Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Dann doch mal kurz meckern …

Also, ich habe mich ja so was von mit und über Bene gefreut … falls aber die Zeitungen nicht lügen und er tatsächlich zur Beschimpfung „ihr Lutscher!“ griff, so würde ich darum bitten, so einen homophoben Scheiß doch in Zukunft zu unterlassen. Zwar ist es im Falle unseres morgigen Gegners üblich, Hand in Hand mit dem DFB mutmaßlich rassistische Beschimpfungen in „Du schwule Sau!“ umzuwidmen, wegen nicht ganz so schlimm, so war das doch?, aber das brauchen wir uns ja nicht anzugewöhnen. Ganz unlocker und in irgendwelchen „-ismen“ denkend.

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20 Antworten zu “Dann doch mal kurz meckern …

  1. jekylla Februar 18, 2011 um 1:31 pm

    Laut wiki und anderen Worterklärmaschinen ist „Lutscher“ das Synonym für einen Versager, einen Feigling, eine „Lusche“. Ich gehe davon aus, dass Bene das sicherlich nicht homophob gemeint hat, genausowenig wie ich davon ausgehe, dass die, die Thorsten Frings „Lutscher“ nennen, ihn damit homophob angehen wollen.

    Im Sinne von Lusche und Versager habe ich das Wort übrigens auch schon verwendet und es wurde auch so verstanden. War übrigens auch eines der Lieblingsworte eines schwulen Freundes meiner Eltern vor so 20 Jahren. Und wenn ich das Wort höre, ist es für mich nie „schwul“ besetzt. Das nur mal am Rande, um Bene etwas aus der Beleuchtung zu ziehen. Ich vermute mal, dass die Mehrheit der Leute das genau nämlich auch nicht denkt.

    Ich will Ihrer Empörung auch nicht im Wege stehen, nur mal so als Erklärung.

  2. jekylla Februar 18, 2011 um 1:33 pm

    P.S. Eben ist mir eingefallen, dass ich es sogar gerade gestern selbst in einem Gespräch mit Herrn sparschaeler gesagt habe. Über jemanden. Im Zusammenhang mit dem Wort „emotionsreduziert“.

  3. momorulez Februar 18, 2011 um 1:43 pm

    Das ist definitiv die Kurzform von „Schwanzlutscher“, was soll denn da sonst gelutscht werden? Und daraus leitet sich das „Versager“ ab, weil man nicht hoch potent Frauen – ach, suchen Sie sich das Wort aus.

    Natürlich denkt da kein Schwein drüber nach, das es verwendet. Deshalb blogge ich ja darüber.

  4. kleinertod Februar 18, 2011 um 2:31 pm

    Sprache bedient sich eben aus einem Pool an Worten, bei denen man zum Teil den Bezug zum Ursprung vergessen hat. Deswegen ist es ja auch wichtig, darauf hinzuweisen. Nur so kann der Sprachgebrauch bewußt geändert werden.

    Von denen einmal abgesehen, die die Bedeutung durchaus so meinen. Aber zu denen glaube ich Bene vorgestern nicht zählen zu müssen.

  5. jekylla Februar 18, 2011 um 2:37 pm

    @momorulez
    Ethymologisch kann ich das leider gerade nicht nachvollziehen, was das Wort zuerst bedeutet hat oder ob es im ursprünglichen Sinne schon so war.
    Was mich jetzt gerade am Rande interessieren würde. Ich verstehe doch Ihre Intention. Und wieso nimmt das Frings dann quasi als Nickname statt als Beleidigung?
    Nicht hyperventilieren, ich vertrete hier auf diesem Bildungsblog den mittelmäßigen Normalo. Und entblöde mich, zu fragen.

    @kleinertod
    Ist der Sprachgebrauch hin zum Unwort geändert worden?
    Stellt sich die Frage, ob durch den Mißbrauch der Sprachgebrauch nicht auch mißbraucht wird.
    Je mehr Worte „mißbraucht“ und damit unbenutzbar werden, desto ärmer wird die Sprache oder erfinden wir dann einfach neue?

  6. momorulez Februar 18, 2011 um 2:54 pm

    @KleinerTod:

    Nein, ich will Bene keine Intention unterstellen, wirklich nicht – das ist so ein Dauerbrenner hier im Blog, dass natürlich stigmatsierende Muster intentionsunabhängig wirken,also anders als im Strafrecht nicht von Absichten auszugehen ist. Wirken tun sie aber trotzdem, weil das ja Begriffsfelder sind, die auch Vorstellungen von Männlichkeit und wie sie zu sein hat, reproduzieren.

    Wenn ein Bastian Deissler so lange – mutmaßlich – bei den Bayern als „die Deisslerin“ gemobbt wird, bis er klinisch an Depressionen erkrankt, wie Gerüchte besagen, ist das in dem Fall die bewusste Reproduktion, die bei „Lutscher“ unbewusst mit läuft und wirklich jede Schwulen-Biographie tatsächlich formt. Weil man sich dazu verhalten MUSS.

    Also: Gar nicht als Vorwurf an Bene zu verstehen, sondern als konstruktiven Hinweis. So ein Äquivalent zur „Critical Whiteness“ bei Heterosexuellen kann allerdings gar nicht schaden, das ist ja eines der zentralen Themen dieses Blogs.

    @Jeky:

    Keine Ahnung, wieso der Frings das so hin nimmt. Und vielleicht lutscht er ja gerne? Soll ja vorkommen.

    Iich hyperventiliere doch gar nicht, finde das Thema aber gerade im Rahmen des FC St. Pauli wichtig und mecker deshalb vor mich hin. Und ist doch völlig okay zu fragen, ich antworte ja nur 😉 … und Worte wie „Lutscher“, sind die nun gerade jene, wegen derer Sprache verarmen würde, wenn sie weg fielen?

    Das ist ja auch alles gar keine bildungsbürgerliche Frage, sondern eine ganz außerordentlich lebensnahe. Wie der Fall Weidenfeller belegt.

  7. Jekylla Februar 18, 2011 um 3:57 pm

    Ich meinte auch, Sie sollen nicht wegen meiner dummen Nachfragen hyperventilieren 😉

    Wer gibt den Worten die Wertigkeit und wer bestimmt, welche erhaltenswert sind und welche nicht?
    „Wichser“ finde ich nun auch nicht sonderlich werthaltig und eine sexuelle Abqualifizierung ist es im Grunde ja auch, aber es würde dennoch vielen fehlen.

    Und den Frings müsste man einfach mal fragen, interessieren würde mich das ja brennend. Ich frag einfach mal 🙂

    Natürlich haben Sie Recht, den mahnenden Zeigefinger zu heben. Wobei der ja normalerweise den Bildungsbürgern zukommt… *flücht*

  8. momorulez Februar 18, 2011 um 4:17 pm

    Na ja, insofern es um unterschwellige homophobe Begriffe geht, gestehe ich mir schon das Recht zu als Betroffener darauf hinzuweisen, dass man es doch bitte unterlassen soll, solche Begriffe zu verwenden, ganz einfach. Und wer in welchen Hinsichten Stigmatsioerung erfährt in einem gesamtgesellschaftlich-strukturellen Sinne, das ist ja offenklundig, das sieht man daran, in welche Fällen es bei der Bevölkerungsmehrheit keine Äquivalente gibt – zum „N…“-Wort gibt es keine, zu „Muschi“ oder „F…“ auch nicht, jeweils auf weiße, heterosexuelle Männer bezogen, nicht im selben degradierden Sinne. „Schlappschwanz“ und dergeichen gibt es, weil es halt immer darum geht, wer penetrieren kann und aktiv ist im hetersosexuell-genitalen Sinne. Deshlab ja auch „Wichser“, das weicht davon ab.

    Weil die whm halt historisch die Definitionshoheit haben, und es schlicht darum geht, sie ihnen zu entreißen 😉 … ein Text wie der Verlinkte da aus Dortmund ist ja hierzulande umgekehrt gar nicht denkbar und würde, vermute ich, zu einer ziemlichen Empörung führen, wenn immer wieder betont würde, dass man ja gar nix gegen Jarolim habe, weil er Weißer ist, sondern, weil er Raute ist. Oder nix gegen Weidenfeller, weil der heterosexuell ist, sondern weil er wüste Beschimpfungen ausstößt.

    Das ist auch gar nicht der „mahnende Zeigefinger“, sondern „Komm, Alter, das ist verletzend, nicht etwa nur für die Rauten, sondern auch für mich,zudem Du sie mit etwas beleidigen willst, was zu meinen sexuellen Präferenzen gehört, lass es doch einfach sein, Du bist doch ein prima Kerl!“

  9. Loellie Februar 20, 2011 um 6:49 pm

    Gefunden 😉

    http://gsanetwork.org/BlackedOUTHistory

    http://www.qrd.org/qrd/browse/black.lgbt.history.list

    Weil ja noch immer Black History Month ist, auch wenns einem eher wie Arab-Revolution Month vorkommt.

  10. momorulez Februar 20, 2011 um 6:51 pm

    Danke! Geht hier auch ab morgen wieder weiter mit solchen Themen, die Woche war halt sehr fussballdominiert …

  11. Loellie Februar 20, 2011 um 6:54 pm

    So ist das mit dem Leben eben …

    Errrrm … auf die Gefahr mich zu blamieren, aber dass heute der Isherwood-Film auf arte läuft …

    ich meins ja nur gut und vllt interessierts ja sonst noch wen … 😀

  12. momorulez Februar 20, 2011 um 6:56 pm

    Doch, interessiert mich auch!

  13. momorulez Februar 20, 2011 um 11:40 pm

    Puuuh, dieser Isherwood-Film ist aber, hmmmmm, trotz „expliziter“ Szenen echt TV-bieder, nee, also, so nicht …

  14. Loellie Februar 21, 2011 um 1:58 pm

    Viel Sepia. Ist ja gerade angesagt, das.
    Mein Zattoo hat mittendrin mal wieder gezickt und ich hab mich dann nicht sonderlich angestrengt, es wieder zum laufen zu bringen.

  15. momorulez Februar 21, 2011 um 2:43 pm

    Nee, war auch im Grunde genommen nur die schlechter inszenierte Backstory zu „Cabaret“ und ein bißchen „Homosexuellendrama“. Aber echt platt und stereotyp.

  16. Pingback: Wirre Gedanken zur Motivation, Hate Speech zu unterlassen « Metalust & Subdiskurse Reloaded

  17. lichterkarussell April 3, 2012 um 2:27 pm

    Ob Lutscher nun von ‚Schwanzlutscher‘ kommt oder nicht, ist relativ egal, denke ich. Mir fiele zwar alternativ noch der gute alte Daumenlutscher ein. Ich bekam für 100 Nächte ohne Daumen im Mund ein Fernsteuerauto. Ein Mädchen, das in meiner Kindergartengruppe noch immer am Daumen nuckelte, bekam Spott und Häme von den anderen Kinder. Kein feiner Zug, der Kleinen und stark mit normativen Ansprüchen an ‚erwachsenes‘ Verhalten gekoppelt (neben der medizinischen Aspekte, wie schiefe Zähne)… However, sollte Lutscher auf Daumenlutscher abzielen, wird eine Herleitung von Homophobie anhand des Lehnwortes schwierig. Was aber auch in diesem Fall bleibt, ist der nur zu leichte Schluss von Lutscher auf Schwanzlutscher und dazu ist dann bereits alles gesagt: Kann man auch mal lassen.

    Btw… momorulez: Wo ich grad bei Kindheitserinnerungen war. Wir hatten die Beleidigung „du Ficker“, also eine Be-/Umschreibung heterosexueller Penetration mit beleidigender Intention…

    Ist das die die Regel bestätigende Ausnahme?

  18. momorulez April 3, 2012 um 3:00 pm

    Das würde ich mal unter allgemeiner, christlicher Sexualitätsfeindlichkeit verbuchen 😀 – zudem ficken ja nun auch unter Homosexuellen nix Ungewöhnliches ist und neben der buchstäblichen Penetration ja schon fast synonym für jegliche sexuelle Interaktion steht.

    Ich wüsste jetzt tatsächlich nix, was spezifisch heterosexuelle Praktiken verunglimpft, was nicht irgendwie eine Verballhornung der üblichen heteronormativen Beschimpfungen wäre, was bei „Ficker“ auch der Fall sein kann, dass das irgendwie aus dem Feminismus in andere Lebensbereiche drang. Der ja ausführliche Kritiken einer Vorstellung der Sexualität am Leitfaden der Penetration formulierte.

    „Lutscher“ wie „Hosenscheißer“ – hmmm, kann ja sein, bezweifel ich aber

  19. El_Mocho April 3, 2012 um 8:30 pm

    Das englische Äquivalent ist wohl „Sucker“, was ganz allgemein einen Versager bezeichnet. Muhammed Ali pflegte das zu seinen Gegnern zu sagen.

  20. momorulez April 3, 2012 um 9:16 pm

    Na ja, dass Schwanzlutscher auch im Englischen als unmännliche Versager galten, das wird auch an Muhammed Ali nicht vorbei gegangen sein, vermute ich. Was dessen Lebensleistung nicht schmälern soll.

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