Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Hier zeigt sich praktisch, dass nach Auschwitz die Sympathie mit irgendwelchen Marginalisierten unmöglich geworden ist.“

Eigentlich, da hat Loellie schon recht, macht es wenig Sinn, Rechtsradikalen noch durch Verlinkung Aufmerksamkeit zu verschaffen. Umgekehrt sind Motive dieses faschistoiden Irrsinns (via tee) so prototypisch sogar für das, was viele derzeit empfinden, mutmaßlich, wenn sie die Bilder aus Ägypten sehen, dass diese Texte aus heuristischen Gründe anzuführen sind, um die Funktionsweise jener diskursiven Muster aufzuzeigen, die aufgrund der milliardenschweren Agitation der US-Rechten auch hierzulande sich weiter ausbreiten werden. So seien sie dennoch zitiert. Bei manchen vermeintlich linken Bloggern, die „Queer“ und „ETA“ suggestiv miteinander verknüpfen und den Herrschaftswillen der Minderheit beschwören, funzt das ja schon hervorragend:

„Das Bild des Kritikers als weißer Mann ist ein Ressentiment, hinter dem sich die Feindschaft gegenüber der Zivilisation, der Individualität, des Abstrakten, der Intellektualität und der Reflexion verbirgt.“

Besser kann man das Selbstverständnis derer, die die Hereros massakrierten, tatsächlich nicht auf den Punkt bringen. Die Arier halt … hart wie Kruppstahl, schnell wie ein Windhund folgten sie dem Über-Mann, dem Führer … eine strikt durchierarchisierte, militarisierte, patriachale Gesellschaft wie das „3. Reich“ verschwindet im folgenden hinter wortreichem Hetztiraden gegen gesellschaftliche Minderheiten, die Realität des Nationalsozialismus löst sich auf in einem Wörtlichnehmen der Propaganda von einst – übrigens eine typische Falle der im Text kritisierten Diskursanalyse.

Die industriell prima durchorganisierte Shoah weicht Vorstellungen der „Barbarei“ – verwiesen Horkheimer und Adorno noch auf die instrumentelle, der Zivilisation selbst entspringende Rationalität des Rückschlagens von Aufklärung in Mythologie, verheddert sich der Text, der sich vermutlich auf sie zu berufen glaubt, in einer Assimilierung an die weißen, männlichen Täter, die alles außer sich selbst zur tätowierten Nummern degradierten.

Um bei der folgenden Pointe zu landen:

„Nazifaschismus kann durchaus als Vorläufer jener heutigen Ideologeme betrachtet werden, die das Fremde, Andere, Vielfältige, die multitude, die Subalterne gegen die Dominanz des Mainstreams (oder „Malestreams“) zu mobilisieren gedenken. Der Nazifaschismus war gerade selbst das Andere, das Jenseits des Westens, der Aufklärung, der Zivilisation. Der Nazifaschismus, das war die Subalterne an der Macht. Die Deutschen waren die Anderen, die sich von den Juden ausgebeutet, unterdrückt, verwestlicht und kolonisiert fühlten.“

Das bemerkenswerte an diesen Passagen ist die offensichtliche Geschichtsklitterung: Der Versuch, Realgeschichte zu erfassen, weicht einer totalisierten Ideologiekritik, die TEXTE von Nazis als einzige Quelle gelten lässt. Die Unterstützung Hitlers durch die IG Farben, Commerzbank und die Bürgerlichen aufgrund der Verteidigung der Zivilisation gegen die jüdisch-bolschewistische Barbarei weicht Unsinn, der vielleicht sogar merkt, dass er das tut, was er den Nazis zugleich diagnostiziert: Es wird letztlich der „Kultur“ zersetzende, jüdische Geist gegeißelt, der sich doch unterdrückt wähnt, obwohl er angeblich herrschen würde, so dass man als Vertreter des Mainstreams sich gegen ihn wehren müsse. Um der Multitude die rassische Einheit per Lebensbornprojekt entgegen zu stellen. Mit aller Gewalt. Die Nürnberger Rassegesetze verschwinden völlig aus der Argumentation,  und dass das Ganze wird nun strukturell antisemitisch in den „Queerfeminismus“ hinein projiziert:

„Die Ideologie wird in der Diskurstheorie schlicht noch einmal bestätigt. Die Liquidation des Individuums wird durch seine dekonstruktivistische Zersplitterung vorangetrieben. So wird den Individuen im „Queerfeminismus“ noch einmal gerade das genommen, was einzig das Moment ihrer Rettung wäre, die Einheit ihrer Individualität, Geschlecht, Lust, Sexualität. Das Subjekt wird theoretisch um seine Substanz gebracht. Vorausgedacht ist all das natürlich bei der Täterschützerin Judith Butler: „Die humanistischen Konzeptionen des Subjekts neigen in erster Linie dazu, eine substanzielle Person zu unterstellen, die als Träger verschiedener […] Attribute auftritt. Eine humanistische feministische Position würde die Geschlechtsidentität als Attribut einer Person begreifen […] (die) als ,Kern‘ charakterisiert ist und ein universales Vermögen der Vernunft […] bezeichnet“. (5) Es darf bei Butler um keinen Preis einen Kern des Subjekts geben, jeder Humanismus soll verabschiedet werden und die universale Vernunft sowieso. Genau so sieht das postfaschistische Subjekt aus. Wenn das Subjekt dann bei Butler und ihren Gesinnungsfreunden „strategisch“ wieder eingeführt wird, um diverse obskure „Bündnisse“ zwischen „Marginalisierten“ zu schließen, macht das die Sache nicht besser, sondern noch schlechter. Subjektlose Menschen werden als Subjekte losgelassen – das ist die Reaktionsform des Nazifaschismus, das queere Bündnis mit der Hamas ist in dieser Theorie angelegt. Hier zeigt sich praktisch, dass nach Auschwitz die Sympathie mit irgendwelchen Marginalisierten unmöglich geworden ist.“

So einen widerwärtigen Widersinn kann man kaum verdauen, wen  man sich die Marginalisierten mal anschaut, die in Auschwitz vergast wurden. Was Marginalsierung bedeutet, durften unter anderem jene jüdischen Richter erfahren, zu deren Gedenken hier gleich um die Ecke am Sievekingplatz Stolpersteine in das Pflaster eingearbeitet wurden, als sie nach der Machtübergabe durch die Bürgerlichen an die Nazis  ihrer Jobs enthoben wurden, um später deportiert zu werden. Wenn sie sich nicht rechtzeitig selbst umgebracht haben.

„Realsatire“ ist zu schwach, das, was an christliche wie auch neoliberale Propaganda anknüpft und hier sich nur deutlicher sich ausspricht als in Deutschland sonst üblich, zu bezeichnen.

Das ist ganz im Sinne der Papstes, der die die Dreistigkeit besaß, in Auschwitz Reden zu schwingen, „das Christentum“ sei vergast worden. Und ist ganz im Sinne Evangelikaler, die mit Büchern wie „The Pink Swastika“ afrikanische Länder überschwemmen und zu Mord und Totschlag gegen Schwule aufrufen. Mit Erfolg.

„Führe den rosa Winkel wieder ein, um Nazis zu verhindern!“, diese widerliche Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus ist kein „postantideutsches“ Subkulturphänomen, sondern wird allmählich Baustein eines sich immer unverblümter artikulierenden, mörderischen Mainstreams, der den weißen, heterosexuellen Mann als einzig individuierte Kämpfer gegen die „barbarische Masse“ der Schwarzen, „Schwarzhaarigen“, Schwulen und „Feminazis“ mobilisieren will – ich hoffe, sie werden scheitern.

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17 Antworten zu “„Hier zeigt sich praktisch, dass nach Auschwitz die Sympathie mit irgendwelchen Marginalisierten unmöglich geworden ist.“

  1. T. Albert Februar 10, 2011 um 11:36 pm

    mir fällt gerade zu all dem nix mehr ein. dies bahamas-zeugs ist schlicht nicht diskussionsfähig, my fellow countrymen, schreiben die für suleiman reden?

  2. momorulez Februar 10, 2011 um 11:42 pm

    Der Text an sich ist tatsächlich nicht diskussionsfähig, enthält aber zu vieles, was tatsächlich breitenwirksam gefährlich ist. Dazu sind mir hier zu viele in den letzten 2 Jahren ins Blog geplatzt, die Ähnliches quasseln, als dass ich das harmlos finden könnte. Das breitet sich in den Fankurven Rostocks und Bremens aus, auch bei uns partiell, das verschafft PI und Palin Zulauf … und wir haben hier ja nun auch genug Debatten mit ähnlichen Stoßrichtungen gehabt. Der Irrsinn hat Methode.

  3. T. Albert Februar 10, 2011 um 11:47 pm

    na, ich finds sicher nicht harmlos, ich finds grauenhaft. das ist ein text von schlägern.

  4. momorulez Februar 10, 2011 um 11:48 pm

    Ja, und das werden immer mehr, das ist ja das Schlimme …

  5. Nörgler Februar 11, 2011 um 12:27 pm

    Ich teile Deinen Zorn.
    Aber wenn im Jargon der Evangelischen Akademieeigentlichkeit gefordert wird, das „sich Menschen im Menschlichen treffen“, dann wird mir ebenfalls schlecht.

  6. Loellie Februar 11, 2011 um 1:06 pm

    Ach, dass ist wieder der Pink Swastika-Heini von neulich. Wieviele Straftatbestände kommen bei dieser Hasspredigt eigentlich zusammen?

    Im Zweifel wird man sich gegen solche eben wehren müssen. Wenn ein Moslem sowas schreibt, wird ja auch die präemptive Lösung ins Spiel gebracht.
    „Shoot him in the head“ (Glenn Beck) ist ja Meinungsäusserung und der Vollzug im Einklang mit der Verfassung. Da gibt es nämlich „2n amendment remedies“ (Sharon Angle) weshalb gilt, “ if ballots don’t work, bullets will“ (Joyce Kaufmann). In diesem Sinne, liebe Genossen „Do not retreat, instead reload“ (S. Palin), denn wir wissen von Herrn D., dass es keine berechtigte Amerikakritik gibt weil „Statt die Aufklärung radikal voranzutreiben im Sinne materialistischer Gesellschaftskritik, der es ums Glück des Einzelnen und dessen völlige Freiheit geht, fällt sie regressiv-kollektivistisch in vormoderne Konzepte zurück.“
    Dann bin ich doch glatt mal stolz darauf, dass ich dank meines „Verrat an der Humanität“ (D.) dem „Streben nach Glück des Individuums“ (D.) nicht nachgehe und meine völlige Freiheit zugunsten der Freiheit des D. vernachlässige.
    Weidmanns Heil.

    http://www.youtube.com/watch?v=GqnjzONrPiA

  7. momorulez Februar 11, 2011 um 1:49 pm

    Ja, war wieder der gleiche – freundlicherweise liefert er den Herrenmenschen-Gesamtentwurf für das, was sich ansonsten in Spuren allerorten auffinden lässt und bei vielen auch nur unbewusst wirkt.

    Ist das Video echt oder Satire?

  8. Robert Michel Februar 11, 2011 um 2:29 pm

    „Nazifaschismus kann durchaus als Vorläufer jener heutigen Ideologeme betrachtet werden, die das Fremde, Andere, Vielfältige, die multitude, die Subalterne gegen die Dominanz des Mainstreams (oder „Malestreams“) zu mobilisieren gedenken.“

    Krass, wie verblendet muss man eigentlich sein, um nicht zu merken gerade wiederlichen Müll zu schreiben. Und das sage ich als Proponent des Mainstreams.

  9. Loellie Februar 11, 2011 um 2:38 pm

    Das Video ist ein echter Wahlkampf-Spot. Man weiss bei denen wirklich nicht mehr, ob man lachen oder heulen soll.

  10. momorulez Februar 11, 2011 um 3:45 pm

    @Robert:

    Ja, ich war auch fassungslos.

    @Loellie:

    Der Clip wirkte echt wie Satire, weil diese Schießstand-Bilder wie später rein montiert wirken. Gibt übrigenes analoge Viedos von den Columbione-Attentätern

  11. tee Februar 11, 2011 um 7:35 pm

    Ist das Video echt oder Satire?

    Wegen solcher immer wieder auftauchenden Fragen bezeichne ich es gleich als „Realsatire“. Das hat schließlich alles Methode! 😉

  12. MondoPrinte Februar 12, 2011 um 10:25 am

    Und jetzt überlege man sich mal, was „auf den BAHAMAS“ los ist seit gestern, seitdem der Pharao seinen Rücktritt erklärt hat…

  13. momorulez Februar 12, 2011 um 11:41 am

    Und mal gucken, wem von uns beiden es heute um 17.15 h besser geht 😉 …

    Die werden jetzt vermutlich alles dafür tun, da Antisemitismus aufzuspüren und vermutlich die Marxsche Demokratiekritik verkürzt wieder aufgreifen, mit hegelscher Geschichtsphilosphie aufladen und die „Scheißaraberfressen“ als nazistischen Mob behaupten, weil ja auch Hitler demokratisch gewählt worden sei. So argumentieren rechtlsiberale Leninisten halt. Machen sie in den USA ja auch.

  14. entdinglichung Februar 12, 2011 um 12:34 pm

    mal sehen, wann die BaHamas anfängt, Ernst Nolte oder Rainer Zitelmann zu loben, würde mich wirklich nicht mehr überraschen

  15. momorulez Februar 12, 2011 um 12:57 pm

    Ja, sie kommen dem schon sehr nahe …

  16. serdargunes Februar 12, 2011 um 11:44 pm

    „Das Bild des Kritikers als weißer Mann ist ein Ressentiment, hinter dem sich die Feindschaft gegenüber der Zivilisation, der Individualität, des Abstrakten, der Intellektualität und der Reflexion verbirgt.“

    Tja das ist wohl die antideutsche Version der verletzten religiösen Gefühle würd ich sagen.

  17. momorulez Februar 13, 2011 um 11:59 am

    Es ist zudem eine hochaggressive Verteidigung von Deutungsprivilegien … die merken wohl gerade, dass ihre Herrschaft ins Rutschen gerät, wo die Avantgarde sich plötzlich bei ihren Lieblingsfeinden inmitten Ägyptens formiert.

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