der Szene aus, und über halbherzigen Antirassismus geht das Denken nicht hinaus.

  47. momorulez Juli 27, 2011 um 3:50 pm

    Ja, sehe ich auch so. Vielleicht kriegen wir ja mit sogar mit dem Übersteiger z.B. in diesem Fall die Kurve. Das wäre ein Traum. Warum nicht zusammen in 11 Freunde einen Transen-Artikel initiieren und einen Schwerpunkt im Übersteiger-Heft? Bei gleichzeitiger Kritik der de facto Transvestiten-Veraschung bei den unsäglichen Junggesellenabschieden, die den Kiez zumüllen, wenn die sich karrikierend aufbrezeln, bevor sie dann brav in den Hafen der Ehe einfahren (die als Lebensform ja jedem gegönnt sei, der das mag)?

    Das geht aber für mich nur, wenn erst mal dieser Mist da oben aus der Welt ist. Und den kann ich ja nicht stellvertretend aus dem Weg räumen. Das ist auch mit einem Leserbrief echt nicht erledigt.

    Da ist jetzt der Übersteiger am Zuge. Im Sinne dieser gemeinsamen Zielsetzung.

  48. sparschaeler Juli 27, 2011 um 3:51 pm

    nun stehen die beiden bereits für gentrifizierung und die ballermannveranstaltungen in dem viertel. die genehmigungen erteilt doch immer noch die stadt, wenn ich mich nicht irre. das passiert wenn man sein stadtteilwissen nur aus 24std reportagen im privatfernsehen speist.

    wenn nun jedes noch so billige argument aus dem hut gezaubert wird oder tatsachen verdreht werden um den übersteiger bock zu entschuldigen, sollte man die diskussion lieber früher als später beenden.

  49. momorulez Juli 27, 2011 um 4:03 pm

    @Sparschaeler:

    Ich glaube, das gibt eine Verstehensweise wieder, die sehr auf Symbolfiguren abzielt, und wenig an den ökonomischen Strukturen rührt. Die Du vor Ort auch viel intensiver erlebst, diese Strukturen. Und dass sich gerade in letzter Zeit homophobe Ressentiments, die ich keinem der hier gerade diskutiert habenden unterstellen würde, in die Gentrifizierungsdiskussion eingeschlichen haben, das ist mir schon häufiger aufgefallen. War ja auch ein Anlass des obigen Textes: Der Affekt gegen das Schrille, Bunte, kombiniert mit jenem gegen die angeblich besserverdienenden, schwulen Singles, die aufrechten Vätern und deren Familien die Wohnung weg nehmen, die ist ja auch mittlerweile gängig. In Hamburg aber eher auf St. Georg, wo man Schwule gegen „Migranten“ ausspielt.

    Ich finde die Auswahl des Übersteigers ja auch ungemindert skandalös, gerade auch WEIL sie nicht reflektiert hat, dass das zwei zumindest in der Öffentlichkeit als Transvestiten Auftretende nun mal sind. Wobei übrigens zu erwähnen ist, dass die Sex-Meile nun auch einst ein wirksames Mittel gegen Gentrifzierung war 😀 – im Rotlichtbezirk leben, igittigitt.

    Und Olivia Jones tut auf ihre Art viel für den Kiez, was mit Gentrifzierung gar nichts zu tun hat, die wandelt ja nicht Quartiere in Luxuswohnungen um meines Wissens. Und dass es da noch andere, widerständige Formen gibt als die Punkrockkneipe, und, wie hieß es eben so schön, „Heimatschutzverein“ 😀 , das scheint tatsächlich aus dem Bewusstsein völlig verschwunden zu sein. Was mich ja auch wahnsinnig macht, aber das zumindest kann man ja ändern.

    Ich finde die Diskussion hier gerade sehr gut. Auch, dass Du da bist 😉 …

  50. goodsoul Juli 27, 2011 um 4:09 pm

    Die Intention der ÜS-Aussage kann man noch nachvollziehen. Warum ausgerechnet die beiden genannten Personen herhalten mussten, um einen Alptraum zu beschreiben erschließt sich mir auch nicht wirklich. Ich tippe man dachte, dies seien zwei „Kiez“-Personen, die deutschlandweit bekannt sind (wofür auch immer).

    Und daraus eine Debatte zu entfachen, ob der Übersteiger homo-/transphob ist, ist auf jeden Fall interessant.

    Manchmal wäre ich auch gerne so intellektuell, um mir solche Fragen denkend zu beantworten. Aber ich bekomme es einfach nicht hin. Dazu sind Gedanken irgendwie viel zu irreführend. Mein Gefühl hingegen hat sofort eine Antwort parat. Eine ziemlich subjektive Antwort zugegebener Weise. Aber als Subjekt auch nicht weiter verwunderlich.

    PS: Ich bin weiß und heterosexuell. Diese Eigenschaften scheinen hier immer wieder ein wichtiges Indiz zu sein (wofür auch immer).

  51. momorulez Juli 27, 2011 um 4:16 pm

    Dass die ein Indiz sind, merken immer die, die es nicht sind 😉 … und liest sich auch immer so blöd, aber das, was mir zu Recht als Tendenz zum intellektuellen Schwanzvergleich angelastet wird, habe ich mir ursprünglich zur Selbstverteidigung gegen homophobe Attacken angeeignet – ich war in Fussball und Prügeleien nicht so gut. Aber auch, um zu verstehen, welche gesellschaftlichen Kräfte auf mich und mein Art zu leben wirken.

  52. vuvuzela // riotqueer Juli 27, 2011 um 4:39 pm

    Als ehemaliger ‚St.Pauli-forum‘ Diskutant, der/die immer unverständliches Zeugs geschrieben hat und etwaig auch zu ‚offenen‘ Hetz-Tiraden einlud, die immer auf irgendwas zurück geführt wurden, was als Prinzip und Anfang von ‚Inkrimination‘ gesehen werden muss, finde ich diesen Beitrag in soweit zutreffend, als das dieser diese ‚Männer-Dominanz‘ und ‚Kommerzialisierung‘ -ohne- weitere Fragen (Saison-Etat um die 12 Millionen €uro),..eh zutiefst fragwürdig finde und deshalb den ‚weißen-mittelschichts-Hetero-Linken‘ nix böses will – aber Fragen wie diese müssen erlaubt sein.

  53. momorulez Juli 27, 2011 um 4:45 pm

    Als „riotqueer“ kenne ich Dich da sogar noch, lesend – fand immer gut, was Du geschrieben hast.

    Ich will denen auch nix Böses, ich wünsche mir, dass sie aufwachen 😉 …

  54. Eva Juli 27, 2011 um 4:51 pm

    Du wünschst dir das sie aufwachen ?
    Meine Güte, immer schön die Nase oben, was ?
    Ich könnte kotzen. Übrigens: Wer Männer in Homos und Heteros einteilt und nicht in Menschen muß eigentlich einen an der Waffel haben.

  55. momorulez Juli 27, 2011 um 4:59 pm

    Ach, Dankeschön, liebe Eva, dass das Zurückweisen homophober und transphober Klischees als „Nase hoch“ deutest und findest, ich solle mich dem brav fügen. Ja, so was meinte ich.

    Die Aufteilung in Homos und Hetero wird übrigens nicht von mir vor genommen, ich wurde da einsortiert, nicht freiwillig, und bin den ganzen Tag umgeben von lustigen Prädikaten wie „Arschficker“, „Schwanzlutscher“, „das ist mir zu schwul“ und dergleichen. Das allerdings am Millerntor eher selten. Kommt aber vor. Würde ich mich nun ganz liberal darüber erheben, würden die immer noch mich meinen.

    Freut mich aber, dass Du Wut los wurdest, auch für so was sind Kommentarsektionen ja da. Kotz ruhig.

  56. vuvuzela//riotqueer Juli 27, 2011 um 5:16 pm

    Ich bin für mehr ‚queer-feministische‘ Strukturen innerhalb der Supporter-Szene um den Verein des Herzens in ganzem, postfaschistischen Europa.
    Es ist ja jetzt schon lächerlich, wenn die Prüderie der ’neu‘ hinzu gezogenen, sich innerhalb von einem Semester in ein Rock’n Roll-Tattoo-Monster verwandelt und meint die Weisheit mit Löffeln des ach so ‚unpaulitischen‘-Millerntores, gefressen zu haben.

    Den wissenschaftlichen Ansprüchen und Theorien innerhalb der Linken am Millerntor (ja richtig, es gibt auch ‚rechts‘ bis ‚rechtsradikal‘ dort) sollte deren Ausschluss-Kriterien doch hart an der Grenze zu alt-ehrwürdigen Demarkations-Linien, wie Fanbeauftrager Brux und Konsorten mit ‚Ultras‘ damals und heute reflektieren usw. usf.

    Im Grunde interessiert mich der Support um ‚OZ‘ ein wenig mehr, als ‚körper-politische Flächen‘ jetzt scheinbar lassen wollen.

    Viel Kraft und auch Liebe zum Verein des Herzens,…

  57. Eva Juli 27, 2011 um 5:21 pm

    Es gibt halt Leute die meinen wenn ich Westerwelle nicht leiden kann bin ich homophob. Wenn ich Olivia Jones nicht mag entsprechend transphob, Momo solche verbohrten Leute gibt es, was ?
    Übrigens; Wer so einen Blog macht – ist ja auch ein klein wenig egozentrisch – und selber zugibt das er gerne den intelektuellen schwanzvergleich ( Vorsicht: Sexismus! ) gewinnen will, muss sich nicht wundern wenn die Kommentarfunktion von ( Natürlich! ) geistig unterlegenen genutzt wird…

  58. momorulez Juli 27, 2011 um 5:36 pm

    Also, ich wüsste jetzt nicht, wo ich mich beschwert hätte, dass Du die Kommentarfunktion nutzt, weiß aber nicht, was an einem Blog nun egozentrisch ist. Sollte man nur in Gruppen bloggen?

    Ich mag Westerwelle auch nicht. Es gab da Homophobes in der Kritik an ihm, aber der ließ nun weiß Gott noch genug Raum für allerlei sonstige harsche, ganz außerordentlich zutreffende Kritik, wie Corny ja auch. Persönlich empfinde ich den als Kotzbrocken. Den Westerwelle, den Corny nicht.

    Und hätte da nun nur Olivia Jones und nicht auch noch Lilo gestanden, nicht „Alptraum“ vorweg und hinten dran diese Halbwelt-Vorstellungen, hätte ich diesen Text auch nicht geschrieben. Natürlich muss man Olivia Jones nicht mögen, warum auch? Aber gleich davon als „Alptraum“, also etwas, was mit Ängsten zu tun hat, zu schreiben … also, der Weg von Angst zu -phob ist so weit nun wirklich nicht.

    Ich wüsste jetzt auch nicht, wo ich wem auch immer „geistige Unterlegenheit“ diagnostiziert hätte. Das sind doch eher sprachliche Fragen, wo meine Art, mich auszudrücken, nun keineswegs irgendeine andere Art abwertet. Du hast eine prima direkte Art. Komme ich gut mit klar. Muss nun aber nicht alles toll finden, was Du schreibst.

    Ich bin übrigens gleich beim Zahnarzt und kann deshalb vorüber gehend Kommentare nicht frei schalten.

  59. Eva Juli 27, 2011 um 5:44 pm

    Na dann könnte Mensch doch vielleicht auf die Idee kommen das die Nennung der o.g. Personen nicht homophober Natur entspricht, sondern eventuell ganz vielleicht einen anderen Hintergrund hat !?

  60. Eva Juli 27, 2011 um 5:45 pm

    Edit: Sorry ich meinte transphober Natur..

  61. momorulez Juli 27, 2011 um 6:23 pm

    Nein, dazu sind die verwendeten Stereotype zu eindeutig. Die funktionieren ja unabhängig von Absichten, die jemand verfolgt. Und wenn ich mir was wünschen dürfte, dann wäre das mehr Sensibilität für Klischees und Abwertungen durch Mehrheitsgesellschaftler als Aufregung darüber, dass jemand auf sie hinweist. Wo dann ja die dollsten Sachen zu den wahren Absichten formuliert werden. Was in dieser Diskussion hier ja insgesamt ganz gut klappt. Im Forum nur zum Teil.

  62. momorulez Juli 27, 2011 um 7:59 pm

    Gott, jetzt antworte ich hier auf das Forum, der Punkt ist aber wichtig: Meine Begrifflichkeit ist die, dass transsexuell jene sind, die den falschen Körper abbekommen haben, und eine Operation/Hormonbehandlung anstreben, Transvestiten sind jene, die sich den Bekleidungsnormen des „anderen Geschlechts“ entsprechend kleiden wollen. Es sind jeweils keine Aussagen über die „sexuelle Orientierung“ da impliziert, es gibt auch „Heterosexuelle“, die sich gerne als „Frauen“ anziehen. Was in Partnerschaften echt zu Dramen führen kann.

    Wenn ich schreibe „die sich in der Öffentlichkeit als Transvestiten präsentieren“, heißt das wiederum nicht, das die beiden das auch tun. Bezug genommen und als Alptraum in der Präsidentenrolle angesehen hat der Übersteiger Lilo Wanders, das ist eine Rolle neben anderen von Ernie Reinhardt, ich habe ihn auch als Gloria Mundi und Nachtkrankenschwester gesehen, aber auch ohne Fummel (und sogar mal mit ihm getanzt! In der Wunderbar!), Olivia Jones betrachte ich auch Künstlername und Name für die Rolle.

    Transphob, also diese z.B. in Machtpositionen beim FC St. Pauli und das als DEN Alptraum kommender Saison zu erleben, bezieht sich auf alle „invertierten“, furchtbares Wort, so hat man mich früher auch genannt, also den „geschlechtsspezifischen“ Bekleidungsnormen nicht Anpassenden, die zudem auch noch ein in unserer Kultur so definiertes „feminines“ Verhalten an den Tage legen. Da ist dann in meiner Terminologie schnurz, ob transsexuell oder Transvestit. Hatte das auch so gegoogelt, zur Sicherheit noch mal.

    Gendertheoretisch wird das völlig kompliziert; es gibt harsche Kritik, nicht zufällig, von Transsexuellen, die sich durch diese verarscht fühlen.

    Es gibt auch irgendeine weitere Ausdifferenzierung, die fällt mir jetzt auch gerade nicht ein.

  63. Sir Rondo Juli 27, 2011 um 8:09 pm

    Wenn ich mir die Antwort des Übersteigers auf die 11Freunde Frage und diesen Block anschaue, dann fällt mir nur eins ein. Transphob ist derjenige, der die Nennung von Personen, die St. Pauli im Außenbild so stark prägen, reflexartig auf ihre sexuelle Ausrichtung bezieht.

  64. momorulez Juli 27, 2011 um 8:31 pm

    Ja, und die wahren Rassisten sind immer die Schwarzen. Du hast Dir ja noch nicht mal die Mühe gemacht, den letzten Kommentar zu lesen. Wolltest einfach mal was sagen, gelle? Zudem ich mich frage, wieso man nun unbedingt als Mitglied des FC St. Pauli den Stadtteil St. Pauli prägende Persönlichkeiten als Alptraum empfindet. Dann kann man ja auch zum HSV gehen. Oder sonstwohin. Scheiß auf die Vereinssatzung.

    Die sexuelle Orientierung kommt nur indirekt ins Spiel – Homophobie funktioniert oft über die Zuschreibung weiblicher Attribute an schwule Männer, was auch oft eine frauenfeindliche Komponente enthält. Und über das Behaupten von nicht echt, irgendwie unnatürlich, Künstlichkeit und Halbwelthaftigkeit, Milieu, schrill. Steht alles schon im Eintrag. Liest nur kaum wer.

    Was Dich vermutlich alles gar nicht interessiert.

  65. Sir Rondo Juli 27, 2011 um 8:49 pm

    Zur sexuellen Orientierung: Vermutlich ein falscher Begriff von mir an der Stelle, ist richtig. Spielt aber auch gar nicht die entscheidene Rolle. Ebenfalls ist richtig, dass ich nicht alle Kommentare hier gelesen habe (yeah, war ja klar!). Aber halt mich für bescheuert, als ich das Sonderheft gelesen habe, habe ich nicht im geringsten darüber nachgedacht ob Olivia Jones ein Transvestit ist. Weil ess halt nichts mit ihrer Erwähnung zu tun hat. Dort wurden Klischees gesammelt aufgegriffen. Aber die Gesellschaft hat doch Phobien gegen Minderheiten erst überwunden, wenn diese als Normal hingenommen werden. Und Normal bedeutet für mich, dass bei der Nennung einer Person, die einer Minderheit angehört, eben nicht automatisch an die Ursache der Minderheitenzuordnung gedacht wird.

    Und ob man als Mitglied des FC St. Pauli alles toll und hipp finden soll, was St. Pauli für Außenstehende ausmacht, darüber gehen die Meinungen nunmal stark auseinander. Und der Übersteiger findet vieles da einfach nicht toll und hipp, würd ich mal sagen. Und das durchaus begründet. Und dein HSV-Argument zieht doch nur, wenn man St. Pauli ausschließlich anhand seiner Klischees kennt. Aber für viele Anhänger ist es einfach viel mehr und oft was ganz anderes!

  66. vuvuzela//riotqueer Juli 27, 2011 um 9:07 pm

    Tja ja, wenn (man(n) in Defizit des ‚anderen‘ eigene Unzulänglichkeiten fest machen versucht, ist der _Ismus nicht mehr fern und die Theorie bekommt die näxte Penetration ab.

    Einfach nur ‚abscheulich‘ was sich im St.Pauli-Forum für ein Mittelstand breit macht.

  67. momorulez Juli 27, 2011 um 9:11 pm

    @Sir Rondo:

    Na ja, angesichts dessen, dass ich seit 1987 sehr nah an St. Pauli wohne und seit 10 Jahren fast jedes Heimspiel am Millerntor gesehen habe, ist mir letzteres schon klar. Für mich gehören die beiden aber AUCH dazu. Ich kann da keine Alptraumhaftigkeit erkennen.

    Und ich fände ja schön, wenn das so wäre, dass das alles gar keine Rolle spielt, ob Männer nun wie Frauen rum laufen oder auch nicht. So weit sind wir aber noch lange nicht, und hier sind gleich zwei, deren Bühnen- und Fernsehrolle Transvestit ist, in einem Atemzug mit „Alptraum – Beate Uhse – Astra-Spritze“ als „Klischee“ aufgeführt, gegen das man sich behaupten müsse. Das ist schon harter Tobak. Das ist mehr als unglücklich formuliert, das ist ein diskreditierendes Gesamtbild. Was den beiden vielleicht am Arsch vorbei ginge, mir aber nicht. Ernies Programme sind ein sehr wichtiger Teil meiner Biographie, dieser Humor, diese Selbstironie, dieses Lachen über sich selbst – aber gleichzeitig auch der politische Anspruch, der in der Wehrhaftigkeit und ja auch Angriffslust ihrer frühen Bühnenrollen lag. Dieses seine Lebensform offensiv leben. .Insofern bin ich dann eben auch schrilles St. Pauli-Klischee, das überwunden gehört. Deshalb: Wenn das meistgelesene Fanzine das als alptraumhaft empfindet, habe ich im Stadion nichts mehr zu suchen, ist es kein Safe Place mehr.

    Ich war nie so mutig wie Olivia, Corny oder Lilo Wanders, aber was die auf die Bühne gebracht haben, hat mir wenigstens ein bißchen Mut gemacht. 13 Mal habe ich „Beiß mich, ich will das Leben spüren gesehen“. War die schönste Zeit meines Lebens, nicht nur deshalb, aber auch. Dann habe ich eben ein „Freudenhaus“-Klischee gelebt. Zum Glück 😀 – man spürt da ja doch auch immer gewissen Neid durch auf die, die sich das erlaubt haben. Wenigstens zeitweise.

    In utopischer Perspektive bin ich ganz bei Dir.

  68. vuvuzela//riotqueer Juli 27, 2011 um 9:17 pm

    Meine schönste Beziehung aus St.Pauli nahm im Schmidt’s den Anfang, mit Jane ‚Minx‘ Graham eine dekonstruierende Bias aus Romantik uns Sex gehabt….mit all den progressiven Hoffnungen die dieser Kern des ‚actor_ism‘ auch in die Ästhetik des ‚Performativen‘ hinaus verkörpert.

    Jetzt wohne ich in Bramfeld und gut:)

    Kompliment für deinen Blog,…weiter so….

  69. momorulez Juli 27, 2011 um 9:22 pm

    @riotqueer:

    Ich bekenne ja, auch nicht jedem Deiner Gedanken folgen zu können, aber wie da zum Teil diskutiert wird, das ist tatsächlich erstaunlich – diese extreme, nur auf Abwehr gedrillte Bürgerlichkeit. Formalökonomisch bin ich ja auch Mittelstand.

  70. momorulez Juli 27, 2011 um 9:25 pm

    @riotqueer:

    Dankeschön!

    Bei mir war es die Theke in Schmidt’s Tivoli, wo die durchgreifendste Erfahrung mit einem der Saaldienst-Mitarbeiter 😀 seinen Anfang nahm. Ist lange her, war aber derart intensiv, da habe ich mich Jahre nicht erholt davon. Und will es nicht missen.

  71. Sonnenstrahl Juli 27, 2011 um 9:45 pm

    Nachahmungstäter! Wie war es denn so beim Zahnarzt?

  72. Loellie Juli 27, 2011 um 9:56 pm

    Ich finde das jetzt aber schon gemein von dir, wie du den armen Kerl da oben angehst. Einen „Hetero“, der bei Alptraum als erstes an zwei Transen denkt, sollte man ermutigen zu sich zu stehn. Du hast wirklich keine Ahnung was das für Dramen sind, wenn der Fortpflanzer nach dem zweiten Kind merkt, dass er jetzt lieber derjenige wäre, der die Seidenstrümpfe trägt und sich auf den Bauch dreht um zu harren, der Dinge die da kommen.
    Und dann gleich zwei! tststststs …

    Dann geh‘ doch rüber!
    Wurde da etwa eine ganze Generation schwäbischer Studenten mit vorgehaltener Waffe ins Exil gezwungen? Ich mein, ich kenn St. Pauli nu nicht, aber da wo ich immer war, wars ja auch immer Schrill und Bunt. War es!
    Man kann halt auch wieder wegziehen, wenns einem da, wo man hingezogen ist nicht mehr gefällt und das, weshalb man wohin gezogen ist jetzt nervt. Oder dürfen Schwaben nicht mehr aus dem Exil nach Hause zurückkehren?
    Ich frag ja nur.

  73. momorulez Juli 27, 2011 um 10:02 pm

    Nachahmungstäter? Du auch mit Saaldienstmitarbeiter im Tivoli? Oder warst Du der Saaldienstmitarbeiter? 😉

    Teuer wird es. Das ist teils kosmetisch, und ich habe da richtig drauf gespart, mir das leisten zu können und mache es nun endlich. Raucherfolgen 😉 … ich vertiefe das jetzt nicht.

    Und gerade Zahnarztbesuche sind ja diese Momente, wo man seine Privilegien als Nicht-Hartz IVler dann eben doch merkt, weil man über die Kassenleistung hinaus gehendes, die teuren, „medizinisch nicht notwendigen“ Geschichten, machen lassen kann. Und die sehr nett sind, wenn sie hören, dass es nicht über die Versicherung geht. Was grob unfair ist. Heute haben wir nur geplant.

    Was auf irgendeine verdrehte Art zum Eintrag oben passt. Weil eben nicht solche Fragen bei der Gentrifizierungsthematik gestellt werden, sondern stattdessen Lilo und Olivia her halten müssen. Alptraum: Zu viele Vereinsaustritte wegen Hartz IV! Keine Sozialwohnungen in den „Tanzenden Türmen“! Fortschreitende Gentrifizierung im Stadion: Zu viel teurer Zahnersatz bei Haupttribünensitzern! Wasweißich. Irgendwas, was politisches Bewusstsein zeigt.

    Und da sage noch einer, das Private sei nicht politisch – gerade Zahnarztbesuche SIND ein Politikum.

  74. Sonnenstrahl Juli 27, 2011 um 10:04 pm

    Nein, derlei nicht. Ich war gestern beim Zahnarzt. Aua.

  75. momorulez Juli 27, 2011 um 10:11 pm

    @Loellie:

    😀

    Das Schlimme ist ja: Ich frag mich das alles auch und weiß trotzdem keine Antwort. Nur, dass wir, siehe Vuvuzela/Riotqueers Anmerkungen, tatsächlich eine derart massive Verbürgerlichung im Stadion haben, dass es atemberaubend ist. 2001/2002 sang noch die Gegengerade „Ede in den Puff!“ zu Ede Geyer, weil der gesagt hatte, seine Spieler hätten gesoffen und geraucht wie die Huren auf St. Pauli. Das Publikum solidarisierte sich mit zwei Dominas, die ihm irgendetwas empört überreichten. Aber nicht aus Affekt gegen Saufen und Rauchen 😉

    Und nu? Ist Lilo Wanders ein Alptraum. Und Olivia gleich mit. Und Astra in Spritzen. Und der Dildo von Beate Uhse, der manch einem echt mal ganz gut tun würde. Oder die Peitsche.

  76. Sonnenstrahl Juli 27, 2011 um 10:16 pm

    Mein Zahnarzt privilegiert mich. Er rettet mir jeden Zahn, mag dieser noch so angefault sein. Der aktuelle Zahn bekam eine letzte Wochen eine Antibiotikabehandlung, gestern wurde das Restkaries ausgefräst, der Zahn gespült und mit einer zweiten Antibiotikabehandlung versorgt. Nächste Woche kommt die Füllung rein. Er lässt sogar die Zahnwurzel intakt, weil er die Chance sah, den Zahn auszuheilen. So etwas macht kein anderer Zahnarzt, den ich kenne. Dieser Zahnarzt ist ein begnadeter Zahnerhaltungskünstler. Er verzichtet auf Verdienstmöglichkeiten und hält den Großteil seiner Kollegen für geldgeile Charlatane. Als HartzIVler bekomme ich bei ihm Sondertarife. Zahnwurzelbehandlung je nach meiner Kassenlage zwischen 15 bis 40 Euro. Alles andere rechnet er über die Kasse ab, auch die etwas teureren Kunststofffüllungen.

    Er macht sogar kostenlose kosmetische Behandlungen bei mir. Vor zwei Monaten verspachtelte er vier ausgesprochen braun angelaufene Zahnhälse bei mir mit Kunsstoff. Ich habe jetzt dank seiner Bemühungen ein echtes Zahnpastawerbungslächeln.

    Politisch ist er ein Konservativer. Wir mögen uns trotzdem.

  77. momorulez Juli 27, 2011 um 10:16 pm

    @Sonnenstrahl:

    Oh. Du Armer.Bei mir war heute alles harmlos. Das legt sich aber Dienstag.

    War jetzt aber ein guter Aufhänger für die Gesundheitskostendebatte 😉 …

  78. vuvuzela//riotqueer Juli 27, 2011 um 10:20 pm

    Im Grunde artikuliert sich die Phobie der Lächerlichkeit‘ gegenüber ‚AsA‘,..der ja auch gerne den Chimp vor dem Champ wörtlich nahm.
    Was aber verwundert ist die Tatsache, das diese ‚verarsche‘ von Schülern und Studenten aus dem bürgerlichen Mittelstand sich nicht nur in der Kommerzialisierung festmachen tut, auch weitere Aggressionspotentiale als ‚militante Politik‘ zu verkaufen, ob nun ‚autonomer Rotflorist‘, Bauwagenbewohner_in‘ ..oder auch ‚AN‘ – (über 15ooo COPS und andere Staatsbedienstete schweige ich,..da im Prozess), sollte der Verein sich dem Garanten und Pflegebedürftigen Brillenglas verschreiben, das die oben erörterten Beispiele der Abwertung des Beneideten und jene der Aneignung des Beneideten, in den der ‚Faschismus in Europa‘ eine überlegende Position zugeschrieben wird, …haben ebenso die Funktion (als kritischer Mann), in der beneideten Person selbst Neid zu wecken.

    Wenn die beneidete Person dazu gebracht werden kann, ihrerseits neidisch zu sein, kann das eigene Unterlegenheitsgefühl erfolgreicher verdrängt werden.

    Insofern ist der Verein, nach einer schwachen (kultigen Kommerz-Saison) in diese kulturelle Abwehr von Niederlagen dann erfolgreich, wenn ein Zustand erreicht würde – in dem sich der Neid „verdreht“ hat / hätte. Analog müsste dies ein Zustand sein, in dem Männer wie hoch-bezahlte Spieler, um ihre männlichen Geschlechtsorgane und die damit verbundenen Fähigkeiten beneidet würden, dass Männer und Spieler des Vereins als sekundäre Körperbilder -ohne- Perspektive darstellen.

  79. momorulez Juli 27, 2011 um 10:25 pm

    @Sonnenstrahl:

    Wow! Cooler Zahnarzt. Trotzdem volles Mitgefühl angesichts der Behandlungsbeschreibung 😦 …

    Einer der wohl Rentenergänzungsflaschensammler hier im Park, ein wundervoll herzlicher, kleiner, Runder mit Ruhrpott-Slang, sehr netter Frau und sehr nettem Hund, mit dem ich immer smalltalke, der hat kaum noch Zähne. Ohne all die Kronen ich ja auch nicht. Und da springen Dich Statusfragen, wenn ich mir all die Leute in meiner Medien-Arbeitswelt angucke, echt an.

    Ich mache da jetzt ja auch mit. Aber irgendwas erfüllte mich bisher mit Stolz, dem widerstanden zu haben 😉 …

  80. Sonnenstrahl Juli 27, 2011 um 10:26 pm

    Riotqueer, ich verstehe kein Wort. Kein einziges. Tut mir leid.

  81. vuvuzela//riotqueer Juli 27, 2011 um 10:28 pm

    Zum Glück ist die globale Erde in Dialekte aufgeteilt, waa?

  82. momorulez Juli 27, 2011 um 10:29 pm

    @Vuvuzela/riotqueer:

    Ich ahne, was Du meinst, muss da aber darüber nachdenken. Tu ich aber!

  83. jekylla Juli 27, 2011 um 10:37 pm

    Die eigentliche Dramatik in dem Beitrag liegt ja nicht in einer böswilligen, absichtlichen Diskreditierung von Transsexuellen, sondern in der naiven Arg- und Gedankenlosigkeit, sich überhaupt erst derartig zu äußern, dass es mehr wie ein bemüht satirischer Vorortstammtischwitz klingt, wo man doch eigentlich gerade an dieser Stelle verinnerlicht haben müsste, dass manche Witze im Umfeld von St. Pauli einfach nicht machbar sind. Oder zumindest sorgfältig kritisch überdacht werden sollten. Dass sie im besten Falle einen unangenehmen Beigeschmack haben, im schlimmsten Falle genau da an dem ätzen, was einen Großteil der -bisherigen- Positionierung des „politschen“ FC St. Pauli ausmacht. Allerdings verstehe ich auch irgendwie das Bestreben eines kleinen Fanzines, bei einem Auftritt bei den als wirklich ironisch-sarkastisch-satirisch bekannten 11Freunden auch mal witzig sein zu wollen und dann haut man dann auch mal so was raus. Merkt ja eh keiner. In diesem Fall dann eben fast keiner.

    Statt einer Reflexion und dem Versuch zu begreifen, wo die Problematik liegt, setzen stattdessen sofort die Beißreflexe der Übersteiger-Affinen ein und bezeichnen das mal als „gequirlte Scheisse“. Was natürlich eine tolle Diskussionsgrundlage ist.

    Interessant für mich persönlich auch die Beobachtung, dass es zunächst einen geschützten Thread zum Thema gab, so hinter den Kulissen. Wo wir bei St. Pauli doch immer alles offen austragen…

    Zusammenfassend: das war eine gedankenlose und zudem auch davon losgelöst nicht wirklich witzige Aufmachung, die man sich besser gespart hätte, zumal auch die anderen Blogger dankenswerterweise auf „bemüht lustig“ verzichtet haben.

    Lassen Sie mich malk vogelwild spekulieren: die Stellungnahme der Redaktion (hört sich immer ein bisschen so an wie die Spiegel Redaktion Aussenstelle Wuppertal-Elberfeld) wird konstatieren, dass das natürlich mitnichten transphob gemeint war, eigentlich auch eindeutig klar sein sollte, was gemeint ist und im Grunde ja auch nichts passiert ist und man das doch alles nicht so ernst nehmen soll. Sowas könnte dann auch bei anderer Gelegenheit fast wortgleich dann auch mal ein Herrr Meeske als Erklärung vorbringen oder ein Herr Stenger, wenn er sich mal wieder vergaloppiert. Dafür hat der Übersteiger dann wahrscheinlich allerdings eher wenig Verständnis.

    Ich bin nicht so sicher, ob das Forum nicht doch irgendwie repräsentativ geworden ist für die Fanszene. Das gruselt mich von allem just am meisten… außer, dass Lilo Wanders und Olivia Jones am Untergang des st.paulianischen Abendlandes mit beteiligt sein sollen. Da hätten andere zur Auswahl gestanden, denen dieser Schuh perfekt gepasst hätte. Aber Transen machen wohl mehr her…

    Bin erneut froh, dass ich nicht mehr St. Pauli-blogge.

  84. jekylla Juli 27, 2011 um 10:44 pm

    Ist leider keine Wunschzeit, aber dann hätte ich mir genau diese Formulierung mal in der Mopo oder im Abendblatt gewünscht und die Reaktionen darauf gesehen. Ob die anders gewesen wären als nun, wo es der Übersteiger war? Schade.

  85. momorulez Juli 27, 2011 um 11:02 pm

    @jeky:

    Wir sind uns mal weitestgehend erstaunlich einig; das Unbedachte freilich ist erstaunlich häufig Ort dessen, wo es am meisten weh tut.

    Was mich am meisten verblüfft, ehrlich gesagt, ist, dass die „wer mit wem“, die Fraktionsfrage, sich komplett vor das Geschriebene schiebt. Irgendwie ist für manche relevanter, dass wir uns wegen des Homophobie-Themas auch schon mal deftigst in den Flicken hatten, dass sich Vuvuzela/Riotqueer hier einbringt, was Sie mit den Ultras hatten oder dagegen, dass Sie ja eh nur kommentieren, weil Sie der „aktiven Fanszene“ eh schon immer einen auswischen wollten. Es wird ein „hier“ und ein „dort“ konstruiert, das Transphobie-Thema ist eh konstruiert, weil man irgendwem was will; aber entscheidend scheint zu sein: Was sagt der Seeheimer Kreis? Was die Kanalarbeiter? Wer will wozu gehören und wozu nicht?

    Das ist ja wie die Karrikatur einer politischen Partei. Mag sich jetzt blöd anhören nach 10 Jahren FC St. Pauli, aber mir ist das schon vom Ansatz her völlig fremd. Ich kenne das im Netz als „hier die Liberalen, da die Linken“, okay. Ich kenne klare, gesellschaftliche Rollenzuweisungen, da die Frau, hier der Mann. Aber solche Kuriositäten, um die weiß ich zwar irgendwie, um den Konflikt „aktive Fanszene“, „inaktive Fanszene“, Sie versus Ultras, aber sorry, das ist doch hanebüchen. Wie auf dem Schulhof, und der Schülerrat hat beschlossen, vielleicht auch nicht zu reagieren. Tatsächlich wie Stenger.

    Gottogottogott. Fragen nach Rassismus, Homophobie, Transphobie, Sexismus werden aufgelöst in der Frage, wer mit wem in der Schulhofecke steht. Und wer geschnitten wird, wie bei „Hanni und Nanni“.

    Das Anliegen des Textes wird dagegen teilweise sekundär. Schnurz. Guck mal,der redet mit Martina aus der 11c.

  86. momorulez Juli 27, 2011 um 11:10 pm

    Ja, das gehört ja zum Kuriosum.Es wird wichtiger, wer was sagt, als das, was gesagt wird. Ich kœnnte hier – bei manchen, hier waren heute auch tolle Kommentatoren! und einiges im Forum macht Sinn – wahlweise aus der Gazetta, bei Genet oder dem Kommunistischen Manifest abschreiben, der Übersteiger aus der Gala, der BILD oder bei James Joyce abschreiben, manche, viele auch nicht, würden ganz Ähnliches schreiben. Es finge an mit „gequirlte Scheiße“ und „Sommerloch“, irgendwer schrübe „Ach, die schrillen Paulis!“ Dann würde man gucken, wer mit wem schreibt, und los ginge es … das eigentliche Thema wäre schnurz.

  87. jekylla Juli 27, 2011 um 11:11 pm

    Wir haben wohl gerade die selbe Lektüre gehabt. Wissen Sie, ich kann das ehrlich gesagt alles dort nicht mehr wirklich ernst nehmen und diese Entwicklung macht mir persönlich am meisten zu schaffen, wobei sie den Vorteil hat, dass ich mich nicht mehr sonderlich aufrege, sondern das Forum eher wie eine Ameisenfarm beobachte, aber nicht mehr der Ansicht bin, dass da „was geht“. Also Wesentliches. Essentielles.

    Und der Schluss daraus, nämlich, dass ich der Ansicht bin im Gegensatz zu Ihnen, dass das Forum sehr wohl immer repräsentativer wird als Querschnitt, kommt das einem schleichenden Abgesang dessen, was St. Pauli für mich ausgemacht hat, als ich mich noch aufgeregt habe, leider sehr nah.

  88. jekylla Juli 27, 2011 um 11:18 pm

    In Wahrheit, und das auch nur hier, wo wir unter uns sind: ich habe die ganzen drei Jahre eigentlich nur gebloggt, weil ich den Ultras eins auswischen wollte. Alles von langer Hand geplant. 😉

  89. momorulez Juli 27, 2011 um 11:22 pm

    @Jeky:

    Na ja, dass hier nun gerade ein auch für mich wesentlicher und äußerst empfindlicher Punkt berührt wurde, das habe ich ja überdeutlich gemacht. Ich glaub nur, dass, wenn ich denn so weit wäre, ich mir auch wirklich neue Aktionsfelder suchen würde und nicht mehr ständig mahnend auf dem davor aufschlagen würde.

    Dann sollen die doch sehen, wo sie bleiben 😀 … ich meine, dem Verein tut es wirklich nicht gut, wenn Der Übersteiger so auftritt. Das ist echt peinlich. Und irgendwann lacht sich die Fussballwelt endgültig schlapp bei diesem Auftreten. Was dann eben so ist. Dann ist der Verein tot.

    Ist ja nicht so, dass Bigotterie und Borniertheit anderen verborgen geblieben wäre. Vielleicht entsteht dann auch pralles Leben, weil alte Säcke wie ich, jüngere Nicht-Säcke wie Sie verschwinden. Who knows?

  90. momorulez Juli 27, 2011 um 11:23 pm

    @Jeky:

    Es ist zumindest erstaunlich, wie gleich diese Opposition aufgefächert wird. Ich habe mich wegen ganz anderer Sachen über Sie aufgeregt 😉 …

  91. jekylla Juli 27, 2011 um 11:34 pm

    Das ist eben das gefährliche Halbwissen, was mich aber an der Stelle sehr amüsiert hat. Diese Springteufelvoraussage ist wirklich zuverlässig.Man möchte fast schon einen Reifen hochhalten..

    Mal im Ernst: der Verein liegt in Agonie, bis er wieder aufsteigt. Dann ist er so gut wie tot. Wahrscheinlich wurde der Ausspruch von Helmut Schulte, der so klammheimlich in einem Eckchen der Mopo stand „wir wollen in den ersten 15 sein und bleiben“ noch gar nicht so realisiert.

    Da das das dezidierte Ziel ist, gehört nicht viel Fantasie dazu, wann die Fanherrlichkeit der so herrlich verrückten Paulis, die so anders sind als die anderen, in die Geschichte eingeht. In die abgelaufene. Und bis dahin führen wir eben weiter solche Endlosdiskussionen, ohne wirklich die Hoffnung zu haben, irgenwo anzukommen.

    Das reale Leben gewinnt mehr und mehr an Attraktivität zurück und irgendwann ist aus dem Mythos Sankt Pauli das Märchen Sankt Pauli geworden. Es war einmal….

  92. Sonnenstrahl Juli 27, 2011 um 11:42 pm

    Ich finde es einfach ärgerlich, wenn ausgerechnet bei 11 Freunde/Der Übersteiger zum FC St. Pauli ein billiges Witzchen gegen Transsexuelle gebracht wird, dessen Grundlage darin besteht, Transsexuelle für genauso abartig zu halten wie Astra per Spritze. Für mich ist das, da mag ich mich täuschen, ein Hinweis auf die platitüdenhafte und von Vorurteilen beseelte Dummheit des Witzeerzählers. Warum 11 Freunde so einen Dreck abdruckt, weiß ich nicht. Nächste Woche: Der lustige Judenwitz auf Kosten großer Nasen von jüdischen Antiquitätenhändlern.

    Andererseits gehe ich hier von einem einmaligen Ausrutscher aus und nicht von absichtlicher Randgruppenhetze. Um das einordnen zu können, müßte ich mehr wissen, über die Person des Witzemachers und auch, was er zu den Vorwürfen sagt. Ich erinnere mich außerdem noch gut daran, daß ich selber schon einige sehr dämliche Witze gemacht habe. Es gab kurz nach der Pubertät sogar eine Zeit, da fand ich blöde Frauenwitze echt lustig. So wie den hier:

    „Du sitzt im Wohnzimmer, liegst gemütlich auf dem Sofa, der Fernseher läuft, Fußballübertragung live, dein Heimverein führt mit drei Toren Vorsprung und deine Frau kommt aus der Küche und bringt dir ein kühles Bier. Frage: Wo liegt der Fehler? Antwort: Kette zu kurz!“

  93. momorulez Juli 27, 2011 um 11:42 pm

    @Jeky:

    Na, warten wir es doch erstmal ab. Mir sind 10 Jahre St. Paulianer-Leben echt zu wichtig, um die Agonie zu beschwören. Selbst dann nicht, wenn sie da ist. Dann schwiege ich dazu. Oder machte weiter Rabbatz.

    Wir wählen jetzt einfach Lilo und Olivia for President, und alles wird gut 😉 – und Übersteiger-Redakteure dürfen nur noch in Nylons, Strapsen und Seidenstrümpfen ins Stadion. So werden aus Alpträumen eventuell Träume, die wahr werden, und vielleicht sogar geheime Wünsche erfüllt 😉 …

  94. jekylla Juli 27, 2011 um 11:45 pm

    @Sonnenstrahl Zur Verteidigung von 11 Freunde sollte aber gesagt werden, dass kein Witzezwang bestand. Die anderen zu Wort gekommenen Blogger haben es weitestgehend ohne beziehungsweise unfallfrei geschafft.

  95. jekylla Juli 27, 2011 um 11:46 pm

    @Momorulez Wenn das Leben sich so ändert, dass es nicht mehr meins ist, neige ich zu Radikalismus. Anders gesagt: wenn Du ein totes Pferd reitest, steig ab. #weisheitenausdemreiterlebenunddakenneichmichaus

  96. jekylla Juli 27, 2011 um 11:50 pm

    Das mit dem toten Pferd bezieht sich natürlich auch auf entsprechende Diskussionen. Womit ich nicht diese hier meine.

  97. momorulez Juli 27, 2011 um 11:56 pm

    @Sonnenstrahl:

    Har, har – aber nicht weit weg von Übersteiger-Niveau in manchen Fällen.

    Ich ärgere mich ja aus denselben Gründen. Aber muss ja hier schon noch mögliche Gründe anerkennen.

    Für die Erwähnung jüdischer Stereotype kriegst Du jetzt auf die Fresse, und ich auch. Also, da hört der Spaß auf. Stereotype sind total lustig, aber so doch nicht. Wahnsinnig komisch ist „Der Schuh des Mannitou“, und komm, die N… lachen doch auch, wenn man sie mit Bananen umgürtelt zeigt. HARRRRRRHARRRRRR!

    Aber so nicht! Da hört der Spaß auf! Wie auch bei alptraumhaften, schrillen Paulis mit Federboa und Lippenstift. Zynisch, überhaupt Lilo Wanders anzuführen, wo es doch auch ECHTE Transvestiten gibt.

    Selbst da instrumentalisiert man sie noch, um Mist zu legitimieren. Aber das geht weit über das Thread-Thema hinaus. Charlotte von Mahlsdorf hat überlebt, und keiner weiß, warum …

    Ohohoh, ich ahne Böses … irgendwer wird Murphys Law erwähnen, oder war es des Godwins???

  98. Sonnenstrahl Juli 28, 2011 um 12:03 am

    Godwins.

    Dafür variiere ich jetzt den schlechten Witz, damit er ein mittelguter wird:

    „Ackermann sitzt im Rathaus, in einem sozial schwachen Stadteil in Frankfurt, leistet dort nach der Arbeit abends seine 10 Sozialstunden pro Woche ab. Bürger mit Behördenproblemen hilft er unbürokratisch weiter. Ackermann kennt sich aus, die Bürger sind mit seinen Tipps sehr zufrieden. Freundlich ist er auch noch. Und nach jedem Beratungsgespräch schenkt er dem Beratenen ein Stück selbstgebackenen Kuchen und sogar 100 Euro aus seinem Portmonaie. Frage: Was läuft hier falsch? Antwort: Schon wieder Steuergelder!“

  99. vuvuzela//riotqueer Juli 28, 2011 um 7:05 am

    Für mich war die ‚ÜS‘-Welt schon dann verloren, als die im Zuge der ‚Heiter bis Wolkig‘-//’Vergewaltigungsdebatte‘-DEBATTE eine krude Diffamierung-Kampagne gegen die linksradikale ‚FrauenLesbenTrans-Szene in Hamburg-Mitte am Start war….sehr interessant da im Konnex nochmal die Archive durch zu stöbern….

  100. momorulez Juli 28, 2011 um 7:59 am

    @riotqueer:

    Ach? Das muss ich noch mal raus suchen. Das ist ja interessant. Ich meine, ich gehe nicht zufällig auf eine bestimmte Haltung so ab, und das würde dazu passen …

    @Sonnenstrahl:

    Ha, ha 😉 …

  101. momorulez Juli 28, 2011 um 8:11 am

    Das war allerdings ’95, wenn ich das richtig gegoogelt habe? Die Sache mit dem „humorlosen, feministischen Zensurkommando“? Hätte durch den Slutwalk zwar eine Aktualität, aber das hat mit dem jetzigen Übersteiger ja nicht mehr viel zu tun. Das kann man da schlecht rein mengen.

  102. pantoffelpunk Juli 28, 2011 um 10:45 am

    Ich habe leider aus Zeitgründen nicht alles lesen können und laufe wohl darum Gefahr, zu schreiben, was andere bereits – wahrscheinlich besser – geschrieben haben, trotzdem wil ich das gern loswerden.

    Ich glaube die dargelegte Intention des Übersteigers und halte sie nicht für böse im Sinne einer Trans- oder Homophobie, geschenkt. Dämlich ist das Statement trotzdem, zum einen, weil man es ohne Erklärung als trans- oder homophob interpretieren kann, zum zweiten, weil diese Reflexion über drei Ecken am Ende doch vollkommen kontraproduktiv ist. Vorausgesetzt, Olivia Jones und Lilo Wanders verstünden etwas von Fußball und Geschäft, wären sie im Gegenteil natürlich eine ideale Besetzung für das Präsidium, weil – ich sage einfach mal: ‚unser‘ – Statement gegen die Diskriminierung anders* vögelnder, anders sich kleidender, anders hautgefärbter, anders denkender usw. eben kein Klischee sondern Lebenseinstellung ist oder es sein sollte. Darum sollten ‚wir‘, darum sollte der FC St. Pauli, auch genau das leben und wenn sich Massenmedien und sonstige Vollpfosten darauf stürzen, es nicht ernst nehmen und zu einem lustigen Teil der schrillen St. Pauli-Party reduzieren, sollte es ‚unsere‘ Aufgabe sein, sie dafür auszuzählen, da sie damit nur offenbaren, wie weit es mit ihrer Akzeptanz abweichender Lebenswelten ist. Aber es darf doch nicht unser Ziel sein, möglichst biedere, unauffällige Normopathen ins Präsidium zu hieven, um ja nicht die Klischees der Eindimensionalen zu erfüllen. Setzte man diese Logik fort, gehörte es ja auch zum Alptraum der Übersteigerer, dass sich im Stadion Irokesenträger tummmeln – schließlich erfüllen die das Klischee des linken Anhängers des verrückten Freudenhauses der Liga.

    *= ‚anders‘ im Sinne von ‚entgegen der (angeblichen) Norm‘, ich glaube ja nach wie vor, dass viele Homophobiker nur neidisch sind, weil sie bei ihrer Partnerin nicht in den Po dürfen.

  103. momorulez Juli 28, 2011 um 11:22 am

    Du hast da noch einen ganz entscheidenden Punkt hinzu gefügt: Wenn man auf die medialen Darstellungen guckt und daran sein eigenes Verhalten orientiert, dann hat man eh verloren und lässt sich von denen manipulieren.

    Bin ganz bei Dir!!! In jedem Punkt. Du bringst es auch noch mal auf den Punkt 😉 …

    Außer, dass man halt immer mit bedenken muss, dass auch die ganzen nicht-intendierten „Unfälle“ und „Versehen“ ja nicht zufällig entstehen und auch dann homo-, trans-, sonstwie -phobe Muster reproduzieren, wenn da gar keine Absicht dahinter steckt. Absicht habe ich dem Übersteiger nicht unterstellt. Klar ist das so gemeint, wie Frodo das schreibt. Das macht es aber nicht besser.

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  106. pantoffelpunk Juli 29, 2011 um 8:19 am

    Richtig. Wo bleibt die Authentizität, wenn ich mir von der MoPo vorschreiben lasse, wie ich mich zu verhalten habe, auch wenn so geschieht, dass ich mich nun zwanghaft anders verhalten will, als das von ihnen verbreitete Klischee.

    Ich halte es da ganz mit der Schickeria: „Mia san mia.“

  107. momorulez Juli 29, 2011 um 9:14 am

    Ja.

    Ich mache um Deinen Kommentar herum auch gerne noch mal einen eigenen Eintrag, darf ich das? Der Aspekt ist wichtig, weil diese mediale Spiegelung ja an vielen Stellen immer auftaucht und eben AUCH eine Form von Marketing ist.

    Eigenlich meinen die ja Ballermannisierung und Schlagermovisierung. Die „Pauli-Party“. Aber warum gehen sie dann auf Huren, Travestie-Künstler und Sex-Shop-Angestellte los? Das ist doch selbst völlig verballermannt, diese Denke. Der Junggesellenabschied ist ja nur deshalb so extrem beknackt, weil er vor der Einübung in heteronormative Praktiken steht. Was niemandem das Familienleben madig machen soll. Was Olivia Jones zumindest auch irgendwie bedient, aber die ist gleichzeitig das Gegenteil.

    Die Mannschaft und der Trainer gehen in die „Rocky Horror Picture Show“, und der Übersteiger … da ist echt selbst ein Volkstheater-Schmalzstück wie „Heiße Ecke“ mit schlechter Musik 10 Umdrehungen weiter.

  108. pantoffelpunk Juli 29, 2011 um 9:24 am

    Natürlich darfst Du das. Meine Gedanken stehen samt und sonders unter CC-Lizenz.

    Ich habe mich übrigens im Netz nie wirklich zum Thema Sexismus geäußert, weil ich mich da nur sehr schwer unmissverständlich positioniert kriege. Ich bekomme nämlich dort Bammel, wo Antisexismus in Prüderie und Katholizismus ausartet. Es gibt im „Der bewegte Mann“ diese wundervolle Szene, in der Axel nach einem Besuch bei seinen ungleich offeneren schwulen Freunden sinngemäß sagt: „Titten. Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn ich dieses Wort sage? Titten! Titten! Titten!“

  109. momorulez Juli 29, 2011 um 9:56 am

    Ich bin da einerseits bei Dir; andererseits ist Deine Fixierung auf „kleine Pimmel“ als Diskreditierungsspruch, na, nun tatsächlich im sexistischen Feld unterwegs 😀 – wie übrigens auch der Übersteiger, wenn er „Titten“ aufs Titelbild schreibt. Das sind diese ungebrochenen Reproduktionen zu vermeintlichen Satirezwecken, die ich ja meine, und der Sexismus in der Schwulen-Szene, das lassen wir mal lieber außen vor, weil das natürlich all den Konservativen vom Übersteiger bis zur CSU in die Karten spielt, die verzerrten Positiv-Bilder zum Negativ ihres eigenen Lebens zu reproduzieren. Das ist ja das Drama, was der Übersteiger da nachspielt. Und zudem ein Effekt der Rolle Schwuler in der Gesamtgesellschaft ist. Manches haben wir der da aber auch voraus.

    Es gibt bestimmt auch feministische Ansätze, die finden, eine´Olivia Jones reproduziere eine verzerrtes Frauenbild, nicht zufällig hat sich noch keine meiner feministischen und lesbischen Komentatorinnen zu Worte gemeldet; ich halte das für falsch, weil Camp eine Form schwuler Selbstthematisierung ist, die uns vom Schlagermove geklaut wurde, und die ich gerne zurück hätte. Es gibt unerträgliche bürgerliche Anpassung in der schwulen Szene, die mögen eine Olivia Jones dann oft auch nicht.

    Man kommt bei all dem nur beim eigentlichen Sujet gar nicht an, weil man zur Aufdröselung eben gerade nicht über die Schwulen und Travestie, sondern über Heterosexuelle reden muss. Nicht, weil die schuld sind, sondern weil es da Zusammenhänge gibt, die systematisch aus Diskussionen ausgetrieben werden seit ungefähr Mitte bis Ende der 90er. Man muss auch über Weiße reden, wenn man Rassismus bekämpfen muss, und über Männer, wenn es um Feminismus geht. Und über Profiteure, wenn man über Hartz IV redet, nicht über die Empfänger und wie die so sind.

    Und im Grundsätzlichen bin ich ja ganz bei Dir: Diese evangelikal-katholischen Prüderien, die von der der PorNo-Kampagne der EMMA einfach nur nachgemacht wurden, die sind ein Desaster und ein gruseliger Rollback. Da war „Liebe Sünde“ einfach schon mal weiter. Einige regten sich ja über den Verweis auf US-Rechtsradikale auf; nein, das ist einfach der Fall, dass die im Zuge ihrer Säuberung ganzer Städte von Sexshops in den USA das repressive Klima der 50er Jahre, als ich verboten war, wieder her gestellt haben. Die jagen. Ganz übel.

    Das kann man als St. Paulianer nicht einfach ständig ignorieren.

  110. pantoffelpunk Juli 29, 2011 um 10:18 am

    „Den kleinen Pimmel“ nutze ich nicht zu Atirezwecken, den nutze ich vollends so, wie er da steht (oder eben nicht, muharrharr, sorry) … aber ich gebe mir Mühe, den kleinen Pimmel nur denen anzudichten, die im stetigen hahnenkampf einen auf dicke Hose machen – sei es, weil sie so tolle Streetfighter oder so schrecklich besser verdienende Leistungsträger sind. Ich sehe das so, dass ich mich quasi in ihrer Sprache unterhalte bzw. ihnen das abspreche, worauf sie sich etwas einbilden – nämlich der Platzhirsch zu sein.

    Ich gelobe, dass ich den kleinen Pimmel ab heute dosierter und bewusster einzusetzen versuche.

  111. pantoffelpunk Juli 29, 2011 um 10:25 am

    Bzw. ist es in MEINEM Menschenbild weder verwerflich noch ein Zeichen von Schwäche, über ein nur schwächer ausgeprägtes Glied zu verfügen. Die Vorstellung aber, dass ein Gangsterrapper, der das Penisreservoir der Hose aus angeblichen Gründen bis zu den Knien tragen muss, meine Mutter, meine Schwester und auch meinen Vater fickt, nachdem er mir seinen Dengel wie eine Baseballkeule um die Ohren gehauen hat, dass also dieser Gangsterrapper auch einen knappen String tragen könnte, ohne dass etwas herausguckt, das macht mich ebenso grinsen, wie die Vorstellung, dass der rolextragende Maseratifahrer mit bis zum Gürtel geöffneten Hemd, der quer auf dem Behindertenparkplatz steht und sich die Zigarrette mit nem Hunderter ansteckt, immmer dann nervös und menschlich wird, wenn sein Aufriss ihm im Fünfsternehotel die Hose öffnen will.

  112. momorulez Juli 29, 2011 um 10:34 am

    Okay, als Phallozentrismuskritik sei das mal akzeptiert 😀 … wobei ich jetzt zum Gangsterrapper auch schon wieder referieren könnt, furchtbar, ich weiß. Ich lass das einfach mal. Beim „Heimatschutzbund“ finde ich die Diskussion schon interessanter 😉 – aber da diskutieren die ja auch schon drüber.

  113. pantoffelpunk Juli 29, 2011 um 10:40 am

    Zwei Riesenabsätze Geschwurbel hätte ich in der Tat mit dem Terminus „Phallozentrismuskritik“ abkürzen können. Ich verschwende Speicherplatz auf Webservern.

  114. momorulez Juli 29, 2011 um 11:09 am

    Nein, tust Du nicht 😉 – mir wird ja immer gesagt, ich würde die Leute nicht abholen mit meiner akademischen Haltung, da ist so was natürlich Gold wert, wenn es von Dir kommt!

  115. momorulez Juli 29, 2011 um 11:12 am

    PS: Ich habe einem schwulen Kollegen hier gerade noch mal die Passage im 11-Freunde-Saisonplaner vorgelesen, dem einfach nur die Gesichtszüge entglitten sind vor Fassungslosigkeit, sich tierisch aufregte und meinte, dass er sich in einem Stadion, in dem auflagenstarke Fanzines solche Sprüche kloppen, auch nicht wohl fühlen würde.

  116. vuvuzela//riotqueer Juli 29, 2011 um 11:15 am

    Ihr wisst schon, das es laut dem ‚Transsexuellen-Paragraphen‘ die von Euch gemachten Forderungen – insbesondere die auf dem St.Pauli-Forum – eine ‚Nötigung‘ darstellt.
    Es kann nicht sein, dass so vieles gefordert wird, und am Ende zählt die Hierarchie der Dominanz:

    Die Nötigung ist ein „offener“ Tatbestand, bei dem die Rechtswidrigkeit nicht durch die Erfüllung des Tatbestands indiziert wird, sondern gesondert durch Überprüfung der Relation zwischen Nötigungsmittel und Nötigungsziel festgestellt werden muss. Die Drohung mit einem empfindlichen Übel kann sozialadäquat sein (Beispiel: Wir boykottieren, wenn nicht dies und das geändert wird). Da nach den Tathandlungen „Drohen/mit Gewalt nötigen“ viele Verhaltensweisen, die auf einen anderen Zwang ausüben, tatbestandsmäßig sind, muss die Verwerflichkeit nach § 240 Abs. 2 StGB festgestellt werden.

    Das meist diskutierte Tatbestandsmerkmal des § 240 ist die „Gewalt“. Hier wird die Abgrenzung zwischen straflosem und strafbarem Verhalten häufig diskutiert.

    Als Gewalt wird sowohl vis absoluta (überwältigende Gewalt, die vor allem körperlich hervorgerufen wird) als auch vis compulsiva (beugende Gewalt, die in die Richtung eines psychischen Zwanges geht) verstanden.

    In diesem Sinne….

  117. momorulez Juli 29, 2011 um 11:20 am

    Das habe ich jetzt nicht verstanden …

  118. vuvuzela//riotqueer Juli 29, 2011 um 11:45 am

    Dann frag dich mal, worauf du hinaus willst?!
    Es gibt ja nicht nur den hetero-sexistischen Beschluss im Gesetzestext, sich für ein ’sexus‘ zu entscheiden,..auch die im weiteren Sinn formulierte Kritik an ‚Übersteiger & Konsorten‘ hat den Impetus von sachlichen Zwang zur Vollstreckung einer Idee von Mitmenschlichkeit.

    Funktioniert im Kapitalismus nicht!

  119. momorulez Juli 29, 2011 um 12:10 pm

    Hast recht, weil weit ausgelegt natürlich schon der Zwang, an einer Kasse bezahlen zu müssen, im Grunde genommen Nötigung darstellt.

    Bei der Südkurvenblockade kam die Diskussion ja auch auf, und die ganze Sozialromantikeraktion würde dann auch als Nötigung auszulegen sein.

    Das ist ja eh das Verblüffende, dass der Übersteiger wie das Präsidium reagiert.

    Und vor einem Jahr z.B. ausführlich darlegte, wieso der Antrag, Business-Seats zurück zu bauen, ja so schlampig begründet worden sei und über den Antragssteller herzufallen, was mutmaßlich auch zum Hintergrund hatte, dass der vorher nicht die „Ochsentour“ bei den Etablierten absolviert hatte. Das spielt hier natürlich auch eine Rolle „Soll die Schwuppe doch motzen, WIR sind die Etablierten und steuern, was wann gesagt wird“. Wie doof.

    Was nun wieder ein Grund ist, mich aufzuregen, weil die Antwort darin bestand: „Was Transphobie und Homophobie ist, bestimmen wir, und angesichts unserer Intentionen ist irrelevant, was irgendein Homo dazu denkt und wie er es empfindet.“ Der Klassiker.

    Auch die Differenz zwischen informeller und formal-öffentlicher Kommunikation einzuklagen ist ja im gesellschaftlichen verstandenen Sinne ein Desaster. Das vertiefe ich jetzt nicht; ich weiß aber nicht, wieso halb-privat geäußerte Knaller einer Person weniger schlimm sein sollen als jene eines Vereinsheiligtums und keinerlei öffentliche Relevanz haben sollten.

    Zudem die Veröffentlichung derartiger Statements als so bezeichnetes „Sprachrohr der Fans“ ja mit mir auch nicht abgesprochen war. Wieso soll ich dann mit irgendwem irgendwas absprechen, bevor ich blogge?

    Ich glaube, wir brauchen jeweils einen Schwulen-, einen Frauen- und einen PoC-Rat, mit dem jene, die sich in der Öffentlichkeit als Sprachrohr des FC St. Pauli äußern, vorher abzustimmen haben und die ergänzend beratend für alle Vereinsgremien formaler und informeller Natur zur Verfügung stehen, also auch für USP, Alter Stamm usw.

    Relevanter finde ich im konkreten Fall auch §2 und ggf. 11 unserer Vereinssatzung.

    Dass natürlich im übergeordneten Sinne tatsächlich eine permanente, heterosexistische Nötigung überall institutionalisiert ist, das stimmt. Völlig richtig. Und Der Übersteiger spielt da auflagenstark mit.

  120. vuvuzela//riotqueer Juli 29, 2011 um 12:37 pm

    Am Besten ‚wir‘ fangen alle mal an, unsere biologischen ‚Erzeuger‘ wg. Nötigung anzuzeigen und dann im weiteren Sinn, die Konvulenz der schillernden Begrifflichkeiten (..habe ich von APoC=Anarchist People of Color)…Begriff(e) des Vereins um Helmut Schulte und Stefan Orth,…die ja auch quer durch die Männer-Bastion FC St.Pauli flottiert, als die „Defizitperspektive“ offen zu legen.
    YO,..ich will jetzt nicht die Tattoo-Monstren beschwören, aber…sie besteht genau genommen aus zwei verschiedenen Perspektiven. Einerseits meint diese Männer-Bastion den Verein als ‚Mängelwesen‘ :)), also eine Unzufriedenheit der Männer in ihrem Daseins-Zustand in BuLi-Rang und Finanzen (ja wie kultisch) – andererseits die Defizitperspektive als herab würdigender Blick der vom Feminismus und linkem Selbsthass unterjochten Welt vom Bett bis Mars, auf diese Männer-Bastion des FC St.Pauli, sowie der ‚Missbrauch mit dem Missbrauch‘ von Männer als Opfer irgendwelcher Lesart des Forums, der Mopo oder auch des ‚Übersteigers.‘

    zumindest hat die Pleite-Serie der letzten Monate gezeigt, das sich die Männer-Bastion im Stadtteil einen ‚Asa‘ leistet um nicht im Tiefgang von Kritiken den eigenen Wellengang zu beschwören, gar als Mann kritisch zu reflektieren.

  121. sparschaeler Juli 30, 2011 um 8:17 pm

    können wir hier noch ein stellungnahme erwarten oder wird das arrogant ausgesessen?

  122. momorulez Juli 31, 2011 um 12:35 pm

    Wird wohl arrogant aus gesessen, wenn die hysterische Tunte kreischt. Ungefähr das, was alle beklagen, die sagen, dass das Millerntor kein „Safe Place“ ist: Beschwert man sich, wird man einfach für ungebührlich abgestraft und ist der Böse. Und alles ist gar nicht so gemeint.

    Zum Glück war die Diskussion hier und im Forum ganz gut, da hat eher einmal mehr das Gefühl, dass bei uns eine Menge reger Köpfe herum läuft, nun aber gerade das meist gelesenste Fanzine da nicht zu gehört. Das scheint zu einem rein machtorientierten, informellen Vereinsorgan geworden zu sein, so was wie der Alte Stamm, das sich dann wichtig findet, weil Herr Meeske sich mit ihm trifft. Was ja wirklich ein Grund ist, dass die Sozialromantikergeschichte so verreckt ist: Da haben sich zu viele in ihren Vereinsnischen eingerichtet, und irgendwie ist ihnen dann wichtiger, Ehrenpräsidentschaften zu verhindern, als sich mit dem Gehalt von Satzung und Stadionordnung auseinander zu setzen.

  123. sparschaeler Juli 31, 2011 um 1:13 pm

    wer nicht die größe zeigen kann, eine entgleisung zu erklären oder zu entschuldigen, ist verzichtbar geworden.ein fanzine das sich als offizielles sprachrohr des vereins versteht braucht kein mensch.
    wenn ich bashing lesen will greife ich zum original mit den 4 buchstaben und nicht zu einem c klassigen blättchen, in dem arrogante + überhebliche schreiberlinge ihre verzichtbaren ergüsse ablassen.

  124. sutje Juli 31, 2011 um 1:17 pm

    Randnotiz:
    Bei aller berechtigter / unberechtigter Kritik kann es ja wohl nicht angehen, dass für Verständnis plädiert wird und selbst wenig bis nix davon vorhanden zu sein scheint.

    Loszulegen und Verschwörungstheorien, negative Interpretationen von vielseitig interpretierbaren (Nicht-) Reaktionen in den Raum zu stellen, welche ein sachdienliches Diskussionsklima (weiter) vergiften halte ich bei aller Betroffenheit für äußerst fragwürdig.

  125. momorulez Juli 31, 2011 um 1:50 pm

    Ich bleib da auch dran. Wenn ein Fanzine mit einer solchen Auflage, das als Fan-Vertreter den 11-Freunden Interviews gibt, zu einem Klima beiträgt, indem es hoffähig ist, sich über Travestie-Künstler zu erheben und wichtige Protagonisten der Homo-Szene bei Beate Uhse abzustellen, ist das so dermaßen konträr zu allem, was dieser zu sein glaubt, das geht einfach nicht.

    Der Hintergrund, hier so scharf zu schießen, ist ja, dass jeder Trans-Mensch, jede Frau, jeder Schwule, jeder Schwarze wissen muss, dass PROMPT reagiert wird, wenn sich Stigmatisierungen zeigen, und diese ebenso PROMPT aufgehoben werden.

    So ein „schwules Budweiser“ ist ja kein Ding, wenn es einem raus rutscht 😀 , wichtig ist einfach, dass bei Thematisierung dann tatsächlich SOFORT reagiert wird. Saß neulich auch mit einem unserer gemeinsamen Freunde im Zug, und ihm entfuhr ein „Diese Arschficker“ gegenüber der deutschen Bahn. Kann er ja nix für, dass das zum mehrgesellschaftlichen Vokabular gehört, er merkte es sofort, guckte mich entsetzt an und entschuldigte sich. Alles gut. Wäre ihm allerdings vermutlich nicht aufgefallen, wenn ich nicht immer so rum nerven würde. Und das sind ja mehr als Worte, da drücken sich gesellschaftliche Verhältnisse aus.

    Nun stelle man sich vor, bei jedem „Bimbo“-Ruf im Stadion würde als erstes in Abrede gestellt, dass es sich um eine Beschimpfung handelt, als nächstes darüber aufgeregt, dass man sich beim Ordnungsdienst beschwert hat und dem das erzählt hat, als nächstes ein interner Thread im St. Pauli-Forum angelegt, um sich über den, der sich über den „Bimbo“-Ruf aufregte, herzuziehen. Und ansonsten auf das nächste Fanclubtreffen verwiesen, wo dann entschieden wird, ob man sich dazu äußern wolle.

    „Safe Place“ heißt halt, dass man nicht auch noch einen Riesenaufwand betreiben muss, um Diskriminierung als solche abzustellen. Deshalb ist auch der erste Mailkontakt einfach von Relevanz, sorry. Wenn als erste Antwort kommt „Ich hätte genau so gut „Fotze“ sagen können.“ Jetzt im Beispiel bleibend natürlich nicht wörtlich, sondern sinngemäß.

    Das ist ja mehr als persönliche Verletzlichkeit, wenn ich hier so einen Aufstand mache. Das sind Mechanismen, die ESSENTIELL für Antidiskriminierungsarbeit sind. Das hat tatsächlich schon Schwarze aus dem Stadion vertrieben, dass sie auch noch angepupt wurden, wenn sie sich beschwerten.

    Und das ist Der Übersteiger geradezu prototypisch für eine bestimmte Haltung bei den vollends aufgeklärten Irgendwielinken – nicht umsonst hat der Braune Mob immer am meisten Ärger mit der taz. Weil die sich aber so was von auf der richtigen Seite wähnen, dass sie am liebsten auch noch Schwarze darüber belehren, was Rassismus sei. In Ottensen kam es jüngst bei der linksgrünen Schickeria zu einem Zerwürfnis um die Frage nach dem N…Kuss.

    Vielleicht schreiben sie jetzt auch irgendeine Polemik oder sonstwas in ihrem Blatt. Das wäre auch wieder typisch für die Etablierten: Kommunikation ohne Kommentarsektion.

    Es ist an sich schon ein Unding, erst mal interne Threads in einem Forum anzulegen, aber so einen jämmerlichen Kommentar wie den oben als direkte Kommunikation lediglich zu führen.

    Aber wie gesagt, die ganzen unterstützenden und reflektierenden Kommentare hier und im Forum machen ja Mut.

  126. momorulez Juli 31, 2011 um 2:15 pm

    @sutje:

    Ja, auch das ist ja typisch bei Diskussionen solcher Art, guck mal in die Diskussionen in feministischen Blogs oder frag Leute, die in der der Antirassismusarbeit tätig sind: Das ist immer das Muster, den Kritiker für die Kritik zu kritisieren. Und da findet man dann die dollsten Sachen. Leute, die homophoben Scheiß äußern, wollen immer fürchterlich viel Verständnis dafür.

    Das Problem ist doch, dass jede weitere Kommunikation verweigert wird und somit auch jegliche Reflexion auf homo- und transphobe Muster. Warum sollte ich Leuten, die so was schreiben, die ich erst privat darauf hin weise, nun meinerseits tiefes Verständnis dafür entgegen bringen, dass sie MEINE Biographie im Sex-Shop verorten, während die glauben, ein „ist nicht so gemeint“ sei da als Antwort irgendwie ausreichend?

    Das ist zudem nicht der erste Konflikt dieser Art mit dem Übersteiger. Der reagiert gerade exakt so wie Astra auf die „Tatsch-Sreen“-Werbung.

    Und was für Verschwörungstheorien denn? Was mich ärgert, ist, dass man sich in Übersteiger-Foren und internen Threads im St. Pauli-Forum austauscht, aber nicht in der Lage ist, mit mir direkt zu kommunizieren, ja, diese Kommunikation sogar explizit abbricht. Das ist keine zu vermauschelnde Sache oder Privatangelegenheit, das ist eine Frage dessen, wie im Verein, im Stadion und in dessen Umfeld mit solchen Themen umgegangen wird.

    Was mir aber ergänzend aufgrund von hier nicht detaillierter auszuführenden Kommunikationen klar wurde, das ist zudem, dass der Übersteiger aufgrund von Meinungsmacht tatsächlich so eine Art Angstregime im Verein ausübt, und ich darf ja hier gerade erfahren, wie es dazu kommt.

  127. sutje Juli 31, 2011 um 2:41 pm

    Auch wenn es juckt, so kann und werde ich nicht tiefer in die Diskussion einsteigen.
    Von mir wird es mit Interesse verfolgt und ich denke da auch nicht der / die Einzige passive Leser/in zu sein.

    Da Du Dich auf Kommentare Anderer beziehst:
    Dass manche sich unqualifiziert äußern, mag der 1. Bundesliga (stärkere Aufmerksamkeit), Zeitüberschuss / Langeweile und dem persönlichen Frust über oder wat weiss ich nicht noch alles geschuldet sein und ist als emotional Mitgenommene/r häufig schwieriger wahrzunehmen.
    Die immer stärker wachsenden Bekanntheit des FC ST.Pauli bringt viel Gutes, aber auch Schwieriges mit sich. Eine breitere Öffentlichkeit bedingt auch eine größere Reichweite von Themen, wodurch vielleicht auch viele erst einmal „abgeholt“ werden und regt auf der anderen Seite zur Reflexion an.

    Somit kann (und ich denke wird und ist schon) dies „Thema“ einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert. Wenn hier jetzt drangeblieben wird und die eigenen Sichtweisen sachlich (manchmal nicht so einfach) und mit kühlem Kopf vorgebracht und diskutiert werden ist dies eine große Chance.

    Forderungen, Sich-Selbst-Erfüllende-Prophezeihungen oder Vorab-Urteile sehe ich da als wenig dienlich an. Auch wenn es manchmal schwierig ist eine Reaktion auf das Vorgetragene abzuwarten, so kann dies m.E. häufig helfen 😉

  128. Pingback: Identität und Unterschied: Nachgetreten « Metalust & Subdiskurse Reloaded

  129. momorulez Juli 31, 2011 um 3:16 pm

    Da kannst Du ja recht haben. Und das:

    „Wenn hier jetzt drangeblieben wird und die eigenen Sichtweisen sachlich (manchmal nicht so einfach) und mit kühlem Kopf vorgebracht und diskutiert werden ist dies eine große Chance.“

    will ich ja eigentlich, auch wenn ich mich immer so schlecht abschalten kann und natürlich zu Polemik neige, wenn ich wütend bin. Dann wird manches vielleicht auch mal unfair, okay. Aber ich bin dann auch immer gerne bereit, mich zu entschuldigen, wie man ja hoffentlich an der Kommunikation mit @jeky oben sehen kann.

    Und wieso ich so eindringlich beharre, das habe ich ja hoffentlich anhand dessen, wie im Stadion auf blöde Sprüche reagiert werden könnte (und wird), nämlich auch blöd, hoffentlich deutlich gemacht. Und dass der Übersteiger seine Rolle im Verein reflektiert, schade nun wirklich auch nicht. Es gab zumindest einen vereinspolitisch echt problematischen Kommunikationsvorgang im Umfeld dieser Diskussion, der sich als wirklich folgenschwer erweisen kann.

  130. momorulez Juli 31, 2011 um 4:16 pm

    @Sutje:

    Danke für die Nachfrage im Forum! Da sag ich ja nur nix, weil ich zum einen mein Passwort vergessen habe, zum anderen ist das trotz vieler toller User, na, so richtig „safe place“ in anderer Hinsicht ja auch nicht 😉 … ich lese aber da mit.

  131. momorulez Juli 31, 2011 um 7:22 pm

    Es war über die Referer nachzuvollziehen, dass aus einem Übersteiger-Forum hierher gelinkt wurde; es wurde die Auskunft gegeben, dass es einen internen Diskussionsthread gäbe. Wenn da nur diskutiert wurde, ob die Frage nun was mit „Fanaktionen“, „FC St. Pauli“ oder irgendwie ganz allgemein „Unpaulitisch“ zu tun hat, ist das ja selbst schon nicht ohne.

    Ansonsten habe ich soeben gelernt, dass Geld verdienen an sich schon eine Sauerei ist, offenkundig ja insbesondere dann, wenn daraus ein Off-Theater der Familie Schmidt entstanden ist, und es das gleiche ist, ob man als Olivia Jones über NPD-Parteitag moderiert oder ob Elton sich auch mal Frauenklamotten anzieht. Aber irgendwo emanzipatorisch einflechten. Prima.

    Eine Mail habe ich nicht erhalten.

  132. jekylla Juli 31, 2011 um 7:38 pm

    Korrektur: es waren keine Referrer aus einem Übersteiger-Forum, sondern aus einem nichtöffentlichen Threads des St. Pauli-Forums, das ist ein wesentlicher Unterschied, den man da auch sehr ernst nimmt. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass in nichtöffentlichen Threads über ein Thema diskutiert wird, das noch nicht Gegenstand eines öffentlichen Threads ist. Den zeitlichen Zusammenhang mit der Nachfrage und der Öffentlichmachung fand ich interessant. Nicht mehr und nicht weniger.

    Keine Mail bekommen? Das liegt dann wahrscheinlich am Server/dem Universum/dem Wochenende/der Sternenkonstellation. Oder Sie reden sich das ein. Wie alles andere auch.

    Die Lichtblicke innerhalb des Forums helfen leider nicht über die Erkenntnis hinweg, dass man sowas mit einem schlichten „das war ja nicht so gemeint“ quasi gegenstandslos argumentieren kann. Zumindest, wenn es eine heilige Kuh ist, die auf dem Glatteis ausrutscht.

    Vielleicht kommt die Mail ja noch. Per E-Post. Oder so.

  133. momorulez Juli 31, 2011 um 8:15 pm

    Die Mail habe ich gerade erhalten; die zu veröffentlichen lohnt nicht, und das ist auch nicht mein Job, das zu tun. Wenn die Herren das selbst nicht für nötig befinden, sondern irgendwie dann doch nicht so wichtig finden, zeigt sich einfach nur, was man ja überall beobachten kann: Was Diskriminierung ist, entscheiden dann eben irgendwelche Platzhirsche. Der braune Mob hat Aktenordner voll mit analogen Schreiben.

    Das ist ja diese billige Machtnummer „Den Kritiker nicht aufwerten, sich keine Themen diktieren lassen“. Wie Gernot Stenger.

    Zudem weiß in Zukunft jeder, was passiert, wenn man in der Fanszene irgendetwas anmerkt – es gibt einen Haufen Desorganisierter mit offenen Ohren und Köpfen, und es gibt einen Haufen Platzhirsche, der sich vorbehält, zu bestimmen, was Thema ist und wie es zu behandeln ist. Das ist der Tod jeder Antidiskriminierungsarbeit. Made by Der Übersteiger. Und ja der Grund, warum ich mich hier so aufregte. Das ist ja überall so: Irgendwelche weißen Heinis machen Antirassismusarbeit, heimsen Preise und Förderungen ein, lassen sich feiern, und wenn Fotos gemacht werden, holt man sich noch ein paar Pigmentierte aufs Foto, paternalisiert sie ein wenig, und geht dann mit weißen Freunden in Ottensen essen bei gutem Weißwein.

    Die angedeutete Rolle des FCSR im Forum würde mich aber auch mal interessieren.

    Das muss ich jetzt erst mal sacken lassen. Ob ich zum nächsten Heimspiel gehe, weiß ich noch nicht.

    Es gab ein paar Besuche von einem mit Übersteiger-Forum, einem geschlossenen. Auch das habe ich mir nicht ausgedacht, wie soieso der Konter „Man sieht, was man sehen will“ auch so ein Klassiker ist, um Deutungs-Privilegien nicht anzutasten. Da gibt es ja Studien, wie die Kommunikationsverläufe sind, Darktrail hat eben geschrieben, dass ja auch Frauen an der Tatschscreen-Geschichte beteiligt waren. Also der Passus „Ich, der ich mich in queeren Zusammenhänge auskenne“.

    Das Interessante ist ja, dass JEDER außerhalb der Platzhirschrunden, denen ich das vorgelesen habe, das exakt so verstanden hat wie ich.

    Eine Sache aus der ziemlich gleichgültigen Mail erwähne ich doch: Das Internet sei ja kein Weg, so was zu diskutieren, weil das zur Frontenbildung führe. Exakt die Präsidiumsreaktion auf die Sozialromantiker. Das ist auch das, was ich oben meinte: Bitte ohne Kommentarfunktion. Die furzen irgendeine Scheiße in die 11 Freunde, was dann ja offensichtlich nichts mit Frontenbildung zu tun hat, machen da den Dicken, sind aber komplett überfordert mit Social Media. Das hatten wir ja auch schon häufiger, dass die da allergisch reagieren. Weil es Kontrollverlust bedeutet. Und eben eine Demokratisierung von Kommunikation. Die sind mental irgendwie vor den ersten Hackern stehen geblieben.

    Na ja, für die Funktionsweise des FC St. Pauli war das zumindest erhellend.

  134. jekylla Juli 31, 2011 um 8:24 pm

    Man hängt sich „drüben“ an der Formulierung „Übersteiger-Forum“ auf, wo es ja „nur“ nichtöffentliche Forumsthreads waren im St. Pauli-Forum. „Übersteiger-Forum“ hört sich ja so an, als hätte der Übersteiger das St. Pauli Forum im Griff und das ist ja absurd…

    Kurz vor Ihrem Artikel heute mittag habe ich offenbar gleichen Gedankengängen folgend diesen Tweet http://twitter.com/#!/Jeky/status/97617925237768192 abgesetzt.
    Die Gemeinsamkeiten mit der so-called Krisenbewältigung der Vereinsführung haben also nicht nur Sie so wahrgenommen.

    Und erhellend war das in der Tat. Von der Reaktion nach Redaktionskonferenz, aus der dann diese Mail geworden ist, habe ich mir allerdings von Anfang an nichts versprochen. Nur für Sie irggendwie erhofft.

  135. momorulez Juli 31, 2011 um 8:35 pm

    Ich hatte jetzt nicht unbedingt von dem, der hier kommentiert hat, mehr erwartet, von den anderen Redaktionsmitgliedern schon. Jetzt haben sie halt auf großer Bühne gezeigt, warum sich eine Auseinandersetzung mit denen nicht lohnt. Also mit denen direkt. Inhaltlich hat das hier, glaube ich, ja schon eine Menge gebracht.

    Und jeder kann sich ja selbst Gedanken machen, inwiefern die Teil eines Sytems sind, das dazu führte, dass die Sozialromantikerproteste verebbten. Da wird halt alles blockiert, was nicht vorher den Platzhirschen einen geblasen hat oder deren Wahrnehmung teilt. Selbst wenn hinter den Sozialromantikern auch welche stecken, ich weiß nicht um deren Vernetzung mit dem Übersteiger.

    Ein sattes, etabliertes System immunisiert sich. Wie in einer der großen Parteien.

  136. sparschaeler Juli 31, 2011 um 8:40 pm

    man kann ja mal einen bock schiessen, entscheidend ist wie damit umgegangen wird. dieser selbstherrliche auftritt, a la, hier hast du eine mail kannst sie ja veröffentlichen, zeigt ganz klar das kritik hier nicht erwünscht ist. hätte ich mir nicht in den letzten wochen bereits ernsthafte gedanken über den verein gemacht, genau jetzt wäre der zeitpunkt gekommen einiges in frage zustellen. wenn die fankultur darin besteht sich nur ständig gegenseitig auf die schulter zu schlagen aber kritiker entweder tot geschwiegen werden oder durch claqueure mit ihrem vorauseilenden gehorsam niedergemacht werden, dann gute nacht fcsp.

    ich habe einiges mit genommen aus dieser diskussion und dafür bin ich sogar dankbar.

  137. jekylla Juli 31, 2011 um 8:42 pm

    Tja. Für mich persönlich hat es wenigstens eins gebracht außer der Diskussion. Im Vergleoch geringfügig, aber in Mikrokosmen wenigstens etwas Erfreuliches.

  138. momorulez Juli 31, 2011 um 8:46 pm

    Auch noch mal hier, nachdem Frodo den nun doch ins Forum gestellt hat: Ein Gastartikel wurde mir nicht angeboten, lediglich ein Leserbrief. Und die Teilnahme an der Redaktionskonferenz wurde nicht mir, sondern einer Freundin angeboten. Raus geschmissen hätte man mich vermutlich trotzdem nicht, da ist aber das Problem eh ein anderes: Ein Fanzine im Rahmen des „antirassistischen Verins“ hat sich gefälligst selbst das Wissen drauf zu schaffen, wo koloniale Darstellungstraditionen vorliegen, ansonsten macht es sich schlicht und ergreifend unglaubwürdig. Es hat selbst so ein Thema sofort aufzugreifen, selbst wenn es sich um ein Hobby- und Feierabend-Fanzine handelt. Das dann abzuwälzen, ist Teil des Problems.

  139. momorulez Juli 31, 2011 um 9:05 pm

    @sparschaeler:

    Genau auf diesen zugleich entwertenden und paternalisierenden Gestus reagiere ich doch die ganze Zeit. Der ist ja gesellschaftlich weit verbreitet, Frauen und Schwarze erleben den auch weit häufiger als weiße Schwule. Zudem dabei immer so getan wird, als sei es das Problem meiner Freundin, wenn irgendwo „Bimbo“hafte Karrikaturen erscheinen. Das ist das Problem derer, die sie veröffentlichen, und DIE haben sich gefälligst selbst diesbezüglich zu bilden. Diese Randgruppensatire, die sich in Deutschland solcher Beliebtheit erfreut von Nuhr bis Bully, das haben die immer noch nocht begriffen, ist doch der Grund, warum ich das überhaupt erwähnt habe.

    @Jeky:

    Ich freue mich, wirklich!, über ihr Engagement in dieser Diskussion, und das ganz andere Problem, was wir hatten, könen wir gerne noch mal bei einem Bier besprechen.

    Schade war jetzt aber, dass wir uns nicht mehr grün waren, weiß ja auch jeder, dass so der Eindruck entstanden ist, das sei jetzt eine Kampagne mit den üblichen Fronten, was es erst dadurch wurde, dass der Übersteiger so dosiert nur in Social Media sich engagiert und lieber mauschelt.

    Das ist entstanden, weil Der Übersteiger Mist in die 11 Freunde gekotzt hat und auf eine Mail so reagiert hat, also einer von denen, wie er reagiert hat. Was vielleicht noch als Hinweis zu verstehen sei, dass es nicht unbedingt klug ist, ihm den Social Media-Bereich zu überantworten. Selbst wenn das nur Ungeschicklichkeiten waren, ist das eine prima Methode gewesen, Lesarten bestätigt zu sehen.

  140. jekylla Juli 31, 2011 um 9:16 pm

    Naja, dass wir uns eher giftgrün waren, sollte aber eher ein Indiz dafür sein, dass ich dennoch in der Sache vorbehaltlos eine Meinung haben kann, auch wenn sie dann eben Ihrer angelehnt ist. Das hier ist nichts Persönliches, sondern eben etwas Fundamentales und da spielen ungeklärte persönliche Ressentiments für mich auch keine Rolle, selbst wenn sie ungeklärt geblieben wären.

    Alles andere wäre allerdings auch Kindergarten. Immerhin hat es dieses Vorkommnis geschafft, einen Leser auf den Spuren von Jeky bis tief in die Innereien dieses Blogs zu ziehen und da würde ich doch sagen; auch das hat sich gelohnt 😉

    Es hat ja keiner dem Übersteiger grundsätzlich eine bösartige Intention unterstellt, aber bei 11Freunde bemüht witzig sein zu wollen, ist ungefähr wie der Versuch des Basketballvereins Ingelheim-Nord, bei den Dallas Mavericks einen Dreier zu werfen. Kann gutgehen, muss aber nicht. Wie sparschaeler schon sagte, einfach mal eingestehen, dass es dumm formuliert war, und das Ding wäre durch gewesen. Ich dachte immer, nur die Vereinsführung macht Sachen von Rechtfertigungsversuch zu Rechtfertigungsversuch gerne mal schlimmer. Irre mich in letzter Zeit ständig irgendwie.

    Bier geht klar.

  141. momorulez Juli 31, 2011 um 9:39 pm

    Ich wollte das zur Sicherheit noch mal geschrieben haben; irgendwie ist bei manchen wohl der Eindruck einer organisierten Kampagne entstanden, das war nicht so. Todesmutig habe ich ganz im Alleingang diesen Text ins Blog gestellt ohne vorherige Absprachen mit irgendwem, aber sehr wohl es Frodo ankündigend. Und wohl wissend, dass ein ziemlicher Shitstorm los gehen könnte. Dass der weitest gehend ausgeblieben ist, das freut mich in der Tat. Und dass sich im Grunde genommen eine ganz andere Struktur heraus gebildet hat, da kann ich ja nix für.

    Inhaltlich bin ich viel los geworden, und es wurde von vielen zugehört, die vielleicht meine Sicht nicht teilen, aber das ist ja auch schon viel. Danke an alle!

    Ob Der Übersteiger hier nicht ganz wie unsere Mannschaft gestern sich als Chancentod erwiesen hat, darüber kann er jetzt ja grübeln.

  142. momorulez Juli 31, 2011 um 10:52 pm

    @Sutje:

    Danke auch noch mal für Dein letztes Posting im Forum, selbst wenn mein Part – Erkenntnis, übersensibel reagiert zu haben – da noch aussteht 🙂 . Sehe ich nicht so. Danke auch an Edit!

    Aber: Was richtig ist, ist, dass ich jetzt tatsächlich die Diskussionslage bei uns deutlich positiver sehe. Sehr viel positiver.

    Als ich den Eintrag geschrieben habe, hatte ich tatsächlich eine Abfolge wüster Zurückweisungen, Empörungen, Beschimpfungen, eben mehr aus der Ecke „gequirlte Scheiße“ erwartet. Das ist bis hin zur zwar unbefriedigenden, aber zumindest nicht mein Anliegen infrage stellenden Antwort des Übersteiger nicht passiert, weitestgehend, und das ist schon prima. Dann kann ich auch meinerseits tatsächlich, ganz, wie Du oben meintest, mir noch mal Gedanken machen, welche Ängste usw. Nicht-Betroffener bei solchen Themen eine Rolle spielen. Weil diese Dimension ja auf meiner Seite oder der der schwarzen oder feministischen Alliierten erst dann eingeholt werden kann, wenn das Sujet als solches als überhaupt relevant anerkannt wird, was eben oft nicht der Fall ist, wenn dieses „der/die sucht ja nur irgendwas, um sich diskriminiert zu fühlen“ einsetzt. Ja, Darktrail, Dich meine ich.

    Was in diesem Fall echt nicht so war.

    Die Antwort des Übersteigers zeigt auch, dass sie den Grund, warum ich da so abgegangen bin, nicht wirklich verstanden haben. Weil sie nicht verstehen, wie sich homophobe Muster bilden und wie die funktionieren. Haben übrigens auch viele Schwule nicht, weil die zumeist oder oft eher sehr viel individualpsychologischen Schutt abräumen müssen und gesellschaftliche für individualpsychologische Probleme halten. Also viele, viele ja auch nicht.

    Da muss man dranbleiben. Wenn ich mir z.B. die letzte Fotoserie beim Lichterkarussell angucke, hat der das verstanden. Vielleicht intuitiv, ich weiß nicht, ob er hier mit liest.

  143. vuvuzela//riotqueer August 1, 2011 um 6:16 am

    Am Ende siegt die Masse am Millerntor, und die einzelnen selbst-kritischen Stimmen gehen unter im Vergleich um weitere _Ismen, die ausgemacht werden, um ja die Suggestion einer werte-kritischen Debatte den Stoff zu nehmen.
    Der Grundkonsens um Antifaschismus dreht sich im Kreis und am Ende hat es sich der ‚Autonome Nationalist‘ auf St.Pauli gemütlich gemacht.

    Keine Diskussionen mit Heteros und Heteras!

    ‚Pride-Hüftschwung‘ am 6.8 in der Roten Flora!

  144. momorulez August 1, 2011 um 9:03 am

    Wahrscheinlich hast Du recht 😦 …

  145. momorulez August 1, 2011 um 9:34 am

    Allein schon: Hier das Übersteiger-Kollektiv, da die zickige Tunte, die Diskriminierung ggf. sieht, weil sie das will. Als könnte ich mir nicht auch ein Leben ohne als Besseres vorstellen. Das ist ja eine Foucault-Anwendung par excellence: Die hysterische Schwuppe wird individualisiert, das Kollektiv der Normalen bleibt unbefragt.

    Schön auch die Konstruktion des ECHTEN Transvestiten im Gegensatz zu denen, die nur vampiresk aus Geldgründen parasitär daran herum schmarotzen. Wie die Sozialbetrüger am ehrlichen Steuerzahler. Jargon der Eigentlichkeit in Reinkultur. SCHLIMM.

  146. Loellie August 1, 2011 um 10:47 am

    Meinem Mann, der bei solchen Themen auch gerne mal auf dem Schlauch steht, ist auch das Gesicht abgefallen, als ich ihm das vorgelesen habe.

    Ich wüsste trotzdem zu gerne, wo die immer diese vorformulierten Antwortschreiben herholen.

  147. momorulez August 1, 2011 um 10:52 am

    Letzteres frage ich mich auch. Das ist wirklich ein kulturell manifestes Kommunikationsprogramm, das da abläuft.

    Ich habe das ja hier verschiedensten Leuten vorgelesen – einem schwulen Kollegen, einem schwarzen Kollegen, einer Kollegin. Alle haben es so verstanden wie ich.

  148. che2001 August 1, 2011 um 11:27 am

    Halt eine verklemmte Spießerscheiße, die ich in St. Pauli-Fankreisen nie erwartet hätte. Habe das auch nicht anders verstanden als Du. Erfahre hier allerdings erstmals, dass es ein Magazin namens Übersteiger gibt.

  149. pantoffelpunk August 2, 2011 um 4:55 pm

    Wobei ich noch einmal anführen möchte, dass uns das Kampfgeschwurbel von vuvuzela auch nicht einen Schritt weiterbringt.

  150. vuvuzela//riotqueer August 2, 2011 um 9:01 pm

    Vielleicht doch, wenn ‚onLine‘ eine eigene Sektion für LGBTI-People (of color) eingefordert wird.
    Eure Parental-Thesis könnt ihr alleine suchen!

  151. momorulez August 2, 2011 um 9:17 pm

    Ich hau die Foren-Macher auch noch mal an. Weil ich ja weiß, wie das da zugeht. Das ist teilweise dramatisch.

  152. Sonnenstrahl August 2, 2011 um 10:30 pm

    Was ist eine Parentalthesis? Ist das wichtig?

  153. momorulez August 2, 2011 um 10:34 pm

    @Sonnenstrahl:

    Ist Deine Gegenfrage wichtig? Denk doch einfach drüber nach.

  154. Sonnenstrahl August 2, 2011 um 10:42 pm

    Das habe ich. Da ich zu keinem Ergebnis kam, dachte ich, ich frag mal. Ist aber offenbar nicht erwünscht. Na, dann erst mal tschüss. Für heute.

  155. momorulez August 2, 2011 um 10:46 pm

    Ich hab mir das als Paternalismus gedeutet, der zugleich phonetisch auf das Dental-Motiv anspielt … fand ich eine ganz gelungene Verdichtung, und an These gekoppelt halt die Thesenhaftigkeit von Paternalismen, deren ideologische Form, aufzeigt. Finde ich wichtig.

  156. momorulez August 2, 2011 um 10:56 pm

    Paradontose. Also, das phonetische Dentalmotiv in meiner Lesart noch mal richtig. Dass die Zähne ausfallen. Weil das ZahnFLEISCH zurück weicht. Wegen thesenhaftem Paternalismus. Thesenhaft. Haftcreme. Gleitcreme. Die „Dritten“.

    Das Wortbild hat Potenzial selbst dann, wenn es gar nicht so gemeint war 😉 …

  157. netbitch August 2, 2011 um 11:22 pm

    Anal den Dritten einführen? Hach, ich schlampe, hach!

  158. vuvuzela//riotqueer August 3, 2011 um 5:13 am

    Im Grunde meinte ich mit ‚Parental-Thesis‘ zwar auch den Paternalismus – aber deutlicher in einer Kommunikation des Betroffen sein, die Eltern, die dann an allem Schuld sind. Typische Heten-Dekompression:))

  159. Sonnenstrahl August 3, 2011 um 8:22 am

    Ich überlegte, es könnte was mit Elternschaft zu tun haben (parent), vielleicht eine Elternschaftsdissertation. Sowas würde ich auch anderen überlassen. Andererseits habe ich im Moment viel mit der norwegischen Sprache zu tun, und dort wäre es dann eine Zusammensetzung aus Parent (Klammern) und Althes (Athen). Meine alternative Deutung sind dann athenische Rundklammern. Das macht auch Sinn, denn warum sollte Vuvuzela unsere athenischen Rundklammern suchen? Da hätte ich nun wirklich auch keine Lust drauf.

    Gut, auf Hetendekompression bin ich nicht gekommen. Faszinierend. Ich glaube, ich denke mir jetzt auch ein paar Worte aus, die nur ich zu deuten vermag. Sowas locker jede Diskussion auf!

    Wo das alles geklärt ist, werde ich mich jetzt wieder meinen Veskeballerstudier zuwenden.

  160. Sonnenstrahl August 3, 2011 um 8:26 am

    Die Auflösung zu Veskeballerstudier kommt heute abend.

  161. vuvuzela//riotqueer August 3, 2011 um 11:34 am

    Oh ha,..da haben ‚wir‘ ja einen weiteren _Ismus, den ich mal keine Böswilligkeit unterstellen will, aber unter dem Verdacht steht, das eigene Sekret als Bonbon-Geschmack zu verkaufen.
    Hat genauso wenig mit ‚trans‘ zu tun wie die Gehässigkeit im St.Pauli-Forum das Thema anpackt, aber dennoch immer schön Beziehungskrank daher schreiben….

  162. netbitch August 3, 2011 um 11:54 am

    Das Teile der Kommentarsektion mit dem Ausgangsthema nichts mehr zu tun haben ist ganz generell nichts Neues;-)

  163. Sonnenstrahl August 3, 2011 um 12:16 pm

    Immerhin habe ich, das Kompliment von Vuvuzela gebe ich ihm gerne doppelt zurück, direkt Bezug genommen auf sein „eigenes Sekret“. Je mehr ich darüber nachdenke, ist es vielleicht wirklich fast schon ein Ausdruck von „beziehungskrank“, jedenfalls von krank, wenn man auf das, was Vuvuzela so schreibt, allzu sehr Bezug nimmt. Ja, ich gestehe, ich habe mich über seine absurd zahlreichen Wortschöpfungen, seinen überüppigen Klugscheiß und seinen Hass auf alles von seiner Welt Abweichende, der munter aus ihm heraus sprudelt, lustig gemacht. Nicht sehr grob, aber eben doch. Er scheint einen hellen Verstand zu haben, aber ich glaube fast, er möchte auch nicht verstanden werden. In seiner Welt sind wir bestensfalls Idioten. Er ist der große Bescheidwisser. Wie auch immer, ist ja auch nicht so wichtig. Trotzdem finde ich anregend und originell, was er schreibt, auch wenn ich nur 10 Prozent davon verständlich finde und 20 Prozent völlig verrückt. Ich les ihn trotzdem gerne.

    AUGE!

  164. vuvuzela//riotqueer August 3, 2011 um 12:46 pm

    Aalglatt Sonnenschein!

    FAUST!

  165. momorulez August 3, 2011 um 2:02 pm

    Also, jetzt hier mit „krank“ um die Ecke zu kommen steht auf dem Index. Hier nicht.

  166. Sonnenstrahl August 3, 2011 um 2:39 pm

    Geht das jetzt an Vuzuzela oder an mich? Mir fällt gerade auf, daß ich seit gestern ziemlich aggressiv bin. Hat vielleicht sogar mit dem Wetter zu tun. Hohe Temperatur und viel Sonne habe ich zwar sehr gerne, aber gestern abend hätte ich mich fast mit jemanden geprügelt wegen einem Streit am Getränkeautomaten. Der wollte halt unbedingt vorgelassen werden und war schwerst beleidigt, weil er seinen Willen nicht bekam. Hätte nicht viel gefehlt und ich hätte ihm ein paar Flaschen durchs Gesicht gezogen. Hinterher haben wir uns die Hände gegeben und waren der Meinung, daß wir beide uns beknackt angestellt haben. Mit Sicherheit bin ich aber nicht „bezienungskrank“, nur, wenn ich jemanden nicht kapieren kann. Dazu müßte ich erst einmal eine Beziehung haben. Außerdem habe ich nicht ihn, sondern mich „vielleicht krank“ genannt, wenn ich bestimmte Dinge inadäquat behandle.

  167. vuvuzela//riotqueer August 3, 2011 um 2:53 pm

    ‚Being trans‘ gilt im allg. Wertekanon der Psychologie und Medizin immer noch als ‚krank‘..so what?

    Ich wollte die Tonspur nicht weiter fortführen im Nest der wohlfühligen Bonbon-Geschmäcker ach so betretender Menschen, die sich ein Maßstab des Augenscheins verkneifen, wenn diese ein Mann in Frauenkleidern transvestierend treffen, diese aber sich im ‚krank‘-Kanon der Psychologie auf den Weg einer Geschlechts-OP befindet. Oder die ‚Butches‘ die zum ‚female to male‘-trans Weg befinden, aber niemals in der gesellschaftlichen Mitte als Abbilder vom Mann sein weg kommen und ein Begriff von ‚boy_ish‘ hinter sich her tragen.
    Oder was ist mit ‚People of color‘ in dem Wertekanon ‚krank‘ zu sein, sich mit Menschen aus der Diaspora coital vereinigt haben und Abarten der Zunft was ein (homo-)nationaler Ruf nach Gleichheit vor der Zäsur zu stehen, leisten.

    Und die ‚Phobie‘ beschreibt eigentlich eine schon ‚krankhafte‘ Abscheu vor ‚trans-Menschen‘ in ihrer Bewegung und Desavouiertheit!

    Hier sollten ganz viele Menschen eingeladen werden, die sich unmittelbar in ihrer ‚pride_ness‘ zu diesen ‚trans/_inter‘-Themen bewegen und auch mal am Millerntor waren oder auch immer noch hingehen..

    Ansonsten formuliere ich den Verdacht, dass es um ‚weißen‘ Sex geht und deren Rassifizierung des Sexualitätsparadigmas.

    Wo ist die ‚oppression???

  168. che2001 August 3, 2011 um 3:15 pm

    Wer Grippe oder ein gebrochenes Bein oder Alzheimer hat ist krank. In sexuellen Identitäten/Selbstverständnissen/Präferenzen hat der Begriff ebensowenig etwas verloren wie im verstehen/nichtverstehen einer Diskussion oder Argumentation.

  169. vuvuzela//riotqueer August 3, 2011 um 3:35 pm

    Wo ist die Dialektik? Wo ist dann die ‚oppression‘ gegenüber all den ‚Phobien‘ am Millerntor?
    Und damit meine ich auch die linksradikale Szene deiner Stadt, die Punk-Szene und auch all die anderen, gesellschaftlichen Nischen die sich nicht auf deine Einzelmeinung gegenüber manifeste Tatsachen und Pathologien der Wissenschaft berufen?

    Nur mal so als Betroffener in den Raum geworfen…

  170. momorulez August 3, 2011 um 4:25 pm

    Ich meinte, dass Sonnenstrahl, wenn er mit Riotqueers Sprache nicht klar kommt, es trotzdem unterlassen kann, sich an dieser abzuarbeiten und dabei mit Krankheitsbegriffen zu operieren.

    Transphobie als gesellschaftliche Pathologie zu betrachten macht allerdings Sinn.

    Alles nur so knapp, weil ich die ganze Zeit unterwegs bin.

  171. Sonnenstrahl August 3, 2011 um 8:24 pm

    Natürlich sind Transphobie und Homophobie Pathologien. Nur war es eben Vuvuzela, der grundlos auf mich Krankheitsbegriffe angewendet hat. Ich habe den Eindruck, daß das hier Beifall findet. Fürs Protokoll: Ich bin nicht irre im Kopf, kein Vertreter kranker „Ismen“, noch bin ich beziehungsgestört. Mir langt das schon, was mir mir beim Flaschensammeln so alles an den Kopf geworfen wird. Dabei habe ich eine sehr interessante Erfahrung gemacht: Man darf sich nichts bieten lassen. Wer mich beleidigt, bekommt das doppelt zurück. So halte ich es generell und auch hier, und sei es als Spott über Superbescheidwisser, die mit dem Rest der Welt kaum etwas anzufangen verstehen. Ich halte es für ziemlich panne, mir vorzuwerfen, ich hätte Vuvuzela krank genannt. Das ist unwahr. Vuvuzela hat aber eine interessante Frage gestellt, das finde ich auch wichtiger, nämlich, wie das mit der Opression gegen Transphobie ist. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, vor Opression sollte erst einmal die Auseinandersetzung und Konfrontation stehen.

  172. vuvuzela//riotqueer August 3, 2011 um 8:29 pm

    Yo Pussy-Gay,…achte auf dich, die innere Akzeptanz auf eine Lunte weg und O-Saft,..lässt mich gerade entspannen bzgl. meines Umgangs mit ‚artificial communication‘ im Netz der Eitelkeiten.
    Mo,..

    Am 13.8. macht wir mit einen Haufen Goa-Ecclectics eine Britcore-Hip Hop HeArtcore-Party in Hammerbrook,..und das macht mich irgendwie Out

  173. momorulez August 3, 2011 um 8:42 pm

    @Sonnenstrahl:

    Neulich hast Du noch Rentner im Supermarkt lediglich gefragt, ob sie bereit wären, einen Irrtum zuzugeben. Das ist jetzt eine andere Tonalität.

    Ich denke, Vuvuzela/Riotqueer versucht, Sprachbilder zu finden für eine ihm immer wieder feindlich gesonnene Umwelt, wie Du ja auch. Sind nur andere Bilder. Kann er mich gerne korrigieren.

    Aber diese Pathologisierungsnummer sehe ich tatsächlich als individualpsychologische Diagnose mehr als nur kritisch. Weder ist es krank, sich auf ihn zu beziehen, noch sonstwas in den hiesigen, zwischenmenschlichen Reaktionen und Relationen. Vielleicht können sich ja alle dran halten.

    Was allgemeine Konstellationen betrifft, eben z.B. strukturelle Pathologien hinsichtlich der Konstitution seiner selbst als bürgerlicher Mann, als weißer Mann usw. zum Beispiel, kann das ja Thema hier gerne sein. Auch, wenn sie sich in den konkreten Kommunikationen reproduzieren.

    Aber sonstigen Hickhack lasst jetzt bitte bleiben. Das nervt. Gemach, entspannen, und vielleicht ganz bieder mal ein klein wenig Rücksicht und Akzeptanz für differente Codes.

  174. vuvuzela//riotqueer August 3, 2011 um 8:45 pm

    Nö, denke ich nicht! Für diesen Blog mit all den bunten Zutaten des Geschmacks: ich wurde für meine Neo_log_Ismen auch schon ‚eingewiesen‘ als ‚krank‘ (nicht gesellschaftsfähig im Sinne von’nem Zwilling-Mate)…und seitdem auf Pille!

    Deswegen so die ZENTRUMS-Partei bei diesem Thema!

  175. momorulez August 3, 2011 um 9:00 pm

    @Vuvuzela/queerriot:

    Ich kann jetzt nicht sagen, dass mich das überrascht, was jetzt nicht heißt, dass ich das gut finde, Leute einzuweisen, so im Allgemeinen, im Konkreten wissen das Betroffene besser, oder dass ich hier meinerseits herum diagnostiziert hätte.

    Und ob Medikation jetzt hilft, weiß ich nicht, weißt Du besser. Also Dir hilft.

    Das schließt doch aber nicht aus, dass Du versuchst, Sprachbilder für eine feindlich gesonnene Umwelt zu finden mit Deinen Neologismen. Ganz im Gegenteil. Da waren nun eine ganze Menge dabei, mit denen ich echt was anfangen konnte. C.G. Jung und viele andere Schriftsteller hatten doch auch ihre Phasen, Burroughs war immer auf irgendwas usw.

  176. vuvuzela//riotqueer August 3, 2011 um 9:24 pm

    In Hamburg sagt man(n): ich geh morgen zum Amt:)

    Danke Mo,…die visuelle Kommunikation obliegt ganz dir!

  177. che2001 August 3, 2011 um 10:03 pm

    Das ist doch eigentlich gerade alles sehr produktiv, in einem anderen Sinne, als ich jetzt mal in einem 13-Stunden-Arbeitstag produktiv sein musste. Sind doch ein sehr buntes Völkchen hier, und Sonnenstrahl und Vuvuzela könnten sich ja vielleicht auch ergänzen.

  178. vuvuzela//riotqueer August 4, 2011 um 4:07 am

    Ich denke auch,..was aber zur Folge hatte, das ich mit diversen Backlash aus meiner letzten Beziehung vor 13 Jahren mit einer bi-sexuellen, promisk lebenden Person aufschüttete, und mit der noch nicht mal Sex hatte, das diese Person eher an ‚Sklave‘ an mich dachte.

    Ich muss nachher wirklich zum Amt! Shit!

  179. momorulez August 4, 2011 um 8:44 am

    Ja, viel Glück! Auch beim Durchwandern der Backlashes! Notfalls immer mal an den „Pool“ aus Stephen Kings „Love“. Der innere Parallelwelt-Ort, wo die Ideen sind. Die heilen Wunden, innerlich wie äußerlich.

  180. Pingback: Ausblick: morgen geht die Saison erst wirklich los! #FCSP Heimspiel gegen Aachen « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  181. vuvuzela//riotqueer August 4, 2011 um 4:47 pm

    Ich bin ganz K.O. in der Willkür irgendeiner, kalkulierten Sach-Brumme, die es gut meint mit dem Staat und Sozi-Filz und mich der weiteren Bearbeitung verwies. Zuwenig zum ‚leben‘,..zum ’sterben‘ zuviel!!!
    Genauso wie dieser Thread sich hier oder im Forum weiteren Kalkulationen entziehen wird. denke ich dennoch, das besonders die ‚oppression‘ ein Gegenstand einer negativen Dialektik sein sollte.

    Ansonsten halte ich nicht viel von Literatur a la ‚King‘ und Konsorten, stehe eher auf http://www.samuelrdelany.com/ im engl. Original.

    Ich ziehe die Segel ein….

  182. momorulez August 4, 2011 um 5:22 pm

    Mir haben die zwei Monate „Agentur“ völlig gereicht, obwohl die zu mir natürlich noch ganz nett waren, weil ich ja gleich Selbständigkeitswunsch signalisierte. Super, schnell raus aus der Statistik. Die, die das nicht wussten, die am Empfang, haben jede eigenständige Regung sofort mit Empörung geahndet. Fühle echt mit Dir.

    Opression müsste ich noch googeln, gebe ich zu. Und ich bin gerade schwer auf einem King-Trip. Weiß auch noch nicht genau, warum, aber irgendwas gibt der mir.

  183. Sonnenstrahl August 4, 2011 um 5:57 pm

    einen Horror, der den Horror des Alltags so deutlich überragt, daß der Alltag dadurch wieder freundlicher erscheint. Katharsistheorie. Grüße, der Satzvollendungsautomat.

  184. vuvuzela//riotqueer August 4, 2011 um 6:30 pm

    Und jetzt denken wir mal an Alle, die ein switch zwischen den Geschlechtern sich bezahlen lassen wollen u.a. müssen.

    Bitte Google mal ‚triple of oppresssion‘ – ein Fachbegriff der 1990er aus dem US-englischen, ..und wenn du vollends Bock hast, ‚unity of oppression‘ eine aus der Tierrechts-Bewegung der britischen Heimsphäre ins diesseits beförderte ersten Ansätze _Ismen zu untersuchen.

  185. che2001 August 4, 2011 um 6:33 pm

    Das Thema Triple Oppression hatten wir doch lang und schlapp in der Debatte mit Georgi, auf meinem Blog und bei Netbitch. Ich staune jetzt gerade, werter Gastgeber …

  186. momorulez August 4, 2011 um 6:39 pm

    @vuvuzela:

    Ich sitze da gerne nach 😉 …

  187. momorulez August 4, 2011 um 7:00 pm

    @vuvuzela/riotqueer:

    Das Thema als solches ist mir bestens bekannt; ich setz hier mal einen Link zu einem recht oberflächlichen Wikipedia-Artikel:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Dreifachunterdrückung

    Was ich hier bisher auch zu wenig gemacht habe im Kontext dieser Diskussion, ist, den Klassismus-Aspekt noch deutlicher heraus zu arbeiten, der ja wie alle anderen Themen immer kapitalistischen Verwertungsformen abkünftig ist, nichtsdestotrotz niederschmetternd sein kann. Und durch die Projektion von Homophobie und Antisemitismus und Sexismus auf PoC ist da ja noch ein weiterer Schwurbel hinzu gekommen. Ebenso durch den Mythos der „besserverdienenden Schwulen“, denen alle anderen dann die Parties finanzieren.

  188. momorulez August 4, 2011 um 7:01 pm

    @Che:

    Ja, inhaltlich schon, aber doch nicht unter diesem Begriff. Ich kenne das als Mehrfachdiskriminierung, werter Gast 😉 …

  189. Pingback: Auch mal Fussballcontent zur Abwechslung? « Hyde and Seek

  190. vuvuzela//riotqueer August 4, 2011 um 9:54 pm

    Wie geht es Euch eigentlich so vorm Aachen-Spiel?
    Hat der Querschnitt dazu etwas gebracht? (http://stpauli-forum.de/viewtopic.php?t=63453&start=0)
    Und haltet Ihr die Transparenz bzgl. dem was am Millerntor und im ÜS abgeht am morgigen Tag für beispielhaft?

    Ich bin neugierig!

  191. Sonnenstrahl August 4, 2011 um 10:58 pm

    Zuversicht. Wird bestimmt ein cooles Spiel.

  192. che2001 August 5, 2011 um 8:58 am

    Ich wundere mich nur, weil ich es z.B. in all den Dskussionen nur unter diesem Begriff verwendet habe, und mit Link auf genau den Wikipedia-Artikel wiederholt….

  193. momorulez August 5, 2011 um 9:06 am

    Echt? Kann ich mich nicht dran erinnern.

  194. che2001 August 5, 2011 um 9:21 am

    Tue ich seit 2006 immer wieder.

  195. momorulez August 5, 2011 um 9:23 am

    Ja, und? Dann habe ich wohl mehr auf den Inhalt als auf den Begriff geachtet.

    An Deine Ausführungen zum Operaismus (?) erinnere ich mich, meinst Du das?

  196. che2001 August 5, 2011 um 10:18 am

    zig Diskussionen, vom Hartmann-Buch über den Operiaismus bis zu den Diskussionen über Linkssein und Marx mit Georgi in den letzten Wochen bei dir und bei netbitch.

  197. che2001 August 5, 2011 um 10:18 am

    Und immer auch bei den BLOgis

  198. Sonnenstrahl August 5, 2011 um 10:21 am

    Der Streit um Kaisers Bart? Sorry, ich muss unbedingt etwas erzählen. Mir ist heute morgen etwas ziemlich ungewöhnliches passiert. Also, ich torkel so durch die Wohnung, lande im Bad für naja, ihr wisst schon. Jedenfalls stehe ich gedankenlos vor dem Spiegel, betrachte mein Spiegelbild und denke plötzlich: „Ich mag den Kerl“.

    Ich mag den Kerl! Das ist wirklich neu für mich.

    Das klingt jetzt vielleicht unpassend zum Thema, aber ich denke, sogar das Gegenteil ist der Fall. Ein Riesenproblem jeglicher Diskriminierung, eventuell sogar mehrfacher Diskriminierung eines Menschen besteht darin, daß er auf diese Weise davon abgehalten wird, sich selber zu mögen inklusive der Dinge, die ihn von der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden. Genau darum ist es auch so problematisch, wenn dümmliche Stereotypen ausgerechnet in Fanmagazinen von St. Pauli kursieren, die dann genau jene Menschen als Witzbild mißbrauchen, welche es meistens schon so schwer genug in unserer Gesellschaft haben.

    Wie ist das bei euch, wenn ihr in den Spiegel schaut? Sagt ihr euch unweigerlich, „ich mag den Kerl“ bzw. „ich mag den/die da“. Ich glaube, den meisten fällt das sehr schwer.

  199. momorulez August 5, 2011 um 10:28 am

    @che:

    Lies doch mal hin: Dass Du auf den Operianismus verwiesen hast, daran erinnere ich mich gut. Ich habe das lediglich nicht mit Oppression in Verbindung gebracht.

    @Sonnenstrahl:

    Klar geht es darum. Ich mag mich auch 😉 …

  200. vuvuzela//riotqueer August 5, 2011 um 10:51 am

    Wenn ich in den Spiegel schaue, meiner Schizo-Immanenz gewahr, dann denke ich, was für’ne fette Eitrigkeit. Habe, seitdem ich pharmazeutisch eingestellt wurde über 30 kg zugenommen und fühle dies als maßlose Veränderungen zu den lebendigen Kapiteln zuvor auf St.Pauli und eh das bissl Antifa.

    Körperpolitisch eine Katastrophe gleich kommend, dazu „“Panik an der Börse: Dax stürzt auf FDP-Niveau!““

  201. momorulez August 5, 2011 um 10:55 am

    Oh Mann, das ist fies. Das ist echt fies. Bin ja auch aus der Form geraten, aber durchaus absichtlich, weil ich das nicht mehr einsah, nun ständig in irgendwelchen Fitness-Centern rumzuturnen, um irgendwie fleischmarktfähig zu bleiben. Ich müsste mehr tun als manch andere, um mich rank zu halten, ist bei mir einfach so. Wollte aber mal einfach so sein dürfen.

    Als Effekt von Medikamenten ist das allerdings hundsgemein.

  202. che2001 August 5, 2011 um 11:38 am

    Für mich geht gleich der Abnehmurlaub los: Klettern, bis die Muskeln säuern!

  203. vuvuzela//riotqueer August 5, 2011 um 11:47 am

    Und dann ist das noch ein ‚Anti-Dopamin‘-Mittelchen, welches mein Schätzchen, ich als Hooligan absolut nicht gebrauchen kann – gerade in meiner neuen Gegend in Bramfeld, wo die Testosteron gesteuerten Hirnfuzzies das Feld bestellen….

  204. che2001 August 5, 2011 um 12:51 pm

    Au weh, ich neige im Zweifelsfalle ja eher dazu, mir Dopamin zuzufügen. Warum machen Psychopharmaka eigentlich dick? Und was musst Du sonst schlucken, Haldol etwa?

  205. Sonnenstrahl August 5, 2011 um 1:59 pm

    Man kann auch rund und attraktiv sein.

    Oder sympathisch, das ist doch auch schon mal etwas. Ein Lächeln macht 50 Kilo wett. Ich glaube, wenn man bestimmte PPharmaka schluckt, muß man den Nebenwirkungen mittels Bewegung und Ausdauerkrams etwas entgegen wirken. Kann sogar ganz schön sein, öfter mal Ballsport mit anderen oder lange Fahradtouren. Oder Goa ohne Draggs. Oder was anderes schönes. Das macht nicht unbedingt viel schlanker, aber wieder vitaler. Bei mir sind durch viel Sport und Fahrradfahren 9 Kilo verloren gegangen, was eigentlich viel zu wenig ist. Aber scheiß drauf! Dafür fühl ich mich nicht mehr so schlapp und krank. Manchmal fühle ich mich sogar wie das junge Leben. Mit 118 Kilo. Bis zum Ende des Jahres möchte ich gerne unter 110 Kilo kommen. Und nächstes Jahr durchquere ich dann die magische 100-Kilogrenze. Immerhin traue ich mich wieder im TShirt durch die Gegend zu rennen. Mein Flaschensammeln versuche ich als „bezahlten Sport“ anzusehen, obwohl es in Wirklichkeit natürlich anders ist. Trotzdem, wenn ich meine große Tour mit 3 oder 3 1/2 Stunden Dauer abgeschlossen habe, dann merke ich meine Knochen sehr ordentlich, stinke wie ein Itlis und bin müde, aber glücklich.

  206. vuvuzela//riotqueer August 5, 2011 um 3:13 pm

    Nöö,…ich nehme nur das eine Prä_parat!
    Ansonsten zurück zu ‚trans-identitären‘ Körperpolitiken: Die Frage der Heterosexualisierung der sog. feministischen Theorie durch ‚body politics‘ und ‚fat seizure_ments‘ ,..ist so was von komplex, das die Patriarchatsidee ein Paradox produziert, nämlich die Selbstwahrenehmung im Kontext einer Homo-Identifizierung gegenüber einer Hetero-Totalisierung…

    Any suggestions?

  207. ziggev August 5, 2011 um 3:15 pm

    seit ich eingesehen habe, dass mir die Sesamstraßenmannfrisur einfach nie stehen wird mit meinem balkanesken Heideggersptizkopf, ich manchmal wieder den Zahnarzt aufsuche und mir mein Brustfell, das am Bauch und etwas weiter unten gekürzt habe, und wenn ich, wie eben grade geschehen, schweißtriefend die 2 qm Naßzelle von oben bis unten domestosrein abschrubbe – außerdem habe ich in meiner engen und heißen Wohnung unter den Dachschrägen gar keine Chance, bei diesem Wetter zu überleben, wenn ich nicht die ganze Zeit in Badehose rumlaufe – , dann erst recht nicht, dann lässt es sich gar nicht vermeiden, dass ich am Spiegel vorbeikomme, darüberhinaus noch die schweißbedingen Hauirritationen behandele, mich auchmal rasiere, dann geht´s schon, denn ich habe zum Glück nur eine mittlere Plauze und neige ansonsten entweder zum Kugelbauch oder Hungerhaken, was bei meiner eher femininen Statur mit langem Hals, eher schmalem Oberkörper einfach scheiße aussieht. ich habe sogar einen Muskelapparat, der diesen Namen fast verdient, und muss mich beim Joggen (ist eher selten geworden, Miniskus) nicht mehr andauernd auf meine Rumpf- Rücken- und Halsmuskulatur achten, um nicht immer hören zu müssen, wie die Knochen, meiner Wirbelsäule, aufeinander mahlende knirschende Geräusche erzeugen

    so, jetzt kommt die Küche

  208. ziggev August 5, 2011 um 9:40 pm

    „… scheiß drauf! Dafür fühl ich mich nicht mehr so schlapp und krank. Manchmal fühle ich mich sogar wie das junge Leben. Mit 118 Kilo. Bis zum Ende des Jahres möchte ich gerne unter 110 Kilo kommen. Und nächstes Jahr durchquere ich dann die magische 100-Kilogrenze. Immerhin traue ich mich wieder …“

    ja, ich glaube (ich bin davon überzeugt): so macht man das. Wenn man sich erst einmal ein paar Muskeln antrainiert hat, dann wird allein dadurch schon mehr Energie verbraucht, weil man Muskeln h a t – die machen das dann von ganz alleine. ich glaube auch nicht an diese Quälerei. Und wenn du die mal hattest, dann kommen die umso schneller wieder …

  209. vuvuzela//riotqueer August 5, 2011 um 9:52 pm

    Können ‚wir‘ mal wieder zu ‚trans-identen‘ Menschen zurück kommen?

  210. momorulez August 5, 2011 um 10:04 pm

    Ich muss doch erst mal das Spiel, das Stadion, all die wirklich schōnen Treffen danach verarbeiten … grauenhaft stümperhaftes Spiel, aber mit dem 3. Tor war ich versöhnt. Und die Twitterer sind toll!

    Morgen mehr!!!!

  211. vuvuzela//riotqueer August 5, 2011 um 10:10 pm

    Ohne den Kommentator auf ’sky‘ war es für mich und die Jungz auch nicht auszuhalten! Orginalzitat:“Millern-Stadion!“,..sagt schon alles!

    Gruß

    PS. Schau mal auf die homophoben Indymedia-User zum Pride 2011:)

  212. ziggev August 5, 2011 um 10:12 pm

    bitte sehr, könnt ‚ihr‘ !! …

  213. che2001 August 5, 2011 um 10:47 pm

    Ich hoffe mal, dass ich nach all der Prämiennachjagenhatz durch Bergtouren wieder auf 64 Kilo runterkomme. War mal auf 56, das ist immer noch mein Ziel.

  214. vuvuzela//riotqueer August 6, 2011 um 6:00 am

    Indymedia hat mal wieder die Gemeinde genötigt, durch Zensur, deren Themen-Komplexe nahe zu bringen. Hauptsächlich die Anti-Imps aus dem Osten sind ganz schnell dabei, nicht genehme Themen, wie z. B. einen LGBTI-Bereich in den Foren des FC St.Pauli, oder auch der Hamburger Pride 2011 weg zu zensieren, was meiner Meinung nach eine Nötigung im Internet gleich kommt.

    Nun gut…

    Trans-idente Menschen haben schon immer mit der Willkür des ästhetischen Blickes von Männern zu kämpfen gehabt, und wenn es auf dem St.Pauli-Forum ein ‚Männer-Diskriminierungs-Thread‘ gibt, kann Mensch nur noch rein klopfen….

  215. momorulez August 6, 2011 um 10:12 am

    Gibt es bei uns im Forum einen Männerdiskriminierungs-Thread?

    Und ich habe ja eher den Eindruck, dass aktuell aus der „antideutschen“ Ecke gegen alles, was mit Gender, Queer, Antirassismus und Feminismus zu tun hat, scharf geschossen wird. In deren Terminologie wäre ich ja auch Anti-Imp. Da die ja alles abschreiben, was irgendwelche Evangelikalen diktieren, haben die auch schon intensivst den „schwulen Nazi“ neu bearbeitet und verbreiten das eifrigst.

    Gab es denn mal einen LTGB-Bereich bei uns im Forum?

    Interessant war gestern übrigens auch, dass sehr nette Menschen, die ich bis dato gar nicht kannte, den Übersteiger-Ausfall, der Ausgangspunkt dieses Threads war, exakt so verstanden hatten wie ich. Von wegen „wenn man denn will“.

  216. momorulez August 6, 2011 um 10:26 am

    http://www.mopo.de/hamburg/panorama/schwule—lesben–moegt-ihr-es-alle-so-schrill-/-/5067140/8765982/-/index.html

    Der Übersteiger liefert jetzt auch der Mopo Ressentimentpflegeartikel, so scheint es.

    Bemerkenswerterweise wird nie erwähnt, was die Geschichte dieses Tages ist. Man sollte das mal wieder als Riot-Gedenktag ins Gedächtnis rufen.

  217. che2001 August 6, 2011 um 11:36 am

    Tja, und Anti-Imp bedeutet eigentlich (ich bin definitiv keiner) RAF-Unterstützer. Diesen Ausdruck für ganz allgemein antikolonialistische oder antirassistische Menschen zu gebrauchen, macht so viel Sinn, wie alle Ruhrpottbewohner als Sozis zu bezeichnen (wobei das noch eher hinkäme) oder alle Lederjackenträger als Autonome. Ach ja: Jeder Mann ohne Schlips ist ein Punk!

  218. momorulez August 6, 2011 um 11:36 am

    Hammer! Zum Glück ja drei Jahre her, trotzdem. Diese Umkehrungsspezialisten gehen mir ja so was von auf die Nerven.

  219. che2001 August 6, 2011 um 11:48 am

    Stonewall hat ja mehr mit dem 1. Mai gemein als mit der Loveparade, aber das sehen die Kurzdenker auch wieder anders…

  220. vuvuzela//riotqueer August 6, 2011 um 12:05 pm

    Ich möchte noch mal anmerken, DAS es einen unreflektierten Maskulinismus in der ‚Gay community‘ und ‚Butch community‘ gibt.
    Auch bei sich Alternativ verstehenden Männern gibt es so was wie mytho-poetische Wunschproduktion im Sinne von http://www.de.wikipedia.org/wiki/Eisenhans_(Robert_Bly)

  221. momorulez August 6, 2011 um 1:12 pm

    Ja, aber dieser Maskulinismus ist ja keiner, der außerhalb der Gay/Nicht-Gay Relation verortet wäre. Das ist kein der Schwulenszene immanentes Problem, sondern ein gesamtgesellschaftliches.

  222. vuvuzela//riotqueer August 6, 2011 um 2:23 pm

    Wo da einen Anfang finden?
    Bei mir war es eine anti_patriarchale, pro_feministische Männergruppe im Schanzenviertel der 1990er mit Cafe und Rundbrief.
    Naja,…und das Klischee um ein ‚TOM‘ ist halt im deutsch_sprachigen Raum nie über eine Abwehrhaltung hinaus gegangen bzw. das prollig_sein bei vielen ‚female-to-male‘-Transgender äußerst populär ist, hin zu der anti-feministischen Grundhaltung im Forum des FC St.Pauli aus Gründen damaliger und heutiger Differenzen mit der linksradikalen Gemeinde in Hamburg.

    Wo da einen Anfang finden als nicht hellwach auf solche Äußerungen im Übersteiger entsprechenden Wellen und Winde erzeugen.

  223. Pingback: Lilo vor President! Gegen die biedere Gemütlichkeit » SPNU

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  225. darktrail August 8, 2011 um 6:08 pm

    „Da gibt es ja Studien, wie die Kommunikationsverläufe sind, Darktrail hat eben geschrieben, dass ja auch Frauen an der Tatschscreen-Geschichte beteiligt waren. Also der Passus „Ich, der ich mich in queeren Zusammenhänge auskenne“.“

    Unterstelle mir nichts. Du unterstellst prinzipiell und grundsätzlich nur. Du kommst nicht aus deinen Schubladen raus, obwohl du dich darauf berufst, Schubladen loswerden zu wollen. Ich hab auch nix, aber auch wirklich gar nix über diese Tatschscreen-Kampagnen-Scheiße geschrieben und seh das als vollkommen anderes Brett. Und im Übrigen: Die Trans*menschen, mit denen ich inzwischen über das Thema sprach, legen a) Wert darauf, dass sie sich selbst zu verteidigen in der Lage sind und den edlen Ritter dieser Machart, wie du sie hier präsentierst, nicht wollen. Das ist b) natürlich nicht repräsentativ, aber bedenkenswert. Ebensowenig repräsentativ übrigens wie deine „Umfragen“, die du gerne anbringst. Menschen ticken nun mal verschieden – ob sie jetzt das Etikett „Frau“ oder „weiß“ oder auch „trans“ gemeinsam haben. Eigentlich, eigentlich, eigentlich müsstest du das doch verstehen, jedenfalls nimmst du das für dich in Anspruch. Nein, nicht menschliche Perfektion vielleicht, aber maximale political correctness in diesem Fall. Das macht es so anstrengend, denke ich.

    Ich bitte übrigens auch, aufzuhören, über meine Hautfarbe, sexuelle Identität oder mein Geschlecht zu spekulieren – das tatest du vielleicht nicht konkret, aber abstrakt auf alle diskutierenden User bezogen. Auskunft gebe ich dir auf Nachfrage gern, du wirst meinen Realnamen an der Mailadresse erkennen können. Hier allerdings werde ich nicht mehr kommentieren. Per Mail und im Forum bin ich erreichbar, falls irgendwelcher Gesprächsbedarf bestehen sollte. Ansonsten ist mir das hier aber zu verschwörungstheoretisch. OK? Schön. Grüße.

  226. momorulez August 8, 2011 um 7:44 pm

    Nee, nix okay. Wenn in ähnlichen Diskussionen immer die gleichen Muster ablaufen, Abwehrreflexe halt, können ja die, die sie anwenden, einfach auch mal selbst hingucken, wo da vielleicht Parallelen sind.

    Dafür habe ich ja noch mal einen eigenen Eintrag gemacht, um solche Muster aufzuzeigen.

    Noch nicht mal die Mühe wurde sich gemacht, da vielleicht mal zu verstehen, was ich meinen könnte, von manchen, die auf einen Hinweis auf ziemlich übles Äußern des Übersteiger zunächst mal auf den, der darauf hinweist, los gehen. Prima Zustände. Gab aber ja zum Glück auch all die Anderen.

    Irgendwo wurde auch behauptet, ich wäre auf die Entgegnung des Übersteiger nicht eingegangen. Bin ich schon, bevor die kam. Im Eintrag oben. Vom Übersteiger ansonsten keinerlei Antwort, der ich nicht schon entgegnet hätte. Auf dass auch jeder Schwule, der sich in Zukunft zu Worte meldet, weiß, was ihn vom Establishment erwartet.

    Und da ich aus der markierten Position spreche, markiere ich auch das Gegenüber bzw. die Perspektive, aus der es spricht. Das macht man einfach mittlerweile in solchen Debatten, wo Markierungen Thema sind. Das macht Verhältnisse explizit; und bei denen, wo es nicht zutrifft, kann ja jeder anmerken, wo er positioniert ist. So what? Da bei nun noch jeder Aktion gegen Homophobie im Stadion, wo es sehr viele sehr gute gab, recht intime Lebensbereiche von mir Thema sind, kann man die der anderen ja der Fairness halber auch benennen. Die Schubladen sind nicht meine, sondern gesellschaftlich auch dann wirksame, wenn man sie hinfort behauptet. Allein schon diese Erkenntnis am Millerntor würde ja mal gut tun. Keine Ahnung, was Du so treibst, aber ist verblüffend, immer wieder, wie hochallergisch weiße, heterosexuelle Männer reagieren, wenn man sie mal als solche bezeichnet 😀 – wenn es bei Dir nicht zutrifft, dann sorry. Ich will damit ja auch niemanden beleidigen 😀 …

    Das mit den Transmenschen, die lieber für sich selber sprechen, ist ein Argument, ja. Dann wählen wir sie doch einfach in verantwortungsvolle Posten im Verein, z.B. als Präsidenten, dann hört ihnen ja vielleicht mal jemand zu, und ich sofort die Schnauze. Inwiefern ein Ernie Reinhardt mir bei einer etwas weniger schmerzvollen schwulen Sozialisation sehr geholfen hat, hatte ich ja als Betroffenenperspektive deutlich gemacht. Interessiert Dich aber offenkundig nicht.

    Den Schluss habe ich jetzt nicht ganz verstanden; möchtest Du, dass ich Dich anmaile? Können uns auch jederzeit in der Weinbar oder sonstwoauf ein Gläschen treffen, wenn Du möchtest. Ich freu mich ja, dass Du hier rüber kommst. Und das Forum ist in der aktuellen Verfasstheit echt kein „safe place“, bei allem aufrecht hehren Respekt vor denen, die ihre Freizeit damit verbringen, da zu moderieren.

  227. vuvuzela//riotqueer August 8, 2011 um 8:03 pm

    Darf ich nochmal anmerken, das es ‚Trans‘ im ganzheitlich Prinzip eines Körpers nicht gibt, auch nicht ‚Inter‘,..sonder der Norm entsprechend ‚male-to-female‘ und/oder ‚female-to-male‘, also ein Normierungsgedanke diese Menschen bewegt.

  228. momorulez August 8, 2011 um 8:33 pm

    Du darfst jederzeit alles anmerken 😉 – aber dass nun immer ein Normierungsgedanke „diese Leute“ bewegt, puh, das würde ich dann doch dem jeweiligen Selbstverständnis überlassen.

    Weil es nicht das gleiche ist, ob nun irgendein 0815-Macho einen auf schwer männlich macht oder jemand sich im falschen Körper fühlt und das, was er als sein wahres Geschlecht erfährt, operativ, mittels Hormonbehandlung usw. herbei führt.

    Noch mal anderes sind als Männer gegenderte, die Frauenklamotten tragen und dem entsprechend verhalten, was als femin gilt, denen würde ich Normierung nun auch nicht überstülpen wollen. Das ist doch eher gegenteilig.

    Noch mal was anderes ist die ganze schwule „Fummel“-Tradition, aus der Ernie oder Georgette kommen, die ja eine radikale Infragestellung von Normen und für mich eine sehr konsequente Form sind, so was wie „schwul“ als eigene Subjektivierungsweise zu begreifen, indem sie homophobe Klischees aufgreifen und in ganz eigene Ausdrucksweisen überführen. Georgette noch weit gehender, Ernie hat halt irgendwann das Geld mit genommen und das wie einen Job betrieben und auf die Art hinterher noch Literatursendungen im Hessischen Rundfunk moderiert. Sich nun darüber in einem St. Pauli-Forum zu erheben, finde ich völlig absurd.

    Ich habe neulich mit dem Manager von Olivia Jones in einem Café gesessen und da von weit mehr politischen Ambitionen gehört als je im Übersteiger gelesen oder in Fanzines, wo diskutiert wird, wie viele USP-Aufkleber in welchem Stadtviertel an Laternenpfählen pappen. Nein, ich bin weder persönlich noch geschäftlich mit Olivia Jones verbandelt. Und habe rein gar nix gegen USP, aber sich mal wieder Gedanken zu machen, was Politik bedeutet, kann bei uns nun auch nicht schaden.

    Georgette nun wiederum hat mich mit ihrer Musik, ihrem Selbstverständnis, ihren Texten, ihrem Habitus immer wieder geradezu gerettet – und wie gesagt, ich habe sie und Ernie 13 Mal in „Beiß mich!“ zusammen gesehen, Ernie unzählige Schmidt-Shows moderieren sehen, bevor die ins Fernsehen kamen.

    Wenn in dem anderen Thread Rhizom fragt, ob man sich auch jenseits homophober Klischees selbst verstehen kann, dann verdanke ich ihr da wahnsinnig viel. Welten, die manch Übersteiger-Redakteur vermutlich noch nicht mal erahnt. Und ich bin verdammt noch mal stolz drauf und habe keinerlei Lust, mich dafür von St. Paulianern indirekt anraunzen zu lassen und mein Leben und meine Erfahrungen als abzulehnendes „Kiez-Klischee“ mal eben so im Vorbeigehen anspucken zu lassen. Und Teil dessen IST nun mal auch die Begeisterung für Ernies frühe Werke, die mich vor solchen wie manchem Übersteiger-Redakteur gerettet haben und eigene Wege erst ermöglichten.

  229. Loellie August 8, 2011 um 9:23 pm

    “ … political correctness … “

    Arschloch

  230. momorulez August 8, 2011 um 9:30 pm

    Ich möchte übrigens auch hier noch mal darauf hinweisen, dass es keinerlei Gesprächsangebot von auch nur irgendwem bisher gegeben hat, geschweige denn vom Übersteiger.

    Darktrail ist da im Grunde genommen der erste. Deshalb verzeihe ich ihm sogar den Political-Correctness-Spruch, verstehe aber vollkommen Loellies Reaktion. Den Anti-PC-Jargon empfinde ich auch als Bedrohung.

  231. vuvuzela//riotqueer August 8, 2011 um 10:01 pm

    Im Grunde bin ich in der Hansestadt mit homosexuell begehrenden Menschen groß geworden. Sei es Ende der 1970, als mein pakistanischer Vater eine sog. Asyl-Wohnung an ein schwules Paar vermietete und diese; Peter und Rollie, uns gleich zum Essen einlud mit dem Spiel um ein emanzipatives Verständnis von ‚Fummel‘ als Rolle dem Patriarch von Vater in seinem promiskuitieven Verständnis, das mein Vater vom Bieberhaus am Hbf, und den ersten Jobs als Aushilfskoch in St.Georg mitbrachte, zu entgegnen…
    Damals und heute sollte das spielen um Rollen nicht in die Esoterik (Metaphysik der dummen St.Pauli-Supporter) verfallen, sondern nach Miss Dee auch ‚mal den Mensch sein lassen‘ in all den Willfahrigkeiten von außen angetragener Bewertungen klassischer Zweisamkeit-Deutungsmustren. Nach dem Motto, hach,..du stehst so unkonventionell in der Öffentlichkeit!

    Das ist zutiefst respektlos!

    Im Grunde habe ich während meiner 10 Jahre auf dem Kiez die oben beschriebene Leidenschaft kennen gelernt, und diese der Norm anhängenden Personen, die sich eine Welt aufbauen, diese mit ganz vielen (Sucht-)Mechanismen aufrecht erhalten und aus Sachzwängen sich dann Hilfe in die äußere Betrachtung holen, dann eine DIAGNOSE stolz vor sich herhalten ..da diese Diagnose ja schwarz auf weiß einem bestätigt, was vorher natürlich schon lange vermutet (pc-Aller!!!), die innere Grenze keine Stabilität erfuhr – erster Konkurrenz-Gedanke als Interpretation zum Forum – – und somit die BORDERLINE-Syn_Dromatik stolz wie bolle gegen ALLES was sonst noch in der äußeren Betrachtung den Narzissmus beeinträchtigen könnte, her gehalten wurde gegen das Andere.

    Sogenannte ‚Trans-‚Personen!

    Über weitere Theorien möchte ich gar nicht sprechen, da ich mir mein Co-Councelling-Partner_Innen aussuche,…

    Somit für mich das Thema noch gaaaanz lange nicht gegessen ist. Und wenn ich nochmal studieren muss.

  232. momorulez August 8, 2011 um 10:12 pm

    Das mit der Respektlosigkeit: Ja.

    Den zweiten Absatz habe ich nicht verstanden, will angesichts Deines letzten Satzes aber auch lieber dazu schweigen 😉 … vielleicht belustigt es Dich, dass meine Mutter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin war 😀 … und die Diagnosen, die ich nach meinem Coming Out, was in linksliberalen Kreisen natürlich zu akzeptieren war, erfuhr, das war echt nicht witzig. Auf einmal war ich Objekt der Freudschen Neurosenlehre und von allerlei Narzißmus-Theorien, vorher nie, und Muttern gönnte sich erst einmal eine zweite Psychoanalyse, um sich zu „entlasten“, dass sie nicht „schuld“ sei. Absurd. Hat trotzdem weh getan.

  233. vuvuzela//riotqueer August 8, 2011 um 10:15 pm

    If there’s a book you want to read but it hasn’t been written yet, then you must write it. ~ Toni Morrison

  234. Eva August 9, 2011 um 7:24 am

    Hier ein User mit Namen „Vuvuzela / Riotqueer“ der Im St. Pauli-Forum immer irgendwelche bekannten Zitate benutzte, diese dann leicht dem Inhalt anpasste und als seinen eigenen „intelektuellen Sprech“ verkaufen wollte, weil er eben diesen selber nicht drauf hatte… Dort ein Homosexueller der Menschen in Heteros und Schwule einteilt… Wenn für Euch das Millerntor kein „Safe Place“ mehr ist ist das doch schön, neben solchen Menschen will ich auch gar nicht stehen…

  235. momorulez August 9, 2011 um 8:27 am

    Liebe Eva, Du kannst Deiner Homophobie hier jederzeit gerne freien Lauf lassen. Diese Sottise „Menschen in Schwule und Heten einteilt“ ist tatsächlich der pure Zynismus herrschender Verhältnisse, die eine die Gesamtgesellschaft durchziehende Grenzziehung einfach leugnet und sie so der Kritik gar nicht mehr zugänglich macht. Es ist schlichterdings eine unglaubliche Dreistigkeit, ein politisches und menschliches Unding, diese Grenzziehung dann den Betroffenen vorzuwerfen., die sich damit ein Leben lang herum schlagen müssen. Wegen Leuten wie Dir ist das Millerntor kein „Safe Place“ – weil Du lieber Schwule bekämpfst, die zu solchen erst gemacht wurden, ob sie wollen oder nicht, als homophobe Strukturen zur Kenntnis zu nehmen. Ja, ich könnte kotzen. Dein FDP-Weltbild steck Dir mal sonstwo hin.

  236. vuvuzela//riotqueer August 9, 2011 um 1:01 pm

    Gutti,.. bist Du es!
    In Anbetracht der Dreistigkeit die Vorstellung umzukehren, dass die, die schreiben um einen objektiven Tatbestand der ‚phobischen’m Nutzung des Monitors als Zweck der ‚Neu-Rechten‘-Schreibweise von mir bewerteten St.Pauli-Devotionalien,..sollte Man(n) diesen Ausführungen als Ist-Zustand des Millerntor-Ideologem betrachten.

    Ich bin im Stadtteil nicht allein, und das hilft ungemein….

  237. momorulez August 9, 2011 um 1:18 pm

    Es läuft aktuell darauf hinaus bei manchen: Schwule, die sich zeigen und auf eigene Erfahrungen verweisen, die Heten so nicht machen, werden des Millerntors verwiesen. Solche, die sich brav „tolerieren“ lassen und noch devot Heten dafür den Speichel lecken, sind willkommen.

    Ich verweise dennoch auf all die anderen Stimmen. Das Schlimme ist nur, dass es den Eindruck macht, das insbesondere in Reihen der „aktiven Fans“ die Rausschmiss-Fraktion sich einiger Beliebtheit zu erfreuen scheint, was mich doch einigermaßen entsetzt. Die haben zwar auch alle ein Corny-Trauma, aber da fragt man sich ja auch allmählich, wo das her kam.

  238. vuvuzela//riotqueer August 9, 2011 um 1:23 pm

    Am besten die Re-Vision vom BAFF-“Bündnis antifaschistischer Fußball Fans‘ in den Kanon ‚Bündnis aktiver Fußball-Fans‘ auf den Korn nehmen. Läuft am Besten, da diese Re-Vision bis in das Jahr 1993 zurück reicht.

    Ansonsten lässt sich gegenseitig auf die Schulter klopfen uns laut zu schreiben, das die Heteren-Phobie ’ne absolute Berechtigung am Millerntor hat!

  239. momorulez August 9, 2011 um 1:26 pm

    Ist ja alles nur „Reflexe hervor kitzeln“, was wir hier treiben 😉 … wäre es nicht so tragisch, wäre es eine Komödie.

  240. Jekylla August 9, 2011 um 1:39 pm

    Tja, Pandoras Büchse. Den Inhalt will man ja auch im Grunde gar nicht kennen, man weiss aber, dass es ihn gibt und wie er aussieht.

    Beruhigend, dass es auf keinen Fall sein kann, dass Eva neben mir im Stadion steht, darauf geachtet, dass ich auf allen Seiten von der Bezugsgruppe umgeben bin.

    Was so alles einer „ungewollten Unachtsamkeit“ hervorgeht, hat schon fast Glasmenagerieskes.

  241. vuvuzela//riotqueer August 9, 2011 um 2:18 pm

    Ich glaube da bewegt schon etwas in die richtige Richtung!

  242. momorulez August 9, 2011 um 2:27 pm

    Das Dumme ist ja, dass ich ahnte, was da schlummert … und stelle immer wieder fest, was für saucoole Typen meine Rentner auf der Haupttribüne sind.

  243. momorulez August 9, 2011 um 2:34 pm

    @vuvuzela:

    Weißt Du was, was ich nicht weiß?

  244. vuvuzela//riotqueer August 9, 2011 um 3:18 pm

    Ich finde Menschen aus Gründen differenter Spannungsbogen immer spannend und neu_artig. Was?

  245. Sonnenstrahl August 9, 2011 um 9:19 pm

    Wie wäre es – es ist nur ein harmloser Vorschlag – wenn du einfach einmal kompakt und für Doofe (also Leute wie mich und andere, die mit vielen Thematiken mangels Erfahrungswelt eher wenig anfangen können) erklären könntest, was genau einen „safe place“ ausmacht, und wodurch dieser unwiederbringlich zerstört wird.

    So wie ich hier quer lese, man verzeihe meine unbeholfene Formulierung, werden von Momorulez eine ganze Reihe von Sprachformeln/traditionen bereits als Denkmuster und Diskriminierungsmuster angesehen. Bei einigen Dingen kann ich mitgehen, andere verstehe ich nicht – vielleicht aber verstehe ich es besser, wenn es mir erklärt wird. Für mich sieht es hier manchmal so aus, als ob meine heterosexuelle Existenz (mit der ich insgesamt so mittelmäßig zufrieden bin) – und darüber hinaus jede heterosexuelle Existenz („heterosexuelle Matrix“?) als Bedrohung und Diskriminierungsmuster angesehen wird. Andererseits denke ich mir dann, daß das ja eigentlich nicht gemeint sein kann – und bleibe irritiert und weitgehend ohne Erkenntnis zurück.

    Gleichzeitig stelle ich fest, daß mir das Mitlesen hier einige neue Perspektiven verschafft hat. Den Begriff der „Zurichtung“ fanzd ich zunächst eher fremdartig und unverständlich. Manchmal sinnvoll, oft aber auch übertrieben – vor allem hatte ich nicht das Gefühl überhaupt zu verstehen, was damit gemeint war. So richtig „klick“ hat es dann bei mir bei diesem Begriff gemacht, als hier beschrieben wurde, wie bestimmte Verhaltens- und Sprechweisen bei Schwarzen (bzw. PoC – keine Ahnung, ob das wirklich ein besserer Begriff ist) auch Ergebnis brutaler Zurichtungs- und Unterdrückungsprozesse sind. Wie stark und brutal so etwas einen Menschen „überprägen“ (so wäre meine Bezeichnung dafür) bzw. verbiegen kann, fand und finde ich absolut erschreckend. Wie gesagt, das hat mich wirklich beeinflusst, und mein Durchdenken dieser für mich neuen Perspektive ist alles andere als schon abgeschlossen.

    Wenn ich nun im nächsten Schritt mir vorzustellen versuche (und zwar etwas, was ich mir leider kaum vorzustellen vermag), wie es für mich wäre, wenn ich als Homosexueller, z.B. als Jugendlicher, der sich noch erst entwickeln muss, in eine vielfach fast schon feindliche, mitunter richtig feindliche, oft verständnislose und für mich nicht gerade hilfreiche Umwelt hinein geboren werde, und mir dann noch vorzustellen versuche, wie so etwas „dem eigenen Selbst“ bzw. dem sich entwickelnden Selbst geradezu Gewalt antut, dann verstehe ich vielleicht ansatzweise, welche Wut und welche Konflikte, aber auch welche gewaltsame „Zurichtung“ so etwas mit sich bringen kann.

    Aber wie gesagt, ich versuche es mit Zuhören und Deuten, und ich verstehe auch nicht alles. Vielleicht verstände ich es besser mit Hilfe eines Artikels, und vielleicht hätten da auch andere Interesse daran, an einer Erläuterung, wie genau ein „save place“ sinnvoll aussehen kann – und welche Veränderungen das für St. Pauli bedeutet. Wichtig wäre mir auch, überhaupt verstehen zu können, warum Abweichungen vom skizzierten „safe place“ so furchtbare Verletzungen bzw. geradezu ein Gewaltakt gegen Queers/Trans/Homosexuelle/Lesben darstellen.

    Man sei mir nicht böse, und bitte auch nicht wegen unbeholfener Formulierungen, aber ich würde schon gerne etwas besser verstehen können. Wobei natürlich eine Position sein kann, abgesehen davon, dass ich sowieso ein übles Heten-Arschloch bin, bei dem sich Anstrengungen jeglicher Art nicht lohnen, daß es grundsätzlich nicht Aufgabe von Momorulez oder irgendwem sein muß oder kann, einem Vertreter der heterosexuellen Matrix irgendetwas zu erklären zu versuchen.

    Ist Dialog möglich? Ist Dialog sinnvoll? Ich habev da prinzipiell eine bejahende Auffassung, aber das mag ja naiv sein. Oder führt das nur zwangsläufig zu neuen Verletzungen oder gar zu Gewaltausübung? Man verzeihe mir bitte, daß ich mich etwas irritiert anhöre. Es ist nicht böse gemeint.

    Falls gewünscht wird, daß ich hier auf nimmerwiedersehen verschwinde, folge ich dem selbstverständlich. „Safe place“ kann ja auch bedeuten, daß man von Leuten wie ich es bin, und den dummen Fragen, die ich stelle, einfach verschont bleibt.

  246. momorulez August 9, 2011 um 10:11 pm

    Was „safe place“ bedeutet, habe ich mehrfach erläutert – das Problem ist immer, dass, wenn Teile dominanter Gruppen es sich in ihrem Sessel einrichten, sich mundgerecht von zu bemitleidenden Menschen aus deren Leben berichten lassen und dann nach Hause gehen und so tun, als hätte das alles nichts mit ihnen zu tun. Deshalb die manchmal etwas eigentümliche Form; ich schreibe hier fortwährend über mein Leben und keine Hete über das ihre, und das ist Teil des Machtmechanismus. Dass umgekehrt Aufklärungsbedarf besteht, sehe ich ja auch und bitte zunächst mal um Zurkenntnisnahme eben dessen: Man nötigt mich, wahlweise Diskreditierung hinzunehmen oder aber die Hosen runter zu lassen. Das ist schon perfide. Beim Antirassismustraining beschäftigen sich ja deshalb Weiße unter der Anleitung Schwarzer erstmal mit sich selbst.

    „Safe place“ heißt eigentlich, solche Diskussionen gar nicht führen zu müssen. „Safe Place“ heißt, der Übersteiger schreibt so was gar nicht erst. „Safe Place“ heißt NICHt, dass erst einmal eine Diskussion darüber entbrennt, ob man sich nun überhaupt zu recht diskreditiert fühlt und so unter Rechtfertigungsdruck gestellt wird. Ist nicht.

    Was ich tatsächlich nicht diskutiere: Die Frage nach umgekehrter Diskriminierung oder Positiv-Diskrimineirung. Das hat in dem einen Fall zum Bruch mit Dir, in dem anderen mit Genova geführt, und die Diskussion lasse ich mir nicht aufdrängen, weil das Teile der Agitation der Rechten sind. Was kein Indieeckestellen ist, das ist einfach so. Solche Diskursvorgaben sind für mich ein No Go. Dann bin ich Objekt, nicht Subjekt, das mache ich nicht mehr und bitte Dich, Dich daran zu halten. Da wirst Du bei Genova und Hartmut immer ein offenes Ohr finden, hier nicht.

    Wie man nun aber auch im St. Pauli mal das Aufklärungsgeschehen voran treibt, puuh, das grübel ich ja gerade die Zeit, auch mit anderen außerhalb des Blogs. Wie ich es vermeide, da den Pausenclown für das Alibiprogramm mancher zu spielen, um trotzdem mit denen in Diskussion zu bleiben wie wirklich was lernen wollen, das weiß ich auch noch nicht. Ich bin da aber dran und habe ja nun schon eine ganze Abfolge von Texten zu dem Thema verfasst. Die liest nur keiner wirklich, habe ich das Gefühl – außer, was mich wahnsinnig freut, feministische und schwarze Alliierte außerhalb des St. Pauli-Kontextes.

  247. vuvuzela//riotqueer August 9, 2011 um 11:05 pm

    Na,…ich empfehle einfach mal die http://www.lesmigras.de – Seite zum durch klicken, um den Aspekt der mehrfach Diskriminierungen und Gewalt, ein Stichwort das fehlt, unter Sozialisation-Punkte und rechtlicher Objektivierung weiter auszudehnen.

    Ansonsten bin ich gerade zu voll gefuttert, das ich mich fühle, als ob ich Peter Lustig gepoppt hätte.

    Einfach mal unter einem Deutungspunkt der ’sex positive‘-Maxime beim ausgehen.

  248. Sonnenstrahl August 9, 2011 um 11:11 pm

    Das „wie“ ist ja nun wirklich eine interessante Frage. Meiner Meinung geht das nur mit Dialog, aber – leider – Dialog ist vielleicht nur 20 Prozent dessen, was Erkenntnisprozesse in Gang setzt. Weitere 20 Prozent (wild geraten meinerseits) sind vielleicht einfach der Faktor „Zeit“, mit dessen Hilfe und einer leicht veränderten Aufmerksamkeit sich dann gelegentliche Aha-Effekte einstellen.

    Ich selbst, wenn ich von mir ausgehe, könnte nur beschreiben, was bei mir ein – eher langsames, aber immerhin – Umdenken ausgelöst hat. Falls das überhaupt interessiert. Ob das irgendwie übertragbar oder sogar insgesamt nützlich ist, weiß ich auch nicht. Ich könnte nur anbieten, dass ich etwas genauer beschreibe, was bei mir Ansichten in Bewegung gesetzt hat, bzw. an welcher Stelle sich bei mir graduelles Verständnis entwickelt hat.

    Ansonsten entschuldige meine unvollständige Antwort, aber ich möchte erst einmal nachdenken, bevor ich mich äußere. Eine gewisse Erleichterung empfinde ich allerdings darüber, dass ich keine hundertprozentige Person-non-grate mehr bin. Gleichzeitig frage ich mich (ich muss sogar sagen, es quält mich sogar ein wenig) unverändert, ob mein munteres Mitkommentieren hier nicht irgendwie verletzend für dich ist, vielleicht als eine Art unerwünschtes Eindringen in einen halbprivaten Kreis. Mein am Ende plumpes Tarnen, genauer gesagt Nichterwähnen vorheriger Pseudonyme hat nicht wenig auch damit zu tun, daß ich keinen Anlass für schlechte Gefühle bieten wollte. Das war mir ganz wichtig. In diesem Sinne erfolgte auch die Wahl des Pseudonyms „Sonnenstrahl“, was in gewisser Weise auch Programm sein sollte, mein Programm in deinem Blog-Garten.

    (sorry wegen meiner vielen Gartenanalogien – aber ich habe dieses Jahr wirklich ganz viel guerilla-gegärtnert, und das prägt)

    Wie gesagt, vielleicht könnte ich für die Frage auf das „wie“ ein paar Anregungen liefern – falls gewünscht.

  249. momorulez August 9, 2011 um 11:12 pm

    Meine Zähne – die neuen – fühlen sich gerade so an, als hätte ich eine SM-Session hinter mir, die den Marathon-Man imitiert – nur ohne Lust.

    Ja böser Witz, aber ich will auch mal.

  250. momorulez August 9, 2011 um 11:19 pm

    @Sonnenstrahl:

    Mir wäre es ja vor allem am liebsten gewesen, Du wärest in Deiner literarisch teilweise einfach großartig ausgearbeiteten Rolle geblieben 😉 … ich wollte das gar nicht merken.

    Ach Gottchen, ansonsten weiß ich jetzt auch nicht. Es gäbe ja Situationen, wo mir devote Männer in den Kram passen, das hier ist keine solche.

  251. Sonnenstrahl August 10, 2011 um 8:23 am

    „literarisch teilweise einfach großartig ausgearbeiteten Rolle“

    Wäre es dir möglich zu denken, dass das keine literarisch ausgearbeitete Rolle war, sondern einfach nur ein Aspekt meiner Person bzw. meines Lebens, den du noch nicht kanntest? Falls ja: Würde das etwas ändern?

    (lass mich raten: 1. eh´ egal 2. nein)

  252. momorulez August 10, 2011 um 8:32 am

    Nö, es ist nicht egal, aber was fragst Du mich das, das weißt Du doch selber, ob das möglich ist. Und ändern hinsichtlich der queeren Themen oder der Auseinandersetzungen der Vergangenheit würde es rein gar nix. Da hast Du Dich übelst verhalten; da Menschen jedoch lernfähig sind, ist das ja auch bei Dir nicht ausgeschlossen.

  253. Fußballfan August 10, 2011 um 2:33 pm

    Ich bin erstaunt, welche Reaktionen das Zitat aus der 11 Freunde ausgelöst hat. Möchte meinen Senf auch noch mal dazugeben, weil ich dieses Thema wichtig finde und der Meinung bin, dass nur eine offene Diskussionskultur innerhalb der Fanszene eine Weiterentwicklung der Selbigen gewährleistet. Stillstand ist ja bekanntlich Rückschritt. Es fällt mir gerade schwer, mich zu strukturieren, da die Kommentare hier in die unterschiedlichsten Richtungen gehen, aber vielleicht fange ich einmal mit dem hier viel zitierten „Safe-Place“ an. Meiner Meinung nach bröckelt der „Mythos Safe-Place“ am Millerntor, was in den letzten Jahren besonders die Blockade-Aktion beim Heimspiel gegen Rostock zeigte, wo Menschen Beschimpfungen benutzten, die sexisstisch, homophob und rassistisch waren. Das ist erstmal Fakt. Fakt ist auch, dass die Fanszene seit den 80er Jahren viel erreicht hat in Bezug auf den Kampf gegen Dummheit auf den Rängen und hier eine deutliche Vorbildfunktion einnahm. Die Probleme sind nicht weg, aber zumindest sind diese mehr im Bewusstsein der Öffentlichkeit (wenn z.B. Diskussionen geführt werden über das Für und Wider von Outing im Profisport) und es gibt noch viel zu tun. Ich persönlich finde diese Diskussionen müssig, aber wahrscheinlich sind diese nötig, da ein Grossteil der Gesellschft leider noch nicht Vorurteilsfrei ist und auch ich mich immer wieder reflektieren muss, um mich weiter zu entwickeln. Die Gefahr ist häufig, dass Mensch dazu neigt, sich auf Erreichtem auszuruhen und manchmal dabei die Sensibilität verleirt für die Details. Die Selbstgefälligkeit dieses Ausruhens auf Erreichtem ist meiner Meinung nach der Hauptgrund dafür, dass sich Menschen manchmal diskriminiert fühlen (und tatsächlich werden). Im Vergleich zu anderen Fanszenen haben wir schon viel erreicht, aber es geht noch mehr. Auch ich erlebe immer noch Zwischenrufe im Stadion wie z.B. Schwuchtel, Schwuler Schiri etc., erlebe aber auch, dass die Mehrzahl der Anwesenden so sensibilisiert ist, dann auch dieses Fehlverhalten bei den betr. Personen anzusprechen und diese darauf hinzuweisen (in welcher Form auch immer). Hier dürfen sich alle (Besucher des Millerntors) angesprochen fühlen, weiter daran zu arbeiten, dass das Millerntor wieder zu 100% ein Safe-Place wird. Der Übersteiger war hierbei in all den Jahren ein stets kritisches Instrument (ja, auch selbskritisch), welches oftmals Diskussionen ausgelöst hat (ohne Wertung!) die die Fanszene oftmals weiter gebracht hat. und zu deren Entwicklung beigetragen hat. Dem Übersteiger aber Trans- oder sonstige Phobien zu unterstellen, finde ich etwas über das Ziel hinausgeschossen, da lehen ich mich jetzt (vielleicht zu weit?) aus dem Fenster und behaupte als regelmässiger Leser (seit der ersten Ausgabe), dass die Schreiberlinge des Übersteigers immer Positionen vertreten haben, wofür ich meine Fanszene kennen- und lieben gelernt habe. Sicherlich wurde auch häufig polemisiert, überspitzt, ironisch oder satirisch argumentiert und wenn sich doch mal jemand angepisst fühlte, war und ist der Übersteiger immer dazu bereit in den Diskurs zu gehen. Gut, es gibt auch Dinge die nicht diskutiert werden (müssen oder sollten), wenn sie z.B. unumstössliche Grundsätzte des menschlichen Zusammenlebens beschreiben. (Wir werden Intoleranz nicht tolerieren!) Ich fand die Äußerungen aus dem 11 Freunde-Interview weder diskriminierend noch verletzend. Es sollte lediglich die Überspitzung der Klischees überspitzen, mit denen unser Verein in der öffentlichen Wahrnehmung permanent in Verbindung gebracht wird wie z.B. heute in der BLÖD: „Reeperbahn-Flair: Pauli übt mit Gummi-Puppen“, wo permanent mit einer Zweideutigkeit an dämlichen und sexistischen Klischees gearbeitet wird, um den Bezug zu Reeperbahn und Viertel herzustellen. Und ja, mich kotzen diese Klischees mehr an, als die Formulierunge, die in dem 11 Freunde-Interview bemüht wurden. Warum? Weil es mir um den Fußball geht und ich diesen Sport liebe und weil ich diese (aktive) Fanszene liebe, die den Verein zu dem gemacht hat, was er heute (vielleicht bald nicht mehr) ist, nämlich anders. Dass diese Andersartigkeit mittlerweile zu einer Marketing-Strategie verkommen ist, kotzt viele einfach an und das wollte der Übersteiger damit ausdrücken und nichts anderes. (Leider spielt der Verein permanent mit dem Image des Vereins und der Fanszene und verdient gutes Geld damit, andererseits spürt die Fanszene nur allzu oft, dass das was selbige ausmacht und den Verein (als Marke) geprägt hat, den Verantwortlichen am eigentlich am Arsch vorbei geht und unsere Ideale mit Füssen tritt. Alles andere sind Interpretationen und lohnen die Aufregung nicht. Um es hier noch deutlicher zu machen möchte ich auf Corny Littmann verweisen. Seine sexuelle Ausrichtung war uns total egal, trotzdem hat er genervt, da er den FC St. Pauli (und den Stellenwert der Fans) nicht verstanden und schon gar nicht respektiert hat. Ohne die Fans aus den 80er Jahren und denen, die heutzutage versuchen, immer noch das Flair zu erhalten, was den FCSP eigentlich ausmacht würde sich keine Sau für diesen Verein interessieren. Ja, und die Geister die wir riefen, werden wir nun nicht mehr los und kontrollieren oder zurückdrängen lassen sich diese auch nicht mehr, da diese Geister längst erwachsen und eigenständig sind. Es war uns wirklich egal, das Corny Littmann mit seiner sexuellen Orientierung kokettiert hat, auch wenn es manches mal echt nervig war (…ich bin ja so schwul und so besonders…), weil innerhalb der aktiven Fanszene (und dazu gehört auch der Übersteiger) ein gewisses (und anderes) Selbstverständnis herrschte und immer noch herrscht, was Homophobie, Sexismus etc.in der Gesellschft und im Fußballstadion angeht. Es gibt sicher noch Luft nach oben für positive Weiterentwicklung innerhalb der Fanszene und wir arbeiten daran und die Diskriminierung ist noch nicht ausgemerzt, aber hinter jeder Ecke eine Diskriminierung zu vermuten finde ich dann auch etwas zu übertrieben.

    Hoffe, das war nicht zu konfus und hoffe, dass sich von diesem Statement keiner diskriminiert fühlt, da dieses auch nicht meine Intention gewesen wäre.
    In diesem Sinne, gemeinsam und kontrovers für eine bessere Welt.

  254. vuvuzela//riotqueer August 10, 2011 um 2:51 pm

    Ich weiß jetzt, lieber (aktiver,..mal antifaschistischer) Fußball-Fan, das Du in eine Klinik namens Millerntor gehörst!
    Und trotzdem ist dein Po-schii mir egal, wenn es um gesellschaftliche (mehrfach-)Diskriminierungsverhältnisse geht, wo sich bestimmte Personenkreise aus Gründen der ganzen hetero_sexitistischen Individuationen nichts am Millerntor zu suchen haben.

    Warum? Weil es schon an einem eigenem Bereich für LGBTI-Personen in den Foren nicht reicht. Und das aus deiner Argumentation heraus, es nicht dazu kommen wird. Also ein homosexuellen Kaufmann, der den Verein mehr als ‚gut‘ getan hat, nervig zu finden, weil s.o…..und der bildhaften Satire nichts als Satire zu vermuten, wie auch an dem puritanischen Begriff von Fußball. Alter,…das ist schwach!

  255. momorulez August 10, 2011 um 3:39 pm

    Nein, das war nicht zu konfus, ich danke Dir ausdrücklich für den Kommentar und kann Dir zu weiten Teilen folgen. Nicht ganz so sehr hinsichtlich der Ausführungen zum Übersteiger, über dessen Reaktion auf mein Anliegen ich mich immer noch sehr ärgere (wie zuvor auch schon), weil ich weder Lilo Wanders und Olivia Jones im Besonderen im Kontext von Beate Uhse verortet eines „Kiez-Klischees“ sehe, noch finde ich, dass diese Haltung zum Kiez als solchem wirklich in eine aus meiner Perspektive richtige Sexismus-Kritik mündet. Und ich bekenne, dass ich das nach der ganzen Diskussion erst recht so sehe 😉 … was jetzt aber gar nicht Deine Anliegen abwatschen soll, Du setzt Dich ja mit dem Thema auseinander wie ich auch. Das ist doch prima.

    Gerade in der ersten Hälfte bin ich vollkommen bei Dir. Wobei ich tatsächlich schon mal an einem Punkt war, nicht mehr ins Stadion gehen zu wollen, als solche Aussagen fielen:

    „auch wenn es manches mal echt nervig war (…ich bin ja so schwul und so besonders…),“

    Das kristallisiert sich hier ja irgendwie als Knackpunkt heraus und stellt, auch wenn Du das gar nicht so meinst und ich das auch weiß, mal von Corny abgesehen im allgemeinen gesprochen echt einen homophoben Klassiker dar. Wobei ich konkretes von ihm Genervtsein auch bewundere.

    Ich habe mich viel mehr darüber geärgert, dass er irgendwann diesen Klassiker „Schwulsein ist nicht abendfüllend“ absonderte, was nicht etwas heißt, dass ich das „besonders“ im Sinne von herausragend betrachte, mich aber alltäglich darüber ärgere, dass Heterosein ja auch abendfüllend ist, jeden Abend auf allen Kanälen, ganze Spielfilme, Serien, Reportagen sich darum drehen und unsereins nur diese Nischen zugeschoben bekommt. Guck mal Fernsehen, in welchen Kontexten da Schwule auftauchen. Und selbst da prügelt dann der Übersteiger drauf. Und die ganze Ultra-Szene jubelt Hochzeitsbildern zu. Ich gönne jedem sein Eheglück von ganzem Herzen, aber da kommentiert ja auch keiner, was spinnen die denn rum mit ihrer Sexualität, was fühlen die sich denn so besonders?

    „Es gibt sicher noch Luft nach oben für positive Weiterentwicklung innerhalb der Fanszene“ und wir arbeiten daran und die Diskriminierung ist noch nicht ausgemerzt,“

    Ich ja hier auch 😉 – auch wenn ich in eurer Definition nur zum Drumherum gehöre, gehe ich auch seit 10 Jahren ins Stadion.

    „aber hinter jeder Ecke eine Diskriminierung zu vermuten finde ich dann auch etwas zu übertrieben.

    Tue ich ja gar nicht. Ich konkreten Fall war das einfach eine.

    Aber trotzdem noch mal Danke für den Kommentar, eigentlich will ich zur Luft nach oben beitragen und finde, dass sich der Übersteiger zumindest nicht für mich erkennbar zu wenig mit Themen wie Rassismus, Homophobie und Sexismus auseinander gesetzt hat. Vielleicht ändert sich da jetzt ja was, und dann ist ja alles gut. Und all das Engagement, dass Du schilderst, will ich auch nicht irgendwie gering reden.

  256. Fußballfan August 10, 2011 um 7:01 pm

    Ich glaube nach wie vor nicht, dass die Aussage des Übersteiger-Schreiberlings als Diskriminierung gemeint war und vielleicht fehlt mir dafür die Sensibilität bzw. die persönliche Erfahrung, da ich als weisser Hetero-Mann kaum unter Diskriminierung aufgrund meiner Hautfarbe und sexueller Orientierung leiden musste, aber ich kann Deinen Ansatz nachvollziehen.

    Ich habe auch nie wie Vuvuzela z.B. meint, die Verdienste von Corny für den Verein in wirtschaftlicher Hinsicht bestritten. Ich konnte halt häufig seine persönliche Haltung ggü. der Fanszene nicht nachvollziehen, da er oftmals sehr patriachisch, krirtikresistent und wenig dialogbereit auftrat . Ich dachte z.B., dass ein Schwuler, der (mit Sicherheit) Erfahrungen machen musste, diskriminiert zu werden so wenig liberal sein kann, aber gleichzeitig sein „anders sein“ immer betonte. So habe ich beispielsweise nie verstanden, wie Corny als einer der führenden Köpfe der Betreibergesellschaft Spielbudenplatz zustimmen konnte, an der Bühne auf dem Spielbudenplatz Sprinkleranlagen zur Vetreibung dort nächtigender Obdachloser zu installieren, [Hier wurde ich wahrscheinlich Opfer meines Vorurteils Schwule seien meistens liberal, aber das könnte jetzt auch positive Homophobie sein. ;-)], denn auch das ist St. Pauli (sonst wäre es ja Eppendorf).

    Mir ist auch bewusst, dass Schwulsein im gesamtgesellschaftlichen Kontext noch sehr klischeebehaftet ist und häufig in der öffentliche Darstellung als erwähnenswert auftaucht.
    Ich wollte lediglich damit zum Ausdruck bringen, dass in meinem Umfeld und im Umfeld der (aktiven) Fanszene Attribute wie schwul oder transsexuell die gleichen Reaktionen hervorrufen, wie die Attribute klein, dick oder dunkelhaarig. Und ich wollte damit nicht sagen, dass die Tatsache, dass die Szene „bunt“ ist zum Drumherum gehört, sondern längst ein Teil dieser ist, ohne wenn und aber. Dieses Selbstverständnis, welches sich die Fanszene seit den 80er Jahren erkämpft hat, ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es selten thematisiert wird. Man wähnt sich (im Vergleich zu anderen Fanszenen oder einem großen Teil der Gesamtgesellschaft) auf der Insel der Glückseeligen bzw. politisch Korrekten und wurde vielleicht deshalb etwas desensibilisiert bzgl. der unterschwelligen Diskriminierungen, denn bei offensichtlichen Diskriminierungen gibt es glücklicherweise noch genügend Menschen aus der FCSP-Familie entschlossen entgegentreten und dazu gehört(e) auch immer der Übersteiger.

    Ich habe die Äußerung des Übersteigers eher als Kritik an dem unterschwelligen Sexismus verstanden, der gesellschaftlich toleriert und wenig beachtet wird, weil dieser als „normal“ empfunden wird, aber auch gleichzeitig als Kritik, an den bildhaften Klischees, die die Medien hervorholen, um den FCSP oder halt Lilo Wanders und Olivia Jones den entsprechenden Schubladen zuzuteilen. Und diese Klassifizierungen empfinden eben viele als ungeeignet, da sie nicht nur nicht zutreffen, sondern auch langweilen. So lösen diese Klischees bei mir oftmals ein Gefühl aus, sich rechtfertigen zu müssen, bzw. den „Unwissenden“, deren Meiningsbildung sich nur auf TV und Boulevardjournalismus stützt, zu erkären, dass der FCSP (oder auch Schwulsein) viel bunter und vielfältiger ist, als es meist dargestellt wird.

    Ich möchte mir nicht anmaßen, das Zitat aus dem Interview abschließend zu beurteilen und ich könnte nach all den Ausführungen hier zu diesem Thema nicht bejahen, ob es sich hierbei um eine Diskriminierung handelt, aber auch nicht verneinen. Ich würde mich aber auf ein „Vielleicht…“ einlassen. Ähnlich verhält es sich meiner Meinung nach bei der Frage ob Mensch über Behinderte (oder p.c. Menschen mit Handicap) Witze machen, karikieren etc. kann/darf oder eben nicht, da es möglicherweise diskriminierend sein könnte. Dazu mal eine kleine Anekdote aus einer WG der Lebenshilfe: (Ich nenne ihn mal…) „Peter, deck mal den Tisch, wir wollen gleich Abendessen!) Daraufhin der Betroffene: „Kann ich nicht, ich bin behindert.“

    Was ich wichtiger fände, wäre ein Bewusstsein in der Gesellschaft für das Problem der Diskriminierung zu schaffen, die erst gar nicht als Problem oder Diskriminierung erkannt wird. (z.B. journalistische Ausfälle wie: Können Fußballerinnen sexy sein?)

    Diskussionsbedarf ist da, das zeigt schon die Anzahl der Kommentare zu Deinem Artikel! Und wenn wir danach alle schlauer sind, hat es sich doch gelohnt.

  257. momorulez August 10, 2011 um 8:08 pm

    @Fussballfan:

    Das, was Du jetzt schreibt, dass man gewissermaßen Diskriminierungserfahrung ins Feld führt, um sich als als total „liberalen“ Zeitgenossen auszuweisen, um dann selbst sich an die Spitze wirschaftlicher Verdrängungswettbewerbe zu setzen, das verstehe ich vollkommen, dass einen solche Bigotterie wahnsinnig macht. Das habe ich tatsächlich auch so gesehen bei Corny und ihm persönlich übel genommen. Der kommt ja aus linken Szenebezügen Ende der 70er, „Brühwarm“ usw., und sich dann hinzustellen und Sprüche wie ein Henkel oder Ackermann zu klopfen, das nervt tatsächlich kolossal. Damit kann ich sehr viel anfangen. Bin ja nun in dem Alter, wo man auch einige Kröten schlucken musste, die eigenen Idealen zuwider liefen. Aber einen Spielraum hat man da schon, den zu nutzen ich ja auch beim aktuellen Präsidium einklage. Links blinken und rechts abbiegen ist Scheiße, und das erst recht, wenn gleichzeitig zu Marketingzwecken der linke Mythos mobilisiert wird. Ja, da bin ganz bei Dir.

    Und was ja tatsächlich grandios ist, ist, dass wir eine Fanzszene und ein Drumherum haben, wo man nicht pauschal für verrückt erklärt wird, das man die Frage nach Trans-Menschen aufwirft. Die wird ja durchgängig von allen bisher mit Diskutierenden als relevant empfunden, auch die Frage nach Homophobie usw., und das ist ja im Grunde genommen schon der Hammer. Ich weiß nicht, wie das bei anderen Vereinen wäre.

    Ich habe dem Übersteiger auch im Eintrag oben keine Absicht unterstellt. Eher Fahrlässigkeit. Ich bin ja schon froh, wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass diskriminierende Muster nichts mit der Absicht dessen, der sie äußert, zu tun haben. Die sitzen einfach in allen drin, und von Fanzine-Machern würde ich erwarten, dass sie sich ein bißchen mehr bilden.

    Zur Behindertenfrage: Habe ja ’87-’93 Behindertenarbeit gemacht, weiß auch gar nicht, was da die aktuelle Selbstbezeichnung ist, habe da einmal diesen Spruch gebracht und danach nicht wieder 😉 … ich wünsch mir ja immer Heten- und Weißenwitze.

    Und beim Schluss bin ich wieder völig bei Dir. Komplett.

  258. vuvuzela//riotqueer August 11, 2011 um 4:19 am

    In den 1980ern gab es ja noch die DDR und die Systemfrage!
    So lange die beiden Foren des FC St.Pauli:

    http://www.fcstpauli.com/iframe.php?menuid=482&public=0fr6cqo6ocm8ctrd63b9rsa5h0&topmenu=136

    http://stpauli-forum.de/viewforum.php?f=11&sid=e5d75d2d616e1bcc451f9e1d55db1054

    ..nicht eine eigene LGBTI-Sparte einrichten und weiterhin Analysen verbreiten, ‚rechts‘ von jeder wissenschaftlichen Perspektivbildung im Bereich der alternativen Sexualität, so lange wird es kein ’safe place‘ für Menschen mit Mehrfach-Diskriminierungen geben.

    Und damit meine ich auch die sog. ‚linksradikalen Freiräume’….

  259. vuvuzela//riotqueer August 11, 2011 um 4:20 am

    Ich bin erst mal eine Woche raus!

  260. momorulez August 11, 2011 um 9:08 am

    Muss jetzt auch erst mal sacken lassen, was diese Diskussion jetzt eigentlich für mich bedeutet hat. Man stelle sich mal vor, der erste Spieler bei uns outet sich. Binnen kurzem hätte der eine Debatte am Hals, er würde sich ja wohl als Besonderes fühlen nur weil er schwul ist. Leute wie ihn wolle man auch gar nicht im Stadion haben, die Menschen in Schwule und Heten einteilen. Und „seine Sexualität“ spiele doch eh keine Rolle. Seine Empörung darüber, dass ihm von nun an prompt vorgehalten wird, er würde jedem Zweikampf aus dem Weg gehen, wie eine Diva auftreten und Pässe wie ein Mädchen spielen, würde ihm als übelste Instrumentalisierung „seiner Sexualität“ ausgelegt. Der Übersteiger würde Pamphlete darüber verfassen, wann er sich diskriminiert fühlen dürfe und wann nicht, dass das aber alles gar nicht so gemeint sei. Forums-Moderatoren stimmen ihm vehement zu. Der magische FC verweigert dazu jede Stellungnahme. Gewitzte sich linksradikal Wähnende wären der Meinung, dass seine Auslegung des Sujets „Homosexualität“ ein identitäres Modell sei und deshalb sowieso abzulehnen, und man solle sich mal lieber um Frauenrechte, Obachlose und Viva con Agua kümmern, und der Spieler sei eh Scheiße, weil er allein in einer 4-Zimmer-Wohnung wohnt und so die Gentrifizierung voran treibe (was bei Ralph Gunesch nie auffallen würde). Thomi71 wäre innerlich empört, dass der Spieler sich nicht in heterosexuelle Gemeinschaften integriere, und allesamt beäugen misstrauisch das Alter seiner mutmaßlichen Sexualpartner. Andere wiederum vermuten, der sei gar nicht WIRKLICH schwul, sondern würde das nur machen, um sich in der Presse wichtig machen, um sich besser zu vermarkten. Dritte finden, das sei ja wohl völlig daneben, nun wirklich jedes blöde mediale Klischee rund um den FC St. Pauli zu erfüllen und auch noch schwule Spieler auf den Platz zu schicken, ob man das nicht mal sein lassen könne, das sei doch nur noch peinlich, da immer wieder drauf angesprochen zu werden.

    Und der Spieler geht lieber entnervt nach Augsburg, weil man ihn da in Ruhe lässt, was einige zu spitzen Bmerkungen veranlasst, dass er in das Bistum ja auch hervorragend passen würde.

    Ja, es gab auch all die anderen Stimmen, es ist trotzdem davon auszugehen, dass auch so was abginge.

  261. Jekylla August 11, 2011 um 9:26 am

    Dieses Szenario versteckt im Kommentarbereich – eine Schande. Was wäre das für ein großartiges -fiktives- Blogpost! Ich kann es mir richtig vorstellen. Entweder mit Datumsauflistung (26.04.2011 Spieler xy outet sich. 27.04.2011 MoPo/Abendblatt titelt “ „… keine Stellungnahme vom Verein. 31.03.2011 Im Fanforum ….. noch immer keine Stellungnahme vom Verein) oder als Fließtext wie hier … DAS ist das, was der Übersteiger bei 11Freunde probiert hat und damit scheiterte: Sarkasmus, Ironie, Titanic.

  262. momorulez August 11, 2011 um 9:34 am

    Ich mach daraus vielleicht auch noch einen eigenen Eintrag, weil es ja leider nur halb fiktiv ist. Mal ab von der Pointe mit dem Bistum wurde ja all das hier und zuvor im Laufe der Jahre wirklich geschrieben.

    Für mich stellt sich nur langsam die Frage, ob ich überhaupt noch in den Spiegel gucken kann, wenn ich weiter ins Stadion gehe, was ja weh tut nach 10 Jahren. Ich habe es noch nicht wirklich geschafft, all die unterstützenden Stimmen als zentral zu empfinden. Vielleicht bekomme ich es ja noch hin.

  263. Jekylla August 11, 2011 um 9:42 am

    Mit „fiktiv“ meinte ich die Outing-Meldung, vieles danach hat man vereinzelt gelesen, aber in dieser Zusammenfassung noch nicht. Und unter der Rubrik „Fiktion“ kann man bekanntlich alles schreiben…

    Was den weiteren Verbleib im Stadion angeht: arbeiten Sie weiter daran, sich auf die unterstützenden Stimmen zu konzentrieren. Es gibt sie ja, wie man an einigen Stellen lesen konnte. Und manche waren ja auch zum einfach mal drüber Nachdenken bereit, was ja immerhin schon mal was ist.

    Aber was rede ich, ich befinde mich ja selbst -aus anderen Gründen- in einer persönlichen „Re-org-Phase“, da wirke ich als Fürsprecher auch irgendwie unglaubwürdig… 😦

  264. momorulez August 11, 2011 um 9:48 am

    Nee, Sie haben ja recht, ich selektiere aktuell noch zu stark negativ. Aber auch, weil das ja alles in mir – und anderen – schon länger schwelt. Ich würde nicht so abgehen auf den Übersteiger, wenn das irgendein Ausnahme-Ausrutscher gewesen wäre. Das ist alles eine typische Mitte-Links-Haltung.

    Mal gucken.

  265. Jekylla August 11, 2011 um 9:52 am

    Ah, the icing on the cake. Verstehe.

  266. goodsoul August 11, 2011 um 1:48 pm

    Keep the faith!!!

  267. momorulez August 11, 2011 um 1:59 pm

    Ich gebe mir Mühe, aktuell fällt das schwer. Obwohl ja auch Dialoge wie mit @fussballfan oben richtig prima sind, weil da das Thema ist und angegangen wird, worüber ich mich dann zwei Kommentare später wieder aufregen muss.

    Aber das sind ja alles Sachen, die einen seit dem 15. Lebensjahr begleiten.

    Danke auf jeden Fall!

  268. Loellie August 11, 2011 um 9:54 pm

    OT

    “ … Gewitzte sich linksradikal Wähnende … “

    Da ist mir allerdings auch das Gesicht abgefallen. Ich hab dann noch kurz „Analsex“ gerufen, was mich umgehend als Rape-Kulturalist identifizierte.
    Vielleicht sollten sich a-sexuelle aus sexualitätsbezogenen Diskussionen einfach raushalten.
    Ich weiss ja auch nicht …

    Ganz woanders habe ich „wir sind doch nicht beim Zirkus“ gelesen.
    Welch Erkenntnis!

  269. momorulez August 11, 2011 um 10:47 pm

    Ja, das mit dem Zirkus, also, dass die das immer gar nicht merken und einem als perfide, manipulative Indenmundlegungspraktik unterstellen, wenn sie um ihr Normalisierungszentrum herum Deviante, Schrille, nur Darstellende und Künstliche basteln, die auf eben diese unbefragte Normalisierung zu beziehen sind – das ist dann immer alles „zu sehr um die Ecke“ gedacht, obwohl man es nun gerade am Beispiel St. Pauli sogar städtebaulich manifestiert nachvollziehen kann – unglaublich. Unweit des Millerntor ist der SPIELBUDENPLATZ. Ist aber ja nur Eventfläche. Dass St. Pauli zudem nicht schon in den 70ern mit Hafenblick schick wurde, liegt zum einen daran, dass die Containerisierung sich schrittweise vollzog, zum anderen aber am „Milieu“. Bei den Zuhältern undProstituierten wollte keiner wohnen.

    Der FC St. Pauli nun wiederum wurde Mitte der 80er, als u.a.wegen Aids das Eros-Center-Sterben einsetzte und sich „Szene“ ansiedelte, und das nicht nur wegen der Hafenstraße, sondern auch wegen Zirkusclowns wie Lilo Wanders bzw. Ernie Reinhardt und Corny Littmann, Kneipen wie zuerst dem Krawall, dann Konzertstätten wie Große Freiheit 36, Um Mitternacht, später SoulKitchen, Tempelhof usw. hip. Der jetzige Mythos war SEITDEM ein an differente Szenen gekoppelter, der dicke Gastronom aus dem Tivoli hatte eine Dauerkarte, als manche auf der Süd noch in Soltau krabbeln lernten, und die Verengung auf die Hafenstraße ist selbst ein Mythos. Zudem die Hafenstraße zugleich, so absurd das ist, der erste Gentrifizierungsschritt war. Der Freudenhaus-Slogan kam durch Beckmann und die Privatfernsehaneignung des Fussballs irgendwann um 1990 auf, ALLE, die da jetzt sind, sind auch wegen dieser Slogans dar, weil sich ohne den Medien- und Hipness-Faktor auch kein Bambule-Kämpfer dahin verirrt hätten. Die wären sonst zu Altona 93 oder dem FC Sternschanze gegangen. Und Karlheinz Schwensen ist AFM-Mitglied wie ich auch. Was stimmt, ist, dass Antirassismusinitiativen im Fussball hier ihren Anfang nahmen, aber die haben sich seitdem auch nicht groß weiter entwickelt. Es gibt tolle Menschen, die Asylbewerber aus Flüchtlinglagern zu den Spielen holen, es gibt tolle Initiativen, Wasserlöcher in afrikanischen Ländern zu bohren – aber alles, was jenseits assymetrischer Hilfeleistung statt finden könnte, also Emanzipation bedeuten könnte, ist für mich nicht erkennbar.

    Nur noch mal so. Und Vorkämpfer der Tuntenbewegung gehören in den Zirkus. Zur Unterhaltung. Die Politik gehört dem Hetenmann.

    Aber bei den Kiez-Klischees dann z.B. die wirklich mächtigen Hells Angels zu nennen, dafür ist der Vorstadtfamilienvater dann auch zu feige. Der drischt lieber auf Männer in Frauenkleidern ein.

    Hatte auch überlegt, ob ich Dir bei Rhizom zur Seite springen müsste. Aber irgendwie war das so … unwichtig …

  270. goodsoul August 12, 2011 um 9:22 am

    Bezug: momorulez August 11, 2011 um 10:47 pm

    Schöner Text!

    Dafür lohnt es sich immer hier vorbeizuschauen!

    Ma comunque: Forza St. Pauli! Sono sempre con te! 🙂

  271. Loellie August 12, 2011 um 12:47 pm

    Na, mir ist das schon wichtig, wenn sich bürgerliche Berufsjugendliche über bildungsferne Schichten erheben. Das ist doch der gleiche Effekt den wir gerade in London sehen. Das mir mal nichts mehr einfällt ist aber schon eher selten.

    Ich kann das ja sogar ein gutes Stück weit verstehen. Bei kiturak schüttel ich ja auch den Kopf und weiss nicht, was das heute noch soll, ich kann auch nichts mit dem Konzept „sexuelle Identität“ anfangen, finde die Begriffe „Bi-Sexuell“ und „Homosexuell“ pathologisch stigmatisierend als ungesundes Gegenstück zu „Heterosexuell“ …
    Was nu alles nichts daran ändert, dass wir in einer Gesellschaft leben zu der wir uns wie auch immer verhalten, von der wir manches annehmen und anderes ablehnen.

    „Homosexualität gibt es garnicht“ finde ich ja ganz prima. Ehrlich. Nur was machen wir solange, bis die, die daran glauben, damit aufhören ihre Einbildung auf andere zu projezieren um einen Gegenstand der stellvertetenden Elimination zu haben, weil sie ihrer eigenen „schmutzigen“ Gedanken nicht Herr werden.

    Wobei ich die letzten Wochen selbst über mich erschrocken war. Marcus Bachman, der schwulenheilende Gatte der Möchtegernpräsidentschaftskandidatin, wurde, nachdem dieser Audio-Clip auftauchte, mit einer Flut homophober Anfeindungen zugekübelt und mich hat das alles nicht im geringsten gejuckt. Allerdings scheint mir die Reaktion der US-Kommentatoren zur angekündigten Straight-Pride in Rio eine direkte Folge davon. Da hiess es fast einhellig „wir wissen ja mittlerweile was wir von Typen zu halten haben die mit Schildern und T-Shirts rumlaufen, auf denen „proud to be straight steht“.“

    blablabla … ich fühl mich seit Wochen als hätte ich einen Sprung in der Platte.
    Meine Güte, wieviele Jahre schreiben wir denn dagegen an?

  272. Loellie August 12, 2011 um 12:54 pm

    Wobei ich das jetzt nicht so gelesen habe, dass dir das Thema unwichtig gewesen wäre. Mein Interesse an einer Diskussion da drüben war ja auch klar erkennbar reduziert.

    Ich komm auch mit nichts mehr wirklich hinterher.
    Auf Onadamiris hat die Betreiberin des Cafe PositHiv damit geprotzt, auch noch ihren besten Freund bei der Polizei zu denunzieren, als Rechtfertigung, nachdem ein Positiver durch drei Polizisten von einer öffentlichen Veranstaltung der Berliner Aidshilfe entfernt wurde.

  273. momorulez August 12, 2011 um 1:38 pm

    Nee, dann hau ich da beim nächsten Mal auch rein, weil ich ja nicht etwas unwichtig finde, wie Dich jemand abwatscht; ich wollte die blöde Tour des Abwatschens nur nicht auch noch aufwerten.

    Kiturak hat für mich einfach nur geäußert, dass sie das Gefühl hat, sich entscheiden zu müssen, obwohl das nicht ihr Ding ist, und das verstehe ich schon. Weil die „binäre Konzeption“ natürlich blöd ist, man umgekehrt aber auch so Leuten wie Eva das Feld räumt, wenn man nicht auf je eigene Erfahrungen pocht, die nun mal anders sind. Ich empfinde den Begriff ja eh schon als Zumutung, „homosexuell“, weil das auch auf „sexuelle Handlungen“ reduziert, aber das der zur Rollenzuweisung genutzte ist, kommt man ja nicht drumrum, ihn erst mal zu verwenden. Schreibst Du ja auch.

    5 Jahre mindestens. Und es ist seitdem alles drastischer geworden. Die CDU unterstellt gerade dem Verfassungsgericht, die Verfassung zu beschädigen, und diese Hetzer in den USA sind ja eh nur noch zum Schnappatmung bekommen. Je mehr auffliegt, wie die Verteilungskämpfe laufen, je enger die Räume für die vermeintliche „Mitte“ werden, desto heftiger wird die Ablenkungsschlacht. Und Infizierte zu kriminalisieren ist echt das Allerwiderlichste.

  274. Pingback: Transphobie beim Übersteiger und neues vom Sankt Pauli, plus Umfrage zur Pyrotechnik - Sankt Pauli Fanclub Braun-Weiß EDEL aus Elmshorn

  275. che2001 September 1, 2011 um 10:47 am

    @“Aber bei den Kiez-Klischees dann z.B. die wirklich mächtigen Hells Angels zu nennen, dafür ist der Vorstadtfamilienvater dann auch zu feige. Der drischt lieber auf Männer in Frauenkleidern ein.“—- Das setzt sich ja bis zum Vorstadtstrich in der Provinz fort, wo der zahlende Vorstadtfamilienvater gar nicht wissen will, wer da am Kontrollieren ist, und das sind dann mal Diebe im System (wie die „Russenmafia“ sich selber nennt), mal Triaden, mal N´Drangheta, mal Hell´s Angels oder Bandidos oder unbekanntere Bikergangs wie Skulls oder Bullshits.

    @

  276. che2001 September 1, 2011 um 10:51 am

    @Loellie: „ich kann auch nichts mit dem Konzept „sexuelle Identität“ anfangen, finde die Begriffe „Bi-Sexuell“ und „Homosexuell“ pathologisch stigmatisierend als ungesundes Gegenstück zu „Heterosexuell“ … Bevor ich Euch hier kennenlernte hätte ich diese Begriffe ganz wertneutral als globale Zuordnungen der Partnerpräferenz aufgefasst, nicht im Allernentferntesten ahnend, mit was für Entwertungs- Diskriminierungs- und Selbstorientierungserfahrungen das für Euch verbunden ist. Würde allerdings schon sagen, dass ich selber in Diskussionen, die mit Sexualität zu tun haben tendenziell die Klappe halten sollte, denn mein Thema ist das eher nicht.

  277. workingclasshero September 1, 2011 um 3:25 pm

    Der Witz ist ja, dass ich bei dem Namen „Übersteiger“ erstmal selbst Anzügliches dachte (jemand, der über Frauen, Typen, wen auch immer, drübersteigt) und mich echt wunderte, dass sich ein Fanzine so nennt, was ich aber sofort mit dem Kiez in Zusammenhang brachte. Dass das ein Begriff aus dem fußball ist erfuhr ich dann später.

  278. momorulez September 1, 2011 um 3:35 pm

    😀 – das ging einer Kollegin hier auch so.

  279. workingclasshero September 1, 2011 um 9:53 pm

    @che Würde allerdings schon sagen, dass ich selber in Diskussionen, die mit Sexualität zu tun haben tendenziell die Klappe halten sollte, denn mein Thema ist das eher nicht. Wie meinsten das jetzt?

  280. che2001 September 1, 2011 um 10:47 pm

    Teils selbst-satirisch als Antwort auf loellie, teils auch in dem Sinne, dass mir zu Diskussionen zu Sexualität im Zusammenhang mit „Gesellschaft“ der persönliche Bezugsrahmen fehlt. Kann tolle Diskussionen zu Heterosexismus oder sexueller Ausbeutung oder auch der Last mit der Lust führen, aber mit meinem eigenen Leben hat das nichts zu tun. Obwohl ich gerade verliebt bin (wie immer problematisch verliebt), sehe ich mich nicht in der Lage, zum Thema Sexualität irgendetwas Allgemeines zu sagen. Und konnte das eigentlich nie.

  281. vuvuzela//riotqueer September 2, 2011 um 6:18 am

    Den Namen ‚Übersteiger‘, als Nachfolge-Heft vom ‚Millerntor Roar‘ – verdankt seinem Namen wahrscheinlich den legendären Übersteigers von Klaus Ottens,…und gut ist.
    Wer nicht reflektierend über Sexualität schreiben kann, leidet unter vorzeitigem Erguss und gibt einem ‚female orgasm‘ keine Chance.

  282. che2001 September 2, 2011 um 8:48 am

    Das ist definitiv nicht mein Problem. Sex haben war in der meisten Zeit der fast 50 Jahre die ich nun lebe für mich so unerreichbar wie der Mond.

  283. momorulez September 2, 2011 um 9:12 am

    @che:

    Das geht doch den meisten Leuten so, deshalb heiraten sie ja vorsichtshalber, damit das keiner merkt 😉 …

  284. che2001 September 2, 2011 um 11:54 am

    Dann ist die Ehe sowas wie der vorgetäuschte Orgasmus in Rechtsform?

  285. momorulez September 2, 2011 um 12:05 pm

    Ich glaub schon … und zu Prostituierten gehst Du ja vermutlich nicht ….

  286. vuvuzela//riotqueer September 2, 2011 um 12:22 pm

    Eine ‚Edel-Prostituierte‘ in NYC als Steigbügel für Freundschaften in den oberen Klassen

  287. Loellie September 2, 2011 um 1:44 pm

    Da oben habe ich mich über Rhizoms sex- und schwulenfeindliches Gelaber aufgeregt und doch nicht darüber, dass A- oder Autosexuelle Menschen über Sex reden wollen.
    Und ich finde, wenn ausgerechnet der sich so äussert, hat das nochmal eine völlig andere Qualität, als wenn man eine Diskussion anderen Orts mit „Ich bin doch nicht schwul“ zusammenfassen kann. Auch wenn ich trotz jahrelanger Diskussionen beim besten willen nicht verstehe, besser gesagt immer weniger verstehe, wo sowas dann plötzlich immer wieder herkommt.

    Es ist ja durchaus richtig, dass ich schon verschiedentlich Che am liebsten eine Runde Waterboarding in der nächstgelegenen Kloschüssel spendiert hätte, aber du bist doch keine Kapazität auf diesem Gebiet.
    Also ehrlich. Wegen bürgerlicher Profiteure, die mit und für Befürworter der Todesstrafe in Moskau gefakete CSDs veranstalten und Gott weiss was für Probleme für Queers in der 3. Welt produzieren, dann plötzlich Fummeltunten zur Speerspitze des Neo-Kollonialismus umzudefinieren … da fällt mir ja noch immer nix zu ein.

    @ “ … mit was für Entwertungs- Diskriminierungs- und Selbstorientierungserfahrungen das für Euch verbunden ist … “
    Ein kleines Beispiel: Als Kind hab ich irgendwo den Begriff „Lobotomie“ aufgeschnappt und fand das irgendwie ekelig und höchst unangenehm, obwohl ich mindestens zehn Jahre gebraucht habe, bis ich gecheckt hab, was das überhaupt ist. Und ich hab nochmal lockere zehn Jahre gebraucht um zu checken, das man früher Schwule mit solchen und ähnliche Praktiken „heilen“ wollte.
    Fühlen und „Wissen“ ist was anderes als begreifen, oder etwas intellektuell zu erfassen. Das fliegt einem eben nicht aufgrund von Erfahrungen zu, sondern ist, in der Regel, ein langer, oft schmerzvollerer Prozess als es zB die Diskriminierung in einer konkreten Situation war.
    In diesem Sinn habe ich durchaus Verständnis, wenn Leute über ein Fussball-Forum hierher kommen und beim lesen des Artikels und der folgenden Diskussion dastehn wie die Kuh vorm Scheunentor wenns blitzt. (Auch wenn ich das mit den wiederholt angeführten bildungsfernen Schichten als Problemfaktor angesichts der zahlreichen akademischen Grade der infrage stehenden Diskutanten nu komplett gegensätzlich sehe).

    Mit diesem Verständnis wird es aber dann schwieriger, wenn jemand wissenschaftlich dieses Feld nicht nur beackert, sondern sogar noch ein nicht unwesentlich Stichwortgeber der hier laufenden Diskussionen ist.

    Ich Depp denk mir die ganze Zeit „lass den Leuten ihren Spass“, obwohl ich keinen Zweifel habe, dass Fussballstadien eine entscheidende Schlüsselfunktion für die Popularisierung von Nationalismus und als Rekrutierungsfeld für NeoNazis haben, schluck das runter, obwohls mir komplett gegen den Strich geht, nur damit irgend ein aufgeblasener Fatzke daoben einen dicken Teil meines sozialen Umfelds zum Alptraum erklärt, und dessen Verteiger dann auch noch breitseite auf meine Herkunft losgehn.

    Vielen Dank dafür an den FCSP!

    Das war jetzt loellie’s Rant zum Freitag 😉

  288. momorulez September 2, 2011 um 2:33 pm

    Danke für den Rant!

    Für mich ist ja der FC ST. Pauli tatsächlich, wie es so schön heißt, „die einzige Möglichkeit“, weil so was trotz aller Ausfälle diskutierbar ist für einige da, für die Adressaten ja nicht. Die Fussballwelt ansonsten, da haste ja recht, ich finde sie aber auch einfach ziemlich und buchstäblich sexy 😀 … und wenn man aus dem Alter und der Form raus ist, in dem man noch einen abkriegt, muss man sich ja wenigstens wen vorstellen 😉 … das hätte ich mal im Auftakttext schreiben sollen, dann wäre bretthart die Keule mit den „sexistischen Schwulen“ gekommen.

    Zu Rhizom: Der hat das von Foucault, dieses Anwettern gegen die identitären Modelle,, und das macht zu großen Teilen auch Sinn, wie er das weiter zu denken versucht. Und ansonsten hadert der einfach mit den gleichen Mechanismen der Zuschreibung wie wir auch, dass man zum einen das ganze Paket rüber geschoben bekommt, das an „homosexuell“ so dran hängt, dass es eben allen Unkenrufen zum Trotze NICHT befreiend ist, „sich dazu zu bekennen“, sondern immer auch stigmatsierend ist, dass man auf einmal was will, was einem als Arschfick ja auch pervers vorkommt, weil man das so gelernt hat, und dann trifft man noch auf diese menschenverachtende Szene, das war echt ein nachhaltiger Schock für mich, diese schwul-lesbische Jugendgruppe und dieses Verzickte und die Riten in manchen Kneipen und muss sich dann noch anscheißen lassen, man würde sich als was Besonderes fühlen und auf Parties doch hip gefunden werden, obwohl man zumindest zeitweise genötigt war, die entsprechenden Etablissements aufzusuchen. Das löste sich aber vorübergehend auf in den Postpunk- und House-Szenen, gerade letzteres, das war ja wirklich völlig gemischt; heute kommt mir das alles wieder segregierter vor.

    Dagegen setzt Rhizom dann das Sich-Entziehen mit Mitteln der Geschichtsforschungin anderen Kulturen, wo anders sortiert und erfahren wurde, gegen die Segregation auch. Und vergisst dabei, dass er dadurch ja seinem Gewordensein nicht entrinnen kann und solche Sprüchen wie denen oben vom Übersteiger ja auch nicht.

    Dieses lobotomierte Körpergedächtnis gibt es, da bin ich mir mittlerweile sicher, dass die Historie der Zuschreibungen und ihrer Effekte individuell sofort wie bei Mind-Control-Programming aktiviert wird. Das alleine reicht mir auch völlig als Indikator für Homophobie aus, meine eigenen körperlichen Reflexe, wenn getriggert wird. Und die hatte ich beim Übersteiger-Text.

  289. che2001 September 2, 2011 um 2:41 pm

    Welche Äußerungen von Rhizom meinst Du denn damit?

  290. Loellie September 2, 2011 um 4:06 pm

    Puuuh … ums kurz zu halten, momo und Rhizom waren am diskutieren über sexuelle Identität und Lebensweisen, bis er momo dann als Konsequenz seiner Argumente über ein Blog afrikanischer Queers Peter Tatchell unterschieben wollte. Tatchell hat einiges erreicht in England, ist dann aber nach einer deftig rassistischen Phase ins bürgerliche Lager gewechselt. Das trifft ja auf fast alle schwulen Institutionen zu. Der LSVD-Berlin ist ja schon fast eine FDP-Aussenstelle zB..R. ist dann aber soweit gegangen, praktisch alles was irgendwie Schwul ist, als kolloniale Praxis zu werten, deren Ziel es ist, Männern die Sex mit Männern haben, in nicht „westlichen“ Kulturkreisen, den europäischen „Homo-Lifestyle“ aufzwingen zu wollen, und dadurch, vor allem im arabischen und afrikanischen Raum die Probleme für Queers überhaupt erst produzieren, indem lokale Konflikte zB durch Tatchell internationale Beachtung finden, was die Abwehr „des Homosexuellen“ verstärkt.
    Das stimmt natürlich, wenn, wie das bei der FDP üblich ist, Queers in der 3. Welt nur dann finanziell gefördert werden, wenn sie sich eindeutig pro kapitalistisch, wenns geht noch anti-muslimisch, positionieren. Am besten übernehmen die dann auch noch stereotypes Verhalten von westlichen Schwulen und eröffnen einen Frisiersalon, oder so.

    Da kann aber die kreuzberger Fummeltunte nix für, die er wiederum als Ergebniss derselben bürgerlichen Kolonisierung einstuft. Was widerum ja auch nicht falsch ist, nur irgendwann ist man dann an dem Punkt, an dem schwule Emanzipation Anti-Emanzipatorisch sein soll. Da kommt man aber nur raus, wenn Schwule aufhören schwul zu sein. ……. Also was denn jetzt?

    Zeitgleich hat er ein „lustiges“ Video gepostet, dass auf etlichen Ebenen zu kritisieren wäre. Ich hab das mit Morch Guykill gekontert, was er, wieso eigentlich, unerotisch fand und den Satz „Ich fick dich in den Arsch“ als Vergewaltigungsandrohung bezeichnete. Und ich reagiere höchst allergisch auf gewisse Kreise, in denen jedweder Versuch der Kontaktaufnahme, bzw jedwedes Signal zur Korpulationsbereitschft als sexueller Uebergriff gewertet wird, was sich btw auch in einigen Diskussionen zum Slut-Walk wieder gezeigt hat.

  291. Loellie September 2, 2011 um 4:15 pm

    Da mein Browser grad was verschluckt. Also nochmal.

    Die unerotische Swingerclubatmosphäre bei Morch Guykill ist doch eine offensichtliche Persiflage von Rappern, die sich mit viel Bling und noch mehr Bitches im Whirpool zur Schau stellen und kein Versuch, Swingerclubs als ultimativen „Lifestyle“ zu propagieren und die Pointe ist das am Ende ad nauseum wiederholte „Leckt mich am Arsch“. Da muss man schon extrem bösartig drauf sein, um das anders zu interpretieren.

    Später noch was zu momo, mein mann will gerade in heteronormativer Manier Beachtung …. und läuft natürlich schon wieder weg.

  292. momorulez September 2, 2011 um 4:25 pm

    Ja, das Problem an dem Anrennen gegen „identitäre“ und „binäre“ Konzepte von Homosexualität, wie sie sich historisch so und in dieser Form nur in westlich/christlichen Kulturen heraus gebildet haben und diese dann im Zuge des Kolonialismus eben exportiert wurden, ist, dass sehr schnell der Überganz zu „Homosexualität ist unjamaicanisch“ vollzogen wird. Auch von evangelikal inspirierten Unganda-Politikern. Das ist echt ein schmaler Grad, weil immer so getan wird, als wäre „ideologisch“ der Verblendungszusammenhang über ein „Männer haben ständig miteinander Sex, aber auch mit Frauen“ gelagert worden, und man müsste diesen Schleier nur lüften, und Schwulsein würde nicht mehr verknappt. Weil es ja nachweislich weniger Sex unter Männern gibt in westlichen Ländern, seitdem „Homosexualität“ legalisiert wurde, weil der Abgrenzungsbedarf gegen das identitäre Konzept gewachsen ist, wer will so was schon sein?

    Das ist nur eine völlig verdrehte Wahrnehmung, weil dieses westliche-christliche Konzept ja auch nicht dadurch aus der Welt geschafft wird, dass irgendwelche Akademiker persische Literatur aus dem 11. Jahrhundert zitieren, um dabei nun wieder alle andere Faktoren, die damals eine Rolle spielten, außer Acht zu lassen und gleichzeitig zu ignorieren, dass dieses „Konzept“ nunmehr an die 200 Jahre Subjektivitäten überall auf der Welt geformt hat, weil der Kolonialismus fast überall wirkte, und insofern bei der Schwulenverfolgung in vielen Ländern es nun mal eine Rolle spielt und somit REALITÄT ist . Häufig allerdings in der Variante, dass nur der „passive Part“ schwul sei, nicht jedoch der penetrierende. Was ja nun auch nix Dolles und zudem patriachal bis ins Mark. Es nimmt einem zudem auch noch die Möglichkeit von Empowerment im „I am what I am“-Sinne und landet unter aktuellen Bedingungen bei einem „Ich doch nicht schwul“, tatsächlich.

    Deshalb ja immer mein Plädoyer, lieber gleich über Heterosexualität zu reden, wie zum Teufel wird man freiwillig Familienvater in Henstedt-Ulzburg?, das machen die meisten doch auch nur, weil man das so macht. Und da hat Rhizom unrecht, dass es den „Fortpflanzer und Ernährer“ positiv gar nicht gäbe, damit wirst Du doch ständig konfrontiert, Che, dass Du das NICHT bist.

    Es gibt bestimmt auch massenhaft Leute, die gar nicht ständig Sex machen WOLLEN. So what? Es ist doch Blödsinn, nun ständig das vermeintlich kolonial unterwerfende „Konzept Homosexualität“ zu geißeln, das ist Nebeneffekt von ganz anderen Faktoren.

  293. vuvuzela//riotqueer September 2, 2011 um 5:04 pm

    Um einen Auszug zur ’schwulen Geschichte‘ in den deutsch_sprachigen Regionen zu erörtern, nicht den Freud Sigmund – sondern mal ein ehemaliger Aktivist in der Baustelle und im schwulen Referat der Uni (Mr. Stefan Micheler), zu zitieren, was meine Meinung trifft, ist die sexual_politische Tatsache der Entdeckung von Hetero- und Homo_pathologien zur Wende in das 20. Jahrhundert,…die HYGIENE im Vordergrund stand,….und somit die sexual_politische Sanktion darin bestand, dass die Aktivisten von eben dem ‚abspritzen‘ (ob Mann oder Frau, wer weiß es genau) den Gehalt des ‚Schmutzes‘ und ‚Ekel‘ hatte.

    Somit erübrigt sich ein ‚Stellvertreter-Konsens‘ zum kolonialen Umgang mit Sexualpolitik und Geschichte in anderen Weiten dieser Welt.

    Es sollte mal sinniert werden, ob nicht ein ‚Trans_Support im Rahmen des Möglichen‘ dieser Stadt und Vereins zu organisieren sei, wenn ich da an die Talstraße und den Bereich um die Königsstraße als ‚Bordstein‘ des ‚pass_ing‘ von ‚Trans‘ in die ‚Normativität‘, die jeder als RECHT ansehen würde.

    PS: 40,-€ sind ein Wochen-Einkauf….und warum ich hier schon Hierarchien wahr nehme liegt an die Schreiberling und Tuntentinte….“Hose runter lass!“

  294. vuvuzela//riotqueer September 2, 2011 um 5:04 pm

    300er,..hier ist BRAMFELD!

  295. che2001 September 2, 2011 um 5:30 pm

    Aha, danke für diese Erläuterungen, das sind ja schon wieder Abgründe. Schätzen da doch eher die Realen, die kann man wenigstens durchklettern. Mal durch die Drei-zu-Eins-Matrix betrachtet bringt Rhizom da prima patriarchale und imperialistische Muster zur Anwendung.

  296. vuvuzela//riotqueer September 2, 2011 um 5:41 pm

    Immer schön beim eigenen ‚Begehren‘ bleiben und das Wohlbefinden der eigenen ‚Körperpolitik‘ in den Vordergrund stellen, da hilft mir eher der ‚anti-kapitalistische‘ Ansatz der ‚Dominanz//Submission‘ von an sich eher kritischen Beobachtungen von ‚Theorien und Szenen‘ der BDSM-Gemeinde.

    Ob da jetzt PoC-Anteile bei sind, kann ich nicht sagen, da muss schon Momo in der Schanze rum stöbern

  297. vuvuzela//riotqueer September 2, 2011 um 8:57 pm

    Der Herrmann Hesse Siddharta:))

  298. Loellie September 2, 2011 um 10:47 pm

    Schwarze und BDSM? Körpergedächtniss + Ketten + Peitsche, da haut die Schuld und Sühne Nummer weisser Schwuler nicht mehr hin.
    Ist jedenfalls extrem selten. Auch auf einschlägigen Videoportalen kaum zu finden.
    Ob das bei „Schwarzhaarigen“ anders ist und wenn ja warum, weisst du besser als ich.
    Asiaten schon eher. Latinos hatte ich öfter.

    Und momo hat das so schön weiter ausgeführt, dass ich trotz Ankündigung grad garnicht weiss, was ich noch hätte schreiben wollen.

  299. che2001 September 2, 2011 um 11:05 pm

    In Israel sehr ausgeprägt, aber, sorry, das sind Ebenen, zu denen ich mich dann weböffentlich echt nicht mehr zu äußern traue, weil da die Arschkrampen aller Fraktionen sofort reinhauen würden.

    Mein „ja sicher doch!“ bezog sich nur auf den ersten Absatz von Vuvuzela.

  300. momorulez September 3, 2011 um 12:29 am

    Ach, ohne dass ich da profundere Kenntnisse hätte, als Jude, so weit Du diese in Israel meinst, hätte ich aber auch sexuelle Fantasien, die deutsche Durchschnittsbürger ziemlich aus den Sneakern hauen würden, und als Palistinänser ebenso. Mich können krass homophobe Zuschreibungen auch buchstäblich geil machen, und da trifft doch Loellie wie üblich exakt den Punkt: Natürlich ist mit einer Sklaverei- und Kolonialgeschichte im Nacken der Zugang zu Master & Servant-Spielen ein ganz anderer.

    Das ist doch analog Riesenthema beim BH-Verbrennen früher Feministinnen: Das war was für per Mieder dressierte, weiße Frauen, während die schwarzen froh waren, sich überhaupt mal was anziehen zu dürfen. Entnehme ich einer weiblichen Originalquelle, diese Aussage 😉 ..

    Dieser Mythos vom sozialunabhängigen Trieb spukt doch auch bei Rhizom noch rum, der reproduziert die Repressionhypothese, dabei bewegen sich ALLE im Rahmen irgendwelcher gesellschaftlichen Bilder- und Verarbeitungswelten, wo jeder phallische Orgasmus, während man als „Pussy“ beschimpft wird, sich über die Zuschreibung erhebt, während ein Schwanz im eigenen Arsch steckt oder irgendwas anderes, weil das Abspritzen ja phallisch bleibt.

    Und genau um so was ging es in den tragikomischen, wundervollen, fantasiereichen Inszenierungen im „Salambo“ oder in Ernies Bühnenprogrammen, indirekt da, und genau dafür hassen sie diese Linksspießer vom Übersteiger, weil die alle so sozialisiert sind, dass das „schlüpfrig“ sei und man darüber doch nicht spricht. Wie verkümmert.

    Und genau deshalb diese kuriosen und belehrenden Reaktionen, wenn Netbitch über Krabbensalat in ihren wie auch immer sie das nennt Genital-Regionen schreibt, anstatt wahlweise brav zu gebären oder die Pille zu nehmen. Das ist zu schockierend spielerisch und vor allem viel zu bewusst mit all den Bildwelten spielend, die schamgeplagt doch auch bei jenen im Kopf flimmern, die in Missionarstellung dann Kinder machen und sich, kurz zuvor noch „All Cops are Bastards“ gröhlend, heimlich in Uniform mit Gummiknüppel imaginieren.

  301. vuvuzela//riotqueer September 3, 2011 um 6:39 am

    Aber die ‚trans‘-Ebene dessen, was im Bereich des ’nicht-materiellen‘ gilt sich anzueignen, was später auch zu einer operativen ‚Veränderung‘ und Pass_ing des selbigen führen kann, hat nicht nur im Komplex von Bildern die Eigenschaft sich zu lösen von einer Philie, nein das besondere an die ‚das sprechen‘ über momentane Situationen zu dem komplexen ‚Begehren‘ bietet ‚BDSM‘ in ihrer Ursprungskritik an ‚actor_ism‘ und Rollenspiel doch die Möglichkeit das ’sozialiserte‘ zu hinterfragen.
    Somit auch beim BDSM nach einem Muster die Lust zum ‚böse Blümchen-Sex‘ kein Problem darstellt sondern ganz der kapitalistischen Modi gehört, das ein Maßstab im Körper abgebaut gehört.
    Ich stehe unheimlich auf wippende TT’s!

  302. che2001 September 3, 2011 um 9:34 am

    Dieser Mythos vom sozialunabhängigen Trieb war ja auch Dauerprogramm in all diesen ätzenden linken Sexismusdebatten im Dworkingefolge. Kenne das bis heute, inklusive der Nummer BDSM hätte etwas mit realer Unterdrückung zu tun.

  303. vuvuzela//riotqueer September 3, 2011 um 11:26 am

    Ich kenne nur zum Thema ‚Körperpolitiken‘ das Buch von Dawn Atkins ‚Looking Queer‘ – welches zwar vor zwanzig Jahren vieles in die richtige Richtung leiten versuchte, aber erst in den vergangenen Tagen die ‚ability//dis_ability‘ und ‚psycho_pathologische Maßstäbe‘ in die Debatte einzog.
    Ich habe versucht Dworkin zu lesen, weil ich auch in meinem Grundstudium der Rechtswissenschaften einen Auszug zu der in den Anfangs-Semestern kalkulierten ’subjekt//objekt‘-Statuten kennen lernen wollte, die sich nicht an die kapitalistischen Faktizität suchte,…dazu sehr interessant die feministische Struktur in der anglistischen Rechtssprechung,…aber in der unseren roamnischen Rechtssprechung sollte gerade der Fall an Ideologien gestützer Behauptungen, ohne den Verwaltungsweg einzugehen, immer als strukturellen Inszest der linksradikalen Szenen und darüber gedachten Räumen und Zeitfenstern gedeutet werden,…um wieder auf die ‚trans‘-Ebene zurück zu kehren, dass die bio_politische Masse am Ort, oder in der deutschen Geschichte die der Hygiene und Sexualpolitik.

    Zu diesem Feld gibt es noch mehr zu schreiben, aber wie gesagt, Kommunikations-Strukturen müssen immer wieder ’neu‘ gedacht werden.

  304. che2001 September 3, 2011 um 12:25 pm

    Um Missverständnisse zu vermeiden: ich meinte nicht den Philosophen Dworkin, sondern die Anti-Porno-Feministin gleichen Nachnamens.

  305. vuvuzela//riotqueer September 3, 2011 um 2:13 pm

    Ich weiß,…es ist wie mit Tattoos, als manifeste Ästhetik fortlaufender Penetrationen.

  306. vuvuzela//riotqueer September 4, 2011 um 5:54 am

    Der Lächerlichkeit keine Grenzen gesetzt: http://stpauli-forum.de/viewtopic.php?t=63952&start=15

  307. che2001 September 4, 2011 um 10:39 am

    Ach Du Scheisse! Linke Uniformierung kenne ich von früher her so: Schwarze Motorradlederjacken, möglichst gut gepolstert, schwarze Helme, aber als reine Demokluft, um nicht erkannt zu werden und gegen Bullenprügel gut geschützt zu sein, also als echte Funktionskleidung.

  308. Loellie September 4, 2011 um 2:32 pm

    Wenn „Linke“ sich in eine Welt wagen, die nicht die Ihrige ist

    „Die Schuhe (Adidas Samba) kosten ca. das Doppelte bis dreifache von billig-Turnschuhen, halten aber 5x so lange und sind um einiges bequemer.“

    Meine Treter sind Made in UK, sind drei bis viermal so teuer wie die Sambas aus dem chinesischen Kinder-Kz, viel bequemer, ohne standartmässig verbaute Schweissfussfunktion für Hardcorefetischisten und halten auch viel länger.
    Talk about billig-Stinksneaker.

    Interessant fand ich allerdings die Bildergalerie von den Nazis, die, trotz Anti-Kapitalistischem Anstrich mit den Schmuddelkindern der dem Arbeitermilieu entstammenden Skinhaedbewegung wohl nichts mehr zu tun haben will. Auch die rechts-nationalistische Szene ist offensichtlich unter die Räder der bürgerlichen Gentrifizierung geraten.

    @momo, weiter oben

    „Die Fussballwelt ansonsten, da haste ja recht, ich finde sie aber auch einfach ziemlich und buchstäblich sexy :D“

    Aber ja doch. Bei meinen losen Kontakte, damals in den frühen 80ern, in die Skinhead- und Hool-Szene waren ja durchaus auch sexistischer Natur. Und je älter ich werde, um so weniger verstehe ich, weshalb es zwischen mir und Nazi-Schlägern zu sexuellen Kontakten kam, was undenkbar bei den Punks und Kiddie-Punks mit ihrer verhaltenen Homophobie war, und bei dem, was ich jetzt „Autonome“ nenne, also solche die auch mal ein Haus besetzt haben oder sonstwie im weitesten Sinne politisch aktiv waren, wäre das aufgrund deren offenen Homophobie sogar gefährlich gewesen.

    Der arme R., der so gerne Autonomer Punker gewesen wär, sass ständig heulend in der Ecke weil die sich ihm gegenüber immer so scheisse aufgeführt haben, und dann kriegt auch noch ausgerechnet er von so’nem Naziarschloch aufs Maul …

    Ich glaub ja das kein anderer Slogan aus den 60/70ern soviel Wahrheit enthällt wie „Make Sex, Not War“ …. schreib ich mal, während ich zahnlos auf die 50 zurase, verfette und vor allem meine Gelenke zusehens die Frage, wie es um meine Chancen auf dem Fleischmarkt stehen könnte, erübrigen. 😉

    Nochwas. Ich könnte mir das zwar lebhaft vorstellen, aber seid ihr sicher, dass das mit den KZ-Spielchen in Israel keine Urbane Legende ist?

  309. che2001 September 4, 2011 um 5:15 pm

    Offene Homophobie kenne ich bei Autonomen nun gar nicht. Eher eine zumindest lippenbekenntnismäßige Aufwertung von allem außerhalb des Standardhetismus. Und einer der moralischsten Wortführer der GÖ-PC-Fraktion z.B. war schwul, Lesben wurden zeitweise als so etwas wie eine moralische Institution angesehen. Kann mir aber sehr sehr gut vorstellen, dass die autonomen Szenen von Göttingen, Bremen und Kassel etwas völlig Anderes waren als in Berlin.

    BDSM in Israel: Da habe ich Informationen aus erster Quelle.

  310. Loellie September 4, 2011 um 6:05 pm

    Das ist mir jetzt gerade sowas von scheiss egal ob das nach Göttinger Standard Autonome waren oder nicht. Ihr könnt die ja verklagen weil die ihren Laden unberechtigterweise wörtlich „Autonomes Jugend- und Kulturzentrum“ nannten. Ich weiss auch, dass es andernorts schwule Punks gegeben hat, und die haben trotzdem den einzigen bei uns in der Stadt regelmässig fertig gemacht, weil kapitalistische Dekadenz und so’n Scheiss, und mich wollten die ständig, weil wahlweise Popper oder Yuppie, verkloppen. Weil Klamotten irgendwie des Teufels sind, sobald die nicht nach komplett versyffter Lederjacke aussehen und eklig stinken.
    Meine Güte, wo hab ich denn da oben geschrieben, dass Homophobie die Kerneigenschaft von Autonomen ist, oder war das jetzt zuwenig Stalinismusaufarbeitung meinerseits? Und von Berlin steht da auch nirgends nichts.
    In Berlin war es als ich 89 dorthin kam, die zu Superspiessern mutierte erste Generation Hausbesetzer aus den 80ern, die mein Interesse an zum Teil ja wirklich interessanten Projekten, wie das Tuntenhaus zB, genullt hat. Obwohl ich ja mit ein paar von den Leuten immer wieder zu tun hatte, hab ich’s da nie hingeschafft.
    Ansonsten begreift man eben irgendwann, dass gewisse Kreise nichts mit einem zu tun haben wollen. Als Teenager fand ich das ja noch lustig, immer wieder Skandale, auch bisweilen handfeste, vorm Jugendzentrum zu inszenieren, aber bei so leichten Opfern wird das auch langweilig.

  311. che2001 September 4, 2011 um 6:23 pm

    Deswegen brauchst Du mich nicht gleich anzumaulen. Mich interessiert einfach der Unterschied zwischen den Szenen verschiedener Städte, und ich habe eben gerade geschrieben, dass ich die selber nur in drei Fällen som richtig beurteilen kann.

  312. momorulez September 4, 2011 um 8:25 pm

    Doch, deshalb muss man hier rum maulen, weil das ein Problem ist, das sich wie ein roter Faden durch 5 Jahre Bloggen zieht – dass es eine Aneignung von Punk und Ästhetiken/Haltungen auch bei den Autonomem oder Hardcore-Szenen gab und gibt, die himmelschreiend und IN SICH homophob sind, die wirkungsgeschichtlich wirklich fatal waren. Mal ab von Rayson habe ich hier in all den Jahren mit keinem Liberalen Stunk gehabt wegen der schwulen Themen, immer mit irgendwelchen Leuten aus eher linken Kreisen – auch, weil diese in ihren wirren Hirnen die FDP-Spacken als irgendwie schwul, postmodern, beliebig wahr nehmen. Schon dieses ständige Betonen von Lesben als „moralischer Instanz“, was dann oft auch noch in irgendein Anti PC-Gejammer mündet, wäre mir noch hinsichtlich der Betonung von Männern in derselben Funktion noch nicht aufgefallen, wobei ich bezweifel, dass es da keine männlichen Platzhirsche gab. Und „wir haben doch eine Bundeskanzlerin“ ist ja nun auch kein Argument gegen das strukturelle Patriachat.

  313. vuvuzela//riotqueer September 4, 2011 um 9:40 pm

    Wo wir wieder beim Thema wären, dem der gesellschaftlich begründeten Phobie gegenüber ‚Trans‘-Leuten die der augenscheinlichen Pathologie ausgesetzt sind.
    Wer sich auf linksradikalen Plenen rein gefühlt hat und den Verschwörungstheoretischen Rahmen mal außen vor lässt, den Militanz mit sich bringt,..kommt ganz schnell auf der Ebene der Gewalt an,…und diese inhärente Form der gesellschaftlichen Zugriffs_Mechanismen haben -immer- das Spiel von Zuschreibung und körperlichen Maßstab in sich, der Augen der Betrachtung.
    Scheiß auf die links-autonomen Szenen diverser Städte, eine Protestkultur mit universitären Leitbildern, was wichtiger ist, wie lässt sich denn der ‚Blog-Maskulinismus‘ der einzelnen Männer so dekonstruieren, dass sich auch ‚FrauenLesbenTransInter‘-Personen of Color hier ausdrücken?

    Es bleibt die Forderung nach eigenen Rahmenbedingungen, vielleicht auch Dauerbrenner auf diesem Blog der Metalust (http://phaidon.philo.at/mediacore/podcasts/crossing-borders/wie-ich-die-metaphilosophie-sehe)

    Einen schönen Abend noch und angenehmen Wochenstart!

  314. Loellie September 4, 2011 um 10:10 pm

    Ich maul hier rum solange wies mir passt.

    Das klingt jetzt gemein und Che wird das wahrscheinlich als Angriff missverstehn, aber ich frag mich manchmal ehrlich, wie zuverlässig deine Selbsteinschätzungen in Bezug auf Linke Szenen bei diesem Themenkomplex sind.

    Mich interessieren die panischen Versuche andernorts Linke zu diskreditieren nicht, aber, auch wenn es hier um Jugenderinnerungen geht, ausgelöst von der alles andere als ungewöhnlichen Frage bei den Fussballern, wer wann welche Klamotten anziehen darf, versuche ich auch fast dreissig Jahre später zu verstehen wie es sein kann, dass ich in einem Umfeld, dass als das mit Abstand intolleranteste überhaupt gilt, nicht nur nie Probleme hatte, ausgerechnet ich, sondern es mehrfach zu sexuellen Kontakten kam, während ich woanders unter dem Banner der Emanzipation nix als Stress hatte.
    Vielleicht ist das auch nur Nostalgie, aber ich hab einfach das Gefühl, dass das entschlüsseln dieser Diskrepanz wichtig ist.
    Und komm dabei ja auch nicht weiter als es zu formulieren. Halbwegs.

  315. momorulez September 4, 2011 um 10:29 pm

    Der Scheiß ist ja, dass man bei dem, was Du oben schreibst, ratzfatz wieder bei den „schwulen Nazis“ landet, was jetzt gar keine Kritik dessen ist, was Du schreibst, sondern eher auf diese merkwürdige Unentrinnbarkeit, diese seltsame Zwickmühlenhaftigkeit der ganzen homophoben Konstrukte verweisen soll.

    „Unter Linken“ , harhar, Fleischauer, gibt es aber viel mehr Unsicherheiten hinsichtlich der je eigenen Männlichkeit und sexuellen Orientierung, und das auch deshalb, weil man gegen Schwule und Lesben eigentlich nix haben „darf“. Und das verursacht zum einen mehr Abgrenzungsbedarf, das ist mir nun nicht nur einmal passiert, dass sogar engere Freunde, die hetero lebten (und an denen ich durchaus Interesse hatte) in kuriosen Situationen auf Distanz gingen, weil sie sich ja auch „gefährdet“ fühlten. Also nicht etwa in Situationen, wo ich gebaggert hätte, sondern z.B., als ich von akuter Obdachlosigkeit bedroht vorrübergehend für ein paar Tage in einen leeren Kellerraum ziehen wolte.

    Ansonsten fühlen die sich ja permanent erpresst davon, dass man seine „Randgruppenposition ausnützen könne“ und schlagen dann so richtig zu. Da wir eine durchgängig verbürgerlichte Linke haben, sind sowieso alle Sex-Themen wahnsinnig angstbesetzt und werden schnell in die „Schlüpfrigkeit“ verbannt.

    Vielleicht waren Deine Kumpels einfach mit ganz anderen Themen zugange.

  316. che2001 September 4, 2011 um 10:55 pm

    „dass es eine Aneignung von Punk und Ästhetiken/Haltungen auch bei den Autonomem oder Hardcore-Szenen gab und gibt, die himmelschreiend und IN SICH homophob sind, die wirkungsgeschichtlich wirklich fatal waren“ will ich gar nicht bestreiten. Nur, in den autonomen Milieus, die ich von innen kennenlernte war das eben gerade nicht so. Da wechselwirkte eher ein richtiges Verständnis von heteronormativen gesellschaftlichen Machtstrukturen mit falschen Antworten, die selber diesen Machtstrukturen entliehen waren. Also z.B. die Dworkinsche Pornokritik mit der Schlussfolgerung, Zensur ausüben zu wollen (De Sade, Bukowski, Genet verbieten) und auch eine moralische Abwertung schwanzfixierter Sexualpraktiken gegenüber anderen im Sinne von moralisch besser-schlechter. Das Betonen von Lesben als moralischer Instanz lief in dem Zusammenhang so ab, dass die weiter wären als alle Anderen, weil sie keine emotionalen Bindungen zum Feind, d.h. den patriarchalen Männern hätten, im Rahmen eines Antiimp-Feindbildmodells, das im Ursprung auf Mao zurückgeht (klare Trennung zwischen uns und dem Feind schaffen). Und dabei wurden dann Hierarchisierungen geschaffen: De facto, so direkt hat das niemand ausgesprochen, Queers als bessere Menschen. Und auch das nur als eine Projektion, die nur sehr wenige reale Queers einbezog: Geborgte Identität, so, wie man sich vorher mit dem Vietcong oder den Sandinistas identifiziert hatte.
    Und mein Dauerprogramm ist es, darauf zu rekurrieren, dass wir – dazu gehört auch der hier verhasste Hartmann – eben keine Identitäten geborgt, sondern uns zunächst mal mit Flüchtlings real zusammengesetzt haben.

    @“eine Protestkultur mit universitären Leitbildern“ — also, als ich mich in die Zusammenhänge begab, war das vor allem eine Berwegung von Ahi- und Sozi-BezieherInnen.

  317. momorulez September 4, 2011 um 11:35 pm

    Und inwiefern widerspricht das jetzt dem, was Du von mir zitiert hattest? Zudem nun Schwänze, ja, sogar gewisse Fixierung manchmal, bei schwuler Sexualität schon auch eine Rolle spielt. Das ist doch ein ganz anderes Thema, was Du aufmachst, teilweise bestätigt das eher, was ich soeben schrub, und was das alles nun mit nicht-schwulen oder lesbischen Flüchtlingen zu tun hat, erschließt sich mir auch nicht wirklich. Man kann immer gerne finden, dass man lieber über gefolterte Flüchtlinge reden sollte, ist ja ein in der Tat wichtiges Thema, aber was hat mit dem bisher Diskutierten zu tun?

  318. vuvuzela//riotqueer September 5, 2011 um 5:48 am

    Männer, was hat das jetzt mit ‚Transphobie‘ zu tun,…wohl eher die Intoleranz von Maskulinisten gegenüber Transsexuellen und Interstasis-Personen!
    Scheiß auf den Plural der Biomasse in linksradikalen Szenen, und scheiß auf die verkorkste Diskussion gegenüber ach so betroffenen Leitbildern in den Zusammenhängen – die mal die Kommunikationsstruktur dieser linksradikalen Szenen ausmachte.
    Ich habe mein erstes Magazin 1991 auf den AMIGA 500 der Szene zu kommen lassen und war da noch tief in der Romantik von strukturellen Umbrüchen geprägt worden. Da sich die ‚behinderte‘ Kommunikation bzgl. SM-S und salopp formulierten Mails breit macht, hat sich der Niedergang der linksradikalen Szenen als Hort von Konsum und schlechter Musik nur den eigenen Fleisches-Lüsten billigend in kauf genommen.
    Ich will auch nicht über ‚Refugees‘ schreiben, da mir absolut egal in welchen Verwaltungssträngen ‚diese‘ es schafften ein ‚jüdischen Hitler‘ ausfindig zu machen. Eine von Rechtsradikalität geprägter Diskurs um ‚Grenzen‘ und nicht-stattfindenden Diskussionen in den linksradikalen Szenen. Und was soll denn bitte an ‚Dil_doing‘ denn falsch sein, wenn es eigentlich um Penetration geht?
    Fragen über Fragen und am Ende siegt das ’schwule Konstrukt‘ der ‚She-males‘! Und ist am Thema absolut vorbei….hauptsache dicke TT’s!

  319. vuvuzela//riotqueer September 5, 2011 um 10:36 am

    Was sagt der Ikonoklas_mus jetzt aus? Das doch die Cops gerufen werden, an Stelle vom PaPa? Das viele ‚Refugees‘ auch Kriegsverbrecher und Vergewaltiger sein können? Da in der falschen Fraktion?
    Auf alle Fälle 1980s…..wenn es um Paragraphen und Hygiene-Gesetze aus diesem Zeitfenster der Block-Konfrontationen gilt zu analysieren…

  320. workingclasshero September 5, 2011 um 1:22 pm

    @was das alles nun mit nicht-schwulen oder lesbischen Flüchtlingen zu tun hat, erschließt sich mir auch nicht wirklich. Man kann immer gerne finden, dass man lieber über gefolterte Flüchtlinge reden sollte, ist ja ein in der Tat wichtiges Thema, aber was hat mit dem bisher Diskutierten zu tun?

    Ich finde, dass Che hier sehr stringent argumentiert, nur leider außerhalb des Themas dieses Threads. Es ist nun mal Fakt, dass „Solidarität“ bei Teilen der radikalen Linken eine sehr vertrackte und zwiespältige Sache ist. Immer und immer wieder ist es vorgekommen, dass zu „revolutionären Subjekten“ erklärte Grupen eher Objekte linker Projektionen geworden waren, ob nun „Die Arbeiterklasse“, Guerrillagruppen im Trikontinent, soziale Randgruppen, Londoner Streetpunks oder auch mal Göttinger Lesben, Flüchtlinge, auf deren Ankunft besimmte Linke wie auf die von Heilsbringern reagierten. In diesem Projektionsmuster ist austauschbar, wer nun zu welcher spezifischen Gruppe von Marginalisierten gehört. Und einer der Hauptkritikpunkte der Antiras ist immer diese projektive Sichtweise als Solche und ihr faktisches Nichternstnehmen oder Nichtwahrnehmen der projektiv Überzeichneten gewesen.

  321. momorulez September 5, 2011 um 2:09 pm

    Ja, das kann ja gut sein, das kommt immer nur anders rüber – als wolle man nun Flüchtlinge gegen Schwuppen ausspielen. Und diese Projektionsmuster sind ja immer nix, was nun irgendwelche Verhältnisse infrage stellen würde; vielleicht habe ich aber auch die Kritik genau daran dann nicht verstanden, das kann ja gut sein.

  322. Loellie September 5, 2011 um 3:28 pm

    Ich hab das nie im Sinne von Opferkonkurenz verstanden, sondern immer nach dem Motto „statt theatralisch Lichterkette spielen, Fresspakete ins Asylheim bringen“, oder so.
    Ich hab geblafft, weil der Punkt, dass es in Göttingen mutmasslich anders zugegangen sein soll, nichts zur Klärung der Frage beiträgt, bzw das Phänomen nicht erklärt, dass mir aufgrund meiner Frisuren und Klamotten regelmässg der Zugang zu linken Veranstaltungen verweigert wurde.
    Mutmasslich desshalb weil … da sind wir wieder bei der verbalen Erniedrigung beim schwulen Sex. Dabei geht es doch eben gerade nicht um die offene Anfeindung aus dem arisch-evangelikalen Komplex, sondern vielmehr um das mehr oder weniger sublime Dauerfeuer dem man sich aussetzt, sobald man durch die Stadt läuft oder die Glotze einschaltet. Bei Heten-SM ist das ja auch nicht anders. Man kann täglich auf Queer.de nachlesen, wieviele Schwule bei diesem Thema komplett auf dem Schlauch stehen und Blidgänger wie diesen BIFFF, den wir hier auch schon diskutierten, gibts auch genug.
    Von daher glaub ich das mir ähnliches in Göttingen, dank moralischer Instanzen, nicht passiert wäre erst, wenn ichs denn gesehen hätte.

    Auch „Nett“ @ „Also nicht etwa in Situationen, wo ich gebaggert hätte, sondern z.B., als ich von akuter Obdachlosigkeit bedroht vorrübergehend für ein paar Tage in einen leeren Kellerraum ziehen wolte.“
    Bei weitem nicht so präkär, aber mich haben ein paar Birkenstocks, mit denen ich auf ’ne Demo fahren wollte, stehen gelassen, weil die anderen Mitfahrer nicht mit ’nem Schwulen im Auto sitzen wollten. Und Gay-Panic hatten bei mir lustigerweise immer solche Typen, die ich nichtmal mit der Kneifzange angefasst hätten.

    „Der Scheiß ist ja, dass man bei dem, was Du oben schreibst, ratzfatz wieder bei den „schwulen Nazis“ landet, was jetzt gar keine Kritik dessen ist, was Du schreibst, sondern eher auf diese merkwürdige Unentrinnbarkeit, diese seltsame Zwickmühlenhaftigkeit der ganzen homophoben Konstrukte verweisen soll. “

    Aber ja doch! Ich kann mich mit meinen Ueberlegungen aber doch nicht an den Wahnvorstellungen Fleischhauers und irgendwelcher Evangelikalen orientieren. Siehe dein aktuelles Posting.
    Das in den USA alle paar Wochen ein Schwulenfresser mit Stricher oder auf einer Klappe erwischt wird, kommt doch aber nicht von ungefähr. Offensichtlich üben explizit schwulenfeindliche Millieus einen erheblichen Reiz auf Klemmschwestern aus. Die leben ihren Masochismus dann im Alltag aus, anstatt, wo er hingehört, im Schlafzimmer.
    Mir geht es bei der Sache auch weniger um den Sex, als um die stete und in bildungsfernen Kreisen übliche Verdrehung „Die K***cken nehmen uns doch nur die Arbeit weg und schmarotzen Sozialhilfe, aber der Ali ist nicht so einer. Der gehört zu uns!“

  323. vuvuzela//riotqueer September 5, 2011 um 3:35 pm

    Wer meinen Beitrag errät bekommt ein Kuss!

    http://de.indymedia.org/2001/11/11049.shtml

    FAUST!

  324. momorulez September 5, 2011 um 3:36 pm

    „weil die anderen Mitfahrer nicht mit ‘nem Schwulen im Auto sitzen wollten. Und Gay-Panic hatten bei mir lustigerweise immer solche Typen, die ich nichtmal mit der Kneifzange angefasst hätten.“

    Urgs. Aber letzteres kenne ich auch gut 😀 – und mit einer meiner „Klemmschwestern“, irgendwie, irgendwie aber auch nicht, hatte ich über 10 Jahre eine sehr schöne und liebevolle Beziehung 😀 … der war nur auch immer wieder verwirrt und verstört, weil er dann z.B. bei Parties das Gefühl hatte, sich zwischen mir und seiner Freundin entscheiden zu müssen. Seufz. Um dann irgendwann doch auf Frau und Kind umzuschwenken. Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr 😦 …

    Diese homofeindlichen Umgebungen sind halt oft auch sehr maskuline, und irgendwie steht man halt doch auf Männer.

    Ja, der Schlußsatz, das kann gut hin hauen.

  325. momorulez September 5, 2011 um 4:01 pm

    Dieser Indymedia-Link ist ja bis zur Diskussion hin völlig gespenstisch 😦 … wobei, der hier, da musste ich doch lachen:

    „Es scheint ja fast als ob hier gesagt werden sollte, dass Antifaschistinnen und Antifaschisten die Nazis schlagen, das tun, um heterosexuelle komplexe zu kompensieren.“

    😆

  326. Loellie September 5, 2011 um 6:21 pm

    Mit Rosa Winkel wär das nicht passiert!
    Und genau das meine ich, obwohl ich 20 Jahre zuvor optisch nichtmal näherungsweise wie ein Skinhead oder Hool ausgesehen habe. Und das Schwule von Linken krankenhausreif geprügelt wurden war leider kein Einzelfall.
    Natürlich gab und gibt es eine Nazi-Skin-Clique in Schöneberg, aber noch nichtmal die haben offensichtliche Aufnäher oder ähnliches getragen. Ob da einer vllt ein Hakenkreuztattoo auf der Arschbacke hat, kann ich natürlich nicht bezeugen. Bomberjacken, Springerstiefel und Glatze gab es mitte der 90er schon ohne Ende, ich habe aber nie, nicht ein einziges mal, Nazikram gesehen.

    Ein um die Ecke Bekannter erzählte 2001 in der schwäbischen Provinz, dass das in Schöneberg ja so schlimm wäre, mit den Nazis. Mein Hinweis „du weisst aber schon dass deine Schöneberger „Nazis“ alle schwul sind“ … wollte er nicht glauben. Ums verrecken nicht. Ich hätte keine Ahnung, und er wohnt da schliesslich schon seit vier Monaten …

    @ momo

    Letzte Woche gings gleich in zwei Threads auf Queer.de um „Bi-Sexuelle“.
    Seitdem habe ich absolutes Verständnis für jeden der seine Schwule Seite unterdrückt, verschweigt und sich lieber fortpflanzt.
    Naja … fast 🙂
    Manchmal glaube ich, dass dieser Druck von aussen, sich entscheiden zu müssen, noch zerstörerischer ist als bei sog. „Vollschwulen“, weils bei solchen wie mir und wohl auch bei deiner „Klemmschwester“ garnichts zu entscheiden gibt. Man hat ja nichtmal die Szene in die man sich vor der Familie und dem alten sozialen Umfeld flüchten kann … für „uns“ geht der Scheiss dann gerade weiter.

    Und nochwas an Che, ganz aufrichtig, Danke!, dass du dich immer und immer und immer wieder von uns anmaulen lässt. Wärs umgekehrt wär von mir mit Sicherheit schon längst ein deftiges „dann leckt mich doch am Arsch mit eurem Scheiss“ gekommen. Knutschsmileys gibts hier leider nicht.
    Wollt ich mal gesagt haben.

  327. che2001 September 5, 2011 um 9:44 pm

    Ja, Loellie, ich nehme Dich ja auch wie Du bist sehr ernst. Und mein Gegenüberstellen unterschiedlicher Erfahrungswelten hat, auch wenn das nach außen hin anders aussehen mag, niemals den Charakter der Selbstrechtfertigung oder des Aufrechnens oder des Konkurrenzverhaltens, sondern ist eher im Sinne von „Ach so war das bei Dir, bei mir war es so:“ gemeint. Bezeichnend, dass da regelmäßig zwischen den Stühlen Sitzende wie NB oder WCH die VermitlerInnenmachen.

  328. momorulez September 5, 2011 um 9:51 pm

    Ich finde ja immer, das Konflikt der Erkenntnis dient 😉 … ich persönlich lerne da mehr bei, wenn es auch mal kracht. Und hoffe, dass das nicht nur mir so geht.

  329. che2001 September 5, 2011 um 10:36 pm

    Wir konfligieren ja auch erkenntnisorientiert. Das Hirn ist eh in der Trompete, wenn es nur ums Standpunkte rausbrüllen geht. By the way, habe kürzlich in den Bergen einmal mehr gelernt, was grundsätzlich wichtig ist. Auf Leben und Tod mit Jemandem verbunden zu sein (in diesem Fall wortwörtlich durch ein Seil) schafft andere Verhältnisse als alltägliches Blahfasel.

  330. momorulez September 5, 2011 um 10:46 pm

    Nun werte hier mal nicht mein Blahfasel ab, nur weil Du Dich gezielt in existentielle Gefahrensituationen begibst.

  331. riotqueer//vuvuzela Oktober 12, 2012 um 5:43 am

    I am back:
    http://jungle-world.com/disko/ – was beweist, das Momo damals das richtige Fenster aufstiess.

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