Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Dann Copy & Paste ich doch auch noch was zu Guttenberg …

.. weil dieser von Norbert erwähnte Aspekt irgendwie untergegangen ist:

„“Nun ganz ehrlich Leute: Ich finde das nun weniger sehr aufregenswert, dass der seine Doktorarbeit abgeschrieben hat, als dass sie von der Uni Bayreuth so bewertet wurde. (…) Klar ist es das und dies ist der eigentliche Skandal. Denn alle diese Leute waren damals schon aufstrebende Politiker und ihr glaubt doch nicht, dass von wohlwollenden Professoren und Universitäten so jemanden ein Stein in den Weg gelegt wird. Ganz im Gegenteil: Da wird eben mal ein bisschen geschummelt. Man will doch nicht als derjenige dastehen, der dem aufstrebenden Politiktalent den Doktor verwehrt hat.“

Habe ich jetzt ungeschickterweise mit Quelle verlinkt zitiert, aber das frage ich mich ja auch die ganze Zeit: Meinen Prüfern einst bei der Magisterarbeit wäre wahrscheinlich nicht aufgefallen, wenn ich Passagen aus „DIE ZEIT“ hinein gemauschelt hätte, ohne die Quelle zu nennen. Vielleicht auch nicht, wenn ich einen komplett unbekannten Aufsatz auf dem Netz gefischt hätte. Die zentralen Aufsätze und Bücher zu den diskutierten Themen freilich sind denen, die die Arbeit zu beurteilen hatten, bekannt gewesen, weil das deren Job ist, sie zu kennen, damit sie das machen können, wofür sie da sind: Den Stand der Philsophie, Soziologie und Sozial- und Wirtschaftsgeschichte über den aktuellen Stand des Wissens und der Reflektion hinaus zu treiben. Und dazu muss man schon wissen, welcher das ist. Um meine damalige Herangehensweise an das Thema in der Magisterarbeit überhaupt sachgemäß beurteilen zu können, mussten sie das wissen. Und noch in den mündlichen Prüfungen war Kriterium für die Note 1, über den Text hinaus zu gehen, selber zu denken, Urteilskraft zu beweisen.

Keine Ahnung, ob bei Herrn von Guttenberg die restlichen, nicht plagiierten Passagen dieses bezeugen; bemerkenswert ist, dass in dieser mit Regelbefolgung zugeschissenen Welt  derartige Tugenden zumeist verschwunden sind. Was wie ein Widerspruch erscheint, aber keiner ist: Die Regel, eine Quelle als Quelle kenntlich zu machen, kann ja selbst Gegenstand einer ziemlich originellen Reflexion werden, und so ungefähr habe ich immer das Werk Derridas (unter anderem) verstanden, wo Fussnoten teilweise eine sich vom Text, unter dem sie stehen, völlig entfernen und anfangen, eigene Geschichten zu erzählen, und in Zitierweisen Quellen so umsortiert werden, dass sich Sinnzusammenhänge ergeben, die den Text auseinander fallen lassen.

Das mögen keine Praktiken sein, die für Juristen maßgeblich sind, sie alle sind freilich Kommentare zum Thema Wittgensteins, nämlich jenem, was es heißt, eine Regel zu befolgen. Das wiederum ist Kern jeder Juristerei, Regelauslegung, wie auch der Exekutive, sich daran dann zu halten, und dass nun ausgerechnet jene, die Herrn zu Guttenberg beurteilten, offenkundig dessen Regelverstöße nicht auffielen, wirft ein Licht auf die Juristerie wie auch die Politik, das ziemlich eigentümliche Auffassungen von diesem Themenkomplex wie auch seltsame, kaum nachvollziehbare Wissensstände offenbart. Zudem eine Haltung dem Denken gegenüber, das der Nörgler in der Kommentarsektion beim Che pointiert zusammen fasst:

„Zwischen dem Umbringen des Geistes und dem Umbringen von Menschen macht der spätkapitalistische Herrscherpöbel selber keinen Unterschied.

Ich bestreite, dass das Verreckenlassen von Soldaten in einem sinnlosen Krieg eines höheren Maßes an Skrupellosigkeit bedarf, als das Verreckenlassen der Wissenschaft in einer gefakten Dissertation.

Guttenberg hat mit der Erschaffung einer Depraviertenarmee begonnen, deren Mitgliedern die Rechte der Menschen wie des Geistes gleichermaßen fremd sind.“

Von zu Guttenbergs Doktorvätern, Juristen, die den Geist der Verfassung, die Würde des Menschen sei unantastbar und ein jeder vor dem Gesetz gleich, zu lehren haben, wurde er dabei auch noch tatkräftig unterstützt. Man muss sich eher die Frage stellen, ob deren Rücktritt nicht auch zu fordern wäre.

Und ergänzend darauf hinweisen, dass Kindertagesstätten einerseits und Theater, Museen und Opern andererseits nix sind, was gegeneinander auszuspielen wäre. Weil eben die Haltung dem Geiste gegenüber, die Nörgler trifft, in letzteren Institutionen gelehrt wird – ein Beethoven, ein Tschechow, ein Picasso wissen mehr darüber zu erzählen als Parteiprogramme.  Ohne sie fallen Gesellschaften in jene Barbarei zurück, für die ein zu Guttenberg symptomatisch steht.

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12 Antworten zu “Dann Copy & Paste ich doch auch noch was zu Guttenberg …

  1. magischerfcblog Februar 23, 2011 um 1:37 pm

    Na irgendwann kommst du in einer Spardebatte nicht darum irgendwas gegeneinander auszuspielen. Ob einem das nun gefällt oder nicht.

    Grüße

  2. momorulez Februar 23, 2011 um 2:35 pm

    Für mich ist das weniger eine Frage, wo man spart und wie man jeweils eh schon schwache gesellschaftliche Bereiche gegeneinander ausspielt, sondern, welche Ziel man setzt und wie man die mit den zur Verfügung stehenden Mitteln erreicht und ggf neue Mittel generiert. Z.B. durch intelligentere Förderinstrumente. Wie man in einer Stadt Potenziale nutzt, anstatt vor Handelskammer, Immobilienmafia und Banken zu kriechen. Usw.

  3. momorulez Februar 23, 2011 um 3:06 pm

    „Der Schaden für die Universität Bayreuth ist groß, für Guttenbergs Doktorvater, einen renommierten emeritierten Verfassungsrechtler, der Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ist, sogar immens. Er hat schließlich eine Arbeit, die von ihrem Autor nach eingehender Lektüre nachträglich als „Blödsinn“ bezeichnet wird, mit der Bestnote „summa cum laude“ bewertet. Nach der jüngsten Stellungnahme stellt sich die Frage, ob Guttenberg eigentlich seine Arbeit am Wochenende zum ersten Mal ganz gelesen hat.

    Spätestens der Zweitgutachter hätte merken müssen, dass die Arbeit kein summa verdient, wenn schon die Plagiate unentdeckt blieben. Das Zweitgutachten ist eine Evidenzkontrolle, bei der zunächst das Votum des Erstgutachters und die vorgelegte Dissertation gelesen werden, um dann ein kürzeres Votum zu formulieren. In der Regel liegen juristische Dissertationen bei etwa 250 Seiten, also hätte schon der deutlich größere Umfang auffallen müssen. Schon bei den Gesprächen des Doktoranden mit dem Doktorvater stellt sich gewöhnlich heraus, wie der Kandidat arbeitet, was er liest und ob er auf dem Stand der Forschung, auf die er sich bezieht, eigenständig weiterdenken kann.

    Hat es all das im Falle Guttenberg nicht gegeben? Hat der fränkische Freiherr einen Prominentenbonus genossen? Wenn der Doktorvater schon die Plagiate nicht bemerkt hat, hätte er doch Anstoß nehmen müssen an den Stilbrüchen in der Arbeit, an leeren Floskeln und am hohlen Schein von Wissenschaft. Nähme die Universität den Doktortitel einfach so zurück, verstärkte sich in der Öffentlichkeit der Eindruck, die Wissenschaft bestehe aus Lug und Trug.

    (…)

    Wenn die meisten Forscher sich nicht nach wie vor der Redlichkeit verpflichtet fühlten, wäre das Wissenschaftssystem schon längst völlig ausgehöhlt. Es gibt allerdings Tendenzen im Wissenschaftssystem selbst, die dem Prinzip, mehr scheinen zu wollen, als man ist, Vorschub leisten. Dazu gehört auch die Exzellenzinitiative, die Forschergruppen und Universitäten zwingt, Anträge zu schreiben, die weniger dem Erkenntnisinteresse als der Akquirierung von Forschungsgeldern geschuldet sind.

  4. Loellie Februar 23, 2011 um 3:52 pm

    Klar ist das mit dem spaaren eine unangenehme Sache. Man könnte aber zur Abwechslung mal Kita-Plätze gegen Steuergeschenke für Hoteliers ausspielen. zB..

    Die Summe der Provisionen die zum Jahreswechsel an der Wallstreet ausgeschüttet wurden belief sich auf 127mrd $.
    Ohio wurde angewiesen die hälfte der öffentlichen Schulen zu schliessen. zB..

    Sauerland ist geblieben, Mappus ist geblieben, Schäuble durfte Minister werden und Gutti wird auch bleiben. Unsere „Elite“, egal ob in Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft, ist nichts und kann nichts. Da ist weit und breit niemand mehr in Sicht, der oder die in irgendeiner Form kompetent ist und die mit demokratischer Legitimation sieht es auch immer enger aus in der BRD.

    „Gutti der Barbar“. Das hat was.

  5. momorulez Februar 23, 2011 um 3:57 pm

    Gutti der Barbar putscht wahrscheinlich einfach, und das Volk freut sich …

  6. Loellie Februar 23, 2011 um 4:15 pm

    Bis zum Militär-Putsch haben wir sicher noch ’ne Weile und gegen Angie putscht eh keiner. Gott weiss was die für Akten und Dossiers im Keller liegen hat.

    zZt geht das Gerücht, dass ein Gespiele von Guttis Gattin aus der Anti-Porno-Softwarebranche die Pro-Gutti Facebookseite … ich hätte fast Pro-Mubarak geschrieben … eingerichtet und mit gekauften „Freunden“ und „Gefälltmirs“ bestückt haben soll … ca 4.500 $ pro hunderttausend „Friends“.
    Die kaufen sich einfach ein neues Volk, wenn das alte nicht mehr will.

  7. momorulez Februar 23, 2011 um 4:27 pm

    Aktuell im Bundestaf verfolgen die versammelten Lügner von CDU und FDP die Umkehrnummer: Wer Gutti den Barba,r des Plagiats bezichtigt, beschädigt den Rechtsstaat und somit nicht der, der schummelt. Weil: Vorverurteilungs usw. … nicht, dass sich die demokratischen Parteien eh schon völlig unglaubwürdig gemacht hätten, jetzt aber murksen sie die Demokratie endgültig ab, wenn der Typ Minister bleibt. Kronzeugen der CDU sind hingegen die Instrumenalisierten in Afghanistan, also die Soldaten, es ist einfach nur ekelhaft.

  8. Loellie Februar 24, 2011 um 6:51 pm

    „Ein Sprecher von Axel Springer erklärte gegenüber MEEDIA, die Unterstellung eines Zusammenhangs zwischen Anzeigenschaltung und Berichterstattung sei „absurd und lächerlich“.“

    Ach, nicht abstruss?

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