Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Doppelzüngigkeit der „Spitzengremien“ des FC St. Pauli?

„Der FC St. Pauli will sein Stadion nicht umbenennen. Zumindest nicht sofort, wie Geschäftsleiter Michael Meeske sagt. 2008 stimmten die Mitglieder gegen einen Namensverkauf, die Vereinsführung stoppte Gespräche mit Unternehmen. Aber natürlich werde verinsintern weiter über einen Verkauf diskutiert, so Meeske. „Noch haben wir nicht zwingend den ökonomischen Druck.““

Präsident Orth gibt sich in der Tonalität versöhnlich, eine genaue Analyse der Aussagen hier – der Herr Meeske ist derweil damit beschäftigt, die Salami-Taktik der Spitzenökonomen im operativen Sektor des Vereins weiter voran zu treiben, wenn auch als „Worst Case-Szenario“ getarnt. Keiner weiß, wann er von SpOn befragt wurde – dass nichtsdestotrotz es so wirkt, als wolle er den Präsidenten des Lippenbekenntnisses bezichtigen, spricht auch nicht für die vereinsinterne Kommunikation.

Nachtrag: Hier nochmal das Ganze in differenzierterer Form aus einer anderen Quelle:

„Wiederum anders stellt sich die Situation beim FC St. Pauli dar. Die „Kiezkicker“ sehen sich selbst als einen „rebellischen Fußballverein“, der nichtsdestotrotz „mehr als nur Fußball ist“ pointierte  der Geschäftsführer des FC St. Pauli, Michael Meeske. Aufgrund der Vereins-Philosophie verzichte man auf diverse kommerzielle Elemente wie beispielsweise die in Stadien längst üblichen „presenterships“, wozu unter anderem die namentliche Nennung von Sponsoren durch den Stadiensprecher bei Auswechslungen oder auch auf den Anzeigetafeln zählen. Gerade wegen der starken Anhängerschaft, die ein erhebliches Mitspracherecht im Verein genieße, sehe man das Stadion als Heimstätte eines Lebensgefühls. Ein Stadionname wie „easycredit Arena“ sei am Millerntor daher undenkbar. Trotz des Verzichts diverser Werbeplattformen ließ Meeske durchblicken, dass sich die Vereinsführung durchaus nach einem passenden Partner für die Namensrechte an der Sportstätte am Millerntor umgesehen hatte, jedoch auf der Mitgliederversammlung 2008 ein von einigen Fan-Vertretern angeregtes  „Naming-Right-Verbot“ beschlossen wurde. Dies werde man nun „mittel- bis langfristig“ zu akzeptieren haben und sich satzungsgemäß verhalten. Natürlich wirken sich solche Einschränkungen bei der Vermarktung deutlich auf das Budget des Vereins aus, was vor allem zu Spielzeiten in der 2. Liga für eine gewisse „finanzielle Unsicherheit“ sorgte, stellte Meeske mit Bedauern fest. Jetzt in der ersten Liga angekommen, mache der Verein sich dies zu nutzen. So sei St. Pauli konsistenter Marktführer im „Kampf gegen das Fußball-Establishment“ und könne mit dieser Strategie zumindest bei Fans und Anhängern punkten.“

Da schüttelt es mich allerdings trotzdem, weil aus INHALTEN Strategien werden und das Bedauern offenkundig ist. Nee, ich halte an der Überschrift fest. So kann man Modemarken denken, aber nicht den FC St. Pauli. Ich hätte da schon gern Überzeugungstäter.

 

NOCH EIN NACHTRAG, WICHTIG:

„Hierzu stellt FC St. Pauli-Geschäftsführer Michael Meeske klar: „Spätestens seit dem Beschluss der Mitgliederversammlung 2007 haben wir keinen Gedanken daran verschwendet, den Namen des Millerntor-Stadion zu verkaufen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. In dieser Sache haben die Mitglieder das letzte Wort.“

Dann ändere ich mal die Überschrift … da gilt die Primärquelle.

9 Antworten zu “Doppelzüngigkeit der „Spitzengremien“ des FC St. Pauli?

  1. kleinertod Januar 21, 2011 um 1:39 pm

    Die Meesce-Aussage ist wohl schon etwas älter, hatte sowas jedenfalls schon Ende Dezember gefunden und, soweit ich weiß, verlinkt. NOCH steht das Thema ja nicht an, würde aber Proteste von bislang ungeahnten Ausmaßen nach sich ziehen. Was aber deutlich wird: der Mann ist untragbar. Mit solchen Ideen auch nur zu spielen und dabei wissentlich in Kauf zu nehmen, jeden alten Fan, der mit dem Herzen seit Jahr(zehnt)en dabei ist, zu vergrätzen, das zeigt doch nur, daß er beim falschen Verein ist. Wobei ich seine wirtschaftliche Kompetenz nicht in Frage stellen will – dazu weiß ich zu wenig – aber eben sein Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem, wofür der Verein steht (und fällt, ohne eben dieses).

  2. momorulez Januar 21, 2011 um 3:03 pm

    Wusste jetzt ja auch nicht, ob das sozusagen „kompiliert“ war von SpOn oder ein neues Interview – so ist es nicht ganz so illoyal Orth gegenüber, aber inhaltlich halt der Hammer. Eigene Vorgaben werden als alternativlos und unabänderlich abgetan, und die Beschlüsse der JHV unter Vorbehalt gestellt, was ist denn das für ein Stil.

    Und was heißt „wirtschaftliche Kompetenz“? Das formal-betriebswirtschaftliche Wissen wird er schon haben, und auch wenn das ab einer gewissen Größenordnung nicht mehr jeder kann, so gibt es trotzdem immer noch genug Qualifizierte, die so was machen können.

    Und ob man nun auf kurzfristigen Gewinn aus ist oder auf langfristige „Kundenbindung“, das sind je unterschiedliche Know-Hows. Die „Ökonomen“ unserer Generation sind da teilweise mit hanebüchenen Parametern, die alles andere als nachhaltig sind, aufgewachsen und wirken ja zumeist eher destruktiv. Kenn da nun einige, die auch sehr großen Läden vorstanden – und die, die eher aus der Marketing/Investmentbanking-Ecke, sehr grob gesprochen, kommen, schaffen es, jeden Laden vor die Wand zu fahren und selbst noch davon zu profitieren. Die sind oft sehr rational, klar und freundlich im Umgang, formalisieren aber alles weg und sind de facto unfähig, zwischen Schraubenproduktion und einem Medienunternehmen z.B. zu unterscheiden. Das ist auch das Klientel von dem Stenger, der hält denen dann Vorträge über die steuerliche Behandlung von Private Equity-Fonds-gesteuerten Unternehmen, wenn ich das richtig gelesen habe. Da sind mir die alten, egomanischen Patriarchen-Selbstdarsteller-Unternehmer, die aber mit Herzblut dabei sind, echt lieber.

    Weiß jetzt nix über den Background von Meeske, aber der kommt mir schon vor wie einer dieser 90er-Jahre-Gewächse, die im Inhaltsleeren fischen. Und finde ihn tatsächlich auch untragbar. Habe noch kein Wort von dem gelesen, über das ich mich nicht aufgeregt hätte.

  3. momorulez Januar 21, 2011 um 10:19 pm

    „Nach seinem Abschluss als Diplom-Sozialwirt an der Georg August-Universität Göttingen war Michael Meeske zunächst als Consultant in der strategischen Markenführung tätig. 2000 übernahm er als Marketing-Manager der Sportwelt Beteiligungs GmbH u.a. die Geschäftsführung des 1. FC Dynamo Dresden Sportwerbegesellschaft, bevor er als Leiter Marketing zu der Hannover 96 Sales & Service GmbH wechselte. Seit 2005 ist Michael Meeske in der Geschäftsleitung des FC St. Pauli von 1910 e.V. und Geschäftsführer der verbundenen Unternehmen“

    Von hier:

    http://blog.marketingverband.de/michael-meeske

    Also weder Investmentbanker noch in „klassischen Unternehmen“ sozialisierter BWLer (was Orth, glaube ich, ist?), sondern Diplom-Sozialwirt, was immer das ist, mit Marketing-Praxis. Da erstaunt dieses formalisierende Vokabular nicht und das, was der Ständige Fanausschuss als Kerndifferenz postuliert, ebenso wenig. Und dann noch ein Jurist wie Stenger, das muss ja schief gehen 😀 (sorry, Kleiner Tod, ich weiß, dass es auch da solche und solche gibt, mein Vater war Richter). Meeskes Frau ist anderen Quellen zufolge bei einem der grössten europäischen Sportvermarkter, was ja passieren kann.

    Bemerkenswert, dass mich zu Cornys Zeiten das gar nicht weiter interessiert hat. Seitdem er (scheinbar) weg ist, fühle ich mich immer wie damals, als mein ehemaliger Arbeitgeber das Unternehmen erst an die Börse brachte und dann an einen Private Equity-Fonds verschacherte, was der Anfang vom Ende des Unternehmens war, wenn ich Leuten wie Michael Meeske lausche.

  4. Pingback: Ausblick: auswärts gegen 1899 Hoffenheim « KleinerTods FC St. Pauli Blog

  5. kleinertod Januar 22, 2011 um 5:53 pm

    An einer allgemeinen Juristenschelte werde ich mich nicht beteiligen, das ist mir wie sonstige überschlägige Abwertungen nach Gruppenkriterien zu billig. In diesem speziellen Fall sehe ich aber aufgrund des bisherigen Verhaltens durchaus guten Grund, die genannten Person zu kritisieren. Unser Ex-Präsident war ja eine Licht-(und Schatten-)gestalt auf ganz besondere, eigene Weise, bei dem um ihn herum viele einfach in der Wahrnehmung untergingen. Das kann ein Orth sicher nicht „leisten“, das scheint im Gegenteil zur Profilierung aus der zweiten Reihe geradezu anzustacheln. Sowas kann aber auch nach hinten losgehen, wie man ja sehen konnte. Der sofortige Widerruf zeigt mir aber, daß zumindest in der Öffentlichkeitsarbeit etwas gelernt wurde. Mal abwarten, was sich noch ergeben wird.

  6. momorulez Januar 22, 2011 um 6:02 pm

    Ging mir ja weniger um eine allgemeine Juristenschelte 😉
    – dass freilich es Verrechtlichungstendenzen gibt, die gekoppelt an
    ökonomische Interessen ziemlich finster sind, wirst Du wohl kaum
    bestreiten. Der Ferres-Mann ist da ja nur die Sptze des Eisberges.
    Auch, dass Gesellschaftsrechtler, Markenrechtler usw. zu sehr
    eigenwilligen Logiken tendieren und dabei auch noch ein
    Schweinegeld verdienen, das ist so selten nicht der Fall. In jedem
    etwas größeren Unternehmen kommen irgendwann die BWLer und Juristen
    und annektieren alle Anderen als zu beherrschende Umwelt, ganz, wie
    Luhmann das in Grundgedanken in seiner Systemtheorie ausgeführt hat.
    Bei aller Hochachtung vor der aktuellen
    Verfassungsgerichtssprechung oder Strafrechtsanwälten, die sich für
    „Asylanten“ oder kleine Yunkies einsetzen, ist das auch den
    Kontroversen im Verein aktuell nicht äußerlich.

  7. kleinertod Januar 24, 2011 um 11:23 am

    Man muß immer auch rechtlich und wirtschaftlich denken, wenn man mit diesen Gebieten irgendwie in Berührung kommt und nicht dabei untergehen möchte. Aber man muß auch das richtige Maß wahren, denn es gibt noch weitaus mehr Aspekte im Großen und Ganzen als jene Dinge. Und wenn einer hier die Gesamtschau aus den Augen verliert vor lauter Betriebsblindheit, dann ist er ein „Fachidiot“ und kein guter Vertreter seines Berufsstandes – ganz allgemein gesprochen. Solange dieser keine Entscheidungen für „das Ganze“ trifft, fällt dies aber auch nicht weiter störend auf, da dann halt andere berichtigend eingreifen und die Fachintelligenz dadurch nutzvoll verwenden können – fehlt das korrektive Element, dann ist so eine Person allerdings ein Problem.

    Traurig nur, daß diese Gedanken auf unseren geliebten Verein gerade Anwendung finden…

  8. hf99 Januar 26, 2011 um 1:04 pm

    Obwohl ne blöde HSV-Hete (ich bin ja Borderliner, ich darf das! 😉 ), war ich zu Beginn 90er häufiger und gerne im Millerntorstadion. Sorry, aber Werbedurchsagen hats damals schon gegeben, jedenfalls in den Pausen. Und dann ausgerechnet ua einen ehemaligen HSV-Trikotsponsor: „Hitachi – hätt ich gern!“ Allerdings sei strafmildernd angemerkt: Die Lustlosigkeit des Stadionsprechers war sympathisch-deutlich herauszuhören 😉

    Ne andere Frage ist, na klar, die nach dem richtigenimfalschenundsoweiter. Der FC St. Pauli ist ein Wirtschaftsunternehmen. Wie weit soll die Anpasserei gehen? Nun, ich bin immer noch HSV-Fan – kann man nix machen, ist leider so, krieg ich nicht raus -, und habe da sowieso keine Aktien drinne… Meine Haltung: Keine Rheinmetallwerbung, ansonsten…nun ja. Die Verbesserung der Welt dem BL-Club mit dem kleinsten Etat aufdrücken ist vielleicht auch etwas unfair.

    PS: Bleibt mal schön drinne. Und in zwei Spieltagen holt ihr gefälligst n Auswärtspunkt, mindestens! Siegen wär noch geiler. Siegen, und dann ins HSV-Forum gucken 😉

  9. momorulez Januar 26, 2011 um 2:36 pm

    Ich fänd Siegen auch cool 😉 – und ja, der FC St. Pauli ist sowohl ein Wirtschaftsunternehmen als auch ein im Viertel verwurzelter Verein. In beiden Fällen gilt aber, dass es klare Parameter gibt, was die INHALTE, nicht etwas „Markenkerne“ sind, was für die Auswahl von Werbemaßnahmen wie auch sonstigem Geschehen als außerökonomisches Kriterium für wirtschaftliches Handeln angesetzt werden MUSS meiner Ansicht nach. Was ja für die meisten Unternehmen mit überschaubarer Produktpallette gilt, dass die tunlichst nicht auf Felder wildern sollten, die im Gegensatz zu dem stehen, wofür die Firma steht. Der HSV ist eh so image-ruiniert, bei dem kommt es nicht so drauf an 😉 … es dürfen halt, auch als Antwort auf Kleiner Tod, die formaljuristischen Kriterien wie auch die ökonomischen Parameter nicht selbst Inhalt werden.

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