Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Studie der Friedrich Ebert-Stiftung zu Homophobie im Fussball: Erste Anmerkungen

Die Friedrich Ebert-Stiftung hat ehrenwerterweise eine Studie zu Rassismus, Sexismus und Rassismus im Fussball veröffentlich. Weniger ehrenwert erhält Dr. Zwanziger, der Amarell-Jäger, erst einmal einen Freibrief im Vorwort (übrigens ein Fall, anhand dessen man das „Definitionsmacht„-Thema auch noch mal diskutieren müsste) – habe nur kurz quer gelesen, halte es für äußerst lesenswert, dennoch, schon beim ersten Durchscrollen fielen mir neben eindeutigen Belegen für allseits verbreitete homophobe Muster prompt seltsame Reduktionen auf:

„Y: Wenn du wüsstest, du hast eine Mannschaft, du spielst mit denen schon
ewig, und dann stellst du irgendwann fest, einer von denen ist schwul.
Würdest du dann mit dem nicht mehr zusammen spielen wollen?
D: Das kann ich jetzt so nicht sagen, weil das was anderes ist. Aber wenn ich
jetzt von vorneherein weiß …, der ist schwul und ich kenne ihn noch nicht
lang, dann tät ich ganz be.. gewiss nicht mit dem in die Dusche rein gehen.“

(Zitat aus einer Probanden-Gruppe)


Die Dramatik der Begegnung mit Schwulen unter der Dusche ist lediglich
durch die Vermeidung des Bückens und der Präsentation des nackten Hinterns
zu entschärfen. Die Präsenz von Schwulen macht für sie diese Situation
zur Bedrohung schlechthin. Schwul steht im Fußball also nicht nur
für die Tabuisierung von Sexualität, sondern auch von Körperlichkeit und
Kontrollverlust. So verbirgt sich hinter Strategien der ‚Wegdefinition’ von
Homosexualität aus dem Fußball auch die Angst vor Körpernähe, Nacktheit
und Verletzbarkeit. Denn mit der körperlichen Nähe geht (wie etwa unter
der Dusche) Nacktheit einher, die es für viele offenbar schwierig macht, eine
implizite Homoerotik auch tatsächlich implizit zu halten (Dembowski 2002,
Pronger 2000: 237). Gleichzeitig schafft sie eine Umgebung für Verletzungsoffenheit,
die es erlaubt, sexuelle Demütigungsrituale auszuleben (Engelfried
2008: 62). So taucht das Thema Duschen bei vielen Diskussionen im Zusammenhang
mit Schwulsein auf und gipfelt in einer durch nichts mehr verbrämten
Beleidigung: „mit einem Analritter dusch’ ich nicht.“ (GD13)“

 

So weit dazu, wie man im zarten Alter von 16 Jahren in Duschkabinen in Homophobie hinein sozialisiert wurde, als man gerade entdeckte, was man begehrt – in der Tat ein Ort, wo einerseits permanent mit nasssen Handtüchern auf nackte Ärsche geklatscht wurde, das „schwul mich nicht an“ jedoch omnipräsent war.

Ist das nicht aber ein bißchen sehr reduziert gedeutet? Kam mir etwas sehr freundlich vor, diese „Angst vor Verletzlichkeit“ – wie kommen a.) Heten darauf, jeder Arsch würde einen anwesenden Schwulen interessieren und b.) wie kommt es zu der impliziten Unterstellung, man würde als Schwuler sofort rein stecken und losrammeln wollen? Die mögliche passive Rolle, das ist mir schon häufig aufgefallen, wird von Heten offenkundig gar nicht in Erwägung gezogen, sondern mutmaßlich ein Modell projiziert wird, das einer aktiven Vergewaltigungsdrohung gleich kommt. Wie kommen die wohl auf so was?

Des weiteren ist diese Scham, plötzlich einem potenziell „sexuellen Blick“ ausgesetzt zu sein, anstatt selbst auf Ärsche zu glotzen, angesichts allseits beobachtbaren Männerverhaltens schon ein Kuriosum. Wieso wollen sie alles dafür tun, Subjekt zu bleiben, das Objekte konstituiert? Hier wäre tatsächlich Sartres Intersubjektivitätstheorie zu erläutern und mit Foucaults Machttheorie zu koppeln.

Vielleicht geht die Studie ja später darauf noch ein, dies alles verweist nämlich exakt auf die Notwendigkeit eines Perspektivenwechsels, der analog zur „Critical Whiteness“ wichtig ist und oben ja ansatzweise vollzogen wird: Dass nicht die Frage, wie „Homosexualität entsteht“, sondern die Frage nach heterosexuellen Selbstpraktiken und Selbstverständnissen die entscheidende, Heterosexualität also Sujet zu sein hat, will man etwas über Macht- und Gewaltverhältnisse und Pathologien erfahren. Und das im Falle von Männern und Frauen je unterschiedlich.

Nichts wäre banaler als diese Erkenntnis, und doch, wieso trägt sie in öffentlichen Diskussionen so selten Früchte?

Mir ist zudem unverständlich, was daran so schlimm sein soll, wenn einem jemand auf den Arsch glotzt – wenn da nicht diese Vergewaltigungsdrohung von den oben interviewten Heterosexuellen gleich mit antizipiert wird, so scheint es ja zumindest. Nicht, dass mir noch das allzu oft passieren würde,  das man den meinen noch wohlwollend betrachtet; in Zeiten, da es durchaus häufiger vor kam, habe ich es durchaus genossen – auch beim Blick von Frauen. Narzisstische Zufuhr. Klar, kann auch übel enden, das Spiel mit narzißtischer Zufuhr, das ist aber ein anderes Thema.

Wieso eigentlich ist es so schwer, eine Kultur der Erotisierung ohne Gewalt und Übergriffigkeit zu vollbringen? Fragen auch „Straßen aus Zucker“ … spannender Text! (Beides wie so oft via Mädchenmannschaft, wirklich ein prima und ungemein wichtiges Blog).

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19 Antworten zu “Studie der Friedrich Ebert-Stiftung zu Homophobie im Fussball: Erste Anmerkungen

  1. kleinertod Juni 8, 2011 um 7:08 pm

    Irgendwie sollte man den Befragten noch folgende Fragen vorlegen http://www.derganzemensch.net/privat/queer_fragen.html – altbekannt, ich weiß. Aber wichtig für Menschen, die noch nicht genügend nachgedacht haben…

    Verklemmt- und Verbohrtheit sind heilbar. 😉

  2. che2001 Juni 11, 2011 um 12:56 pm

    GenossInnen haben unter dem Label, es handle sich um den Zensus Fragebögen an Haushalte verteilt, in denen ähnliche Frage gestellt wurden, neben: Welches Staatsmodell halten Sie für richtig

    a) Demokratie
    b) Diktatur
    c) Monarchie
    d) Kommunismus
    e) Anderes
    und: Welche Drogen nehmen Sie (außer Tabak und Alkohol)

    a) Cannabis
    b) LSD
    c) Kokain
    d) Heroin
    e) Antidepressiva
    f) Neuroleptika
    g) Schokolade

  3. ziggev Juni 11, 2011 um 6:00 pm

    zu dem Link, kleinertod
    – Was hat Ihrer Meinung nach Ihre Heterosexualität verursacht? –
    geil. darüber habe ich fast noch nie nachgedacht !
    vor allen Dingen: „Ihrer Meinung nach“ – hä? [Fragezeichen] ! super. [lach] lässt sich´s noch steigern ? ich bange mich beinahe, die restlichen Fragen zu lesen, in angst, die könnten mir diesen Gaudi verderben…. rofl

  4. momorulez Juni 11, 2011 um 8:03 pm

    Ich hatte echt Glück, dass in einer ziemlilch frühen Coming Out-Phase meine Schwester mir „Männerliebe“ von Frings und Kraushaar schenkte, dass – etwas ausführlicher – ähnlich los legt wie der Fragenkatalog 😉 – das hat durchaus gewappnet.

  5. Sonnenstrahl Juni 11, 2011 um 8:29 pm

    Mal eine ganz doofe Frage von mir. Warum in aller Welt gibt es im deutschen Fußball diese Homophobie? Ich habe das nie verstanden. Ich kenne es von Sport wenn Männer und Frauen zusammen duschen und ob jemand dabei homosexuell ist oder nicht spielte nie irgend eine Rolle. Warum reagieren Fußballer hier so verklemmt? Warum ist das für heteros. Fans überhaupt ein Thema? Wenn man nicht gerade auf der Suche nach einem schwulen Fußballer ist, beispielsweise um mit ihm anzubandeln, ist das doch völlig pillepalle und Privatsache obendrein.

    Ich kenne diese homophobischen Anwandlungen von keiner anderen Sportart. Liegt es am sozialen Zuschnitt der Fans? Kann ich mir aber auch nicht vorstellen und mir fehlt da einfach jegliche Erklärung. Machen große Bälle wahnsinnig?

  6. che2001 Juni 12, 2011 um 12:00 am

    Also, von meinen Sportarten (Karate, wo Männer und Frauen zusammen duschen, Bodybuilding, wo sie das nicht tun und Bergsteigen/Klettern, wo der Körperkontakt sehr unmittelbar ist und, da es um Leben und Tod geht, höchst unverklemmt) kann ich nicht sagen, dass da Homophobie irgendeine Rolle spielte. Und generell würde ich aus eigenem Erleben sagen: SportlerInnen sind in allen Fragen von Körperlichkeit eher locker. Aber die öffentliche Wirkung von Fußball oder z.B. auch Boxen ist da nochmal eine Andere.

  7. momorulez Juni 12, 2011 um 9:32 am

    Ist halt auch nicht unbedingt der Bildungsbürgersport, und wenn, dann gehen die oft dahin, um die Sau raus zu lassen – und Schützenvereine werden ja auch nicht die Vorhut der sexuellen Befreiuung sein, vermute ich.

    Zudem beim Kampfsport ja ganz klassisches Kräftemessen, beim Bergsteigen eher eine Naturbeherrschungs-Simulation stattfindet, Abenteuer – Herren-Fussball heißt halt zum Schuß kommen, und dann liegen sich Männer in den Armen und knutschen sich ab. Und da will dann keiner in Verdacht geraten, Heterosexualität ist halt als Abgrenzung zu den Devianten gedacht, zu denen man ernsthaft nicht gehören will, deshalb ist ja jedes Erkennen der Attraktivität eines Mannes bei Fussbal-Moderatoren von „Das ist was für die Frauen!“ begleitet.

    Und je souveräner man den eigenen Lust-Möglichkeiten gegenüber sich verhält, desto geringer ist der Abgrenzungsbedarf, vermute ich. Die meisten sind halt immer noch verklemmt; ist ja bezeichnend, das Ella Machista drüben bei Hartmut sich über meine „vulgäre Sprache“ ereifert, die oben ja nur weiter spinnt, was die heterosexuellen Herren im Zitat so von sich geben, und „Arschficker“ oder „Schwanzlutscher“ ist halt hetero-Sprache.

    Zudem das Thema als solches in linken Subkulturen eine ganz andere Präsenz hat, während die Durchschnitts-Hete da im Alltag gar nicht dran denkt. Da platzt dann einfach auch ei Möglichkeitsspektrum in ziemlich zementierte Welten, das Angst macht.

    Die Hauptangst von Szenerien wie der oben ist aber, glaube ich, schon, dass sie Angst haben, es könnte sich ihnen gegenüber jemand so verhalten, wie sie sich Frauen gegenüber verhalten. Macht und Status sind für männliche Sozialisation zu zentral, als dass man sich ohnmächtig und Niedrig Status-mäßig fühlen wollen, wie sie Frauen sehen und behandeln.

  8. Sonnenstrahl Juni 12, 2011 um 5:18 pm

    Danke für die Antwort Momorulez!

    Das im Fußball akzentuierte Männlichkeitsbild ist für viele Fußballfans möglicherweise zu fragil, allzu einseitig auf Kampf, Energie und Willensstärke ausgerichtet, unbewusst also bloß eine Fiktion, um die bloße Existenz schwulen Seins auszuhalten, welches aus Sicht dieser Fans die so geliebte, übersteigerte Männlichkeitsfiktion in Frage stellen könnte. Diese übersteigerte Männlichkeitsfiktion des Fußballs wiederum ist für viele Fans ein verteidigenswerter Fluchtpunkt aus einem eher drögen Alltag, der für viele Fans mit der Empfindung sozialer Niederlagen verbunden ist, z.B. Arbeitslosigkeit, die ja auch den eigenen Rollenstolz als Mann erodiert.

    Fußball wird für diese Fans u.a. Teil einer Männlichkeitskompensation, was homophobes Abwehrverhalten nach sich ziehen kann, zumal, wenn die reale soziale Lage des homophoben Fans eher frustrierend ist. Die Homophobie im Fußball wäre dann vor allem ein Verliererverhalten, bei dem eigene Kränkungen ausagiert werden, indem andere herabgesetzt werden.

    Zusätzlich kommt da eine am Rollenmodell der Horde ausgerichtete, ausgeprägte Gruppendynamik, die die von Momorulez ansgesprochenen Möglichkeitsspektren zusätzlich einebnet und Feindlichkeiten gegenüber vermeintlich Schwächeren leichter macht. In der Horde anderer Fans traut sich der oben geschilderte, die eigene Verletzlichkeit mindestens unbewusst erleidend, feindselig aufzutreten.

    Die Homophobie dieses Typus sozial verwundeter Fans dient als Vodoozauber gegen die Frustrationen des eigenen Seins, der Schwule wird zum Blitzableiter.

    Vielleicht liege ich kilometerweit daneben, aber jetzt, dank der Überlegungen von Momorulez, habe ich das Gefühl, mir dieses Phänomen immerhin ein wenig erklären zu können.

  9. Sonnenstrahl Juni 12, 2011 um 5:25 pm

    Die schiere Angst davor, als Mann Objekt werden zu können, wird bei vielen dieser Fans wohl auch Teil des homophoben Geschehens sein, kann ich mir sehr gut vorstellen, aber das lässt sich mit dem oben gesagten gut verbinden, wenn man einmal davon ausgeht, dass der homophob auftretende Verliererfan sich eher als jemanden ansieht, der zum Objekt gemacht wird.

  10. momorulez Juni 12, 2011 um 6:07 pm

    Ja, in der Homophobie spiegelt sich immer auch das FRAUENBILD dieser Leute, das ist ja das im Grunde genommen Groteske, das darin sogar Wissen aufscheint, wie Scheiße eben dieses ist.

  11. che2001 Juni 13, 2011 um 9:13 am

    @“Zudem beim Kampfsport ja ganz klassisches Kräftemessen, beim Bergsteigen eher eine Naturbeherrschungs-Simulation stattfindet, Abenteuer“ —- Stimmt und stimmt auch nicht, beim Bergsteigen, wie es als Freeclimbing betrieben wird geht es eben nicht um Naturbeherrschung. Wäre jetzt aber ein völlig anderes Thema, zu dem ich demnächst bei mir drüben mal was schreiben werde.

  12. Sonnenstrahl Juni 13, 2011 um 9:44 am

    Selbstbeherrschung, Gefahrenüberwindung, Grenzerfahrung?

  13. rakete Juni 13, 2011 um 11:00 am

    „Die Hauptangst von Szenerien wie der oben ist aber, glaube ich, schon, dass sie Angst haben, es könnte sich ihnen gegenüber jemand so verhalten, wie sie sich Frauen gegenüber verhalten. Macht und Status sind für männliche Sozialisation zu zentral, als dass man sich ohnmächtig und Niedrig Status-mäßig fühlen wollen, wie sie Frauen sehen und behandeln.“ that’s it. das fasst es auf den punkt zusammen. danke für diesen kommentar!

  14. momorulez Juni 13, 2011 um 11:18 am

    @che:

    Naturberrschung nicht im epochal-instrumentellen Sinne des Verfügbarmachens natürlicher Ressourcen, sondern dass man sich kraft seiner Körperlichkeit, ergänzt durch Hilsmittel wie Seilwinden usw., gewissermaßen über natürliche Bedingungen erhebt.

    @Rakete:

    Dankeschön! Auch wenn meine Formulierung ja etwas schief geraten ist, ich bin mir ja auch sicher, dass es das ist.

  15. che2001 Juni 13, 2011 um 12:53 pm

    Es würde den Thread bei Dir hier sprengen, deswegen schreibe ich drüben etwas darüber. Weder Kräftemessen noch Naturüberwindung stehen hierbei im Mittelpunkt.

  16. momorulez Juni 13, 2011 um 1:05 pm

    „Kräftemessen“ meinte ja auch Karate z.B. (oder halt das Nutzen der des Anderen), und das mit der Naturüberwindung, da bin ich gespannt, wie Du das hindrehen willst 😉 …

  17. Lars Juni 13, 2011 um 1:05 pm

    doch mal eine Gelegenheit, mal wieder vorbei zu schauen. ich bin mir ob der These, dass sich besonders der Fußball im Vergleich zu anderen Sportarten als homophob zu charaktersieren sei, eher skeptisch. Eher würde ich das auf jene Spotrarten ausweiten, die traditionell männlich sind, oder der männlichen Perfomanz dienen. In den USA sind es dann eben auch der Football und der Baseball, die als besonders homophob gelten. Und da fallen dann tatsächlich auch die Kampfsportarten und der Kraft- und Fitness-Sport mit drunter. Man muss da nur mal beobachten, wer wen wie wann und wie lange anschauen darf. Ich bereite geradefür das kommende Semester eine kleine ethnographische Feldstudie vor, die den Körper in den Umkleideräumen thematisiert. Da wird nämlich schon sehr schenll sichtbar, dass es keinen männlichen Blick auf den männlichen Körper geben darf, außer es wird ins technisch-instrumentelle (Pulsmesser, Bewegungstechniken, gesundheitliche Belastungen) gewendet oder als „Kumpel“-Interaktionen (mit ihrer ganzen homoerotishen Ambivalenz und Re-Instituierungen von Männlichkeit) kodiert. Ich bin mit einer Kollegin darauf gekommen, weil sie wissen wollte, worüber eigentlich bei Mänern in den Unmkleidekabinen gesprochen wrd und es Frauen wohl durchaus erlaubt ist, untereinder körperliche Attraktivität zu artikulieren. Bei Männern geht das aber i.d.R., soweit ich das selber beöbachten konnte und es die Forschungsliteratur hergibt, gar nicht. Spannend dabei sind ja dann auch die ganzen Praktiken, die den Körper dem Blick entziehen. Es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie, wenn 100-Kilo-Muskelpakete dann schamhaft in der Unterhose duschen…

  18. momorulez Juni 13, 2011 um 1:15 pm

    Super, dass Du mal wieder rum schaust!!! Du warst ja ewig abgetaucht! Und Danke für die Ergänzungen!

    „Da wird nämlich schon sehr schenll sichtbar, dass es keinen männlichen Blick auf den männlichen Körper geben darf, außer es wird ins technisch-instrumentelle (Pulsmesser, Bewegungstechniken, gesundheitliche Belastungen) gewendet oder als „Kumpel“-Interaktionen (mit ihrer ganzen homoerotishen Ambivalenz und Re-Instituierungen von Männlichkeit) kodiert.“

    Meine ich ja 😉 – wie das bei den Mädels untereinander ist, das habe ich mich tatsächlich auch schon gefragt. „Carrie“ von Stephen King entwirft ja ein anderes Szenario, ist freilich von einem Mann geschrieben, und das unterschwellige „Matriachat“, dessen Aufzeigen King an der dePalma-Verfilmung lobt, an US-Highschools ist eh ein männlicher Mythos. Diese Vorstellung eines permanenten „Zickenkrieges“, der sich durch die Trivialkultur zieht wie ein roter Faden.

    Da bin ich gespannt auf eure Feldstudie. Dieses Umkleidekabinen-Szenario ist echt Trauma für mich, diese Gleichzeitigkeit von dem, was man als das entdeckt, was einen „anmacht“, bei gleichzeitiger Demonstration von Homopobie, das war echt nicht witzig. Hätte beinahe mein Abi nicht gekriegt, weil ich zum Sportunterricht kaum mehr gegangen bin, und erhielt meine notwendigen Punkte nur, weil ich einer von zwei Jungs im „Jazz-Tanz“, so hieß das wirklich, -Kurs war 😉 … und ich denke ja auch weiterhin, dass das Feedback auf so called „Heterosexuelle“ dabei auch kein allzu glücklich machendes ist, dieser ewige Stress, ganz Jock sein zu müssen.

  19. Lars Juni 13, 2011 um 1:30 pm

    Mal schauen wie es wird und ob die Studierenden mitmachen 😉 Teilnehemde Beobachtung ist in einem solchen Setting ja nicht ganz unproblematisch, wenn gerade das Hinsehen gefährlich werden kann…
    … und ich denke ja auch weiterhin, dass das Feedback auf so called „Heterosexuelle“ dabei auch kein allzu glücklich machendes ist, dieser ewige Stress, ganz Jock sein zu müssen.
    Eben. Der Garfinkel hatte schon an Agnes gezeigt, wie aufwendig so ein „passing“ (hier bei einer male-female-Transsexuellen) als „natürliche, normale“ Frau ist. Die ganzen großen und kleinen Anwehrrituale, das Veremeiden von Veranstaltungen so wie du es beschreibst, das Umschreiben von Biographien durch Erfindungen von erlebten Episoden etc. Und da wird ja auf der „devianten“ Seite nur expliziert, was die „normale“ onehin ständig macht.

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