Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Vorschau Hannover 1

Es ist ungemütlich geworden im „Prost“, seitdem eine Horde von Eintracht-Fans hinzustieß. Vorher funktionierten die Rituale prächtig inmitten dieses Aufeinandertreffens von Fans der Vereine der ersten drei Ligen, hier im Paralleluniversum der Zeitreisenden, die von der Deutschen Bahn in die ewige Verdammnis des Wartens auf verspätete Züge geschickt wurden.

Über Fussball reden ist so schön, weil keiner all die Phrasen je als Plagiat behaupten könnte – Beispiel: Grenzdebile VFB-Fans schwäbeln am Thresen gerade jetzt in ihre Bierschorle, weil die für sie wenigstens ein bißchen nach Wein schmeckt, Standards über das „Modelabel mit dem Totenkopf“ und spielen dabei mit goldenen Uhren am linken Handgelenk – ja, als eine Art Gemeinschaftseigentum lassen die Textbausteine sich noch im Zustand fortgeschrittener Trunkenheit beliebig immer neu kombinieren bis man lallt und obwohl man lallt.

Die Werderaner und Wolfsburger Jungs auf der Eckbank sind vom Heulen zum Reden zum Tun übergegangen und praktizieren trostpflasternd ein wenig Gruppensex, die Rostocker sind vor Verblüffung, dass es Schwule wirklich gibt und diese nicht nur als Schimpfwort existieren, in eine Kulturschockstarre verfallen. Weil sie das, was sie sehen, so seltsam erregt.

In all der Harmonie jedoch wollen sich die Frankfurter einfach nicht damit abfinden, dass es in Hannover partout keinen Äppelvoi gibt. So was kennt man da gar nicht. Diese fruchtigen Gesöffe sind was für Süddeutsche. Oder Òsterreicher. Habe 2002 oder so in einem Zug mit einer mittlerweile sehr lieb gewonnenen Freundin, die ich unmittelbar zuvor frisch kennen gelernt hatte, auf der Fahrt von Frankfurt nach Hamburg dergleichen probiert. Die Fahrt war toll, das Getränk weniger.

Jetzt haben die den Adler tragen vor dem Lokal eine Sitzblockade gestartet, ein paar Bengalos entzündet und skandieren wie besessen „Wir ham die Schnauze voll!“ Ja, ja, die Hessen.

Angesichts des mit vernuschelten Zischlauten durchsetzten Dröhnenes schweifen meine Gedanken in die Echtzeit, aber weit zurück. Also in die Vergangenheit. Damals, als man noch Vinylplatten kaufte und unter eben diesem „Prost!“ sich Plattensupermärkte fanden, hochumstritten, weil der Laden mit dem Fachverkäufer, der von Musik echt Ahnung hat, das Ideal der ernsthaften Musikhörer darstellte und die Billigangebotsstapel für 5 Mark 99 wie Entwertung wirklich relevanter Kulturgüter schienen.

Als Teenie hatte man ja sonst nix, als zu den Klängen seiner Helden davon zu träumen, dass die Pubertät irgendwann ein Ende haben würde und ahnte doch früh, dass das nur bei unerträglichen Spießern der Fall sein würde.

Erinnere mich an den Erwerb von so unterschiedlichen Werken wie der Singles von Bauhaus auf einer LP versammelt dort unten in der Passerelle und Aufnahmen von Grover Washington Jr.. Es war ein so feierliches Gefühl, wenn man nach der Fahrt mit einer grünen U-Bahn im Vorstadt-Reihenhaus die Nadel auf die Rille legte, sanft, ehrfürchtig, und sich dem hingab, was eine Welt jenseits von Raucherecken am Rande der Schulhöfe von 3500-Schüler-Waschbeton-Zentren versprach. Eine Welt ohne feministisch inspirierte Englisch-Lehrerinnen, die wollten, dass man die Rolle der Frau im 17. Jahrhundert kritisiert und ohne geile Jungsärsche in Lederhosen, auf die man nur verschämt zu starren wagte. Vor allem auf den des einen. „Pogo“ nannte man ihn, und er war auch immer im Farmer’s Inn in Uetze.

Da himmelte ich ihn schweigend an, um am nächsten Morgen triefend vor Liebeskummer, der die ganze Person existenziell umgreift, statt den Englischkurs zu besuchen einfach liegen zu bleiben und zu Meat Loafs „Bat out of Hell“, ja, ich beichte, ich hatte Liebeskummer zu „I want you, I need you, but there ain’t no way … „, hey, ich war 16 oder 17, der Sehnsucht, ungestillt, einen monumentalen Stausee zu errichten, in dem man zu ertrinken glaubte vor ungestillter Begierde …

Denen würde man es zeigen! Denen, die frustrierten und beschämten, ja, „eines Tages werd ich mich rächen“ dröhnte aus den Boxen der lila gestrichenen Teestube im Jugend- und Freizeitheim, wenn nicht gerade Anne Clark oder Joe Cocker tönten. Dort, wo die Menschen mit Eyeliner und abgeschnittenen Pfeffer-und Salz-Mänteln zusammen mit denen im selbstgestrickten Pullover in Freistunden Geld für eine Packung „Die Dröhnung“ sammelten, während die eigenen Depressionen sich vollzählig versammelten und Sartres Worten „Die Hölle, das sind die Anderen!“ applaudierten. Man, man dachte sich als Man, damit es nicht so weh tut im juvenilen Weltschmerz, man würde denen schon beweisen, dass man sie ohne sie kann und die alle gar nicht bräuchte! Jawohl!

So ließ man diese Stadt vor den Toren Hannovers triumphierend hinter sich und wundert sich heute vor der Domschänke, dass man mit solchen säuft, die das Schützenfest dort kennen.

Was eine Befreiung! Schanzenleben! St. Pauli! Zwischen wie im Spielfilm brennenden Fässern die Barrikaden zu durchschreiten, die zur Polizeiabwehr die Hafenstraßenhäuser schützten, und Konzerten lauschen. Morgens aufwachen und knackige Bereitschaftspolizisten sich im Mannschaftswagen räkeln sehen vor dem Fenster im Hochparterre, weil dank des Kampfes um die Alte Flora Ausnahmezustand herrscht. Frisch verknallt inmitten der Behelmten mit Mumm-Sekt-Flasche flanieren, nicht wissend, ob man nun gleich verhaftet wird, weil Mollibaupläne unterstellt werden könnten. Die Hausnummer nicht finden, wo man das Objekt der Begierde wähnt, mit dem man in dessen Geburtstag feiern möchte – doch er kommt auf der Wohlwillstraße entgegen gelaufen mit wiegendem Gang und Hühnerknochen an der Ledermütze, inmitten von Blaulicht wundersam ausgeleuchtet, ein Gesicht, ein Mund!, er nimmt mit in eine Wohnung mit Blick auf den Schlachthof und man, ja, man, siehe oben, stößt mit ihm und seinem gerade frisch errungenem Lover, eine Hagerer mit pink Iro, zum Geburtstag an.

Frust, Entsagung, Tage später ganz in Schwarz vor der Großen Freiheit 36, es lockt passend das Nick Cave-Konzert! Ausverkauft. Eine Hand kommt aus der Menge geschossen, greift mich, jetzt vom man zum ich mutierend, ein Bekannter, zieht mich zur „Kombinat“-Party im Fernsehturm. Der war damals noch geöffnet. Starre auf Planten & Blomen, das Objekt der Begierde samt Lover erscheint, verschwindet wieder, lässt den Lover bei mir stehen, der mir den Rest des Abends nicht von der Seite weicht, lustvoll „Bella!“ in mein Ohr hauchend. Leben!

Jetzt läuft er mir manchmal mit „St. Pauli“-Shirt joggend in Planten & Blomen über den Weg, der Lover – also er joggt, nicht ich – und als ich das erste Mal meine alte Haupttribüne am Millerntor betrat, fiel mir auf, wie viele Leute ich noch vom Sehen aus den Kneipen damals kannte. Dem „Dschungel“, dem „Um Mitternacht“, dem „Subito“. Der Zeit, kurz bevor „Aciiiid“ das Nachtleben nachhaltig änderte. In diesem Stadion atmete noch etwas, war präsent, das mich in dem wilden Hamburg der späten 80er willkommen geheißen hatte. Das mir beim Surfen durch hochkommerzialisierte Medienwelten in den 90ern verschwunden schien.

Es war der Tag eines 4:0 gegen die Stuttgarter Kickers, an dem meine Initiation nachhaltig griff, und trotz des berühmten „Wir waren Absteiger Nr.1“-Slogans spielten wir plötzlich in der Hinrunde mit ’96 um den Aufstieg. In der Rückrunde Hannover dann nicht mehr, wir schon. Nürnberg war längst enteilt, und ich meine, es war der Herr Ehrmanntraut, der Hannover antrieb, und wir kurz dahinter kurz vor Weihnachten. War es das Spiel gegen Aachen, wo dieser Xeng-Fui oder so ähnlich sich so schlecht benahm, ein 3:3, kann das sein?, das Spiel davor, das Menschen auf Holzbänken ausriefen ließ „Die Jungs können doch nicht nach Hannover fahren!“?

Am Tag des Spiels selbst hatte ich einen Termin in Mainz. Auf der Rückfahrt stöpselte ich einen Kopfhörer in die Armlehne. Ein Reporter im dort eingespeisten Radio schwärmte von dem „Spitzenspiel“, laustark vernahm ich „St. Pauli!!!“-Chöre im Hintergrund. Es hielt mich kaum auf dem Sitz. Das 1:0 für Hannover fiel. Simak schoss es, glaube ich. Pathos wüsste es jetzt genauer.

Der Zug hielt. Hannover. Ich zögerte kurz. Ich schnappte meine Sachen und hüpfte aus dem Wagon, joggte zum Taxi, „Niedersachsenstadion, bitte!“. Es war dunkel, das vorletzte Spiel der Hinrunde, meine ich. Das vor dem Spiel mit dem Lotter-Freistoß von der Eckfahne, der direkt … und dann Nico Patschinskis Welle mit dem Publikum hinter ihm während des DSF-Interviews – also, das kam danach, das Nürnbergspiel. An dem Abend in Hannover jedoch ging ich auf das Stadion zu und hörte nur „St.Pauli“-Chöre, so laut, so schön … unweit des Maschsees hatte auch mein Vater gearbeitet, wir haben auf der Wiese vor dem Fussballoval gesessen, um den Rolling Stones zu lauschen und hörten fast nix. Und nun sooooo laut St.Pauli!, als sollten Chöre lindern, was an unschönen Erinnerungen aus dieser Stadt in mir fort lebte. All die Demütigungen, alle – sie sangen sie hinfort …

Ich bekam eine Karte für einen fast leeren Block neben unserem. Es war kalt, und wegen derer neben mir fühlte ich mich sogar in dieser, meiner Herkunfststadt plötzlich, dieses eine Mal!, zu Hause und am richtigen Platz.

Markus Lotter schoß kurz nach meinem Eintreffen den Ausgleich. Ich war befreit. Atmete tief durch, wie man das tut, wenn etwas zu Ende gegangen ist und man im Guten sich auf die Zukunft freut. Weil man ich wurde. Einmal mehr.

Die Frankfurter vorm „Prost!“ sind mittlerweile eingeschlafen, deren Feuer ist verloschen, sieht man ja am Punktestand. Der Barkeeper tut auch nur so, als würde er mir zuhören … der Bahnhof ruht.

Doch das da in der Ecke, der mit der Lederhose, hey, kenn ich den nicht? Meat Loaf singt mir plötzlich ins Ohr, „… and the chilly california wind is blowing down our bodies again …“ – komm, Barkeeper, noch zwei Bier, ich geh da jetzt mal rüber …

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113 Antworten zu “Vorschau Hannover 1

  1. Fortinhar Februar 25, 2011 um 4:47 am

    Kerle naa. Man muß ja unsern Ebbelwoi nicht mögen, verlangt wirklich keiner, aber den mit v zu schreiben geht gar nicht. Bitte.

  2. momorulez Februar 25, 2011 um 9:09 am

    😀 – siehte mal, so wenig weiß ich von den südlichen Gesöffen. Noch nicht mal, wie man sie schreibt. Das „Oi“ stimmt doch aber, oder?

  3. che2001 Februar 25, 2011 um 9:43 am

    Frankfurter als Süddeutsche zu bezeichnen ist kühn, sie mit Österreichern in einen Topf zu werfen so, wie Niedersachsen den Dänen zuzurechnen.

  4. momorulez Februar 25, 2011 um 9:49 am

    Ist mir doch schnurz – alles unterhalb der Deister-Linie ist für mich gefühltes Süddeutschland. Binnendifferenzen kann ich da schon deshalb gar nicht wahr nehmen, weil ich deren Sprache gar nicht verstehe.

  5. che2001 Februar 25, 2011 um 9:55 am

    Das erinnert mich jetzt an eine Frau aus dem Vogelsberg, die dachte, von Kiel nach Emden führe man 20 Minuten, weil das da alles beisammenliegt. Der Deister ist irgendwo bei Magdeburg, oder?

  6. momorulez Februar 25, 2011 um 10:00 am

    Ich finde es viel unfreundlicher, Dich ausgerechnet an Frauen vom Vogelsberg zu erinnern. Ausgerechnet.

  7. che2001 Februar 25, 2011 um 10:08 am

    Häh? (Kurzform von das verstehe ich jetzt überhaupt nicht, kannst Du mir das näher erläutern?)

  8. goodsoul Februar 25, 2011 um 10:18 am

    Herrlich!!!!! Das Farmers Ende der 80er!!! Aber vorher natuerlich mit den Nienhagen-Bauwagen-Punks 3 Karslquellpaletten wegziehen. Und ab und an diese laecherlichen „Angriffe“ der Naziskins!
    Aaaaaach! Das waren noch Zeiten! 🙂

    Danke dafuer!!!

  9. momorulez Februar 25, 2011 um 10:20 am

    @Che:

    Das ist doch gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass der FC St. Pauli mich Dank der Erfahrung der Multindividualität erstmals als irgendwo hingehörig fühlen ließ. Und Süddeutsche sind ja auch Menschen.

  10. momorulez Februar 25, 2011 um 10:24 am

    @Goodsoul:

    Du kennst das Farmer’s Inn? Das waren sogar die frühen 80er, dass ich da oft war, 82-83, mit 16, 17. Mit meiner älteren Schwester und deren Freundinnen. Wat hab ich getanzt …

    Gern geschehen!

  11. Loellie Februar 25, 2011 um 10:42 am

    ist das so ein laden auf dem platten land der innendrin aussieht wie ein kuhstall? so richtig mit stallboxen und ganz rohem holz?

  12. che2001 Februar 25, 2011 um 10:47 am

    @MR, diese Deine Erfahrung wird ja auch deutlich und gönne ich Dir. Als jemand, der öfter unterwegs in Hessen war und die Nordhessen/Südhessen-Abgrenzungen kennt sowie die Tatsache, dass der mainfränkische Streifen um Aschaffenburg dort „Gazastreifen“ genannt wird und dann die Wahrnehmung des Don kennt, für den Hamburg eine kalte Stadt im hohen Norden ist, gefühltes Narvik oder Hammerfest oder Murmansk kann bei diesen Nord/Süd-Geschichten trotzdem immer gut schmunzeln.

  13. goodsoul Februar 25, 2011 um 10:49 am

    Yes!!! Die Farmerszeiten gingen bei mir aber erst so ab 87 los. Bin Jhrg. ’71. Fand seinerzeit das Bad und dann auch das MAD allerdings auch nicht so uebel! Und die Glocksee oder die Konzerte im Korn….. So schlimm war Hannover doch gar nicht! 🙂 Und in der Passarelle Klamotten und Platten kaufen ging auch immer! Ich persoenlich hatte nur einmal richtig Stress mit Rechten (96 Hools). Wo? Etwas peinlich aber: ….. In der „Bhaggi“! ***Hust*** 🙂

  14. che2001 Februar 25, 2011 um 10:55 am

    Das waren für mich das FAUST, Freizeitheim Linden, das Capitol und die Irish Harp am Schwarzen Bär, durchaus auch die Osho Disco.

  15. momorulez Februar 25, 2011 um 11:26 am

    @Goodsoul:

    Ist ja nicht so, dass ich in der „Bhaggi“ nicht auch gewesen wäre 😉 – und die Programmkinos daneben, die waren auch wirklich prima. Im bad war ich zeitweise 3 Mal die Woche 😀 – das war wirklich prima. Bis auf den Abend, wo irgendwelche Psychs das Auto meiner Mutter zu Kleinblech zerlegten. Auch so eine Szene, die keiner mehr auf dem Zettel hat.

    MAD habe ich, glaube ich, schon gar nicht mehr mit bekommen, oder war das das tief unten unter dem Raschplatz? Bin Jahrgang ’66 und schon ’87 nach Hamburg gezogen – das Farmer’s war als „first cut“ aber tatsächlich the deepest. Da waren ja viele aus Hannover, obwohl es so weit ab vom Schuß war. Das Sox gab es ja zwischenzeitlich auch noch, unter dem Kröpcke, das war auch was, zu „Schimmmliges Brot“ von den Neubauten zu tanzen.

    Klar war da vieles auch prima, aber ich musste da einfach weg. Das ging nicht, so als der Einzige in einem in bestimmten Hinsichten völlig anders tickenden Freundeskreis. Trotz des „Café Caldo“ 😉 …

    @Che:

    Capitol war für mich eher „Konzerte“. Bei dem legendären Fury-Konzert war ich da – da wohnte ich aber sogar schon in Hamburg. Killing Joke und Style Council habe ich da auch gesehen 😉 …

    Für „die Korn“ z.B. war ich zu feige, und in der Glocksee war ich kurioserweise auch erst nach meinem Umzug. Irish Harp oder FAUST kenne ich gar nicht 😦 – das „Rotkäppchen“ war noch so eine Kneipe, in der man manchmal war, gleich bei der Limmerstraße.

  16. momorulez Februar 25, 2011 um 11:30 am

    @Loellie:

    Ja! Da war rechts eine Kneipe, wenn man davor stand, und links die Disco, man saß mehr oder weniger vor einer DJ-Theke.

    Das war aber NICHT das Franco, auf das bis auf den dort erhöhten DJ-Pult die Beschreibung ja auch zutreffen würde 😉 – und auch nicht das ZOMBIE in Wennigsen.

  17. momorulez Februar 25, 2011 um 11:43 am

    @Goodsoul:

    Jetzt habe ich auch Nienhagen gefunden, das hatte ich gar nicht mehr auf dem Zettel 😉 – da wart ihr ja auch näher dran am Farmer’s als wir 😉 …

  18. che2001 Februar 25, 2011 um 12:03 pm

    FAUST ist die ehemals besetzte Bettfedernfabrik in Linden, aus meiner Sicht eigentlich DAS linke Zentrum in Hannover, wo sich z.B. auch die Iranische Gemeinde, heute Kargah, befindet. Sozusagen das JUZI und das KAZ und die Zukunftswerkstatt und die Musa von Hannover, alles in Einem.

  19. ziggev Februar 25, 2011 um 12:05 pm

    „Morgens aufwachen und knackige Bereitschaftspolizisten sich im Mannschaftswagen räkeln sehen vor dem Fenster im …“ 🙂 jetzt hab ich verpennt, dass ich längst Feieraband hab, das ist ja ein ganz wunderbarer Text, gern gelesen.

  20. momorulez Februar 25, 2011 um 12:07 pm

    Besetzt kann ich mich nur an die Sprengel-Fabrik, wo später auch die „Schwule Sau“ war, und an die Häuser in der Nordstadt, wo auch das Straßenkino war, erinnern. Kann das sein, dass das FAUST nach ’87 besetzt wurde? Habe noch nicht mal mehr die Parties in der Hanomag mit bekommen, und das ging ziemlich schnell, dass ich da nicht mehr sooo oft war. Außer zu den Wintersonnenpartioes in Scherenbostel 😀 – vielleicht war ja Goodsoul da auch mal, das war immer voll.

  21. momorulez Februar 25, 2011 um 12:10 pm

    @Ziggev:

    Das war wirklich so, auf einem Parkstreifen am Neuen Pferdemarkt 😉 … und der oben im Text erwähnte mit dem pink Iro sprach irgendwann die Bullen an, weil da echt sexy Typen bei waren, ob nicht einer von denen mit ihm ficken wolle, und bekam eine Strafanzeige 😀 . Da war das Viertel gefühlte Monate besetzt, man kam von der S-Bahn und die Einkaufstaschen wurden durchwühlt, der Gouda abgetastet, bevor man nach Hause konnte.

    Danke für das Lob!

  22. goodsoul Februar 25, 2011 um 12:16 pm

    Die Nienhagen Punks waren immer Zwischenstation.Wir kamen aus Celle (oder wie der Spiegel mal geschrieben hat: „Die Heidemetropole“!!!).
    Bin mir nicht mehr so sicher mit dem MAD! Das ist ein paar Mal umgezogen. Raschplatz war aber das SUB und das PALO PALO! Das war aber schon Anfang der 90er! Das wurde ich etwas funki&soulig.
    Korn war in der Tat etwas derbe. Aber sehr geil!!! Neben den heftigen Punk/HC Konzerten aber auch schoene Parties mit den „Brieftauben“ oder auch „No means no“!
    Haaaach jaaaa!

  23. momorulez Februar 25, 2011 um 12:20 pm

    Celle, da hatte man natürlich einige Freunde 😉 – jüngst hat mich eine damalige Schulfreundin bei Facebook wieder entdeckt, die kam von da. Da fuhr man immer Brasilianer, die mein Vater zu Besuch hatte, zum Fachwerkhausgucken hin – das Celler Loch zeigte man ihnen nicht 😀 .

    Palo Palo und SUB (das war’s dann!) kenne ich noch, aber das MAD ist mir irgendwie entgangen ….

  24. che2001 Februar 25, 2011 um 1:13 pm

    Ich habe diese H-Szene erst ab 1993 mitbekommen, als ich da beim NDR war und dann in Politzusammenhängen. Vor 87 kenne ich da gar nichts, außer den Punks vom Raschi und der Passarelle.

  25. kleinertod Februar 25, 2011 um 1:22 pm

    Sehr schöner Artikel. Erinnert mich an den wunderbaren Derby-Vorabendbericht, auch gegen den HSV. Aber gegen den, ähm, kleinen? Mittlerweile steige ich da nicht mehr durch… 😉

  26. momorulez Februar 25, 2011 um 1:52 pm

    @Kleiner Tod:

    Dankeschön!

    Du musst heute auch mal in die Konkret gucken, Du wirst auch zitiert 😉 – ein schöner Artikel von Renė Martens zu den Sozialromantikern.

  27. kleinertod Februar 25, 2011 um 1:59 pm

    Konkret? Ich muß gestehen, ich weiß gerade von nichts. Netz? Link?

  28. kleinertod Februar 25, 2011 um 2:05 pm

    Ah, die Zeitschrift. Muß ich hineingucken, danke für den Hinweis.

  29. momorulez Februar 25, 2011 um 2:16 pm

    Ja, genau, die Zeitung. Und dem René Martens bei Twitter folgen macht eh Sinn, der verschickt auch oft höchst spannende Links. Und hatte gestern da auch angekündigt, dass er uns zitieren würde, Dich bei Twitter aber offenkundig noch nicht entdeckt.

  30. kleinertod Februar 25, 2011 um 2:35 pm

    Gleich mal den Verfolgungsbutton aktiviert. Solche Hinweise sind schließlich immer willkommen. ^^

  31. Nörgler Februar 25, 2011 um 2:40 pm

    Ich erwarte, dass die St. Pauli-Anhänger morgen (durch Mental-Fernwirkung) der 13. Mann des FCK auf dem Betzenberg sind!

  32. momorulez Februar 25, 2011 um 2:43 pm

    Dass werden wir im Herzen sein! Selbst bei der Abstiegskonkurrenz! Über das 4:0 der Rauten gegen Werder habe ich mich auch echt geärgert, obwohl das gut für uns ist.

  33. Loellie Februar 25, 2011 um 2:50 pm

    Puuh … ich kann mich an das alles kaum noch erinnern. Ausser dass ich das alles ganz furchtbar fand damals, in diesem Hanover.
    Ich weiss auch nur noch dumpf, dass wir ewig gefahren sind und dass das, weshalb die anderen da hinwollten, dann garnicht stattgefunden hat. Im Saal selbst waren zumindest auf der rechten Seite sowas wie Separees, links vllt auch, aber wo da ein DJ gewesen sein soll weiss ich auch nicht mehr. Irgendwer hat gemeint der Laden wär mal total angesagt gewesen, also vor 86/87 …

    Die Baggi-Disco fand ich von der Location her richtig klasse, viel zu hell zwar mit fürchterlich altbackener Musik aus einer hoffnungslos unterdimensionierten Anlage. Aber leckere Cocktails gabs 😀
    Dann war unten noch eine Raeggae-Disco und schräg gegenüber (?) noch ein Laden der was von umfunktionierter Tiefgarage hatte.
    Und in irgendeiner Seitenstrasse war dann noch was kleines in einem Keller, Typ etwas abgehalfterte Nobel-Disco die immer ewig lange auf hatte.
    Ich fand das damals alles Musikmässig noch piefiger als in dem Kaff, aus dem ich komme, aber das war auch wirklich ein Versehen, dass wir in Hannover gelandet sind. Die versprochen Jobs gab es garnicht und dann waren wir abwechselnd dauerkrank und bankrott sowieso die ganze Zeit.

    Das Rotkäppchen war übrigens bei mir um die Ecke. Der einzige Laden den ich noch ganz lustig fand war ein kleines schwules Abendcaffee, kann das beim Caffee Caldo gewesen sein? Ich glaub der Wirt hiess Micha und hat später, als ich schon weg war, dann noch eine Techno-Disco aufgemacht, glaub ich.
    Man merkt, ich hab das meiste erfolgreich verdrängt 😉 … Ja, Google-Maps find ich mittlerweile ja klasse. Der Laden war gegenüber vom Caldo und heisst jetzt „Two Faces“.

    Und ja, coole Plattenläden gabs mehrere. Umso unverständlicher die antiquarische Musik in den Clubs.

  34. che2001 Februar 25, 2011 um 3:05 pm

    Wahrscherinlich hätte ich das, was Du „fürchterlich altbackene Musik“ nennst richtig gut gefunden;-) Wobei allerdings auf dem Hanomag-Gelände Meilensteine des Rave gesetzt wurden.

  35. momorulez Februar 25, 2011 um 3:09 pm

    Ach, im Sox und Bad war das so antiquiert gar nicht, allerdings hinsichtlich der Musik, auf die Du dann standest, Loellie, gab es wenig. Allenfalls noch das „Konfetti“, aber da waren mir zu viele Nazis, als irgendwas zwischen Psych und Waver getarnt, und da war ich auch nur einmal. Vergleichbares mit dem „Front“ hier in Hamburg gab es tatsächlich nicht.

    Die Land-Disco, die Du beschreibst, war vermutlich das Franco, da waren meine Freunde aus der Wedemark immer. Das war in Apensen oder so, zwischen Neustadt und Negenborn 😀 …

    Die Baggi-Disco war mir zu, ach, ich weiß nicht, zu wenig rough. Ich hab es ja bis heute lieber etwas derber, wenn auch die „Korn“ mir schon too much war. Gab kurz den „Gun Club“ im Steintorviertel, das mochte ich. Schon das Caldo war mir eigentlich zu schick. Als ich nach Hamburg kam, gab es eine kleine, schwule Szene rund um die Hafenstraße, das war eher meine Welt. In dem Laden gegenüber vom Caldo war ich deshalb auch nie, auch nie im „Vulkan“ 😉 – trotz aller stauseehaften Begierden musste ich mich irgendwie langsamer an das Thema ran robben, so dass „die Sub“ mich immer verschreckt hat. Da war so eine Annäherung über diese Kreise irgendwie besser für mich.

    Die Promi-Disco, war das die am Raschplatz, Stirnseite, da, wo die Lister Meile begann? Da ist meine Snob-Freundin Agathe aus dem schicken, ausgebauten Bauernhaus in Isernhagen immer hin gegangen … an den Reggae-Laden erinnere ich mich auch, und die ausgebaute Tiegarage muss das „Sub“ gewesen sein. Ich meine auch, das hätte aufgemacht, kurz nachdem ich weg gegangen bin.

  36. che2001 Februar 25, 2011 um 3:15 pm

    @“zu viele Nazis, als irgendwas zwischen Psych und Waver getarnt“ sind mir ja auch über den Weg gelaufen, so massiv, dass ich lange Jahre dachte, Psychobillies seien so etwas Ähnliches wie Oi (nicht Oi-Skins, sondern nur Oi): Leute, die eigentlich Naziskins sind, sich dazu aber nicht offen zu bekennen trauen. Dass es eine eigene Psych-Subkultur gab rund um Bands wie Strai Cats und Ramones herum erfuhr ich erst viel später.

  37. momorulez Februar 25, 2011 um 3:17 pm

    PS: „Schimmliges Brot“ war natürlich „Foyer des Artes“, und ich meinte dies „Fütter mein Ego“-Dingens von den Neubauten.

  38. momorulez Februar 25, 2011 um 3:19 pm

    @Che:

    Es gab ja auch eine rechte Psych-Szene Ende der 80er, das waren ja die, die das Auto meiner Mutter zertrümmerten, weil die einen Friedenstauben-Aufkleber da drauf hatte. Hier in Elmshorn gab es auch eine Menge davon. Die waren nur leider unerhört sexy 😀 – und auch nicht alle rechts.

  39. Loellie Februar 25, 2011 um 3:20 pm

    Mit Sicherheit sogar. Ich meine ja auch nicht durchweg schlecht, aber ewig will ich eine Playlist Anno 81/82 auch nicht hören. Das hatte immer sowas von „der DJ der Dorfdisco muss auf die Wünsche des vielfältigen Publikums eingehen.“ Mit dem gleichen, seit Jahren erprobten Spickzettel. 3 Stücke dies, 3 Stck das und dann 3 Stck ganz was anderes, damit auch ja überhaupt niemand was vom Abend hat.

    Der Stromgitarren-Plattendreher im Neuköllner Rock-It war ein wahrer Gott im Vergleich zu den Pfeiffen in H, auch wenn das dann nur partiell mein Fall war. Und das war kein wie auch immer gearteter „Szene Laden“ in dem Sinne, sonder eher prollig.

  40. momorulez Februar 25, 2011 um 3:25 pm

    Na, wenn Du auch immer nur in die Baggi-Disco gegangen bist 😉 … aber klar, so die Hits von The Smiths oder The Cure oder der Violent Femmes, die wollte man schon hören, und U 2 wurden auch eingestreut. The Smiths waren aber ebenso wenig altbacken wie The The und so was, und das lief im bad schon hoch und runter. Ich red ja hier jetzt gerade vom Zeitraum ’85 bis ’87.

    Am Farmer’s war das Altbackene gerade cool (nun wieder ’82 – ’84). Da liefen The Commodores, War, Kurtis Blow, sehr viel Funk, Soul und die roughen Disco-Geschichten, auch Maze, und da war ja wundervolles Zeug dabei.

  41. momorulez Februar 25, 2011 um 3:26 pm

    PS: Lustige Diskussion hier gerade, gefällt mir 😉 …

  42. goodsoul Februar 25, 2011 um 4:09 pm

    Zum Thema „als Psych getarnte Nazis“ faellt mir noch ein, dass ich mal die Meteors im Bad gesehen habe und es dort Probleme gab, weil mein Kumpel Jesus-maessige Matte trug. War sehr uncool was da abging!
    However! Ich fand und finde Hannover immer noch besser als sein extrem schlechter Ruf es erscheinen laesst (alleine schon die durchgedrehten Konzert bei „Silke Arp Bricht“).
    In diesem Sinne: Euch ein schoenes Wochenende, Forza St. Pauli und immer daran denken:
    Il mondo è bello perché è vario!!!!

  43. Loellie Februar 25, 2011 um 4:14 pm

    „Apensen, zwischen Neustadt und Negenborn“ 😀

    Ich schmeiss mich gerade weg vor lachen, aber das klingt, als müsste es das gewesen sein. 😀

    Ins Bad hab ichs ganze zweimal geschafft, einmal blöde Party und das andere mal gabs ein unvergessliches Konzertbesäuffnis mit Jah Wobble und Dave Clark ua., weiss garnicht mehr wie die sich damals genannt haben. Die Disco war brechend voll und ins Zelt hatte es gerade mal ein dutzend Leute geschafft. Die haben nicht nur trotzdem gespielt, sondern immer wieder unterbrochen, damit wir frische Bierkästen holen konnten … und ich musste dann bis nach Linden zurück torkeln manmanman …

    Wo die Prommi-Disco genau war weiss ich nicht mehr, das war schon in der Nähe vom Raschplatz, ziemlich teuer, ich glaub 8 Mark fürs Bier und mit Koks-Nasen vollgestopft. Hat mich gaaanz entfernt ans Cookies in ffm erinnert, was wiederum mein Lieblingsladen dort war. Fette Anlage und extrem abgedrehte Musik.

    Ja, Sub hiess die „Tiefgarage“, aber Konfetti hör ich zum ersten mal.
    Schwulenszene gab es damals ausser dem Vulkan, in den mich auch keine 10 Pferde freiwillig bekommen hätten, und dem kleinen Laden, der auch erst aufgemacht hat als du schon weg warst noch ein zwei Stricherläden und sonst nix.

    Und wohlfühlen kann ich mich überall, wenns skuril ist, sogar in einem Kuhstall. Oder einem Kohlenkeller, der erste UFO-Club, oder der ehemaligen Herrentoilette am Potsdammerplatz, wo das erste WMF war. Ich nehm aber auch ochsenblutrotes Büffelleder mit Messingbeschlägen.
    Wenn der DJ es sich nicht alle zehn Minuten anders überlegt, was er denn nun eigentlich auflegen will, bin ich auch bei der Musik durchaus flexibel, das braucht nur einen roten Faden, wenigstens mal ’ne halbe oder ganze Stunde, aber zum tanzen brauch ich Rumms, also ’ne amtliche Anlage. Sonst wird das nix. Da bin ich ganz Kapitalist. Wenn ich Eintritt zahle und Aufpreis bei Getränken, erwarte ich, dass ein Teil davon in Form von Lautsprechern an der Decke hängt und gelegentlich jemand einen Plattenladen aufsucht.

    Kann das sein, dass es um 86 herum ein Loch gegeben hat? Post-Punk endgültig durch und noch nichts neues richtig in Sicht?

  44. che2001 Februar 25, 2011 um 4:59 pm

    1986 gings in meiner Welt gerade richtig los mit großen Open Airs und Umsonst&draußen-Konzerten…

  45. momorulez Februar 25, 2011 um 5:00 pm

    Ja, da fing so eine Retro-Schiene an, Jesus an Mary Chain und so, die den ganzen Indie-Gitarrenkram rückkoppelte an die 60er. Andere – mit total unterschiedlichen Akzenten – wie The The oder Sisters of Mercy, die ich ja besser finde als ihren Ruf, gingen auf Dance zu. Wieder andere, Beastie-Boys, öffneten sich Hip Hop, und Fun-Punk war auf einmal ganz groß, Goldene Zitronen, auch die Toten Hosen kamen da hoch. Und das Maßgebliche, was die weitere Entwicklung betraf, EBM und High Energy, hat außerhalb von Läden wie dem „Front“ oder auch den Kombinat-Leuten niemand so richtig ernst genommen hat. Frankie goes to Hollywood waren da die einzigen, deren, ja, visionäre Kraft auch als solche geschätzt wurde. Und ’88 war dann schlagartig mit z.B. „Cesars Palace“ und dem „Opera House“ hier in Hamburg was Neues wahnsinnig schnell etabliert. WestBam zog da ja auch mit „Die Macht der Nacht“ durch die Lande.

    Was Hannover betrifft, hast Du dieses schwule Zentrum vergessen, wo ich in die Jugendgruppe ging 😀 – das ist aber ein anderes Thema. War traumatisch.

    @Goodsoul:

    „However! Ich fand und finde Hannover immer noch besser als sein extrem schlechter Ruf es erscheinen laesst“

    Das finde ich ja trotz allem auch. Müsste ich mich zwischen Köln und Hannover wählen, zum Beispiel, würde ich mich immer für Hannover entscheiden.

    Und jau, Forza St. Pauli und bis morgen im Stadion, unbekannterweise!

  46. momorulez Februar 25, 2011 um 5:02 pm

    @Che:

    Das hab ich einmal mit gemacht, in Sulingen, so ’81, ’82, und dann wollte ich nicht mehr 😉 …

  47. che2001 Februar 25, 2011 um 5:30 pm

    In Göttingen waren Umsonst&Draußen im KWP und Rock im Jahnstadion eine ganz eigene Größe, und aus umsonst6&draußen gingen Bands wie Nancy&I, Guano Apes, Attila the Stockbroker und Guns in Vice hervor. Das war allerdings eine sehr punklastige Musikszene und so heavy, dass bereits ein hochintellektueller feministischer Diskurssong nanmens „Sexism“ unter dem Label „Ruhegefühle“ lief, weil es weder Punk noch Metal noch Rap war, ergo Schmusemucke;-)

    Hosen, Zitronen, Abstürzende Brieftauben und Rocko Schamony waren in dieser Zeit für mich aber auch hochangesagt.

  48. Loellie Februar 25, 2011 um 5:52 pm

    Stimmt, ich hatte vorhin überlegt, was ich mir in H an Platten gekauft hatte, aber da ist mir auf die schnelle nichts tanzbares eingefallen. 88 in London war das dann ein heftiger Kulturschock, weil man auf dem Kontintent von dieser riesigen, mobilen Clubszene null komma null mitbekommen hatte. Und dann ging alles ganz schnell. Integrationsverweigerer wie ich brauchen das ja, wenn Sachen fliessend und nicht festgelegt sind, oder sich der Gegensatz von Underground zu kommerziell auflöst. Wobei letzteres schon spezifisch ist für London,weil sich ein gutes Stück des Musikmarktes, im Sinne von Abnehmern, in London konzentriert. Also das irgendein Underground-Track zweimal im Radio läuft und pötzlich in der Top Ten landet.

    http://www.youtube.com/watch?v=WgabwOzrGIE 😀

    Sowas geht dann nämlich auch.

  49. Loellie Februar 25, 2011 um 6:33 pm

    Mit Open-Airkonzerten konnte ich irgedwie nichts anfangen.

    Das schwule Zenturm kenn ich überhaupt nicht.
    Frankie goes to Hollywood fand ich auch ambivalent. Und Holly war in mich verknallt :D. Da bin ich nur knapp an der Scheidung vorbeigeschrammt. Ach *seufz* … vielleicht hätte ich ja doch sollen …

  50. momorulez Februar 25, 2011 um 8:14 pm

    Das Zentrum war in der Johannsenstraße, ’ne Ecke, wo sonst auch nix war, musste deshalb auch gerade noch mal auf dem Stadtplan gucken, wie die Straße hieß.

    Relax und so war schon groß.

  51. Loellie Februar 25, 2011 um 10:44 pm

    Das meinte ja ich mit ambivalent. Trevor Horn ist ja nun wirklich eher kommerzieller Pop-Produzent denn Underground, was auch immer das heissen soll, und hat ja trotzdem reichlich Sachen Produziert die im Club funktionierten. Ziemlich tight und auf die eins alles.

  52. momorulez Februar 25, 2011 um 11:06 pm

    Let’s break down the formula … ich fand ja immer schon, dass Kommerzialität als kritisches Kriterium im Falle von Popmusik bei aller berechtigten Kritik an der Warenförmigkeit, was das ja meint, nicht ausreicht. Finde ja auch weiterhin, dass „Like a virgin“ ein großer Wurf ist 🙂 … puhh, das ist aber eine sehr weit führende Diskussion. Trevor Horn hat die Sachen so geil fett und breit und wuchtig gemacht, was man zwar unter abscheulich verbuchen können kann, aber ich steh da total drauf, auf diese wuchtigen Soundräume.

  53. momorulez Februar 26, 2011 um 9:53 am

    „The Formula“ war ja Rupert Hine. Ich werd alt und tüddelig.

  54. Loellie Februar 26, 2011 um 11:56 am

    Och, in meiner Grossmuth gestatte ich dir doch zu stehen worauf immer du willst 😀

    Scherz beiseite. Der Begriff kommerziell ist ja schon deshalb problematisch weil sich der Musikmarkt, zum unwohl der Betriebswirte in der Musikindustrie, viel zu gerne durch Unberechenbarkeit auszeichnet. Warenförmig gefällt mir dann schon besser, auch wenn man damit zB Motown auch schreddern kann. Die haben ja keine Sauerei ausgelassen in Detroit und noch ein paar erfunden. Emanzipatorisch waren die ja trotzdem, und das nicht zu knapp. „It’s the same old Song“ ist nichts anderes als das Prinzip dem Dieter Bohlen folgt, so unvergleichbar das auch scheint. Das mit der Hit-Factory ist durchaus fordistisch zu verstehen.
    Oder die Andrew Sisters als gemainstreamt besser zu vermarktende Version der Bosswell Sisters, die, bei aller Häme und Kritik mit der man sie überziehen kann, erheblich chaotischer in ihrer Titelauswahl waren als die Andrew Sisters und daher weniger marktkonform. Gabs schon alles in den 30ern.
    Dennoch gibt es ökonomische Gefälle, Marktmacht, der Musik inherente Mathematik, Gebrauchsmusik, oder Formatradio, wo ich da oben ja selbst mehr Formatierung gefordert habe.

    Es ist ja nicht so, als hätte Trevor Horn aus seinem Schlafzimmer heraus operriert. Insofern ist er quasi das Gegenstück dessen was ich oben mit „… das irgendein Underground-Track zweimal im Radio läuft und pötzlich in der Top Ten landet“ gemeint habe. „Funktioniert“ ist doch besonders bei Tanzmusik kein Negativatribut.
    Von den Buggles fühle ich mich schlicht verarscht, bei YES krieg ich sowas von Aggressionsschübe und das meiste in seinem Katalog ist einfach Scheisse, was alles ABC nicht schlechter macht, oder Malcom McLarrens in New York geklautes Buffalo Gal und Art of Noise schon garnicht. zB..
    Visionär finde ich dann allerdings doch unangemessen, denn fette Klangwelten gab es von Phil Spector, im Sinne von, aber wer die Eins erfunden hat, ach was, wer ALLES erfunden hat, wissen wir auch:

    http://www.youtube.com/watch?v=_PIcqzPNKKw

    Rupert Hine widerum, ist ein bewährtes Mittel, um mich von der Tanzfläche zu jagen, mindestens. Da hört der Spass dann auf 😉

  55. momorulez Februar 26, 2011 um 1:31 pm

    … und das Franco war in Welze, man musste aber tatsächlich durch Negenborn und Abbensen durch fahren, um dahin zu kommen …

  56. Loellie Februar 26, 2011 um 2:26 pm

    Ach herrlich …

    während ich mich gerade aufs masochistischste bei The Fixx ordentlich geekelt und aufgeregt habe, finde ich doch glatt das hier:

    http://www.youtube.com/watch?v=sqmhwCQqdcw

    und weils so schön ist, noch eins:

    http://www.youtube.com/watch?v=CNQ42otLUa0&feature=related

    Meine Güte bin ich alt. Ist von denen nicht einer zu YMO dessertiert? Oder umgekehrt … produziert vllt?

  57. momorulez Februar 27, 2011 um 10:52 am

    Ich bekenne, die gar nicht gekannt zu haben 😦 …. habe damals eher das hier gehört:

    Oder das:

    Oder das:

    Und sogar die:

    😉

  58. momorulez Februar 27, 2011 um 10:56 am

    Den hier nicht zu vergessen:

    Alles, was klarer in Richtung Pop ging, war verboten. Ausnahmen: ABC, Eurythmics, Madonna und die Pet Shop Boys.

  59. che2001 Februar 27, 2011 um 11:09 am

    Rita Mitsouko habe ich ja auch gehört und geliebt (ist übrigens auch Lieblingsmusik der Bloggerin Modeste, die mir von denen einige Songs auf CD gebrannt hat), die überhaupt zu kennen war in meinem Umfeld aber schon exotischer als Zwölftonmusik. Die Bollock Brothers kannte ich, ohne mit ihnen etwas zu verbinden, der Rest ist mir völlig unbekannt.

    Abgesehen von Punk, TonSteineScherben, Slime, Östro und Doors, Patti Smith, Suzi Quattro und Lou Reed hörten unsereins eher psychedelische Musik wie Amon Düül, 3 Mustaphas 3, Tangerine Dream, Eloy und Kraftwerk, und dann halt noch klassischen Hardrock und Rap.

  60. che2001 Februar 27, 2011 um 11:27 am

    Und klar, Violent Femmes waren natürlich immer dabei.

  61. Loellie Februar 27, 2011 um 11:51 am

    Ja, New Musik kennt heute wirklich keine Sau mehr, wie ich finde, absolut unverdient. Das erste Album fand ich nu auch alles andere als doll, dafür die anderen beiden umso mehr. Die sind in sofern selbst schuld, weil sie die Sachen, die dann in der Disco gut gelaufen sind, nicht als Singles ausgekoppelt haben. Ich hatte auch lange verdrängt, dass es die gegeben hat, bis vor ein paar Jahren, aber google mal nach New Music, wenn du vergessen hast das mit K zu schreiben und dich nicht mehr an Titel erinnern kannst … Das hat mich richtig gefreut, die zufällig wieder zu finden 😀

    Dass ich Bauhaus mochte war eher untypisch, die Bollocks Brothers kamen irgendwie einfach nicht vor, mit den Violent Femmes kann ich nichts anfangen, ich glaub das würde mich nach einer Weile nerven und Les Ritas Mitsuko fand ich irgendwie unspäktakulär. Die Pornos hab ich irgendwann mal im Netz gefunden und dann doch wieder verschlampt :D.

    Vllt liegt es auch daran das ich in CH sitze, aber Peter Murphy sagt: „Dieses Video enthällt Content von Beggars. Es darf auf bestimmten Webseiten nicht widergegeben werden“, was mich eigentlich nicht wundert und bei mir einzig die Reaktion provoziert, dass er seinen Dreck behalten soll. Ich hab nur leider keine Platten oder CDs mehr von Denen, die ich geschreddert zurückschicken kann. Wer weiss ob ihm das recht ist, wenn ich das Zeug im Büro höre, oder auf einer Bang & Olufsen-Anlage. Vllt verletzt die Farbgebung in unserem Wohnzimmer seine zarten Gefühle. Könnt ja sein dass die sowas auch stört.

    Ehrlich gesagt versteh ich nicht, dass ich der einzige bin, der sowas persönlich nimmt.

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  63. momorulez Februar 27, 2011 um 12:57 pm

    Na, dieses Gesperre, das ist ja doch nicht Peter Murphy, oder? Ganz unbegründet mochte ich den ja lieber hören als Bowie, was zwar idiotisch ist, aber geschmäcklerisch für mich völlig in Ordnung. Manchmal mag ich die Kopie lieber als das Original 😉 …

    Rita Mitsouko finde ich bis heute spektakulär, und die Violent Femmes liebe ich über alles. Die Bollock Brothers waren der letzte Scheiß, haben aber einen Heidenspaß gemacht – und sie haben, wenn auch sehr plump, sehr früh Heavy Metal und elektronische Dance-Sounds zusammen gedacht.

    @Che:

    Für uns damals waren das Ewiggestrige, die weiter diesen Krautrock-Kram gehört haben. Retrospektiv kann ich das allerdings anders einordnen, aber diese Prägnanz, die die guten Sachen in den 80ern hatten, die war für mich doch prägender als dieses verhuschte Wichtigtuen dieser Artrock-Geschichten. Ganz subjektiv gesprochen, objektiv waren die ja wichtig. Aber irgendwie hast Du immer fast ein Jahrzehnt Delay gehabt 😉 ..

  64. che2001 Februar 27, 2011 um 2:56 pm

    Ja, aber speziell ich. Auch als mein soziales Umfeld gerade die Beastie Boys spannend fand oder den frühesten, gerade entstehenden Grunge war das nie meine Welt. Ansonsten ist Göttingen halt eine Punk- und Bremen eine Raphochburg, und da hatte elektronische Tanzmusik (außer Wummwummwummtechno) wenig Platz. Für meinen Musikgeschmack prägend waren dann auch Leute, die selbst deutlich älter waren als ich, und die Ägyptenaufenthalte weckten dann mein Interesse für Rai einmerseits und anspruchsvolleren Metal andererseits.

  65. Loellie Februar 27, 2011 um 3:00 pm

    „Na, dieses Gesperre, das ist ja doch nicht Peter Murphy, oder?“

    Wer denn sonst?
    Aber das ich da allein auf verlorenem Posten steh weiss ich. Mir bleibt lediglich mich in Konsumverweigerung zu üben, was mir die letzten Jahre erstaunlich gut gelungen ist. Seit ca 2005 eine handvoll Bücher aber keine einzige CD, auf Downloads hätte ich mich sowieso nie eingelassen, eine DVD, kein Kinobesuch, keine Konzerte, vllt zwei Zeitschriften/Zeitungen … die kriegen keinen Pfennig mehr von mir.

    Es kann sogar sein, dass ich hier doch noch ’ne CD von Murphy hab, die stehen noch im Regal, im Gegensatz zu den paar dutzend DVDs die mir gehörten als ich in die CH kam und die schon längst im Müll gelandet sind, sind das einfach zu viele. Da ist das mit dem Entsorgen tatsächlich ein logistisches Problem, aber auch nur eine Frage der Zeit. Wann ich das letzte mal eine CD eingelegt habe weiss ich schon garnicht mehr.
    Ich fand die Solo-Sachen von dem auch nicht wirklich schlecht oder irgendwie zu nachgemacht oder was, aber irgendwie hat das einfach nicht gefunkt bei mir. Dann schon eher David Sylvian. Da hab ich etliches.
    Das letzte was ich so richtig grossartig fand war wohl Autechre, was nun auch schon eine ganze Weile her ist.

  66. Loellie Februar 27, 2011 um 3:14 pm

    @che

    Diese New Musik Sachen und zum Teil das was momo verlinkt hat waren gaaaanz frühe 80er, zT noch späte 70er, da war noch lange nichts von den Beastie Boys in Sicht.

    Das mit dem Kraut- und Schweinerock ist insofern bemerkenswert, weil Punk ja schon als direkte Reaktion darauf zu verstehe ist. Das geht eigentlich garnicht zusammen. Zumindest Tangerine Dream und Eloy, bei Amon Düül kann man das heute wirklich anders sehen als damals.

  67. Loellie Februar 27, 2011 um 3:31 pm

    „Aber irgendwie hast Du immer fast ein Jahrzehnt Delay gehabt 😉 ..“

    Da ist er ja nun wirklich nicht der einzige. Dieses reihenhäuslerische Sicherheitsdenken, bloss keine Musik von Leuten zu hören, die sich später vllt als peinlich herausstellen, war mir immer sowas von verhasst.

    „Für meinen Musikgeschmack prägend waren dann auch Leute, die selbst deutlich älter waren als ich,“ was erstmal normal ist, wenn man sich dann nicht auch noch „früher war mehr Lametta“ gleich mit abguckt, was leider genauso normal war.
    Womit ich jetzt nicht auf dich reagiere, sondern auf die paar Talking-Points.

  68. che2001 Februar 27, 2011 um 4:16 pm

    @loellie: Für stark kiffende und z.T. auch Halluzinogene konsumierende selbsterfahrungsorientierte Linke waren Eloy, Amon Düül, 3 Mustapha 3, Tangerine Dream, Pink Floyd usw. und Punk und Hardcore geradezu eine Pflichtkombination.

  69. momorulez Februar 27, 2011 um 4:45 pm

    „Dieses reihenhäuslerische Sicherheitsdenken, bloss keine Musik von Leuten zu hören, die sich später vllt als peinlich herausstellen, war mir immer sowas von verhasst“

    Mir ja immer die, die, indem sie solche Sachen schruben, genau das taten, was sie kritisierten 😉 – und was Che mit „anspruchsvoll“ meint, das ist ja viel eher die Frage. Diese Amoon Dülerei kann man ja auch den Jazz imitierende Breittreterei hören, die schlicht zur Verdichtung nicht fähig ist. Kommt ja immer drauf an, welchen Anspruch man formuliert.

    Und so sehr sich der frühe Punk gegen diese Roger-Wakemann-Keyboard-Virtuiosität richtete, so wichtig waren Can auch für die Neubauten, ein Julian Cope hat Faust gefeiert. So einfach ist das nun auch alles wieder nicht.

  70. che2001 Februar 27, 2011 um 6:40 pm

    Was psychedelische Musik angeht ging es bei mir nie darum, was da konzeptionell hintersteckt, wo die herkommt oder so, sondern was die mit mir macht, wenn ich kiffe, und da war dann Amon Düül und Pink Floyd dicht neben Ligety, Strawinsky und Stockhausen.

    @Anspruchsvollerer Metal: KoRn, Faith no more, Limp Bizkit, Nightwish, The Vision Bleak.

  71. momorulez Februar 27, 2011 um 6:43 pm

    Das ist jetzt aber eine konsumistische Haltung dem Kunstwerk gegenüber – als wäre Picasso so was wie eine Aspirin bei Kopfschmerzen. Und was „anspruchsvoll“ nun ausgerechnet bei Limp Bizkit bedeuten können sollte, das entzieht sich auch meinem Urteilsvermögen.

  72. Loellie Februar 27, 2011 um 7:53 pm

    @che: JA!

    http://www.youtube.com/watch?v=bcFCmbimk64
    😉

    @momo: Was Metal mit Anspruch zu tun haben soll erschliesst sich mir auch nicht, das klingt jetzt aber so, als würdest du Musik vom Blatt ablesen anstatt zu konsumieren, verzeihung, zu hören. Gibt ja auch genug kram, von dem man Kopfschmerzen bekommt und was Kiffermusik ist liegt weitest gehend im Ohr des Hörers. Zugedröhnt Throbbing Gristle zu hören war ja schon fast sowas wie eine Mutprobe.

    „Mir ja immer die, die, indem sie solche Sachen schruben, genau das taten, was sie kritisierten ;-)“
    Jetzt hast du’s mir aber gegeben. Gut das du sowas nicht machst 😉

  73. momorulez Februar 27, 2011 um 8:04 pm

    Diese Medium-Medium sind prima!

    Und es geht ja nicht darum, etwas vom Blatt abzulesen oder dessen Wirkung zu ignorieren, sondern Sätze wie „mir doch schnurz, was konzeptionell dahinter steckt“ ganz banausisch raus zu rotzen. Und Problem bei vielem aus der Techno-Ecke sind ja deshalb problematisch, weil sie auf Funktionalität reduzierbar sind, und das muss man ja nicht auf Stile rückprojizieren, bei denen das anders ist. Um dann noch „anspruchsvoll“ in den Raum zu werfen, als wäre das was, was in sich was aussagt. Da muss man die erhobenen Ansprüche schon auch ausformulieren, und wenn „Geil beim Kiffen!“ der erhobene Anspruch ist, trifft das alles Mögliche, was einfach nur lustig ist, ggf. auch zu.

    Nix liegt weitgehend im Ohr des Hörers.

  74. che2001 Februar 27, 2011 um 10:04 pm

    Na ja, was kiffend psychedelische Musik hören angeht würde ich das ja eher als bewusstseinserweiternde Übung betrachtend z.t. in Richtung mystischer Erfahrung, und da zählt dann in der Tat nur die Wirkung der Musik, nicht ihr Hintergrund. Geht mit Bildern von Picasso übrigens auch sehr gut und noch besser mit Grafiken von Escher. Und bestimmte Arten von Metal (Limp Bizkit war da vielleicht ein schlechtes Beispiel, The Vision Bleak aber ein sehr gutes) erreichen eine Art von athmosphärisch-symphonischer Dichte, wie das sonst nur Klassik hinbekommt.

  75. che2001 Februar 27, 2011 um 11:16 pm

    Loellie, das ist allerdings ein höchst cooler Clip, danke dafür!

  76. Loellie Februar 27, 2011 um 11:18 pm

    Moment, Che hat einerseits von Kiff und psycho gesprochen und andererseits von Anspruch, gerade ja wieder „Beethoven wär heut‘ Metaller“… blabla
    Was beim kiffen abgeht liegt selbstverständlich im Ohr des Hörers, bei wem denn sonst? Und wieso ist Funktionalität bei Techno jetzt ein Problem, und wer rückprojeziert da was auf welche anderen Stile … Was soll denn bei anderen Stilen die nicht Techno sind anders sein als bei Techno. Oder sind wir jetzt doch bei „Authentisch“ und „Kommerziell“ in Form von „Funktionalität“ als Qualitätsmassstab.

    Au Pairs „geht auch voll ab“ auf Dope. ‚Headache for Michelle‘ zB. Das wäre damals auf ganz konkrete Personen bezogen definitiv Qualitätsmassstab gewesen. „Fett Bass“ auch.
    Ausserdem ist Che ja Banause. Ist doch kein Wunder, wenn er mal wieder begrifflich Fettnapf-Limbo spielt.

  77. Loellie Februar 27, 2011 um 11:42 pm

    Aber gerne doch. Das ganze Album ist gut. Gibt aber nur eins.
    Ich seh gerade das ‚Guru Maharaj Ji‘ mittlerweile auch hochgeladen wurde.

    http://www.youtube.com/watch?v=upd6kDa9l6Q

    Leider find ich die original LP-Version nicht.
    Vielleicht geb ich irgendwann mal die Anekdote „Loellie will im Jugendzentrum Party machen“ zum besten.
    Der Programmmacher meinte, das sei zu „kommerziell“. 😀

  78. che2001 Februar 27, 2011 um 11:43 pm

    Sowas meinte ich mit anspruchsvollerem Metal:

  79. Fortinhar Februar 28, 2011 um 2:37 am

    che2001
    @loellie: Für stark kiffende und z.T. auch Halluzinogene konsumierende selbsterfahrungsorientierte Linke waren Eloy, Amon Düül, 3 Mustapha 3, Tangerine Dream, Pink Floyd usw. und Punk und Hardcore geradezu eine Pflichtkombination.

    Genau so kenn ich das auch noch. Alles durcheinandergehört. Und genommen.
    Die gleichen Älteren, die damals den Plattenschrank voll mit dem 70er-Kram hatten, haben aber auch als erstes Punk-Platten gehabt und einen da ran geführt. Mir erschien das alles nie als Widerspruch, es war einfach normal.
    Und das halt ich auch heute noch so und wechsele meine Playlist je nach Lust und Laune zwischen Psychedelic, Punk, Klassik, Electronic, 70er, 80er, Rap usw….
    Leute die ausschließlich eine Richtung in der Musiksammlung haben find ich langweilig.

  80. momorulez Februar 28, 2011 um 9:28 am

    @Fortinhar:

    Das war historisch aber schon ein Statement gegen die „Virtuosen“, die Gitarrensolowixer etc., der Punk, gegen epische Breite usw.,somit auch um Demokratisierung von Musik, und man könnte Dir nun postmoderne Beliebigtkeit unterstellen 😀 – ist ja entwertend, diese Austauschbarkeit, im Bezug auf die Musik selbst.

    @Loellie:

    Insofern geht es nicht um „authentisch“ – bei psychedelishen Ansätzen wird ja auch drogige Erfahrung selbst in Musik überführt, auch dann, wenn sie kein Bekiffter hört. Und im Techno gibt es allerlei, was noch die Differenz zwischen Klang und Geräusch reflektiert, z.B., und anderes hat gar keinen ästhetischen Eigenwert mehr, sondern ist nur zum Tanzen.

    @Che:

    Ich weiß immer noch nicht, welche Ansprüche Du meinst …

  81. che2001 Februar 28, 2011 um 10:34 am

    Anspruchsvoller meint zunächst nur, dass es musikalisch wesentlich komplexer ist als dieser Dumpfmetal a la Destruction oder Slayer.

  82. momorulez Februar 28, 2011 um 11:28 am

    Slayer ist großartig! Und Komplexität allein ist ja kein Kriterium …

  83. Loellie Februar 28, 2011 um 1:21 pm

    @Fortinhar/Che: Ich kann ja nur Bezug auf eigene Beobachtungen in der Provinz nehmen. Da sass die politische Linke Langhaarig vor ihrer Pink Floyd Sammlung und wetterte gegen die Jugend von heute, während die Hippies, Aussteiger oder Traveller, die zwar nicht unpolitisch waren, sondern eher alltagspolitisch, auf ihren Bauernhöfen lebten oder den grössten Teil des Jahres in Indien verbrachten, schon viel eher über Tangerine Dream bei Cabaret Voltaire landen, oder via King Crimson / Zappa bei Material. Mal grobschlächtig generalisierend gesagt.

    Leute die nur einen „Musikstil“ in der Sammlung gehabt hätten … da würde mir jetzt niemand einfallen, ausser DJs vllt, bei denen Berufsbedingt das was sie auflegen rein zahlenmässig natürlich dominiert.

    @Che: Ich bin da bei Metal und Hardrock historisch schlicht nicht bewandert genug, mich dünkt das erste hätte in den frühen 70ern noch ein progressives Moment haben können, die anderen beiden klingen original wie die Sachen, die mitte 70er Leute hörten, denen man aus guten Gründen auf dem Schulhof aus dem Weg gegangen ist. So richtig bedrohlich heteronormativ aufgrund angestauter sexueller Frustration …

    @Momo: „Aesthetischer Eigenwert“ vs „nur zum Tanzen“, da komm ich auf der Tanzfläche gerade nicht mit was du meinst?
    Es sei denn du beziehst dich auf das was ich ja auch gerne „Deppentechno“ nenn‘. Das kommt ja aber nicht aus der Techno-Ecke sondern, wenns überhaupt irgendwo herkommt, von Eurodisco oder dieses Italo-Boot-Zeugs dass es mal gab. Vllt noch von dem, was an High-Energy grausam war. Da ist dann aber Bohlen „schuld“ und nicht Motte.

  84. che2001 Februar 28, 2011 um 2:25 pm

    Loellie, das kenne ich halt ganz anders. Die Linken, die ich kannte und zu denen ich gehörte liefen überwiegend leicht punkig herum oder im Autonome-im-engen-Sinne-Outfit (Motorradlederjacke, Palituchschwarzweiß, Springerstiefel oder DcMartens, entweder langhaarig oder ultrakurz, Haare auch mal grün), und zu den Hörgewohnheiten gehörten eben Punk, Psychedelic und Glam gleichermaßen, auch Bruce Springsteen und dann eben spezifische Bewegungsmucke (TonSteineScherben, Swinging Mescalero, Cochise, Slime), sehr stark auch Neue Deutsche Welle.

    Zum Metal kam ich erst 1989 in Ägypten, weil die aufmüpfige Jugend dort eben Metal hörte. Von der Ruhrpottband Kreator hörte ich zum ersten Mal in Kairo. Und dann kamen neue Leute in meinen damaligen Politzusammenhang, die waren Metalfans, Headbangerszene vom Land, aber überhaupt keine üblen und sexistischen oder gewalttätigen Leute. Eher engagierte junge Linke, antirassistisch, mit exzessiven Feiergewohnheiten und starkem Interesse an Fantasyrollenspielen. Die führten mich dann ein in eine interessante neue subkulturelle Welt. In der Leute aus der Travellerszene übrigens stark vertreten waren.

    Btw. von Bedeutung waren damals auch die Angriffe von Neonazis auf das JUZI, in deren Folge sich Biker und Headbanger mit Linken solidarisierten und frischen Wind in die Szene brachten.

  85. momorulez Februar 28, 2011 um 2:55 pm

    @Loellie:

    „da komm ich auf der Tanzfläche gerade nicht mit was du meinst?“

    Dass es in der elektronisches Musik genug Versuche gibt, die nicht auf den Funktionalismus „Tanzen“ reduzierbar sind. Sonst kannste ja auch Polka oder Walzer abfeiern, einfach so.

    Und Dr. Motte ist nun echt ein Fleischauerscher Sargnagel jeglich reflektierter Ppopkultur mit seinem verfickten „Friede, Freude, Eierkuchen“-Mist.

    @Che:

    Kreator sind wirklich ein spannendes Thema, aber eher wegen deren Haltung zu ihren Ruhrpott-Wurzeln, ebenso wie „Heavy Metal in Bagdad“-Doku kürzlich sensationell war. Man sagt nur verhältnismäßig wenig über Musik aus, wenn aufzählt, wer welche Klamotten wann wo getragen hat oder sich mit Nazis geprügelt hat. Disco war nicht nur wichtig, weil Schwule das hörten, sondern weil es Gründe gab, dass genau diese musikalische Form den Aufbruch der Gay Community als Soundtrack begleiten konnte.

    Und das sich bei den Leuten, die Du beschreibst, transportierende Bild von Männlichkeit – Headbangen statt Arschwackeln und ein Hauch von Mad Max – sehe ich bis heute eher als Hypothek dieser ganzen „Linken“ an, die zwar im Kopf antsexistisch, gegen Homophobie und Rassismus sind, es aber häufig doch am liebsten haben, wenn sie dabei von Schwulen, Schwarzen und Frauen beim Headbangen nicht gestört werden. Dauerthema hier im Blog und nicht auf Dich gemünzt. Was dann hinten bei raus kommt, ist „Subway to Sally“ und so ein Dreck.

  86. Loellie Februar 28, 2011 um 3:12 pm

    Nee, Punk wurde bei uns komplett verpennt, das ging erst mit Post-Punk los, dass sich eine Szene entwickelt hat. Und sogar die Nazis mussten erst durch interessierte Kreise von aussen radikalisiert werden, dass es nötig wurde da Stellung zu beziehen. Deren Alphamännchen hatte die bis ca 84/85 richtig gut im Griff. Im Vergleich zur Systematik andernorts, Hannover zB, war das eher harmlos, vllt auch weil es da nichts gab, was man als Linkes Zentrum hätte bezeichnen können. Etwa zwei Jahre später war der Spuk dann auch schon wieder vorbei, nachdem die beiden Typen, die innerhalb der Skinheadszene fast für eine Spaltung gesorgt hatten, wieder „verschwanden“.
    Stellenweise war das schon ganz schön -hmmm- untypisch, was da unten abgelaufen ist …

  87. momorulez Februar 28, 2011 um 3:18 pm

    In Hannover waren die so was von aggro und gemeingefährlich, die haben sich ja sogar gegenseitig umgebracht, google mal Roger Bornemann – und rund um Göttingen waren die auch heftig (und da isses ja bis heute nicht harmlos).

  88. Loellie Februar 28, 2011 um 3:22 pm

    Das der Fleischhauer auch aufgelegt hat wusste ich noch garnicht …

  89. Loellie Februar 28, 2011 um 3:44 pm

    Harmlos waren die bei uns auch nicht, aber irgendwie haben die lange nach einem selbstverständlich fragwürdigem „Ehrenkodex“ agiert. Schlägereien nur beim Fussballspiel, nicht nachtreten wenn einer am Boden liegt, oder zu dritt oder viert nicht wahllos irgendwelche Leute zusammenschlagen. Man wollte sich ja beweisen was für tolle Kerle die waren und auf schwächere oder unbeteiligte losgehen galt als feige. Da gab es dann auch „Fan-Clubs“ mit denen die konnten und andere die sie hassten. Sowas wusste ich alles mal, aber das hab ich dann doch mittlerweile schlicht verdrängt. Die Eskalation mitte der 80er kann ich aber mit sicherheit am auftauchen und verschwinden von zwei Typen festmachen.
    Was da seit den 90ern abgeht weiss schlicht nicht.

  90. che2001 Februar 28, 2011 um 5:28 pm

    @“Und das sich bei den Leuten, die Du beschreibst, transportierende Bild von Männlichkeit – Headbangen statt Arschwackeln und ein Hauch von Mad Max – sehe ich bis heute eher als Hypothek dieser ganzen „Linken“ an, die zwar im Kopf antsexistisch, gegen Homophobie und Rassismus sind, es aber häufig doch am liebsten haben, wenn sie dabei von Schwulen, Schwarzen und Frauen beim Headbangen nicht gestört werden.“ —– In meinen linken Szenezusammenhängen mussten die sich eher gegenüber der majoritären PC-Fraktion dafür rechtfertigen, dass sie Headbanger waren. Die stellten eine tendenziell leicht diskriminierte Minderheit innerhalb einer Subkultur dar. Und Frauen aus der Fraktion headbangten nun allerdings genauso wie die Kerle. Die Netbitch kommt auch aus der Ecke. Was mehrheitlich war, war eine Mischung aus Dworkin-Sexualmoralismus und hinsichtlich getanzter Musik eine Mischung aus Pogo und Ska. Der Klammerschwof meiner Jugendzeit fehlte mir da wirklich. Arschwackeltanzen gab es nur in Bhagwan-Discos und der Papiermühle, und ausgerechnet auf Dorffesten. Und ja, und wenn Kurdens feierten, deren Parties waren überhaupt die Besten.

  91. momorulez Februar 28, 2011 um 5:35 pm

    Das verstehe ich ja immer nicht wirklich, dass man den Mainstream, gegen den man opponieren will, so völlig ausblendet, dass man nun auch noch als Minorität in Szene-Zusammenhängen empfindet. Soclhe Mechanismen sind doch im Grunde genommen gruselig. Das ist wie manche in St. Pauli-Zusammenhängen, die ihre „Normalität“ als oppositionell stilisieren.

    Irgendwie versteh ich das immer nicht.

  92. che2001 Februar 28, 2011 um 5:54 pm

    Na ja, die Mehrheit innerhalb der Subkultur lebte ihre Auffassung von „Antisexismus“ sehr offensiv als normativ für alle, die zur Szene gehörten. Meine Genossin Barbara witzelte mal, sie fühle sich schon subversiv, wenn sie in Szene-Zusammenhängen Fleisch äße. Und wenn Szene-Frauen hochhackige und langschäftige Stiefel anzogen taten sie das nicht selten mit Sprüchen wie „heute werden aber die Sexistenstiefel angelegt“. Zwei Genossinnen betrachteten es als „provokative Aktion“, nabelfrei ins JUZI zu gehen. Der Mainstream wurde in der Tat total ausgeblendet. Die Otto Normals existierten für viele von uns über gewisse Zeiträume gar nicht. Mit unseren Kontakten zu Gewerkschaften, ins VW-Werk und in „bürgerliche“ Stadtteilgruppen war unsere Fraktion da eher die Ausnahme.

  93. che2001 Februar 28, 2011 um 10:16 pm

    Und dabei war die tatsächliche politische Arbeit, die gemacht wurde stets das ganz breite Bündnis von Autonomen bis zu Gewerrkschaften, Kirchen, Grünen und SPD.

  94. momorulez Februar 28, 2011 um 11:15 pm

    „Damaliges Alleinstellungsmerkmal war die neue Art, mit welcher der Pop-Diskurs geführt wurde, nämlich mit ‚Neuer Ästhetik‘ innerhalb neuer Strukturen – ein Konzept namens ‚Popism‘. Und das bedeutete für Diedrich Diederichsen, Mr. „Spex“ himself, in Kurzform: Eine wortlastige, narrative, mythenverliebte Bewegung; die Gegner sind Rock, Machos, Authentizismus, Heterosexismus und ‚Altlinke‘, die Werte: Party, Style, Hipness, Eleganz, und Leichtlebigkeit. Unter diesem Banner entstand eine explizit deutsche Pop-Schreibe, ein sprunghaft-assoziativer, dekonstruktivistisch-postmoderner Stil, der mit altbackenem  Musikjournalismus und feuilletonistischer Meinungsscheiße nichts zu tun haben wollte“

    http://www.popconnection.de/stories/s/statusquovadis_30jahrespex_1.php

  95. momorulez Februar 28, 2011 um 11:37 pm

    http://www.booksports.de/Lottmann_Diederichsen.html

    Aus Lottmann entstanden Broder, Rayson und all diese welche, aus Diederichsen nichts, noch nicht mal er selbst.

  96. che2001 März 1, 2011 um 11:29 am

    Die Agenda als Solche ist mir auch bekannt, es ist nur die große Frage, wie wirkungsmächtig das swirklich für die Entwicklung der Popmusik und Popkultur gewesen ist. Ich habe bei Diedrichsen, Jacob und Solchen immer das Problem, dass das zwar brilliant geschrieben ist und hochinteressante Analysen liefert, dass die Empirie und die Verallgemeinerbarkeit aber oft außen vor bleiben. Ich erinnere mich noch, wie Diederichsen so um 1984 schrub, Lou Reed habe mit Take a walk on the wild side erst den Begriff der Coolness im heutigen Sinne begründet, der Song hätte einen Paradigmenwechsel der Popkultur vom Hippietum hín zum Hipstertum eingeleitet, und erst seit Take a walk on the wild side wären die 70er das coole Jahrzehnt gewesen. Liest sich alles toll, aber ist das auch richtig? Weiß die Popmusik und Popkultur, dass sie so ist, wie Diederichsen meint?

    Über Lottmann kursieren ja schon unter Journalisten Anspielungen wie „der ist ja lottmannhaft kaputt“, und der ist in der Tat der Archetypus dieses ganzen pseudoironischen Journalistenzynismus, wie ich ihn beim SPIEGEL intensiv kennengelernt habe, diese Mischung aus nichts mehr ernstnehmen, gezieltem Stilbruch und bad taste, Verachtung für jede Art von Idealismus und Begeisterung und zugleich Faktenhuberei, hinter der sich verschanzt wird, um keine Gesellschaftsanalyse/Kritik zuzulassen.

  97. momorulez März 1, 2011 um 11:41 am

    Na, wirkungsmächtig war Diederichsen überhaupt nicht, das ist ja das Problem. Und er hat die Möglichkeiten von Dissidenz erkundet, nicht die Entwicklung im Mainstream. Von daher ist das, was er schreibt, gerade NICHT verallgemeinerbar hinsichtlich dessen, was er positiv bewertet, wohl aber hinsichtlich des Modus der Kritik.

    Die Lou Reed-Story ist ja eher problematisch, weil sie in der weißen Musik den Hipster aufsucht – der Hipster bei Norman Mailer, der in der Black Community hochumstritten ist, war der Weiße, der den Lifestyle der urbanen Schwarzen der 50er Jahre kopiert und Jazz hört.

  98. che2001 März 1, 2011 um 11:06 pm

    Ja, aber doch nicht nur deswegen. So sehr ich Lou Reed schätze, die Bewertung Diederichsens liest sich so, als ob der genannte Song epochal für die Popkultur der Siebziger Jahre insgesamt gewesen wäre im Sinne der Vorgabe einer neuen Richtung. So, als ob die bisherige Rockmusik von Doors bis Queen damit faktisch überholt gewesen sei und historisch eine neue Ära begonnen habe. Ich würde eher davon sprechen, dass neue Herangehensweisen sich entwickelt hätten und verschiedene autonome Richtungen von populärer Musik ihren Anfang nahmen – von Glam&Glitter, Punk, Hard Rock, Psychedelic, Phyllie Sound, Funk und Harmony Pop bis hin zu Ska und Reggae. Bei Diederichsen liest sich das so wie eine lineare Weiterentwicklung und ein Gegentrend, während mir das eher wie eine buschhaft sprießende Diversifizierung erscheint.

  99. momorulez März 1, 2011 um 11:23 pm

    Na, wann war „Walk on the wild side“? Vor Queen, oder? Und dass damit die Jim Morrison-Attitude obsolet war, das würde ich auch so sehen. Und dass, was Du als Diversifizierung beschreibst, gab es ja alles in zwei Herangehensweisen, überspitzt gesagt sowohl authentizitistisch oder wie man nennen soll, und reflexix-dekonstruktivistisch in allerlei Fusionszusammhängen. Ska und Reaggae ist eh aus den Sixties, irgendwie, und zwischen den 2Tones-Sachen und dieser homophoben Scheiße liegen eh Welten.

    Was freilich Diederichsen, wenn er das wirklich so vertreten hat, übersieht, ist, dass Elvis, Little Richard und Vaudeville dieses Spiel mit Nicht-Authentischen auch schon drauf hatten. Trotzdem war Glam eine Zäsur.

  100. momorulez März 1, 2011 um 11:30 pm

    „Transformer“ war ’72, habe es gerade noch mal gegoogelt.

  101. che2001 März 1, 2011 um 11:38 pm

    Diederichsen schrub damals aber, die Entwicklung der Rock/Pop-Musik, wie sie sich von den Doors bis Queen entwickelt hätte, sei mit Walk on the Wild Side über den Haufen geschmissen worden. Ich sehe nicht so wirklich diese epochemachende Rolle dieses einen, von mir sehr geschätzten Songs, die Diederichsen da retrospektiv proklamierte. Formuliere mal bitte ausführlicher, was Du unter authentizistisch und nichtauthentizistisch begreifst, das ist mir wirklich unklar. Mir fielen da nur Reinhard Meys „Musik von Hand gemacht“ oder Kunzes Polemik gegen Discopop als „Nach Erdbeershakes riechende Marschmusik für den Dritten Weltkrieg“ vs. Diederichsen und Neue Deutsche Welle ein.

  102. momorulez März 1, 2011 um 11:52 pm

    Genau über den Punkt diskutieren wir hier nun bald 5 Jahren, ich weiß auch nicht, wie ich das immer wieder aufs Neue erklären können soll.

    Ich weiß nicht, was Diederichsen genau über „Walk on the wild side“ geschrieben hat; der Übergang von den Hippies zu Glam kann man sich in etwa so vorstellen, wie Netbitch das neulich auch in ihrem Text zum Übergang zu dekinstruktivistischen Ansätzen im Feminismus geschrieben hat. Hervorragend macht das auch der Film „Velvet Goldmine“ vom überragenden Todd Haynes klar.

    Das Zitat oben hatte ich ja ausgepackt, weil da alles drin steckt, was auch zum Transformer-Album zu sagen wäre, oder auch der Perspektive von Velvet Underground auf die Westcoast-Hippies.

  103. Loellie März 2, 2011 um 1:51 pm

    @che:

    Hier hätte ich ein schönes Exemplar gefunden. Er versteigt sich zu Perlen wie „Disco is the Anti-Christ“ und „there’s a death penalty similar to Saturday Night Fever“, erkennt das in der Discothek damals eine klassen- und rassenlose Gesellschaft realisiert wurde, findet dann aber doch, dass der Disco Demolition Day ein erfolgreiches aufbegehren der Menschen gegen eine „unauthentische“ und „meaningless“ Verschwörung der Musikindustrie war. (Zustimmendes Gelächter der reinweissen und ausschliesslich männlichen Zuhörer)
    Seine „authentischen“ Helden über die er refferiert sind u.a. Bob Dylan, Neil Young, Patty Smith oder Bruce Springsteen.
    Das Gesülze von dem Typ erstreckt sich über 30 Clips, deren Zusammenfassung und Kommentierung mir jetzt wirklich zu viel ist, aber wenn du dich ein bisschen durchclickst verstehst du vllt, weshalb Momo und ich allergisch auf Begriffe authentisch, echt, richtig usw reagieren, uns dann trotzdem wegen „kommerziell“ und „Funktionalität“ in die Haare bekommen, vorallem aber, weshalb diese ganzen Authentizitäts Debatten, die in den USA tatsächlich ein Wissenschaftszweig sind, analog zur „Reinheit des Volkskörpers“ zu verstehen sind.

  104. momorulez März 2, 2011 um 2:53 pm

    „Authentisch“ wird halt zumeist analog zu „natürlich“ verwendet, und auch der Papst findet, dass wir, also Loellie und ich, gegen die „natürliche Ordnung“ verstoßen. Kleine Ergänzung.

  105. ziggev März 2, 2011 um 9:16 pm

    vielleicht mal so (zaghafter Versuch): sind das nicht alles Symbolwelten? die ganzen Dresscodes und das alles? Punk vielleicht mal ausgenommen werden Geschichten erzählt, denn vollkommen losgelöst von diesen Kontexten taucht wohl kein einziges Pop-Phänomen auf. Nur sind es eben nicht reinmusikalische Entwicklungen. Es sind diese Geschichten, die vermittelt werden und die animieren zum tanzen/abfeiern/träumen etc. … Das ist der eine Aspekt, und hier im Blog erzählen sich dann die Kommentatoren wieder Geschichten, also Pop-Biografien, die z.T. wiedrum Teil solcher mehr oder weniger alten Geschichten (geworden) sind. Etwas anderes und sehr genial sind dann natürlich die Sachen, wo Leute einfach ad hoc einen neuen Kontext erfinden, eine neue Mode, nen neuen Stil aus dem Boden stampfen, die gewissermaßen zunächst einmal geschichtslos sind. Mit anderen Worten: Es handelt sich um Mythen. Ich wiedehole mich: solche Symbolwelten quasi aus dem Nichts zu erschaffen – das sind für mich die ganz großen Leistungen der Popkultur. Und mir scheint, darüber zu sprechen bedeutet auch, wieder in diesen Mythos einzutauchen. Für mich sieht es so aus, dass ihr in eurer für mich verwirrenden Diskussion politische Aspekte oder soziologische Betrachtungsweisen mit diesen modernen Mythen verknüpft, wobei eben diese (irgendwie objektivirenden) Aspekte – keine Frage: nix dagegen – in die Geschichten, die jedoch oft unterschiedliche Pop-Biografien, Gruppen- oder Privat-Geschichten und -Mythen sind, eingehen und Teil davon werden. Dadurch ist das alles so furchtbar kompliziert. – Und gewissermaßen war das Lesen dieses Textes so für mich: Das Eintauchen in ein anderes Paralleluniverum, mit Fussballfans, dem Hängenbleiben im Restaurant am Ende des Universums … , – in eine mir zunächst unverständliche „Symbolwelt“, gebrochen mit nur allzuhandgreiflchen Realitäten: Knackärsche und sich räkelnde Jungbullen. 🙂

    An einigen Stellen in dem Buch ‚AWopBopaLooBop ALopBamBoom – Pop History‘, 1970, war ich etwas überrascht, denn Nick Cohn, der dem Pop die „Kraft zu den Mythen“ attestiert, er sei wie „der nichtendenwollende Western“, – und auch etwas enttäuscht -, denn N. Cohn schien mir, sich einfach ein paar Plattencover vorgenommen zu haben und die Stimmung, die von ihnen ausging, beschrieben zu haben, die Stimmung jener Zeit. Aber eigentlich ist das dann doch konsequent. —

  106. momorulez März 2, 2011 um 9:24 pm

    Das Nik Cohn-Buch fand ich auch prima, obwohl das eine Weile her ist … ich glaube aber eher, dass Pop einen Bruch in tradierten Selbstverhältnissen erzeugen KANN, nicht muss, auch und gerade was das Verständnis von Geschlecherrollen betrifft, und das ist dann zwar mythisierbar, aber muss gar nicht.

  107. ziggev März 2, 2011 um 10:04 pm

    aber gerade so verstehe ich, glaube ich, diese modernen Mythen des Pop: gelingender Pop, oder guter Pop, kann gar nicht anders, als „einen Bruch in tradierten Selbstverhältnissen“ zu erzeugen. Was soll denn das sonst, die „neuen Kontexte“ – neu jedenfalls oft für mich – zu erschaffen. Etw. zu „mythisieren“ trifft´s in meinen Augen nicht so ganz. Hatte da jedenfalls gar keine abwertenden Ideen im Kopf – im Gegenteil. Und wenn es neue oder andere, oder wie ich soll es sagen, Geschlechterrollen betrifft – im Bereich des Pop haben mich diese „Welterschaffungsversuche“, wenn sie gelungen waren, immer fasziniert, und dann war es mir meist ziemlich wurscht, ob das nun ne homosexuelle Sache war oder nicht. Erst später ist mir aufgefallen das dem vielleicht so war!

  108. momorulez März 2, 2011 um 10:09 pm

    Mythos ist ja für mich immer die Erzählung, eine bestimmte narrative Struktur mit Heldenreise usw. – und die Wirkung guten Pops durchbricht und irritiert die Heldenreise-Modelle. Vielleicht meinen wir deshalb auch das gleiche – und richtig gut ist er, wenn gar keine narrativen Muster mehr entstehen, sondern man sich dem Spiel der Zeichen hin gibt. Und das zu komprimieren und zu verdichten ist dann Aufgabe des guten Popsongs 😉 …

    Hatte das auch nicht abwertend verstanden.

  109. ziggev März 2, 2011 um 10:28 pm

    ok. und sorry, jetzt für mich zu spät (Bier), über Definitionen von Mythos zu diskutieren. Am Anfang der Welt steht ein Mythos, etwas zeitloses, etwas (Wicki), das ohne logisch-rationale Begründung Anspruch auf Geltung erhebt. Kein narratives Konzept – moderne Mythen werden von Leuten erschaffen, die – gegen alle Konventionen – sich im freien Spiel der Zeichen ergehen, neu zu definieren … gute Nacht.

  110. momorulez März 2, 2011 um 10:45 pm

    Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde, Saturn kastrierte Uranus, das Milchmeer wurde gebuttert … alles gute Stories … gute Nacht!

  111. ziggev März 2, 2011 um 10:55 pm

    Nein !!! Am Anfang spielte Jimi Hendrix einen Dominantseptakkord !

  112. che2001 März 2, 2011 um 11:38 pm

    Dankeschön Loellie, Dein Beitrag war am Meisten erklärend für mich. Für mich war es bis dato schwierig, die Kurve etwa von Oscar Wilde und seiner großartigen Replik auf Engels´“die Trunksucht ist der Untergang der arbeitenden Klasse“ „Die Arbeit ist der Untergang der trinkenden Klasse“ und seinem Dandytum nicht als Haltung der Oberschicht, sondern als Inanspruchname von Oberschichtsprivilegien durch Unterdrückte und neueren Popdiskursen zu finden. Jetzt ist mir das klarer – wobei blöde Upper Middleclasspopper mir diesen Zugang jahrzehntelang verbaut hatten.

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