Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Breites Panaroma der Neuen Rechten von „antideutsch“ bis Springer-Presse und ihres Antisemitismus

Ich kann die Seite „Hintergrund“ nicht beurteilen, weiß nicht „aus was für einer Ecke“ sie kommt und wie die genannten Quellen, zum Beispiel Ulrich Enderwitz, zu bewerten sind – der zu verlinkende Text freilich bietet ein derart breit gefächertes und gut synthetisiertes Panorama dessen, womit Che, Rhizom, ich und andere, wir uns anderswo und hier seit Jahren argumentativ herum schlagen, dass es mir geradezu den Atem raubte bei der Lektüre.

Und dringt vor allem zum Kern dessen vor, was einen so wütend macht, wenn man auf die in sich zutiefst antisemitischen Muster trifft, die „Antideutsche“ (oder solche, die sich so nannten), Neocons und Evangelikale gleichermaßen reproduzieren, diese vermeintlichen Kämpfer gegen Antisemitismus, diese Geschichtsklitterer, die schon durchdrehen, wenn man sie auf die Nürnberger „Rassegesetze“, das Einüben der Genozid-Techniken in deutschen Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent („Ein Platz an der Sonne“) oder die IG Farben verweist, die einen irre machen mit all ihren Verdrehungen, legen sie mit ihrer Agitation los, ganz gleich, ob in Die Welt oder Ultra-Blogs aus Bremen und München:

„Derart stattliche Projektionsleistungen werfen die Frage auf, welche Klischees von Juden sich in der Vorstellungswelt der Urheber solcher Antisemitismus-Vorwürfe verfestigt haben und welche Absichten sie verfolgen: Denn sie greifen nicht etwa ein antisemitisches Vorurteil auf, um es zu entlarven und unschädlich zu machen – sie greifen es auf, um es zu pflegen und als Instrument der Legitimation des Kapitalismus einzusetzen: Sie unterstellen der im Vorurteil enthaltenen falschen Behauptung „Juden = Kapitalisten“ in ihren „Analysen“ einen Wahrheitsgehalt. Danach neutralisieren diese Kritiker des „Antisemitismus in der Linken“ aber den pejorativen Gehalt des Ressentiments, indem sie auf die tatsächlich existierenden kriminellen Potenziale des Antisemitismus verweisen und an seine eliminatorische Kulmination erinnern. Beides interpretieren „antideutsche“ und andere Ideologen als Auswuchs der „antikapitalistischen Revolte“ der subalternen Klassen (genau wie es sich damals die NS-Propagandisten gewünscht hatten, in deren Neusprech das Wort „Faschismus“ durch das Wort „Sozialismus“ ersetzt worden war).

Durch das Festhalten am faulen Kern des antisemitischen Ressentiments, der Gleichsetzung „Juden = Kapitalisten“ in ihrer Argumentation, versuchen sie, jegliche Kritik an der herrschenden Produktionsweise zu diskreditieren. Um ihren Doktrinen politische Wirkmacht zu verleihen, perpetuieren sie ihr um- und wiederaufgerüstetes Vorurteil. Ausgestattet mit der neuen Triebkraft kann es nicht nur als Waffe gegen Kommunisten und andere Kapitalismuskritiker, sondern auch wieder gegen seine ursprünglichen Objekte gerichtet werden.

Der Autor Ulrich Enderwitz spricht von einem „entscheidenden Tabubruch“, den diese vermeintlichen Antiantisemiten begehen: Indem sie „das Spiel des Antisemitismus mitspielen, ihm die Wahl der Waffen überlassen, auf seinem eigenen Grund und Boden gegen ihn antreten, dem bösen Juden, den er als Popanz, hinter dem sich die wirklichen Konflikte verbergen lassen, hochhält, den guten Juden, der den Popanz aus dem Feld schlagen soll, entgegensetzen, verstricken sie sich in das antisemitische Wahnsystem und verraten zugleich die Opfer des faschistischen Antisemitismus.“

 

Unbedingt ganz lesen (via Arne List/facebook). Wie einst werden Juden auch gegenwärtig missbraucht und instrumentalisiert, ein faschistisches Süppchen zu kochen.

Ergänzend  sei noch auf dieses Kuriosum bei Rhizom verwiesen. Als bräuchte man nicht z.B. Martin Luthers Ausfälle zur Kenntnis nehmen, um die prärassistische Ära, also jene der traditionellen Judenfeindschaft, in christlicher Bibel-Exegese zu verorten … stattdessen tröten noch Pseudolinke ins Horn der Restauration zentraler Topoi und politischer Strategien und Praktiken des 19. Jahrhunderts.

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32 Antworten zu “Breites Panaroma der Neuen Rechten von „antideutsch“ bis Springer-Presse und ihres Antisemitismus

  1. momorulez Juli 18, 2011 um 11:39 am

    Ah, Danke! Der Name war mir tatsächlich unbekannt, und bei dieser multipel kontaminierten Diskussionslage passiert es ja leicht, dass man sich auch mal auf die falschen beruft. Das ist ja immer wieder Positiv und Negativ, die tatsächlich antisemitisch agitierenden „Israelkritiker“, die es ja auch gibt, und diese ganzen Leute, die ihre invertiert antisemitischen Stereoptype in vermeintlich proisraelischem Ersatznationalismus ausleben und sich ihre Ersatzarier basteln.

  2. Sonnenstrahl Juli 18, 2011 um 1:16 pm

    Keine Ahnung, wer dieser Enderwitz ist. Beim Googeln sprang mir Bahamas und Honestly Concerned entgegen. Das Letzte ist wohl die Ecke, aus der er herkommt. Für mich klingt das alles wie ein eitler Wettlauf um die Frage, wer wohl der beste und glaubwürdigste Antisemitismuskritiker ist. Seine Texte sind mir zu verschraubt, sowas liegt mir nicht. Da kommt mir fast mein Frühstück wieder hoch, wenn sich jemand auf Lucakz beruft wie einen Heiligen, und ich nur Bahnhof verstehe.

    Mein Frühstück waren mit Käse überbackene Bio-Nudeln mit Gemüse und Fleischsoße. Sehr fein. Nudeln, die Soße (aufgebaut aus der übrig gebliebenen Marinade einer gefunden Fleischpackung, die nach dem Fleischverbrauch mit heißem Wasser ausgeschwemmt wurde), das Fleisch (Putenbraten, etwas trocken aber in der Soße ein Traum), die Frühlingszwiebeln und eine halbe Tomate sind, genauer gesagt waren, jeweils Fundstücke. Die drei Scheiben Chesterschmelzkäse waren vorher eine Pfandflasche. Wirklich sehr lecker! Der fein säuerliche Geschmack der Soße hat bestens mit den Zutaten harmoniert und ich habe sogar noch jede Menge Soße übrig.

    Ich bin mir hier nicht völlig sicher, aber Enderwitz ist für mich ein Clown.

  3. MondoPrinte Juli 18, 2011 um 1:17 pm

    Danke für Deine Hinweise. Hab meinen jüngsten Beitrag ebenfalls ebendiesem Hintergrund-Text gewidmet: http://mondoprinte.wordpress.com/2011/07/13/susann-witt-stahls-pro-israelische-allstar-truppe/

  4. momorulez Juli 18, 2011 um 1:33 pm

    @sonnenstrahl:

    „Für mich klingt das alles wie ein eitler Wettlauf um die Frage, wer wohl der beste und glaubwürdigste Antisemitismuskritiker ist.“

    Das ist freilich auch die Gefahr meines Eintrages oben; was mich halt so irre an diesen ganzen „Prowestlichen“ macht, ist, dass denen Realgeschichte völlig am Arsch vorbei geht und sie ausschließlich auf begrifflich-ideologie“kritischer“ Ebene selbst wüsteste Ideologien verbreiten. So was wie „Unterbau“ gibt es bei denen gar nicht.

    Lukasz-Rezeptionen finde ich ja schon spannend 😉 – wundere mich manchmal, dass der aus allen Diskussionen verschwunden scheint, obwohl er für die Kritische Theorie so prägend war.

    Liest sich lecker! Und Enderwitz, da muss ich auch noch mal rumgoogeln.

    @Mondo:

    Danke für den Link! Hatte erst hinterher gesehen, dass Rhizom den Text auch schon aufgegriffen hatte.

  5. momorulez Juli 18, 2011 um 1:54 pm

    noch mal @mondo:

    Du hast auch völlig recht mit Deinem Hinweis darauf, dass diese Verbindung „Boykottiert Israel“ und „Kauft nicht bei Juden!“ durchaus gesehen werden kann wie auch hinsichtlich dessen, dass nun gerade in Deutschland solche Aufforderungen noch mal verschärft zu beurteilen sind. Deswegen halte ich zu Israel auch zumeist die Schnauze – finde nicht, dass nun ausgerechnet dem Sohn eines Pimpfes da nun gerade die Großmäuligkeit zuzugestehen ist. Was freilich für all die „antideutschen“ Schreihälse oder solche, wie Herr Döpfner einer ist, auch gilt.

    Für mich war auch in der historischen Auseinandersetzung mit Antisemitismus deshalb die Frage nach dem Umgang mit Minderheiten HIER immer die entscheidendere, weil man das mehrgesellschaftliche Operieren da in den Mittelpunkt rücken muss. Was auch Sujet obigen Beitrages sein sollte; des weiteren freilich dieser billige Trick, jegliche kapitalismuskritische Haltung mit Antisemitismus identifizieren zu wollen. Das ist dann selber einer.

    Und da ist fatal, dass z.B. ein Broder dann Reden schwingt, die paar umgestürzten Grabsteine auf jüdischen Friedhöfen hierzulande seien ja schnurz, entscheidend sei nur und ausschließlich die Haltung zu Israel, von irgendwelchen hirngewaschenen Youngstern permanent weiter verbreitet wird. Der Antisemitismus in Deutschland war ja keine außenpolitische Position. Die antislawische Haltung zum Teil wie auch das koloniale Operieren schon.

  6. Sonnenstrahl Juli 18, 2011 um 2:02 pm

    Vielleicht ist es lustig, wenn Enderwitz, auf den sich Bahamas vor 2005 berufen hat, Bahamas mit Anlauf eine rein haut. Das stiftet für mich in etwa so viele Erkenntnisse wie Vereinstreitigkeiten, die in einer Vereinszeitung einer Kleingartenanlage ausgetragen werden. Beim Googlen stieß ich auf diesen Text, ursprünglich aus der Bahamas Nummer 47:

    http://www.ca-ira.net/isf/beitraege/pdf/bruhn-realitaet.bueckware.pdf

    Man spürt das inferiore Gurgeln und Brausen, mit dem dieser Text entstanden ist, geradezu körperlich. Ich finde das Gegeifer von Mister Bruhn sehr unterhaltsam. Enderwitz hat also im Jahr 2005 zur Überraschung der Bahamas-Vereinsmeier ein Buch veröffentlicht, das mit dem Verein und seinen Tätigkeiten abrechnet. Seitdem geht es hin und her.

    Haarbüschel liegen verschiedentlich auf dem Boden. Wenn Fußballer den Verein wechseln, gibt es manchmal auch verstimmte Stellungnahmen. Meistens stellt sich der Vereinswechsel als der richtige Schritt heraus.

  7. momorulez Juli 18, 2011 um 2:09 pm

    😉 – das Dumme ist ja, dass der Irrsinn grenzpsychotischer Sekten nie völlig hermetisch abgekoppelt von gesamtgesellschaftlichen Prozessen sich bildet. Das ist wie bei Adelheid Streibl, so hieß die doch, der Lafontaine-Attentäterin, die ja Vorstellungen von Tierquälerei in Laboren entwickelt hatte, die mit der realen Tierversuchskritik aufgeladen war. Was da jeweils Inhalt wird, dessen, was für die Individuen furchtbar ist, was fürchterliche Angst oder Wut hervor bringt, ist ja nix nur Innerpsychisches. Der Unterschied zu manchen dieser „antideutschen“ oder ex-antideutschen ist, dass das für die nix Furchtbares ist, sondern dass es direkt Lustgewinn verschafft. Und Springer bringt dann halt die massenkompatible Version.

  8. hf99 Juli 19, 2011 um 12:04 am

    nichts für ungut, (un?)lieber momo, aber dergleichen Kritik am antideutschen Gelumpe (sorry, aber es geht nicht mehr anders) schreibe ich doch seit Jahren/Jahrzehnten. Genau darum geht es doch (und genau deswegen verstehe ich den Streit zwischen uns Beiden nicht). Wenn jede – jede! – Kapitalismuskritik = Gottfried Nazifeder, dann heißt das nach allen Regeln des Bikonditionals: Kapitalismus = Judentum. Dann hatte Goebbels Recht, wenn auch mit falschem Vorzeichen, gez. Clemens Heni/Matthias Küntzel/Henryk Broder/Wolf Biermann. Die Art und Weise, in der die Hans-Globke-Partei ihre eigene widerwärtige Vergangenheit bei der Linken entsorgt, indem sie der Linken den eigenen Antisemitismus zulügt, muss, mit Thomas Mann zu sprechen, jeden besseren Menschen anwidern. Und wie immer jede und jeder von uns zur Linkspartei stehen mag…was da derzeit passiert, da müssen alle Alarmsirenen angehen!

    Was Du, völlig zutreffend, über Adelheid Streidl sagst, das zeigt es doch! Genau so ist es. Die völlig zutreffende Kritik am Judenhaß der klassisch-konservativen deutschen Gesellschaft wird vernutzt, um die kritiker eben jener Ermächtigungsgesetzzustimmer zu delegitimieren. Ich find es Schade, dass ich wieder einmal alles/so gut wie alles von Dir unterkrikeln kann…und offenbar dennoch kein Gespräch möglich ist. dennoch liebe Grüße

  9. momorulez Juli 19, 2011 um 8:40 am

    Nix für ungut, lieber Hartmut, ich wüsste jetzt aber nicht, wo ich dem widersprochen hätte 😉 …

    Das Problem ist, dass Du diese „antideutschen“ und neokonservativen Diskuspraktiken manchmal auf jegliche Kritik des Antisemitismus, Homophobie, Sexismus, Rassismus ausdehnst und sie auch da witterst, wo ganz andere Formen auftreten. Und manchmal diese Fälle verallgemeinerst, da Dir gegenüber jemand eine jüdische Identität vorgegaukelt hat.

  10. Sonnenstrahl Juli 19, 2011 um 10:36 am

    Bessere Menschen? Damit fängt es an. Besseres Tun! Damit beginnt es.

  11. momorulez Juli 19, 2011 um 10:47 am

    Stimmt. Um „bessere Menschen“ geht es ja gar nicht. Sondern um bessere Verhältnisse.

  12. entdinglichung Juli 19, 2011 um 11:40 am

    Hintergrund ist m.E. ziemlich schräg und verschwörungslastig, habe das Teil als es das so um 1993 noch als Printausgabe gab zuweilen gelesen … bis das Blatt der neokolonialen Terrortruppe UNITA von Jonas Savimbi ein Forum gab

  13. momorulez Juli 19, 2011 um 11:51 am

    Das war im Grunde genommen meine Befürchtung; was allerdings den Artikel selbst nicht schlechter macht. Da erfinden sie ja keine Illuminaten, die im Hintergrund wirken, sondern zeigen eher Muster und Motive auf. Und Think Thanks z.B. gibt es ja wirklich.

    Diese Kritik der Verschwörungstheorie ist ja ausnahmsweise was, was zum Teil bei den „Antideutschen“ nicht nur falsch ist; die verpassen der Kritik nur oft einen Dreh, der, siehe oben, einfach nur selbst antisemitische Muster adaptiert. Das ist aber schon erschreckend, wie viele irgendwann mal links gewesene Motive von rechten Verschwörungstheoretikern aufgesogen werden, wenn man ein bisschen rum surft. Die biegen manche Einsicht zurück zu den „Protokollen der Weisen von Zion“, ganz gruselig.

  14. che2001 Juli 19, 2011 um 11:56 am

    Verstand sich mal als südwestdeutsche Alternative zu konkret und wurde durch verlegerische Konkurrenz gezielt kaputtgemacht. Verschwörungslastig würde ich die nicht wirklich nennen, da hatten halt die BCC (Business Crime Control) und so Leute wie Häferle und Jürgen Roth ihre Kolumnen, aber das war nicht Position der Redaktion. Das Interview mit den Unita-Leuten erfolgte einerseits aus völliger Verpeilung der politischen Situation in Angola, andererseits aus der Tatsache, dass die nunmal gerade da waren und ein Interview gaben, also aus journalistischem Opportunismus.

  15. che2001 Juli 19, 2011 um 2:02 pm

    Roth wie Maegerle wie BCC vertreten stark personalisierende Sichtweisen bezüglich des Zusammenhangs von Politik und Verbrechen oder der Machenschaften von Neonazis, die oftmals Gesellschaftsstrukturen vernachlässigen und sich eher der Blickweise von Krimis oder Thrillern annähern. Deswegen werden die beobachteten Fakten aber nicht unwahr. Roth vergaloppierte sich öfter, auch bis ins unseriöse, doch hat dies mit Verschwörungstheorien Marke Illuminaten oder Weise von Zion nicht das Allermindeste zu tun. Ich fand es vielmehr höchst nervend, dass in der damaligen Linken Leute mit solchen Themen von Vornherein zu Verschwörungstheoretikern erklärt wurden. Dominierende Auffassung war da immer, sich nicht mit dem Kapitalismus, Rassismus oder Sexismus oder Problemen wie Úmweltzerstörung an sich, auf der ganz grundsätzlichen Ebene auseinanderzusetzen, sondern die kriminellen Einzelverstrickungen zu analysieren sei das Gegenteil von echjter Kritik. Angesichts „Gladio“ hatte ich ja eher den eindruck,

    http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Roth_(Publizist)

  16. che2001 Juli 19, 2011 um 2:04 pm

    die VertreterInnen der reinen Kritik und hehren Analyse hatten Angst, mit den ganz konkreten, mörderischen Auswüchsen konfrontiert zu werden.

  17. entdinglichung Juli 19, 2011 um 2:16 pm

    wobei die auch schon 1993 anlässlich von Bad Kleinen z.B. die RAF-Phantom-Sache vertreten haben … und die Artikel zu 9/11 oder zu Strauss-Kahn auf deren Webseite sind m.e. schon grob schräg; absolut nicht meine Szene … das es in der Tat durchaus auch Verschwörungen und verdeckte Operationen gibt ist mir klar, Gladio, P2 oder die ganza Parastaat-/Konterguerilla-Geschichte sind da beispielsweise gut belegt, finden aber in der Verschwörungsszene eher wenig Beachtung, da nicht zur Ressentimientsbestätigung geeignet

  18. momorulez Juli 19, 2011 um 2:26 pm

    Es ist ja auch nicht jedes Benennen konkreter Hintermänner gleich eine Verschwörungstheorie. Wenn man sich die Machenschaften von J. Edgar Hoover oder in der Iran-Contra-Affäre anguckt, nur so als Beispiel, oder der Mafia anguckt, dann hat das ja nix mit Verschwörungstheorie zu tun. Stimme Entdinglichung zu, das sind solche, die irgendwas Ominöses suchen, um Ressentimentpflege zu betreiben, deshalb tauchen da nicht zufällig fast immer irgendwann auch Juden als Hintermänner auf. Meistens sind das ja auch welche, wo Mehrheiten sich hinterrücks von Minderheiten unterjocht wähnen, so die repressiven Machenschaften von Schwulen- und Migrantenverbänden, die sich PI-Kommentatoren einbilden. Auch die unheimliche Macht der „Feminazis“ verblüfft immer wieder aufs Neue.

    Das ist mir ja sogar in meinem Berufsleben schon mal über den Weg gelaufen, dass wegen eines schwulen Herstellungsleiter gemutmaßt wurde, es würden jetzt nur noch Schwule eingestellt, weil der auch im Völklinger Kreis war, und alles sich fürchterlich echauffierten, während sie ihre Hetero-Netzwerke pflegten, die ja niemals als „Verschwörung“ begriffen wurden.

    Das hingegen Opus Dei und Scientology tatsächlich Institutionen „unterwandern“, das ist ja meines Wissens kein Gerücht.

  19. che2001 Juli 19, 2011 um 2:48 pm

    Wobei ich nicht weiß, ob es zwischen der Website und Zeitschrift Hintergrund und der 1994 eingegangenen Zeitschrift Hintergrundinformation noch irgendeine personelle Verbindung gibt.

    Erstere erscheint in Osnabrück, Letztere kam aus Reutlingen.

    RAF-Phantom halte ich für Unfug in der publizierten Form, aber zumindest bei Herrhausen fingen wir mächtig an zu grübeln – ausgrechnet der Banker, der einen Schuldenerlass für den Trikont befürwortet, puuuh…
    Ich erinnere mich daran, dass damals selbst in der Antiimp-Szene Mutmaßungen kursierten, da
    könnte doch auch die Bank of Tokio ein Killerkommando geschickt haben. Die Hauptstoßrichtung von Hintergrundinformation war jedenfalls damals

  20. momorulez Juli 19, 2011 um 2:51 pm

    Da fehlt was, oder?

  21. che2001 Juli 19, 2011 um 2:54 pm

    Eher eine allgemeine Kapitalismuskritik, die sich inhaltlich nicht näher festlegte verbunden mit Schwerpunktberichterstattung zu Themen wie Organisierte Kriminalität, Rüstungsexporten, Russland und Guerrlillakämpfe im Trikont. Die redaktionelle Grundlinie würde ich am Ehesten „llinkspopulistisch“ nennen.

  22. Sonnenstrahl Juli 20, 2011 um 10:54 am

    Ah, das gewendete Innenfutter von Fleischhauer gewissermaßen.

  23. che2001 Juli 20, 2011 um 11:52 am

    Das eher nicht. Das klischeehafte Übertragen des eigentlich nur ganz oberflächlich wahrgenommenen Verhaltens bestimmter Typen linksliberaler Journalisten, Pädagogen und Studis auf „Die Linke“ an sich und übertreibende Aufblähen des Ganzen hat nichts mit der Ausrichtung dieser gewesenen Zeitschrift zu tun. Richtig ist, dass bestimmte eingenommene Positionen wie nicht in Frage gestellte Glaubenssätze gehandhabt wurden. Das waren so die Kerngedanken der früheren Ökopax-Bewegung plus ML-Reminiszenzen. Zentrale Positionen:

    – Alte und neue Nazis und ihre Seilschaften und Netzwerke sind bis heute viel mächtiger als allgemein angenommen
    – Sowohl das Organisierte Verbrechen als auch die Geheimdienste arbeiten mit denen eng zusammen

    – Daraus ergibt sich eine Art Schattenstaat, der sich aggressiv gegen die Zivilgesellschaft richtet

  24. Sonnenstrahl Juli 20, 2011 um 8:30 pm

    – 68er, Friedensbewegte, alte und neue Linke und ihre Seilschaften und Netzwerke sind bis heute viel mächtiger als allgemein angenommen
    – Sowohl mit Terroristen als auch mit Islamisten marschieren die Linken Hand in Hand, um den Westen und die Marktwirtschaft von innen her zu zerstören
    – Daraus ergibt sich eine aggressive Bedrohung unserer Gesellschaftsordnung und Freiheiten im Allgemeinen, und von Israel im Besonderen

    Jedes Mal, wenn ich mich verleiten lasse, Fleischhauer zu lesen, frage ich mich hinterher, was der schluckt.

  25. momorulez Juli 20, 2011 um 9:11 pm

    Wenn er denn was schluckt, dann haben da zumindest andere von Burroughs bis Wilson weit mehr draus gemacht als dieser billige Fatzke.

    Frage mich ja oft, woher nun wirklich dieses Umkippen so vieler Potenziale in den 80ern hin zu leblosen Fratzen wie Stuckrad-Barre und Fleischauer kam, und vielleicht war das ja der Übergang von Haschisch, Heroin und LSD zu Ecstasy und Kokain … andere Amphetamine sind irgendwie so ein Zwischending, die hat Sartre ja auch geschmissen.

    Hab all das ja nie ausprobiert (außer Hasch, mochte ich aber nicht, die Wirkung). Man kann ja auch ohne drogig sein 😉 …

  26. che2001 Juli 21, 2011 um 11:36 am

    Habe ja mal Stuckrads großen Bruder kennengelernt, einen sehr freakigen Theologen und Philosophen und vermute, dass Stuckrad-Barre da so eine Art Neidkomplex gegen dessen souveräne Nichtnormalität hegt.

  27. momorulez Juli 21, 2011 um 11:40 am

    Nee, der ist ein typisches 90er-Jahre-wir-wollen-wie-Nick-Hornby-sein-können-es-aber-nicht-aber-Harald-Schmidt-und-Küppersbusch-finden-mich-toll-Gewächs. Eine ähnliche Pfeife wie die doofe Roche. Stuckrat-Barre findet sich ja wahnsinnig unkonventionell. Ein reines Pop-Missverständnis, der Mensch.

  28. Leser Dezember 13, 2011 um 2:46 pm

    (auch wenn die debatte schon lange her ist, aber ich bin erst jetzt drauf gestoßen)

    @ entdinglichung

    „Hintergrund ist m.E. ziemlich schräg und verschwörungslastig, habe das Teil als es das so um 1993 noch als Printausgabe gab zuweilen gelesen“

    da verwechselst du was. die seite, auf der der text erschienen ist (hintergrund.de), erscheint erst seit drei jahren als printausgabe. davor gab es keine. es gab aber mal eine andere zeitschrift names hintergrund (oder ähnlichen namen), die aber mit hintergrund.de nichts zu tun hat. meiner erinnerung zufolge handelte es sich dabei eher um ein rechts-konservativ, antiislamisch ausgerichtetes heft – ganz im gegensatz zu dem hier gemeinten hintergrund. und was die artikel zu 9/11 angeht, das sind die besten im gesamten deutschsprachigen raum. dort werden dinge nämlich belegt – und nicht einfach geglaubt.

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