Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Lorenz Jäger oder Anlässe zur Geschichtsklitterung

„Denn 1970 erschien „Radical Chic“, eine hochkomische Abrechnung mit der sehr naiven Sympathie des halblinken, weißen Kultur-Establishments mit den „Panthers“, die aus der Kriminalität gekommen waren und später wieder in ihr versanken. Der Anlass des Buches war eine Party bei Leonard Bernstein, auf der Geld für die schwarze Organisation gesammelt worden war. „Radical Chic“ wurde vom bloßen Buchtitel zu einem kritischen Begriff der politischen Debatte.“

Sich im Spiegel sehende Weiße und Unglaubliches in Nebensätzen: Man kann zwar die Attitude des hier Kritisieren noch auf jene auf den Business-Seats- und Logen beim FC St. Pauli beziehen, die dort ideologischen Ablasshandel betreiben, um danach ganz normal den realökonomischen Schweinereien nachzugehen. Die Black Panther jedoch, denen u.a. anderem Morde, die sie nicht begangen haben, angehängt wurden, um sie zu kriminalisieren, in Nebensätzen dergestalt abzuhandeln, das ist auch eine Form von Rassimus. Was heißt denn „Kriminalität“ im Falle Schwarzer in den USA der 60er? Wohl Ähnliches wie im Falle Homosexueller vor Stonewall. Oder von Juden in Deutschland 1936.  Oder Regimekritikern in der DDR. Zur Vertiefung empfehle ich jedem, die folgende Dokumentation wo auch immer zu besorgen:

„Und er legt offen, wie J. Edgar Hoovers FBI in der Nixon-Ära im Zusammenwirken mit dem CIA durch geheime und illegale Programme (Psychoterror, Angst, Mord, Drogen) das sichtbare linke politische Spektrum der Vereinigten Staaten endgültig eliminierte.“

Zwischen dem Vorgehen des FBI und der Stasi im Falle der Black Panther gibt es wenig Unterschiede. Es wurden massenhaft Spitzel und Drogen eingeschleust, COINTELPRO ist berühmt-berüchtigt:

„Zu den dabei vom FBI verwendeten Strategien gehörten auch anonyme Denunziationen, um Arbeitsverhältnisse und persönliche Beziehungen von bestimmten Personen zu zerstören.[1] Zu den prominentesten Opfern solcher Methoden zählte Martin Luther King. Die Aktivitäten des FBI wurden später Gegenstand der Untersuchungen des Church Committees.[1]“

Aber warum sollte Herr Jäger sich damit befassen. Es geht ja um einen Weißen im weißen Anzug. Und darum, sich über „naive Linksschickeria“ lustig zu machen. Um auch ja von den Lebensverhältnissen Schwarzer zu jener Zeit abzulenken und den Praktiken in so genannten „Rechtsstaaten“ zudem. Hauptsache, da steht „Black Panther = kriminell“.

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6 Antworten zu “Lorenz Jäger oder Anlässe zur Geschichtsklitterung

  1. Loellie März 2, 2011 um 1:08 pm

    Die englische Version findet sich unter „All Power to the People ! Black Panther Party & Beyond“ im Internetz. Auch als Playlist.

  2. Loellie März 2, 2011 um 3:31 pm

    Gerne.

    Und da denke ich die ganze Zeit, das Wolfe mit Radical Chic die weisse Chiceria auf die Schippe nimmt, nicht etwa, weil die auf Kriminielle hereingefallen wären, sondern weil die sich, ohne sich weiter für die Subjekte zu interessieren, ein paar chice Pigmente und Schwule auf der Party halten.
    Jägers „Opferdiskurs“ kennt man ja zur genüge.

  3. momorulez März 2, 2011 um 5:40 pm

    Kann mir auch vorstellen, dass Wolfe das so meinte, ich habe das nie gelesen. Ist nur bemerkenswert, wie so was wieder rezipiert wird.

  4. Loellie März 2, 2011 um 6:42 pm

    Bei mir ist das auch schon fast 30 Jahre her das ich „Radical Chic & Mau-Mauing the Flak Catchers“ gelesen hab. Das lag da irgendwo in einer Kiste die auf der Strasse stand. Und was von Bowles war da auch noch drin.
    Ich fand das damals zum totlachen komisch, auch wenn ich da heute sicher kritischer rangehen würde. Eine Abrechnung mit Gutmenschen, die aus Naivität kriminelle Vereinigungen unterstützen, war das sicher nicht.

  5. che2001 März 3, 2011 um 10:50 pm

    Dazu dann noch das hier:

    http://www.amnesty-lateinamerika.de/Main/20090525001

    und das ist hier ja auch nicht wesentlich anders. In meiner Zeit als Gerichtsreporter bekam ich regelmäßig mit, dass Schwarze aufgrund ihrer Hautfarbe von Vornherein als Drogenhändler betrachtet wurden und einen Fall, in dem Neonazis und LKA-Beamte sich dazu verabredeten, Beweismittel zu fälschen, um Autonome in den Knast zu bekommen. Die Zeugen aus der Naziszene waren mutmassliche Mörder, z.B. erzählte Einer, dass er im Jugoslawischen Bürgerkrieg für eine faschistische Miliz gekämpft hätte. Das Ermittlungsinteresse richtete sich aber immer nur gegen die linken „Tatverdächtigen“, die allesamt Alibis hatten, mit denen sie nicht herausrückten, um die Justiz vorzuführen und die Parteiischkeit des Verfahrens zu beweisen. Folgen: Für die rechtsbeugenden LKA-Beamten und die Nazis keine. Das ist der RECHTSstaat.

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