Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Sorry, George Grosz, musste sein …

… an Deine Bilder zu erinnern:

… weil die Haltung und das Selbsverständnis vermeintlicher „Eliten“ eben doch an jene Zeit erinnert, da Du Deine Bilder maltest. Bersarin hat ja recht – das aktuelle Traktat von Sloterdijk in DIE ZEIT ist so erbärmlich, dass es noch nicht mal mehr Sinn macht, das zu kritisieren. Die so called „Frankfurter Schule“ als erlöscht zu betrachten, so glaubt der raunende ZDF-Philosoph diagnostizieren zu können, dass sie das sei, das ist schon den geistigen Vorvätern des Professors aus Karlsruhe nicht gelungen, der sich so wortstark einmal mehr blamiert.

Dass trotzdem dieses publizistische Dauerfeuerwerk der Dummbratzen und Besitzstandswahrer gerade in Deutschland auf so fruchtbaren Boden fällt, erstaunt nicht – die Lösung „die Araber sind alle Nazis, aber wir doch nicht!“ ist psychologisch ebenso praktisch wie zu glauben, man habe „geleistet“, nur weil sich auf dem eigenen Konto Geld befindet. HarHarHar, bei Sartre heisst das „mauvoise fois“, Selbstbetrug, diese schiefen Selbstbilder, die in genau jene Unmenschlichkeit gegen alles vermeintlich „Schwache“ umschlägt, die Horkheimer und Adorno, unerloschen, in der „Dialektik der Aufklärung“ präzise beschreiben:

„Forscher sprechen gar von einem „eisigen Jargon der Verachtung durch die Eliten“.“ (via Chinaski/Twitter)

Wie war das noch in Webers Geburt des Kapitalismus aus dem Geiste des Protestantismus? Zwar weiß keiner, ob er zu den Auserwählten gehört, die nach dem Jüngsten Gericht das ewige Leben ernten werden, jämmerlicher Wohlstand jedoch dient als Indikator, es könne so sein. So produzieren sie jene innerweltliche Verdammnis, die Nazis dazu bringt, Obdachlose abzufackeln, und auch Tagesschau.de weiß treffend zu berichten:

„Zudem sprechen die Wissenschaftler von einer zunehmend „rohen Bürgerlichkeit“. Diese Rohheit zeichne sich dadurch aus, dass es infolge von ökonomischen wie gesellschaftlichen Kriseneffekten deutliche Hinweise auf eine „entsicherte wie entkultivierte Bürgerlichkeit“ gebe, die auch über „angeblich liberale Tages- und Wochenzeitungen“ verbreitet werde. Die neue Formel des Abbaus von sozialstaatlichem Anrecht auf Unterstützung laute: Gnade durch Wohlhabende und Selbstverantwortung der sozial Schwachen.“ (via ring2)

Nun braucht man gar keine Statistiken erheben, nein, auch in diesem Fall nicht – da würde die Lektüre ins Faschistoide umkippender, liberaler Blogs seit Jahren völlig ausreichen, um dieses miese Gebräu erschnüffeln zu können. So liefern die Forscher nämlich eine Gebrauchsanleitung für Aufstiegswillige in Banken und Parteien, die richtigen Stichworte für den Smalltalk beim Geburtstagsumtrunk in der Krankenkasse oder Heckenschneiden im Vorortidyll.

Herr Scheuerl wird die Partei dazu gründen, für all die Drecksäcke aus Othmarschen, mit denen Michael Meeske dann abends mutmasslich einen trinken geht …

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2 Antworten zu “Sorry, George Grosz, musste sein …

  1. bersarin Dezember 6, 2010 um 10:51 pm

    Das wollte ich eigentlich bereits gestern bei Dir geschrieben haben: Vergaß den Text dann aber auf dem „Desktop“:

    Auf Grosz kann man gar nicht oft genug hinweisen, auf daß die sogenannten, selbsternannten Eliten in ihrer Masken- und Fratzenhaftigkeit zum Abdruck gebracht werden. Die schenkende Tugend dürfen die Expropriateure durchaus bei den nächsten Lohnrunden oder wenn es um Geld für Stadtteile wie Neukölln, Kreuzberg, Wedding et al. geht, unter Beweis stellen. Zu unterstützende Dinge gibt es, so vermute ich, genügend.

  2. che2001 Dezember 6, 2010 um 11:16 pm

    Leute wie Grosz, Heartfield, den frühen Becher und Willy Bredl bräuchten wir heute wirklich.

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