Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Effektiver als jeder Terrorismus: S&P und solche, die Dieter Bohlens der Weltwirtschaft

Manchmal stellt man sie sich ja vor wie eine Jury bei „Deutschland sucht den Superstar“: Wie sie da sitzen und feixen, während ganze Länder vor ihnen tanzen und „performen“. Vielleicht schreibt ihnen ja auch irgendein Gag-Autor die Sprüche für die Verkündigung ihrer CCC-Voten.

Als seltsame über den politischen Verhältnissen schwebende Institutionen, denen niemand anders als die politischen Verhältnisse selbst Macht verleihen, verteilen sie so etwas wie Schulnoten und bringen damit ganze Volkswirtschaften ins Wanken – vermutlich sitzen die Protagonisten der „Rating-Agenturen“ danach in irgendeinem V.I.P.-Club und bespringen die nächste Edelprostituierte, feixend, wie sie es „den Griechen“ gezeigt haben.

Minister wie der Herr Schäuble jammern dann, wie schlecht sie behandelt werden, und Mutti hat Angst um „ihren“ Aufschwung:

„Zwar geht die Agentur davon aus, dass Griechenland von seinen europäischen Partnerstaaten zusätzliche Finanzhilfen erhält. Die Hilfen dürften aber voraussichtlich nur unter einer Beteiligung privater Gläubiger etwa in Form einer Laufzeitverlängerung griechischer Anleihen gewährt werden. In diesem Fall würde die Agentur das Rating auf den niedrigsten Wert „D“ senken, machte S&P klar. Das will die EZB verhindern, denn sie befürchtet eine zu hohe Ansteckungsgefahr für andere angeschlagene Euro-Länder. Damit stecken die Politiker in der Zwickmühle, die für eine Bankenbeteiligung plädieren wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Die Herabstufung nehme nicht die intensiven Unterredungen in der EU und im Internationalen Währungsfonds (IWF) über eine „praktikable Lösung“ zur Kenntnis, kritisierte das Athener Finanzministerium.

(…)


Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte unterdessen, die Schuldenkrise im Euroraum drohe den Aufschwung in Deutschland zu gefährden. In ihrem Video-Podcast vom Samstag sagte sie: „Wir dürfen nichts tun, was den Aufschwung weltweit insgesamt in Gefahr bringt und dann auch in Deutschland wieder in Gefahr bringen würde.“ 

„Private Gläubiger“ kommen ins Spiel, deren Vermögen in der Bankenkrise teils durch Staatsbürgschaften gesichert wurden, wohl gemerkelt. Um das Vermögen griechischer Rentner oder deutscher Hartz IV-Empfänger, kicher, die müssen ihres ja erst aufbrauchen, gröhl, ging es ja nicht.

Was für eine seltsame Art der „Gefahr“ da permanent von ökonomischen und administrativen Strukturen erzeugt wird, um Menschen zu gängeln, das ist schon erstaunlich. Unter anderen Vorzeichen würden Typen wie die von S&P schlicht als Terroristen behandelt. Aber unter solchen Vorzeichen leben wir halt nicht … „Kreditwürdigkeit“ statt Menschenwürde. Was eine zivilisatorische Leistung!

Advertisements

12 Antworten zu “Effektiver als jeder Terrorismus: S&P und solche, die Dieter Bohlens der Weltwirtschaft

  1. Sonnenstrahl Juni 14, 2011 um 6:34 pm

    Die politischen Schwerpunkte dieser Jahre liegen nicht im Interesse der Regierung an einer aktiven und partizipierenden Staatsbürgerschaft der Bürger, es gibt auch kein deutlich werdendes Interesse an erweiterten Grundrechten, umso mehr aber dann an umfassenden Staatsbürgschaften für privaten Vermögensbesitz.

    Die Logik von Schwargelb ist Geld. Und zwar genau jenes, dass sie der Bevölkerung entreißen, um es den Besitzenden, Bankkonzernen und deren Fehlspekulationen auf das Großzügigste hinterherzuwerfen. Offen gesagt, manchmal wundert es mich schon, daß sich unsere Minister und deren Parteibuchhofschranzen noch sicher und unbehelligt in der Öffentlichkeit bewegen können.

  2. che2001 Juni 14, 2011 um 10:21 pm

    Das ist in der Tat sehr verwunderlich, und wieso es nicht zur Tat kommt. In anderen Ländern wird geschossen und trotzdem demonstriert. Sah da gerade eine sehr gute ARTE-Dokumentation über den Iran. Und die Welle, die Ende 2008 mit den Riots in Griechenland begann, dann Iran, Tunesien, Ägypten, Bahrain, Libyen und Syrien ergriff mit Auswirkungen auf Albanien, lndien und China, schon zwei Regimwechsel erreichte ist nun ein zweites Mal in Griechenland und auch in Spanien angekommen. Worauf warten wir?

  3. Sonnenstrahl Juni 15, 2011 um 8:13 am

    Steinmeier.

    Nicht. Das wäre weitgehend das Gleiche, nur mit weißen Haaren. Der grüne Genosse der Bosse, Kretschmann? Auch nicht. Lötzsch & Co? Von diesen Linkspopulisten und Experten für Milchbubenrechnungen möchten am Ende des Tages nur die wenigsten regiert werden. Ich setze meine Hoffnungen am ehesten auf die innere Wandlungsfähigkeit der SPD, bin mir aber bewusst, daß diese Position für viele nicht auf Anhieb einleuchtend ist.

    Ich denke, das Problem unserer politischen Landschaft besteht auch in der merkwürdig sedierend wirkenden und Alternativlosigkeit suggerierenden politischen Fernsehprogramm in Deutschland, welches in seiner inhaltlichen Erstarrung und allzu starken Bezugnahme auf die etablierte Verbands- und Parteienlandschaft vor allem Trostlosigkeit ausstrahlt.

    Unsere Jugend hört Duck Sauce und geht derweil lieber grillen.

  4. momorulez Juni 15, 2011 um 8:14 am

    So lange den ganzen selbstgefälligen Dreckssäcken hierzulande suggeriert wird, es ginge lediglich um die Faulheit der „Südländer“, werden sie mit ihren gebügelten Kurzarmhemden selbstgerecht durch Parks flanieren und glauben, sie seien die „Leistungsträger“ Europas …

  5. Sonnenstrahl Juni 15, 2011 um 8:40 am

    Die gebügelten Kurzarmhemden sind aber nun eher ein Winterhuder Spezialproblem, denke ich. Das sind die Leute, die ungeahnt freundlich drei Kilo Fleisch inklusive der Kühltasche in einem Container im Stadtpark entsorgen, um sich nicht die Last des Heimtransports solch schwerer Fleischlasten aufzubürden.

    Mein Kühlschrank jedenfalls richtete begeisterten Dank an die Winterhuder Kurzarmhemden.

    So, werde jetzt die Abfallzange reparieren, die mir leider bei diesem Beutezug am Samstag Morgen entzwei gebrochen ist. Was für eine dämliche Konstruktion. Alles aus Metall, außer das Gelenk, das in spröden roten Plastik ausgeführt wurde. Die Politik unserer Regierenden ist noch dämlicher, nur stört sich kaum jemand daran, daß das gesellschaftliche Gelenk zunehmend zerbricht, solange der Prozess der Enteignung der Bevölkerung für die meisten eher schleichender Natur ist, und solange die Grillteller der Kurzarmhemdler überquellen. Mir kommt es manchmal so vor, als ob sich die Bevölkerung in völlig unabhängige Lebenswelten aufgespalten hätte, bei der sich der eine, größere Teil nicht im Mindesten darum schert, wenn inzwischen 20 Prozent des Arbeitsmarktes prekärer Natur ist, und überwiegend ohne größeres Nachdenken reagiert, bei der Beobachtung der zunehmenden Zahl von Menschen, die in Abfalleimern Kostbarkeiten suchen.

    Vielleicht ist genau das der Unterschied beispielsweise zu Spanien, Portugal und Griechenland, wo der Wandel zum Schlechteren die Realität fast der gesamten Jugend prägt.

  6. che2001 Juni 15, 2011 um 11:30 am

    In Griechenland nennen die sich „Generation 400 Euro“, weil sie davon ausgehen, dass sie in ihrem Leben nie mehr verdienen werden als diesen Betrag. Als ich bei den ersten Krawallen dies erwähnte, erdreisteten sich einige liberale Blitzdenker, das wären reiche Bürgerkinder, die nicht arbeiten würden, weil sie es nicht müssten – dabei schuften die zum Teil ziemlich für ihre 400.

    Dir wünsche ich noch viele Kurzarmträger, die Delikatessen wegschmeißen. Tipp: Nähe Frischeparadies.

  7. momorulez Juni 15, 2011 um 7:31 pm

    @Sonnenstrahl:

    Ich möchte Deine Sicht der Dinge hier echt, also wirklich !!!, gar nicht mehr missen, weil mir als Planten & Blomen-Be und -Anwohner die Entwicklung in den letzten 10, 15 Jahren ja schon sehr deutlich aufgefallen ist und ich wirklich imner zucke, jetzt wird es unappetitlich, wenn ich die Gassibeutel mit der Hundescheiße in vor allem die roten Mülleimer, die so einen kleinen „Eingriff“ haben, werfe. Weil gerade, wenn man Sonntags früher mit dem Tier unterwegs ist, vor allem ältere, um bürgerliche Haltung bemühte Flaschensammler unterwegs sind, die sich offenkundig dafür schämen, was ich ganz schrecklich finde, dass sie das tun, sich schämen; ich habe da aber auch gut reden. Diese in vielen städtischen Gegenden wohl über 20% sind mir nicht zuletzt auch deshalb bestens vertraut, da mache ich mir viel Gedanken drüber. Obwohl in meinem Park ja z.B. gar nicht gegrillt werden darf und die „Security“ viele Leute wohl auch vertreibt.

    Es gab mal irgendeine „Maischberger“-Sendung, wo ein Mädel, das eine Lebensform wie Deine proklamierte, von FDPlern und anderen Soziopathen wüst beschimpft wurde, weil sie auf Kosten der „Produktiven“ leben würde. Zum Kotzen. Da hab ich mich aufgeregt …

  8. Sonnenstrahl Juni 15, 2011 um 10:25 pm

    An die Sendung kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. Sie erzählte gerade von ihrem Erstauen darüber, ganze Paletten von Yoghurt im Discountermüll zu finden. Das machte den Typen grantig. Ach, ich weiß, das war der Roger Köppel, der im moralisierenden Ton die brave, idealistische junge Frau als Schmarotzerin anblaffte, welche der Gesellschaft ihren Wohlstand nähme und auf Kosten anderer leben würde, indem sie auf diese Weise für sich sorgt. Zugleich grinste er schleimigst anerkennend zu einer reichen Erbin rüber und lobte diese für ihren überflüssigen Konsumrausch, weil diese mit ihrem Verhalten angeblich die Wirtschaft erblühen lasse.

    Völlig absurd. Als ob selbstsüchtig übergroßer Ressourcenverbrauch auf Kosten anderer eine lobenswerte Leistung sei. Köppel hätte der älteren, Steuerzahlung vermeidenden Prassdame aus Monaco wohl am liebsten gleich das Bundesverdienstkreuz verliehen. Erschrocken war ich nicht nur über die feiste und selbstverständliche Dreistigkeit, mit welcher er die junge Frau beschimpfte, sondern auch über das Nichteingreifen der Maischberger. Oder war es zufällig Anne Will? Ich weiß es nicht mehr. Beides würde passen, zumal mit dem Rad-ab-Köppel in der Sendung. An die Will erinnere ich mich in Zusammenhang mit einer Kampagne gegen angebliche Sozialschmarotzer, die herzlichste Unterstützung von Frau Anne Will erfuhr. Die mag den Köppel ganz besonders.

    Vielleicht hätten wir ein deutlich besseres Fernsehen, wenn man einfach alle Menschen von der Mattscheibe verbannen würde, welche mehr als 100000 Euro im Jahr verdienen. Okay, vielleicht wäre hier eine Quote entsprechend ihrem Bevölkerungsanteil besser. Halte ich für überlegenswert.

  9. Sonnenstrahl Juni 15, 2011 um 10:39 pm

    Was die Kotbeutel betrifft. Ich arbeite mit Handschuhen, vor allem aber um mich vor Glasscherben zu schützen, die man nicht immer rechtzeitig ertastet, wenn man zugreift. Die älteren Herren, die Sonntag morgens Planten und Blomen durchkämmen, tun mir ebenfalls leid, vor allem weil sie ein paar Schritte weiter im Schanzenpark, in den Mülleimern von Radisson und rund um den Messebahnhof bessere Beute machen könnten. Planten und Blomen lohnt nicht, finde ich, nicht einmal bei Vorzugswetter. Ich halte mich da trotzdem gerne auf, weil es da einfach schön ist. Ist auch einfach ein schöner Bruch im Häusermeer, bei Sonnenschein ja fast schon besser als Urlaub. Rund um die Alster stört mich das angestrengte Sportgetue doch ein wenig, welches das Naturgenießen mir etwas verleidet. Ständig keuchende Menschen um mich herum, die beim Sport ein Gesicht machen, als ob sie in wenigen Minuten vom Chef zusammengefaltet zu werden drohen. Schrecklich!

  10. momorulez Juni 16, 2011 um 10:22 am

    Das war Maischberger, und tatsächlich mit dem sardonischen Köppel und der reichen Erbin – da hatte ich Wutanfälle im Minutentakt, als ich das geguckt habe.

    Und mein Planten & Blomen, das ist echt Urlaub inmitten der Stadt …

    „Ständig keuchende Menschen um mich herum, die beim Sport ein Gesicht machen, als ob sie in wenigen Minuten vom Chef zusammengefaltet zu werden drohen. Schrecklich!“

    Das Thema hatten wir heute auch schon bei Twitter 😀 …

  11. che2001 Juni 16, 2011 um 10:54 am

    Mit ner Gruppe Obdachloser und Junkies vor laufenden Kameras Runde stürmen, Uhren und Portemonnaies einsammeln, anschließend Studioausrüstung mitnehmen.

  12. Sonnenstrahl Juni 16, 2011 um 11:56 am

    Und dann?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s