Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Der Hohn- und Spottverein! Flaute dank Raute …

So sinkt er dahin, der Dino. Er zerfließt wie ein alter Camenbert  … die sind ja auch aufgrund klimatischer Bedingungen ausgestorben. Die Dinosaurier, nicht die Camenberts. SpOn weiß treffend zu berichten:

„Es mutet absurd an: Ausgerechnet wegen Regens kann in Hamburg nicht gespielt werden, in einer Stadt, in der es gefühlt an mindestens 150 Tagen im Jahr Niederschläge gibt. „Hamburger Wetter, wir haben Hamburger Wetter“, gehört zu den traditionellen Fangesängen bei beiden Clubs, wenn es während des Spiels mal aus Kübeln gießt. Es hat zwar seit Freitag tatsächlich ununterbrochen geregnet, es tröpfelte jedoch mehr, als dass es schüttete. Für einen Norddeutschen ist das eher Feuchtigkeit als Regen.“

Eben. Ausgerechnet beim süddeutschen Abend mit Käsespätzle und Obstler (so fruchtigen Kram und Mehlspeisen sind ja nicht unbedingt des wettergegerbten und durch nieselberegneten Gegenwind geformten Norddeutschen; die Spätzle waren aber superlecker!) erreichte die Nachricht mich, angesichts derer ich erst dachte, man wolle mich verarschen. Selbst des Morgens im Park mit Wuschelhund feucht besprüht in den den Tag gewandelt, aber EXTREMER REGEN, bitte? Sturmfluten waren das nun wirklich nicht. 2 Tage Niesel- und Tröpfchenregen, Normalität, Leben, Zuhause!

Nee, man mag kaum glauben, dass sie einfach nur zu doof waren, die Rauten. Das waren sie zwar schon beim Stadion-Bau, der schlecht belüftete und unterbelichtete Acker ist ja die Lachnummer, seitdem dieses Parkhaus da im Vorort rum steht und diese Gernegröße neben Seelers Altherrenfuss den Charme amerikanischer Einkaufszentren noch nicht einmal versprüht . Passt aber eigentlich gut zu Spielern wie Jarolim, die über analoge Eigenschaften souverän verfügen, vermutlich nicht allzu helle, unter Umständen Stockflecken im Kopp … . Ja, gemein. Ich mag ihn trotzdem nicht und wollte lediglich diese Meinung damit zum Ausdruck bringen.

Dass nun aber ausgerechnet vorm Stadtderby, ausgerechnet nach dem peinlichen Auftritt der Rothosen in Nürnberg und unserem besten Saisonspiel gegen Köln, die immerhin einen 0:2-Rückstand gegen die Bayern aufzuholen vermochten, der Rollrasen – kein St. Paulianer, der bei diesem Wort in Zukunft nicht hysterisches Gekicher ausbrechen wird, kein Rautenfan, der da nicht knallrot anläuft wie die Hosen der Spieler – zu spät geliefert worden sein soll und die Witterungsverhältnisse, die Anwachsen trotz Drainage verhindern, nicht bedacht wurden, mir erscheint das schon eigenartig. Ring2 plädiert zwar für die Entscheidung am grünen Tisch, da er sich trotz „Ich fahr nicht nach Mordor!“-Bloggen doch noch umentschied, mit Karte präpariert ins Feindesland aufzubrechen, und diesen Fehler wieder gut machen will – aber kann man eine derartige, mutmaßliche Verarschung tolerieren? Kann man nicht wenigstens Sanktionen verfügen wie jene, dass Petric und Co beim Nachholtermin mit Taucherbrillen- und flossen auflaufen müssen oder so was?

Für die irre geleiteten Fans des „Dinos“ aus dem Hamburger Umland tut einem das ja fast schon leid, diese beschämende Pleitenfolge, die uns jetzt Jahre der Häme beschert hat, die wir genießen werden 😀 – und die Leuten wie Hoffmann im Grunde genommen schon ins Gesicht geschrieben steht. Muss bei dem eh immer an die alten Pfeffersack-Kontorhäuser mit Blick auf den Hafen denken, mit Blick eben auf die Arbeiter und die Matrosen, die noch bei strömendem Regen schufteten, während die Herren im Trockenen Geld zählten …  da verliert man schon mal den Blick fürs Rasenwachstum. Dass die randalierenden Horden Stellinger Herkunft mit ihren faschistoiden Freunden dann gestern St. Pauli aufmischen wollten und auch das Jolly stürmen, das war schon immer korrelativ zu Perspektiven wie jenen Hoffmanns – die einen schaffen Dampf, die anderen lassen ihn ab.

Vielleicht sitzen HSV-Verantwortliche ja gerade in irgendeinem Puff, lassen es sich mit hübschen Huren gut gehen, träumen insgeheim von Petric oder sitzen auch einfach nur mit Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung beim Frühstück, sehen ihre Frau an und ärgern sich, dass sie nicht von Petric träumen können – und hören dabei Unterhaltungsmusik. Bei einem Song erscheint ihnen eine Vision – einmalig, erstmalig, was für ein Business-Modell! Das hat noch KEINER so gemacht! Der Kaiser und der Hoeness würden vor Neid erblassen! Der HSV kann doch nach Süd-Kalifornien umziehen, weil es da niemals regnet!

Was für eine Horrorvision! Dann kämen noch mehr von denen zu uns. Bitte nicht!

Na, dem Kleinen Tod gebühren die zusammen fassenden Worte: was für eine Blamage für den HSV! Jeky sieht das ähnlich:

„Der HSV ist ein unerschöpflicher Quell an Peinlichkeiten und wird eigentlich nur noch von den eigenen Fans übertroffen, die trotz aller Widrigkeiten das Schönreden einfach nicht lassen können.“

Und König Bönig ergänzt, unterstützt von Fussballgöttern:

„St. Paulis Teammanager Christian Bönig machte sich nach der Absage umgehend auf den Weg, um sich ein Bild vor Ort zu machen. „Da ging wirklich nichts. Aber die Frage ist, warum die Arbeiten nicht früher vorgenommen wurden“, sagte Bönig. Profis vom Lokalrivalen FC St. Pauli wunderten sich, warum sie am Samstag auf ihrem Trainingsgelände spielen konnten, während das auf dem neuen Rasen beim HSV nicht möglich war.“

Dem Lichterkarussell ist ebenfalls zuzustimmen:

„Die Frage wie dumm man eigentlich sein kann, muss erlaubt sein, macht sich der “große HSV” doch gerade selbst zur Deutschen Bahn der Bundesliga.“

Mehdorn auf die Planke schicken! Ach so, da ist er ja schon – oder?

PS: Und das Forum weiß folgendes zu berichten:

„Orth laut 90.3: „Es handelt sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände.“

Ach Gottchen! Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn das Präsidium mal Profil und Pointe besessen hätte …

PS2:

Und das sagt Armin Veh zum Ganzen:

„Wenn ich das höre, dann bin ich richtig schlecht gelaunt, das geht mir gewaltig auf den Keks. Sie bekommen es selbst nicht fertig, in ihrem Stadion einen vernünftigen Rasen anzubieten. Der Platz, auf dem die spielen, hat mit Fußball ja nichts zu tun. Wenn sie keine Ahnung haben, dann sollen sie die Klappe halten.“ Der HSV übernehme für das Wetter keine Verantwortung. „Jetzt ist Schluss mit dem Kuschelkurs. Sie machen sich wichtig, wollen uns als Deppen darstellen. So etwas macht man nicht.“

😀

Der Fairness halber, na, wenigstens ein klein bißchen davon, sei ein Kommentar einer selbstkritischen Raute in DIE WELT nicht unterschlagen:

„Kritischer HSV Fan sagt:

Nun auch noch wird Veh Großmäulig. Peinlich genug für uns. Regen in Hamburg ist ja auch ausserordentlich ungewöhnlich. Dann mal wieder unsere „Fans“ die St. Pauli Kneippe angreifen. Fax – Rasen – Regen Sammer, dieser HSV unter Hoffmann und demjetzigen AR ist eine einzige Peinlichkeit geworden. In ganz Hamburg ist nicht ein einziges Amateurspiel wegen Regen ausgefallen. Auch HSV II konnte spielen. Wir sind zu einer Provizposse verkommen.“

 

Advertisements

32 Antworten zu “Der Hohn- und Spottverein! Flaute dank Raute …

  1. Pingback: 06.02.2011 DaZke für den Derby-Rasen, RaSpo Stellingen « Fabulous Sankt Pauli

  2. kleinertod Februar 6, 2011 um 2:15 pm

    Der Versuch der HSV-Hools, sich irgendwie am verhaßten FCSP für die Unfähigkeit des eigenen Vereins zu „rächen“, zeigt nur wieder einmal, daß der Vorstadtverein seine Fanprobleme aus den 80ern noch nicht endgültig klären konnte.

    Ein Gutes hat die Sache – der HSV hat sich so lächerlich gemacht, wie wir es auf den Platz selbst mit einem hohen Auswärtssieg nicht hinbekommen hätten…

  3. momorulez Februar 6, 2011 um 2:21 pm

    Ja, ich musste heute auch eher kichern als mich weiter ärgern 😉 – bei solchen wie denen gilt ja eigentlich auch Handeln durch Nicht-Handeln: Früher oder später demontieren die sich eh immer selbst und machen sich lächerlich. Mal mit Papierkugeln, mal mit Rollrasen 😉 – kann man sich zurück lehnen, abwarten und genießen.

    Diese Wut der repressiven Horden aggressiver Gleichmacheri da auf dem Kiez war bestimmt vor allem darüber, dass sie wussten, dass die ganze Nation und darüber hinaus einmal mehr über sie lacht. Wie man ja in den belummaten, verschnupften Tweets, die Jeky zitiert, ganz gut lesen kann.

  4. kleinertod Februar 6, 2011 um 2:57 pm

    Wie sage ich immer: läßt man ihr nur genügend Zeit, trennt sich die Spreu selbst vom Weizen… ^^

  5. sparschaeler Februar 6, 2011 um 5:35 pm

    schlägerbanden sorgen für ägyptische verhältnisse auf dem kiez. dieser vorstadtmob setzt immer noch einen drauf.

  6. momorulez Februar 6, 2011 um 5:52 pm

    Das Schlimme ist ja, dass der ganz im Sinnevon Springer, Ahlhaus, Stenger und Scholz und derer Schergen agiert: Gegen die „linken Spinner“. Hat im Forum jemand gut pointiert: Diese bürgerlichen Schläger leben ja nur aus, was Doktrin bis hin zu Kristina Schröder ist und auch in Polizeischlägerhirnen sitzt.

    Ägyptische Verhältnisse hieße, es käme eine Demokratiebewegung hierzulande zustande. Doch wie immer schon lesen die Leute hier Sarrazin, laden den Papst in den Bundestag ein und verprügeln alles Abweichende. Ich seh mittlerweile keine soooo großen Unterschiede mehr zwischen 2500 Polizisten, die Liebig 14 stürmen, oder HSV-Hools, die das Jolly aufmischen wollen. Die Ziele sind sich zu ähnlich.

    Um so wichtiger der „Jolly Rouge“ und die Sozialromantiker-Proteste.

  7. sparschaeler Februar 6, 2011 um 6:46 pm

    ägyptische verhältnisse bedeutet für mich, fremdgesteuerte schlägerbanden keilen andersdenkende zusammen, weil alles was nicht so ist wie sie angst macht.

    gestern war es der von der springerpresse aufgehetzte vorstadtmob, morgen sind es die faschos. die übergänge sind fließend und sehr wahrscheinlich ist das alles die gleiche mischpoke.

  8. momorulez Februar 6, 2011 um 6:52 pm

    Ja, so rum haut das mit den ägyptischen Verhältnissen hin. Die HSV-Hools und ihre internationalen Freunde (waren da nicht auch die Schwulenhasser aus Belgrad dabei, oder ist das ein Gerücht?) haben manchmal Züge von durch Springer animierter Volksmudschahedin oder wie die sich schreiben da im Iran … so eine Art Vorstufe dazu.

  9. jekylla Februar 6, 2011 um 9:34 pm

    Und weil einen Großteil der HSV-Fans allein der sportliche Erfolg interessiert und die Aktionen dieser HSV-Hools allenfalls ärgerlich sind, aber ja nur die „der anderen, die es ja überall gibt“, wird sich das auch nicht ändern. Bei einem Verein, bei ich aus dem Fremdschämen nicht mehr herauskäme, könnte ich nicht sein. Das ist etwas, was ich genau weiß.

    Für mich ist das Thema HSV und Derby durch. Das Ergebnis interessiert mich nicht und ich plädiere für ein Nachmittagsspiel in der Woche und sollten wir die Klasse halten, gerne auch zwei Geisterderbys.
    Ich hoffe nur, dass nicht noch mehr Menschen zu schaden kommen im weiteren Verlauf, auch die nicht, die unbedingt mal selbst eine „Derbyerfahrung“ machen möchten. Viel Spaß dabei.

  10. momorulez Februar 6, 2011 um 9:49 pm

    Na ja, das Ergebnis interessiert mich schon noch. Ist ja schon noch so was wie „Kulturkampf“ in der Stadt, in der ich lebe, der deutlich macht, wie hier gespielt wird – und dass man dagegen anstinken muss. Der hooliganeske Irrsinn, von Polizei flankiert, ist halt Indikator für ganz andere Prozesse, wie das einmal mehr jämmerliche Verhalten unseres Präsidiums ja auch. Kann ich nicht mal eben so zu den Akten legen. Spornt mich eher auf der Suche nach neuen, medialen Möglichkeiten und macht mir einmal mehr klar, wieso ich ans Millerntor geh, aber nicht in den Volkspark.

    Ist eher die Frage, wieso die nunmehr ja eine Weile her seienden Derbyerlebnisse in Liga 1 sich für mich anders darstellten. Damals schienen mir die Rauten etwas ent-hooliganisierter, und dieses 3:4, bei dem Truller noch so auf drehte, möchte ich nicht missen.

  11. jekylla Februar 6, 2011 um 10:02 pm

    Es wird immer schlimmer, das ist eine Tatsache.

    Und natürlich ist mir das Ergebnis nicht mehr egal. Noch am Freitag wäre es das gewesen, aber wenn ich einen Wunsch freihabe, dann wünsche ich mir, dass unsere Jungs den RaSpo Stellingen ungespitzt in den verwässerten Boden stampfen und am besten noch Deniz Naki den Totenkopf in die Volksparkerde steckt und dann werde ich öffentlich für die Strafe sammeln gehen, die er dann bekommt.

    Jesses, hab ich einen Hals! Merkt man das?

  12. momorulez Februar 6, 2011 um 10:15 pm

    Ja 😉 – aber verständlicherweise.

    Stimmt schon: Am Freitag dachte ich auch noch „Gott, wenn wir verlieren, was solls, war doch schon immer so“, obwohl ich überzeugt war, dass wir dreckig gewinnen würden 😀 …

    Durch dieses Verhalten der Rautenhools wie auch das Gesabbel des unsäglichen Herrn Veh, aber auch jenem der Polizei hat sich das doch deutlich mit Bedeutung aufgeladen.

    Wo hab ich denn das gelesen, dass die sich am Hans Albers-Platz auch mit Leuten von „Roter Stern Belgrad“ treffen wollten? Über die ist gerade in der Samstags-FR ein Artikel, wie die Rechten Serbiens gezielt Hools für ihre Zwecke instrumentalisieren. Die haben auch vor einem halben Jahr eine CSD-Parade angegriffen. Das ist nicht trivial, so ein Bündnis, wenn ich mich nicht verlesen habe, zudem auch Dortmund und Köln solche Annäherungen statt finden. Und was in den späten 80ern, frühen 90ern los war, wissen wir ja alle noch.

  13. jekylla Februar 6, 2011 um 10:27 pm

    Und an Diskussionen mit HSV-Fans, wie gerade in meinem Blog, verzweifle ich nahezu, weil man das alles nicht sieht, nicht sehen will, nicht sehen kann. Keine Ahnung.

    Das von den Belgradern habe ich auch gehört, das Schlimme ist, dass es ja sehr einfach ist, diese Vollbratzen zu instrumentalisieren, da ist einfach zuviel Platz im Kopf mangels Hirn, wo das neue Gedankengut noch reinpasst.

  14. momorulez Februar 6, 2011 um 10:34 pm

    Das sind ja meistens diese frisch gewaschenen Rauten, die bürgerlich-mittigen, die da bei Ihnen kommentieren, und solche zu sensibilisieren, wenn es gegen rechte und polizeistaatliche Auswüchse geht, ist eine Herkules-Aufgabe. Die verbuchen so was irgendwo zwischen „sind doch unsere Jungs“ und „Chaoten, wie es die auch bei St. Pauli gibt“, und danach ist Schluss mit Reflektion.

  15. sparschaeler Februar 6, 2011 um 10:34 pm

    im grunde genommen hat sich seit den achtigern in der vorstadt nichts zum guten entwickelt. in dem kasten haben die heimlichen liebhaber von rassismus und homophobie immer noch die oberhand.

    die geistige bildzeitungsunterschicht hat alle 14 tage einen treffpunkt und der liegt im volkspark in der rollrasenarena, in der das spielfeld grün aussieht aber darunter liegt brauner stinkender schlamm.

  16. jekylla Februar 6, 2011 um 10:41 pm

    @momorulez
    Wissen Sie, was das Bitterste ist? Gerade eine wirklich sehr junge „frischgewachsene“ Raute in meinem Blog ist genau der, der das alles sehr wohl reflektiert.
    Der, von dem ich gerade spreche, ist aber genau die Klientel, die Sie ansprechen, allerdings überhaupt nicht frischgewachsen. Das macht es noch übler. Sensibilisierung ist da nicht mal mit dem Holzhammer möglich.

  17. momorulez Februar 6, 2011 um 10:48 pm

    Ich glaub schon, dass sich da viel verändert. Die „normale Mittelschicht“ ist doch in den 80ern nicht ins Stadion gegangen, das ging so in den 90ern los, und da hat Dortmund es schon geschafft, die Borussenfront aus dem Stadion zu drängen, auf Schalke bildeten sich Antira-Initiativen, und auch beim HSV hat diese Verbürgerlichung zunächst mildernd gewirkt. Das war noch bei den Derbys 2001/2002 so, und selbst die Rostocker standen mitten unter uns auf der Haupttribüne, ohne dass es krachte, in der damaligen Erstligasaison.

    Seitdem ist aber aus der Mitte heraus wieder ein massives Eindreschen auf Minderheiten, ein Delegitmieren feministischer Positionen, neue Homophobie bis in DIE ZEIT hinein am Wirken, und korrelativ dazu ein Entpolitisieren der Gewaltdebatte möglich geworden. Und deshalb sind die was qualitativ irgendwie neues, weil sie eher als Speerspitze der Bürgerlichen Mitte selbst agieren.

  18. momorulez Februar 6, 2011 um 10:50 pm

    @jekylla:

    Jetzt müssen Sie gerade konkreter werden, damit ich das zuordnen kann 😉 …

  19. jekylla Februar 6, 2011 um 10:59 pm

    Lassen Sie mir noch ein paar Tage Zeit, ich hab da was am Werden, dann wissen Sie, was ich meine.

    Die einschlägigen -auch ehemaligen- Kommentatoren als Vertreter der „das sind doch die anderen und Ihr habt ja auch…“ sind Ihnen ja vom Blog bekannt.

  20. momorulez Februar 6, 2011 um 11:07 pm

    Dieses „Ihr habt doch auch“ ist eh schon obskur. Weil überhaupt nicht hin geguckt wird, wer warum wann wie Gewalt ausübt. Mir gehen durchgeknallte Riot-Kids auch auf den Sack, und ich habe meinerseits keinerlei Gewalt-Affinität, aber es ist schon noch ein Unterschied, ob man was gegen Rassismus hat oder Rassist ist.

  21. jekylla Februar 6, 2011 um 11:14 pm

    Oh ja, richtig. Ich hätte noch „Politik gehört doch nicht ins Stadion“, „das hat doch mit dem Fußball nichts zu tun“ oder „was soll man denn machen?“ oder „da kann doch der Verein nichts dafür“. Gut, dass es dieses wallbashenden Smilies nur im Internet gibt, ich hätte bereits erhebliche körperliche Schäden ansonsten.

  22. jekylla Februar 6, 2011 um 11:15 pm

    P.S.: Wenn man der Sorte gegenübersteht, die Rassismus nur dann erkennt, wenn er eine weiße Kutte mit Mütze trägt und ein KKK-Emblem, dann wird es halt auch mit dem Argumentieren schwierig.

  23. momorulez Februar 6, 2011 um 11:30 pm

    Ja. Die äußerst brutal auftretenden Rostocker Suptras z.B. positionieren sich ja auch gegen „Politik im Stadion“, haben tatsächlich auch mal jemanden von der NPD aus dem Stadion geprügelt, jüngst aber auch die linke Fangruppierung Unique Rebels zur Auflösung gezwungen. Und natürlich ist das ein rechtslastiger, rassistischer Männerbund. So kommt mir manchmal der ganze HSV vor, nur dass die Rostocker wenigstens noch ernsthaft proletarisch sind. Hier ist das viel mehr mit Familien und Besserverdienenden verwoben und deshalb politisch eher noch bedrohlicher. Gerade unter dem Banner des Unpolitischen gruppieren sich ja immer die Schlimmsten.

    Wobei wir, so wie wir rumgehöhnt haben, aktuell auch nicht gerade überrascht sein dürfen, wenn die sauer reagieren 😉 …

  24. jekylla Februar 6, 2011 um 11:32 pm

    Und mir tut nicht ein einziger Tweet auch nur ein bißchen leid 🙂

  25. momorulez Februar 6, 2011 um 11:38 pm

    Mir auch nicht. Ich steh dazu, die nicht ausstehen zu können, und will auch gar nicht, daß die mich mögen 😉 … ich bin für die zum Glück eh zu strange, um überhaupt wahr genommen zu werden.

  26. E. Griephan Februar 6, 2011 um 11:44 pm

    Man kann an diesem Blogbeitrag nicht kritteln, auch die Episode um/mit Petric ist sicher interessant, eignet sie sich doch hervorragend für die Projizierung vieler Bilder vor dem „inneren Auge“.

    Auf am Boden liegende Personen tritt man nicht ein, auch nicht, wenn es der ungeliebte Stadt“rivale“ ist. Wissen Sie eigentlich, was die Krönung des Ganzen ist? Das Statement von Armin Veh. Was unser, beziehungsweise mein Verein über die letzten Jahre verteilt an Öffentlichkeitsarbeit bietet, ist einfach unter aller Sau. Schlimmer geht nimmer, so dachte ich mal. Mein Verein beweist mir des Öfteren, dass es eben doch schlimmer geht.

  27. jekylla Februar 6, 2011 um 11:45 pm

    Ich vermute eher, dass Sie einfach zu… komplex sind, so dass das Aufmerksamkeitsdefizit dann doch stärker ist. Mit Ihnen muss man sich ja auch beschäftigen und da gehts dann schon los. 😉

  28. momorulez Februar 7, 2011 um 12:04 am

    @E. Griephan:

    Willkommen 😀 – auch wenn ich Ihren Verein nicht ausstehen kann, habe ja begründet, warum, sind Sie mir ja durchaus sympathisch.

    Und haben Sie das Gefühl, wir würden auf am Boden liegenden herum treten? Hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber ein nicht unbeträchtlicher Teil meiner Jugend (so bis 30) bestand tatsächlich darin, aufpassen zu müssen, nicht von Leuten am Boden liegend getreten zu werden, die bei Ihnen im Stadion rum laufen. Das ist ja durchaus Freunden von mir gehäuft passiert. Dafür können Sie ja nix für, aber das war schon prägend.

    Ich hätte jetzt auch gar nicht Begriffe wie Demut, Selbskritik, Bescheidenheit mit dem HSV im Generellen assoziiert. Das macht ja nur so einen Spaß, da rum zu sticheln, weil der Außenauftritt gelegentlich ein wenig ochsenfroschig wirkt. So als bis vor kurzem noch Regionaligist, den das aber gar nicht so sehr stört, da auch mal gewesen zu sein, unkt man da ja gerne. Lese aber ja drüben bei Jekylla, dass die Innensichten auch ganz andere sein können als das Auftreten dieses Herrn Veh. Insofern habe ich dafür durchaus Mitgefühl, für das, was Sie jetzt schreiben. Seinen Verein sucht man sich ja nicht aus.

    @Jeky:

    Ich kann da sehr gut mit leben, mit meiner Nische 😉 … die Zeiten, wo ich für sehr viel Aufmerksamkeit sorgen musste und auch die Mittel dafür lernte, waren echt nicht die schönsten.

  29. E. Griephan Februar 7, 2011 um 12:10 am

    Da mögen Sie sicherlich Recht haben. Das ist kein Eintreten, es ist eher der Umfang der Worte, die sich fast schon physisch bemerkbar machen.
    Ich mag mir nicht anmaßen, die Zusammensetzung unserer Stadionbesucher zu analysieren, kann Ihnen jedoch mitteilen, dass auch ich aus einfachen Verhältnissen stamme. Zumindest interpretiere ich Ihren Satz in diese Richtung.

  30. momorulez Februar 7, 2011 um 12:23 am

    Der Umfang der Worte ist ja auch Effekt der Enttäuschung, einerseits. Man fühlt sich von der Spielabsage einfach betrogen und konnte es schlicht nicht fassen. Hatte mich ja gefreut, weil ich auch schlicht ergreifend das Gefühl hatte, dass diesmal für uns was drin gewesen wäre. Und so was wie das Derby, bei dem Meggle den 11-Meter verschossen hat, muss ich nun auch nicht noch mal haben.

    Zum anderen waren die Geschehnisse der Nacht auch ziemlich entsetzlich. Ich bin Ende der 80er, Anfang der 90er sehr viel auf dem Kiez unterwegs gewesen, damals als schwul durchaus erkennbar, und das war echt nicht witzig, wirklich nach jedem Spiel um sein Leben fürchten zu müssen. Und irgendwie hat man halt Schiss, dass das wieder los geht.

    Zu den „einfachen Verhältnissen“: Wir wettern ja so gegen die Business-Seats bei uns, dass wir nicht zu sehr veryuppisieren. Meine aufrecht proletarischen Hauttribünennachbarn möchte ich nicht missen. Und der HSV gibt sich immer so als Geldsack-„Weltverein“, dass man dessen proletarische Komponente manchmal gar nicht mehr wahr nimmt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s