Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Fundstücke am Rande

„Einzig Martin Dornis, die alte Stimmungskanone, fiel etwas aus der Reihe. Nicht in inhaltlichen Fragen – er stellte dar, warum Queer Theory im Faschismus enden müsse –, aber ihm konnte man wenigstens zuhören, ohne gleich Gewaltphantasien zu bekommen.“

Komisch. Ich würde bei solchen Ausführungen Gewaltfantasien bekommen.

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75 Antworten zu “Fundstücke am Rande

  1. che2001 Januar 23, 2011 um 6:16 pm

    Conne Island selber sind schon problematisch genug. Das ist sozusagen das Leipziger Pendantv zum JUZI- allerdings nur in organisatorischer Hinsicht, nicht politisch. Dieses ostdeutsche Antideutschtum lässt sich, glaube ich, nur verstehen, wenn man von haufenweise ostalgischen Alt-SEDlern auf der einen Site umgeben ist und abndererseits sind da „national befreite Zonen“. Wieso die jetzt aber anfangen, Queer Theory und Faschismus zusammenzubringen ist ebenso erschreckend wie unverständlich. Wenn die Krise Zukunftsperspektiven untergräbt schrumpft das Bewusstsein des kleinbürgerlichen Individuums auf seine Grundfunktionen zusammen.

  2. momorulez Januar 23, 2011 um 6:34 pm

    Da ich das ja für so unwahrscheinlich nicht halte, dass das Antideutschentum von US-„Think Thanks“ zumindest angefüttert wurde, die Nähe zu US-Rechstradikalen und Neocons ist abgesehen von der Adaption der Wertkritik und Adorno-Verdrehungen ja offenkundig, ist das soooo überraschend nicht, dass die nun auch damit um die Ecke kommen. Das belegt zudem das Potenzial der Queer-Theory, wenn man sich mal anguckt, wer alles auf sie eindrischt – von Zettel bis Georgi.

  3. che2001 Januar 23, 2011 um 6:44 pm

    Viel Feind, viel Ehr;-)

  4. Loellie Januar 23, 2011 um 10:45 pm

    Ehrlich gesagt sind die mir allesammt zu durchgeknallt und der Grund, weshalb ich bei Rhizom seit Jahren lese, aber noch nie das Bedürfniss hatte zu kommentieren. Ich dachte immer die sind von der NPD, also dem VS und seh da keine Luft zur Differenzierung, wer da nun eigentlich was meinen könnte.
    Ich glaub wirklich nicht, dass man mit sowas in der Jauchegrube plantschen kann, ohne am Ende selber zu stinken.

  5. momorulez Januar 23, 2011 um 11:45 pm

    Ich finde nicht, dass Rhizom stinkt – den bewunder ich sehr. Das ist eine Hammer-Arbeit, die er leistet. Was diese antideutsche Sauce betrifft sehe ich das auch so, aber auch das ist so trivial nicht, weil der Weg von den Lizas Welt-Nazis zu Broder zu Döpfner zu Jessen ein sehr kurzer ist.

  6. georgi Januar 24, 2011 um 9:31 am

    Hallo momo! (ref.) Daß die Wiedergeburt Filbingers
    (also ich) dermaßen auf Queer-Theorie eindrischt, kommt daher, daß
    sie die einfach blöd, esoterisch und logikfern findet. Nichts
    weiter. Genauso blöd, wie die Veranstaltung mit den Machern von
    „BeHämmert“, um die es hier geht. Mit
    der Bezeichnung „Faschismus“ wäre ich vorsichtig. Auf alle Fälle
    sind aber eine ganze Reihe postmoderner Dekonstruktivisten nicht
    ganz bei Trost. Das gilt für die Queer-Feministen wie diesen Martin
    Dornis. Bersarin müßte jetzt mal was dagegen tun, damit all die
    blöden Spinner nicht Foucaults Ruf ruinieren, genau wie all die
    blöden Spinner den Ruf Hegels und Marx‘ ruiniert haben, mit ihren
    widersinnigen, okkultistischen Argumentationen.

  7. momorulez Januar 24, 2011 um 9:41 am

    Georgi, Du kennst doch aber die Queer-Theory gar nicht. Okkkultismus ist was doch deutlich anderes. Lies mal nacheinander ein Buch über Astrologie und zur Queer-Theory,und Du wirst da in der Astrologie mehr Bezüge zu Hegel (Wesen und Erscheinung) finden als zu Butler, z.B..

  8. che2001 Januar 24, 2011 um 10:02 am

    Die Vorstellung des Ewigen Lichts, aus dem unsere Seelen gefallen sind und in das sie zurückmüssen wäre zum Beispiel eine genuin okkultistische Vorstellung, die sich als als Remystifizierung de Weltgeistes interpretieren ließe. Von Queer-Theory so weit entfernt wie Thomas von Aquin von Karl Marx.

  9. georgi Januar 24, 2011 um 10:18 am

    Hallo momo!

    Deine eigene Fundstelle:

    wow. die atemberaubende argumentationskette, queerfeminist_innen wollen mit der dekonstruktion des subjektes* uns aller individualität berauben und sind deshalb schon die neuen nazifaschisten, raubte mir die luft, die eh schon knapp war. schlimm, denn wenn diese queers uns unseres geschlechtes berauben würden, würden sie ja unser wesen zerstören. ganz grosses kino! und suicide-bomber sind eh die besseren dekonstruktivisten.

    Tja, diesmal trifft es Queer-Theorie. Jetzt werden die Queer-Feministen als Faschisten dekonstruiert. Na so was! Über so eine Argumentation haben sich Hartmut (hf99) und genova68 auch schon beschwert. Und die Queer-Feministen können sich dagegen nicht einmal wehren. Ihr Zeug ist ja auch nichts andereres als postmoderne Philosophie.

    Ach ja, Physik ist keine Esoterik. Auch wenn Esoteriker, Betrüger, Scharlatane gern die Terminologie der Physik mißbrauchen, also von Energiefeldern, Erdstrahlen u. dergl. schwatzen. Physik ist eine ehrenwerte Wissenschaft. Ob das bei Dekonstruktivismus genauso ist, daran haben einige wohl ihre Zweifel, wie dieser Sokal, dem Physiker, der mit diesen postmodernen Philosophen seine tolldreisten Späße trieb. Aber, das hatten wir alles schon einmal.

  10. Nörgler Januar 24, 2011 um 10:25 am

    „Die Vorstellung des Ewigen Lichts, aus dem unsere Seelen gefallen sind und in das sie zurückmüssen“ ist nichts woran ich glaube, aber es ist eine sehr schöne poetische Metapher, der ich sogar eine gewisse kritische Potenz nicht absprechen würde.

  11. che2001 Januar 24, 2011 um 10:36 am

    Wenn man sich mal mit Hardcore-esoterischem Gedankengut beschäftigt hat – das ist da die Kernidee, um die von Rudolf Steiner bis zum frühen Hubbard alle kreisen. Der Sturz Luzifers als etwas, das jeder menschlichen Seele vor der Inkarnation passiert ist. Das jedenfalls ist WIRKLICH okkultistisch, im Gegensatz zu dem, was Georgi da ausführt.

  12. *** Januar 24, 2011 um 10:38 am

    Was ist denn das hier für ein armseliges Dilettantenstadl?

  13. momorulez Januar 24, 2011 um 10:42 am

    Die Kernidee ist zunächst das „Wie oben, so unten“, also Prinzip (Wesen), Entsprechung (Erscheinung) und Synchronizität – das mit dem „ewigen Licht“, eine wirklich schöne Metpaher, das Du auch im Christentum, Buddhismus etc. finden. Es finden sich auch allerlei duale Systeme, de mit durchaus dialektischen Dynamiken im Rahmen der Totalität operieren, so z.B. das I Ging.

    Queer-Theory ist da doch deutlich was anderes.

  14. che2001 Januar 24, 2011 um 10:51 am

    Jutta Ditfurth vertritt sogar die Auffassung, die Yin-Yang-Gegensatzpaarung sei Heiligung des Patriarchats und der Heteronormativität (Männlich=positiv, weiblich=negativ). Das wäre, auch wenn ich das nicht so sehe, dann der schärfste mögliche Gegensatz zur Queer-Theorie.

  15. Loellie Januar 24, 2011 um 11:45 am

    Wenns dann doch wieder um religöse Eiferer geht, hätte ich hier einen Bericht über das was passiert, wenn millionenschwere irische Katholen spendensammelnd um die Welt jetten, um Abstinenzprogramme und Hetzkampagnen gegen Schwule zu finanzieren.

    http://www.huffingtonpost.com/2011/01/23/global-health-fund-fraud_n_812801.html

    Und was der da oben schreibt ist keine Meinung sondern Hassrede, die einen ganz konkreten Zweck erfüllen soll. Da Fresse polieren übers Internet leider nicht funktioniert, bleibt das einzig gültige Argument die Löschtaste, zumindest bis der Gesetzgeber Schutz vor solchen Gewaltverbrechern bietet. Ich habe unbedingt Sympathien mit Rhizoms intellektueller Eitelkeit, aber vllt sollte er sich doch lieber mal durchficken lassen, anstatt den dicksten Brocken seiner Online-Zeit damit zu verschwenden, diese Trolle unentwegt zu füttern. Ich finde es jedenfalls im höchsten Masse unapetitlich, wie er seinen Schuld und Sühne Komplex öffentlich dadurch auslebt, diesem ganzen Unsinn auch noch zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, als er eh schon hat.

    Aber wenn du hier schon Links zu rassistischen und homophoben Webseiten stehen lässt, versteht du das mit der Aufmerksamkeitsökonomie wahrscheinlich nicht.

  16. georgi Januar 24, 2011 um 12:45 pm

    Meinen Beitrag hat offensichtlich der Hund gefressen. Darum alles noch mal:

    von momos Fundstelle:

    wow. die atemberaubende argumentationskette, queerfeminist_innen wollen mit der dekonstruktion des subjektes* uns aller individualität berauben und sind deshalb schon die neuen nazifaschisten, raubte mir die luft, die eh schon knapp war. schlimm, denn wenn diese queers uns unseres geschlechtes berauben würden, würden sie ja unser wesen zerstören. ganz grosses kino! und suicide-bomber sind eh die besseren dekonstruktivisten.

    Tja, Pech gehabt! Diesmal trifft es ausgerechnet die Queer-Feministen. Sie wurden zu Faschisten dekonstruiert. Na so was! Und die Queer-Theoretiker können sich nicht einmal dagegen wehren. Ist ihr Zeug doch auch nichts anderes als postmoderne Philosophie. Das hatten wir aber alles schon mal durchgesprochen mit hf99, genova68 etc. So wie Loellie sehe ich das ganze auch:

    Ehrlich gesagt sind die mir allesammt zu durchgeknallt

    Leider verderben diese typischen merkwürdigen Diskussionen wie die Martin Dornis‘ das Außenbild der Linken und möglicherweise auch das der zeitgenössischen französischen Philosophen. Und dieser Physiker, dieser Sokal, fühlte sich bestimmt deshalb auch bemüßigt, seine tolldreisten Streiche mit diesen Philosophen zu treiben.

    Faßt die Begriffe „Okkultismus“ und „Esoterik“ nicht so eng! Ich habe keine Lust, mich mit irgendwelchem Unfug wie Theosophie oder Rosenkreutzertum zu beschäftigen, nur um verschiedene Sorten vernunft-, wissenschafts- und logikfeindlicher Argumentation auseinanderhalten zu können. Hegel denkt bestimmt nicht so vernünftig. Da habt ihr ja recht. Andererseits habe ich doch das Gefühl, daß viele Streithammel einfach seine Terminologie für ihre unguten Zwecke mißbrauchen. So ähnlich treiben es ja auch die Esoteriker, Scharlatane und Betrüger mit der Terminologie der Physik, indem sie dauernd die Vokabeln „Energie“, „Kraftfelder“, „Information“, „Materie“ u. dergl. in den Mund nehmen.

  17. che2001 Januar 24, 2011 um 3:17 pm

    Schön finde ich jedenfalls diese Sentenz von Tee:

    wow. die atemberaubende argumentationskette, queerfeminist_innen wollen mit der dekonstruktion des subjektes* uns aller individualität berauben und sind deshalb schon die neuen nazifaschisten, raubte mir die luft, die eh schon knapp war. schlimm, denn wenn diese queers uns unseres geschlechtes berauben würden, würden sie ja unser wesen zerstören. ganz grosses kino! und suicide-bomber sind eh die besseren dekonstruktivisten.

  18. georgi Januar 24, 2011 um 3:28 pm

    Hallo momo!

    Ich glaube, meine Beiträge werden von der Katz gefressen. Könntest Du mal bitte im SPAM-Filter nachsehen?

    Dieses Posting kann dann durch den Rost fallen.

  19. momorulez Januar 24, 2011 um 3:44 pm

    @Loellie:

    „Ich habe unbedingt Sympathien mit Rhizoms intellektueller Eitelkeit, aber vllt sollte er sich doch lieber mal durchficken lassen, anstatt den dicksten Brocken seiner Online-Zeit damit zu verschwenden, diese Trolle unentwegt zu füttern. Ich finde es jedenfalls im höchsten Masse unapetitlich, wie er seinen Schuld und Sühne Komplex öffentlich dadurch auslebt, diesem ganzen Unsinn auch noch zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, als er eh schon hat.“

    Den Scheiß lass ich nur stehen, weil Du es bist. Finde solche Sprüche wie „mal ordentlich durchgefickt werden“ mindestens ebenso beknackt wie die Diagnose von „Schuld und Sühne“-Komplexen. Das mit dem „mehr Aufmerksamkeit verhelfen“ könntest Du genau so bei der Deiner eigenen Aufklärung bzgl. der Evangelikalen schreiben. Daher bin ich wohl eh zu doof in Fragen der Aufmerksamkeitsökonomie. Geh doch selbst lieber ficken anstatt hier blöd rumzupupen.

  20. momorulez Januar 24, 2011 um 3:52 pm

    @Goergi:

    So viel Mehrwert hat der frei geschaltete Kommentar aber nicht gebracht 😉 …

    @***:

    Würde mich ja an Deiner Herrschaftlichkeit gern laben, schweirig, wenn es bei einem solchen Einwurf belibt …

  21. Loellie Januar 24, 2011 um 4:03 pm

    Von Zuspruch seitens dieses Georgis muss ich mich dann doch in aller Form Distanzieren.

  22. Loellie Januar 24, 2011 um 4:18 pm

    Von Schuld und Sühne hat Rhizom in diesem Zusammenhang selbst geschrieben, das denk ich mir doch nicht aus und im Gegensatz zu ihm, häng ich nicht ständig bei den Evangelikalen rum, um die zu ermutigen und denen dabei zu noch mehr Seitenaufrufen zu verhelfen. Ich schreibe auch Namen nur dann aus, wenn es nicht anders geht, wegen google.

    Aber ich kann dich insofern beruhigen, dass die zunehmenden Aussetzer meines MacBooks Vorboten des nahenden dahinscheidens des Mainboards sind. Dann hat sichs meinerseits eh ausgepupt.

  23. che2001 Januar 24, 2011 um 7:35 pm

    Dass Tee dort drüben schreibt, die Conne-Island-Leute würden das Feeling der alte antideutschen Szene wiederherstellen wollen finde ich ja sehr spaßig. Vielleicht bin ich ja wirklich ein alter Sack, aber vor meinem inneren Horizont sind die ADs im heutigen Sinne des Wortes eine sehr neue Entwicklung, aus der nach erstaunlich kurzer Zeit die Luft raus ist. Ich kenne durchaus Linke, und zwar auch jüngere, die noch nichtmal mitbekommen haben dass es die gibt.

    BtW und die Wahrscheinlichkeit, dass die ein Geheimdienstprodukt sind besteht ja durchaus, aber sie zu behandeln wie NPDler halte ich dann doch für unangemessen. Die glauben sich ihren Scheiß ja selber und halten sich tatsächlich für konsequente Linke. Muss auch so etwas mit einem Reinheitsgefühl im kleinbürgerlichen Bewusstsein zu tun haben sich mit Israel zu identifizieren.

  24. tee Januar 24, 2011 um 8:01 pm

    naja che, antideutsch hiess in leipzig in den letzten 10 jahren einfach die stärkste politische strömung nach der spd. hier kennt sie deshalb einfach jede_r und wirkmächtig waren sie, so oder so, auch zur genüge.

  25. che2001 Januar 24, 2011 um 10:54 pm

    Es sind bei uns im Nordwesten (außer rund um die konkret-Redaktion) einfach völlig andere Verhältnisse. Es gibt seit 1990 Antideutsche, aber die haben mit den Bahamiten nur den Namen gemeinsam und sind durchaus antiimperialistisch orientiert. Das sind im Grunde Antinationale mit „Nie-wieder-Deutschland“-Parolen, aber ohne ein positives Verhältnis zu Israel, geschweige denn den USA. Und die Bezeichnung „Antiimps“ für antiimperialistische Linke kommt bei uns auch ganz merkwürdig, weil wir darunter die seit 1995 nicht mehr existente aktive UntzerstützerInnenszene der RAF verstehen.

  26. tee Januar 24, 2011 um 11:18 pm

    tja che, andere länder andere sitten 😉

  27. che2001 Januar 24, 2011 um 11:30 pm

    In the Deed, wie man auf English for Runaways sagt. Was Szenestrukturen angeht sind sowohl Fünfneuland als auch Bayern und BaWü für Bremer, Niedersachsen, Hamburger, Westfalen und Nordhessen gefühltes Ausland. Denke ja eh, dass Nordwestdeutschland soziokulturell mit NL und DK mehr Ähnlichkeiten hat als mit manchen Teilen der Toitschei. In Süddeutschland gibt es auch noch ML-Linke, wie sie hier seit so ca. 1985 nicht mehr existieren – abgesehen von der in Hannover und Braunschweig präsenten, aber isolierten MLPD.

  28. momorulez Januar 24, 2011 um 11:54 pm

    Ich finde ehrlich gesagt die Szene-Strukturen in diversen Landstrichen, In- und Ausländern nur hinsichtlich dessen relevant, wie es sein kann, dass so was wie die Antideutschen stärkste Gruppierung nach der SPD werden kann, woauchimmer. Kann ich mir jetzt sonstwie zusammen konstruieren, aber wieso denn, tee? Ob Che die nun in seiner linken Landkarte, die noch mal eine ganz andere ist als meine, spießbürgerliche, als verschwindend gering an Relevanz findet, verzeih mir, Che, ist angesichts dessen, dass ja einiges aus der Ecke durchaus in den medialen Mainstream wirkte und für mich als „links“ gar nicht denkbar ist, mal ab von den antinationalistischen Anfängen, vielleicht nicht so erheblich. Weil z.B. in einer Bezeichnung wie „Antiimps“ als Abwertende sich nun weit mehr verbirgt als szeneinterne Zuschreibungen.

  29. tee Januar 25, 2011 um 12:03 am

    Kann ich mir jetzt sonstwie zusammen konstruieren, aber wieso denn, tee?

    wieso was?

  30. momorulez Januar 25, 2011 um 12:11 am

    Wieso es sein kann, dass antideutsch in den letzten 10 Jahren in Leipzig die stärkste politische Strömung nach der SPD werden konnte. Nicht in dem Sinne, dass es niemand verhindert hat, nein, keineswegs, sondern in jenem, welche gesellschaftlichen Bedingungen es sind, die eine solche Ideolgie hoffähig machten. Der Kommentar von quentin bei Aftershow, den Du auch zitierst, läßt ja Alpträume wahr werden.

  31. che2001 Januar 25, 2011 um 12:38 am

    Nachdem ich in Bezug auf The Voice, ein Online-Forum von Flüchtlingen aus Westafrika, das dem, was ich so vertrete sehr nahe steht schon die Formulierung „Achtung! Antiimp-Alarm“ gelesen hatte halte ich allerdings (beileibe nicht nur deswegen) das antideutsche Antirassisten-Dissing für eine spezielle Form des Neorasissmus. Und das ist dann etwas, was von Antifas bekämpft gehört – und nicht etwa als eine Form von linken Standpunkten akzeptiert.

  32. momorulez Januar 25, 2011 um 12:51 am

    Ja, auch das meinte ich doch – weniger wichtig ist doch das „Szeneinterne“, sondern unter welchen Bedingungen sich welche Slogans verdichten und wieso „Antiimp“ IHALTLICH so gar nicht dazu taugt, nun „Alarm!“ zu rufen.

  33. tee Januar 25, 2011 um 1:03 am

    ok, hatte ich die frage doch schon richtig gedeutet. allerdings eine schwer zu beantwortende frage, da spielt enorm vieles mit rein. diese analyse kann und will ich jetzt aber nicht bringen.

    nur etwas vielleicht: die ideologie ist hier gut mitgewachsen, es fand sich hervorragender nährboden, denke ich. (wie sich in den neunzigern im osten überall und für vieles ein guter nährboden fand) ein hoher politisierungsgrad der zugezogenen in die alternativen stadtteile (was wiederum hauptsächlich in den hausbesetzungs-neunzigern seinen ursprung hat) und hoher studentischer anteil mischten sich mit der gallisches-dorf-attitüde im von nazis und rechter bürgerlicher „mitte“ umstellten leipzig. die scharfen gegensätze führten auch zu stärkerer abgrenzung vom rest der gesellschaft und die – anfänglich wichtige und korrekte – kritik der linken schlug hier ordentlich ein und machte sicher auch viel spass.

    woher es nun kam, dass namhafte und mittlerweile berühmt berüchtigte vordenker wie pünjer und dornis gerade im conne island platz fanden bzw. dort zu dem wuchsen, was sie heute sind, kann ich auch nicht sagen. sowas entwickelt sich eben beständig. aber das island war schon in den frühen neunzigern der szeneanlaufpunkt und hat sich immer mehr einfluss gesichert. mit diesem szenezentrum und dem akademischem personal wuchs das einfach alles. ich glaube, die meisten hier haben den schlamassel erst bemerkt, als es schon zu spät war. wenn 15jährige mädchen sich schon die spitznamen „moshe“ und toshe“ geben, dann müssen auch die intellektuellen köpfe der „bewegung“ langsam in den wahnsinn gleiten. die veranstaltung am freitag war ja glücklicherweise sowas wie die tür zum postantideutschen irrenhaus, die sie nun (hoffentlich) von innen schliessen.

  34. tee Januar 25, 2011 um 1:11 am

    Und das ist dann etwas, was von Antifas bekämpft gehört – und nicht etwa als eine Form von linken Standpunkten akzeptiert.

    stimmt. nur wenn es schon zu spät ist und man gegenüber der wirkmacht der protagonisten in der unterzahl ist, muss man tatsächlich vorsichtig, gar diplomatisch vorgehen. um die sog. hardcore-antideutschen tummelt(e) sich hier eben die ganze szene, deren ausläufer überall hin reichten. wenn du da eine veranstaltung mit den „anarchists against the wall“ machst oder hanloser zur buchvorstellung einlädst, hast du hinterher schon schlechte karten viele leute in folgende veranstaltungen zu kriegen. der grossteil der leute glaubt aber auch den verunglimpfungen und v.a. zuschreibungen a la „antiimp“ und meidet dann die vermeintlich regressiven läden.

  35. Nörgler Januar 25, 2011 um 9:00 am

    Wie schön, dass es das Grand Hotel Abgrund gibt – ein Ort des Friedens und der Harmonie.

  36. momorulez Januar 25, 2011 um 9:07 am

    Ah, Danke, tee! Ich frage so doof, weil man aus der Rostocker Richtung manchmal ähnliche Tendenzen mit bekommt. Und man sich dann ja schon fragt, ob da nicht einfach Fremdenfeindlichkeit, die in Landstrichen entstanden ist, wo noch nicht jeder mehr oder minder selbstverständlich mit Türken etc. in Nachbarschaft und Schule aufgewachsen ist, rationalisiert wird. Was nun gar nicht heißen soll, dass es im Westen nicht genau so viel rassistische Arschlöcher rum laufen, Verbrochenes schreiben ja auch solchen Müll, aber irgendwas IST in Leipzig oder Rostock, wie mir scheint, anders. Das ist ein extrem blödes Terrain, weil Du ja im Falle Ches auch zu recht allergisch auf eine Wessi-Arroganz reagierst, mag man so was eigentlich gar nicht schreiben. Da ich im Moment aber den Eindruck nicht los werde, dass in verschiedenen Terrains tatsächlich so was wie eine „Querfront“ zwischen links und rechts entsteht, ist dieser drüben zitierte Kommentar, wo jemand sagt, komm, lass uns doch zu Wilders bekennen, sinngemäss, der ist immerhin „westlich“, anders als diese faschistoiden Antira-QueerfeministInnen, nur ein weiteres Alarmsignal. Weil das nicht unter antideutschem Banner in pseudolinken und vermeintlich liberalen Zusammenhängen auch allerorten auftaucht und immer wirkt, als säßen überall Evangelikale, auch nicht-religiöse, die im Kulturkampf längst gewonnen haben. Die ja traditionell auch Israel instrumentalisiert haben, wie hierzulande Axel Springer auch.

    Auch diese „Sag mir wo Du stehst“, sorry, Kommentare bei Aftershow finde ich echt erschreckend ( da tauchen auch nicht zufällig alte Bekannte auf). Das, was Du über die Leipziger Szene schreibst, bestätigt ja meinen erschrockenen Eindruck.

  37. Nörgler Januar 25, 2011 um 10:13 am

    Wessi-Arroganz bei Che ist mir nicht aufgefallen.

  38. momorulez Januar 25, 2011 um 10:24 am

    Lass ihn das doch selber sagen 😉 … ich finde schon, dass es Arroganz ist, zu behaupten, man selbst sei ja mitten in der Linken, und „die da“ habe gar keiner wahr genommen. Das ist analog zur Initiativgruppe, die mich mal eben für irrelevant erklärt.

  39. clov Januar 25, 2011 um 10:31 am

    Nur kurz zu Sokal und zur Apologie der Physik …: Der
    „Elegante Unsinn“, den dieser Schmalspurtheoretiker verzapft hat,
    weil Physik ganz offensichtlich ein langweiliges Geschäft ist, hält
    nicht, was er verspricht. Die in dem Buch vorgetragene Kritik an
    postmodernen Haltungen ist keineswegs „elegant“ sondern einfach nur
    blöd. Ansonsten sehe ich in der Physik derzeit zwei konkurriende
    Energiebegriffe, die nicht miteinander vereinbar sind, vor allen
    Dingen deshalb, weil die modernere Quantenmechanik gegenüber der
    klassischen die Masse eines Teilchen meint vernachlässigen zu
    können. … und zur Dekonstruktion: Den Begriff hat hauptsächlich
    Derrida salonfähig gemacht, und er meinte damit eine Art der
    (Neu)Auseinandersetzung mit der Überlieferung in Absetzung von
    Heidegger und in Anschluß an den eher kryptischen Foucault. Alle
    drei vereinte die Skepsis an der Richtigkeit und Tauglichkeit
    vorhandener Überlieferung, wie die Hegelianer sie einfach fressen.
    Es handelt sich also bei der „Dekonstruktion“ um eine Art Methode
    mit zwei Schwachstellen: Einerseits wird wenig darüber gesagt, wie
    sie nun wirklich technisch funktioniert, und andererseits wird sie
    teilweise gegenüber anderen Zugängen überhöht. Was soll uns das
    sagen? Widersprüche gibts überall, nicht nur bei den
    Postmodernisten, in der Physik, auch in Leipzig! Und lest ja keinen
    Sokal, der hat sich die Buchidee nur ausgedacht, um seine
    Publikationsquote zu erfüllen! so long clov P.S.: Queertheorie? Ich
    sehe da keine Zukunftsperspektive. Oder fordern die mittlerweile ne
    Bodenreform? Ansonsten kommt Faschismus doch von „fasces“ oder
    nicht und meinte insbesondere diese Art kämpfender Männerbünde
    anfang des 20. Jahrhunderts. Ich sehe da also auch keine
    Verbindung. Also wenn, dann müsste man für rechte Queerbündeleien
    ja mal zumindest ein neues Wort erfinden. Aber stimmt ja, damit
    könnte man die Queeries nicht mehr so gut dissen …

  40. momorulez Januar 25, 2011 um 10:41 am

    Wie kommst Du denn jetzt auf faschistoide Queerbündlereien? Ich kann diesen Dreck echt nicht mehr lesen, den Wilhelm Reich und andere in die Welt gesetzt haben, um ihren Schwulenhass zu rationalisieren. Was für ein Schwachsinn kursiert eigentlich mittlerweile mit einer Pentranz, dass man sich glatt kompensatorisch auf der Stelle lustvoll penetrieren lassen möchte?

    Da fängste Deinen Kommentar ganz vernünftig an und landest in einem solchen Blödsinn. Es waren heterosexuelle „Hühnerzüchter“ (Foucault), die Juden, Schwule, Sinti und Roma vernichtet haben. Spießer wie Eichmann an ihren Schreibtischen. Im Sinne der Bodenreform in Osteuropa – „Volk braucht Raum“. Für Fortpflanzer mit Mutterkreuz.

  41. che2001 Januar 25, 2011 um 10:41 am

    Nein, das ist, wenn schon, Altersarroganz. Tee sagt es ja selber: Die letzten 10 Jahre. Das ist für mich „eben erst“. Ich lebe sehr stark in meiner eigenen Vergangenheit, würde, was selbst erlebte linke Geschichte angeht die letzten 35 Jahre insgesamt relevant finden (finde dann ja auch toll, den Alten Bolschewiken auf meinem Blog wiederzutreffen, über dessen Positionen wir uns zuletzt 1991 unterhalten hatten), könnte ohne Weitere ein1985 unterbrochenes interessantes Gespräch fortführen, nur, dass ich für so etwas keine Gesprächspartner finde und dazu kommt dann das Erstaunen darüber, dass die ADs in Leipzig eine Bedeutung hatten, die hier wirklich keiner mitbekommen hat. Ich als Blogger noch mehr als Andere – meine Erzählungen aus Bloggistan, etwa in Bezug auf das was Lysis so schrub über Antideutsche, wurden von meinen nicht-bloggenden Genossen ja eher mit schulterzuckender Gleichgültigkeit aufgenommen oder in Zweifel gezogen, dass es so etwas außerhalb von Blogwelten gäbe.

  42. che2001 Januar 25, 2011 um 10:59 am

    Ich habe tatsächlich beschlagene Antifas und Antiras aus Bremen, Göttingen und Hannover erlebt, die unter Antideutschen „Deutschland verrecke!“ rufende Punks verstanden und von der Bahama-mäßig antideutschen Bewegung bis heute nicht mitbekommen haben.

  43. momorulez Januar 25, 2011 um 11:30 am

    Dafür scheinen mir die aber exakt gegenteilig zu dem, als was sie sich ausgeben, nämlich „antideutsch“, geradezu Avantgarde derer zu sein , die es sich behaglich darin einrichten, dass nun die Schwulen, Schwarzen und „Araber“(incl. Perser und Türken, die Schwarzhaarigen halt,die man so auch auf antisemitischen Karrikaturen schon angucken konnte, damals, zu Zeiten des Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes) immer schon die Nazis waren, aber der aufrecht, adenauersch-westgebunden-aufgeklärte Deutsche doch nicht. Was ein Aberwitz. Deshalb können die so unwichtig ja nicht sein, das ist Mega-Trend. Das bißchen Kapitalismuskritik überliest man bei denen ja immer. Und die gibt es gerade aktuell auch von rechts.

    Zudem „Antiimp“ als abwertender Begriff, um beim „Volk braucht Raum“ zu bleiben, auch noch Geschichtsklitterung ist. Als wäre der zweite Weltkrieg nicht wegen imperialer Gelüste der Deutschen angezettelt worden. Bei Hannah Arendt ist noch ganz selbstverständlich „Imperialismus“ eines der zentralen Elemente totalitärer Bewegungen.

    Die sollten alle mal Frantz Fanon lesen, diese Pfeiffen.

  44. che2001 Januar 25, 2011 um 12:02 pm

    Dr. Dean hatte ja mal gemeint, hätten die Antideutschen zur Zeit von Kaiser Wilhelm gelebt wären sie Mitglieder im Flottenverein gewesen.

    BtW: Der Antiimp-Begriff hängt allerdings sehr eng an einem Imperialismusmodell, in dem Israel als Kolonialstaat und Implantat westlicher Interessen im Nahen Osten, als Frontmacht des Imperialismus und daher bekämpfenswert angesehen wird. Wie gesagt, das war die Sichtweise der RAF und auch vieler Palästinagruppen, in der projizierenden Wahrnehmung heutiger Antideutscher wird sie allen nicht-antideutschen Linken übergestülpt, obwohl das in dieser Zuspitzung kaum noch vertreten wird und z.B. der Neue Antiimperialismus sich mit völlig anderen, sozialen, Fragen beschäftigt.

  45. clov Januar 25, 2011 um 12:38 pm

    Bitte genau lesen!

    Ich hatte in meinem PS lediglich daran gezweifelt, dass:

    (A) Queeries als Faschisten bezeichnet werden können und
    (B) die Queertheorie eine politische Theorie mit ausreichender Reichweite zur Verfügung stellt. Deshalb der Kontrast zu tiefgreifenden Forderungen wie der einer Bodenreform. Btw: Die marxistische Forderung nach einer Bodenreform hat erstmal nichts mit nationalistischen Expansionsbestrebungen zu tun.

  46. Loellie Januar 25, 2011 um 12:59 pm

    Also ich seh da weit und breit nichts, was sich als Links bezeichnen könnte. Und ob die sich das selbst glauben ist doch auch nicht mein Problem.

    „Volk ohne Raum“ ist auch der Motor dieser Pro-Israelfolklore, wie man, im Gegensatz zu schwulen Geheimbünden, über die man wohl deshalb nicht weiss, dass es sie gibt, weil sie ja geheim sind, an genügend Ecken nachlesen kann.
    Den Link zu einem umfangreichen Essay in der NYTimes über das Spendenaufkommen für israelische Siedlungen habe ich leider vergeigt, interessant war dabei, dass die jüdische Gemeinde in den USA praktisch keine Rolle spielt. Einzige Ausnahme war, glaube ich die ADL, auch wenn es da im Vergleich um Peanuts geht. Der Backbone der Freunde Israels sieht so aus, weshalb ich ja immer vom Arisch-Evangelikalen-Komplex spreche:

    http://www.huffingtonpost.com/2011/01/13/sarah-palins-jewish-problem_n_808854.html

    “ … Aside from seeking mass conversion, the Apostles preach about the inevitable end times, and the hazard Jews face if they do not change their ways – to follow the fringe Christian Zionist agenda, which involves handing over their „control“ of the world to these Christian leaders. Part of that „moral“ Jewish transformation involves moving to Israel. …“

    Die MILF aus Alaska meint in einer Ansprache:
    „I believe that the Jewish settlements should be allowed to be expanded upon, because that population of Israel is, is going to grow. More and more Jewish people will be flocking to Israel in the days and weeks and months ahead… “

    Da bleibt kein Auge trocken und es ist ja nicht so, als hätte man das alles nicht schon einmal gehört. Diese ermm Gruppierung ist auch die eifrigste, wenn es darum geht, andere als Nazis zu bezeichnen, obwohl sie beim Thema Jude keine, nichtmal die dümmste Anti-Semitsche Verschwöhrungstheorie der Nazis auslassen. Das ist jetzt auch einer der Momente, an denen es mich wirklich ärgert, dass ich meinen Rant damals gegen diesen Pipes nicht mit Links bestückt gespeichert habe. Bleibt zu hoffen, dass diese Astroturfer aus Leipzig es mit dem offenen Geständniss eine rechtsextremistische Gruppierung zu sein ernst meinen.
    Ich sehe da auch einen klaren Zusammenhang zwischen dem sich abwenden der Regierung von den Marktextremisten, hin zu evangelikalen Fundamentalistenund Neuen Rechten.

    Nicht als Widerspruch oder Kritik gegen Tee, sondern als Ergänzung fällt mir seit Jahren auf, dass sich mir schon die Fussnägel hochrollen, wenn ich lese Professor Dr., Universität oder Institut (vor allem aus) Leipzig. Da scheint die Unterwanderung der bürgerlich-akademischen Klasse durch die Neue Rechte erheblich weiter fortgeschritten, als es uns, zumindest mir bewusst ist.

    Ob man die ADs nun direkt mit dem erstarken der Querfront gegen die Queerfront verantwortlich machen, bzw in Verbindung bringen kann, muss ja nicht mal gegeben sein. Ich denke eher, dass hier, Analog zum Anti-Semitismus im 3. Reich, flächendeckend vorhandene Ressentiments hochkommen und entsprechend genutzt werden.

  47. momorulez Januar 25, 2011 um 1:32 pm

    @clov:

    zu a.) finde ich nicht, dass man das „bezweifeln“, sondern vehement zurück weisen muss.
    zu b.) das ist eine Theorie mit einer anderen Fragestellung, weil die weltumfassende Revolutionstheorie ja irgendwie abhanden gekommen ist. Es ist nur mittlerweile wieder üblich geworden, mit dem Verweis auf die Erfordernisse soziökonomischen Wandels Schwule zu bashen oder für letztlich egal zu erklären, und auch das würde ich dezidiert zurück weisen.

    @Che:

    Ich kenne ja diese RAF-Perspektive und übrigens auch, dass das nun tatsächlich von Islamisten adaptiert wurde. Das Problem ist doch aber, dass mit Antiimp als Begriff JEGLICHE Beschäftigung mit Imperialismus und Kolonisation diskreditiert wird. Und das geht mir mittlerweile schwer auf die Nerven, dass jede Menge junger insbesondere Ossis ernsthaft glauben, dass ihre Ersatz-Arier-Fantasien, die sie mißbräuchlich in Juden hinein fantasieren, ein linker Politikansatz wäre, der ggf. auch mit der Entmündigung, Unterjochung etc. von Schwarzen und „Schwarzhaarigen“ (Chinaski) einher zu gehen habe. Da geht man mit jemandem durch Berlin, der jede arabische Schrift als „Nazi“ und „antisemitisch“ deutet, obwohl er sie nicht lesen kann. Oder es wird behauptet, dass es doch gut und beruhigend sei, dass in Afghanistan „westliche Truppen“ seien. Das geht ja weit über die „Antiimp“-Ursprungsverwendung hinaus.

    @Loellie:

    Ich weiß immer nicht so recht, ob man nun unbedingt aus Deutschland oder der Schweiz sich über die Lage in Israel austauschen sollte. Das hilft nun auch keinem Palästinenser und auch keinem Israeli, wenn man das in Mittelpunkt von Diskussionen stellt. Das ist einfach zu belegt, und da schießen dann Antisemitismen, Philsosetismen usw. geradezu zwangsläufig wie Pilze aus dem Boden. Ich halte das hier gar nicht wirklich für diskutierbar, weil’s nun mal unsere Väter, Großväter, Urgroßväter waren, die Auschwitz betrieben haben.

    Zum Rest stimme ich Dir zu, wie hier rechts und evangelikal angefüttert Israel instrumentalsiert wird, das muss schon Thema sein,und da kann man diskutierend auch Öffentlichkeiten dann generieren, wenn man direkt in die USA guckt, weil das mittelbare Wirkung auf das hiesige politische Klima hat.

  48. T.Albert Januar 25, 2011 um 2:10 pm

    was hat denn die Lichtmetapher mit Okkultismus zu tun? Irgendwelche Okkultisten beziehen sich auf die Lichtmetapher, ja.
    Mannmannmann.
    Ja, man sollte die ganze abendländische Kunstgeschichte mal gründlich entrümpeln, mitsamt ihren Quellen Thora, AT, Koran. Das machen wir woanders ja auch, wie mit den afghanischen Buddhastatuen, denen die Taliban dann den Rest gegeben haben, was uns so aufgeregt hat.

  49. Loellie Januar 25, 2011 um 2:25 pm

    Den ersten Absatz an mich versteh ich gerade überhaupt nicht, weil ich mich nicht nur nicht zur Lage in Israel geäussert habe, sondern im Gegenteil aufzeige, dass die Interessen Israels und die der nichtisraelisch-nichtjüdischen Pro-Israel-Lobby wenig bis nichts miteinander zu tun haben.

    Was ich glatt anzumerken vergessen habe ist, dass der Siedlungsbau auch deshalb unterstützt wird, weil, wenn Obama zB die Siedlungspolitik Israels verurteilt, er damit den First Nations Argumente für Reparationen an die Hand gibt. Die mögliche Forderung nach Reparationen seitens Schwarzer ist widerum einer der Gründe, weshalb „Affirmative Action“ unter dauerbeschuss steht, weil das ebenfalls als Schuldeingeständnis gewertet wird.
    Manchmal macht mich der Versuch diese ganzen Argumentationsmuster und Begründungsmodi zu entwirren ganz wuschig im Kopf, und ja, Schröder-Köhler hat diesen ganzen Wahnsinn gestern mal wieder souverän getopt.

    Und am Rande, soo binnenspezifisch finde ich Ches Darstellung garnicht. „Nie wieder Deutschland“ war im damaligen Kontext ja richtig.

  50. che2001 Januar 25, 2011 um 2:47 pm

    @T.Albert: „was hat denn die Lichtmetapher mit Okkultismus zu tun?“ — Dem Okkultismus liegen ursprünglich hermetisch-gnostische Lehren zugrunde, bei denen sowohl das „Wie oben, so auch unten“ als auch die Vorstellung eines ewigen Urlichts, aus dem die Menschen in die vergängliche Welt gefallen seien von zentraler Bedeutung waren. Die klassischen Okkultisten wie Andraea, Blavatsky oder Steiner traten sogar mit dem Anspruch auf, dies sei der eigentliche Wahrheitskern hinter den Religionen, auf den sie exklusiv Zugriff hätten. Ist schon ein herber Kontrast, solche Ideen neben Queer Theory oder Feminismus zu stellen.

    @Loellie: Du sagst es. Die sektenhafte Entwicklung, die ein Teil der Antideutschen nach 2001, ausgelöst vor Allem durch 9.11. genommen hat ist etwas ganz Anderes als die ursprüngliche, gegen Vereinigungstaumel und dann die Remilitarisierung der deutschen Außenpolitik gerichtete Haltung.

  51. momorulez Januar 25, 2011 um 3:41 pm

    Na, gegen den Vereinigungstaumel, die vermeintliche „Wieder“-Vereinigung und für „Nie wieder Deutschland“ war ich ja auch. Und mir ging es darum, „Antiimp“ nicht auf die RAF-Perspektive zu verengen, wenn man „antiimperialistisch“ als Begriff, nicht als Bezeichnung einer spezifischen linken Gruppe versteht. Und der Hinweis bzgl. Israel war vielleicht auch allgemein gemeint, nicht dass das hier los geht und wir den Siedlungsbau diskutieren, weil die Diskussion dann in irgendwelchen Bekenntnissen endet.

    Schröder-Köhler habe ich gar nicht mit bekommen gestern 😦 … und die Frage der Reparationszahlungen ist erheblich, in der Tat. Man wird da auch wirklich wuschig im Kopf, weil das alles so irre ist. Aftershow twitterte mir eben zu, einer seiner, ja, Gott, Mitdiskutanten hätte neulich Stalin zum Postmodernen erklärt. Und diese Kombi Postmoderne-Kritik, Intellektuellenfeindlichkeit und Homophobie geht mir langsam so was von auf den Geist – womit ich jetzt nicht jeden Postmoderne-Kritiker zum Homophoben erklären will. Da kann man ja auch begründet kritisieren.

  52. Loellie Januar 25, 2011 um 4:46 pm

    Bei der Schröder muss ich die Waffen strecken. Das krieg ich nichtmal nacherzählt, geschweige denn interpretiert.

    „Aus meiner Kenntnis und durch meine Kontakte zur Frauenfußball-Nationalelf habe ich das Gefühl gewonnen, dass es inzwischen bei den Spielerinnen einen großen Stolz darüber gibt, gerade auch mit kritischen Themen wie Homosexualität unverkrampfter umzugehen als männliche Spieler“, sagte die 32-jährige Politikerin aus Hessen. Für die Männer sei „der Weg in die Öffentlichkeit aktuell vielleicht noch schwieriger als für weibliche“.

    Grund für die Zurückhaltung seien teilweise „sehr seltsame Vorurteile“, erklärte Schröder. Obwohl sich in Deutschland noch kein einziger Spitzenfußballer während seiner Profikarriere geoutet hatte, glaube sie aber nicht, „dass unsere Gesellschaft tatsächlich ein Problem im Umgang mit homosexuellen Fußballprofis“ habe.“

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=13557

    Das könnte man jetzt auch so lesen, dass Schwule Fussballer das seltsame Vorurteil pflegen, die Gesellschaft sei homophob. Oder wie? So bekloppt wie „meine“ Amis auch sein mögen, Schröders Aussagen kann ich lediglich mit Verwunderung zur Kenntnis nehmen. Bahnhof.

  53. momorulez Januar 25, 2011 um 4:57 pm

    „Das könnte man jetzt auch so lesen, dass Schwule Fussballer das seltsame Vorurteil pflegen, die Gesellschaft sei homophob.“

    Jetzt bin ich gerade in einem hysterischen Lachkrampf unter meinem Schreibtisch zusammen gebrochen 😀 …

  54. che2001 Januar 25, 2011 um 5:14 pm

    @“Na, gegen den Vereinigungstaumel, die vermeintliche „Wieder“-Vereinigung und für „Nie wieder Deutschland“ war ich ja auch. Und mir ging es darum, „Antiimp“ nicht auf die RAF-Perspektive zu verengen, wenn man „antiimperialistisch“ als Begriff, nicht als Bezeichnung einer spezifischen linken Gruppe versteht. Und der Hinweis bzgl. Israel war vielleicht auch allgemein gemeint,“ —- völlig d´ccord in all diesen Dingen, im Grunde war ich selbst auch Antideutscher im ursprünglichen Sinne des Begriffs. Es geht halt darum, was später draus gemacht wurde. Und da ist der RAF-Antiimperialismus ein probates Mittel, um antiimperialistische Positionen insgesamt möglichst wirkungsvoll zu stigmatisieren.

  55. Loellie Januar 25, 2011 um 6:32 pm

    „Jetzt bin ich gerade in einem hysterischen Lachkrampf unter meinem Schreibtisch zusammen gebrochen 😀 …“

    Dabei war das reine die Verzweiflung die das schrub. Danke fürs drauf hin weisen und mitlachen lassen. Ich hoffe du konntest dich unverletzt wieder von unterm Schreibtisch befreien 😀

  56. che2001 Januar 25, 2011 um 7:08 pm

    Wahrscheinlich ist Frau Köhler auch der Auffassung, Homophobie sei in dieser Gesellschaft so selten, dass man eigens abgerichtete Schnüffelhunde bräuchte um sie aufzuspüren. Und wenn ein Nazi **** verrecke brüllt schüttelt sie mit großen Rehaugen den Kopf und meint, das gehöre sich doch nicht.

    Stalin war in dem Sinne postmodern, als dass das Organisationsmodell für die stalinistische Zwangswirtschaft die Deutsche Reichspost darstellte. Wobei sich deren Aufbau aus der Sicht der an der Basis Aufbauenden post mortem vollzog.

  57. Nörgler Januar 25, 2011 um 8:53 pm

    Mein kleiner Beitrag zum Thema Homophobie:
    Unsere „linke“ und „feministische“ Frau Durchknall verwendet aktuell zum x-ten mal im Zusammenhang mit Heterosexualität/Fortpflanzung solche Wörter wie „normal“ und „Normalität“. Sie verteidigt wüst pöbelnd die Familienministerin gegen jegliche Kritik.
    Vor ein paar Wochen meinte sie: „Selbst Homosexuelle haben nicht selten einen Kinderwunsch und damit sind sie psychisch gesünder als jene, die Fortpflanzung verweigern.“
    Wir sehen: Nichtfortpflanzende Heten sind derart verkommen und krank, dass sogar Schwule es schaffen können, psychisch gesünder zu sein, als diese Heten.

  58. momorulez Januar 25, 2011 um 8:57 pm

    So kommt die Welt ins Gleichgewicht 😀 … das ist alles so dermaßen irre. Ich kann da auch gar nicht lesen. Das Schlimme ist, dass dieser durchgeknallte Kram meistens zeigt, wie der Mainstream wirklich denkt.

  59. ziggev Januar 26, 2011 um 10:33 am

    ist Fr. Schröder nicht jetzt in guter Erwartung? Wahrscheinlich glaubt sie, jetzt den Gegenbeweis angetreten zu haben, dass GV per se die Unterdrückung der Frau bedeute. Vielleicht sind wir sie jetzt als Politikerin los, na, mal abwarten. Und irgendwie hat sie recht. Jetzt, da sie sich fortgepflanzt hat – ich wünsche ihr natürlich viel Glück für ihre Schwangerschaft – bremst sie mich in meinen Gewaltphantasien, sie in Sachen Wunschdenken eines Besseren zu belehren. Nein, sie hat mich sogar überzeugt, angesichts ihres für sie alles rechtfertigenden Fortpflanzungswunschs, wird mir klar, dass ich ganz ohne machistischen Hintergedanken, auf ’natürliche‘ Weise sie aus dem Verkehr zu ziehen, sie einfach nur immer hatte zärtlich in den Arm nehmen wollen, um ihr zuzuflüstern: „mach dir keine sorgen, wird alles gut“. *seufz*

  60. ziggev Januar 26, 2011 um 10:50 am

    PS Oops, ‚alles rechtfertigenden‘ ist etwas etwas von der Spur, was den Kontext hier, Fussball, Homosexualität, angeht. Als Unterstellung, für s i e, und dann in Anführungszeichen, wärs wohl nochhingegangen. ziggev <- auf Wortwahl achten!

  61. che2001 Januar 26, 2011 um 12:43 pm

    Und implizit fordert die auch noch Zensur im Internet. Unglaublich.

  62. georgi Januar 26, 2011 um 3:12 pm

    Gut, Isi alias Madame Durchknall ist einem breiten Publikum im WWW schon unangenehm aufgefallen. Das, was sie vorbringt, ist aber meist nicht auf ihrem eigenen Mist gewachsen. Ich halte wenig davon, den von ihr vertretenen Feminismus in Gänsefüßchen zu setzen. Die Notwendigkeit politischer Zensur wird in weiten Teilen des Feminismus erhoben. Auf die Schnelle belegt u.a. das und das hier, wie bestimmte Teile der feministischen Bewegung dazu stehen. Ähnliche Belege, wie manche Feministen zu Ungarns neuem Mediengesetz und zur JMStV-Novelle stehen, müßten auch aufzutreiben sein.

  63. momorulez Januar 26, 2011 um 3:36 pm

    Ich würde Dir ja auch gar nicht dahingehend widersprechen, dass es am Feminismus, und gar dem in Isis Variante, nicht allerlei zu kristisieren gäbe – dass manche Züge an Schwarzers PorNo-Kampagne sich allenfalls graduell von denen der Evangelikalen unterscheiden und ihre Muslim-Diskreditierung von PI mit beifall bedacht wurde, enthebt einen allerdings nicht der Aufgabe, Sexismus-Kritik eben besser begründet zu betreiben. Und „Queerfeminismus“ ist noch mal ein ganz anderer Ansatz.

  64. che2001 Januar 26, 2011 um 4:57 pm

    Wie die PorNo-Kampagne in meinem Lebensumfeld ankam war dann nochmal platter, nämlich in der Variante „Ist doch OK, wenn Bukowski verboten wird.“ Das war dann schon nicht mehr die PorNo-Kampagne selbst, sondern diese wurde als Rechtfertigungsideologie für einen furchtbaren jakobinisch anmutenden moralischen Rigorismus genutzt. Aber das hat doch bitteschön hiermit nichts zu tun:

    http://www.feministische-oekonomiekritik.org/

    Im Gegenteil, da wird Kapitalismuskritik auf einer lebensweltlichen Ebene greifbar.

  65. che2001 Januar 26, 2011 um 5:50 pm

    Was heißt „erinnert sich noch jemand?“ Der Beitrag ist doch fast noch aktuell. Weiß allerdings nicht, was das noch mit feministischer Gesellschaftskritik zu tun haben sollte.

  66. ziggev Januar 26, 2011 um 7:14 pm

    Na, weil es mir dann doch schon sehr sehr lange her vorkommt, dass dieses „Oh, Porno, super, kein Problem“ mir ein Ableger des Mainstream zu sein schien.

    Dieser Porno-Super!-Mainstream, war ja wenigstens etwas, das in der (mehr oder weniger liberalen) Fernseh-Print-Öffentlichkeit stattfand, d.h. der konnte im selben Medium auf- und angegriffen werden. Auch wenn Barbara Gärtner in der SZ wohl kaum mit QueerTheorien hätte aufwarten können.

    Heute haben wir es nur mit dem Schwarzer/Schröder/Bild-Komplex zu tun, wenn es um die Fernseh-Print-Öffentlichkeit geht. D.h. eine Öffentlichkeit, an der man sich, sich dabei „liberal“ dünkend, beteiligen oder wenigstens informieren könnte, existiert gar nicht mehr.

    Andererseits habe ich dann irgendwann, google: „Hegemann Proust“ (rate mal, wo ich gelandet bin), aus lauter langer Weile angefangen, fast nur noch Blogs zu lesen, so dass ich heute nicht mehr sagen könnte, was nun Mainstream ist, den kenne ich gar nicht mehr „aus erster Hand“. D.H., dass ich auch nicht mehr erkennen kann, wo sich da Chancen auftun würden, Elemente von etwas, das den Namen „Gesellschaftskritik“ eher verdienen würde, zu plazieren. Und obwohl ich bei Weitem nicht in der Lage bin, das Spektrum solcher Ansätze auch nur entfernt zu überblicken, genau zu verstehen, und auch deshalb manchmal etwas skeptisch bin, wenn nun aus dieser „Ecke“ Diagnosen, was Mainstream ist, kommen, bin ich überzeugt, dass von dort wieder mehr Einfluss auf die Gesellschaft ausgeübt werden müsste, und bitte nicht von woanders her. Vielleicht irgendwie als „Pop“?

    Ich komme also von außerhalb. Nur, dass es dieses „Außerhalb“ gar nicht mehr gibt (ok., vielleicht nie gegeben hat). Da hab ich mich ganz gern an die Zeit erinnert, als mir die Situation noch anders erschien. Bei dem Kontrast, der sich etwa beim Vergleich mit einer Auseinandersetzung mit Isi ergibt, dachte ich, das wäre klar, und hatte es interessant gefunden dazu mal ein paar Meinungen zu hören.

  67. che2001 Januar 26, 2011 um 7:51 pm

    Ich habe von einem Porno-Super-Mainstream nie etwas mitbekommen, auch nicht davon, dass es den nicht mehr gäbe. Ich könnte den Unterschied zwischen der PorNo-Kampagne von 1988 und heute erfassen und die Tatsache, dass es in den mittleren 90ern mal angesagt war, Huren in Talkshows einzuladen, aber die Zwischenphasen habe ich nicht auf dem Radar.

  68. ziggev Januar 26, 2011 um 10:20 pm

    So ganz hab die ja auch nicht. Hier ein bunt durcheinandergewürfelter Ausschnitt:

    da gab´s zu erst die Alko“Pops“, Schüler, die sich bei sexuellen Handlungen filmen oder gefilmt werden, ein Mädchen, das sich in Italien wg. so eines veröffentlichten Videos umgebracht hat, dann „Besinnungsliteratur“, z.B. aus babtistisch-christilchen Kreisen (Bekanntschaft damit gemacht durch meine Tante – andere christliche Richtung in meiner Familie), Zeitungsberichte, inwiefern GV für jg. Mägchen schädlich ist (Infektionsgefahr, weil der Gebärmutterhals in irgendeiner anderen Position ist , FAZ, glaube ich), Fernsehberichte mit Sozialarbeiterinnen, „die müssen lernen, dass auch Zärtlichkeit dazugehört“ – wärend in DtL. gar keine „sexuelle Rev.“ stattgefunden hat, man, waren die 60er-70ger verklemmt, und dann wollen die unbedingt „helfen“ – SZ-Magazin mit Interview mit jungen Leuten, noch Schule oder knapp darüber, über Pornokonsum, Analsesx, Anzahl der „Nummern“ mit unterschiedlichen Partnern (verschieden, z.T. so 20 – 25), eine Dokumentation mit obigen Sozialtherapeuten mit reumütigen männlichen „pornoinfizierten“ Jugendlichen („ich hab halt so überall so rumgefickt“ oder weniger „dann halt die nächste“), Diskussionen, ob das nun schädlich sei (glaub DLF, Beckmann oder so) in der einer berichtete, irgendwann hätten die auch genug und würden was anderes probieren, ne Frau, die ich im vorbeigehen in der Gruppe sagte, „och, nicht schon wieder Sex“ (ok., nicht „ficken“, da hatte ich mich falsch erinnert), H&M-Plakate an Bushaltestellen f. BHs und so, der weibliche Körper am PC manipuliert oder mit dem Wuchs einer 14-Jährigen (Muskelaufbau etc.) aber sekundären Geschlechtsmerkmalen einer Ausgewachsenen, die Tochter der entführten Familie in „Dusk Till Dawn“ (Tarrantino), die genauso aussieht wie die auf dem Logo einer damals bekannten Teen-Porn Seite, ach, und dann gab´s ja noch den Künstler, der Pics vergrößert abmalte, Porno-Rap, Rape-Rap, so ein Produzent bei, glaub ich, Maischberger und Alice Schwarzer, die bei dem irgendwelche frauenfeindlichen Sachen oder so, Sadismus?, ausmachen wollte, aggressiv: „Sie wissen schon, was ich meine“, schien mir ein wenig ideologisch gefärbt, und der Kerl, superdoof, checkt gar nichts. Stichwort Pornographisierung der Gesellschaft. Es ist übrigens schwer möglich, das wissenschaftlich zu untersuchen, denn einmal fanden in Australien sich keine männlichen Teilnehmer, die keine Pornographie konsumierten … Es hatte ja, ich wiederhole mich, gar keine sexuelle Revolution stattgefunden, Kommune 1 – ich will raus hier, und dann das.

    Der Roll-back ließ natürlich nicht lange auf sich warten, da haben die „Porno,-super,-kein-Problem“-Feministinnen in Berlin so eine Affirmation-der-Affirmation-Sache versucht. Vermutlich nicht so ganz durchdacht, aber selber auf der Welle mitschwimmen wollen. Das war das letzte Mal, dass ich in der Nicht-Gegenöffentlichkeit noch mal was von Feminismus gehört habe. Schwarzer schreibt in der Zeitung mit den großen Buchstaben und dem nackten Mädchen auf der Rückseite. Deshalb der Link.

    Allerdings, einmal, einmal habe ich erlebt dass zwei punkige Mädchen, ganz in tiefschwarz – alles neue Sachen – zweien dieser Hübsche-Sachen-Hinguck-Konsummädchen im Bus beim Aussteigen gegenüberstanden und keinen Zweifel an ihrer Verachtung zeigten. Ich sags mal so: so ganz spurlos ist die Pornographisierung der Gesellschaft nicht an mir vorbeigegangen, und für mich war das ein schöner Moment. Werden diese nun alle, sind das nicht eher wenige?, poststrukturalistischen Texte, Butler, lesen, sich mit Gener-Studien, Queer-Theorie beschäftigen?

  69. momorulez Januar 26, 2011 um 11:28 pm

    Ziggev, Du wirfst da aber wirklich völlig unterschiedliche Phänomene in einen Topf. Natürlich gibt es sehr gute Gründe, auch die explizite und darauf reduzierte Darstellung sexueller Praktiken auch emanzipatorisch zu verstehen. Und das nennt man dann auch „Porno“. Da eine Positivbewertung vorzunehmen ist immer mal wieder bei einigen wenig trendy, zu denen ich mich auch zähle.

    Und der spießig-repressive, evangelikale und zumeist bildungsbürgerliche Gegendiskurs nutzt die Kampagnen gegen „Schmutz und Schund“ gerne dazu, ein sittenverlottertes und drogenverseuchtes, somit zu regulierendes Bild von Heranwachsenden und „Unterschichten“ gleichermaßen zu zeichnen.

    Umgekehrt gibt es auch immer sehr, sehr gute Gründe für eine sexismuskritische Herangehensweise an kommerzielle 0815-Pornographie, zumindest heterosexuelle und irgendwelche für Heten gemachten, vermeintlichen „Lesbenpornos“.

    Das ist in vielen Fällen sehr einfach, in anderen komplizierter zu beantworten. Dass „wir“ mittlerweile aber wieder verklemmter sind als noch ’95, das ist definitv so. Und natürlich prügelt man im Zuge des Rollbacks als erstes auf die „Devianten“ ein.

  70. ziggev Januar 26, 2011 um 11:48 pm

    ja, danke noch kurz vor 12 für die kurze Analyse.

  71. che2001 Januar 26, 2011 um 11:52 pm

    Wer genau sind die „wir“, die verklemmter sind als 1995? Den Höhepunkt der Verklemmung erlebte ich ja in den frühen 1990ern, und von einem Freund bekam ich kürzlich die Rückmeldung, dass die jungen Leute, die er in Hannover so kennt (jung heißt 20-30, erweitertes linke Szene-Umfeld) in einer Art und Weise unverkrampft und sexuell offen seien, wie er es in den 1990ern nie erlebt hätte. Deckt sich teilweise mit eigenen Erlebnissen und teilweise ganz und gar nicht. Hätte mit einer wirklich tollen und hocherotischen Frau im Bett landen können, wenn ich ihre Flirtsignale als Solche wahrgenommen hätte, hatte ich aber nicht, weil viel zu sehr in alten Anmache-ist-Aggression-Mustern aus meiner Szene-Zeit befangen war, andererseits kriege ich aber auch diese scheißvermehrerheteronormativ-Matrixen mit, bei denen verloren hat, wer jenseits 35 nicht fest verpartnert ist. Also, was genau ist defintiv so?

  72. momorulez Januar 27, 2011 um 12:04 am

    Kann immer nur vom abstrakten, sich im medialen und popkulturellen „Zeitgeist-Wir“ Manifestierenden sprechen, und da habe ich so ’87 bis ’95, ’96 als die offenste und unverklemmteste Zeit erlebt. So ab ’99 gab es trotz „Feuchtgebieten“ und so was einen klaren Rollback. Glaube, dass Du da eine Binnenwahrnehmung aus bestimmten linken Szenen verallgemeinerst, aus denen ich mich auch aus solchen Gründen so ab ’90 fern hielt.

  73. che2001 Januar 27, 2011 um 12:12 am

    Das kann gut sein, wobei „wer jenseits 35 nicht fest verpartnert ist“ sich allerdings auf die Zeit 2001 ff. bezieht. Die offenste und unverklemmteste Zeit erlebte ich 1983-88. Die Anderswahrnehmung meines Freundes über die Zeit jetzt finde ich aber interessant.

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