Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Gefährlich sind immer die „Normalen“ …

„Auch der Mitgliederverlust bei der rechtsextremen NPD setzt sich fort. „Die Partei hat Ende 2010 noch 6600 Mitglieder gehabt. Das sind 300 weniger als im Jahr zuvor und 600 weniger als zu den besten Zeiten der NPD im Jahr 2007.““

Wozu auch in den NPD eintreten, wenn der Herr Sarrazin bei Anne Will agitiert und der Innenminister in rechtspopulistische Hörner tutet? Ist ein wenig wie bei der FDP: Da außer der gemäßigt sozialdemokratischen Linkspartei keiner mehr neoliberalen Doktrinen widerspricht, sondern alle eifrig nachplappern, braucht die halt keiner mehr. So ist das mit dem Extremismus der Mitte: Der saugt jede Jauche auf wie ein Schwamm und sorgt dafür, dass auch ja keiner merkt, wie weit nach rechts die Republik längst gerückt ist.

Das ist das Zwiespältige an den Blockaden von Nazi-Aufmärschen – so lange man nur auf diese glotzt, entgeht eben, was an Initiativen gegen Schulreformen strukturell rechtsradikal ist. Man fühlt sich in der eigenen Widerständigkeit bestärkt und kann sich gemütlich zurück lehnen, wenn in Abschiebknästen sich die Menschen umbringen  … es sind nicht nur die rechten „Ränder“, die zum Faschistoiden neigen. Die „Autonomen Nationalisten“ agieren allenfalls aus, was der Mainstream etwas gemäßigter denkt. Exakt das war in der bundesrepublikanischen Nachkriegsgeschichte immer schon der alles entscheidende Unterschied zu den Linksradikalen. Ein Franz-Josef Strauss konnte Kanzlerkandidat werden.  Ein linkes Pendant fiele mir nicht ein … gefährlich sind immer die „Normalen“. Denn die setzen sich durch.

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13 Antworten zu “Gefährlich sind immer die „Normalen“ …

  1. Nörgler April 18, 2011 um 12:38 pm

    Die extremistische Mitte mag die NPD nicht, aber sie mag, was die NPD vertritt.

  2. David April 18, 2011 um 8:38 pm

    Heterosexuelle Familie ist wie Klassenfahrt: Entweder fahren alle, oder keiner!

    Damit das mal klar ist.

  3. momorulez April 18, 2011 um 8:40 pm

    Ich bin damals in der 13. aber auch nicht mit auf Klassenfahrt gefahren …

  4. David April 18, 2011 um 8:43 pm

    Wieso denn, wenn man fragen darf?

  5. momorulez April 18, 2011 um 8:55 pm

    Die offizielle Variante war „zu teuer“, ging nach Cap d’Antibes. Die inkffizielle, dass ich die unmittelbar postpubertären Rituale Heterosexueller nervtötend fand 😀 – habe absurderweise noch Fotos aus dem Abi-Jahrbuch vor Augen, wo irgendwelche Deppen es karnevalesk zum Brüllen komisch fanden, sich aufzutransen. Aber so ganz anders komisch als Lilo Wanders. Das wollte ich mir nicht geben.

  6. alterbolschewik April 18, 2011 um 10:37 pm

    Ich lese ja gerade – blog-bedingt – mal wieder eine ganze Reihe von linksradikalen Texten aus den 50er und 60er Jahren. Und was mich wirklich ganz unmittelbar erschreckt ist die Tatsache, wie aktuell diese ein halbes Jahrhundert alten Diagnosen wieder erscheinen: Nämlich die einer Gesellschaft, die selbst ihre Opposition vollständig aufgesogen und integriert hat. Außer ein paar scheinbar spinnerten Künstlern und Philosophen stellte damals niemand die Frage, ob nicht vielleicht das große Ganze der Fehler sei. Dort sind wir wieder gelandet, nur mit dem entscheidenden Unterschied, daß niemand mehr konkrete Vorschläge für neue Strategien oder zumindest Taktiken macht, wie dieser Zustand zu überwinden sei. Im Gegensatz zu damals gehört inzwischen selbst der Widerstand zur Folklore des Systems – wenn ich nur daran denke, daß ich nächsten Montag wieder auf eine Anti-AKW-Demo gehen werde, die sich von meiner ersten vor 30 Jahren nicht unterscheiden wird, und dabei von Leuten umringt sein werde, die Kretschmann gewählt haben…

  7. Nörgler April 18, 2011 um 11:16 pm

    “ (…) nur mit dem entscheidenden Unterschied, daß niemand mehr konkrete Vorschläge für neue Strategien oder zumindest Taktiken macht, wie dieser Zustand zu überwinden sei.“
    Angesichts des Nulleffekts der seinerzeitigen Einfälle ist auf solche „Vorschläge“ eh geschissen.

  8. momorulez April 18, 2011 um 11:29 pm

    Ja. Der Rollback hat sich sozusagen vollendet.

    Ich weiß nur immer gar nicht, ob es die Gegenstrategien nicht ganz woanders gibt als da, wo „wir“ normalerweise suchen. Wir sind halt doch Teil der mitteleuropäisch-weiß-männlichen Bildungsbürgerschicht, sorry, dass ich Dich da eingemeinde – die Bewegung findet aber woanders statt in Formen, die mir auch nicht einfach so in den Kram passen. Vermute ich lediglich.

    Das fiel mir auch bei Deinen wirklich tollen, meine ich ganz und gar ernst, tollen Texten drüben bei Shifting Reality auf: Der Vietnam-Krieg fehlte. Frantz Fanon fehlte (der gruseligerweise die RAF beeinflusste und Gewaltdebatten, aber nicht die Frage, was es heißt, kolonisiert zu sein – eigentlich implizit, aber nicht explizit auch eine Grundfrage Horkheimers und Adornos. Und nun fühlen sich rechtsradikale Arschlöcher in Meck-Pomm kolonisiert. Sind sie auch, aber ganz anders, als sie das glauben). Der Algerien-Krieg fehlte. Andy Warhol, ja, der auch, fehlte.

    Das ist gar nix, was an Deinen Texten fehlen würde in dem Sinne, dass Du was vergessen hättest, blinde Flecken oder so. Das ist das, was Du schreibst hier im Kommentar: Das ist die Immanenz, das Aufsaugen des Widerstandes.

    Kretschmann ist dafür das Paradebeispiel, und eigentlich ist das ja auch weiterhin unser Job als alte Säcke: Zu gucken, inwiefern in unserer Klasse so einer sich durchsetzt und was an dessen Denken auch in unserem steckt. Um es zu übersteigen. Es hinter uns zu lassen.

    Etwas kryptisch vorm Einschlafen geschrieben 😉 – bin aber im ganz Grundsätzlichen völlig bei Dir!

  9. alterbolschewik April 19, 2011 um 9:46 am

    @nörgler: Nulleffekt würde ich nicht sagen – es wurden effektiv Verkehrsformen umgewälzt; ob dies als Fortschritt in Hinblick auf das große Ganze gesehen werden kann oder nicht (oder ob die Kategorie des Fortschritts hier vielleicht überhaupt keinen Sinn ergibt), darüber können wir bei Gelegenheit auf shifting reality streiten.

    @momorulez: Gib mir Zeit, die antikolonialen Befreiungsbewegungen kommen schon noch, nur ist das sehr, sehr kompliziert. Es herrschte da eine unglaubliche Mischung aus einerseits konkreter Solidarität, andererseits aber auch wilder Projektion auf den und masochistischer Unterwerfungslust unter den exotischen Anderen, die aufzudröseln nicht leicht sein wird.

    Und in die „mitteleuropäisch-weiße-männlichen Bildungsbürgerschicht“ kannst Du mich ruhig einordnen, denn da gehöre ich – anders als meine Eltern – definitiv hin.

  10. momorulez April 19, 2011 um 10:06 am

    Ja, gerade weil die so kompliziert sind, insistiere ich da ja so 😉 … es gibt so eine seltsame Tendenz zur „deutschen Selbstbezüglichkeit“ auf „der Linken“, die nun immer dann am allerwenigsten aufgehoben wird, wenn es um Israel geht. Und die sehe ich als Teil des Problems. Selbst in der „Globaliserungskritik“ schien mir das oft so. Und ich meine mich immer erinnern zu können, dass das insbesondere aus popkulturellen Gründen in den 60ern anders war – gar nicht beim SDS, aber selbst die Situationisten waren ja sehr „französisch“.

    Ich erinnere mich z.B. bestens daran, wie ich mit meinem SPD-Richter-Vater den „Baader Meinhoff“-Komplex geguckt habe und Baader irgendwann die Zusammenhänge zwischen Vietnamkrieg und internationalem Kapitalismus thematisierte. Bis dahin hatte ich mich immer gewundert, wieso solche Volldeppen eine derartieg staatliche Hysterie auslösen konnten, mal ab davon, dass die Akteure selbst potenzielle Opfer waren – da ging es nun aber sogar meinem zutiefst rechtsstaatlcihen Vater so, dass der sich ziemlich beeindruckt und bedröppelt zeigte. Und da ist Wissen – nicht der RAF, die waren furchtbar – abhanden gekommen, das mir immer dann zu verschwinden scheint, wenn man sich mit den „Szenen“ beschäftigt. Was aber aufploppt, bei mir zumindest, wenn man das internationale Fenster aufstößt. Was das alleine für Hysterie bei manchen auslöst, wenn man auf das Sartre-Vorwort zu Fanon verweist, ist schon erstaunlich.

    Alles nur als Anregung verstanden, und im Grunde genommen spielt der Nörgler ja darauf auch an.

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