Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Kolonialismus und Holocaust

Bei DIE ZEIT-Online findet sich aktuell ein äußerst interessantes Interview mit Stephan Malinowski über das Kaiserreich und dessen Folgen. Wikipidedia weiß über ihn zu berichten: Er wurde im Jahr 2003 bekannt durch seine Dissertation mit dem Thema „Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat“. So geht es entsprechend in dem Interview vor allem um Brüche und Kontinuitäten zwischen der Zeit Wilhelm Zwos und dem „3. Reich“ unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Adels.

Bemerkenswert ist, wie Malinowski, für richtige Historiker typisch, hinter den großen Strukturthesen die vielen kleinen, fiesen Stränge der Realhistorie pontiert rekonstruiert und dabei doch das Ganze nicht aus dem Auge verliert. Zudem ist hervorzuheben, wie er zu Zeiten, da auf großer politischer Bühne annähernd eine retrospektive Legitimierung kolonialer Verhältnisse wie auch eine Delegitimierung antikolonialer Bewegungen stattfindet, die Kolonialgeschichte klar als Vorgeschichte der Shoah versteht:

ZEIT: Auch das eine Parallele zum nationalsozialistischen Deutschland?

Malinowski: Wichtiger scheinen mir die Entwicklungslinien des Rassismus zu sein. Der Historiker Helmut Walser Smith hat kürzlich in seinem Buch Fluchtpunkt 1941 vier Entwicklungslinien nachgezeichnet, die zum Holocaust führten. In einer Umprägung des Begriffes eliminatorischer Antisemitismus, den Daniel Jonah Goldhagen aufgebracht hat, spricht Smith von eliminatorischem Rassismus. Abgesehen davon, dass es auch schon zu Kaiserreichszeiten einen starken Antisemitismus in Deutschland gab, vermaß man nämlich schon lange vor 1933 nicht nur Schädel, sondern grenzte auch einzelne Bevölkerungsteile aus, sperrte sie in Konzentrationslager oder löschte sie sogar physisch aus. Das geschah in den Kolonien, und zwar nicht nur und nicht zuerst in den deutschen. Hunderttausende Menschen wurden ermordet – von den Deutschen in Südwestafrika, von den Franzosen in Algerien und Indochina, von den Briten in Südafrika und im Sudan, von den Amerikanern auf den Philippinen und von den Belgiern im Kongo.

Und das, wo in Deutschland mit aller Kraft versucht wird, genau diese Kontinuität dem Schweigen zu überantworten. Die Aussagen Joschka Fischers zu den Hereros und der historischen Verantwortung Deutschlands, das zugleich „nicht Geisel sein der Geschichte“ sei, mögen da als prototypisch gelten:

„Hierzu erklärte der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer 2003: „Wir sind uns unserer geschichtlichen Verantwortung in jeder Hinsicht bewusst, sind aber auch keine Geiseln der Geschichte. Deshalb wird es eine entschädigungsrelevante Entschuldigung nicht geben.“ Als kurz nach diesem Statement ein historisches Werk zum Völkermord an den Herero erschien (Jürgen Zimmer/Joachim Zeller: Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg 1904-1908 in Namibia und seine Folgen), wurdem diesem die zuvor angekündigte finanzielle Unterstützung durch das Auswärtige Amt entzogen.“

Dem seit Jahren sich vollziehenden Bereitstellen vertiefender Texte zu diesem Thema durch den Che sei ausdrücklich gedankt!

Klar wird die Gleichursprünglichkeit jener rassistischen Raster und Praxen, die den Antisemitismus wie auch die brutalen Kolonialregime befeuerten. Insofern ist etwas eigenartig, immer wieder auf Argumentationslinien zu stoßen, die den Rassismus gegen Schwarze und „Schwarzhaarige“ für nicht ganz so schlimm befinden, weil diese zu Zivilsierenden doch gefälligst dankbar für Albert Schweitzer, Christianisierung, so weit gelungen, und den Eisenbahnbau zu sein haben, um es ironisch zu überspitzen. Ein Schema, das ja aktuell indirekt in der Haltung zu den Vorgängen in Ägypten sich re-stabilisiert.

Man muss nicht die Singularität der Shoa leugnen, um die Vorgeschichte derer in ihrer Gänze zur Kenntnis zu nehmen. Was, so scheint es oft in alltäglichen Diskussionen, geradezu einem Tabubruch gleich kommt, darauf zu verweisen. Als Grund dafür, dass Auschwitz von Deutschland ausgehend, nicht jedoch von anderen Kolonialmächten, führt Malinowski insbesondere die spezifische Art der Aufarbeitung des verlorenen, 1. Weltkriegs an.

Ein weiteres Strukturmerkmal sei noch ausdrücklich erwähnt, da es so, ja, gegenwärtig scheint:

„Denn diese Verbindung – autoritäre Institutionen auf einer hochdynamischen ökonomischen Grundlage – ist eine der wichtigen strukturellen Gemeinsamkeiten mit dem »Dritten Reich«.“

Empfehle dringend die Lektüre des ganzen Interviews!

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44 Antworten zu “Kolonialismus und Holocaust

  1. defekt Februar 8, 2011 um 6:08 pm

    Danke für die Verlinkung, dass die Kolonisation durchaus zur Vorgeschichte der Shoah gehört, taucht auf dem Blog aber auch schon von alleine auf.
    Dass hierzu noch andere Faktoren kommen, nämlich traditioneller Antisemitismus und deutscher Nationalismus, kann man nicht wirklich außer Acht lassen. Die gehören nämlich in vergleichbarer Bedeutung zur Gänze der Vorgeschichte der Shoah.

  2. MondoPrinte Februar 8, 2011 um 6:47 pm

    Hervorragend. Danke für den Hinweis.

  3. T. Albert Februar 8, 2011 um 7:10 pm

    ja, es werden ja die „aussensichten“ auf europa nicht gelesen. es reicht die radiorede muhammad iqbals zum beginn des 2. weltkriegs nachzulesen. heute morgen hörte ich zufällig im radio einen senegalesischen rapper zu den tausenden afrikanischen soldaten des 2. weltkriegs, die nie richtig entschädigt wurden von frankreich. der meinte, was heisst, der westen erlässt uns schulden? wir sind die gläubiger nach kolonialismus und krieg.

    auch der bosnisch-herzegowinische grossmufti hat vor drei wochen in auschwitz gesprochen, was ja auch deshalb wichtig ist, weil irgendwelche interessierte jetzt jahrelang muslime zu antisemiten pauschalisieren, wie gerade das sich befreiende ägtyptische volk auch wieder. die fanden es unter den engländern auch nicht so witzig.

  4. Loellie Februar 8, 2011 um 7:20 pm

    Und die Muslim Brotherhood war eine direkte Reaktion auf die englischen Kolonisatoren. Will heute auch keiner mehr wissen.

  5. spiritual guide Februar 8, 2011 um 9:03 pm

    Super interessant, wirklich. Doch hier, sorry, das ist ganz schlechter Stil in der Kommentarsektion, schlimmer geht´s nicht, ich weiß:

    „wie er zu Zeiten, da auf großer politischer Bühne annähernd eine retrospektive Legitimierung kolonialer Verhältnisse wie auch einer Delegitimierung antikolonialer Bewegungen die Kolonialgeschichte klar als Vorgeschichte der Shoah versteht: ….“ (KOMMA? wie also zu Zeiten, …, und nun? Geht der Satz etwa, was ja – zwar gewagt – durchaus denkbar wäre, nach dem Zitat weiter?)

    hör ich auf zu lesen. Entweder Kommafehler oder es fehlt das zweite Verb. Ist ein Kommafehler, geschenkt, aber handelt es sich nun um eine ‚Legitimierung einer Deligitimierung‘? oder um einen Kasusfehler und es versteckt sich noch ein ganz anderer Fehler in der Konstruktion? Es ist echt lästig, sich erst auf Fehlersuche begeben zu müssen, um dann, weil es erst Mal nicht entscheidbar ist, eine Hypothese, welcher es gewesen sein mag, aufzustellen, und dann den Rest des Textes sich immerzu zu fragen, ob man es nun so richtig „gelesen“ hat. Ich will das verstehen, da kenne ich keinen Spaß, und dann bin ich eben genau.

    So. Das musste mal sein. Ansonsten bitte weiter so!! (Werde den Text mir Morgen nochmal anschauen, ganz sicher, wenn ich mich von dem Satz oben erholt habe.)

  6. momorulez Februar 8, 2011 um 9:40 pm

    @Defekt:

    Und nun erklär mir mal Kolonialismus ohne Nationalismus oder analoge Formen, wie sie sich zur Zeit suptranational ergeben oder einst in Pan-Bewegungen … klar, man kann auch Konzerne z.B. als unabhängig von nationalen Konstellationen kolonial agieren sehen (Schimmelmann und Co), aber das, worum es im obigen Text geht, ist ein Kulturherrenmenschendünkel, der rassistisch untermauert wurde und nicht zufällig sich um die Epoche der Aufklärung herum verschärfte, als der weiße Mann sich als das rationale Subjekt der Geschichte erfand und Frau und schwarz der Natur zuschlug, mal sehr holzschnittartig formuliert, und zugleich z.B. oft auch was gegen die rechtliche Gleichstellung von Juden hatte. In Deutschland verschärfte sich das dann nach der Reichsgründung als Forderung nach dem „Platz an der Sonne“, die u.a. von den im Interview erwähnten „nationalen Verbänden“ forciert wurde, in denen nicht zufällig auch Antisemitismus sich brutal ausbreitete. Welche Rolle zu dem Zeitpunkt noch das Nachwirken der traditionalen, christlichen Judenfeindschaft spielte, auch bei Agitatoren wie dem Stocker, tritt als Frage hinter das zurück, was das qualitativ Neue des Antisemitismus des 19. Jahrhunderts ausmachte, und das war die rassistische und übergreifend kulturdünkelnde Begründung, und das verschärften die Nazis. Vorher konnten Juden sich ja noch taufen lassen, also integrieren, aktuell gesprochen. Nicht umsonst waren es die Nürnberger Rassegesetze, die Voraussetzung für die spätere Vernichtungsmaschinerie waren. Auch die unglaubliche Brutalität der Nazis im Umgang mit Polen, Russen etc. sollte dabei nicht unterschlagen werden, die waren als Slawen ja auch „Untermenschen“, zu Franzosen war man netter.

    Bemerkenswerterweise taucht eine andere Differenz sehr selten auf, wenn mal wieder jemand Juden instrumentalisiert, um über Kolonialgeschichte nicht reden zu müssen, die Mehrheit-Minderheit-Relation. Damals Kulturschmarotzer, heute Sozialschmarotzer, so ungefähr – zum „Kulturschaffenden“ nicht fähig, würden Juden sich in „Wirtsvölkern“ einnisten. Nun ist wiederum zentral, dass eben die Prämisse, unfähig, „Kultur“ oder auch „Zivilisation“ ohne weiße Hilfe und Paternalisierung zu schaffen, Legitimationsmodus von Unterdrückung und Vernichtng war und ist. Und das Ärgerliche ist, dass solche Einwürfe wie Deiner, geschweige denn jene wie die von US-Rechtsradikalen infiltrierten wie die dieses Bozic, der ja auch nur schreibt, was Merkel und Sarkozy denken, fortwährend Vergegenwärtigung der Kolonialgeschichte verhindern. Macht die Welt zwar einfacher, ist aber den Nachfahren der Opfer sowie den heute Unterworfenen gegenüber ein Fortschreiben der Kolonisation in weißen Köpfen und eine permanente Entwürdigung, die ja mittlerweile so etwas völlig Absurdes wie „Opferkonkurrenz“ erzeugt hat. Was nun aber jenen, die fortwährend paternalisiert werden, nun gerade nicht vorzuwerfen ist.

  7. momorulez Februar 8, 2011 um 9:44 pm

    @spiritual guide:

    Danke für den Hinweis, ich ergänze da gerne, da muss man sich doch aber nicht gleich so drüber aufregen 😉 …

  8. momorulez Februar 8, 2011 um 9:50 pm

    @Loellie:

    Das ist ja das Gruselige -w ie soll man sich auch mittels etwas befreien können, das über Jahrhunderte ideologisiert als Unterdrückungsideologie auftauchte? Da besinnt man sich halt auf das, was von den Unterdrückern unterscheidet.

    Was ich ja bis heute nicht begreife, ist, dass dieser Mechanismus gegen das Christentum NICHT greift, sondern das auch noch als Vehikel dient, zwischen „afrikanisch“ und „unafrikanisch“ unterscheiden zu wollen. Das gelebte Christentum in ehemaligen Kolonien ist zwar ein völlig anderes, mit allerlei Tradiertem Durchsetzes, trotzdem, das will mir immer nicht in den Kopf hinein.

    @T. Albert:

    Ja.

  9. bersarin Februar 8, 2011 um 11:20 pm

    @ spiritual guide

    Wenn einer solche Ansprüche schraubt, sollte er sie in der eigenen Schreibe sprachlich sowie in Orthographie und Interpunktion einlösen können. Im zweiten Satz des dritten Absatzes oben täte ein Hilfsverb, ein hinweisendes Fürwort, welches zuweilen Demonstrativpronomen genannt wird, sowie ein unbestimmter Artikel sicherlich guttun. Und was mag „erst Mal“ sein? Erst mal, dann minus, dann plus? Punktrechnung vor Strichrechnung? Wir wissen es nicht.

    Das Wort „echt“ ist übrigens echt scheiße. Wie wohl sähe eine unechte Lästigkeit aus? Ist dies dann eine Leichtigkeit oder gar ein Täuschungsversuch? Dies fragt der umtriebige Sprach- und Tugendwächterrat vom allseits beliebten Service-Blog „Aisthesis“.

  10. Loellie Februar 9, 2011 um 1:55 pm

    Das ist doch albern, was der bürgerliche, weisse, heterosexuelle Spinner da in der JW zusammenschreibt. Passt aber prima zum Weltbild das Schröder-Köhler, Palin oder Glen Beck pflegen. Linke, Nazis und Islamisten bereiten das globale Kalifat vor.

    Ich hätte ja schon längst wenigstens ein paar Stichpunkte zur Reaktion des konservativen Amerikas auf die Ereignisse in Aegypten gepostet, aber die sind da drüben zur Zeit so dermassen durchgeknallt, dass es schlicht unmöglich ist dies näherungsweise verständlich zusammenzufassen.
    Der unbekannte Demonstrant vom Madin Tahrir ist nicht weniger verständlich als unsere Pro-West“-Froinde, dafür aber erheblich netter anzuschaun 🙂

    http://www.youtube.com/user/TahrirSqaureEgypt#p/u/4/PNncexXWaIY

  11. David Februar 9, 2011 um 7:00 pm

    Ich weiß nicht; so große Ansprüche sehe ich bei spiritual guide in dieser Hinsicht gar nicht am Werk. Ich denke, er hat wirklich den Satz nicht verstanden und das angemerkt, wenn auch vielleicht mit etwas zu viel Verve. Mein Service: Eine korrektive Deutung des von spiritual guide bemängelten Satzes:

    „wie er zu Zeiten, da auf großer politischer Bühne annähernd eine retrospektive Legitimierung kolonialer Verhältnisse wie auch einer Delegitimierung antikolonialer Bewegungen [stattfindet,] die Kolonialgeschichte klar als Vorgeschichte der Shoah versteht: ….“

    Das könnte es treffen.

  12. momorulez Februar 9, 2011 um 8:19 pm

    Ich hatte den doch eigentlich so korrigiert mittlerweile, oder hat der das wieder nicht genommen?

    Was mich ja nur nervt an solchen Einwürfen ist die proklamierte Erwartungshaltung des Lesers, man habe sich nach seinen Lesebedürfnissen zu richten 😉 … meiner Ansicht nach MÜSSEN Blogeinträge Formulierungsschwächen, Tippfehler und nicht zu Ende gedachte Gedanken enthalten, sonst wären es ja Texte wie andere auch.

    Ich fand Bersarins Einwurf sehr charmant.

  13. bersarin Februar 9, 2011 um 8:52 pm

    Danke, Momorulez. Mich ärgert so etwas auch sehr: diese Erwartungshaltung, die dann z allem Überfluß gespreizt und in schlechtem sowie falschem Deutsch daherkommt. Wir alle sind Blogger, wir machen Fehler, wir haben nicht viel Zeit, wir bekommen kein Geld dafür und wir alle möchten eine bestimmte Qualität abliefern. Mal gelingt das gut, mal weniger. Wie es im Leben so ist. Und es gibt tage, da gerät eine Formulierung nicht so gut oder ist falsch.

    Ich hätte meinen Kommentar so auch gar nicht geschrieben, wenn jemand höflich anfragt: Ich habe den Satz nicht verstanden. Das ist dann ok. Aber wenn man, wie es Nörgler so schön formulierte, die Meßlatte hoch an den Himmel hängt und hernach selber als Zwerg darunter läuft, da paßt dann etwas nicht. Und das muß ausgesprochen werden. Vielleicht hatte ich gestern abend aber auch nur schlechte Laune. Ich will dem spiritual guide ja nicht persönlich an den Karren fahren.

  14. momorulez Februar 9, 2011 um 9:32 pm

    Und selbst wenn, fände ich das völlig in Ordnung 😀 … nicht persönlich werden ist irgendwie unmenschlich. Wir sind doch Personen. Mir ist es ja immer lieber, jemand bezeichnet mich als Arschloch, als wenn ich mittels irgendwelcher Abstraktionen negiert werde. Dann findet wenigstens noch Bezugnahme statt und nicht irgendein Wildern im falschen Allgemeinen, das Einzelne dem dann auch noch integrieren will. Jeder Tippfehler zeugt doch davon, dass man lebt und sich nicht völlig bildungsbürgerlichen Fassaden, die ständig Angst haben, was falsch gemacht zu haben, unterwirft. Gerade im Kreativen ist es oft am coolsten, einfach Fehler, die man gemacht hat, weiter auszuarbeiten, zu wiederholen, zu verstärken. Die Dissonanz in der Musik oder der Blick von Cėzanne sind ja auch „Fehler“ aus einer bestimmten Perspektive.

    Will jetzt meinen Tippfehlern und Wortauslassungen auch nicht den Rang Cėzannes zuweisen 😀 – aber selbst der Verschreiber oben hat ja offenkundig dazu geführt, dass der Satz genauer angeguckt wurde.

  15. bersarin Februar 9, 2011 um 10:25 pm

    Ja, das ist richtig, die Wendung „nicht persönlich werden“ ist mit doppeltem Sinn zu lesen und verneint zugleich das Person-Sein. Andererseits ich bin nun einmal bekannt für meine ruhige Art und bürgerliche Art 😉

    (Wenn ich nicht gerade unruhig werde und in den Zorn gerate.)

    Zugleich steckt in Person aber auch „Maske“, was mir wiederum gut gefällt. Da bin ich dann gerne Person. Ich bin mein eigenes und komplettes No-Theater.

  16. momorulez Februar 9, 2011 um 10:40 pm

    Bei C.G. Jung gibt es ja den Begriff „Persona“ für „Charaktermasken“, die man lebt und ist. Und eben zugleich den „Schatten“, das Nicht-Integrierte, das dadurch verborgen bleiben soll. Und da ich es ganz mit den psychologischen Integrationsmodellen halte, die „Schatten“ und „Subpersönlichkeiten“ als Teil des eigenen Ganzen verstehen, ist halt Teil meines Bloggens immer im Sinne dieser Integrationsarbeit zu verstehen 😉 – kann ich nur empfehlen!

  17. T. Albert Februar 9, 2011 um 10:47 pm

    Guter Vergleich, der mit Cezanne. Und Tchechov? 🙂

  18. momorulez Februar 9, 2011 um 10:52 pm

    Tschechow ist ja tatsächlich, klassisch-dramatischen Regeln folgend, auch total fehlerhaft – keine Hauptfigur, variierende Antagonismen, nur vereinzelt Fallhöhe, lauter ununterbrochen Fehler machende Figuren, endlose, sich gaaaaaaanz langsam nur steigernde Dialoge, kaum Handlung – was freilich gleichzeitig präzise beobachtet ist. Wie von Cėzanne 😉 …

  19. David Februar 10, 2011 um 2:49 am

    @Momorulez: Stimmt, Du hattest ja auch schon geschrieben, daß Du es geändert habest. Möglicherweise deshalb ist mir der Satz auch erst als problematisch aufgefallen, als er von spiritual guide erwähnt wurde. Ich ging aber davon aus, daß ich die von mir konstruierte Bedeutung schon beim Lesen hergestellt hätte, zumal ich an eine nachträgliche Korrektur, die mir der hiesigen Blog-policy zu widersprechen schien, nicht so recht glauben wollte.
    Daß die von mir vorgeschlagene und die von Dir durchgeführte Korrektur sich bis ins Detail entsprechen, spricht entweder dafür, daß wir ungeheuer ähnlich ticken oder dafür, daß ich Glück hatte oder dafür, daß sie ziemlich offensichtlich war (wobei ich auf letzteres tippe).

    „nicht persönlich werden ist irgendwie unmenschlich.“

    Du Saftsack.

    Für das beliebteste Begeleitforum zu einem deutschsprachigen Blog hast Du Dich damit ganz klar disqualifiziert, denn dort lästert man nur gegen Abstrakta (wie etwa Ballastexistenzen).

    Was die Erwartungshaltung an Blogs anbelangt, so stimme ich Bersarin und Dir im Grunde völlig zu, und ich habe eingeräumt, daß spiritual guides Kommentar mit etwas zu viel Verve (ich habe dieses Wort oben aus irgendeinem Grund verwendet, und jetzt muß ich dazu stehen) daherkam. Mit viel zu viel Verve (dito), falls man ihn flüchtig liest und den ersten Absatz nicht selbst- sondern Momorulezkritisch deutet, was zumindest mir beim ersten Lesen passiert ist.

  20. momorulez Februar 10, 2011 um 9:34 am

    „Ballastexistenzen“. Zum Kotzen. Und natürlich sagt sich so was leichter abstrakt, als es in Jenfeld jemandem ins Gesicht zu sagen, dieses „Du bist unwertes Leben!“ Wenn es das Forum ist, von dem ich glaube, es könnte es sein, dann passt das auch übergreifend: Hinter Bildungsbürgerlichkeit und deren Höflichkeit KANN sich einfach ungeheure Brutalität verbergen, auch im Denken selbst.

    Und dass Du den Satz so gelesen hast, wie er gedacht war, zeigt ja eher, das wir uns auf die gleiche Welt beziehen und die gleiche Sprache sprechen. Ich muss wohl doch noch mal den „Epiphanten“-Aufsatz von Davidson raus kramen.

  21. spiritual guide Februar 10, 2011 um 11:23 am

    @ Bersarin: fand Deinen Einwurf auch charmant. Dieses Wort kam mir beim Lesen ebenfalls in den Sinn.

  22. defekt März 9, 2011 um 6:54 pm

    @momorulez

    Genau das habe ich doch geschrieben, dass es sich beim Antisemitismus um ein spezielles Ineinandergreifen dieser Resenntiments handelt, auf deren Verknüpfungen du in deiner Antwort hinweist.

    »tritt als Frage hinter das zurück, was das qualitativ Neue des Antisemitismus des 19. Jahrhunderts ausmachte«
    Den Ansatz finde ich falsch, historische Kontinuitäten hinter qualitativ Neues zurücktreten zu lassen.

    »zum „Kulturschaffenden“ nicht fähig, würden Juden sich in „Wirtsvölkern“ einnisten.«
    Da geht es nicht nur um Kultur. Intellektuellen Jüdinnen und Juden wurde dann einfach das Gegenteil nachgesagt, das ist ja der Trick am Ressentiment.
    Und gleichzeitig war das Prinzip des Antisemitismus, diesen Minderheitenhass nach oben zu denken, sich also beherrscht zu fühlen, vorzugsweise von einer Verschwörung. Da geht dann die Rechnung mit der Analogie zu den »Sozialschmarotzern« schon nicht mehr auf. Die wurden von den Deutschen auch gesondert verfolgt, nämlich als »Gewohnheitsverbrecher« und »Arbeitsscheue«. Das fällt nicht unter Antisemitismus.

    »fortwährend Vergegenwärtigung der Kolonialgeschichte verhindern.«
    Du kannst Bozic und uns antideutsches Gesindel ja bescheuert finden, aber nicht in demokratischen Zuständen und schon gar nicht im Internet kann irgendjemand irgendwen an irgendeiner Darstellung hindern. Vergegenwärtige doch einfach, wer soll das denn verhindern.

  23. momorulez März 9, 2011 um 9:33 pm

    Historisch ging es da sehr wohl drum, um eine biologistische Fundierung von Kultur oder aber die Unfähigkeit von Juden, solche hervor zu bringen. Es gab diesen von Dir angedeuteten Philosemitismus gegenüber jüdischen Intellektuellen bei den Varianten der Völkischen in der Regel nicht. Da galt „jüdischer Geist“ als zersetzend, westlicher Krämerseelengeist, und deren Kunst als „entartet“. Da stimmt Dein Witz des Ressentiments meines Wissens nicht.

    Auch, dass das nun immer nur „nach oben“ gerichtet war, ist nicht richtig. Es ga die Ressentiments, was in dem Fall ja ein verharmlosender Begriff ist, auch gegen die „schmarotzenden Ostjuden“ usw., nicht nur gegen das Klischee von den „Börsenjuden“ oder den Kaufhausbesitzern. Und Hauptfeind waren Leute wie Erich Mühsam, den sie konsequent als erstes aufknüpften. Das war ein „zerlumpter Kaffeehausliterat“. Auch der Antikommunismus und somit Antiegalitarismus, der für den Nationalsozialismus nicht minder konstitutiv war wie der Antisemitismus, hat sich ja nicht gegen Oberschichten gerichtet, und die „Bolschewiken “ galten als „verjudet“.

    Das ist selbst ein antisemitisches Klischee, dass sich in den theoretischen Versatzstücken reproduziert, die Du adaptierst. Dieser ganze antideutsche Diskurskosmos lebt davon, antisemitische Stereotype zu reproduzieren. Leute wie Verbrochenes und Lizas Welt machen nix anderes. Das sind Antisemiten mit umgekehrtem Vorzeichen.

    Die Verschwörungstheorie war wichtig wegen der „Protokolle der Weisen von Zion“ und dieser seltsamen Vorstellung von Mehrheitsgesellschaftlern, sich einzubilden, Minderheitenlobbys könnten sie unterjochen. Deshalb ist es aber nicht „strukturell antisemitisch“, wenn in PI-Kommentarsektionen die Unterdrückung der Heten durch Schwulenverbände beklagt wird. Und, um auf eins Deiner Tweets Bezug zu nehmen: Die Rolle der CIA zuthematisieren ist in den wenigsten Fällen „Verschwörungstheorie“, sondern ziemlich oft wahr. Das gar nicht mehr zur Kenntnis zu nehmen zeigt nur, wie gut diese antideutsche Gehirnwäsche funktioniert. Und wo die herkommt, das ist ja noch mal ein eigenes Thema … und damit meine ich nicht die Ursprünge zu „Nie wieder Deutschland“-Zeiten, die ja prima waren.

    Und natürlich verhindern Leute wie Bobic, dass Du mal die richtigen Bücher liest 😀 – ansonsten ist das ein eigenes Thema, wer da was wie politisch und ökonomisch instituionell abgesichert verhindert.

    Von Gesindel habe ich, glaube ich, nichts geschrieben? Das ist eigentlich nicht mein Vokabular.

    Ich finde es im Grunde genommen eher traurig, dass ihr, damit meine ich Leute Deines Alters, und im Osten noch mal verschärft, kaum eine andere Chance hattet und zum Teil habt, euch linke Theorietraditionen anzueignen, die im Gegensatz zu diesem antideutschen Quatsch diagnostisch was taugten. Da hat der Mauerfall in beiden Deutschlands fatal gewirkt. Aber ihr seid ja jung genug, dagegen anzustinken und draus zu lernen. Bobic ist da ein schlechter Berater.

    PS: Was bei dieser ganzen „ideengeschichtlichen“ Debatte eh komplett unter den Tisch fällt, ist die Unterstützung Hitlers durch Commerzbank, IG Farben usw. Das ist Geschichtsschreibung ohne Geschichte, sozusagen.

  24. defekt März 10, 2011 um 2:07 pm

    »diesen von Dir angedeuteten Philosemitismus gegenüber jüdischen Intellektuellen«
    Meinte ich genau andersherum! Den jüdischen Intellektuellen hat man für seinen überlegenen Intellekt verachtet, wäre er woanders überlegen, würde man ihn für dieses andere verachten. Diese Uneinsichtigkeit ist der Trick des Ressentiments, auf den ich anspielte.
    Zur geistigen Zersetzung des Intellektuellen durch die Verfolgung und das Konzentrationslager hat ja Jean Améry ganz wertvolles geschrieben. U.a.: »In Auschwitz aber musste der isolierte Einzelne noch dem letzten SS-Mann die gesamte deutsche Kultur samt Dürer und Reger, Gryphius und Trakl überlassen.« Jenseits von Schuld und Sühne, S. 21

    »Das war ein „zerlumpter Kaffeehausliterat“.«
    Glaube ich den Nazis ehrlich gesagt nicht. Sie hätten es wohl gern gehabt, dass ein ihnen geistig Überlegener so herabgestuft ist, aber das heißt ja nicht, dass sie ihm nun tatsächlich intellektuell überlegen gewesen wären, nur weil die Nazis selber das schreiben.

    »Das sind Antisemiten mit umgekehrtem Vorzeichen.«
    So ein Quatsch. Das sind einfach die beiden Blogs, die am lautesten schreien. Gegen
    die Antideutschen (die eh nur darüber identifiziert werden, dass sie Antisemitismus nicht so obergeil finden) wird nur gewettert, wenn man sich Raum für das eigene Ressentiment erobern will. Siehe Dresden, siehe Makss Damage, usw.

    »Die Rolle der CIA zuthematisieren ist in den wenigsten Fällen „Verschwörungstheorie“, sondern ziemlich oft wahr.«
    Die Rolle der CIA ist doch aber nicht, die Nachrichten aus aller Welt zu plotten, wie das bspw auf sueddeutsche.de behauptet wurde. Würde man sich mal nur die Rolle angucken!

    »antideutsche Gehirnwäsche«
    Was ist das denn genau? Zu behaupten, Israel wäre nicht für alles Übel im Nahen Osten verantwortlich, oder sogar zu denken, man sollte Israel eher nicht auslöschen, oder materialistische Kritik an den Verhältnissen zu üben, die sich nicht an Hirngespinsten hochziehen?
    Solche Positionen als Gehirnwäsche zu bezeichnen ist argumentativ nicht wirklich bereichernd, im Gegenteil. Genau da schwingt nämlich mit, dass man sich intellektuell nicht damit auseinadersetzen möchte, die Reflexion verweigert und die Gegenposition gleichzeitig als von oben herab und beherrschend kennzeichnet, was sie nicht ist.

    »Von Gesindel habe ich, glaube ich, nichts geschrieben? Das ist eigentlich nicht mein Vokabular.«
    Gehirnwäsche ist aber das Vokabular, von dem sich vermeintlich Linke dazu inspiriert fühlen, auf Menschen mit Israelfahne in der Hand loszugehen, bzw solche Aktionen zu beklatschen.

    »euch linke Theorietraditionen anzueignen«
    Angesichts des Nichtvorhandenseins einer linken Bewegung sind Traditionen vielleicht gar nicht der richtige Weg. Aber es gibt auch so genug lesenswertes, finde ich.

  25. momorulez März 10, 2011 um 4:27 pm

    Baby, nu mal halblang. Fangen wir doch mal hinten an: Diese Argumente mit dem „auf Leute mit Israelfahne los gehen“ sind echt CDU-Style – man sucht irgendeine gewalttätige Aktion, die irgenwann irgendwo passiert ist, und wirft von da aus dann einen Blick auf das Gesamtphänomen. Kennst Du ja aus der Ultradiskussion hervorragend. Auf dem Niveau diskutiere ich nicht. Ist mir zwar neulich sogar passiert, dass ein selbstbewusstes, schwules Auftreten auf einmal mit der ETA assoziiert wurde 😀 – der weniger komische Teil ist, dass US-Rechtsradikale Homosexualität selbst als terroristische Praktik behaupten, was vielleicht die Struktur Deines Argumentes etwas klarer macht.

    Was man sinnvoll diskutieren kann, ist, was das Schwenken nationaler Symbole mit „links“ zu tun hat. Es ist doch einigermaßem lächerlich, sich antideutsch zu nennen, um dann einen Ersatznationalismus rund um Israel herbei zu fantasieren.

    Man kann sehr gute Gründe für eine Solidarität mit Isreal anführen, die ich als prinzipielle ja teile, aber doch nicht so, und schon gar nicht, indem man auf emanzipatorisches Gedankengut dann vollkommen verzichtet und „Araber“ ergänzend als „tierhaft“ oder „regressiv“ behandelt. Das ist Irrwitz, der zudem von US-rechsradikaler Propaganda aber so was von gar nicht unterscheidbar ist.

    Gehirnwäsche: Das ist einfach hochmanipulativ, dieses Gequassel, gerade in Deutschland, weil es die hochgradig notwendige Kritik an Antisemitismus instrumentalisiert, der Gegenstandsanalyse jegliche Tiefe und Schärfe raubt, aufs Übelste versimpelt, zugleich aber schlicht die Ängste mobilisiert, die man als halbwegs aufgeklärter Mensch, der in Deutschland aufwuchs, nun mal hat, nämlich den gleichen Scheiß zu bauen wie die eigenen Großväter. Das arbeitet mit diesem schlechten Gewissen, deshalb „Gehirnwäsche“. Oder bei Dir sogar Urgroßväter.

    Mit dieser Methode werden überall „Antisemitismus“-Schilder aufgestellt, letztlich, um eine ökonomische Kritik gerade zu verhindern. Das hat auch nix mit Materialismus zu tun, dieser Unsinn, der allseits kursiert, weil der ggf. interessante Teil, die Wertkritik, ja in keiner der mir bekannten Publikationen eine Rolle spielt. Da geht es einzig darum, mittels haarsträubender idealistischer Verrenkungen, üblen Adorno-Verballhornungen und einer Instant-Geschichtsphilosophie, die reale Verläufe gar nicht kennt, den eigenen Rassismus und die eigene Fremdenfeindlichkeit zu rationalsieren und auch noch als links zu verkaufen, dabei ist Lizas Welt z.B. eindeutig rechts, Verbrochenes vor allem blöd und eitel. Und das alles geschieht zu allem Überfluss auch noch, indem klassisch linke Themen, die mit guten Gründen klassisch links sind, Imperialismus zum Beispiel, zu diskreditieren.

    Ich lass mich auf diese Diskussion, zu der man bei Rhizom z.B. alle Argumente finden kann, nur noch ein, weil es echt schade um Leute wie Dich ist, dass sie glauben, in dem Paradigma könne man politisch denken. Und bei unseren Ultras ist das ja auch am Wirken , furchtbar.

    Das einzige, was daran wirklich interessant – und gefährlich – ist, dass es eine rechte Adaption dieser tradiert linken Themenkomplexe, die ich auch vertrete, gibt, gerade in euren Landstrichen, die hier noch keiner so richtig mit gekriegt hat. Da ist nun eine andere, rechte Theorie wie die der Antideutschen nun auch kein Heilmittel. Und diese rechte Vergewaltigungen bis hin zum Denken eines Habermas sind schon deshalb fundamental anders, weil sie völkisch operieren.

    Was zum historischen Teil überleitet, weil dieses Zusammengeklaue, sich dann aber von der IG Fraben kaufen lassen, ja historisch auch schon so lief: Welcher Nazi sich nun tatsächlich Juden über- oder unterlegen fühlte, was also als psychiologischer Nährboden für dieses abscheuliche Gebräu des Nationalsozialismus diente, das ist ja noch mal eine ganz andere Frage. Wichtig ist, dass jene „Intellektulität“, die man in den „jüdischen Kafeehausliteraten“ verkörpert sah, nicht als produktiv in z.B. „Mein Kampf“, ich habe das zum Teil ja tatsächlich gelesen, verstanden wurde, sondern als destruktiv.

    Und es ist wirklich eine Adaption antisemitischer Stereotype, sich nun Juden wahlweise als Intellektuelle oder Börsianer vorszutellen. Gleich bei mir um die Ecke war früher ein jüdischer Markt, wel nur durch das Millerntor übrigens Juden nach Hamburg einreisen durften, und ich wohne unweit eines ehemaligen „Arme-Leute-Viertels“, das die Nazis dann abgerissen haben, da haben jüdische Lumpenhändler ihre Ware feilgeboten. Vor den Gerichten am Sievekingplatz sind viele „Stolpersteine“, weil es einige jüdische Richter gab. Usw.

    Juden waren auch nicht durchgängig und naturgemäß schlauer als Nazis.

    Das ist doch das eigentliche Dilemma an diesem ganzen antideutschen Krempel: Da baut man sich aus Juden Ersatzarier, und das ist einfach Wahnwitz. Weil das ja alles völlig unabhänig von relaem, jüdischen Leben in Israel passiert, was so gedacht wird, das ist eine von US-Think-Thanks angefütterte, deutsche Fantasieproduktion.

    Die zudem von französischen Liberalen, die fest gestellt haben, dass man herrlich Juden instrumentalisieren kann, um die Leute in den Banlieues zu dissen, ergänzt wird. Was zu realem Antisemitismus tatsächlich beiträgt, diese Propaganda, gerade in Frankreich.

  26. tnb März 11, 2011 um 11:53 am

    »Diese Argumente mit dem „auf Leute mit Israelfahne los gehen“ sind echt CDU-Style – man sucht irgendeine gewalttätige Aktion, die irgenwann irgendwo passiert ist, und wirft von da aus dann einen Blick auf das Gesamtphänomen. Kennst Du ja aus der Ultradiskussion hervorragend. Auf dem Niveau diskutiere ich nicht.«
    Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um ein Klima, in dem Drohungen und Übergriffe keinerlei Sanktion mehr zu erwarten brauchen, weil der Antideutsche an sich, den man sich sowieso nur herbeikonstruiert, die Aufregung nicht wert ist und es eine schweigende Mehrheit gibt, die solche Aktionen toleriert. In Hamburg und Berlin sind solche Übergriffe bspw durchaus eine Regelmäßigkeit, und sie werden genau durch diese geistige Abschottung legitimiert, die eine Vermengung von Jungle World, Bahamas und Political Incorrect zum antideutschen Sumpf anzeigt. Der einzige Verbindungspunkt dieser drei ist wieder die Thematisierung des Antisemitismus.

    »

    Was man sinnvoll diskutieren kann, ist, was das Schwenken nationaler Symbole mit „links“ zu tun hat. Es ist doch einigermaßem lächerlich, sich antideutsch zu nennen, um dann einen Ersatznationalismus rund um Israel herbei zu fantasieren.«
    Antideutsch wurden diese Personen nur von den Angreifern genannt. Und Israel ist kein Ersatznationalismus, sondern ein Projekt zum Schutz der Jüdinnen und Juden vor dem antisemitischen Terror. Wenn so ein Projekt nicht links ist, dann ist links ziemlich scheiße.

    »a geht es einzig darum, mittels haarsträubender idealistischer Verrenkungen, üblen Adorno-Verballhornungen und einer Instant-Geschichtsphilosophie, die reale Verläufe gar nicht kennt, den eigenen Rassismus und die eigene Fremdenfeindlichkeit zu rationalsieren und auch noch als links zu verkaufen«
    Wo ist denn dieses da? Rassitisch wäre es, den Palästinensern die Schuld an allem möglichen zuzuschieben, PI würde ich da z.B. einordnen, die lese ich aber nicht, kann es also nicht genauer sagen.
    Das hat aber nichts mit dem Befürworten der Existenz eines jüdischen Staates zu tun, und nichts anderes heißt es, dessen Fahne zu präsentieren.

    »Wichtig ist, dass jene „Intellektulität“, die man in den „jüdischen Kafeehausliteraten“ verkörpert sah, nicht als produktiv in z.B. „Mein Kampf“, ich habe das zum Teil ja tatsächlich gelesen, verstanden wurde, sondern als destruktiv.«
    Da schwingt doch genau das wieder mit. Eine tatsächlich anzuerkennende Leistung, zu der man nicht in der Lage ist, wird als minderwertig behauptet und ihr Träger wird so weit bekämpft, bis er zu dieser dann wirklich nicht mehr in der Lage ist; aber die Argumentation kommt genau andersherum, dass nämlich nie Leistung vorhanden gewesen wäre und der Träger deshalb vernichtet werde.

    »Und es ist wirklich eine Adaption antisemitischer Stereotype, sich nun Juden wahlweise als Intellektuelle oder Börsianer vorszutellen.«
    Richtig, aber diese Stereotype sind das Objekt der Kritik, also gehören sie in die Diskussion hinein.

    »Da baut man sich aus Juden Ersatzarier, und das ist einfach Wahnwitz.«
    Wer macht das denn, wer behauptet denn sowas? Es geht doch vielmehr darum, eine Umkehrbarkeit der jüdischen Emanzipation unmöglich zu machen.

    »Die zudem von französischen Liberalen, die fest gestellt haben, dass man herrlich Juden instrumentalisieren kann, um die Leute in den Banlieues zu dissen, ergänzt wird. Was zu realem Antisemitismus tatsächlich beiträgt, diese Propaganda, gerade in Frankreich.«
    Auf so einen Diss würden doch nur Antisemiten anspringen :). Und nun wieder den Juden oder deren Emanzipation die Schuld für den Antisemitismus zuzuschieben, ist ja dermaßen 19. Jhd.

    PS:
    »und damit meine ich nicht die Ursprünge zu „Nie wieder Deutschland“-Zeiten, die ja prima waren.«
    Die haben aber genau einen Jürgen Elsässer hervorgebracht und richtig lagen sie mit ihrer Analyse, das Vierte Reich stehe vor der Tür, auch nicht.

  27. Loellie März 11, 2011 um 12:22 pm

    Unerträglich dieses Nazi-Pack. Geht es noch feiger seinen Faschismus ausgerechnet hinter der Flagge Israels zu verstecken? Als ob die nicht genug durchgemacht hätten.

  28. momorulez März 11, 2011 um 4:11 pm

    „Der einzige Verbindungspunkt dieser drei ist wieder die Thematisierung des Antisemitismus“

    Quatsch. Die bewegen sich im selben rechtsradikalen US-Paradigma, das den Blockgegensatz von einst als Gegensatz zwischen „westlicher“ und „islamischer“ Welt behauptet usw. . Und wer selber zündelt und ein Klima schafft, in dem an Moscheen gezündelt wird, sollte mal nicht sooo empfindlich sein. Antifa hat halt Tradition in Hamburg, eine andere als in Jena oder Leipzig, womit ich irgendwelche Gewaltakte keineswegs gut heiße; ein Klima jedoch, dass diesen Dreck nicht akzeptiert, finde ich ebenso in Ordnung wie eines, das Nazis nicht akzeptiert. Dazu bedarf es auch gar keiner Konstruktion des „Antideutschen an sich“, der „für sich“ reicht da völlig aus.

    Ich frag mich ja eher, was einen weit überdurchschnittlich intelligenten, ganz liebenswerten Kerl wie Dich dazu treibt, Dich mit diesem Mist zu identifizieren.

    Ebenso ist die Gleichsetzung von „Israel“ mit „der Jude“ hanebüchen. Wenn Siedlungspolitik kritisiert wird, dann von vielen auch, weil das ggf. eine perspektivisch ziemlich kontraproduktive Art ist, einen Staat als Schutzraum für Juden zu bewahren. Und „links“ setzt immer den formalen Gleichheitsgrundsatz voraus, was einfach heißt, dass die Interessen von Juden und Palästinensern gleichermaßen wichtig sind. Wer nun wirklic genozidale Fantasien und Pläne hat, wie Achmadineschad ggf., und wer nicht, das ist ist dann eine empirische Frage, die in diesem antideutschen Strukturdenken ja gar nicht mehr gestellt werden kann, weil das eh immer schon beantwortet ist. Und „Antideutsch“ ist meines Wissen auch eine Selbstbezeichnung, anders als „Antiimp“ z.B. Nee, da bin ich schon ganz bei Loellie: Man kann nicht mit Faschismus Faschismus bekämpfen, womit ich nicht den Staat Israel meine, sondern diese antideutschen Quatsch. Ständig zu unterstellen, dass, wer nicht ununterbrochen die Israel-Flagge schwenkt, nichts anderes im Sinne habe als dessen Vernichtung, ist auch schon wieder so ein Knaller. Die einzige Flagge, die ich schwenke, ist der Jolly Rouge. Ist wahrscheinlich auch „strukturell antisemitisch“.

    Und das leistungskriterium ist nun auch schon wieder seltsam. Problematisch an dem Topos vom „zersetzenden Geist“ ist, dass Kritik diskreditiert wird und stattdessen die Entscheidung, das „Basta“ eines Führers gefordert wird. Und die Stereotype eignest Du Dir doch die ganze Zeit an. Und insofern baust Du Dir da auch Ersatzarier. Und die „Umkehrbarkeit der jüdischen Emanzipation“ würde dann bestehen, wenn man denen irgendwo das Wahlrecht aberkennen würde, wo sie es haben, z.B., oder ihnen die Zugehörigkeit zu bestimten Berufsgruppen untersagen. Aber Umkehrbarkeit durch wahlloses und willkürliches Abschlachten von Palästinensern verhindern zu wollen ist nun auch kein probates Mittel. Emanzipation gilt für alle gleichermaßen.

    „»Die zudem von französischen Liberalen, die fest gestellt haben, dass man herrlich Juden instrumentalisieren kann, um die Leute in den Banlieues zu dissen, ergänzt wird. Was zu realem Antisemitismus tatsächlich beiträgt, diese Propaganda, gerade in Frankreich.«
    Auf so einen Diss würden doch nur Antisemiten anspringen 🙂 . Und nun wieder den Juden oder deren Emanzipation die Schuld für den Antisemitismus zuzuschieben, ist ja dermaßen 19. Jhd.“

    Wo liest Du denn das, was Du da hinein liest? Wende die Textbausteine doch bitte da an, wo sie passen. Dass Dritte Juden instrumentalisieren, Du z.B., trägt zum Antisemtismus in den Banlieues bei. Wie Du da auf die Conclusio kommst, wer auch immer würde Juden die Verantwortung für den Antisemtismus in die Schuhe schieben, das erklär mal. Zudem Du den Begriff Emanzipation überhaupt nicht verstanden hast, offenkundig. Was hat denn das Instrumentalisieren von Juden durch franzödische Liberale mit „jüdischer Emanzipation“ zu tun?

    Weil Du hier gerade par excellence vorführst, in zwei Kommentarsträngten gleichzeitig, ist ja genau der Mechanismus, den ich meine: Man redet über Owomoyela, die NPD, Rassismus und Kolonialismus, und Du spitzt beide Fragen ausschließlich auf eine Diskussion über antideutsche Hirngrütze und dem Existenzrecht Israels zu, das hier weit und breit überhaupt niemand in Frage gestellt hat.

    Und wutsch, wieder der Effekt: Die Opfer des Algerienkrieges laufen irgendwie unter ferner liefen, Scheiß auf die Hereros, weil weiße, heterosexuelle Bürgersöhnchen permanent den Eindruck erwecken, das ein Abschlachten von Arabern und Schwarzen ja schnurz sei, Hautptsache, Israel existiert. Fuck, egal, die Hundertausenden im Irak sollen doch krepieren, Hauptsache Israel. Das ist ein weltpolitisches Drama, was da geschieht und was Du mal eben nachplapperst. Was keine einzige Aussage über Israel impliziert; de fact bauen Du und all die anderen Dampfplauderer Israel da zu einer Art Sündenbock auf, ganz klassisch antisemtisch, und das wirkt-

    Gemeinerweise hat das den Effekt, dass kein Schwein mehr guckt, wie DU von dem ganzen profitierst als weißer Mitteleuropäer. Manöver geglückt.

    Das wird aber nicht mehr lange gut gehen.

  29. T. Albert März 11, 2011 um 5:16 pm

    Ich rufe nochmal dazwischen, weil die Gelegenheit da ist; Ihr könnt das ja ignorieren, wenn es Euren schönen Fluss stört, das macht dann nix:

    @“»Und es ist wirklich eine Adaption antisemitischer Stereotype, sich nun Juden wahlweise als Intellektuelle oder Börsianer vorszutellen.«
    Richtig, aber diese Stereotype sind das Objekt der Kritik, also gehören sie in die Diskussion hinein.“

    Das ist es eben, wie bei dem Mist, den der Sarrazin eskalieren will oder Volksintegrator Seehofer:
    Ich diskutiere doch mit diesen und ihren unangenehmen Anhängern nicht ihre Stereotypen von Menschen, die sie pflegen und verbreiten, Ich versuche doch nicht, die Hetzer davon zu überzeugen, dass zB Juden nicht nur Börsianer oder Intellektuelle sind und Berliner Türkinnen nicht nur Kopftuchmädchen. Hab ich ja schon mal gesagt, dass – jetzt rede ich vorsichtshalber nur von mir – ich mich an einem aufoktroyierten faschistischen Mehrheitsdiskurs nicht beteilige, zu dem diese Stereotypen gehören wie die Pelle zur Wurst, nämlich als Funktion. Und sie können, wie das „Kopftuchmädchen“ zeigt, aus jedem „Merkmal“ ein Stereotyp schnitzen, situativ nutzbar. Amery wurde nicht gefoltert, weil er ein Intellektueller war, und ein ukrainischer Bauer nicht deswegen ermordet, weil er Bauer war, sondern weil sie Juden waren. Schwule, weil sie Schwule waren, Roma, weil sie Roma waren. Usw.

  30. momorulez März 11, 2011 um 5:34 pm

    Ja, alles richtig. Wobei, trotz meiner Entzürnung über tnb, er wohl irgendwie meint, man solle die Stereootype auflösen; er macht es aber nicht. Und Intellektuellenfeidnlichkeit ist schon klar Nazis, linke Intellektuelle wurden ja auch dann massakriert, wenn sie keine Juden waren, auch wenn Kästner sich irgendwie durchwurschteln konnte. Trotzdem hast Du in allem recht, weil man beim Antisemitismus nicht ständig so tun kann, als sei das kein Rassismus gewesen im „3. Reich“, sondern eine Verkürzung der Mehrwerttheorie oder die Haltung zu einem Staat. Dass es bei Haltungen zu Israel auch Antisemitismen gibt, sei dabei unbestritten. Nichtsdestotrotz, und das ärgert mich wirklich maßlos, ist diese strikte Weigerung, Rassismus gegen Schwarze, Schwarzhaarige und Juden, die Schwarzhaarigen von damals, als historisch aufeinander bezogen zu verstehen, wirklich übel.

  31. tnb März 11, 2011 um 6:43 pm

    »Unerträglich dieses Nazi-Pack. Geht es noch feiger seinen Faschismus ausgerechnet hinter der Flagge Israels zu verstecken? Als ob die nicht genug durchgemacht hätten.«
    Deine Aussage ist einfach so dermaßen aus der Luft gegriffen, das ist unglaublich.

  32. tnb März 11, 2011 um 6:47 pm

    »Amery wurde nicht gefoltert, weil er ein Intellektueller war, und ein ukrainischer Bauer nicht deswegen ermordet, weil er Bauer war, sondern weil sie Juden waren. Schwule, weil sie Schwule waren, Roma, weil sie Roma waren. Usw.«
    Genau.

  33. tnb März 11, 2011 um 6:49 pm

    Können wir das klären, indem ich Islamfaschismus schreibe?

  34. tnb März 11, 2011 um 7:28 pm

    Wenn wir jetzt Klassengräben aufmachen, wird das allerdings für dich ziemlich scheiße aussehen vom marxistischen Standpunkt aus.

    »der Jolly Rouge. Ist wahrscheinlich auch „strukturell antisemitisch“.«
    Sozialdemokratisch, auch schlimm.

    »wahlloses und willkürliches Abschlachten von Palästinensern«
    Macht doch keiner.

    »Die Opfer des Algerienkrieges laufen irgendwie unter ferner liefen, Scheiß auf die Hereros, weil weiße, heterosexuelle Bürgersöhnchen permanent den Eindruck erwecken, das ein Abschlachten von Arabern und Schwarzen ja schnurz sei,« — »das hier weit und breit überhaupt niemand in Frage gestellt hat.«

    »Israel da zu einer Art Sündenbock«
    Der Palis wegballert und trotzdem als normaler Staat gilt, obwohls Juden sind, scheiße.

    »diese strikte Weigerung, Rassismus gegen Schwarze, Schwarzhaarige und Juden, die Schwarzhaarigen von damals, als historisch aufeinander bezogen zu verstehen, wirklich übel.«
    Keine Ahnung, wen du damit meinst, ich hab immer nur darauf hingewiesen, dass beim Antisemitismus mehrere Kontinuitäten zusammentreffen, und eben nicht nur bloßer Rassismus. Aber ist schon gut, bin ja eh nur ein Antideutscher, den es wegzutreten gilt. Ein Label übrigens, das ich einfach zynischerweise von meinen »Kritikern« angenommen habe.

  35. T. Albert März 11, 2011 um 7:46 pm

    „Ich diskutiere doch mit diesen und ihren unangenehmen Anhängern nicht ihre Stereotypen von Menschen, die sie pflegen und verbreiten,…“

    -darum gehts mir aber, was wohl klar ist.

    Und an nationalsozialistische „Kapitalismuskritik“ glaube ich auch nicht mehr. Dazu bin ich jetzt zu alt und habe zu viel gehört in meinem Leben. Oder ist damit die Düsseldorfer Rede Hitlers vor den deutschen Wirtschaftsführern gemeint, die ihn dann vollends fett gemacht haben mit Geld? Also, was sollte das sein? Wie geht denn die derzeitige Kapitalismuskritik der europ. Rechtsparteien, die, wie die SVP, in Kohle schwimmen?
    Und „Islamfaschismus“ ist ein gut zu händelndes Wort, einfacher als „Christentumsfaschismus“, und es hat den Vorteil, dass damit „Islam“ zum Faschismus erklärt wird. Da danken wir dann nochmal den tausenden muslimischen Soldaten, besonders Afrikanern und Sowjetbürgern, die für ihre Kolonialmächte und auf Seiten der Alliierten Europa mitbefreit haben.

  36. momorulez März 11, 2011 um 8:22 pm

    Der anormale Judenstaat, also, hmmmm … na, den Spruch, wer solche Freunde hat, den verkneif ich mir mal. Armes Israel. Das finde ich ja immer das schlimmste, ich habe ja Israel gegenüber eine äußerst solidarische Einstellung, dass dessen Interessen zugunsten eines abstrusen Dezisionismus, der von Carl Schmitt übernommen scheint, in der Selbstheroisierung seiner scheinbaren Unterstützer einfach verschwinden.

    Aber irgendwo sitzen, wo’s kaum Muslime gibt, und heldenhaft den Islamofaschismus bekämpfen. Vielleicht sollte man aus Gründen der historischen Gerechtigkeit dennoch darauf hinweisen, dass es Sozialdemokraten waren, die als einzige gegen das „Ermächtigungsgesetz“ stimmten. Die Kommunisten konnten da aber auch nicht mehr abstimmen. Und Noske kann das auch nicht wieder gut machen.

    Das könnte jetzt freilich schon zu viel historische Detailarbeit gewesen sein für eine Diskussion zum Thema „antideutsch“. Das lebt ja vom großen Bogen.

    Ach, und zur „Klassenfrage“: Wenn man in die Bücher meiner Firma guckt, ist das annähernd vorbildlich am „Mehrwert abschöpfen“ vorbei gewirtschaftet 😉 …

    Welche Kontinuitäten da sonst noch eine Rolle spielten, das aufzuzeigen ist Dir ja nun gerade nicht gelungen.

  37. netbitch März 12, 2011 um 12:27 am

    Ich finde da das, was Che zum Thema Allerneueste Rechte formuliert hatte äußerst zutreffend, und in der Tat: In den linken Zusammenhängen, die ich so kenne, also in Flüchtlingsorganisationen, Patienten- und Behindertenselbsthilfegruppen, Friedensinitiativen, Frauenzusammenhängen und Dritte/Eine Welt-Koordinationen zwischen Kassel, Göttingen, Marburg und Bremen spielen Antideutsche überhaupt gar keine Rolle. Und der Aufstand in der arabischen Welt müsste eigentlich Anlass für Massenmobilisierungen im Westen sein wie einst Vietnam, Chile, Nicaragua und Kurdistan. Möglicherweise sind die Antideutschen einer der Gründe dafür, dass das nicht so ist. Für mich sind das Counterschweine, die ich in der gleichen Rubrik wie die NPD verbuche, und das heißt: Auffe Fresse.

  38. momorulez März 12, 2011 um 10:04 am

    Für die Mitlesenden – der Text:

    http://che2001.blogger.de/stories/1747097/

    ist gemeint, und der ist wirklich grandios.

    Flüchtlingsarbeit wäre dem kulturellen Überlegenheitsdünkel und Herrenmenschentum ja auch widersprüchlich. Mit „auffe Fresse“ hab ich’s ja nicht so, aber mir scheint, dass eine ganze Generation ostdeutscher Junglinker mit diesem Quatsch infiltriert wurde, und als ich Lizas Welt und Verbrochenes auf einmal bei einem St. Pauli-Ultra-Blog sah, habe ich micht echt erschrocken. Sonst würde ich auch gar nicht so intensiv drauf eingehen.

  39. T. Albert März 12, 2011 um 10:44 am

    Danke für den Hinweis auf Ches Text. Super, ja.
    „Auffe Fresse“ denk ich auch immer öfter. Ich denke es. Irgendwann krieg ich es. Wahrscheinlich bin ich wegen einiger ästhetischer und theoretischer Interessen schon ein Islamfaschist, da muss ich ernstlich mal drüber nachdenken, es entstehen in letzter Zeit auch so merkwürdige Gespräche mit linken Multikulti-Freunden, die schreckliche Angst vor dem Islam haben. Erst vor zwei Wochen hatt ich so eins. Langsam hackts.

  40. momorulez März 12, 2011 um 10:50 am

    Man kann schon gar nicht „Ara…“ oder „Tür…“ weiter sprechen, ohne das jemand „Macho! Schlägt und unterdrückt Frauen! Islamofaschist!“ zischt. Das ist scheißpraktisch, im Land des Nationalsozialismus nun die potenziellen nächsten Opfer allesamt zu Faschisten zu erklären und deren Stigmatisierung und Deportation als Antifaschismus zu deklarieren … an den ganzen kleinen, neuen Nazis hätte Goebbels wahrlich seine Freude gehabt, und die Kumpels, die die Buna-Werke unweit von Auschwitz betrieben haben, auch.

  41. che2001 März 12, 2011 um 12:09 pm

    Das ist in meinem Umfeld, auch dem ganz spießigen beruflichen definitiv nicht der Fall. Mag daran liegen, dass es türkische und arabische Kollegen gibt und etliche deutsche Kollegen regelmäßig Urlaub in Ägypten, Tunesien oder Antalya machen. In dem Viertel, in dem ich lebe sind etwa 60% der Bevölkerung Deutsche, die nächste Moschee ist ein paar Hundert Meter enmtfernt. Von Bedrohungsängsten oder Vorurteilen kriege ich da wenig mit, außer bei Leuten in der Generation 70+, die sich aufregen, dass im Wartezimmer der Arztpraxis so viele Türken sitzen und sich körperlich vor denen ekeln. Das ist aber noch die Nachwirkung einer nationalsozialistischen Erziehung und nichts, was mit aktuellen Entwicklungen irgendwas zu tun hätte.

  42. momorulez März 12, 2011 um 12:42 pm

    Hier ist bei den DIE ZEIT lesenden, nicht nur Ottenser grün-sozialisierten schon eine seltsame Mentalität am Start. Die Sarrazinisierung greift ja aktuell eher bei Bildungs- und Besitzbürgern, nicht bei den Unterschichten. Dann sitzt Du mittags mit St. Paulianer beim Griechen, führst die whm- Struktur an – sofort kommt „Na, das sind aber nicht die weißen Männer, die Sexisten sind!“ Ganz widerlich bigott.

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