Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Reaktionsweisen auf Diskriminierung

Okay, dass Homosexualität nun gleich unweit der ETA verortet wird oder das „arrogante Zurschaustellen postmoderner Lebensstile der verzweifelten Dauersingles oder aufgeklärter Homoehepartner“, kurz: „Vermehrungsverweigerer“, per taz Verachtung erfährt, ist relativ neu. Man kann als weißer Homo-Mann sich zudem verstecken hinsichtlich der mehrheitsgesellschaftlich konstituierten Distintionsmerkmalen oder hinter den Bildungsbürgerattributen machtvoll verschanzen. Können Schwarze alles nicht, die werden als echte Düsseldorfer beim Zahnarzt schon mal gefragt, ob sie im Urlaub denn auch nach Hause fahren, und Düsseldorf ist mit dem Homeland nicht gemeint.

Interessant die Typisierung der Reaktionsweisen auf diskreditierende Muster der Mehrheitsgesellschaft im folgenden Artikel in DIE ZEIT:

„Bei ihren Gesprächspartnern hat Madubuko vier Strategien identifiziert: „Rückzug und Kampf“, „Rückhalt und Kampf“, „Verarbeitungskünstler“ und „Ethnisch Unabhängige“. Victoria ordnet sie der Gruppe „Rückhalt und Kampf“ zu. Die Diplom-Pädagogin litt lange unter den negativen Attributen, die ihr als Schwarzer zugeschrieben wurden, ignorierte oder verdrängte rassistische Hänseleien in der Schule, „Witze“ ihrer Kommilitonen. Und zeigte mit ihren Glanzleistungen allen, was in ihr steckt. Doch heute sei der Kampf für sie vorbei, erklärt Victoria – dank des Rückhalts, den ihr ihre Familie, ein afrodeutsches Netzwerk und eine von diesem vermittelte Therapeutin geben.

Dieser Rückhalt fehlt dem Typus „Rückzug und Kampf“. Diese Gruppe war von klein auf dem Rassismus ihrer Umgebung ausgesetzt. Ihren Eltern gelang es nicht, ihnen Stolz auf ihre ethnische Herkunft zu vermitteln, und sie rieten ihrem Kind zudem, über körperliche und seelische Misshandlungen hinwegzugehen. Eine schwache ethnische Identität und die Neigung, in jedem Deutschen einen Rassisten zu sehen, erzeugen in den Betroffenen Wut und Apathie, schreibt Madubuko.

Der Anwalt gehört in diese Gruppe, ebenso wie Martin, ein Kommunikationswissenschaftler. In einem Großunternehmen kündigte er nach drei Jahren, in denen er bei Beförderungen übergangen worden war und ständig Bemerkungen über „Neger“ ertragen musste.“

 

Fast möchte man antworten: „Da empfiehlt sich aber die Einzelprüfung, so weit sie das N-Wort betrifft, Martin!“ – das verstehen jedoch jene nicht, die Debatten in anderen Blogs nicht so regelmäßig verfolgen. Klar sollte sollte sein, dass jene, die mit eben diese Aussonderungspraktiven NICHT konfrontiert werden, auch nicht an ihnen kleben müssen, um letztlich durch sie subjektiviert zu werden durch den Zwang zur Bezugnahme auf die Muster.

Diese liberalen Standard-Entgegnungen „Wieso, alle Menschen sind doch gleich!“, „Deine (bitte ankreuzen a.) Hautfarbe b.) sexuelle Orientierung c.) Geschlecht scheint Dir aber sehr wichtig zu sein!“ negieren genau diese Erfahrungsdimensionen und reproduzieren so lediglich die stigmatsierende Struktur. Und wehe dem, der an ihr kratzt … das Repertoire reicht mittlerweile von Extremismus-Vorwürfen bis hin zur Unterstelllung ungezügelter Herrschaftsinteressen und Vernichtungswille gar. Warm anziehen ist angesagt.

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2 Antworten zu “Reaktionsweisen auf Diskriminierung

  1. ring2 Januar 21, 2011 um 9:49 pm

    Hinter mir am Nacktscannertest standen lauter mitrauchest aussehende Kerle mit Bart und Frauen. Ich aus Versehen und die anderen, damit sie nicht ausgiebig körperlich untersucht werden, nehme ich an. Bei genau diesem Text habe ich auch eingehakt, so treffend ich ihn ansonsten fand.

  2. momorulez Januar 21, 2011 um 9:52 pm

    Versteh ich nicht, was Du meinst 😦

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