Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Und noch eins drauf …

„Der international umstrittenen Reform stimmten 262 Parlamentarier zu, 44 lehnten sie ab. Sie definiert die Ehe als eine „Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau“. „Den wichtigsten Rahmen des Zusammenlebens“, heißt es in der Präambel, bildeten „Familie und Nation“. Die „Familie“ sei die „Grundlage der Erhaltung der Nation“, die Entscheidung fürs Kind werde gefördert.“

Es sei ergänzt, dass exakt das die Position der CDU war, aufgrund derer sie gegen die „Homo-Ehe“ vor das Bundesverfassungsgericht zog. Der Definition von „Ehe“ als „Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau“ hat sich dieses auch angeschlossen, warum auch immer, das jedoch nicht Grund anerkannt, alternative Rechtsinstitutionen zu schaffen. Dem Verbot der „Homo-Ehe Verfassungsrang zuzuerkennen hat die CDU sich bisher nicht getraut, ganz anders als die US-Republikaner – eine Propagandaschlacht folgte, die u.a. zur Wiederwahl von George W. Bush führte. Nun hat auch Obama sich nicht mit Ruhm bekleckert, dass freilich in Texas schon wieder einige die Kriminalisierung „homosexueller Handlungen“ fordern, sei ergänzend erwähnt und ist nur eine logische Folge dieser ganzen Debattenlage.

„Der freie, aufgeklärte Westen und seine christliche Tradition“, harharhar. Alles klerikalfaschistische Nationalisten, ganz wie unter Franco.

Insofern ist „international umstritten“ schon ganz richtig geschrieben: Ziemlich viele finden das auch ziemlich gut. Womit sich eine ganz alte Frage stellt: Wofür brauchen die das? Wieso sich an den Lebensentwürfen anderer Leute mit solch Inbrunst abarbeiten?

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7 Antworten zu “Und noch eins drauf …

  1. pantoffelpunk April 19, 2011 um 12:51 pm

    OMG! Wenn „Familie“ die „Grundlage der Erhaltung der Nation“ ist, dann schäme ich mich ein bisschen für die Gründung einer solchen.

    Sorry, Leute, kommt nicht wieder vor.

  2. kleinertod April 19, 2011 um 12:53 pm

    Eine Verfassung sollte die Grundlage des Zusammenlebens der Gesellschaft festhalten und keine Diktatur der Mehrheit gegenüber Minderheiten und sich gerade in der Minderheit befindlichen Gruppierungen darstellen. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn ein Land sich gleichgeschlechtliche Partnerschaften als allein schützenswerte verfassungsmäßig verordnen und heterosexuelle Bünde per se verbieten würde… Nur weil eine Mehrheit dahintersteht, wird daraus nicht durch Gesetzgebung bzw. Verfassungsänderung Recht. Womit ich nicht die formaljuristische Ebene meine, sondern die Verletzung der fundamentalen Menschenrechte. Den Gleichheitsgrundsatz zu umgehen, indem man einige als gleicher definiert, ist nichts anderes als ein Aushebeln – und dies erleben wir hier.

  3. momorulez April 19, 2011 um 1:33 pm

    @Pantoffelpunk:

    Na, auf die zentrale Scharnierfunktion der bürgerlichen Kleinfamilie im Zuge der kapitalistischen Reproduktionsmaschinerie wäre ja ergänzend einzugehen 😉 … klar sollte freilich sein, dass wohl kaum die Lebensformen von Männern und Frauen, die „homosexuell“ leben, Dein Glück in irgendeiner Form infrage stellen könnte. Oder? 😉

    @kleinertod:

    Es gab ja in den 50ern wirklich skandalöse Verfassungsgerichtsurteile zum „§175“, die fundamental anders ansetzten. Zumeist aufgrund des „besonderen Schutzes der Familie“ wie auch unter Rekurs auf das „Sittengesetz“, das als systemfremdes (hegelianisches) Einsprengsel sich in den (ansonsten kantianischen) Grundrechtsartikeln findet. Und die CDU ist bis heute gegen einen expliziten Diskriminierungsschutz für Lesben und Schwule im Grundgesetz, unter Verweis auf vermeintlich ausreichendes EU-Recht wie auch einen möglichen kulturellen Wandel, der wieder einsieht, dass das doch Abartige sind. Die sind sogar so volldreist gewesen zu behaupten, ein solcher Diskriminierungsschutz könne die „Integration“ von „Migranten“ erschweren – der entsprechende CDU-Sachverständige ist Mitglied von Opus Dei, Verfassungsrichter in Sachsen-Anhalt und Jura-Professor. Auch der Bundesrat hat jüngst die Gleichstellung im Falle des Einkommensteuer- und Adoptionsrechtes zurück gewiesen. Die Unionsparteien sind viel näher an diesen ungarischen Rechten, als ihre allgemeine Rhetorik vermuten lässt.

  4. ziggev April 19, 2011 um 5:21 pm

    „Grundlage der Erhaltung der Nation“ hat mich schon immer verwundert und ich denk dann jedesmal, die seien etwas verklemmt und trauten sich es nicht zu sagen, wie das Kleine Arschloch, das der versammelten Elternschaft bei einer Schulveranstaltung zuruft: „ihr habt alle gefickt!“

  5. Loellie April 19, 2011 um 5:46 pm

    Ich kann den ja auch nicht wirklich leiden, aber wenn wir schon beim 175er sind, ist der folgende Artikel sehr interessant. Es ist ja nicht so, als hätte der „Experte“ der FDP damals im Bundestag seinem Kollegen von der Union widersprochen.

    http://www.stevenmilverton.com/2010/10/02/thomas-dehler-fdp-masnahmen-gegen-homosexuelle-manner/

    Und zu Obama noch was von Bill Maher. Das ist ja alles traurig genug.

    http://www.youtube.com/watch?v=ex0tRu_6hig

  6. Hans Juli 28, 2011 um 11:36 pm

    Habe mir beim Überfliegen des Textanfangs gedacht „warum kramt den da einer was von 1900 raus und will das hier noch mal diskursiert haben?“. Und dann lese ich auf der verlinkten Seite weiter…. traurig, traurig.

  7. Hans Juli 28, 2011 um 11:37 pm

    und natürlich muss es denn heissen. gute nacht.

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