Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Was prägt oder: Historisches Bewußtsein für Doofe

„Der Islam hat unsere Gesellschaft nicht geprägt und prägt sie auch heute nicht. Der Islam gehört damit nicht zu Deutschland.“

Was hingegen prägte:

Vergessene Opfer“ lautet ein Stichwort im „Lexikon zur Homosexuellenverfolgung 1933 –1945“, ein Stichwort, das der Verfasser des Lexikons, Günter Grau, sofort korrigiert: Die homosexuellen Opfer des NS-Regimes wurden weder vergessen noch totgeschwiegen, sie wurden „in beiden deutschen Nachkriegsstaaten politisch bewusst ausgegrenzt.“

Ja, man glaubt es kaum, das prägte, mich z.B.. Der Nationalsozialismus, zwei durch Deutschland angezettelte Weltkrige, Wilhelm Zwo, Honecker und Ulbricht prägten. Das Recht auf „Vollzug der Ehe“, also ggf. Vergewaltigung innerhalb derer, prägte, Selbstmorde unehelich Geschwängerter in den 50ern prägten, Auschwitz prägte. Das Dreiklassenwahlrecht, die Hexenverbrennung, Lichtenhagen und Hoyersverda prägten.

Was ist das eigentlich für ein irrwitziges Kriterium, um Zugehörigkeit zu einem demokratischen Gemeinwesen zu diskutieren? Auch Begriffe wie „undeutsch“ prägten …

5 Antworten zu “Was prägt oder: Historisches Bewußtsein für Doofe

  1. defekt März 7, 2011 um 5:10 pm

    Es gibt da einen schönen Satz aus einer ZDF-Doku, da sitzen Vater und Sohn, beide Nazis, vor dem Fernseher und streiten sich, ob »die Sorben« denn jetzt »zum Volk gehören« oder nicht. Auf dem Niveau spielt sich das grade ab. Widerlich.

  2. momorulez März 7, 2011 um 5:29 pm

    In der Tat … das ist zudem im engeren Sinne verfassungsfeindlich, diese Diskussion.

  3. Loellie März 8, 2011 um 11:05 am

    Ja, da hat so mancher seine Prägung:

    „The Israeli Prime Minister urged Western leaders to support Egyptian dictator Mubarak … And who after this are the Jews? In fact, I always knew who they were.“

    Soll er geschrieben haben, der Todesstrafenbefürworter und Moskau-Pride Organisator, der gerade letztens noch Solidarität mit Westerwelle gefordert hat

    http://thenewcivilrightsmovement.com/is-russian-gay-activist-nikolai-alekseev-anti-semitic/news/2011/03/02/17754

  4. T. Albert März 8, 2011 um 8:26 pm

    Ja, was Du als prägend benennst, das ist eben alles nicht so schlimm und schrecklich wie der Islam. So verstehe ich die Diskussion mittlerweile, also schon ganz schön lange.
    Ich weiss auch nicht, ob es so erstrebenswert für die Muslime ist, das der Islam als ein Europa prägender Faktor gelten sollte, weil ihnen am Ende Auschwitz in die Schuhe geschoben werden könnte, wie sie ja jetzt schon von unseren Eingeborenennazis oft als Faschisten bezeichnet werden, oder von Konservativen und Nationallinken. „Christlich-jüdisch“ ist ja auch ein ergebnisoffenes Manöver. Ist das alles ekelhaft.

  5. momorulez März 8, 2011 um 8:29 pm

    Ja, es ist ekelhaft. Habe heute schon bei Twitter gewitzelt, dass der Friedrich bei „der Islam gehört historisch nicht zu Deutschland“ das „aber Schlesien!“ vergessen hat.

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