Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wer mit den Geistern spielt …

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Der DFB, der Kontrollausschuss und der heilige Geist … der wohnt bekanntlich unter dem Millerntor-Rasen. Unter der Rasenheizung. Deshalb Heiligengeistfeld. Direkt vom Pest-Hospiz wanderte er einst dorthin und ist jederzeit bereit, den Geistlosen als Schreck in die Glieder zu fahren.

Die Inquisition hat den heiligen Geist nie gemocht. Er half dabei, das Göttliche zu sehen, also das, was die Schergen selbsternannter Stellvertreter Gottes auf Erden mit allen Mitteln vor den Gläubigen verbergen wollten, immer schon und überall.

Deshalb setzten sie auf Macht und die Macht setzte auf sie, um den Glauben an das Gute in Gesetzestreue und Regelgehorsam zu wandeln, diese Macht eroberte die Hoheit über Sanktionen, um jedes Gefühl für Gerechtigkeit auszutreiben und stattdessen die Abhängigkeit von ihrer Willkür als Lebensgefühl zu implementieren, so bleiern schwer. Sie erfand Erbsünde und erzog zum Buße tun. Sie legte Chastity-Toys an Orte der Lust und schmiedete Keuschheitsgürtel. Nur für Beckenbauer nicht. Für Amarell schon.

Ein Bierhoff sitzt als Element im Gefüge dieser Macht am Amboss und schlägt zu … sie wandelten sich von Akteuren zu den Getriebenen jener Struktur, die größer als sie selbst den Spieß umdrehte und von nun an fast maschinell immer wieder die gleichen Kontrolleurstypen hervor brachte.

Sie erfand die Beichte und formte diese Rede um in die Praxis der Selbstkasteiung als Selbstbewusstseinsleistung, die sich permanent reproduziert, und tat, als würde der Weg zur Vergebung über sie nur führen. Ihre Päpste predigten Wasser und warfen mit Glühweinfässern auf Bierbecherwerfer.

Doch sie ahnte schon: Das Verdrängte kehrt zurück in verzerrter Gestalt. Wo Willkür als Akt struktureller Gewalt zerquetschen will, was sich ihr widersetzt, und „Exempel statuiert“, weil der Pranger und die Käfige für Wiedertäufer zu ihrem Bedauern abgeschafft wurden, ist das Wiedererlangen der Kontrolle über Ausschüsse zu organisieren, die ihr Gegenteil zu erzeugen vermögen.

Alle Geisterbeschwörung derer, denen Hingabe fremd ist und der Zwang zum Selbstzwang Gebot, führt zur Verselbständigung des zu Unterwerfenden. Es erzeugt lauter kleine, freudvolle Geister, die gerade dann, wenn sie ausgeschlossen werden, erst richtig merken, was Einschluss heißt. Wenn sie das merken wollen.

Die spuken lüstern vor den Toren der Stadt und in versteckten Hinterhöfen, feiern Feste, Orgien gar, setzen auf Liebe statt auf die Macht der Untoten, die nur vegetieren inmitten ihrer versteinerten Institutionen, Zombies, die auch nur ausagieren, was die Racheimpulse am eigenen, trostlosen Dasein ihnen eingaben.

Lasst sie uns auslachen. Sie weinen dann heimlich aus Angst und aus Neid.

Wie steht es so treffend über einem St. Pauli-Blog? „Ich habe lieber mit Sündern gelacht als mit Heiligen geweint“. Udo Jürgens hat es gesagt oder gesungen, und was immer auch man sonst von ihm denken mag: Das, was er gegen dieses „ehrenwerte Haus“ sang, singen Funktionäre nur manchmal besoffen im Puff und sitzen ansonsten als Hauswart direkt hinter der Tür, um Nachbarn zu denunzieren.

Buuuuuh! Wenn sie durch ihre Sucher blinzeln, sollten wir tanzen und mit unseren Ketten rasseln, mehr zu verlieren haben wir nicht – Halloween am Millerntor!

Wir geben denen Süßes, die uns Saures wollen … und sie sitzen im tristen Rechteck ihrer Anmaßung, ihres Strafbedürfnisses, ihrer Selbstgerechtigkeit und fühlen sich so leer wie das Stadion. So unendlich leer … weil unser Jubel wie ein Spuk herein schallt, die Sky-Litaneien übertönt, wenn wir das Geisterspiel gewinnen werden. So es denn kommt.

4 Antworten zu “Wer mit den Geistern spielt …

  1. ring2 April 8, 2011 um 3:33 pm

    Ich werde ja immer trauriger, dass ich über Ostern nicht auf dem DOM sein kann ;(

  2. momorulez April 8, 2011 um 4:54 pm

    Ich glaube ja, hoffe ja, dass das recht gespenstisch im positiven Sinne wird 😉 …

  3. MartinM April 8, 2011 um 7:34 pm

    Es ist in der Tat gespenstisch, was sich aus ca. 3 Gramm Polystyrol in Bierbecherform entwickelt. Der Verdacht, es ginge um einen Racheimpuls ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen. Es wäre nicht schön, aber immerhin menschlich. Mir graut vor der anderen, auch von Dir angedeuteten Möglichkeit: Sanktion als Machtdemonstration, „hart durchgreifen“ allein, um zu zeigen, dass man hart durchgreifen kann, „handlungsfähig“ ist – rechtsstaatliche Erwägungen wie die „Verhältnismäßigkeit der Mittel“ stören da nur. Und manche halten das für „Null Toleranz“ (was ursprünglich mal hieß: „Schnelle und konsequente Strafen für alle überführte Täter schrecken wirksamer ab als besonders harte Strafen für wenige Täter“ – auch in vielen Fällen mehr als nur fragwürdig, aber doch etwas anderes ist als das offensichtlich praktizierte Prinzip „Harte Strafen für jeden Pfurz!“). Der Schutzheilige der autoritären Persönlichkeiten heißt Sankt Ion, von ihm allein erwarten sie das Heil.

  4. Pingback: Ausblick: auswärts gegen den DFB, ähm, Leverkusen… « KleinerTods FC St. Pauli Blog

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