Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Ich distribuiere einfach mal: „Fanszene des FC St. Pauli veranstaltet Aktionstag“

„Fanszene des FC St.Pauli veranstaltet Aktionstag,

Die Auseinandersetzungen der letzten Monate zwischen der Fanszene und den Verantwortlichen des Vereins haben sich sehr stark mit den Aspekten einer überbordenden Kommerzialisierung beschäftigt und diese Kämpfe sind noch lange nicht beendet, es gilt sie weiterzuführen und Schritt für Schritt das Alleinstellungsmerkmal des FC St. Pauli mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten des Profifußballs abzugleichen und eigene Wege zu finden.
Doch genauso intensiv, wie wir Ansprüche an die Vermarktung unseres geliebten Clubs anlegen, genauso intensiv stellen wir diese Ansprüche auch an uns selbst.

Eine Fanszene, die Werte jenseits des Mainstreams verteidigen will, muss sich auch selber fragen, wie sehr sie diese Werte eigentlich noch lebt und verteidigt. Beides gehört zusammen um selbstbewusst und kämpferisch sagen zu können: „Ich weiß warum ich hier stehe.“

Deshalb haben alle aktiven Gruppen der Fanszene einen Aktionstag zum Heimspiel gegen Stuttgart ausgerufen, an dem wir zeigen wollen, wie sehr wir uns selbst eigentlich noch hinterfragen. Und die zentrale Frage an diesem Tag lautet:

Warum bist du eigentlich bei St. Pauli?

Weil der FC St. Pauli…
…so kultig und anders ist?
Weil die Stimmung am Millerntor so toll ist? Weil hier Faschisten keine Chance haben? Der Punker neben dem Banker steht?
Weil St. Pauli europaweit für seine alternative Fanszene beneidet wird?
Weil hier nicht die üblichen Fußballprolls die Kurven prägen und du dich auch als Frau wohl fühlst? Oder weil es hier immer noch Bier gibt, welches ohne Plastik bezahlt werden kann? Wegen all dieser Dinge? Ja!?

Dann denk mal darüber nach, warum wir so sind. Warum unser gefeierter „Jahr100Verein“ erst seit einem guten Vierteljahrhundert diesen besonderen Ruf genießt. Und wieso ein Haufen braun-weißer Fans damals aktiv wurden und anfingen, einen Gegenpol zum hiesigen Fußball-Mainstream durchzusetzen, trotz aller Widerstände auch hier vor Ort. Die Leute in
den 80ern wünschten sich auch nicht viel mehr als ein sozialeres Verhalten untereinander bzw. einen respektvolleren Umgang – neben dem größtmöglichen Spaß beim Fußball gucken, versteht sich. Entgegen manch anderer Meinung schließt sich das zudem auch nicht aus. Und wir sehen das heute immer noch so. Grundsätze, wie das Bekämpfen jeglicher Art von
Diskriminierung, fanden ihren Ursprung in der aktiven Fanszene und wurden längst fest in der Stadionordnung und den Leitlinien verankert. Und ist es nicht so, dass auch du nur aufgrund dessen eines Tages mal ans Millerntor gekommen bist? Damals wie heute gilt es, diese Grundsätze zu wahren und jede_n, der/die von sich behauptet St.-Pauli-Fan zu sein, immer wieder daran zu erinnern, was das bedeutet. Greifst du mit deinen Freunden wirklich ein, wenn aus eurem Kurvenumfeld z.B. Gegenspieler rassistisch beleidigt, oder Frauen ganz offensichtlich belästigt werden? Gerade in einer Zeit, wo der Fußball immer mehr zum Massenspektakel verkommt und soziales Engagement kommerziellen Interessen weichen muss, ist es notwendig klar Stellung zu beziehen. Ansonsten wird auch unser Club eines Tages nichts anderes sein als ein weiterer stinknormaler Hamburger Fußball-Verein…

Denk also mal wieder ernsthaft nach über dein Verhalten im Stadion, über deine Wortwahl gegenüber Gästefans oder den Schiedsrichtern, über deinen unverhältnismäßigen Alkoholkonsum oder ähnliche Dinge, die mit dazu beitragen, den Mythos vom „anderen Club“ weiter zu zerstören.

Auch die Vereinsführung und die Mannschaft unterstützen uns an diesem Tag, um mit verschiedenen Mitteln und Aktionen diese Fragen an alle Fans zu richten.

Wir hoffen, dass dadurch ein Denkprozess angestoßen wird, der uns alle noch mehr zusammenführt in einem Anspruch etwas ganz Besonderes leben zu wollen am Millerntor und auswärts in den Arenen dieses Landes. Vor und nach dem Spiel, im Viertel und überall auf der Welt, wo wir als St.-Pauli-Fans leben und diesen Club lieben.

Die aktive Fanszene des FC St. Pauli“

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29 Antworten zu “Ich distribuiere einfach mal: „Fanszene des FC St. Pauli veranstaltet Aktionstag“

  1. Pingback: “Warum ich hier stehe/sitze” – Aktionstag der aktiven Fanszene » Sankt Pauli - nu*

  2. momorulez März 9, 2011 um 9:40 pm

    http://www.mopo.de/sport/fc-st–pauli/aufruf-an-alle-fans—warum-bis-du-bei-st–pauli–/-/5067040/7947060/-/index.html

    Aaargh – auch wenn ich ja mittlerweile erfahren habe, dass dieser Aktionstag schon ewig geplant ist und Selbsthinterfragung – und -reflektion immer gut sind, ist das hinsichtlich des auf das Präsidium weiterhin mit guten Gründen auszuübenden Drucks echt kontraproduktiv.

  3. Noah März 11, 2011 um 10:09 am

    Ganz unfreiwillig und jetzt auch schon seit ein paar Jahren hat mir das immer wieder Kopfzerbrechen bereitet. Was ist ‚besser‘: eine antira-sein-wollende Fanszene/-kultur, die aber viele Augen zudrückt sobald es um sich selber geht (privilege denying dudes) bzw sogar aggressiv und eklig wird, wenn sie z.B. auf Kolonialverharmlosung verzichten helfen soll, und noch ätzender, wenn ihr Selbstabgefeiere als ‚die uneingeschränkt großartigsten Guten™‘ mal begründet infrage steht – oder eine Gruppe, die diesen Anspruch gar nicht hat (böse) aber daher auch nicht sich und der Welt selbstgefällig etwas vormacht (weniger böse)? Quasi DieGrünenNRW vs Seehofer? Die Irren, die sich für ‚okay‘ halten vs. die, die im Prinzip offen zugeben, dass sie nicht okay sind?
    Wie so oft, wenn ich keine abschließende Antwort finden kann auf etwas, was mich nicht nur beschäftigt sondern auch ganz direkt beeinflusst/-trächtigt, hab ich das mal künstlerisch verarbeitet.
    ‚Romance in white and brown‘- http://www.reverbnation.com/artist/song_details/3686213
    Bisher haben die Zwischentöne (die ich eigentlich gar nicht besonders ‚zwischen‘ finde) nur ein paar Leute auf Anhieb bemerkt, denen es genau so ging wie mir: wir gehen aus Gründen zunehemender unguter verschiedener(!) Dominanzvibes nicht mehr ins Stadion. Und zwei Ostdeutsche über Vierzig haben mich kürzlich auf das Lied angesprochen, in einem ganz anderen Kontext: Die kannten das DDR-Format „Kritik ist nur noch in Form von Lobeshymnen erlaubt“ noch, das ich hier mal ausprobiert hatte, und hatten es gleich entdeckt. War ja auch nicht wirklich versteckt. Frau muss ja auf so viele verschiedene Strategien zurückgreifen um nicht sanktioniert zu werden.

  4. momorulez März 11, 2011 um 11:30 am

    Verstehe sehr gut, was Du meinst, habe das auch etwas unbeholfen unter anderem in dieser Diskussion:

    https://metalust.wordpress.com/2011/03/02/wirre-gedanken-zur-motivation-hate-speech-zu-unterlassen/

    versucht, mal in den Begriff zu bekommen. Wo ich mir dann u.a. noch anhören musste, man solle doch nicht auch die verschrecken, die es gut mit einem meinen, ein paternalistischer Gestus, bei dem ich ausrasten könnte, der aber bei schwulen Fragen hier sozusagen der Dauerbrenner ist. Was beim Stadionbesuch eben nicht im selben Sinne wie bei Dir zum Tragen kommt, weil es einem keiner ansieht, also mir zumindest nicht.

    Ring2 hat auch versucht, mal Tacheles zu reden:

    http://stpauli.nu/?p=2143

    nun wiederum hinsichtlich der Frauenfrage.

    Hatte auch mal einen Mailwechsel mit dem Übersteiger, nachdem Du mich auf die rassistisch konnotierten Karrikaturen Guido Schroeters wie auch den Text zu Karl-Heinz-Schwensen aufmerksam gemacht hast – ohne Dich zu erwähnen. Bin von daher froh über diesen Kommentar, weil er das noch mal stützt.

    Und bin da eher auf sehr offene Ohren gestoßen, was für mich immer ein wenig die Conclusio ist, keine Ahnung, ob Du das teilst: Sie merken es halt einfach oft nicht. Und der eine Teil will dann nach dem Motto „Ihr habt uns homophob genannt, ihr Arschficker!“ am liebsten schwule Kneipen abfackeln, der andere hört zu, und es bewegt sich was.

    Dass aber jede Menge Bigotterie in diesen Texten stecken kann, nicht muss:

    http://www.warum-bist-du-bei-sankt-pauli.de/?page_id=41

    da muss man halt immer wieder drauf hinweisen.

    Die Differenz freilich ist, dass es beim FC St. Pauli insbesondere hinsichtlich der Haltung Schwarzen gegenüber schon sperrangelweite Ohren bei sehr vielen gibt. Was Du freilich ganz anders beurteilen kannst, wie ernst das dann gemeint ist, ich kann mir ja nur Mühe geben, auf solchen Themen zu insistieren.

    Ob das bei Sexismusfragen auch so ist, keine Ahnung.

    Was aktuell mir zumindest am schwierigsten erscheint, ist, ein Bewusstsein für die PoC, die dem arabisch-persisch-türkischen Raum zugeordnet werden, obgleich sie auf dem Kiez aufgewachsen sind, zu schaffen. Da sind all die sarrazinierter Klischees so ominipräsent, dass mir ganz schwindelig wird. Da geht auch gar keiner drauf ein. Da projiziert man dann, ganz Bildungsbürger, den eigenen Macho hinein, und fühlt sich rein gewaschen, so kommt es mir zumindest vor. Wie die Haltung den Frauen da gegenüber ist, das würde mich mal brennend interessieren, das weiß ich nicht.

    Danke aber für den Kommentar! Finde das ungemein wichtig.

  5. Pingback: Warum ich manchmal zweifel an St. Pauli: Respekt vor Regeln und Autoritäten versus jenem Respekt, den man Personen entgegen bringt « Metalust & Subdiskurse Reloaded

  6. Noah März 12, 2011 um 3:38 pm

    Den hatespeech Eintrag fand ich auch toll. Wenn man das überhaupt so bezeichnen kann, habe ich mich darüber ‚gefreut‘, dass es überhaupt mal jemand bemerkt hat und auch aufgegriffen. Danke dafür.

    „Die Differenz freilich ist, dass es beim FC St. Pauli insbesondere hinsichtlich der Haltung Schwarzen gegenüber schon sperrangelweite Ohren bei sehr vielen gibt. Was Du freilich ganz anders beurteilen kannst, wie ernst das dann gemeint ist, ich kann mir ja nur Mühe geben, auf solchen Themen zu insistieren.“

    Mich interessiert eigentlich viel weniger, was jemand (angeblich) wie ‚meint‘ -denn dass es für die Wirksamkeit von Ausgrenzung oder Bullshit auf die Intention oder Einstellung ankäme, ist bekanntlich ein Irrtum, es schmerzt auch wenn mir das Klavier aus Versehen auf den Fuß geworfen wird- sondern die ganz greifbare Auswirkung. Kann ich mich drauf verlassen, dass im Stadion rassistische Comictransparente sofort abgehängt werden? Nein. Muss ich mir rassistische Sprüche anhören und weiß, dass das dann nicht groß thematisiert wird? Ja. Werden zwei Schwarze Frauen schon mal ohne jeden Anlass bepöbelt und alle glotzen doof und niemand schreitet ein? Ja. Sind das Einzelfälle? schön wärs. Bei ‚zehn‘ hab ich aufgehört zu zählen und meine Dauerkarte verschenkt. Ist die Bude schlicht und einfach weit davon entfernt, ein ’safe space‘ zu sein? Aber Hallo. Bildet der Verein (die Angestellten) sich fort, was und wie Antirassismus eigentlich überhaupt ist und funktioniert? nein. Kann ich eine Combo ernst nehmen, die gegen Rassismus sein will, sich aber über ihre eigenen Exklusionssignale und -Gepflogenheiten keine Gedanken macht? Nein. Es geht nicht ums Persönliche. Sondern ums Strukturelle. Beim ‚ernst meinen‘ geht es eben nicht um „Ohren“ (das klingt fast, als haben Leute die nicht marginalisiert werden möchten ein ‚Anliegen‘ und sollten ‚gehört‘ werden, nicht so dass es notwendigerweise das ‚Anliegen‘ einer Gruppe sein muss, Diskriminierung zu verstehen und zu bekämpfen) sondern um eigentlich genau das Gegenteil von ‚Ohren auf andere richten‘, nämlich Selbstreflexion und Revision. Und auch noch gegen ‚Ohren‘: http://www.noahsow.de/blog/?p=563

    Was aktuell mir zumindest am schwierigsten erscheint, ist, ein Bewusstsein für die PoC, die dem arabisch-persisch-türkischen Raum zugeordnet werden

    Ich finde es nicht okay, die Awareness oder Nicht-Awareness für diskriminierte Gruppen zu werten, qualitativ einzustufen oder zu vergleichen. Da freut sich die ‚divide and conquer‘ Fraktion. Und auch logisch haut es nicht hin, da die Gruppen ja sowieso konstruiert sind (unter anderem genau zu diesem Zweck: d&c, siehe „schwule vs migranten“) und nicht etwa voneinander verschieden. Und auch noch aus ein paar weiteren Gründen.

    Es ist sehr anstrengend und auch schmerzhaft, diese Diskussionen immer wieder zu führen, sich ihnen zu verweigern ebenfalls, genau so wie aufzuklären und beizubiegen. Deswegen bin ich froh, dass Du und andere Alliierte da ‚übernehmen‘, wo mir und anderen die Kraft fehlt.
    Warum, oh warum nur kennt der so wahnsinnig antirassistische Verein diese Checkliste nicht: http://web.cortland.edu/russellk/courses/hdouts/raible.htm Sie ist nicht ‚perfekt‘ und auch noch von 1994 – aber dem FCSP Antira-Istzustand leider leider Jahrzehnte voraus.

  7. momorulez März 12, 2011 um 6:05 pm

    Ich hoffe ja, dass unsere Platzhirsche hier mitlesen, und bin froh, dass Du es schreibst, so grauenvoll der Inhalt ist. Was ich als Alliierter ja immer nur machen kann, habe ich im anderen Thread schon geschrieben, ist, zu versuchen, zuzuhören und diese Perspektive dann in all meinen publizistischen Kanälen so stark wie möglich zu machen. Und in meiner Personalpolitik zu berücksichtigen, wo immer das möglich ist. Ich würde die Geschäftsführung sofort an eine schwarze Frau abgeben, wenn die Banken das akzeptieren würden. Tun sie nicht. Und das ist das Problem, was den meisten Leuten echt nicht klar ist.

    Ich liebe diesen Verein ja wirklich sehr; wenn ich lese, dass die Gegengerade schwarzen Frauen keinen Schutzraum gewährt, Du hattest es ja auch erzählt, und ich hab das schon häufig aufgegriffenk, kotzt mich das so dermaßen an, daß ich da auch dran bleiben werde, auch und gerade hinsichtlich der ja durchaus konkreten Forderungen, die sich aus dem von Dir Geschriebenen ergeben. Der Zeitpunkt ist dafür auch gut.

    Und neben dem „teile und herrsche“ , wo Du ja recht hast, glaube ich schon, dass in weißen , mitteleuropäischen Hirnen verschiedene Rassismen präsent sind. Mehr nicht.

    Den Schwerpunkt aufs Strukturelle legen und Diskriminierung auch da anzugreifen, wo sie intentionsfrei vollzogen wird, das hat sich fast schon zu einem Klassiker in diesem Blog entwickelt. Weil die Diskriminierenden es prima drauf haben, jegliche Diskussion auf ihre eigene Befindlichkeit hin zuzuspitzen. Fürchterlich.

  8. Loellie März 13, 2011 um 7:02 pm

    Ja, mitlesen tu ich, nur das mir vor lauter explodierender Atomkraftwerke gerade nichts wirklich sinnvolles einfallen will.

  9. momorulez März 13, 2011 um 9:05 pm

    Das verschlägt einem auch die Sprache. Dazu kann man auch nicht mal bloggen. Das war surreal gerade im Stadion, aber man kann jetzt ja auch nicht ganztägig gebannt vor Newstickern sitzen, auf die nächste Katastrophe warten und sich parallel auch noch durchlesen, wie alle von Merkel bis teilnahmebedingungen.blogsport.eu einen Gulag für Linke und Atomkraftgegner fordern, weil die wie üblich recht hatten.

  10. Nörgler März 13, 2011 um 9:50 pm

    Wahnsinn! Arabien, Finanzmärkte, Guttenberg, Atomkraftwerke – alles explodiert! Krass!

    Der Song „Eve of destruction“ kam mir heute in den Sinn, stark angestaubt ist er seit Jahrzehnten schon, und dann klang das in mir plötzlich so bedrückend nah und düster frisch.

  11. momorulez März 13, 2011 um 10:00 pm

    Es ist wirklich krass.Ich hatte heute den ganzen Tag diese Bilder, apocalyptische, von britischen Industrial-Bands vor dem geistigen Auge.

    Was ich so gruselig finde, ist, dass man die Bilder und Szenarien aus Japan seit 30 Jahren KENNT. Man hat das schon GESEHEN. In Spielfilmen, Fake-Dokus, Romanen, Kurzgeschichten …

    Libyen irgendwie auch. Ägypten nicht. Aber was hilft das, wenn man sich das ganze Geschwalle von Merkel, Röttgen usw.anhört, demokratisch gewählt und trotzdem Scheiße?

  12. Nörgler März 13, 2011 um 10:51 pm

    Es gibt aber auch noch andere schlimme Dinge! Ein Unentschieden wäre aus Lauterer Sicht ideal gewesen. Ein Sieg für Pauli: noch OK. Aber niemals hättet Ihr die Gurkenkicker aus der Stadt des unsagbar böse grinsenden Bösen, des Mappuse, gewinnen lassen dürfen!

  13. che2001 März 13, 2011 um 10:58 pm

    Ich dachte weniger an „Eve of destruction“ als an Chris Rheas „Road to hell“, gerade bezogen auf Japan: „This ist not a technological breakdown, it´s the road to hell.“

  14. T. Albert März 13, 2011 um 11:58 pm

    tnb sagt, es gibt schlimmeres als den atomkrieg.
    ich mag ja dort nichts sagen zu dem blödsinn, den der ablässt über fukushima und „die deutsche volksgemeinschaft.“ in japan wurden seit vorgestern 200.000 menschen evakuiert, wieso eigentlich? das entsetzt diese tnb-böss-leute nicht. sie sind entsetzt über schwaben, die demonstrieren.
    (wir hier sind im entsetzen froh, dass es den familienmitgliedern eines japanischen schwagers gut geht.)

  15. che2001 März 14, 2011 um 12:05 am

    Insbesondere, wenn man mal bedenkt, dass die heutige radikale Linke in Westdeutschland, insbesondere die autonome, nicht unwesentlich aus der Anti-AKW-Bewegung hervorgegangen ist. Diese Distinktionslinken distanzieren sich so weit, dass sie außer sich sind.

  16. che2001 März 14, 2011 um 12:15 am

    Was mir auch einfällt ist Frank Schätzings „Der Schwarm“, wo ja auch große Schiffe und ganze Bohrinseln von Tsunamis ins Landesinnere gespült werden.

  17. momorulez März 14, 2011 um 8:10 am

    @Nörgler:

    Ach, angesichts dessen, was Noah oben schreibt, war die Niederlage irgendwie verdient … fussballerisch auch, und das Böse siegt ja eh immer. Irgendwie stehen wir gerade vor der Wahl, uns zu verschwäbeln und zu mapussisieren, oder erhobenen Hauptes zu verlieren, und da ist mir letzteres lieber. Dieses ekelhafte Erfolgs-Erstliga-Publlikum soll einfach wieder verschwinden, das war schlimm gestern. Selbst unser Trainer ist mittlerweile völlig abgehoben und parodiert sich selbst. Irgendwie habe ich das Gefühl, der ganze FC St. Pauli parodiert sich gerade selbst.

    @T. Albert:

    Was aus dem tnb geworden ist, das ist ganz gruselig. Den Boess kennt man ja noch von den FDOG, und es ist auch wieder klar, dass solche rechtsradikalen Pappnasen direkt von der Uni in Großverlagen landen, während sie die „linke Dominanz“ beklagen. Während linke Publizisten am Hungertuch nagen.

    @Che:

    Das ist ja dieses „Man kennt es, man weiß es seit 35 Jahren“-Gefühl, das einen so verzweifelt rum stehen lässt gerade …

  18. T. Albert März 14, 2011 um 10:09 am

    Ja, das kennt man alles, das ist zum Verrücktwerden.

    (Gestern abend war ich auf einem Konzert zweier alter Männer, Dalla/de Gregori. Es waren mehr junge Leute da, als ich erwartet hatte. Das komische war, dass das zwar eine nostalgische Veranstaltung war, für – supermittelschichtig, wie sie aussahen, meist ehemalige – Linke der sechziger und siebziger Jahre, die in ihrer Vertrocknung nochmal Worte wie „Vögel, Phantasie, Flügel, Engel, Wir sind die Geschichte“ hören wollten, aber die uralten Texte wieder passten wie 1975 oder so. Nur, dass niemand mehr so eine Sprache benutzt, weil wir poetisch so verblödet sind im rassistisch-funktionalistischen Wirtschaftstotalitarismus ohne Alternative. Vielleicht passen die Texte auch immer noch, nicht schon wieder, und haben die ganzen Jahrzehnte gepasst.)

  19. T. Albert März 14, 2011 um 10:12 am

    Ich wollte noch sagen, früher sangen die alten Herren diese Sachen auf den grossen Unità-Festen, und ich musste mich immer fragen, ob es richtig war, dass der PCI sich aufgelöst hat.

  20. momorulez März 14, 2011 um 10:19 am

    PCI?

    Bei mir lief gestern plötzlich im iPod „Children of the Eighties“ von Joan Baez, ganz auf „Warriors of the Sun“ getrimmt, also das, worüber sich Boess und solche Drecksäcke heute noch „ironisch“ erheben, das hat mir richtig einen Stich versetzt, weil die ganze Zeit so um ’82 rum wieder da war. Ja, die passten weiter, die Texte, es hat nur keiner gemerkt, und in der Tat ist die Sprache dafür verloren gegangen.

  21. T. Albert März 14, 2011 um 10:25 am

    Guck, wie vergesslich wir sind: PCI – Partito Communista Italiano, die Partei Gramscis, die gabs bis 91.

  22. momorulez März 14, 2011 um 10:28 am

    Ah! Ich habe die wahrscheinlich immer „KP Italiens“ genannt 😉 …

  23. T. Albert März 14, 2011 um 10:55 am

    Was lese ich gerade in Zeit-Online – “ Russland und Südkorea liefern Japan Flüssiggas. Beide Länder wollen auch Rettungskräfte, Ärzte und Psychologen in das Land schicken.“ Gibts die unsererseits eigentlich auch? Übermorgen, wenn es in Tokyo jetzt immer schlimmer wird, wie sie Radio sagen, fangen sie dann schonmal an zu begründen, dass Japaner als Flüchtlinge nicht aufgenommen werden können, weil sie nicht politisch verfolgt werden. Da warte ich jetzt drauf.

  24. momorulez März 14, 2011 um 11:18 am

    Sind ja auch fremdrassig, die Japaner. Das geht gar nicht. Auch wenn Broder immer findet, dass die allesamt superbrav sind, wohl abstammungsbedingt. Und auch nicht ständig beleidigt.

  25. Pingback: Der FC St. Pauli parodiert sich selbst und bildet Blasen … ein Rundumschlag. « Metalust & Subdiskurse Reloaded

  26. Noah März 14, 2011 um 12:50 pm

    Im öffentlich-rechtlichen Morgenmagazin heute: „Und wie ordentlich die alle schlange stehen bei der Zuteilung von Essen und Wasser [subtext: nicht wie die wilden braunen anderen Flüchtlinge]“, und doch tatsächlich zu japanischem Studiogast: „die Gruppe ist ja auch wichtiger als das Individuum bei Ihnen, nicht wahr?“ Woraufhin die cool erklärte, dass es ohne Individuen übrigens keine Gruppe gibt.
    Da bekommt man/PoC nach den ganzen Katastrophen die eklige Rassifizierung gleich noch gratis dazu.

  27. momorulez März 14, 2011 um 12:54 pm

    Das habe ich auch schon die ganze Zeit gedacht … „Das Land des Lächelns“ spukt durch die Berichterstattung, dass es einen nur noch schüttelt.

  28. Pingback: Stadion-Dominanzgesellschaft #profcsp » Sankt Pauli - nu*

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