Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die Menschen über ihre Rechte aufzuklären, so dass sie wissen, wie sie ihre Handschellen aufbrechen und ihre Fußfesseln lösen können“

Bekenne ja, zu jenen zu gehören, die im Falle Ägyptens nicht so ganz durchsteigen und deshalb dazu die Klappe halten. Daß der Herr Broder sein eigenes Koordinatensystem auf politische Gegner projiziert, mag als Symptom gelten, dass schwer zu greifen ist, was in Kairo und Alexandria vor sich geht. Klar ist, dass prinzipiell und sowieso Solidarität gilt, wenn sich Menschen gegen Diktatoren aufbäumen, so auch in diesem Fall. Klar wohl ebenso, das Grund der Revolte vor allem der Verteilungskampf (z.B. zu hohe Lebensmittelpreise, zu geringe Aufstiegsmögichkeiten) wie auch der Wille zur politischen Partizipation ist; wie bereits in Teheran hat man den Eindruck einer Art nachholenden bürgerlichen Revolution in quasi-postkolonialen Ländern. Wüsste jetzt auch nicht, wie ich das anders nennen soll, unterscheidet sich doch die Geschichte Ägyptens hier von jener Algeriens, vielleicht können Schlauere als ich das ja nachliefern. Und wie in Teheran scheint es so, dass die nicht-bürgerlichen Schichten ihr eigenes Süppchen kochen – im Iran die Landbevölkerung, in Kairo jene aus den Slums. Schreibe ich alles nicht etwa, um zu referieren, sondern um informiertere Antworten zu erhalten.

Erhellend finde ich den Artikel in der Sueddeutschen zur „Jugendbewegung 6. April“, er sei drum zitiert:

„Erklärtes Ziel der Jugendbewegung des 6. April ist der grundlegende Wandel hin zu Demokratie. Die Gruppe fordert das Recht, Parteien gründen zu dürfen, das Ende der Notstandsgesetzgebung und eine neue, ideologiefreie Verfassung. Der Weg dorthin könne nur eine Koalition aller Oppositionsfraktionen sein, heißt es auf der Homepage der Bewegung. Man zeigt sich offen für Muslimbrüder und bekennt aber auch ihre Unterstützung für Mohamed ElBaradei, den früheren Chef der internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Dieser hatte erst am Wochenende eine Regierung der nationalen Einheit unter seiner Führung gefordert.“

Für mich ein Votum für demokratische Vielfalt, finde ich prima. Gegenmeinungen?

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144 Antworten zu “„Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die Menschen über ihre Rechte aufzuklären, so dass sie wissen, wie sie ihre Handschellen aufbrechen und ihre Fußfesseln lösen können“

  1. che2001 Januar 31, 2011 um 4:44 pm

    Kann ich sehr viel zu schreiben, aber nicht jetzt. Vielleicht schaffe ich es in der Nacht. Nur so viel: In der Grundtendenz stimme ich Dir zu.

  2. momorulez Januar 31, 2011 um 4:50 pm

    Freu mich über jegliche Aufklärung!

  3. T. Albert Januar 31, 2011 um 4:58 pm

    Naja, Broder und seine Springer-Presse. Wovon reden die? Nächste Woche erzählen sie vielleicht das Gegenteil, dann ist Mubarak wieder Garant des Friedens und des Westens, wie schon immer.

  4. entdinglichung Januar 31, 2011 um 5:16 pm

    heisst ideologiefreie Verfassung in diesem Zusammenhang auch Trennung von Religion und Staat … das wäre in der Tat ein grosser Fortschritt

  5. momorulez Januar 31, 2011 um 5:29 pm

    @T. Albert:

    Broder erfindet halt jene, gegen die er sich positioniert, und unkt dann los. Die Beispiele Wecker, Roth und Herr Richter sind ja, na ja, ich bewundere Wecker als Künstler, aber, äh …

    @Entdinglichung:

    Wenn ich das richtig verstehe, haben die zwar wenig Berührungsängste mit den Muslimbrüdern, aber sehen die als eine Partei neben säkularen. Was ja für eine laizistische Stoßrichtung spricht. Hoffentlich.

  6. T. Albert Januar 31, 2011 um 8:25 pm

    Broder erfindet gerade – und ich vermute, als rechter Avangardist, wie so oft – wieder ein „linkes“ Regime Mubarak, um westliche Linke und Liberale zu diskreditieren. Das ist ja die Botschaft seines Mists. Andere Rechte fordern ja ganz offen die Unterstützung Mubaraks durch die EU, Netanyahu zum Beispiel. Deutsche Politiker, ganz wie angeblich die von Broders geheuchelter Liste „Linker“, kochen da ja längst mit, mit Frau Clinton, die noch kein Wort zugunsten der Revolutionäre ausgesprochen hat. Warum nicht, weiss auch jeder Heuchler.
    Das ganze zeigt auch schon mal, was uns blühen wird, wenn sich das fortsetzen sollte. Die lassen die Panzer nicht um die Ecke stehen.

  7. momorulez Januar 31, 2011 um 9:02 pm

    http://che2001.blogger.de/stories/1768297/

    In Ägypten hat das Militär laut SpOn erklärt, es wolle nicht gegen die Protestierenden vorgehen, hoffentlich stimmt das.

    Diese, na, „Zurückhaltung“ „westlicher“ Politiker ist in der Tat erstaunlich, ebenso wie die Verlautbarungen Netanyahus völliger Irrsinn sind. Ich glaube, bei Mondoprinte stand, was für einen Einsturz all der Neocon-Logiken es wäre, wenn Israel nicht mehr der „einzig demokratische Staat in der Region“ bliebe. Diese T-Shirt-Träger-Passage bei Broder, nach der er seine eigenen Rassismen vorsichtshalber und wie üblich der Linken rüber schiebt, bereiten ja vor, dass das ganze irgendwie notfalls der heroische Einfluss „des Westens“ sei, wenn Leute politische Selbstbestimmung fordern. Als wenn das nicht ein Widerspruch in sich wäre. Nachdem genau Heinis wie er seit Jahren das mentale und kulturelle „Zurückgebliebensein“ der „arabischen Loser, die sowieso nix zustande bringen“ gepredigt hätten.

    Ich glaube ja immer noch, dass hinter der Abschaffung der Wehrpflicht hierzulande steckt, eine Armee zu wollen, die keine Probleme damit hat, ggf. auf die eigene Bevölkerung zu schießen, und man das mit der Forderung nach dem Bundeswehreinsatz im Inneren zusammen denken muss.

  8. T. Albert Januar 31, 2011 um 10:40 pm

    „ch glaube ja immer noch, dass hinter der Abschaffung der Wehrpflicht hierzulande steckt, eine Armee zu wollen, die keine Probleme damit hat, ggf. auf die eigene Bevölkerung zu schießen, und man das mit der Forderung nach dem Bundeswehreinsatz im Inneren zusammen denken muss.“

    Ja. Als einer, der vor langer Zeit in den Nachrüstungs- und Afghanistandiskussionen als Soldat verweigert hat, sehe ich das so, obwohl man ja denken könnte, dass mich das freuen würde. Ich frage mich auch die ganze Zeit, ob das verfassungsgemäss ist. Schlauerweise, um einer echten demokratischen parlamentarischen und gesellschaftlichen Debatte zuvorzukommen, haben die die Wehrpflicht ja auch nicht de jure abgeschafft, nur ausgesetzt. Das passt auch zur ganzen ekelhaften Afghanistan-Politik und -rhetorik all die Jahre.
    Darf man eigentlich noch Kritik üben, wenn es jetzt doch offiziell ein Krieg ist?
    (Wurden wir nicht immer beschimpft, wenn wir den „Einsatz“ als Krieg benannten?)

  9. momorulez Januar 31, 2011 um 10:54 pm

    Ich habe ja auch Zivildienst gemacht … und finde das „Aussetzen“ der Wehrpflicht trotzdem gruselig. Auch angesichts dessen, wer da nun hin geht, auch zur Polizei zum Teil.

    Kritisieren darf man doch eh nur von rechts, weil das ja mit lieb gewonnenen Tabus bricht, mutig gegen die Meinungsdiktatur gewandt … nicht, dass ich Gesine Lötzsches Suche nach Wegen zum Kommunismus nun sonderlich dolle gefunden hätte, aber als gegen die Meinungsfreiheit gerichtet agierend wurden deren Kritiker nicht per BILD dargestellt, und sie auch nicht als mutige Tabubrecherin.

  10. che2001 Januar 31, 2011 um 11:10 pm

    Ich bin jetzt echt zu ausgepumpt, um groß was zu schreiben, aber vielleicht ging dieser Kommentar bei mir ja unter und erklärt etwas:

    Wichtige Oppositionsgruppen sind die Tagammu, eine sozialistische Partei, die sehr eng mit den Gewerkschaften verbunden ist und ein Spektrum abdeckt, das von sozialdemokratischen über nasseristische bis hin zu linksislamischen Positionen reicht. „Linksislamisch“ umfasst dann noch einmal zwei unterschiedliche Positionen, eine gemäßigte, die nicht die Shariah will, aber aus dem Koran und den Hadithen Bodenreformen und einen Sozialstaat herleitet (wg. Almosenpflicht und der Regelung, dass das Land eines Großbauern zugunsten der Landlosen enteignet werden darf, wenn er es nicht bewirtschaftet) und eine Pro-Gaddafi-Richtung. Insgesamt also eine in sich selber äußerst plurale Partei, die sich selber als eigentliche Erbin und Bewahrerin der Reviolöution von 1952 sieht.

    http://egyptelections.carnegieendowment.org/category/national-progressive-unionist-tagammu-party

    Dann gibt es die liberale Wafd

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wafd-Partei

    und die linksliberale Neue Wafd-Partei

    http://www.worldlingo.com/ma/enwiki/de/New_Wafd_Party

    Diese Gruppen und die Gewerkschaften haben neben massenweise und spontan mobilisierten unorganisierten Jugendlichen die bisherigen Proteste hauptsächlich getragen, nicht die Muslimbrüder.

    Deren Rolle halte ich auch für überbewertet, sie polarisieren halt und eignen sich gut als Scheckbild, um alles beim Alten zu lassen. Die 6.April-Bewegung war der Nukleus zur Mobilisierung all der Unorganisierten. Schon 1989 und 1990 hatte ich das Gefühl, es gibt da eine renitente Massenbasis, habe da Einiges an Sabotage im Alltag erlebt und so eine Haltung „Die kleinen Leute gegen den Pharao“. Als der Gouverneur des Südsinai auf unserem Campingplatz zu Besuch war ließ der Fahrer eines Wassertankers seine Fracht in den Wüstensand versickern, weil die Toiletten und Badereäume für die Governmentleute reserviert und für Touristen gesperrt waren und winkte mich zu sich, damit ich mich waschen und mir die Zähne putzen konnte. „Die Anlagen sind für die Touristen, nicht für die Ramses-Leute“.

    Ich habe das Gefühl, momentan passiert hier das, was Marx hegelianisch mit „Die Theorie erghreift die Massen“ ausdrückte.

  11. momorulez Januar 31, 2011 um 11:19 pm

    Mir kommt das eher vor, als würde da eine seiner ökonomischen Prognosen sich erfüllen … besonders theoretisch scheint mir das ja nicht, was ja auch schnurz ist, wenn es um die Verbesserung konkreter Lebensbedingungen geht.

    Danke für all die Infos!!!

  12. Loellie Januar 31, 2011 um 11:32 pm

    Ich wollte auch schon nachfragen, was die alle mit den Muslimbrüdern wollen. Die sind zwar superekelig, was sie mit Neocon-Chicagoboys gemein haben, aber doch keine ernsthafte politische Kraft in Aegypten … falls sich da die letzten 2 – 3 Jahre nichts geändert hat.

    „… dass das ganze irgendwie notfalls der heroische Einfluss „des Westens“ sei… “
    Dann schafft sich der Westen da unten gerade selbst ab, was ja zu begrüssen wäre.

    @Bundeswehr: Ja, Ja, Ja und Ja. Das Nein zur Frage nach der Verfassungsmässigkeit hätte ich da gerade am liebsten dazwischen geschrieben, das hätt aber bestimmt keiner verstanden.
    Allein schon weil es mindestens 5 Legislaturperioden her ist, dass sich die Regierung verfassungsgemäss verhalten hätte. Nennen wir das Verfassungsgericht doch fortan Ersatzregierung.

  13. che2001 Januar 31, 2011 um 11:38 pm

    Bitteschön!
    Ich glaube nicht, dass Marx damit mehr meinte, als dass die ökonomischen Verhältnisse dazu führen, dass sich in bestimmten Phasen Massen so verhalten, wie es seiner Geschichtstheorie entspricht. Deswegen denke ich ja, dass diese Leveé en masse von Leuten, bei denen ein diffuses, wenig artikuliertes rebellisches Potenzial schon immer vorhanden war tatsächlich Vergleiche mit 1848 und 1789 zulässt. Als ich von meiner zweiten Ägyptenreise zurückkam und das absurde Theater linker Klein-klein-Kämpfe in Deutschland aus einer neuen Brille sah dachte ich: „Da ist völlig klar, wo die Schweine sitzen und wer auf wessen Seite steht, und hier, wo wir ganz andere Möglichkeiten hätten verläuft alles im Irrfug.“ Das berichtete damals übrigens völlig identisch ein Genosse, der gerade aus Ghana zurückkam. Muss man sich aber heute „Tierrmondisme“, „Sozialromantik“, „Proletkult“ und „Zivilisationsfeindschaft“ für anhören, für empirisch erlebte Dinge. Solidarität und menschliche Wärme habe ich dort ganz anders erlebt als hier, durch Leute, die man eigentlich nicht näher kannte.

  14. momorulez Januar 31, 2011 um 11:45 pm

    Na ja, welche Möglichkeiten wir hier hätten, ist ja noch mal eine andere Frage 😦 … einerseits Teil der global herrschenden Klasse, andererseits wenigstens der konkretesten Not enthoben. Wobei sie ja auch hier seit Jahren alles dafür tun, dass sich das ändere.

    Und wart’s ab, irgendwer missbraucht das jetzt zur „Postmoderne-Kritik“, was Du gerade geschrieben hast 😀 ..

  15. che2001 Januar 31, 2011 um 11:54 pm

    Interessant ist, dass es plötzlich keinen Link zur New Wafd Party mehr gibt. Den gibten nich mehr in Ägypten…

  16. Nörgler Februar 1, 2011 um 9:34 am

    Das wollte ich gerade schreiben, stand aber schon da: „Mir kommt das eher vor, als würde da eine seiner ökonomischen Prognosen sich erfüllen … besonders theoretisch scheint mir das ja nicht, was ja auch schnurz ist, wenn es um die Verbesserung konkreter Lebensbedingungen geht.“

    **********************
    „Ich glaube nicht, dass Marx damit mehr meinte, als dass die ökonomischen Verhältnisse dazu führen, dass sich in bestimmten Phasen Massen so verhalten, wie es seiner Geschichtstheorie entspricht.“
    Er meinte damit die Aneignung der Theorie, um auf dieser Grundlage die radikale Veränderung ins Werk setzen zu können. Ich verstand auch nie die Rede von „Geschichtstheorie“ im Zusammenhang mit Marx. Ich sehe nicht, wo er eine hat. Dass die Geschichte eine von Klassenkämpfen ist, heißt, sie ist die Geschichte der Konkurrenz der Revenuequellenbesitzer („Verteilungskämpfe“). Das ist so wahr wie banal. Den Status einer Theorie hat das nicht.
    („Revolutionstheorie“ und „Verelendungstheorie“ gibt es übrigens auch nicht bei Marx.)

    Verteilungskämpfe sehen wir jetzt in Ägypten, Tunesien etc. Die Bevölkerung, die mehrheitlich in der Scheiße zu sitzen gezwungen wird, hat die Schnauze voll von Armut, Null Zukunftschancen, Meinungsunterdrückung, Polizeistaat, Rechtswillkür, Folter. Ich hoffe, sie sind erfolgreich. Aber um sich mit ihren Interessen durchzusetzen, ist eine Theorie das, was sie nun wirklich nicht brauchen.

  17. Nörgler Februar 1, 2011 um 11:41 am

    Falls es gelingen sollte, „Stuttgart 21“ doch noch zu kippen, wird Broder uns erklären, dass S21 ein linkes Projekt war.

  18. Loellie Februar 1, 2011 um 1:18 pm

    „On O’Reilly, Beck Says Egyptian Unrest „Is Being Orchestrated By The Marxist Communists“ And The Muslim Brotherhood“

    „Cal Thomas On Obama Calling For Democracy In Egypt: „Germany Had Democracy And Voted In Hitler““

    „On O’Reilly, Beck Suggests The U.S. Did Not Support Autocrats „Before The Progressive Movement““

    „WND’s Klein: Egypt Unrest „Could Be What The Muslim Brotherhood Has Been Waiting For“ To Establish „Islamic Caliphate““

    „Morris: Egypt Could Be The First „Concrete“ Effect Of Obama’s Middle East Policy Of „Appeasement““

    „Coulter Claims Egypt’s „Dead-End Society“ Is „The Same Sort Of Society Obama Wants To Create Here““

    usw.usf. …

    http://mediamatters.org/

  19. momorulez Februar 1, 2011 um 1:23 pm

    Wer ist denn O’Reilly und wer Beck?

    Da hat der Broder zu früh los geschrieben ….

  20. Nörgler Februar 1, 2011 um 1:28 pm

    Köstliche Zitate! Ihre ganze Nahost-Strategie kackt ab, jetzt plärren sie hysterisch rum. Daher schwenkt auch Henryk ganz aufgeregt sein Herrentäschchen. Alles, was er unter „dem Westen“ versteht, sieht dort die Felle davonschwimmen.

  21. Nörgler Februar 1, 2011 um 1:37 pm

    Und unter dem Aspekt der Strategieabkackung ist es völlig schnurz, ob „die Linken“ die Regierung oder die Demonstranten sind. Ägypten droht aus der prowestlichen Gutachse auszuscheren.
    Nicht auszudenken allein die Katastrophe, wenn Israel nicht mehr „die einzige Demokratie im Nahen Osten“ ist.

  22. Loellie Februar 1, 2011 um 2:02 pm

    Bill O’Reilly und Glen Beck sind neben Sean Hannity die stärksten Quotenbringer auf FOXnews.
    Beck ist im Nebenberuf Posterboy der Teaparty und direkt verantwortlich für eine ganze Reihe glücklicherweise vereitelter Attentate auf Demokratische Politiker und Liberale Organistionen und Aktivisten. Die diversen Attentäter haben sich klar ihn berufen. Letzte Woche hat er eine Liste mit den 9 gefährlichsten Intelektuellen Feinden der USA veröffentlich, davon sind 8 sicher rein zufällig jüdisch.

    O’Reilly hat es mit einer wochenlangen Hetzkampagne geschafft dann doch noch einen zu finden, der das Problem „Tiller the Babykiller“, ein Arzt der Abtreibungen durchgeführt hat, aus der Welt zu schaffen.

    Man könnte sich über diese Typen glatt totlachen, würden nicht über 30% der US-Bevölkerung fest daran glauben und am liebsten jeden, der was anderes sagt, an die Wand stellen wollen.

    ¨¨¨¨¨¨
    „Der Westen“ den die B.s dieser Republik hochhalten ist doch nur ein Hilfskonstrukt, weil man in Europa die Bevölkerung schlecht mit tumben US-Nationalismus mobilisiert bekommt. Ich häng nicht genug am Nationalstaat um den Begriff „Verräter“ zu bemühen, aber bei denen, die sich an den „Westen“ und dessen „Werte“ klammern, handelt es sich um Agenten, bzw Propagandisten, die im Interesse der USA gegen die Interessen Europas und der BRD agitieren. Soweit die polemische Kurzfassung.

  23. Nörgler Februar 1, 2011 um 2:17 pm

    Ich bin mir nichtmal sicher, ob die im Interesse der USA handeln. Was die Bush-Regierung machte, hat die USA ruiniert.

  24. T. Albert Februar 1, 2011 um 2:34 pm

    Schon merkwürdig, wie immer, wenn die Demokratie zustande zu kommen droht, ohne dass Atlantische-Pakt-Truppen den vom Klassenfeind bedrohten Völkern schon zur Hilfe geeilt wären, nach wenigen Tagen schon die selbe geistige Mobilmachung losgeht.
    Broder hat aber recht: meine Frau meinte gestern abend so unvermittelt, wo eigentlich unsere Solidaritätsdemonstrationen blieben. Aber es will ja niemand mehr als „linker Spinner“ in den Augen der rechten Antidemokraten dastehen. Wer will schon von Broder, Schmid und ihrer Springer-Presse als Islamo-Faschist bezeichnet werden?
    Pack!

  25. entdinglichung Februar 1, 2011 um 2:39 pm

    in London und v.a. in Paris und anderen französischen Städten gab es in den letzten Wochen Solidaritätsdemonstrationen

  26. momorulez Februar 1, 2011 um 2:40 pm

    @Loellie:

    Danke für die Aufklärung! Bin hier den ganzen Tag mit Kundenwillkür beschäftigt, ist ja nicht so, dass die korrupte, staatliche Scheiße hier nicht genau so übel wäre wie überall sonst auch … und hier wie in den USA stänkern nur die Arschlöcher öffentlich dagegen an.

    @Nörgler:

    Ich glaube, das sind Überzeugungstäter, die finanziert von irgendwelchen Wirtschaftskartellen agieren – aktuell im Falle der Obama-Gesundheitsreform sind es Versicherungskonzerne und Private Equity Fonds, und von Mubarak scheinen die bisher ganz gut gelebt zu haben. Gegen Burkas in Saudi-Arabien haben die ja auch nie was gehabt.

    @T. Albert:

    Ja.

  27. T. Albert Februar 1, 2011 um 2:51 pm

    „in London und v.a. in Paris und anderen französischen Städten gab es in den letzten Wochen Solidaritätsdemonstrationen“

    ja, das machts noch peinlicher. das pack kann sich sicher sein, dass die „solidarität“, die es fordert, hier nicht mittels demos artikuliert wird.

  28. momorulez Februar 1, 2011 um 3:01 pm

    Wer ist hier auch noch mit islamofaschistischen, genetisch minderbemittelten Arabern solidarisch, wenn schon ein großer Teil des Bildungsbürgertums Sarrazin liest, am liebsten die Leser von DIE ZEIT und ergänzend die Wähler der Linkspartei in Deutschlands Osten? Der Rassismus den „Schwarzhaarigen“ (Chinaski) gegenüber wurde nun massemedial seit 10 Jahren so was von massiv in Hirne geprügelt, dass klar ist, dass im völkischen Deutschland eher heimlich Sympathie mit Wilders geäußert wird. Während sowohl Frankreich als auch England eine postkoloniale Prägung und jede Menge Menschen aus eben solchen Regionen haben. Dass da ausgerechnet Broder den „Dhimmi“ gibt, zeugt von seinem prinzipiellen Widerspruchsgeist, glaube ich …

  29. georgi Februar 1, 2011 um 6:35 pm

    @momo: Du mit Deinen Vorurteilen gegen ostdeutsche Linksparteiwähler…

    Ich glaube nicht, daß es überhaupt keine Solidarität für die in Ägypten kämpfenden Massen gibt. Es ist eben nur so, daß sich diese Leute nicht auf Demos herumzutreiben pflegen. Und die, die sich gewöhnlich auf Demos herumtreiben, also z.B. der DGB, die Antifa und alle möglichen linken Aktionsbündnisse, haben für die Massen in Ägypten offenbar keine Sympathie übrig. Lieber demonstriert man für oder gegen Israel, gegen Naziaufmärsche oder für besetzte Häuser oder gegen Castor-Transporte. Das hat Tradition. Ihr seid da natürlich die große Ausnahme.

    Ab und zu schafft es die Grüne Partei noch einmal, ihre Sympathisanten zu mobilisieren. Die demonstrieren dann aber für oder gegen nichts, sondern nur, um sich selbst zu beweisen, daß sie noch demonstrieren können. Sie stehen dann in Stuttgart im Schloßpark herum, und demonstrieren gegen einen neuen Bahnhof, weil sie sonst nichts haben, wogegen sie demonstrieren könnten. Insgeheim aber träumen sie vom Aufstand. Die Leute schauen bewundernd nach Frankreich. Die Unruhen im Morgenland wecken helle Begeisterung. Armut, Perspektivlosigkeit und Ausbeutung breiten sich ja auch in Deutschland aus. Da müßte doch auch ein Umsturz zu machen sein. Doch der kommt nicht. Man versucht es mit Anarchosyndikalismus, mit Demonstrationen, mit allen möglichen Internetaktivitäten. Es nützt aber alles nichts. Da läßt man sich dann halt wenigstens in Stuttgart von der Polizei mißhandeln, nur um nicht ganz untätig zu sein.

  30. Nörgler Februar 1, 2011 um 8:18 pm

    Und in seinem nächsten Beitrag wird Georgi die Ägypter kritisieren, weil sie nicht gegen „Stuttgart 21“ und die Castoren auf die Straße gehen.

  31. momorulez Februar 1, 2011 um 10:09 pm

    @Georgi:

    Das sind keine Vorurteile 😉 – und diese Häme gegen den S 21-Protest, zu der ich zunächst ja auch neigte, vom Nörgler dafür zu recht gescholten, finde ich auch nicht mehr so ganz angemessen.

  32. Fortinhara Februar 2, 2011 um 1:38 am

    Und wenn es hier größere Demonstrationen zur Unterstützung der arabischen Revolten gäbe wäre das Oberarschloch Broder der erste der diesen Demonstranten unkritische Parteinahme für Muslimbruderschaften und Antisemitismus vorwerfen würde. Dieser Schmok dreht es sich doch genau so wie er es braucht. Das sich ein Fanboy eines autoritären Militärstaates Israel wie der hier als angeblicher Freund der arabischen Revolte aufspielt ist absolut lächerlich.

  33. Nörgler Februar 2, 2011 um 10:14 am

    Außerdem gerät B. in Widerspruch zur israelischen Staatsinteressen. Mubarak hat als einziger arab. Regierungschef einen Freundschaftsvertrag mit Israel abgeschlossen. Gegen solche Leute etwas zu sagen, gilt üblicherweise als Plädoyer dafür, „alle Juden ins Meer zu treiben“.

  34. momorulez Februar 2, 2011 um 10:49 am

    Auch, wenn ich Fortinhara nicht dahingehend zustimmen würde, dass Israel auf einen „autoritären Militärstaat“ reduzierbar wäre, das ist trotz allem immer noch eben auch ein Schutz-Staat für weltweit diskriminierte Juden, freue auch ich mich diebisch, dass diese rassistische Blöd-Rhetorik gegen Araber, Perser und Türken nunmehr in sich zusammen zu brechen scheint ….

  35. T. Albert Februar 2, 2011 um 2:12 pm

    Naja, es ist eh gelaufen, die mubarak-zivilen knüppeln die leute zusammen.
    es ist zum heulen, was auf aljazeera zu sehen ist, zum heulen. das wollten unsere ja. http://english.aljazeera.net/watch_now/

  36. Loellie Februar 2, 2011 um 2:36 pm

    Polizisten und Sicherheitskräfte in Zivil mittendrin.

  37. momorulez Februar 2, 2011 um 2:42 pm

    Da werden Netanyahu (schreibt der sich so?), Merkel und US-Multis aber begeistert sein … schlimm.

  38. T. Albert Februar 2, 2011 um 2:47 pm

    das hat der m. ja in seiner drohrede angekündigt, genau das. °suddenly“ hat obama ja auch gesagt.

  39. Nörgler Februar 2, 2011 um 2:57 pm

    Mit Knüppeln ist das nicht mehr zu stoppen, nur noch durch den „chinese way“.

  40. Loellie Februar 2, 2011 um 3:03 pm

    Gunfire!

  41. T. Albert Februar 2, 2011 um 3:03 pm

    das ist sein anfang.

  42. momorulez Februar 2, 2011 um 3:05 pm

    Den chinese way befürchte ich ja. Die in China sind in Sachen Kapitalismus so erfolgreich, da erscheint der Platz des Himmlischen Friedens doch als probates Mittel im Kampf Stabilität versus Chaos.

  43. T. Albert Februar 2, 2011 um 3:23 pm

    wie war das heute morgen? in irak gibts also doch geheime foltergefängnisse. das ist die demokratie des himmlischen friedens, die überall wie manna verteilt wird.
    die westerwelles und merkels müssen langsam nochmal erklären, was mit „märkte“ gemeint ist. deutsche waffen sind immer im spiel, wie in ägypten auch gerade.

  44. Nörgler Februar 2, 2011 um 3:30 pm

    Das Militär schießt in die Luft. Als damals die US-Nationalgarde nicht mehr in die Luft sondern in die Studenten schoß, riefen die Demonstranten: „THE WHOLE WORLD ‚S WATCHING!“

  45. T. Albert Februar 2, 2011 um 4:27 pm

    „Wir sind das Volk“ – so hiess es doch, oder? Wahnsinn, das Schweigen unserer Partei-Revolutionäre.

  46. momorulez Februar 2, 2011 um 4:49 pm

    Westerwelle hat sich ja sogar positioniert, irgendwie – „Democracy now!“, sozusagen. Aber der „Exportweltmeister“ will wohl weiter seine Waffenabsatzmärkte behalten und Kunden nicht verprellen. In manchen arabisch-englischsprachigen Blogs wird die Lage so wahr genommen, die ich eben gelesen habe, dass Obama die Ägypter zum Abschuss frei gegeben hat, weil Israel das so wolle. Wenn eine solche Wahrnehmung im Interesse Israels sein soll, dann würde mich das doch sehr wundern. Und wie scheißegal Araber der Weltpolitik sind, wird auch mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

    Ganz finster, das alles.

  47. momorulez Februar 2, 2011 um 4:52 pm

    „I don’t know what the Western media’s telling you, but this is obviously an organized, directed squelching of peaceful protest.“

    Von hier: http://twitter.com/#!/umairh

  48. momorulez Februar 2, 2011 um 5:03 pm

    Headlines aus DIE WELT:

    „Straßenschlachten – Kairo versinkt im Chaos“

    „Neue Bedrohung – Israel muss die arabischen Revolutionen fürchten“

    „Ägypten: Umsturz könnte Steuerzahler Millionen kosten“

    Das sind so derart üble Demagogen, die Springer-Leute, widerlich.

  49. momorulez Februar 2, 2011 um 5:19 pm

    Die Gegensicht:

    „AJ Arabic: Pro-Mubarak-Mob wirft Molotov-Cocktails auf das Ägyptische Museum. Regime will mit aller Macht Chaos und Anarchie provozieren.“

  50. Loellie Februar 2, 2011 um 5:22 pm

    “ Und wie scheißegal Araber der Weltpolitik sind, wird auch mal wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

    JA!

    Und das ist definitiv organisiert. Die waren ja von Anfang an mit Stöcken und Macheten bewaffnet.
    Und was für ein Trauerspiel seitens der „westlichen“ Politik.

  51. Loellie Februar 2, 2011 um 5:26 pm

    „Neue Bedrohung – Israel muss die arabischen Revolutionen fürchten“

    Ach, deshalb ist die Hamas so Panisch …

    Die schmeissen die Molotov’s nicht aufs Museum sondern auf die Demonstranten. Aber das ist schon krass wenn man zwischen CNN und Al Jazeera umschaltet. … und immer wieder MG-Salven.

  52. momorulez Februar 2, 2011 um 5:28 pm

    Ich kann das beides gar nicht gucken – bei Twitter kam gerade, dass die Schergen Mubaraks Hotels durchsuchen, um Kameras etc. einzusacken, damit deren Blutbad keiner mehr zu sehen bekommt.

  53. momorulez Februar 2, 2011 um 5:54 pm

    Westerwelle und USA votieren „gegen Gewalt“. Lustig bei dem Protest gegen ein Gewaltregime, damit jetzt um die Ecke zu kommen.

  54. Loellie Februar 2, 2011 um 5:59 pm

    Ja, die gehen gezielt gegen Journalisten vor, Anderson Cooper von CNN hats auch erwischt, aber die meisten sitzen wohl im InterConti und das ist von der Armee umstellt.

    Im Moment scheint sich die Situation etwas zu beruhigen und wie es aussieht, haben es doch viele geschafft, den Platz zu verlassen. Die waren da ja mit tausenden Frauen und Kindern eingekesselt, sonst hätten die sich angesichts dieser Gewalt mit Sicherheit zurückgezogen.

    Dabei ist gestern Abend in Alexandria das Militär noch dazwischen gegangen als Demonstranten aneinander geraten sind.

    Was mich nervt sind ja diese Apelle an beide Seiten. Wollen die dass die Muslimbrüder am Ende die einzigen sind, die sich klar Positionieren?

  55. Loellie Februar 2, 2011 um 6:03 pm

    Jaja, gegen Gewalt. Die waren da heute Mittag am Beten, als diese Schläger aufmarschiert sind, und wenn die Armee neben dran steht und nur zuguckt, dann sind die auch nicht „neutral“.

  56. T. Albert Februar 2, 2011 um 6:06 pm

    das ist ja der punkt, die -brüder haben sie jetzt richtig am hals. oder wie soll man sich das sonst vorstellen? ich hab lange nicht so gekotzt. und morgen schickt der wahingtoner pakt schon mal einen flugzeugträger und schiesst aus flugzeugen? es ist ekelhaft.

  57. Loellie Februar 2, 2011 um 7:14 pm

    +++ Bundesregierung in Kontakt mit Muslimbruderschaft +++

    [18.17] Die Bundesregierung redet angesichts der Unruhen in Ägypten auch mit Teilen der islamistischen Muslimbruderschaft. In Berliner Regierungskreisen hieß es, es gebe Gespräche mit gemäßigten Kräften innerhalb dieser Organisation.

    Live-Ticker auf Spon

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,743133,00.html

  58. momorulez Februar 2, 2011 um 8:08 pm

    Na, jeder stärkt und fördert, was ihm besonders nahe ist – der Papst spricht ja auch im Bundestag.

  59. T. Albert Februar 2, 2011 um 8:29 pm

    westerwelle im tv gerade ist unerträglich, irre, wie die um die m-bande drumrumreden.

  60. momorulez Februar 2, 2011 um 8:46 pm

    Die brauchen die Brüder für die Aufrechterhaltung ihres kulturdünkelnden, politischen Koordinatensystems und dürfen das nicht zugeben.

    Ich fand in dem, was ich verfolgt habe, Westerwelles Statements bisher aber sogar noch in Relation am besten. Das haben sie ihm zwischenzeitlich wahrscheinlich wieder ausgetrieben.

  61. momorulez Februar 2, 2011 um 9:53 pm

    Da liest man das erste Mal seit Monaten wieder bei den Rechten, und prompt steht da das:

    Auch wenn die üblichen Verdächtigungen anderes unterstellen, so hat der Westen die autokratischen Regime nicht aus Jux und Dollerei unterstützt und auch nicht, weil er von Grund auf schlecht und böse ist, sondern weil es um das ging, was jetzt gefährdet zu sein scheint: Stabilität. Stabilität ist kein Wert an sich, das ist klar, aber in dieser Region heißt „Stabilität“ nichts anderes, als dass Israel sich nicht gegen seine Vernichtung wehren muss.“

    Also bei mit dem Libertären kokettierenden Staatsgegnern steht das. Nicht, dass diese Extremisten irgendwie direkt wirken würden, aber gelungener kann man ja gar nicht gegen Israel aufhetzen, als mal eben zig Millionen zu erläutern, man müsse sie wegen Israel foltern, morden, prügeln, entrechten und hungern lassen. Das ist schon eine Antisemitismusvariante, eine ganz besonders ekelhafte sogar, weil sie von den eigenen Wirtschaftsinteressen ablenkt. Und man muss sich klar machen, dass diese Kreise, selbst wenn die aktuell keiner wählt, die gibt es aber in fast allen Parteien, exakt die gleiche „Stabilität“ hier auch einfordern würden, wie schon unter Bismarck, wie schon unter Ebert, wie schon ’33. So hat Ulbricht auch die Mauer gerechtfertigt und Pinkchet wurde so auch legitimiert. Immer das gleiche Autokratenpack, das seine kolonialen Gelüste gegen die „tierhaften“ Araber, wie ein Antideutscher mal entlarvend formulierte, an die Mubaraks delegiert.

  62. Nörgler Februar 2, 2011 um 10:13 pm

    Was in diesem Gebrauch von „Stabilität“ anklingt, findet sich auch in der Leier von der „Rechtssicherheit“, wegen der man nicht gegen S21 sein darf.
    Es wäre unsinnig, zwischen dem Protest gegen den Bahnhof und dem, was in Ägypten geschieht, mal eben so Parallelen zu ziehen. Aber punktuelle Übereinstimmungem gibt es doch. „Autokratenpack“ sind auch Mappus, Gönner, Grube. Und dieser Tage kam auf, dass der SPD-Bürgermeister von Ulm städtische Bedienstete nach Stuttgart geschickt hatte, um pro S21 zu demonstrieren – vorläufig noch ohne Hackmesser und Mollis, aber mit bestem Gewissen des Bürgermeisters: S21 läge im Interesse von Ulm, sagte er.
    Es kann kein Zufall sein, dass die Begründungen herrschaftlichen Handelns ebenso wie die dirty tricks global sich so gar nicht unterscheiden.

  63. T. Albert Februar 2, 2011 um 10:15 pm

    Ja, komisch, wie sie immer das vermutete sagen.

    Das entspricht ja Mises` „Verdiensten des Faschismus“. Haargenau die Argumentation.
    Ulbricht, mein Lieber, war aber im Gegensatz zu Pinochet und den anderen erwähnten Spassvögeln ein Diktator, kein Autokrat. U. war der sozialistische Chefdiktator, nur Chavez kommt ihm gleich; die anderen sind autokratische Stabilisatoren. Das muss man auch mal sagen dürfen.

  64. momorulez Februar 2, 2011 um 10:29 pm

    @Nörgler:

    Weiß nicht, ob Du heute das Scharmützel um die Liebigstraße in Berlin, 2500 Polizisten gegen 9 Besetzer, verfolgt hast – das war auch gespenstisch, das in Kairo und das verglichen damit natürlich marginale gleichzeitig bei Twitter zu verfolgen … im eben von Dir genannten Sinne.

    @T. Albert:

    Ja, an von Mieses habe ich da auch gleich gedacht. Und hätte fast gekotzt, wenn ich mir deren ewige Sottisen gegen den vermeintlich faschistoiden Sozialstaat in Erinnerung rief. Während sie selbst nun Folter, Polizeistaat und Militärdiktatur mit „Stabilität“ ineins setzen. Widerliches Pack.Vertane Zeit. Lollie hat das gleich gesagt, er hatte recht.

    Für Hayeks „spontane Ordnungen“ haben die plädiert. Wie durch und durch verlogen!

  65. T. Albert Februar 2, 2011 um 10:58 pm

    Wieso denn verlogen? Ihr Bruder Mubarak und seine Bande erzeugen doch gerade spontane Ordnungen.

  66. momorulez Februar 2, 2011 um 11:01 pm

    Na gut, so kann man das zwar auch sehen, aber sie meinten ja nicht-staatliche Ordnungen …

  67. T. Albert Februar 2, 2011 um 11:05 pm

    Ja, ja, das haben sie aber selbst nie verstanden. Wie auch, als Arschlöcher?

  68. momorulez Februar 2, 2011 um 11:52 pm

    Ich hab mir aus Lust am Ekel die Diskussion da doch noch angetan; frappierend ist, wie sie tatsächlich den in Ägypten Deomonstrierenden gegenüber die Herrschaftsperspektive als Regierende einnehmen, als würden sie über 1. Mai-Demos in Berlin reden. Wenn sie nicht die Schariah-Karte spielen.

    Prima fand ich den hier:

    H… hat recht, Mubarak wird hier durch die einseitige Berichterstattung grundlos schlecht gemacht. Letztlich geht es um Stabilität, die USA haben mittlerweile in anderen Regionen ihre Prioritäten und können nicht überall die Wohlfahrt spielen. Und Israel hat aus 60 Jahren Geschichte gelernt, dass es von Feinden umgeben ist und sich wehren muss. Da ist Pragmatismus im Umgang mit etwas hierarchischeren Personen wie Mubarak nur nachvollziehbar.

    Wie kommt man eigentlich dazu, als Kommentator in einem Blog eine solche Haltung einzunehmen? So als paternalisierender Weltgeist daher zu schwafeln? Die sind schlicht irre. Der Wille zum „freien Handel“ wird dann noch gelobt. Waren nicht die Lebensmittelpreise einer der Gründe für den Aufstand? Die sind so derart desensibilisiert für jegliche soziale Situation jenseits der ihren, das ist absurd. Die merken noch nicht mal, dass sie KEINEN Grund dagegen angeben könnten, wenn ich jetzt dafür plädieren würde, sie allesamt im Namen der Stabilität verhaften zu lassen.

  69. Loellie Februar 3, 2011 um 12:01 am

    Auf CNN wurden die Gruppen mit „pro-stability“ und „anti-government“ bezeichnet. Das liest, schreibt und spricht sich schon komisch gegeneinander.

  70. momorulez Februar 3, 2011 um 10:32 am

    Bei Rostocker antideutsch Inspirierten wird schon proklamiert, jeder, der gegen Mubarak sei, sei für Antisemitismus. Musste gerade mal bei Twitter aufräumen. Deren jüdische Gemeinde umfasst um die 700 Mitglieder. Wären es mehr, würden sie die Juden allesamt zu Nazis erklären. So sind die ja praktischweise in Israel, da kann man lautstark „Solidarität!“ kreischen. Aus Angst davor, dass die Türken und Araber, die hier geboren wurden, vielleicht auch bald anfangen, Rabatz zu machen.

    Man schämt sich zunehmend dafür, ein Leben lang von kolonialen Strukturen profitiert zu haben.

  71. Nörgler Februar 3, 2011 um 11:07 am

    Ich kann fast nicht glauben, dass die Zitate echt sind. Aber immer wieder schön, wenn die Herrschaften zeigen, mit welchem Besen sie kehren.

  72. momorulez Februar 3, 2011 um 11:21 am

    Ich habe gestern beim Lesen auch echt die Fassung verloren. Erst Iraker massenhaft umbringen im Namen der Demokratie, dann Ägypter massenhaft unterjochen im Namen des Gegenteils. Ekelhaftes Rassistenpack. Dieser Dünkel weißer Männer sitzt so was von tief, dass ich mit so was von massiv schlechter Laune aufgewacht bin und sie heute im Bus allesamt hasste.

  73. T. Albert Februar 3, 2011 um 12:40 pm

    Jetzt wecke mal nicht so orientalisch Mitleid mit Emotionen, gell.
    Wir sind 1 Folk!
    Ich trete jetzt erstmal aus meiner schweigenden Partei aus.

  74. Robert Michel Februar 3, 2011 um 2:16 pm

    Komm mal wieder runter. So einfach ist die Welt nicht, dass aus jeder Aufstandsbewegung automatisch nur gutes erwachsen muss. Es ist völlig berechtigt auch auf die Risiken hinzuweisen, zumal Rayson ein Spannungsfeld zwischen Hoffnungen und Gefahren beschreibt und es für zu früh hält, um zu einer Bewertung zu kommen.

  75. T. Albert Februar 3, 2011 um 2:28 pm

    interessant

  76. Nörgler Februar 3, 2011 um 2:29 pm

    Klare und wortreiche Solidarität mit einem Regime, das aufs Haar dem gleicht, was der Irak unter Saddam war, ist kein „Beschreiben eines Spannungsfelds zwischen Hoffnung und Gefahren“.

    Es ist ein Streit in Welt, was „liberal“ bedeutet, und ich mache mich jetzt nicht anheischig, der Wahrheitsverkünder zu sein. Aber in einem Punkt darf ich denn doch mal Dogmaten raushängen: Never, niemalsnie ist es liberal, sich gegen eine bürgerliche Demokratiebewegung zu positionieren, die versucht, eine Diktatur abzuschütteln.
    Was ich an durch den Eintrag von Rayson befeuerten Aberrationen lesen, läßt mich vermuten, die sind dort alle Mitglied im „Verein zum Schutz bedrohter Diktaturen“.

  77. Nörgler Februar 3, 2011 um 2:35 pm

    „… und es für zu früh hält, um zu einer Bewertung zu kommen.“
    Bürgerfreiheit gegen Verfolgung, Folter, Mord, Berufseinschränkung, Armut, Meinungs- und Presseunterdrückung und Staatswillkür bis zum Anschlag – was um Himmels willen soll da denn noch „bewertet“ werden?!

  78. momorulez Februar 3, 2011 um 2:52 pm

    Frag ich mich auch. Natürlich kann auch jede Demokratiebewegung ins Üble umkippen, siehe „Wieder“-Vereinigung 😉 – deshalb gibt es trotzdem keinen Grund, sich gegen sie zu positionieren. Und schon gar nicht mit solchen Argumenten, die ganz kolonial den „Mob der wilden, unaufgeklärten Schwarzhaarigen“ mit denkt, der der Führung durch eine an westlichen Wirtschaftsnationen- und Interessen gekoppelte, folternde Diktatur bedarf. Das ist eine Forderung nach Unterwerfungspraktiken. Illiberaler geht gar nicht.

  79. momorulez Februar 3, 2011 um 2:55 pm

    Danke für den FAZ-Link!

  80. Loellie Februar 3, 2011 um 2:57 pm

    Natürlich ist das fast unmöglich eine Situation zu bewerten, wenn die us-amerikanischen Stichwortgeber aufgrund heilloser Ueberforderung z Zt nur hysterisch „Muslimbrüder Muslimbrüder“ kreischen und der Propagandaapparat der Rechts-Extremisten quasi zusammengebrochen ist. Nur wenn Guido schon mit den Brüdern verhandelt, kann sich die Naumannstiftung, die sonst immer an forderster Front dabei ist, wenn es darum geht, einen Militärputsch anzuzetteln, ihrem Aussenminister schlecht in den Rücken fallen. Erst muss geklärt werden, ob und in welchem Umfang der Rubel weiter rollt, dann kann auch auf BLOG der „Meinungsbildungsprozess“ beginnen, ob man sich auch auf einen Gottesstaat einlässt.

    Währenddessen säubert Mubaraks Geheimpolizei in Zivil Kairo von ausländische Journalisten.

  81. Nörgler Februar 3, 2011 um 3:07 pm

    Offenbar werden Muslimbrüder, die wie die alte Fassenacht hinterhertaben und auf den fahrenden Zug aufspringen wollen, von der Protestbewegung gleich wieder runtergeschubst.
    __________________
    Einer dieser Ekelkommentare brachte die Hoffnung zum Ausdruck, dass das Militär auf der Seite der „Stabilität“ eingreift. Tja, war wohl nix, denn gerade wird gemeldet, dass Panzer ihre Geschützrohre auf Mubaraks Schlagtot-Brigaden richten. Außerdem werden frisch eingetroffene Mordbuben von Soldaten am Betreten des Platzes gehindert und es werden Journalisten beschützt.

  82. momorulez Februar 3, 2011 um 3:08 pm

    „Aber sie wirft ein Schlaglicht darauf, wie oberflächlich eine Berichterstattung ist, die nach dem Schema „Gute Demonstranten – böses Regime“ funktioniert.“

    Das hätte sich mal jemand im Falle der Ukraine, der Solidarnosc oder der DDR-Bürgerrechtsbewegung zu schreiben trauen sollen. Ist in diesem Fall von Hetzer Zettel.

  83. Robert Michel Februar 3, 2011 um 3:14 pm

    @Nörgler: „Klare und wortreiche Solidarität mit einem Regime“
    Die Stelle an der Rayson zur Unterstützung von Mubarak aufgerufen hat muss mit entgangan sein. Bist du so freundlich die Passage nochmal zu zitieren?

    „Never, niemalsnie ist es liberal, sich gegen eine bürgerliche Demokratiebewegung zu positionieren, die versucht, eine Diktatur abzuschütteln.“

    Auch du hast keinen Überblick darüber, was die politischen Ziel der Demonstranten genau sind. Die Zuschreibung das es sich zum Großteil um eine bürgerliche Demokratiebewegung handelt, ist eine Hoffnung die auch ich teil, aber es ist alles andere als sicher das sich diese Strömung am Ende auch durchsetzt.

  84. Robert Michel Februar 3, 2011 um 3:19 pm

    Zettel finde ich die Tage auch arg daneben. Es stimmt zwar, dass der Staatsfunk vieles in seine einfachen Strickmuster einfügen versucht, aber Setze wie „Was der Westen Mubarak alles zu verdanken hat“ zeugen von einer Leichtfertigkeit bei der Beurteilung von Diktaturen, die unangemessen ist.

  85. T. Albert Februar 3, 2011 um 3:26 pm

    Aber das R.-Zitat da oben ist doch eine Unterstützung des Regimes. Was soll ich denn sonst darin lesen?
    Diese Art Liberaler verstand immer viel von Freiheit für sich selbst, nie für die Andern.

    Aus „sachlichen“, „pragmatischen“ Gründen konnte man auch gegen 89 hier sein. Kannte ich auch, solche.

  86. momorulez Februar 3, 2011 um 3:28 pm

    Die Passage habe ich doch zitiert. Und die Conclusio kann ja nun auch nicht sein, dass man eine übles Regime ohne Jux und Dollerei zum Stabilität-des-Übels-Garanten erklärt aus der Perspektive dessen, was da u.U. geschehen könnte. Dann kann man sich ja wohlbegründet zurück halten, sich auf das „mal abwarten“ beschränken und muss nicht auch noch Folterknechte feiern.

    „In der Tat: Was denken sie, diese 84 Millionen Ägypter? Während der gescheiterten Revolution im Juni 2009 im Iran haben zahlreiche Kommentatoren darauf hingewiesen, daß die protestierenden Einwohner Teherans nicht repräsentativ für den ganzen, ländlich geprägten Iran seien.“

    Noch mal Zettel.

    Solche Gedanken hätte ich jetzt gerne mal in der Selbstanwendung. Es stimmt, dass die den Irren STÜTZENDE Landbevölkerung die grüne Revolutionsandeutung unterbunden hat. Das ist nun aber kein Argument gegen die Revolutionäre, ganz im Gegenteil. Es zeigt vielmehr, dass im arabisch-persischen Raum sich bürgerliche Schichten heraus gebildet haben, die jeweils Akteure der Aufstände sind, und es ist weiß Gott keine sonderlich linke Position, zu fordern, genau diese zu stützen.

    Der Argumentation folgend müsste man großen Teilen Sachsens, Bayerns, Baden-Würtembergs und Mecklenburg-Vorpommerns das Wahlrecht entziehen, und genau darauf läuft ja die Argumentaion dieser neurechten Propagandisten immer schon hinaus: Dass von vornherein BESTIMMTE Politiken maßgeblich zu sein haben, die ebenso gut von Diktaturen eingeleitet werden können. Das hat Lenin auch so gesehen, und Pinochet auch.

  87. Robert Michel Februar 3, 2011 um 3:29 pm

    @T. Albert: Nein, Rayson bringt einen Gesichtspunkt den er im weiteren Verlauf gegen andere abwägt.

  88. Nörgler Februar 3, 2011 um 3:30 pm

    „Bist du so freundlich die Passage nochmal zu zitieren?“ Hat Momorulez doch oben schon getan.

    „Auch du hast keinen Überblick darüber, was die politischen Ziel der Demonstranten genau sind.“ Aber der Interviewpartner im FAZ-Link hat ihn.

  89. momorulez Februar 3, 2011 um 3:32 pm

    „Auch wenn die üblichen Verdächtigungen anderes unterstellen, so hat der Westen die autokratischen Regime nicht aus Jux und Dollerei unterstützt und auch nicht, weil er von Grund auf schlecht und böse ist, sondern weil es um das ging, was jetzt gefährdet zu sein scheint: Stabilität.“

    Also entschuldige, Robert, das ist nun wirklich eine überdeutliche Aussage und kein Abwägen.

  90. Robert Michel Februar 3, 2011 um 3:45 pm

    @momo: Nein das ist nicht überdeutlich, denn der Artikel schließt mit:

    Es ist gut und schön, wenn Menschen für ihre demokratischen Rechte kämpfen. Aber auch das allein ist eben noch kein Wert an sich.

    Hier wird das Geschehen jedenfalls mit einer Mischung aus Hoffnung und Sorge verfolgt.

    Der Gesichtpunkt, das die Stabilität gefährdet sei, (den Rayson auch dadurch relativiert, dass er schreibt: „Ob am Ende der Proteste in der arabischen Welt weniger Stabilität steht, wissen wir heute nicht. Die Gefahr besteht aber durchaus.“) reicht für ihn eben nicht aus, um sich gegen die Demonstranten zu positionieren.

  91. momorulez Februar 3, 2011 um 3:51 pm

    Natürlich ist es ein Wert an sich, wenn Menschen für ihre demokratischen Rechte kämpfen. Was ist denn das sonst? Man kann Demokratie nicht funktional begründen.

    Und natürlich kann man erst die Unterstützung Mubaraks durch den Westen aus Stabilitätsgründen rechtfertigen und dann irgendwas hinterher schieben, was sich schön nach Sonntagsrede anhört, „ich bin voller Sorge und Hoffnung“, ja, ich auch, jeden Tag, wenn ich aufstehe – und ist auch immer lustig, wann da Flexibilität, wann „Stabilität“ gilt. Bei der ganzen wirtschaftsliberalen Scheiße kann es gar nicht flexibel genug sein, bei der Destabilsierung des Sozialstaates hierzulande auch nicht, aber da kann dann ohne Jux und Dollerei Folter Stabilitätsgarant sein.

    Nee, komm, echt, das ist nicht zu retten, das ist verlogener, autoritärer Mist.

  92. Robert Michel Februar 3, 2011 um 4:13 pm

    Natürlich ist es ein Wert an sich, wenn Menschen für ihre demokratischen Rechte kämpfen. Was ist denn das sonst? Man kann Demokratie nicht funktional begründen.

    Quatsch, Demokratie ist ein Verfahren, das sich auch der Achtung vor den Rechten anderer ergibt. Als solches ist Demokratie kein Wert an sich, sondern sie ist soweit nützlich, wie sie die Rechte anderer schützt. Ist sie dazu nicht gegeinet (etwa weil die Mehrheit Minderheitsrechte missachtet), ist sie auch nicht wert.

    „Unterstützung Mubaraks durch den Westen aus Stabilitätsgründen rechtfertigen“

    Rayson schreibt nicht umsonst in der Vergangenheitsform. Die Rechtfertigung für die Unterstützung Mubaraks lag im Mangel an Alternativen. Es ist eben offen, ob diese Gründe jetzt wegfallen. Das läst sich z.B. gut an den Reaktionen aus der USA ablesen.

  93. momorulez Februar 3, 2011 um 4:24 pm

    Ich finde Mubarak auch retrospektiv nicht zu rechtfertigen und bin aus Stabilitätsgründen für die sofortige Inhaftierung Raysons. Und Du widersprichst Dir doch da schon wieder und räumst ein, dass Dikatatur aus Stabilitätsgründen für den Herrn auch aktuell eine Option ist.

    Dass Demokratie ein Wert an sich ist, gerade WEIL sie durch Individualrechte begründet ist, die wir zwei allerdings vermutlich unterschiedlich ansetzen würden, hast Du nun auch ausgeführt. Dass Mehrheiten Minderheiten Rechte in Demokratien aberkennen ist selbstwidersprüchlich, auch wenn es leider üblich ist, das ist dann aber undemokratisch. Und „nützlich“ ist die schon gar nicht, und schon gar nicht für Rayson.

  94. T. Albert Februar 3, 2011 um 4:40 pm

    „Rayson schreibt nicht umsonst in der Vergangenheitsform. Die Rechtfertigung für die Unterstützung Mubaraks lag im Mangel an Alternativen.“

    Das ist grossartig. Das war auch immer so. Die demokratischen Bewegungen, wie diese hier, die ja nicht einfach so letzte Woche plötzlich entstanden ist, waren nie, noch nie, „Alternativen“. Auch Bani Sadr galt nicht als Alternative, wenn schon Iran wieder erwähnt wird.

  95. momorulez Februar 3, 2011 um 5:01 pm

    Das Bemerkenswerte ist doch zudem, dass Rayson und Robert Michel sich hin stellen und sagen, Fremdbestimmung Anderer sei alternativlos gewesen historisch und in Fragen der Aktualität Selbstbestimmung auch nur eine von anderen möglichen Optionen ist, je nachdem, ob sie das macht, was die Herren Rayson und Robert gerne hätten. Wobei Robert ja mit den Individualrechten, die er vermutlich als Eigentumsrechte fasst, noch ein Kriterium zur Beurteilung einführt, was bei Rayson dann ganz plötzlich fehlt. Zudem sich dann die Frage stellt, auf welche Weise man eigentlich den Islamismus kritisieren will, wenn der das Eigentum schützt. Wie in Saudi Arabien z.B. ja auch Eigentumsschutz gilt.

  96. Nörgler Februar 3, 2011 um 5:09 pm

    „Die Rechtfertigung für die Unterstützung Mubaraks lag im Mangel an Alternativen“, weil die Alternativen brutal unterdrückt wurden. Wer im Folterkeller verschwindet, hat ein Problem, wenn er sich dann noch als Alternative präsentieren möchte.
    _______________________

    Ich hätte von liberaler Seite gerne gehört, dass Mubarak ein „Besitzstandswahrer“ und „strukturkonservativ“ ist. Aber das Gequengel mit der Stabilität kommt daher, dass die Neocon-Wirklichkeitskonstruktion zusammenbricht, wenn Israel nicht mehr „der einzige demokratische Staat in der Region“ ist. So wird denn beklagt, „wie wenig bei diesen Ereignissen Israel mitgedacht wird.“
    Gemach! In Ägypten sind die Funktionalitäten Mubaraks für den Westen, die USA und Israel bekannt. Auch, dass Hamas und israelische Regierung vereint sind im Entsetzen über die Probleme, die Mubarak hat, dürfte dort schon aufgefallen sein.
    Relevante Kräfte, die in Ägypten „Tod den USA!“ oder „Die Juden ins Meer!“ schreien, gibt es erfreulicherweise nicht. Aber klar ist auch: Egal wie eine künftige Regierung zusammengesetzt sein wird – einen Freundschaftsvertrag mit Israel wird es nicht mehr geben, und hündisch rumtun mit dem Westen auch nicht.

  97. T. Albert Februar 3, 2011 um 5:10 pm

    Was soll das eigentlich , dieses pragmatische Stabilitäts-Gelaber? Die Alternative wird nicht unterstützt, das ist alles. Nicht mal für Al-Baradei sprechen sich unsere verlogenen Pragmatiker aus, so wenig wie für die friedlichen Demonstranten. Niemand hat sich für die grossartigen Àgypter ausgesprochen und niemand gegen das Regime. Es geht nicht um Stabilität, es geht um eine ganz bestimmte, definierte Stabilität, deren Teil die wirtschaftlliche und intellektuelle Plünderung eines Landes ist.

  98. T. Albert Februar 3, 2011 um 5:27 pm

    Das sind schon humorige Überlegungen, wenn gleichzeitig gestern bei Al Jazeera in dem ganzen Schlammassel harmlose, unglückliche Leute sagen, das wäre hier sofort vorbei, wenn Obama den Mubarak klar zum sofortigen Rücktritt auffordern würde, und wieso der das nicht täte.

  99. Loellie Februar 3, 2011 um 5:29 pm

    LOL, dass will ich sehen, dass sich unsere Politiker für Demonstranten aussprechen, egal was die fordern. Wenn die sich postionieren, wie wollen die dann S21-Demos zum Weltuntergang deklarieren. Freie Märkte immer gerne, aber doch keine freien Bürger und schon garkeine Mitbestimmung.

    Und Gaza?:
    „Fick dich, Israel. Fick dich, Hamas. Fick dich, Fatah. Fick dich, Vereinte Nationen. Fick dich, Flüchtlingshilfswerk. Und fick dich, USA“

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,742933,00.html

    Die Leute haben die Schnauze genauso gestrichen voll wie die Hamas und unsere Politiker die Hosen. Ich glaub ja nicht, dass die Proteste in der arabischen Welt auf Europa übergreifen, warum es bei uns bisher noch nicht zu solchen Bildern gekommen ist, verstehen die Eliten aber wohl genausowenig wie ich. Auch wenn die Situation in Europa erheblich stabiler scheint, ist es ja nicht so, als gäbe es keine guten Gründe.

  100. Loellie Februar 3, 2011 um 5:39 pm

    Und ganz nebenbei, genauso wie damals Hitler als Erretter der teutschen Gesittung unterstützt wurde, haben allen voran die USA im gesammten arabischen Raum die extremistischen Islamisten als Opposition aufgebaut, um allem was nur näherungsweise links hätte sein können, den Garaus zu machen.
    Kein Wunder, dass sich die „Liberalen“ zwar auf die iranische Revoluzion berufen, aber niemand die Frage stellt, ob Chomeni durch Unterstützung linker Kräfte hätte verhindert werden können.
    Wer sich auf Gott und eine nichtexistente jüdisch-christliche Kultur beruft, wird wohl kaum linke, säkulare Spinner unterstützen.

  101. T. Albert Februar 3, 2011 um 5:41 pm

    na, und mit wem will suleiman jetzt reden, wie er gerade im interview bescheid gibt? mit der muslimbruderschft. jetzt lachen wir nochmal kräftig mit den stabilitätsfreaks.

  102. georgi Februar 3, 2011 um 5:44 pm

    @momo

    Solche Gedanken hätte ich jetzt gerne mal in der Selbstanwendung. Es stimmt, dass die den Irren STÜTZENDE Landbevölkerung die grüne Revolutionsandeutung unterbunden hat.

    Vielleicht hat diese Landbevölkerung gute Gründe dafür. Von Deutschland aus gesehen sieht der iranische Umsturz ja wie eine Palastrevolution aus, bei der die letzten Reste von check & balances im beschissenen iranischen System geschleift werden sollten. Da standen sich ja ein bescheuerter Tyrann einem korrupten, kleptokratischen Oligarchen gegenüber. Zwischen diesen beiden zu wählen, ist ja wirklich keine einfache Aufgabe. Diejenigen, die von der wirtschaftlichen Macht des Oligarchen profitieren, standen da auf der einen, die anderen zu einem bestimmen Teil auf der anderen Seite. Ich kann mich da aber auch irren.

    Auch die Umstürze in der Ukraine, in Georgien, Kyrgysztan, Serbien, Bulgarien, Weißrußland, Libanon sind keine echten Revolutionen. Da ging es darum, dem Westen genehme Regierungen zu installieren.

    Den Massenaufstand im Morgenland jetzt halte ich aber für echt. Der kam urplötzlich aber nicht unerwartet.

  103. momorulez Februar 3, 2011 um 5:47 pm

    Das würde die erleichtern, Weltbild gewahrt, die Stabilitätsfreaks … und ja, Loellie, völlig richtig.

  104. momorulez Februar 3, 2011 um 5:54 pm

    @Georgi:

    Ich wollte die für sie selbst guten Gründe der Landbevölkerung gar nicht in Zweifel ziehen – der Irre kümmert sich um die und sorgt dafür, dass die nicht verhungern, ja. It’s the economy, stupid – das hatte ich ja im Eintrag ganz oben schon erwähnen wollen. Und dass einer der Auslöser in Ägypten schlicht und ergreifend die instabilen, nämlich allmählich unbezahlbar werdenden Lebensmittelpreise waren, geht in der Diskussion tatsächlich unter. Für so was haben unsere langjährigen, „liberalen“ Gegenspieler aber eh immer schon nur Hohn und Spott übrig. Hungernde sind wahlweise selbst schuld, oder der Markt ist einfach nicht frei genug.

    Ich halte es aber schon so weit mit Marx, dass bürgerliche Demokratien die Voraussetzung des Sozialismus bilden müssen. Die Produktifkraftentwicklung ist längst weit genug fort geschritten.

    Im Iran hatten übrigens auch die bürgerlichen Schichten schlicht Angst, das Erreichte wieder zu verlieren.

  105. T. Albert Februar 3, 2011 um 5:55 pm

    georgi, zu iran, sorry, wie alt bist Du eigentlich?

  106. Robert Michel Februar 3, 2011 um 5:56 pm

    Nochmal zur Errinnerung das Rayson nicht das gesammte liberale Spektrum repräsentiert:

    http://liberalesinstitut.wordpress.com/2011/02/03/agypten-diktaoren-nicht-stutzen-sondern-demokraten-fordern/

    Ich hätte von liberaler Seite gerne gehört, dass Mubarak ein „Besitzstandswahrer“ und „strukturkonservativ“ ist.

    Bezüglich Tunesien gab es das.

    http://liberalesinstitut.wordpress.com/2011/01/29/die-jasmin-revolution-und-die-wirtschaftliche-freiheit/

    „Die Rechtfertigung für die Unterstützung Mubaraks lag im Mangel an Alternativen“, weil die Alternativen brutal unterdrückt wurden. Wer im Folterkeller verschwindet, hat ein Problem, wenn er sich dann noch als Alternative präsentieren möchte.

    Das ist ja richtig, änder aber nicht an der Tatsache, dass es keine Alternative gab, außer einzumaschieren. Und das wäre genauso falsch.

  107. Robert Michel Februar 3, 2011 um 6:04 pm

    @momo: „in Fragen der Aktualität Selbstbestimmung auch nur eine von anderen möglichen Optionen ist“

    Die Frage ist doch, ob die Kräft die für Selbstbestimmung eintreten überhaupt den Hauch einer Chance haben. Ich persönlich glaube das. Aber ich halte das nicht für so zwingend, das man nicht zu einer anderen Einschätzung kommen könnte und daraus entsprechende Konsequenzen zieht, die darin besteht, sich Mubarak als Zweckverbündeten offen zu halten.

  108. che2001 Februar 3, 2011 um 6:05 pm

    @Loellie, es scheint in der Tat schwarz-weiß die Perspektive Mubarak vs. Muslimbrüder geschwarzzeichnet zu werden. Bisher sind nicht ein einziges Mal die Namen Aprilbewegung, Wafd unjd Tagammu gefallen, obwohl das die eigentliche ägyptische Opposition ist.

  109. Robert Michel Februar 3, 2011 um 6:08 pm

    @T. Albert: „Das sind schon humorige Überlegungen, wenn gleichzeitig gestern bei Al Jazeera in dem ganzen Schlammassel harmlose, unglückliche Leute sagen, das wäre hier sofort vorbei, wenn Obama den Mubarak klar zum sofortigen Rücktritt auffordern würde, und wieso der das nicht täte.“

    Selbst wenn das funktionieren würde, die USA hätte denn ihre außenpolitische Glaubwürdigkeit für lange Zeit verspielt. Und so omnipotent wie viele zu glauben scheinen ist der Westen auch nicht.

  110. T. Albert Februar 3, 2011 um 6:18 pm

    @Robert Michel
    – die USA hätte denn ihre außenpolitische Glaubwürdigkeit für lange Zeit verspielt.

    Aha. Und jetzt haben sie das nicht? Und wie!
    Für die, die ich bei Aljazeera gesehen habe, als sie das sagten, wäre die Glaubwürdigkeit der USA endlich mal wieder glaubwürdig gewesen. Aber das waren die Leute auf der Strasse am Tahrir Square, denen gerade die Mubarak-Gangs Steine um die Ohren zu werfen begonnen hatten.

    Es geht auch nicht um westliche Omnipotenz, sondern ums Schweigen.
    Diese Revolution wird nicht mal verraten, die Schweigenden sind gegen sie, that`s all.

    Che: Bisher sind nicht ein einziges Mal die Namen Aprilbewegung, Wafd unjd Tagammu gefallen, obwohl das die eigentliche ägyptische Opposition ist.
    Ja, irre.

  111. Robert Michel Februar 3, 2011 um 6:21 pm

    Für die, die ich bei Aljazeera gesehen habe, als sie das sagten, wäre die Glaubwürdigkeit der USA endlich mal wieder glaubwürdig gewesen.

    Das ist für die USA nicht ausschlaggebend, für sie zäht die Glaubwürdigkeit gegenüber anderen Staaten.

  112. Nörgler Februar 3, 2011 um 6:36 pm

    „Mag sich der Westen auch gerne Freiheit, Demokratie und Menschenrechte auf die Fahnen schreiben – tatsächlich ist sein wichtigstes Anliegen stets die Stabilität. Stabil sollen die Verhältnisse in der Welt sein, damit es daheim sicher bleibt, damit die Geschäfte ungestört laufen und der Urlaub ein angenehmer wird. Und wenn zu diesem Zweck die eine oder andere Diktatur gestützt werden muss, wird das schulterzuckend in Kauf genommen. Die individuelle Situation der Bürger dieser Länder war bisher herzlich egal, sollte es sich bei diesen Bürgern nicht zufällig um verfolgte Christen handeln.“
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,743173,00.html

    ARD-aktuell-Chef Kai Gniffke hat im „Tagesschau“-Blog Versäumnisse des Senders bei der Berichterstattung über Ägypten eingeräumt (…) Im „Tagesschau“-Blog schrieb Gniffke: „Stillschweigend und unbewusst hat sich in meinem Hinterkopf eine Teilung in liebe Despoten und böse Despoten eingenistet.“ Der Umgang mit autoritären Regimen wie Ägypten sei kein Ruhmesblatt des Mainstream-Journalismus gewesen.
    http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,743364,00.html

    „Liebe und böse Despoten“ – eine Einsicht, welche zu erringen manchen Liberalen erst noch bevorsteht.

  113. T. Albert Februar 3, 2011 um 7:32 pm

    „Das ist für die USA nicht ausschlaggebend, für sie zäht die Glaubwürdigkeit gegenüber anderen Staaten.“

    Ja. Diese Leute am Tahrir-Platz sind wohl nicht der Staat. Ist Mubarak der Staat? Die haben eine Verfassung.

  114. ziggev Februar 3, 2011 um 7:34 pm

    ich traue meinen Augen kaum. habe mich schon manches Mal gefragt, was in den Köpfen da vorgeht. es ist tatsächlich das, was ich immer vermutete.

    wenn Fr. Merkel auf der Münchner Friedenskonferenz vor ein paar Jahren, kurz nachdem sie Kanzlerin geworden war, mindestens drei Mal sagt, die Probleme müssten auf den Tisch, damit etwas zustandekommen könne, was sie strategische Partnerschaft nennt, und Putin die USA kritisiert, dann gibt es lediglich die Meldung (Tagesschau, Heute identisch): „Putin hat auf der Münchener F R I E D E Nskonferenz die USA A N G E G R I F F E N.“

  115. Loellie Februar 4, 2011 um 11:12 am

    Also ehrlich. Vorhin schalte ich AlJazeera ein, sagt der Moderator „Thank you Slavoj Žižek for this thought provoking debate“. Wenigstens scheint es wieder Live-Bilder vom Tahrir Square zu geben.

    Zur Abwechslung mal ein „Mullah“ auf Russia Today America

    http://www.youtube.com/watch?v=PkbiAdgRh8U

  116. Loellie Februar 4, 2011 um 12:41 pm

    Die Sendung mit Zizek wird heute Mittag wiederholt. GMT 14.30 ist dann wohl 15.30 bei uns.

    Riz Khan
    Egypt’s political revolution
    Will Egypt’s protests lead to a new political reality?
    You can watch the show on Thursday, February 3, at 1930GMT. Repeats will air on Friday at 0430GMT, 0830GMT and 1430GMT.

  117. momorulez Februar 4, 2011 um 12:58 pm

    Zizek halte ich in einem solchen Zusammenhhang für so harmlos nicht – der hat ja einerseits recht, den Anteil der Anteilslosen einzufordern, völlig, ist umgekehrt einer sehr buchstäblich zu verstehenden „Dikatatur des Proletariats“ nicht abgeneigt …

  118. Loellie Februar 5, 2011 um 11:32 am

    Also im Vergleich zu dem hier verlinkten und diskutierten Horrorkabinett an Hassprediger halte ich Zizek dann doch für komplett ungefährlich.
    Wiederholung gabs nicht, aber dafür Youtube. Gesehen hab ichs allerdings noch nicht

    http://www.youtube.com/watch?v=29NffzEh2b0

    Die Heldin der Revolution heisst Asmaa Mahfouz

    http://www.youtube.com/watch?v=eBg7O48vhLY

    http://www.youtube.com/watch?v=2uzdOLXLoes

    Hier ist ein Teiltranskript des Interviews.
    http://www.examiner.com/foreign-policy-in-national/meet-asmaa-mahfouuz-the-woman-who-organized-egypt-s-historic-demonstrations

    Die Untertitel des Aufrufs (1. Video) laufen leider ziemlich schnell aber eine Abschrifft konnte ich bis jetzt noch nicht finden.
    Auf die schnelle was von der New York Times

    http://www.nytimes.com/2011/02/02/world/middleeast/02iht-letter02.html?_r=1

  119. T.Albert Februar 5, 2011 um 2:35 pm

    http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=7589636/kovhe5/index.html

    – ich fand obiges interessant. Wie war das, die USA sind nicht so omnipotent, wie wir glauben?
    Stimmt wohl, die machen das nicht alleine, was auch klar war.
    Langsam wird das eine Art Negativ zur Vertreibung Mohammad Mosadeghs und der Einsetzung Zahedis und des Shahs. Nur, dass sie dafür sorgen werden, dass nach Entsorgung ihres Mannes niemand drankommt, der vom Volk legitimiert wäre, wie es Mosadegh war. Die Stabilität wird auzch nach innen wieder hergestellt, das zeigen ja auch schon die Folterkeller der irakischen Regierung.

  120. momorulez Februar 5, 2011 um 4:58 pm

    Ja. Es wirkt tatsächlich so.

  121. che2001 Februar 5, 2011 um 6:00 pm

    Und drüben ist jetzt das hier zu lesen:

    „Ich habe keinen Zweifel daran, daß sehr unterschiedliche Seiten in Ägypten am Kauf von Demonstranten und politischer Unruhe Interesse haben wollen. Ich weiß nicht, welche Seite demokratischer ist. Nichts geschieht in Ägypten rein aus Zufall. Trotzdem glaube ich nicht, daß ausgerechnet sozialistisch eingestellte Arabisten für eine sachliche Darstellung der Hintergründe prädestiniert sind.

    Wir müssen uns darüber nicht zerstreiten. In wenigen Tagen, hoffe ich, kehrt die Normalität nach Ägypten zurück. Der Tahrirplatz wird von der Armee geräumt, ein paar Reformen kommen, die Moslembruderschaften bleiben der Macht fern und wir sowie Israel werden uns wieder beruhigen.“

    Das ist so liberal wie die Burschenschaft Germania oder der Ehemaligenverband der Fremdenlegion.

  122. momorulez Februar 5, 2011 um 6:17 pm

    Ja. So ehrlich war die verlogene Bande unserer Neofaschisten früher nicht.

    Weiß gar nicht mehr, wo uch das gerade gelesen habe, dieses Phänomen des Verschwindens von Begriffen wie „Menschenrechte“ aus dem Diskurs der Pro-Westler. Alles löst sich in Funktionalismus auf, DdA.

    Merkel hat da noch irgendwas gestottert, aber ansobsten werden halt bestimmte Personengruppen global privilegiert, und der Rest kann ruhig abgeknallt, gefoltert werden oder verhungern. Dass die sich gerade jegliche Legitimation entziehen, sei es Hillary Clinton, Obama oder die ganzen rechten Nachplapperer von US-Doktrinen hierzulande, jemals wieder an auch nur irgendwas Kritik zu üben, merken die gar nicht, glaube ich. Die haben sich selbst auf Herrschaftswille und Gewaltausübung reduziert und müssen sich nicht wundern, wenn ihnen exakt auf der Ebene geantwortet wird.

  123. che2001 Februar 5, 2011 um 6:36 pm

    Während das Antibürokratieteam das ganz anders sieht und tatsächlich mal originelle Gedanken entwickelt, so in Richtung Anarchie ist machbar, Herr Nachbar.

  124. momorulez Februar 5, 2011 um 6:40 pm

    Das habe ich auch schon mit Erstaunen fest gestellt. Das ist aber auch schon eine neue Generation, glaube ich, die da zum Teil mittlerweile bloggt.

  125. che2001 Februar 5, 2011 um 7:06 pm

    Jo@chim ist da nur noch der spiritus rector, die graue Eminenz im Hintergrund. Während die „Bissigen“ immer unverhüllter rechtskonservativer werden sind die jungen Antibürokraten entschiedener libertär als die älteren. So stellt sich mir das zumindest von außen dar.

  126. momorulez Februar 5, 2011 um 7:34 pm

    Was wir mal parallel in Angriff nehmen müssen, ist Merkels „europäische Wirtschaftsregierung“, was ja hervorragend zu den Positionen der BLOGs zu Ägypten passt und sozusagen im Windschatten der arabischen Geschehnisse gerade durchgeboxt wird.

  127. T.Albert Februar 5, 2011 um 10:53 pm

    Ich finde so irre, wie diese Denke sich ohne Not sofort Israels bedient, das wird betrieben, seit sich überhaupt irgendwer in Tunis demonstrierend auf der Strasse gezeigt hat. Auch in diesen ganzen Talkshows wird implizit beschworen, dass die demonstrierenden Massen über das demokratische Israel herfallen. Dann sind sie natürlich nicht demokratisch, was ohnehin keiner glaubt und schon gar kein BLOGGENDER Mubarak-Thug. Lustig, wie sich solche positiv auf 89 beziehen, wo es ihnen angeblich um Demokratie ging.

  128. che2001 Februar 6, 2011 um 12:55 am

    Das ist so ein spezieller Rassismus, bei dem Araber eigentlich nur dreckige Kameltreiber sind und Israel deswegen gut, weil der israelisch-arabische Antagonismus dazu benutzt werden kann, diesen Rassismus als „philosemitisch“ oder gar „antifaschistisch“ zu bemänteln. Workingclasshero hatte auf meinem Blog eigentlich alles dazu gesagt: Nach dem Sechstagekrieg bejubelten die alten Kameraden der Wehrmacht Moshe Dajan als neuen Rommel und gratulierten Israel dafür, dass man es diesen Nichtkulturmenschen mal gezeigt hätte, jetzt seid Ihr auch willkommen im Club! Das ist ja das Hauptparadigma der Springerpresse: Deutsche Schuld mit den Juden zu versöhnen oder zu entlasten, indem Aktivitäten der israelischen Streitkräfte mit dem Vorgehen der Wehrmacht verglichen und zugleich hochgejubelt werden. Israel als Instrument zur moralischen Entlastung der Shoah, perverser gehts nimmer. Die sozialen Probleme der arabischen Welt nimmt niemand zur Kenntnis, sind halt Kameltreiberprobleme.

  129. che2001 Februar 6, 2011 um 1:20 am

    Und die Tatsache, dass ägyptische Oppositionsparteien in den Medien, wenn sie überhaupt Erwähnung finden, was ja selten ist wie Wafd, New Wafd und Tagammu als Spezialthema für Nahostexperten abgehandelt werden ist so, als ob in den USA Grüne, Die Linke und DGB als Sonderthema für Deutschlandexperten behandelt würden. Mein Freund Mohamed drückte es schon treffend aus: „I come from a terrorist country, I life in a tent“. Oder Ashraf: „We are the eldest cultural Nation of the world, nowadays we are third world, the oily Emires are the new-rich Oligarchy, Beduines coming from the Desert, but the Europeans wants to tell us the meaning of civilisation. We were civilized when your ancisters invented the Copper-Axe to cut down the head of their Neighbour.“

  130. momorulez Februar 6, 2011 um 5:43 pm

    Die USA und Europa drängten auf eine Übergangslösung, in der Mubarak nicht sofort zum Rücktritt gezwungen wird. Dafür solle sich der Machthaber zunächst aus der Öffentlichkeit zurückziehen, hieß es in US-Regierungskreisen. Als eine Möglichkeit dafür wurde eine Ausreise Mubaraks nach Deutschland diskutiert, wo der 82-Jährige in den vergangenen Jahren wiederholt medizinisch behandelt wurde. Die Bundesregierung bestätigte die Überlegungen zunächst nicht. Das Auswärtige Amt erklärte lediglich, diese Frage stelle sich nicht“

    Von hier:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/proteste-in-aegypten-muslimbruderschaft-will-mit-suleiman-verhandeln-1.1055951

    Was für paternalisierende Unverschämtheiten. Und um das, was Che über das Bild der „tierhaften“, „mittelalterlichen“ Araber schreibt zu zementieren, braucht man jetzt die Muslimbruderschaft und hofiert sie. Um auch ja das, was Demokratie wirklich heißen könnte, weltweit nirgends zuzulassen.

    Willy Brandts „Mehr Demokratie wagen“ würde heute vermutlich dazu führen, dass er vom CIA erschossen würde. Bei „Watergate“ waren sie noch blöde, mittlerweile haben sie alles so zerbomt und an Konzerninteressen assimiliert, dass es atemberaubend ist. Womit ich nicht exklusiv die Amis meine.

  131. Loellie Februar 6, 2011 um 7:31 pm

    Randnotiz

    IQ: Haha yeah I made lots of puns about this exact thing when I met up my friends in Tahrir to protest. I was like „A week ago, if I told you let’s meet in Tahrir then go walk down to Kasr El-Nil bridge, you’d have judged me as a sleazy trashy gay guy“

    Cruising is out in Tahrir Square:
    http://confessions-room.blogspot.com/

    via queer.de

  132. T. Albert Februar 6, 2011 um 8:05 pm

    der witz ist ja, dass die muslimbrüder nicht mehr als 20% auf die pfanne bringen. als „grösste oppositionspartei“. ganz miese imperialistenwitze sind das. wer war nochmal obama? na, wir werden sehen, was die angeblich so ratlosen in münchen sich alles ausgedacht haben, damit ägypten kein demokratisches land wird.
    aber das ist wirklich ein drehbuch wie eine historische endlosschleife, irre.und unsere liberalen mubarak-thugs immer vorneweg.

  133. momorulez Februar 6, 2011 um 8:13 pm

    „aber das ist wirklich ein drehbuch wie eine historische endlosschleife, irre.“

    Ja. Und ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die „europäische Wirtschaftsregierung“, in der dann irgendwelche platonischen Philosophenkönige, also „drittmittel“finanzierte Wiwis, Lobbyisten und ähnliches Gesocks, hier die Antidemokratie korrelativ voran treiben. Das ist doch genau das Schema, das auch Ägypten zu „stabilsieren“ vorgibt, eben die Friedmansche Vorstellung, dass Demokratie als „kollektive Entscheidung“ letztlich schnurz sei, wichtig sind die institutionalsierten Regularien zum Durchdrücken der Interessen der ökonomischen Rechten. Dieser Fall Marschmeyer oder wie der heißt, der mit Rürup, Schröder und Wulff Versicherungssysteme umgestaltete, mutmaßlich, ist doch auch so ein Fall, den man mit dem Stützen Mubaraks zusammen denken muss. Nur dass die Leute hier zu doof sind, weil sie noch einigermaßen satt sind, die meisten.

    Und wenn gar nix anderes mehr geht, holt man halt die „Religion als Kitt“ heraus. Dieses Promoten der Muslimbrüder ist zum Kotzen.

  134. momorulez Februar 6, 2011 um 8:32 pm

    Budapester, 20:11. Die Schergen drehen frei. Eine behelmte Hundertschaft vor und IM Jolly, drinnen Razzia, draußen hagelt es willkürliche Platzverweise.

    Weil es ausgesehen habe, als würden Menschen sich zu einer Straftat verabreden.

  135. momorulez Februar 6, 2011 um 8:33 pm

    Das war zwar der falsche Tread, aber irgendwie passt es auch hier ziemlich gut …

  136. Pingback: Puuuh … Mubarak, leave! « Metalust & Subdiskurse Reloaded

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