Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Mutiert die soziale Welt zum PC-Game?

„Schon jetzt treffen beschränkte AI-Bots Entscheidungen, die das Leben weiter Teile der Menschheit verändern – man denke etwa an automatisierte Börsenhandelssysteme oder an die Blackbox-Algorithmen, mit denen die individuelle Kreditwürdigkeit berechnet wird. Diese proprietären Systeme verändern menschliches Verhalten, wenn wir uns bemühen, unsere Punktzahl innerhalb ihres Wertesystems hoch zu halten oder zu erhöhen – ganz ähnlich, wie Spieler in Computerspielen sich gedrängt fühlen, höhere Levels zu erreichen.“

Ja, ganz ehrlich, habe gestern erstmals gegoogelt, was eigentlich ein Algorithmus ist. Obwohl man ja weiß, dass darauf zum Beispiel der Erfolg von Google selbst beruht. Friedrich Kittler und solche vertreten ja eh, dass man mit welchen wie mir deshalb gar nicht reden brauche – während wir irgendwelche Ideologien aus dem medialen Geschehen saugen, formen derweil Hard- und Software unser Leben um, und wir kriegen davon gar nix mit.

Umgekehrt ist die Macht der computerisierten Entscheidungssysteme jedem bestens bekannt, der auch nur einen Kleinkredit beantragt. Bemerkenswert auch, dass Sachbearbeiter in Banken und Sparkassen tatsächlich keinerlei Einfluss auf die eingespeisten Parameter haben bzw. ordentlich tricksen müssen, um sie zu umgehen. Was alltäglich geschieht und zu folgenden Überlegungen führt:

„Ich sehe einen Weg, der den Zusammenbruch verhindern könnte, aber die etablierten Interessen werden nur widerwillig den Sprung zu einer weniger effizienten, aber widerstandsfähigeren Gesellschaft mitmachen. Selbst wenn die Vorstände der multinationalen Unternehmen die Risiken allzu schlanker Unternehmensstrukturen erkennen sollten, dürfte die Börse sie strafen, falls sie sich vom Ziel der Hypereffizienz verabschiedeten. Anleger würden sie verklagen und die Aufsichtsräte würden sie aus den Führungsetagen verbannen, bevor ein sinnvoller Wandel eingesetzt hätte.

Die Initiative muss daher vielmehr aus dem Volk kommen – und dabei denke ich nicht an Proteste und Demonstrationen, sondern an den Aufbau und die Erprobung neuer Wirtschaftsformen, digitaler Währungen, Augmented Reality und vermaschte Open-Source-Netzwerke, die eine neue Ökonomie und damit ein soziales Geflecht schaffen, das die etablierten Mächte samt ihren selbsternannten Torwächtern und Lobbyisten eher umginge als stürzte. Solch ein System würde zunächst nur in embryonaler Form geschaffen. Es zöge immer mehr Anhänger an, die aus der bestehenden Ökonomie herausgefallen sind, und setzte sich schließlich durch, wenn eine kritische Masse sich dem neuen System angeschlossen hätte. Man könnte sich auch eine Übergangsphase vorstellen, in der die Menschen mit einem Bein in der alten und mit dem anderen in der neuen Ökonomie stünden, so dass der Übergang nicht so abrupt ausfiele. Man stelle sich nur einmal vor, wie viele gut ausgebildete Menschen es gibt, die gerne einen Neuanfang in einer Welt wagten, in der ihre Schulden – die Erbsünde der freien Märkte – getilgt wären. Entscheidend ist, dass die Verantwortung für Aufbau und Erhaltung der Netzwerkknoten bei einzelnen Gemeinschaften liegt. Für die vernünftige Regulierung sorgt dann eine Gesellschaft, deren Bürger die physische Kontrolle über ihre Infrastrukturnetze ausüben.“

Irgendwer wird jetzt wieder von „strukturellem Antisemitismus“ daher quasseln, zudem da auch noch „Erbsünde“ steht – nichtsdestotrotz tritt hier in der Beschreibung einfach das „automatische Subjekt“ Kapitalismus in seiner digitalisierten Form in Erscheinung und auch, wie es anknüpft an tatsächliche Handlungen in der ganz realen Welt und diese steuert.

Und die Gegenstrategien sind anders verortet als im Einwirken auf demokratische Prozesse in parlamentarischen Systemen, sondern das Denken reflektiert direkt die Produktivkraftentwiclung und fordert einen Wandel der Produktionsverhältnisse.

Das ist schon ordentlich Stoff zum Nachdenken, auch wenn es sich um das Interview mit einem Science-Fiction-Autor handelt – oder gerade deshalb. Ich habe keine Ahnung, wo der politisch verortet ist, habe die Bücher nicht gelesen, er ist mir lediglich auf Amazon-Bestenlisten gestern erstmals über den Weg gelaufen – ein Beleg freilich, wie das, was dort passiert (oder auch in all den i-Shops) meine Wahrnehmung und Aufmerksamkeit tatsächlich lenkt. Muss mir die Bücher wohl mal besorgen und freue mich, wenn mich jemand aufklärt, was sonst so dran ist am Denken des Daniel Suarez oder auch gerade nicht.

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29 Antworten zu “Mutiert die soziale Welt zum PC-Game?

  1. Sonnenstrahl Juni 27, 2011 um 6:20 pm

    Können Open Source, Open Digital Communities, Augmented Reality, Creative Commons und, ausgerechnet, eine digitale Währung einen Wandel des Wirtschaftssystems herbeiführen? Bitcoins als Mittel zum Kapitalismusabbau??

    Ich bin da skeptisch. Sicher haben sie aber ihren Einfluss innerhalb der digitalen Welt und auch innerhalb der digitalen Warenwelt. Im Musikbereich ist das sogar sehr deutlich, was sich in zahlreichen teils herausragenden Freewaresynthesizern und Effekten zeigt, oder einem extrem günstigen vollständigen Produktionssystem wie Reaper, das auf die Erwirtschaftung von Gewinnen gezielt verzichtet. Das strahlt sogar bis in den Bereich der Hardware aus, wie sich beispielsweise am Synthesizerprojekt Shruti-1 zeigt, welches eindeutig seinen kapitalismuskritischen digitalen Vorbildern folgt und jegliches Firmenwissen unter Creative Commons stellt, sowie den Eigenbau dieses Synthesizers in Platinenform, sowie in DIY-Bausätzen anbietet.

    Inzwischen sind diese Ansätze so weit gediehen, dass jeder Künstler, der das will, einen weiten Bogen um die kapitalistische Warenwelt gehen kann, indem er vollständig auf solche Ansätze setzt.

    Das ließe sich als Bestätigung der These des Autoren verstehen, ist aber tatsächlich eher eine Widerlegung, dergestalt, dass es auf den Ausnahmecharakter dieser Möglichkeiten verweist. In der Wirklichkeit mischen sich die verschiedenen Ansätze, und man könnte wohl eher sagen, dass Open Source und Community-getriebene Nonprofitprojekte Auswege und Alternativen ermöglichen, die Vielfalt erhöhen. Am Ende sind es Wege, die parallel zur kapitalistischen Waren- und Produktionswelt gegangen werden, statt die Ablösung des Kapitalismus zu befördern.

    Echte Alternativen sind aber auch eine schöne Sache. Sie verhindern, dass die Gesellschaft und die Individuen vollständig dem kapitalistischen Prinzip unterworfen werden, sie ermöglichen Freiräume.

  2. momorulez Juni 27, 2011 um 7:39 pm

    Ich glaub ja, dass er das auch eher an-denkt, und muss da selbst erst noch drüber nachdenken – aber wenn man z.B einfach noch konsequenter eigene Währungen, andere Distributionsformen etc. weiter denkt, vielleicht landet man dann ja wirklich irgendwann bei den Arbeitsbedingungen in der Silithium-Mine, die diese Kommunikation ermöglicht. Ist zumindest als Gedankenspiel interessant.

  3. argolis Juni 27, 2011 um 9:14 pm

    Das Problem ist: Das ist schon die volle Denkleistung, die von denen zu erwarten ist. Mehr kommt da nicht. Wenn Nerds und Techies über Gesellschaft nachdenken, kommt immer das selbe raus – Biologisierung des Sozialen und Technik, die uns alle erlösen wird. Man muss sich doch nur die Debatten anschauen, die im Dunstkreis der Piratenpartei geführt werden. Das ist alles völlig unbeleckt von jeglicher gesellschaftskritischer Reflexion. Die meinen einfach, sie hätten das in ihrer naturwissenschaftlich-technischen Herrlichkeit nicht nötig (Ich bin selber Nerd und Techie; ich kann mir so ein Urteil erlauben).

    Der Interviewer Frank Rieger – wenn ich den jetzt nicht verwechsel – macht zusammen mit Felix von Leitner einen Podcast. Letztens hatten sie was zum Thema Geld. Das war haarsträubend.

    Ach, und strukturellen Antisemitismus würde ich das dann nennen, wenn es personalisierend wird und die Kategorie der Schuld ins Spiel kommt. Aber dieser Quatsch mit alternativen Währungen ist ja auch so schon problematisch genug. Denen fehlt doch jeglicher Begriff von Staat, Kapital, Ware, Geld, etc.

  4. David Juni 27, 2011 um 9:16 pm

    vielleicht landet man dann ja wirklich irgendwann bei den Arbeitsbedingungen in der Silithium-Mine, die diese Kommunikation ermöglicht.

    Du meinst die gottverdammte Hitze? 😉

  5. momorulez Juni 27, 2011 um 10:13 pm

    @argolis:

    Ach, ich weiß nicht, so nerdig finde ich das gar nicht. Wenn man ökonomische Systeme als Kommunikation, die sich einer spezifischen materiale Basis verdankt, denkt, dann sind deren Distributionskanäle und die Logiken, anhand derer sie funktionieren, ja nicht trivial. Die Beispiele, die Suarez nennt, sind ja keine trivialen, das sind die, die gerade die griechische Ökonomie ins Wanken bringen. Auch Basel 1 und 2 usw., die jeder, der eine Firma gründet, kennen lernt, mit den dazugehörigen einigermaßen absurden Eigenkapitalregeln und Gewinnerwartungen, die wiederum direkt auf den Zinsatz wirken, den man für Avale und Kreditlinien zahlt, was wiederum Auswirkungen auf die Lohnhöhe meiner Angestellten hat, also, das ist schon alles ganz schön wirksam und zugleich völlig virtuell. Weil selbst die Preise, die z.B. Immobilien, die man als Sicherheit angibt, ja wiederum irgendwelche Computersimulationen sind wie eben der durchschnittliche Preis in der entsprechenden Lage.

    Und „Organismus“ sagt er ja metaphorisch, wie Luhmann auch, der die biologischen Begriffe übernimmt, ohne sie zu biologisieren.

    „Struktureller Antisemitismus“ kreischen ja manche schon, wenn man was gegen seltsame Zinshöhen oder überhaupt Mehrwertabschöpfung kritsiert oder auch jene Prozesse, die die berühmten „Blasen“ bilden, analysiert. Dass die da kreischen, liegt aber daran, dass doe meisten, die damit hausieren gehen, auch nur Antisemiten sind bzw. dessen Begrifflichkeit ungefragt übernehmen.

    @David:

    Ist Silithium Sand? Wie hei0et denn dieses Zeug aus den afrikanischen Minen?

  6. mark793 Juni 27, 2011 um 10:38 pm

    Wie unsere Aufmerksamkeit im Internet gelenkt wird, hast Du hier zwar nur mit einem Nebensatz angesprochen, aber da passt das Thema „Filter Bubble“ einfach zu gut rein, zumal es dabei auch um die Bevormundung durch Algorithmen geht. Die Filterfrage betrifft zwar wenn man so will nur die Aufmerksamkeitsökonomie, aber auch die hat ja ein paar monetarisierbare Äquivalenzwerte.

  7. momorulez Juni 27, 2011 um 11:02 pm

    Jau! Danke für jeden ergänzenden Hinweis!!!

  8. che2001 Juni 27, 2011 um 11:07 pm

    Das Zeug aus den afrikanischen Minen heißt im Zweifelsfall Coltan und ist kein Silizium, sondern eine Mischung aus Niob und dem mit extremen Eigenschaften ausgezeichneten Schwermetall Tantal. Coltan ist seltener als Platin und kann nur deswegen billig in Handys eingebaut werden, weil die Arbeitsbedingungen, unter denen es gewonnen wird etwa denen In KZs entsprechen. Würde Coltan zu fairen Löhnen abngebaut, kostete ein Handy etwa so viel wie ein VW Passat.

  9. momorulez Juni 27, 2011 um 11:15 pm

    Ja, Coltan meinte ich. Danke.

  10. argolis Juni 28, 2011 um 10:58 am

    @momorulez

    Ja, ok, das mit der Biologisierung ist in dem Interview nicht besonders ausgeprägt. Ich bin da so drauf angesprungen, weil es unter Nerds wirklich typisch ist, Gesellschaften mit Organismen, Insektenvölkern oder ähnlichem zu vergleichen und sich so die Welt zu erklären. Ist wohl eine leicht allergische Reaktion von mir. Und bei dem Terminus „Volk“ wird mir auch ganz anders (aber das ist vielleicht nur ein Problem der Übersetzung).

    Ökonomie würde ich aber nun grad nicht als Kommunikation denken wollen (Ist das Luhmann? Ich habe von Luhmann keine Ahnung.). Das scheint mir völlig am Gegenstand vorbei zu gehen. Wie denkt man denn da (abstrakte) Arbeit, Wertschöpfung und ähnliches? Läuft das nicht hinaus auf eine gänzlich zirkulationsbeschränkte Betrachtung? Da kommt man dann natürlich auch auf den Gedanken, dass die Bewertung (der Ratingagenturen, der Algorithmen, …) das Entscheidende ist, weil ja alles nur frei ausgehandelt ist in der Kommunikation. Wenn wir nur anders bewerten, dann gibt es auch gar keine realökonomischen Probleme mehr …

    Ich glaub, ich bleibe da lieber bei Marx. 🙂

  11. MartinM Juni 28, 2011 um 1:17 pm

    Als Ergänzung zu Che: Würde Coltan zu fairen Löhnen abgebaut, würde ein Handy nicht so viel wie ein VW Passat kosten, denn es gibt durchaus Alternativen zu Kondensatoren auf Tatal-Basis, die aber nicht angewendet werden, weil Tatal auf dem Weltmarkt „billiger“ ist, als die Alternativen.

    Politisch kann ich Frank Rieger schlecht einordnen. Ich schätze, dass er irgendwo zwischen „bürgerrechts-liberal“ (also die Sorte Liberaler, die es in der FDP kaum noch gibt) und anarchistisch steht, aber ob er, wie auffällig viele Science-Fiction-Schreiber, ein „Libertarian“ ist (im amerikanischen Sinne, nicht im Sinne der sich selbst so nennenden deutschen Libertären), kann ich nur mutmaßen.

  12. momorulez Juni 28, 2011 um 1:21 pm

    @Argolis:

    Ich habe da keinerlei Vorbehalte gegen Marx 😉 – und würde das unter materieller Basis verbuchen.

    Bei Luhmann ist Gesellschaft tatsächlich Kommunikation, Wirtschaft Subsystem und der Mensch als zugleich Bewusstseins- und biologisches System der Gesellschaft äußerlich. Das leist sich völlig absurd, ist es aber gar nicht – dem System ist somit im Grunde genommen auch Arbeit äußerlich, was nicht eines gewissen Teifsinns entbehrt (vielleicht schreibe ich auch gerade dummes Zeug, so gut kenne ich den gar nicht 😉 ). Handlungen werden gesteuert durch Kommunikation IM System (oder Subsystem), was de facto so ist, wenn man Controllern zuhört, das diese als Umwelt zu beherrschen trachtet. So habe ich mir das mittlerweile ganz unakedemisch, basierend auf Erfahrungen in der Realwirtschaft basierend, zusammen gebastelt. Frei ausgehandelt wird da gar nix, weil die systemimmanenten Kommunikationsparameter jegliche Kommunikation beschränken, steuern und filtern.Bei Luhmann über „binäre Codierungen“, das halte ich aber für unplausibel. Da so was wie Algorithmen anzunehmen in einer die Kommunikationen von z.B. von Controllern aufegstellten Bilanzen etc., das macht tatsächlich Sinn, wobei da nun wieder Mathematiker den Begriff vermutlich anders verwenden würden als ich hier gerade. Womit ich tatsächlich einfach nur versuche, wiederum an-gedacht, die Prozesse, die ich realwirtschaftlich so erleben durfte und darf, irgendwie begrifflich zu fassen. Leute, die Marx besser kennen als ich, würden das in anderen Begrifflichkeiten vielleicht besser können.

    Und Werte und Bewertungen sind Positionen in diesem Kommunikationsnetz, das in sich relational funktioniert und in dem allerlei Kapital kursiert – sozialer Status dank Herkunft und Bildung („knowhow“, „Kreativität“ usw.. Oder eben die reine, körperliche Arbeitskraft.

  13. momorulez Juni 28, 2011 um 1:23 pm

    @Martin:

    Hast Du den Suarez mal gelesen?

  14. MartinM Juni 28, 2011 um 1:38 pm

    Zur Begriffsklärung: deutschen Libertäre sind fast immer Anarchokapitalisten, während das Spektrum der us-libertarians doch erheblich breiter ist (von „neo-liberatarians“, die einiges mit den neocons gemeinsam haben, bis zu left libertarians, die nach meinem Eindruck viel mit den Anarcho-Syndikalisten gemein haben. Die libertären SF-Autoren in der USA sind (bzw. waren – einige profiliert libertäre SF-Autoren wie Heinlein oder Anderson sind schon lange tot) überwiegend „Techno-Libertarians“ (diese Strömung, die von dank high-tech, womit nicht nur das Internet gemeint ist, ernorm gesteigerten Möglichkeiten der Selbstbestimmung und der Vorstellung eines „Veraltens“ staatlicher Strukturen geprägt ist, ist älter, als man vermuten sollte – sie reicht bis in die Zeit um 1940 zurück). John Perry Barlow, Mitbegründer der Electronic Frontier Foundation, ist jedenfalls Techno-Libertarian, viele in der Piraten-Partei sind es offensichtlich auch.

  15. MartinM Juni 28, 2011 um 1:42 pm

    Ich kenne nur „Daemon“. Suarez kann ich politisch noch weniger einordnen als Rieger. Nach „Daemon“ zu urteilen, könnte er ein Techno-Libertarian sein.

  16. momorulez Juni 28, 2011 um 2:09 pm

    Linkslibertär finde ich ja ganz sympathisch; nur wenn die – wie in der hiesigen Blogosphäre – nach rechts weg kippen, auf „Wild West“ drehen und am besten noch „Familienwerte“ hinterher schicken, dann wird es echt finster.

  17. che2001 Juni 28, 2011 um 4:56 pm

    In der SF-Szene ist das ein Politkosmos für sich; R.A. Wilson etwa verbindet sogar Techno-Libertarismus mit Okkultismus und einer durchaus links-klassenkämpferischen Orientierung (Sympathien für Anarchisten und Trotzki). Vieles in der Perry-Rhodan-Welt ist von da übernommen, aber zu einer eigenen Mythologie weiterentwickelt.

  18. Foxxi Juni 30, 2011 um 9:04 am

    Ich habe den ersten Satz, des ersten verlinkten Artikels gelesen und musste spontan an die morgendlichen Businesskaspars (oder irgend ein anderer Plural von Kaspar) in ICE und Flugzeug denken… 😀

  19. momorulez Juni 30, 2011 um 9:26 am

    Ja, isses ja irgendwie auch, irgendwie aber auch nicht. Glaube ich. Die Buisnesskaper sind ja eh Effekte von Algorithmen 😉 …

  20. Sonnenstrahl Juni 30, 2011 um 5:11 pm

    Mit streng algorithmiertem Outfit bis hin zur Wahl von Deodorant, Wortwahl und Körperhaltung. Geldsoldaten.

    Mir tun diese Leute leid. Das „l“ in diesem Satz mußte ich in meinem Leben allerdings leider oft sehr groß schreiben. Aber nun, Leid und Leid bedingen sich. Das verleidete Leben der Bisnesskasper lässt diese um so leichter Leid verursachen, glaube ich jedenfalls. Vielleicht ist das auch eine Form von Rache, un zwar am oft vermurksten Leben, das selber führen. Sie gönnen anderen Leid, weil ihr eigenes Lebens ziemlich unlustig ist.

    Das ist jedenfalls mein Eindruck. Wenn solche Leute im Fußballstadion in ihren Seats und Launches hocken, dann ist das keine Genusshandlung oder Fanerleben, sondern bestenfalls Reviermarkierung nebst geldorientierter Kontaktpflege.

    Egal, was sie verdienen, sie sind arme Schweine.

  21. momorulez Juni 30, 2011 um 8:32 pm

    Steige morgens immer am Sievekingplatz vor dem Zivilgerichtsgebäude in den Bus ein, wo ein bestimmter Anwaltstyp, vermutlich die Zivil-, nicht Straf-rechtler, letztere verdienen weniger, bis in die Körperhaltung geklont in bestimmten Hinsichten rum läuft, und denke das auch immer. Da äußert sich so viel Verkrampfung, Zwang, ständig Stratege sein müssen, auf eine bestimmte Art Mann sein müssen, Fassade wahren müssen … manche wenige, hatte mal einen „Banker“ solchen Typs, wandeln das in Ironie, schnallen den Zirkus und sind dann tatsächlich lustige Gesprächspartner. Aber die meisten, da hatten Horkheimer und Adorno einfach recht, schleppen so viel Hass mit sich rum wegen der Aggression, die sie sich selbst zurichtend fortwährend produzieren, dass Menscben wie Du ihnen genau das vor Augen führen. Kann mir gut vorstellen, was Du mit Leid tun meinst.

  22. Sonnenstrahl Juni 30, 2011 um 9:17 pm

    Irgendwie witzig ist es, wenn diese Leute aus dem kapitalistischen Prozess überraschend heraus fallen. Einige von ihnen werden orientierungslose Stadtstreicher, denen man die langen Jahre im genormten Anzug nicht mehr ansieht, andere haben genügend Geld zur Seite geschafft und verschaffen sich dann mehrere Jahre die sie Sabbatical nennen, in denen sie zusammen mit der Familie um die Welt segeln, oder ähnliches, um, wieder zurück gekehrt entweder völlig zu degenerieren oder sich als Künstler zu verwirklichen suchen. Und auch hier, als Künstler, halten sie sich dann in kürzester Zeit für die größten und wichtigsten, ganz egal, wie wenig Resonanz ihr Werk auslöst. Ohne Aufgabe scheitern sie an der Welt.

    Vielleicht sollte Sarrazin genau darüber einmal ein Buch schreiben.

  23. che2001 Juni 30, 2011 um 9:19 pm

    Habe solche Leute ja in meiner Zeit in der IT-Branche und später im Consultingbereich näher kennengelernt. Die sind beiweitem nicht immer so schlimm, wie die Fassade andeutet, manchmal aber schon. In einem Gespräch auf einem B2B (Business to Business) Softwarekongress sprachen der G. und ich mit Einem von denen. Nichts, was er sagte, war inhaltlich schlimm oder falsch, sehr themenbezogen halt. Doch als wir alleine waren, meinte der G., selbst Unternehmer, es hätte ihn innerlich gefröstelt. Aus jeder Pore unseres Gesprächspartners hätte es Macht und Unterwerfungswille gedampft. Es sei einfach ganz klar, dass der auf der anderen Seite der Barrikade stünde, selbst wenn man gemeinsam Geschäfte machte. Eine meiner Hauptintentionen bei Dotcomtod war es, solche Leute zu demaskieren, ich glaube, das kann ich auch in Bezug auf Nörgler und Netbitch sagen.

  24. Sonnenstrahl Juni 30, 2011 um 10:16 pm

    Es hält sich hartnäckig das Gerücht, die Dominas auf St. Pauli hätten einen interessant hohen Anteil dieser Geschäftsleute in der Kundschaft, welche sich ihre fassadenförmige Souveränität professionell auflockern lassen. Die eigene Unterwerfung als Ventil ständiger Unterwerfungshandlungen.

    Das soll es auch in umgekehrter Richtung geben. Was mich betriff, meine Sexualität wurde in der Zeit meines sozialen Abstiegs aggressiver, fordernder. Wie auch immer, habe gerade meine gerissene Hose genäht. Ich finde ja inzwischen, so eine massiv verschlissene und mehrfach gekittete Herrenhose ist ein Ehrenmal. Neben der Schonung meines Geldbeutels helfe ich Angela damit, ihre Klimaziele zu erreichen.

    Zurück zum Thema. Der Kapitalismus führt in seiner reinen Form augenscheinlich zu einer Vielzahl von Unterwerfungs und Beherrschungshandlungen, auch in der Form, wie es die monoton geformten steifen Bisnesskasper in jeder Stunde ihrer Existenz vorführen. In einigen Firmen werden die Mitarbeiter geradezu gedrillt und entindividualisiert.

    Wie vollständig erblindet muss man sein, um das zu verkennen und Kapitalismus und Freiheit für beinahe synonym zu halten? Ich glaube, ich mach mal in der Hafencity ein paar Kunst- & Soundaktionen. FDP-Slogans mit Kreide auf die Bürgersteige schmieren und dafür Spenden einfordern. Nonsense-Umfragen bei Anwohnern machen, wo diese am Ende aggressiv zum sofortigen Eintritt in die FDP aufgefordert werden, mit Eintrittsformulare wedelnd.

    Alles, um diese Eintrittsformulare dann in einer FDP-Geschäftsstelle sorgfältigst in kleinste Schnipsel zu zerreißen. Zusammen mit anderen Flaschensammlern. Youtube.

  25. che2001 Juli 1, 2011 um 8:37 am

    Klasse Idee, würde ich gerne sehen;-)))

  26. Sonnenstrahl Juli 1, 2011 um 5:05 pm

    Hab mich heute in Vorbereitung auf die Kunstaktion umgeschaut. Ich plane so etwas wie schwarze Pappe auf Bürgersteig, Format 50 cm x 240 cm. Das billigste, was mir dazu einfiel, war schwarzes Krepppapier (50 x 250 für 0,69 Euro), was ich mit Tapetenleim auf Pappe ziehen werde und danach wird die schwarze Klapp-Pappe mit schwarzer Abtönfarbe grundiert.

    Das müsste einen schönen und auf Bürgersteigen brauchbaren Untergrund für Farben bzw. für meine Kunstaktion ergeben, zu der neben ein wenig Audio-Performance (Krach nebst Dekandenzgedichte), lächerlicher FDP-Kostümierung (FDP-Wimpel an einem extremen Hut, Gesichtsbemalung, überall Krawatten an Lumpen-Bekleidung u.v.m.) und Umfragen gehören. Nebst Passantenbelästigung mit Eintrittsforderungen in die FDP.

    Meine Frage: Gibt es andere rechtssichere Ideen zur Bürgersteigbemalung, oder sogar eine preiswertere Möglichkeit? Eigentlich würde ich gerne mit Kreidespray arbeiten, aber das kann ich mir nicht leisten.

  27. che2001 Juli 3, 2011 um 6:15 pm

    Wir hatten frühere ja recht spektakuläre Aktionen gemacht. Einmal das „Spiel mit Grenzen“, bei dem wir mitten in der Innenstadt einen Checkpoint errichteten und Leute, die zu Karstadt wollten sich ausweisen mussten. Manche davon sahen sich dann einem Richter gegenüber, der ihnen in kurdischer Sprache erklärte, dass man ihren Asylantrag abgelehnt hätte, und dann wurden sie von mit Knüppeln ausgerüsteten Leuten in Tarnkombis „abgeschoben“. Ein anderes Mal, als gerade ziemliche Terroristenhetze herrschte, brüllte ich in ein Megaphon „500 Terroristen auf freiem Fuß, die Polizei kennt sie alle und handelt nicht!“ und erzählte dann einen haarsträubenden Bullshit, einfach eine schrille Übertreibung von dem Staatschutz-Blödsinn, wie man auch in der BILD lesen konnte, und kam dann zu der Pointe „Und jetzt sagen sie wohl, der hat einen Hammer! Jawohl, und ich scheue mich nicht, ihn in aller Öffentlichkeit in der Hand zu halten (hob einen Schmiedehammer). Wenn Sie vielleicht eine Sichel billig abzugeben hätten…“

    Zu Deiner Frage kann ich aber leider nichts konkretes sagen.

  28. momorulez Juli 3, 2011 um 8:24 pm

    Ich weiß das leider auch nicht 😦 …

  29. Sonnenstrahl Juli 4, 2011 um 4:39 pm

    Dann bleibt es eben bei Krepp. Der Kuenstlerladen, bei dem das am billigsten war, der ist eigentlich sauteuer. Der Hit sind dort wohl im Augenblick kleine etwa hand- bis kopfgroße Pappmachefiguren und Gesichtsmasken in der Art des venezianischen Karnevals, zum Selberbemalen, die für meinen Geschmack mit 5 bis 25 Euro reichlich teuer ausfallen. Jetzt kommts, die wurden allesamt in Indonesien hergestellt. Ich nehme an, die Produzenten würden sich verwundert und sehr ausdauernd die Augen reiben, wenn sie erfahren, zu welchem Preis ihre Figuren am Ende verkauft werden. Da haben Drittweltaufkäufer, Importeur, Großhändler und Kunsthändler wohl jeder seine 200 Prozent aufgeschlagen. Ton in den unterschiedlichsten Qualitäten gab es dann wieder sehr preiswert, die 10 Kg-Blöcke zwischen 6,50 bis 7,90.

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