Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Racial Profiling“

„Vor allem Jugendgruppen mit Migrationshintergrund wurden überprüft und registriert. „Damit sie gleich wissen, dass wir sie kennen und ihre Personalien schon haben“, begründete das ein Polizist.“

„Das Andere“ produzieren, um es datentechnisch zu individualisieren, ja, man lese Foucaults „Überwachen und Strafen“ – dass diese Staatsmacht ihren Rassismus auch noch stolz zur Schau trägt, während das Errichten von „Gefahrengebieten“ totalitäre Systeme mittels kollektiver Entrechtung kopiert und ein Herr Innensenator das auch noch abfeiert, es erschüttert schon gar keinen mehr. Es ist Normalität geworden.

Eine staatlich konstituierte „Rassifizierung“ von Delinquenz bei gleichzeitig partiell-terrotorialer Grundrechtsabschaffung (Rechte, über die eh nur die mit „deutschen Pass“ oder Aufenthaltsgenehmigung verfügen) – das ist wohl das Ideal einer politischen Klasse, die ihren einzigen Zweck in dem Aufrechterhalten von Eigentumsinteressen sieht, und eines exekutiven Apparates, der auf „Pressefreiheit“ scheißt und nur noch dem eigenen Agieren immanenten Regeln folgt und mittels Springer-Propaganda das Unrecht zementiert.

Diese antidemokratischen Praxen der Exekutive entziehen sich selbst jegliche Legitimation, man kann es nicht oft genug betonen gerade dann, wenn man das Grundgesetz für außerordentlich vernünftig hält.

Und wer noch einmal mit der „Ausländerkriminalitätsstatistik“ operiert, kann sich ja mal überlegen, wie sie entsteht – wenn polizeistaatlich dessen Agenten jeden Schwarzen und Schwarzhaarigen darauf drillen, durch permanentes Drangsaliertwerden die Polizei und somit das, was sich kontrafaktisch als „Rechtsstaatlichkeit“ behauptet, derartige Organe nur noch als Feind zu betrachten, so braucht man sich nicht zu wundern, dass ein Für und Wider hinsichtlich geltender Regeln eine alternative Auslegung erfährt. Und eben nur jene Fälle erfasst werden, die im Zuge dieses alltäglichen Terrors erhoben werden.

Nicht Deutschland, schön wäre es, der Rechtsstaat schafft sich ab – dank der Exekutive.

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51 Antworten zu “„Racial Profiling“

  1. geissy Mai 1, 2011 um 6:23 pm

    Danke.

  2. Mrsnextmatch Mai 1, 2011 um 6:39 pm

    Unglaubliches Polizistenzitat. Die verstehen noch nicht mal, dass das rassistisch ist. Danke für den post.

  3. momorulez Mai 1, 2011 um 6:46 pm

    Das korrespondiert auch bruchlos mit den Erfahrungen der Kinder unserer gemeinsamen Freunde und Geschäftspartner. Die können, etwas, aber nur etwas, überpointiert gesagt, keine 3 Minuten an irgendeiner Straßenecke an der Schanze stehen, ohne dass die Polizei Gründe erfindet, Personalien zu kontrollieren. Das scheint für manche Staatsdiener so was wie Minigolf, Freizeitvergnügen im Rahmen der Dienstausübung, zu sein. Ich konnte da gestern unbehelligt mittendurch spazieren.

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  5. kleinertod Mai 1, 2011 um 7:06 pm

    Das Schlimme daran ist ja, daß dies eigentlich kaum noch schockiert, weil man sich an derartige Vorgehensweisen hierzulande schon regelrecht „gewöhnt“ hat. Der Normalbürger feiert dies gar als „erfolgreichen Polizeieinsatz“ und fordert Rechtsaußenlanciertes nachplappernd die Abschiebung von solchem „kriminellen Gesocks“ – ob es sich dabei um einen gebürtigen Deutschen handelt oder einen anderen EU-Bürger oder aber einen Menschen aus einem anderen Land wird dabei gar nicht erst differenzierend zur Kenntnis genommen. Sind halt alle gleich, „diese Ausländer“, von denen weiß man ja, daß sie „krimineller als Deutsche“ sind und darum muß man „diese Verbrecher“ schließlich auch so behandeln. Es lebe der Staat! Es lebe die Polizei! Warum nicht gleich einen Polizeistaat einführen?

  6. momorulez Mai 1, 2011 um 7:20 pm

    Ja, in der Tat. Zudem eben auch der Aspekt, dass es einigermaßen schwierig ist, bestimmte rechtliche Regelungen als überzeugend zu empfinden, wenn eben jene, die sie durchsetzen, sich übelst aufführen, und man das im Zuge der Sozialisation permanent erfährt, überhaupt NIRGENDS thematisiert wird, obgleich ein Nate57 über kaum etwas anderes rappt. Das ist doch auf das „Fussballfeld“ problemlos übertragbar – wieso fair spielen, wenn es Schiedrichter wie Aytekil und Funktionäre wie Zwanziger und Bierhoff gibt? Wieso einsehen, dass Pyro Scheiße ist, wenn die Polizei ganz alltäglich viel drastischer agiert und ausgeprügelte Zähne keine Strafverfolgung nach sich ziehen? Wieso Regeln befolgen, wenn ein Polizeigesetz Willkür institutionalisiert?

    Das Erschütternde ist ja, dass man mittlerweile als linksextrem empfunden und behauptet wird, wenn man auf die Verfassung pocht. Die schließt schon in den Grundrechtsartikeln so was wie „Racial Profiling“ aus, auch wenn sich der unsägliche „Rasse“-Begriff da noch findet.

    Dass dieses antidemokratische Hamburger Polizeigesetz fast nirgends skandalisiert wurde, obgleich das – ganz wie einst die „Notstandsgesetze“ – in der Begründung einem Carl Schmitt folgt, „souverän ist, wer den Ausnahmezustand beherrscht“, der geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus war und später maßgeblich an den Nürnberger Rassegesetzen mit wirkte, macht einen echt verfassungslos-hilflos.

  7. netbitch Mai 1, 2011 um 9:39 pm

    Eben deshalb bildeten sich mal Antifagruppen, die wie Bürgerwehren von links agierten – da das Gewaltmonopol des Staates nicht neutral, sondern rassistisch und im Zweifelsfalle auf Seiten rechter Schlägerbanden ausgeübt wurde Gegenmacht aufbauen. War ja zwangsläufig, dass die Reaktion darauf die Erfindung krimineller und terroristischer Vereinigungen durch den Staat war. Um als rechte Gruppe als terroristisch wahrgenommen zu werden sind schon Bombenanschläge gegen Menschen oder der Besitz von MGs Voraussetzung, für Linke reicht der Eingriff in den Schienenverkehr oder der handgreifliche, aber nicht lebensbedrohende Angriff auf Nazischläger. Es hat sich seit 1922 nichts verändert.

  8. che2001 Mai 1, 2011 um 11:15 pm

    Herman Gremliza schrieb mal, dass die Funktion der Linken hauptsächlich darin bestehen würde, den Rechtsstaat gegen seine bürgerlichen Abschaffer zu verteidigen und dass die Rolle der Partei Die Linke etwa der der liberalen Fortschrittspartei in der Zeit des SPD-Verbotes im Kaiserreich entspräche. Kann stimmen. Als Veteran der militanten Linken der Achtziger komme ich mir inzwischen vor wie ein Dinosaurier: Ich verteidige, was ich mal bekämpft habe. Wir stritten gegen Gewerkschaftsmuffigkeit und die sozialpolitisch bewusstlosen Öko-und Friedenswichser – im Connex zu Befreiungsbewegungen in Kurdistan oder Nordafrika. Heute erscheinen mir deren eurorassistische oder romantisch-tierremondistrische Positionen geradezu als Idyll. Fuck this System!

  9. momorulez Mai 2, 2011 um 8:58 am

    @Netbitch:

    Ist ja nicht weg, die Antifa. Habe nur manchmal das Gefühl, dass auch durch antideutsche Einsprengsel gerade das „Migrationshintergrund“-Thema nicht mehr so bruchlos solidarisch angegangen wird. Auch, weil da Bildungsbürger selbst Angst um ihre Pfründe haben.

    Gab hier nach „Schanzenfest“-Krawallen einmal eine sehr krude Debatte, dass viele der ansässigen „Volksdeutschen“ auf einmal die aus den „Ghettos“ und Vorstädten angereisten Riot-Kids über ihren „Migrationshintergrund“ definierten. Da kam dann aber noch heftig Gegenwind aus der Flora.

    Aber ansonsten: Ja. Vollste Zustimmung.

    @Che:

    Idealtypisch ist das „Recht“ in der „Rechtsstaats“-Idee ja auch eine ziemlich gute Idee, würde sie über die menschenrechts-, nicht eigentumsschutzorientierte Begründungsschiene legitimiert und nicht über den exkludierenden Staat vollzogen. Dummerweise realisiert sich eher das von Foucault diagnostizierte Unterlaufen der Rechts-Prinzipien, so dass wir tatsächlich dazu gekommen sind, das nur noch verteidigen zu können, wovon man in der Tat distanzieren wollte. Aber wo schon die SPD sozialdemokratische Politik unter „kommunistische Umtriebe“ verbucht, ist man wirklich in einem rechtsautoritaristischen Marktparadigma angekommen.

  10. kleinertod Mai 2, 2011 um 9:28 am

    Solange das Grundgesetz noch nicht angegriffen mit der Begründung, es sei verfassungsfeindlich, angegriffen wird… Wobei ich entsprechende Änderungsanträge mit der Begründung, das Grundgesetz müsse „angepaßt“ und „nachgebessert“ werden, durchaus für gar nicht mal so abwegig halten würde… Nunja, daran wird schließlich schon seit einiger Zeit herumgedoktert und es wurde auch schon in Bereichen Veränderungen vorgenommen, so daß man nicht mehr vom gleichen Grundgesetz wie zu Anfangszeiten sprechen kann.

    Fakt ist, daß wir insgesamt immer weiter nach rechts in diesem Lande und wohl auch darüberhinaus abdriften – im Vergleich zu dem von che 2001 beschriebenem Idyll, das ja sich auch erst gegen wahrlich extrem rechte Positionen erst einmal mühsam durchsetzen mußte. Perfekt war keine Zeit, Kritik war und ist immer notwendig – was wir aktuell erleben, das macht aber mehr als nur ein wenig Sorge um die Gegenwart und Zukunft. Mit jedem weiteren Anlaß (zB Terroranschlag) werden wieder neue Ansätze unternommen, die Rechte aller einzuschränken – ob im Wahn, nur in einem totalitären Polizeistaat, der aber ganz lieb zu braven Bürgern sei, würde Sicherheit existieren können, oder aber in der Absicht, die Macht und Kontrolle im Staat selbst zu erlangen, sei dahingestellt. Es ist in jedem Fall bekämpfenswert.

    Das Ringen um den Erhalt der Grundrechte ein „linksradikales Gedankengut“ bzw. „linksextremes Verhalten“ – so weit sind wir schon hierzulande gekommen. Und wo die Verfassungsrichter mit dem Argument des Grundgesetzes eine Grenze ziehen, erpresst die EU die Regierung mit Sanktionen, damit grundgesetzwidrige Beschlüsse umgesetzt werden. Es gibt mehr als einen Gegner für die Freiheit.

  11. drikkes Mai 2, 2011 um 1:06 pm

    Dazu kommt natürlich, daß Ausländer gegen eine Reihe mehr Gesetze verstoßen können, als es den guten Deutschen selbst überhaupt möglich ist. „Mißbrauch des Aufenthaltsrechts“ etc. – fließt aber alles in diese schiefe Statistik mit ein.

  12. Thegurkenkaiser Mai 2, 2011 um 2:30 pm

    „Lizas Welt“ hat das racial profiing schon vor monaten heftig promotet. Ich hab ihn damals einen klassischen Oldschoolrassisten genannt. Denn es geht ja hier nicht mal mehr um einen heißen Brei namens „Kultur“, mit dem man sich die Finger nicht schmutzig machen will, sodnern schlicht um Hautfarben.

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  14. momorulez Mai 2, 2011 um 5:07 pm

    Uff, was ein Tag heute …

    @Kleinertod:

    Im großen und Ganzen Zustimmung – was wir halt in diversen Bereichen seit nun wirklich Jahren und parteiunabhängig erleben, ist, dass die Exekutive permanent Grundrechte wahweise aushöhlt, untergräbt oder ignoriert, und das Bundesverfassungsgericht exakt dagegen ein Urteil nach dem anderen verkündet. Während zugleich jene, die nix anderes sagen als eben jenes oberste Gericht, am besten noch vom Verfassungsschutz beäugt werden.

    Und so was wie das Ausweisen von großflächigen „Gefahrengebieten“ wie auch die unsägliche Platzverweispolitik in Hamburg – ich weiß jetzt nicht, ob irgendwer gegen diese grenztoltalitären Praktiken, per Polizeigesetz möglich, geklagt hat, aber mir will es echt nicht in den Kopf hinein, wieso ein Gebahren, das nun wirklich alle mir bekannten, rechtlichen Regeln ad absurdum führt, verfassungskonform sein sollte.

    Das „Racial Profiling“ setzt dann noch eins drauf, weil man sich schlichtweg gegen solchen Terror nicht wehren kann, und wo man das nicht kann, liegt auch kein rechtsstaatliches Verhältnis vor. Bei Twitter wurde das übrigens auch noch mal bestätigt, einer twitterte mich an, dass er und sein weißer Kumpel durch kamen, der iranischstämmige aber draußen bleiben musste.

    Diesen Welt-Text lese ich später, die Überschrift spricht aber schon wieder Bände.

  15. momorulez Mai 2, 2011 um 5:14 pm

    @drikkes:

    Ja, in der Tat. Das Schlimme ist ja, dass diese Kategorie „Ausländer“ auch auf den berühmten „Migrationshintergrund“ in Fällen angewandt wird, wo die Leute in der 3. oder darüber hinaus Generation die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Meine Freunde vom Braunen Mob, beide gutdeutsch, wurden neulich in einem Blog als „Berufsmigranten“ bezeichnet. Es wäre nun überraschend, wenn Polizisten diese völkische Wahrnehmung nicht hätten, die 80% der weißen Bevölkerung teilen – der Skandal ist, dass, anstatt dass da etwas gegen unternommen wird, konkretes Polizeihandeln die Situation diesbezüglich permanent verschärft, ja, fördert, und so tatsächlich massenhaft Illegalität aktiv herbei führt (!!!), weil sie Personengruppen davon überzeugt, dass dieser vermeintliche Rechtsstaat eh Schmuh ist. Es gelten einfach besondere Kriterien für das Verhalten von den Angestellten eines demokratischen Staates; man hat nach Samstag nur noch einmal verschärft das Gefühl, dass das zumindest nicht gewusst wird.

  16. momorulez Mai 2, 2011 um 5:26 pm

    @TheGurkenkaiser:

    Das ist ja einer der Gründe, warum es mich regelmäßig rasend macht, dass Lizaswelt von sich links wähnenden Fussballfans im Allgemeinen und auch von St. Paulianer bis hin zu führenden Fanzines permanent retweetet und verlinkt wird. Der Text, den Du meinst, ist von der Argumentation her nichts anderes als die Adaption von seit dem 11. September von US-Rechtsradikalen gestreute Texte, Mark Stein und solche Neofaschisten, die in den Grenzbereichen zwischen wirtschaftsliberaler und rechtsradikaler Blogosphäre seit Jahren kursieren. Aber offenkundig kann man die jungen Dinger damit locken, dass man so tut, als habe was man gegen Antisemitismus, während gleichzeitig in dieser Blogsauce einfach nur ein antisemitisches Stereotyp nach dem anderen aufgewärmt, dessen tatsächliche Geschichte aber ignoriert wird. Und das alles anhand einer derart billigen Instrumentalisierung Israels, die jegliche ernstzunehmende Solidarität mit dort lebenden Juden schlicht ausschließt – um eben nix anderem als übelstem Rassismus die Bahn frei zu schießen, völlig richtig. Dass Idioten wie diese Duisburger Antisemiten aus der Linkspartei denen dann auch noch Futter geben, schlimm genug. Nur daß Lizaswelt und Konsorten ja gerade aktiv verhindern, analytsich zu prüfen, wo bei konkreten Kritiken an israelischem Regierungshandeln z.B. nun tatsächlich Antisemitismus vorliegt und wo nicht.

    Du weißt das alles, das richtet sich gerade an ein anderes Publikum 😉 – bei hagalil war gerade eine teils wirre, teils sehr erhellende Analyse darüber, wie die Pro-„Parteien“ und deren Umfelder, also die Neuen Rechten, die nicht in FDP oder CDU/CSU gebunden sind, gezielt Strategien wie jene von Lizas Welt, den Neo-Reacs in Frankreich und den ganzen Politically Incorrect-Franseln aus den USA adaptieren. Bei Rhizom findet sich wie üblich auch wieder Interessantes dazu. Das ist einfach eine andere Form von rechtsextrem.

  17. che2001 Mai 2, 2011 um 10:08 pm

    Diese andere Form von rechtsextrem zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie eine andere Klientel bedient als die Stiefelnazis oder auch das Burschenschaft- bis Thule-Spektrum und die klassische Neue Rechte. Die Stiefelnazis sind, um mit Beck und Heitmeyer zu sprechen, auch wenn deren Ansätze politisch viel zu kurz greifen (sind halt soziologische Ansätze, die politische Strategien und Machtverhältnisse zu wenig reflektieren) „Modernisierungsverlierer“, die den Zumutungen einer neoliberal-deregulierten Moderne völkische Ausgrenzungsmodelle und eine Volksgemeinschaftsidylle entgegensetzen und sich sozial eher aus von Deklassierung bedrohten unteren Mittelschichten und bereits unten Angekommenen rekrutieren, die Burschis bis Arioesoteriker gehören zur akademischen Mittelschicht mit stockkonservativen Wertvorstellungen, die an die nationale Altrechte andocken, die Neuen Rechten alten Typs sind Angehörige einer intellektuellen Elite, die Netzwerke mit allen übrigen genannten rechten Gruppen bilden und eine geistige Vorherrschaft von ganz rechts anstreben. Die Pro-Leute und ihr teils neokonservatives, teils rechtsliberales und teils Hardcore-antideutsches Umfeld verkörpern einen Wohlstandsrassismus, der mit Elementen liberaler, linker oder kulturkonservativer Kritik spielt, sie bündelt und neu zusammensetzt. Dies dient ganz direkt den Interessen der eigentlich herrschenden Klasse und ist eben nicht primär (sekundär schon, in Form von heraufbeschworener Xeno- Homo- und Sonstwas-Phobie) Ausdruck der Ängste sich ausgegrenzt fühlender Ewiggestriker, sondern gibt sich modern, sucht den Anschluss an Herrschaftsdiskurse und verachtet die alte Rechte. Alles auch nicht neu: Für von Papen war Hitler links, die Stinnes und Krupps und Thyssens waren durchaus wirtschaftsliberal in einem sehr elitären Sinne und sahen die Nazis als Mittel zum Zweck. So ähnlich formiert sich heute eine ganz neue Rechte. Und genau das ist nun wirklich Extremismus der Mitte. Ich weiß noch, wie ich von Linken aus dem Wertkritik-Umfeld angepault wurde, als mein Postulat, der Ethnopluralismus im Sinne von feststehender Fremdheit bestimmter Kulturen/Gesellschaften wäre ein Spezifikum der Neuen Rechten von denen zurückgewiesen wurde, weil die Gesellschaft für die Bedrohung der Völker und die BaWü-Grünen auch ethnopluralistisch argumentierten: Ja eben, deswegen!

  18. kleinertod Mai 2, 2011 um 10:17 pm

    Gegen eine Verlinkung von Lizaswelt zum Thema Racial Profiling, ob direkt oder indirekt diesbezüglich Thema, hätte ich hier auch nichts, denn ich weiß nicht, auf welchen Beitrag sich hier bezogen wird.

    Ich würde es begrüßen, wenn gegen polizeiliche Willkürmaßnahmen gerichtlich vorgegangen würde – gerade in einem solchen Fall wie der getwitterte wäre es vielleicht erfolgsversprechend, das Titelthema auch mal in einem solchen Verfahren heranzuziehen. Wobei Willkür bekanntlich deswegen häufig durchgeht, weil sie gekonnt hinter vorgeschobenen Gründen sich verstecken kann. Dann war es beispielsweise ein vom Polizeibeamten wahrgenommenes bzw. behauptetes aggressives Auftreten des Iranischstämmigen o.ä. – Papier ist geduldig und Richter glauben Zeugenaussagen von Polizeibeamten besonders gerne. Nur – wer sich nicht wehrt…

  19. momorulez Mai 2, 2011 um 10:23 pm

    @che:

    Ja, Danke für die Analyse! Diese „antideutschen“ Jungspunde aus den Fankurven sind ja, so scheint es mir zumindest, tatsächlich zumeist Bürgersöhnchen, die dann von 16-25 ein bißchen einen auf wild machen, mit diesen neu-neurechten Versatzstücken gewappnet, die sich als Antisemitismuskritik tarnen und so tun, als hätten sie was gegen rechts, im Grunde genommen ideologische Zukunftssicherung betreiben, indem sie aufstrebende, neue Schichten rassizifieren mittels vermeintlicher „Islamofaschismuskritik“ und sich dadurch schlicht Konkurrenz vom Hals schaffen, die ihren Status als Bildungs- und Besitzbürgerkinder infrage stelle könnte. Also auch nix anderes als Scheuerl und seine Gymnasialinitiativen, zudem noch aufgeladen mit einem emphatischen „gegen links!“, das sich als innerlinker Distinktionsüberbietungswettbewerb behauptet, aber eben einfach rechts steht. Die finden ja mittlerweile Randbemerkungen von Kommunisten in der Weimarer Republik historisch relevanter als Eichmann oder Himmler, die durch diese Agitation völlig aus der Diskussion verschwinden.

    Das ist so eine eklige Spießerwelt … und die Polizei agiert das einfach nur aus.

  20. che2001 Mai 2, 2011 um 10:26 pm

    … lebt verkehrt. Ich habe oft genug mitbekommen, wie Westafrikaner wegen ihres Schwarzseins von Polizeibeamten, aber selbst kirchenbewegten Linksliberalen als Drogenhändler wahrgenommen wurden, von Vornherein! Ging ja selbst schon mal in Ägypten als Jugoslawe durch, weil die sich einfach nicht vorstellen konnten, dass sich andere Weiße mit Ziegenhirten zum Backgammonspielen zusammensetzen.

  21. momorulez Mai 2, 2011 um 10:42 pm

    @Kleinertod:

    Lizaswelt würde ich genau so wenig verlinken wie Politically Incorrect, das ist eh alles eine Sauce. Wer „Araber und andere Tiere“ nicht etwa kritisch als Überschrift wählt, hat keine Verlinkungen verdient. Der hat schon vor 5 Jahren mit den Rechtsliberalen vom Antibürokratieteam, den Bissigen Liberalen, Spinnern wie Martin Hagen und diesen Think Thank-Multiplikatoren von der „Achse des Guten“, die beste Beziehungen zu Springer und SpOn pflegen und wirklich Fatales in der Mainstream-Publizistik verbrochen haben, gekungelt.Broder nehme ich da irgendwie immer noch aus, trotz allem, der altert einfach schlecht.

    Und das mit dem Wehren: Die Einstellung des Ermittlungsverfahrens im Falle der Jolly-Reizgas-Vernebelung sagt doch alles. Die Staatsanwaltschaften sind halt auch Teil der Exekutive und längst maßgeblich rechtsprechend tätig; Gewaltenteilung gibt es doch in Strafrechtsverfahren gar nicht wirklich, und um das ginge es hier ja wohl, korrigier mich. Ich frage mich immer eher, ob das öffentliche Meinungsklima nicht doch beeinflussbar ist, aber da braucht man doch nur einzelne St. Pauli-Blogs lesen und weiß, wie verblendet die Leute sind. Den direkten juristischen Weg halte ich z.B. im Arbeitsrecht für gangbar, aber nicht bei solchen Fragen. Selbst, wenn sich Leute in Abschiebehaft umbringen, interessiert das im völkischen Deutschland kein Schwein. Die meisten finden es doch richtig, wenn man diesen „machistischen, voraufgeklärten Messerstechern“ die ganze „Härte des Gesetzes“ angedeihen lässt.

  22. momorulez Mai 2, 2011 um 10:48 pm

    @Che:

    Ich find Backgammon aber auch doof 😀 … ich spiel ja lieber Doppelkopf.

  23. che2001 Mai 2, 2011 um 11:12 pm

    Für Kartenspiele bin ich zu blöd. Schach, Dame, Backgammon verstehe ich, aber nicht diesen Kartenkrams mit den komischen Zahlenwerten. Auf „Contra, Re“ würde ich antworten „Hirsch, Karibu, Elch, Bison!“

  24. momorulez Mai 2, 2011 um 11:22 pm

    Bei Doppelkopf reizt man ja nicht, das macht man bei Skat … und es ist zudem ein geradezu matriachales Spiel, weil die Damen höhere Trümpfe sind als die Buben, und die Könige sind noch nicht mal Trümpfe. Lediglich die Herz 10 ist aus unerfindlichen Gründen den Damen übergeordnet. Okay, man kann das Ganze auch mit Schwein und Super-Schwein spielen 😀 …

    Zusammen spielen, was man anfänglich aber nicht weiß, die beiden Kreuzdamen. Kann man sogar als „Aufbrechen von Heteronormativität“ deuten 😉 – zudem es auch die „heimliche Hochzeit“, wenn man beide Kreuz-Damen hat, gibt, wie auch die herrliche Regel „der erste Fremde geht mit“ – 😀 . War mir alles bis heute gar nicht aufgefallen. Füchse fangen kann man auch.

    Das macht wirklich Spaß!

  25. che2001 Mai 3, 2011 um 7:20 am

    Wie gesagt, ich begreife es einfach nicht. Ich würde alle Karten offen nebeneinander auf den Tisch legen und meine Mitspieler fragen „Und nu?“. Die einzigen Kartenspiele die ich verstehe sind die alten Quartette meiner Kindheit, wo die Zahl der Kanonen oder Segel eines Schiffes oder die Geschwindigkeit oder Passagierzahl eines Flugzeugs stach.

  26. Ali Schwarzer Mai 3, 2011 um 10:01 am

    Zur Sache mit der Verlinkung: Ich finde schon, dass man auch zu Lizas Welt verlinken sollte, so was gehört dazu, wenn man über etwas oder jemanden berichtet. Ich z.B. kenne Lizas Welt noch gar nicht, und empfinde es als nutzerfreundlich, wenn ich gleich zum betreffenden Artikel verwiesen werde, damit ich mir auch darüber meine eigene Meinung bilden kann.

    Zum unsäglichen racial profiling: Davon kann ich ein Lied singen. Besonders beliebt ist das anscheinend bei bayerischen Polizisten. Zumindest bin ich von denen ziemlich oft auf der Autobahn und im Zug „bevorzugt“ behandelt worden.

  27. momorulez Mai 3, 2011 um 10:13 am

    Auf die meisten Seiten linke ich ja auch; ab irgendeiner rechten Grenze aber nicht mehr.

    Die Erfahrung aus Bayern teilt mein schwarzer Kompagnon auch. In Hamburg ist das aber kaum noch anders, vor allem im Falle von Youngstern und „Heranwachsenden“. Aber wenn ich mit m einem Kompagnon durch den Hafen fahre, checkt der sofort, ob er seinen Ausweis dabei hat. In Ochsenwerder hat er ständig die Polizei hinter sich hängen. Das ist echt drastsich.

    Danke aber für die Bestätigung! Das sind so Sachen, die Weiße, die das auch Scheiße finden, tatsächlich nicht mitbekommen.

  28. Ali Schwarzer Mai 3, 2011 um 10:26 am

    Oh Gott, zerstör mir nicht das Ansehen einer meine bevorzugten Städte. *kreisch* Wenn ich endlich mit dem Studium fertig bin und den Osten verlassen kann, wollte ich eigtl. bevorzugt nach Hamburg ziehen, falls es da mit einem Job klappt. Bisher hatte ich gute Erfahrungen in Hamburg gesammelt, sogar die Polizisten waren nett. Ich habe die Hoffnung, dass es da lässiger zugeht.

    Das mit dem Ausweis kann ich übrigens bestätigen. Ohne Ausweis gehe ich nie aus dem Haus. Allein schon deshalb, weil mein Bruder am Leipziger HBF nicht nur einmal abgeführt wurde, als er ohne Perso „aufgegriffen“ wurde.

  29. momorulez Mai 3, 2011 um 10:34 am

    Oha … zu Erwachsenen im innerstädtischen Bereich, so weit diese sich an die üblichen, von Rastafaris oder „Unterschichten“ abgrenzenden Bekleidungscodes halten, ist die Polizei wohl auch neutral bis nett. Das ändert sich aber oft im Umland, wo einfach weniger Schwarze unterwegs sind. Und mir scheint es so, als würden sie sich im Moment insbesondere auf solche, die wie „Araber“ oder „Türken“ aussehen, einschießen. Das erzählen Taxifahrer oft, dass sie ungleich häufiger als ihre reinweißen Kollegen kontrolliert würden. Da habe ich auch schon offenkundige Demütigungsaktionen (Alkoholkontrolle) mittags mitten auf dem Schulterblatt sehen müssen. Da hat sich in den Nullerjahren, seit Schill, echt was verschlimmert, und seit Sarrazzin noch mal.

    Hamburg ist trotzdem ungemein liebens- und lebenswert! Die rassistisch durchsetzte Polizeistaatlichkeit ist aber drastisch geworden.

  30. Ali Schwarzer Mai 3, 2011 um 11:05 am

    *woohoo* Afro scheint in HH also zur akzeptierten Norm zu gehören! 😀

    Klar, „die Türken“ und spätestens seit 9/11 „die Araber“ und „die Moslems“ gelten nicht als deutsch, und damit gehören „die“ hier nicht her. Ich kann mir also sehr gut vorstellen, dass sich die Beamten besonders auf diese Klientel einschießen.

    Aus Leipzig kenne ich das nicht, dafür haben wir einfach zu wenige Ausländer bzw. nicht ins Bild eines Deutschen passende Menschen. Ich habe hier nie einen Taxifahrer gesehen, der nicht weiß war. In HH habe ich dagegen zum ersten Mal einen schwarzen Taxifahrer gesehen. Ich war fasziniert. 😀

  31. momorulez Mai 3, 2011 um 11:38 am

    Das sind auch tatsächlich sehr viele schwarze Taxifahrer. Im innerstädtischen Bereichen ist es sowieso sehr „vielfältig“, liest sich immer bescheuert, geworden. Zum Glück. Das tut gut. Ahne manchmal nur, was schwarze Frauen so alles erleben, manches wurde mir berichtet, da schlackern einem schon die Ohren. Schön auch, mit einer Freundin inmitten einer Kneipe voller PoC zu sitzen, und zwei weiße Mädels fragen sie, ob sie nicht bei VIVA moderieren würde 😀 – die Klischees gibt es auch.

    Nee, angenehmer als Leipzig ist es hier trotz alledem für PoC, glaube ich zumindest. Trotz allem. Sind halt zu viele mittlerweile, als dass die Repression ohne Gegenwehr hingenommen würde. Zum Glück.

  32. che2001 Mai 3, 2011 um 9:51 pm

    In Städten wie Hannover, Osnabrück, Braunschweig, Göttingen oder Kassel sind wohl die Mehrzahl aller Taxifahrer iranischer, nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Wenig Schwarze, aber auch wenig „Urdeutsche“.

  33. Loellie Mai 3, 2011 um 9:56 pm

    Der Kommentar von Goldie Taylor in der Rachel Maddow Show passt wie Knüppel aufn Kopp zum Thema.

    http://www.youtube.com/watch?v=UxC0smnM1v8

  34. che2001 Mai 3, 2011 um 10:33 pm

    Passt wie Arsch auf Eimer. Ice T auf „Ice T featuring Body Count: Statiscally more young male Afro-Americans are in prison than on the college. Now sports…“

    Donald Trump knüpft ja ein kleines bisserl an diese Tradition an: „Wer Jude ist, bestimme ich“ (H. Göring)

  35. kleinertod Mai 4, 2011 um 8:06 am

    Dies fand ich auch zum Thema passend: http://www.stern.de/politik/deutschland/fluechtlinge-aus-nordafrika-rechtspopulisten-gefaehrden-schengen-abkommen-1680894.html Wegen dem „massiven Rechtsruck innerhalb der EU“ („Gemeint sind die rechten, zum Teil islamophoben, in jedem Fall aber ausländerfeindlichen Bewegungen, die sich auf dem Kontinent breit machen.“) solle ein „europäisches Ein- und Ausreise-System“ kommen wonach „Bürger aus Drittstaaten, also Flüchtlinge,“ (!!!!) „künftig zentral registriert werden“… Wahrscheinlich werden zukünftig wieder alle EU-Bürger ihre Papiere im Grenzverkehr vorzeigen müssen, wobei die Hautfarbe bzw. ein islamisches Äußere dann zu einer näheren Kontrolle führen wird – schließlich soll mit dieser Einschränkung die Flüchtenden der Nicht-(in Augen der Poliker: Weißen)-EU-Welt von den EU-Bürgern getrennt werden… Wenn das nicht alles eine Zementierung des racial profiling auf EU-Ebene ist?

    Was das juristische Wehren gegen solche polizeilichen Maßnahmen anbelangt, so steht vor Gericht ja leider häufig die Auffassung entgegen, daß mit juristischen Mitteln der Rechtsstaat versucht werde aufzuheben und die Polizei ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen könne, wenn man sie zu sehr überwache und einschränke. Diesen Gedankengang gilt es vor Gericht aufzubrechen und aufzuzeigen, daß der Einzelfall eben doch einen nicht hinnehmbaren Übergriff darstellt, der in einem Rechtsstaat abgelehnt werden muß. Diese juristische Fechterei findet quasi unausgesprochen in den Köpfen statt, kann ab und an gewonnen werden, auch wenn die Chancen dafür sehr schlecht stehen, eben weil die Polizei die genannten Möglichkeiten hat, sich dem zu entziehen durch „clevere“ Ausreden und auch, weil es politisch nicht gewollt ist, daß die Exekutive von der Judikative „zu sehr“ überwacht wird – sonst wäre so etwas wie eine (DRINGEND NOTWENDIGE) Kennzeichnungspflicht von Polizisten keine politische Forderung, sondern eine Selbstverständlichkeit.

    Es läuft vieles falsch in unserem Land und in der EU – und dahinter steht ein gewaltiger Rechtsruck, der weit über die rechte „Mitte“ hinausgeht. Derartiges läßt sich seit Jahren beobachten wie durch die schleichende Neudefinition von „linksextremen Positionen“, die man vor kurzem noch Grundrechte nannte…

  36. momorulez Mai 4, 2011 um 10:17 am

    @Loellie:
    Danke. Ja.

    @Che:

    Das Bodycount-Album, das erste, ist eh ein Jahrhundertwerk.

    @kleinertod:

    Hatte den Artikel auch schon retweetet, Danke.

    Und gerade diese absurde Vorstellung des „zu viel Rechtsstaat“ ist immer wieder unglaublich und erschütternd – während ja zugelich in absurdester Hinsicht People of Coulour abverlangt wird, die Verfassung als Quasi-Gewissen zu internalisieren, als würde die sich nicht primär an den Gesetzgeber und die Exekutive richten als positive Pflicht, während die aus ihr folgenden Einzelgesetze allenfalls als negative für Menschen gelten. Da wird ein Verhältnis komplett umgedreht: Gerade die, an die insbesondere die Schutz-Paragraphen, eben Schutz vor staatlichen Übergriffen, gerichtet sind, entziehen sich ihnen, bürden aber umgekehrt exkludierten Bevölkerungsteilen die indivdiuelle Internalisierung auf. Das ist eine Groteske. Eine ganz besonders boshafte.

    Und zum Thema Exekutive versus Verfassungsgericht ist auch das wieder typisch, wenn auch ein anderes Feld:

    http://www.tagesschau.de/inland/sicherungsverwahrung206.html

    Und genau die Nasen, die ständig vom Bundesverfassungsgericht der Verfassungsfeindlichkeit überführt werden, formulieren dann irgendwelche Extremisklauseln. Absurdes, verlogenes Theater.

  37. che2001 Mai 4, 2011 um 11:07 am

    Alter Antira-Witz: Polizist fragt Schwarzen auf der Straße: „Können Sie sich ausweisen?“ „Wie, muss man das jetzt auch schon selber tun?“

  38. Thegurkenkaiser Mai 5, 2011 um 4:00 pm

    @momorulez:
    „Das ist einfach eine andere Form von rechtsextrem.“

    Eben ja gerade nicht! also wenn jetzt sozusagen in einem kleinen moment der Ehrlichkeit durchscheint, dass das ganze trara um Religion und „Kultur“ weggelassen wird und man Leute beklatscht, die andere schlechter behandeln, weil sie dunklere hauttönungen oder haarfareben haben – nichts anderes bedeutet ja „racial profiling – dann ist das die ganz normale, altmodische Form von rechtsextrem

  39. momorulez Mai 5, 2011 um 5:09 pm

    Im Effekt ja. In der Herleitung gibt es schon Differenzen 😉 …

  40. TheGurkenkaiser Mai 5, 2011 um 6:09 pm

    soweit ich mich erinnere war die begündung von liza „Alle terroristen sind araber“, ein empirischer satz, ein falscher noch dazu. insofern kann er für die Herleitung auch nicht gerade viel an hirnaktivität für sich verbuchen.

  41. momorulez Mai 5, 2011 um 7:55 pm

    Oft operieren solche Nasen ja auch ganz pfiffig mit „Korrelationen“ oder „Wahrscheinlichkeiten“. Das sind ja alles Muster, die von der „Argumentation“ gegen Schwarze in den USA Übernommen sind, ich glaube, bei Liza war das auch ein „Gastartikel“. Das ist oft auch der Unterschied zu den alten Nazis hier, dass viele der US-„Argumentationen“ – da schreiben Leute wie Liza ja ab, bei den rechtsradikalen Thing Thanks – schon als Sich-Abarbeiten an Political-Correctness-Ideen entstanden ist, auf all den whm-Feldern, bei der Agitation gegen Feminismus oder queeren Ansätzen ist das ja ähnlich.

    Wobei der Antisemitismuss des Kaiserreichs, den Leute wie Liza ja auch kopieren, auch schon eine völkisch-nationalistische Reaktion auf die rechtliche Gleichstellung von Juden war. Was auch zur Dramatik der ganzen Nummer beiträgt, dass die, die heute mit Worten wie „Zionismus“ um sich schmeißen, genau die sind, wegen derer die zionistische Bewegung entstanden war. Weil man sich genau solche Arschlöcher nicht mehr geben wollte als Jude.

  42. che2001 Mai 6, 2011 um 10:52 am

    Mit „Korrelationen“ und „Wahrscheinlichkeiten“ haben schon die Rassenhygieniker argumentiert, das ist so ganz und gar nicht neu. Das Gedankengut der Bell Curve ist schon bei Eugen Fischer angelegt.

  43. Sonnenstrahl Mai 6, 2011 um 6:38 pm

    Habe mal eben herumgegoogelt, wer denn dieser Eugen Fischer war. Erstes Erschrecken: Dieser Nazi und Massenmordfreund bekam noch 1952 und 1954 bedeutende Ehrenmitgliedschaften in deutschen Forschungsgesellschaften. Zweites Erschrecken: Seine eugenischen Leitsätze aus dem Jahr 1929 lesen sich wie eine direkte Vorlage von Thilo Sarrazin. Ich bin sehr versucht, Thilo Sarrazin für einen direkten Nazi zu halten.

  44. che2001 Mai 6, 2011 um 11:44 pm

    Eben davon rede ich die ganze Zeit. Und habe über Fischer und solche und deren Nachkriegskontinuitäten promoviert. Sarrazin ist Rassenhygiene. Und das Mordprogramm der Nazis war Ausfluss der Humanbiologie der Zwanziger, was aber außerhalb der kritischen Anthropologie und der sich damit befassenden Geschichtsforschung kaum jemand weiß. Gründungstext dieser Richtung war neben dem Baur/Fischer/Lenz eines der in den Zwanzigern in Deutschland meistverkauften populärwissenschaftlichen Bücher: Binding/Hoche: Die Freigabe der Tötung lebensunwerten Lebens, ihr Maß und ihre Form. Der größte Massenmord der Menschheitsgeschichte fusste auf einem Programm, das Sarrazin wieder aufgreift. Glatzköpfige Stiefelnazis sind damit verglichen harnlos.

  45. workingclasshero Mai 7, 2011 um 12:08 am

    Bei jeder Schweinerei ist deutsches Geld dabei, Rüstung und Völkermord ist BRD-Export.
    Heckler&Koch, Milan, Marder, Typhoon, aus allen Waffenschmieden der Nation nur geballte Produktion.
    Drum nehmt Eure Waffen her, richtet das Sturmgewehr auf all die Herren im Frack, das Bonzenpack!

  46. bersarin Mai 7, 2011 um 8:33 am

    @ che
    „Glatzköpfige Stiefelnazis sind damit verglichen harnlos.“ Strukturell stimmt das auf alle Fälle. Wenn man die Stiefelnazis jedoch in seinem Umfeld wohnen hat, sind sie leider nicht mehr ganz so harmlos, zumindest auf der empirisch-faktischen Ebene der reinen Tathandlung.

    Ich hoffe andererseits, sie sind derart „harnlos“, daß sie innerlich vergiften, verrotten und dadurch dann verrecken. Insofern: ein wunderbarer Verschreiber, der wieder einmal die Wahrheit in der Verschreibung anzeigt und damit eben die „Wahrheit“ der Dekonstruktion 😉

  47. momorulez Mai 7, 2011 um 9:03 am

    Hast Du Nachbarschaftsprobleme? Habe auch gerade irgendwo die Story einer Familie, die eine Stadt verlassen musste, gelesen, weil sie permanente Drangsalierung irgendeiner Nazi-„Community“ erleben musste, nachdem sie deren Aufkleber irgendwo abgerissen hatten … und ein nicht unbekannter Blogger musste irgendwann aus seiner Erdgeschosswohnung ausziehen, weil er es seiner Frau nicht mehr zumuten konnte, dass ständig Glatzen davor standen und seine Frau bedrohten. So ungefähr.

    Die (nicht dekonstruierbare) Wahrheit liegt ja im Verhältnis zwischen den institutionellen und medialen Strukturen, die einen Sarrazin hervor gebracht, und der Legitimation, die eben diese Strukturen permanent für das Handeln der Glatzen UND der Mitte Hand in Hand erzeugen und Glatzenhandeln permanent als legitimieren. Was sich ergänzend und paradox als Positionierung gegen „Extremisten von links und rechts“ behauptet, symptomatisch die Rostocker Suptras und Kristian Schröder, indem sie Rassehygieniker wie Sarrazin jedoch als „Mitte“ behauptet und implizit „Wutbürgertum“, „irgendwer sagt es mal!“, „Rechts“ irgendwo verorten, wo es kaum eine Rolle spielt. Und: Hauptsache gegen links. Da reichen sich Antideutsche und Scheuerle die Hand.

  48. bersarin Mai 7, 2011 um 10:09 am

    Nein, nein, die habe ich zum Glück nicht, aber in Berlin kannte ich Menschen, die welche hatten und ich selber bin gegen Abend hin nicht mehr in die Städte Brandenburgs gefahren (Ausnahme: Potsdam). Das Glatzenproblem gab es für mich eher in den Punk- und in der Wendezeit durch die Zonis (nein, das ist ein böses Wort, ich nehme es zurück), die (teils) aus dem Westen unterfüttert wurden. Seit dem Studium bin ich aber ruhiger geworden und widmete mich den Texten.

    Was die Antideutschen eigentlich wollen und weshalb sie sich links nennen, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich habe jetzt kürzlich auf Empfehlung des Nörglers in einem der Blogs Wolfgang Pohrts Aufsatz „FAQ“ gelesen. Es ist dies ein sehr guter Text. Und da habe ich mit dann gleich mehr von Pohrt besorgt. Ich kannte ihn lediglich von früher aus einigen Artikeln in „konkret“, in den frühen 80er, glaube ich.

    Dieses Verhältnis von institutionellen und medialen Strukturen scheint auch mir zentral zu sein, weshalb es wichtig ist, wenn Gegendiskurse geschaffen werden und Begriffe neu besetzt werden. Ich neige zwar eher zum Pessimismus und zum Verstummen, aber andererseits: Versuchen muß man es dennoch, und insofern hat der von mir hier bereits genannte Satz von „Ton Steine Scherben“ immer mehr Bedeutung: „Allein machen sie dich ein“. (Auch wenn in diesem Songtext sicherlich viel Idealisierung mitschwingt. Mein Changieren zwischen Beckett und Brecht.)

    So, ich gehe jetzt offline und in meine Bücher, sonst komme ich heute nicht mehr zum Lesen.

    Dir viel Spaß heute bei FC St. Pauli (nicht 1er. ich habe es jetzt gelernt) gegen Bayern München. Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns, nach Benjamin, überhaupt nur die Hoffnung gegeben.

    Die Isar, so sagte Beckett bei seinem Deutschlandbesuch in den 30ern, ist verglichen mit Main und Donau nur eine Pissrinne. (Gestern in Kulturzeit auf 3sat). Beckett mochte München nicht so sehr.

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