Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die Zensoren marschieren und trampeln stiefelbewehrt alles platt, was lebendig ist

Bei Twitter ist der Aufruhr bereits gross, zu recht – die Evangelikalisierung der Republik schreitet fort. Da ist wohl davon auszugehen, dass sich das sehr direkt auch gegen schwule Inhalte richten wird und ich Netbitches Kommentare regelmässig entschärfen muss:

„Jugendmedienschutz-Staatvertrag heißt das Wortungetüm mit Gesetzeskraft. Er existiert seit dem Jahr 2003 und regelt den Jugendschutz in allen Medien, die in irgend einer Form “gesendet” werden – also zum Beispiel auch Blogs. Die Neuregelungen, die am dem 1. Januar 2011 gelten, sind so unglaublich verquast gestaltet, dass es für kleine Blogs eigentlich nur zwei Alternativen gibt: Sendezeiten oder eine Alterprüfung einführen oder das Blog gleich ganz dicht machen.

Besonders enttäuscht sind im Moment viele Blogger von den Grünen, die – obwohl bisher offiziell gegen den JMStV – in Nordrheinwestfalen dafür gestimmt haben.  Die haarsträubende Aussage “Wir sind weiterhin gegen den #JMStV, die Fraktion hat sich aufgrund parlamentarischer Zwänge anders entschlossen.” entwickelt sich gerade innerhalb kürzester Zeit zu einem Mem. „

 

Nachschlag:

Was in NRW offenbar nicht zu einer Ablehnung des JMStV führte, offene Briefe und die Aktivierung zumindest der netzpolitisch aufgeschlossenen Parteienvertreter, geht jetzt übrigens in Berlin weiter – gestern stand die Entwicklung dort etwas im Windschatten des NRW-Sturms. Aber auch in der Hauptstadt ist es „5 vor 12“, die Linke ist hier wie die Grünen in NRW „eigentlich“ gegen den Jugendmedien-Staatsvertrag, hat sich aber aus „taktischen Erwägungen“ in einer Vorabstimmung für die Ratifizierung ausgesprochen.

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83 Antworten zu “Die Zensoren marschieren und trampeln stiefelbewehrt alles platt, was lebendig ist

  1. MartinM Dezember 1, 2010 um 1:22 am

    Der JMStV ist ein weiterer Schritt in Richtung Polizeistaat. Aber da die beteiligten Politiker und Juristen nicht den geringsten Schimmer haben, wie das Internet eigentlich funktioniert, ist es für die meisten Communities, Blogger, Twitterer, private Meinungsäußerungen, politische Arbeit und Kommunikation im Internet gar nicht anwendbar.
    Die große Gefahr für die Meinungsfreiheit liegt darin, bei einer bloß „abstrakten Gefahr“
    (siehe:
    http://www.lawblog.de/index.php/archives/2010/12/01/warum-blogger-gelassen-bleiben-konnen/ ) gleich den Schwanz einzuziehen und aufzugeben. Wer zu früh aufgibt der arbeitet einer politischen Kaste, die Angst vor dem eigenen Volk hat, unbeabsichtig entgegen!
    Netbitches Kommentare brauchst Du auch künftig nicht entschärfen.

  2. momorulez Dezember 1, 2010 um 9:36 am

    Ich hatte das auch nicht vor, da ich die für künstlerisch wertvoll, nicht für pornographisch halte 😉 – das sind nichtsdestotrotz so gummihafte Paragraphenwerke, die mit Vorliebe gerade gegen die Devianten Anwendung finden. Übrigens angesichts des ersten Paragraphen durchaus auch im Falle von Religionskritik, wie auch Du sie betreibst – wohingegen der übrigens, wie mittlerweile trendy, zwar Rassismus geißelt, nicht jedoch Hass gegen Schwule.

    Insofern glaube ich im Gegensatz zu Lawblog und anderen Juristen, dass, wenn der politische Wille da ist, gerade unter dem Vorwand des „Jugendschutzes“ so richtig evangelikal hingelangt werden kann, und das auch nur eine Frage der Zeit ist, bis das passieren wird. Die baltischen Staaten machen ja schon mal vor, wie man das macht.

  3. che2001 Dezember 1, 2010 um 9:49 am

    Also mein Blog gilt in Österreich als „jugendgefährdend“ und ist für Zugänge aus kommunalen und Landesnetzwerken gesperrt.

  4. Nörgler Dezember 1, 2010 um 11:22 am

    Jede ernsthafte Wahrnehmung des Bildungsauftrages ist nun mal immer eine Gefährdung der Halbbildung.

  5. momorulez Dezember 1, 2010 um 11:36 am

    Na, Karsten, der Grund Deines Austritts aus der FDP fällt aber auch unter „jugendgefährdend“ … stell Dir mal dieses unfassbare Jugenddrama vor, deshalb würde jemand schwul! Das kannst Du den Kids doch nicht antun! Die sind doch völlig verstört, wenn sie hören, dass Männer mit Männern leben!

  6. Karsten Dezember 1, 2010 um 11:51 am

    @mr:
    Ich teile die allgemeine Empörung, sehe aber kaum Möglichkeiten außer Sarkasmus, gegen diesen seltsamen Vertrag anzugehen.

  7. David Dezember 1, 2010 um 3:57 pm

    stell Dir mal dieses unfassbare Jugenddrama vor, deshalb würde jemand schwul!

    Homosexualität ist der Naturzustand des Menschen, außerhalb dessen er (unabdingbar für die Erhaltung der Art!!!) nur durch Disziplinierung, strenge Moral und Obskurantismus erhalten werden kann. Das setzen diese Argumente ziemlich eindeutig voraus. Nur weil man das weiß, meint man auch ständig betonen zu müssen, wie wunderbar natürlich die paradiesische Heterosexualität doch sei. Das ist ähnlich wie bei Staaten, die „demokratisch“ schon im Namen führen.
    Die allgemein unbezweifelte Natürlichkeit des Brechreizes nach zu viel Doppelkorn wird ja beispielsweise eher selten verherrlicht.

  8. David Dezember 1, 2010 um 3:58 pm

    @MR: Riots sind verboten, Du Verbrecher.

  9. georgi Dezember 1, 2010 um 4:29 pm

    Homosexualität ist der Naturzustand des Menschen, außerhalb dessen er (unabdingbar für die Erhaltung der Art!!!) nur durch Disziplinierung, strenge Moral und Obskurantismus erhalten werden kann.

    Hä??? Das hast Du bestimmt von Judith Butler. Gib’s zu! Na ja, bin wieder still. Sonst handele ich mir noch einen schlimmen Biologismus-Vorwurf ein. Mal abgesehen davon geht es hier um staatliche Repression.

  10. David Dezember 1, 2010 um 4:47 pm

    Fun Fact: „Jud but Hitler“ ist ein Anagramm von „Judith Butler“!

  11. momorulez Dezember 1, 2010 um 5:20 pm

    @David:

    Das verstehe ich nich. Die gehen eher davon aus, dass es gar keine „natürliche“ Homosexualität gibt, sondern lediglich Verführbarkeit, Mode und Krankheit und man so einen Mist nicht auch noch promoten und „fördern solle“. Außerdem sind Riots für Stuttgarter Polizisten doch auch nicht verboten. Es gibt lediglich ein staatliches Riotmonopol, aber der Staat im Sinne der Demokratie sind doch wir, dann haben wir das doch, oder?

    Und ich kann immer nicht kotzen, wenn ich gesoffen habe. Auch in der Hinsicht bin ich irgendwie verführt.

    @Georgie:

    Butler würde an dieses Thema sehr anders heran gehen 😉 .. aber das erklär ich jetzt nicht. Zudem ich da eh direkt mit Foucault argumentiere. Und ja, es geht um staatliche Repression.

  12. Karsten Dezember 1, 2010 um 5:22 pm

    Manchmal hat Kotzen in der Tat etwas befreiendes. Klüger ist, sich nicht erst in die Lage zu begeben, aber wer ist schon immer so schlau?

    Riots? Bin ich nicht der Typ für.

  13. momorulez Dezember 1, 2010 um 5:29 pm

    Du bist ja auch noch jung 😀 … ich radikalsiere mich ja eher mit dem Altern.

  14. Karsten Dezember 1, 2010 um 6:02 pm

    „Heute… (hust) würde ich ja eine Revolution beginnen, wenn ich dafür (hust, hust) noch die Kraft hätte…“

    momorulez mit 90.

  15. che2001 Dezember 1, 2010 um 6:42 pm

    Die Polizei kann aber gar keine Riots machen, weil ein Riot qua definitionem ein Aufstand von unten gegen die da oben ist. Ein Riot wäre es nur dann, wenn die Polizei losschlägt, um die Regierung gewaltsam zu stürzen und z.B. einen Polizeistaat im Wortsinn zu errichten.

    @“Zudem ich da eh direkt mit Foucault argumentiere. Und ja, es geht um staatliche Repression.“ las sich jetzt so, als ob Du Dich da gleich mit Foucault aufs Sofa setzt und Ihr gemeinsam eine Antwort formuliert;-)

  16. che2001 Dezember 1, 2010 um 6:43 pm

    „Ich fühle mich um 10 Jahre jünger!“ „Gut, Methusalix, dann wärst Du jetzt 93 und solltest längst im Bett sein.“

  17. David Dezember 1, 2010 um 6:59 pm

    @Momorulez: Ich beziehe mich auf diese Verschwulungsängste: „Wenn wir nicht unsere Kinder schützen und gegen schwule Propaganda feien, dann werden die am Ende auch alle Homos und wir können niemals Enkelkinder knuddeln und niemand bezahlt uns die Rente!“ Das ergibt eigentlich nur Sinn, wenn man Homosexualität insgeheim für ziemlich attraktiv hält. Es werden ja schließlich auch nicht alle Kinder später Maurer, denen man erzählt, daß es diesen Beruf gibt. Mit der sonst oft verkündeten Ansicht, Heterosexualität habe vom Schöpfer exklusiv das Gütesigel „besonders natürlich“ erhalten, paßt diese unterstellte Attraktivität aber – wenigstens auf den ersten Blick – nur schwer zusammen.

  18. Karsten Dezember 1, 2010 um 7:05 pm

    @David:
    Bei diesem Thema mit Logik zu kommen, ist ziemliche Zeitverschwendung. Ich hoffe, Du bist dir dessen bewusst?

  19. Nörgler Dezember 1, 2010 um 7:30 pm

    “ … habe vom Schöpfer exklusiv das Gütesigel ‚besonders natürlich‘ erhalten, paßt diese unterstellte Attraktivität aber – wenigstens auf den ersten Blick – nur schwer zusammen.“
    Die Natürlichkeits-Prädikation und ‚langweilig/unattraktiv‘ passen selbstverständlich sehr gut zusammen. Immer nur Wasser trinken ist auch natürlich, aber weitaus langweiliger als ein schottischer Whisky. Was Netbitch treibt, ist gänzlich ‚unnatürlich‘, im Gegensatz zur Missionarsdauerstellung aber doch unterhaltsamer.

    Es könnte sein, dass man das Bild des insgeheim ersehnten teuflischen Verführers auf den Schwulen projeziert, um das Ersehnte, das zugleich verleugnet werden muß, zu externalisieren. Diese Art des Bekämpfens von Wünschen aber erfordert eine ungeheuere psychische Energieleistung. Der Haß auf die Schwulen ist das emotionale Kernkraftwerk, das diese Energie liefert.

  20. David Dezember 1, 2010 um 8:47 pm

    Die Natürlichkeits-Prädikation und ‘langweilig/unattraktiv’ passen selbstverständlich sehr gut zusammen.

    Guter Punkt, überzeugt mich.

  21. David Dezember 1, 2010 um 8:48 pm

    Bezieht sich natürlich auf den ganzen Kommentar. Hatte ursprünglich eine etwas andere Perspektive auf das ganze, was ich vielleicht später nochmal kurz darlege.

  22. che2001 Dezember 1, 2010 um 10:06 pm

    Dazu fällt mir doch jetzt eine alte Platte der „Drei Tornados“ ein: „Ihr seid doch alle abgekommen vom nagelreichen und holprigen Pfad Gottes und fahrt auf der sechsspurigen Autobahn Derrrrsünde direkt in die Hölle!“ „Darf ich Dir Eines sagen? Du bist für mich ein Arschloch!“ Damit sind wir, ca. um 12.45, beim allabendlichen Arschloch-Intermezzo. 2 Stunden hört man esw jetzt, von einem populär gehaltenen aggressiven „Arschloch!“ bis zu einem künstlerisch nuancierten und rhetorisch vortrefflich plazierten. Um 2 Uhr entdeckt auch der alte Apothekermeister anarchistiosche Elemente in sich: „Tschyankallli. Morgnnnn hol ich dasch Tschyankalli raus, allesch Tschyankalli in den Messwein, alle Kirschgänger butt butt butt…“

  23. Karsten Dezember 1, 2010 um 11:41 pm

    @che2001:
    Die einzige Beziehung zum vorher Geschriebenen scheint mir bei deinem Kommentar die Tatsache zu sein, dass er schräg ist und in lustiger, aber verwirrender Weise vom Thema ablenkt.
    Aber das können wir hier alle sehr gut, oder? 🙂

  24. che2001 Dezember 2, 2010 um 12:06 am

    Die einzige Beziehung zum vorher Geschriebenen besteht im Bezug zwischen dem Normalitätsbezug und dem Pfad Gottes. Oder auch: Dieser ganze fromme evangelikale oder kathollische Christenscheiß ist ein solcher Mumpitz, dass ich ihn nur noch satirisch wahrnehme. Sofortige Abschiebung aller straffälligen Katholiken in den Vatikanstaat!

  25. Karsten Dezember 2, 2010 um 12:39 am

    Sofortige Abschiebung aller straffälligen Katholiken in den Vatikanstaat!
    Der ist doch viel zu klein für die alle.

  26. Loellie Dezember 2, 2010 um 10:30 am

    Nachschlag:

    „„Sollen jetzt von Deutschland Theorien ausgehen, die das Wesen des Menschen zerstören, der seiner seiner Natur gemäß unverwechselbar Mann oder Frau ist?“

    … die Gleichberechtigung von Mann und Frau sei richtig, aber dürfe keine Ideologie sein

    „Wer so einen blühenden Unsinn zu Lebensrechtfragen und der Wertschätzung der Familie von sich gibt, sollte eine mehrjährige Auszeit zum Nachdenken nutzen“
    … “

    http://gnurpsnewoel.blogsport.de/2010/11/28/sexistische-schmierenkampagne-gegen-thomas-krueger/

    via Medium

  27. che2001 Dezember 2, 2010 um 10:48 am

    Festzuhalten aber auch die Schlussätze: „Das erfreuliche an der Schmierenkampagne ist die Erkenntnis, dass die rechtskonservative Reaktion in Deutschland in einem desolaten Zustand ist und noch so viel ätzen und stänkern ihnen nichts hilft.

    Thomas Krüger hat alles richtig gemacht.“

  28. Loellie Dezember 2, 2010 um 11:41 am

    Noch! hilft es nichts.

    Ich muss allerdings leider darauf hinweisen, dass ich das Blog vorschnell verlinkt habe. Der Eintrag vor dem verlinkten kritisiert zurecht den Al-Quts-Tag und ist ein Zitat aus der Presseerklärung der Veranstalter der Gegendemonstration. Bei dem Veranstalter handelt es sich um einen einschlägig bekannten, angeblichen Ex-Neonazi und es hat dort auch Wortbeiträge iranischer Monarchisten gegeben. Ob gnurpsnewoel nur schlecht informiert ist, oder für den arisch-evangelikalen Komplex den Psy-Warrior gibt, kann ich nach schnellem durchklicken nicht sagen. Seine Hetze gegen Die Linke im Zusammenhang mit der Gaza-Flotte könnte dies allerdings nahelegen. Sorry sorry sorry dafür! Mach das wieder weg, oder entschärf den Link wenigstens.

  29. Loellie Dezember 2, 2010 um 12:06 pm

    Und Posener empfiehlt Queer-Theoretikerinnen, die er mit dem SDS gleichsetzt, mit Tomaten zu bewerfen.

    Die Welt verlinken wir aber nicht, oder?

  30. momorulez Dezember 2, 2010 um 1:48 pm

    Doch, kannste machen. Das ist ja schon interessant, wenn solche Leute, die zwischendrin auch mal helle Momente haben, sich in die Front der Reaktionäre einreihen. Auf Basis der Queer-Theory und analoger Denkweisen wären halt weder der 175 noch die Nürnberger Rassegesetze möglich gewesen, das nervt die.

  31. che2001 Dezember 2, 2010 um 2:43 pm

    Präzisiert ist es interessant, WANN die sich in die Front der Reaktionäre einreihen und wann nicht. Ich vermute auch, dass deren Genervtsein daraus sich speist, dass sie queere, dekonstruktivistische und ähnliche Denkweisen nicht verstehen, nicht nachvollziehen können, marginal und lächerlich finden und zugleich wissen, dass besagte Gesetze auf der Grundlage nicht möglich gewesen wären. Das führt zu einem Unbehagen des Mehrheitsgesellschaftlers mit den eigenen begrifflichen Grundlagen, das dann nicht angegangen wird, sondern in Aggression gegen den Auslöser abgewehrt.

  32. momorulez Dezember 2, 2010 um 3:14 pm

    Ich glaube gar nicht, dass das Nicht-Verstehen nervt, sondern die Nicht-Zugriffsmöglichkeit.

    Der Verweis auf die Rassegesetze ist ja nicht Godwins Law – es begann halt mit der Definition dessen, was Jude, was Nicht-Jude ist, und Arier ist Nicht-Jude. Angesichts umfassender Assimilation ein echtes Problem, das übrigens auch hinter der Re-Rassifizierung durch Sarrazin steckt – die Grenze muss wieder klar gezogen werden, wenn sie zu verwischen droht.

    Da greift im Gegenzug die ganze Kritik des „identifzierenden Denkens“, die solche fundamental wirksamen Unterscheidungen, die zumeist als naturalisierte auftreten, mit guten Gründen unterläuft. Und das macht die irre, die sich über Diskriminierung Anderer als „normal“, also weitestgehend unthematisiert, begreifen, wenn der Andere, generell gesprochen, sagt, die Unterscheidung, auf der Du Dein Leben aufbaust, ist überhaupt nur dazu da, zu diskriminieren und produziert erst das zu regulierende „Problem“. Übrigens etwas, was Ossis nun gerade ziemlich geläufig sein sollte.

    Deshalb weiß ich auch immer gar nicht genau, ob das ein „heimlich wollen“ ist – die glauben wirklich, dass das so ist, das Schwule widernatürlich, Frauen zum Kinder aufziehen und Schwarze dümmer und unzivilsierter sind. Weil ihr ganzes jämmerliches Ego darauf aufbaut. Das ist ja das Umschlagen von Auflärung in Mythologie – das Aufgeben der kritischen Hinterfragung re-ontologisieren dessen, was der Verstand erforscht.

    Bemerkenswerterweise gab es ja McKinsey und Anderen zufolge weit mehr so called „homosexuelle“ Kontakte, bevor das Konzept als Lebensform in aller Munde war. Weil dadurch, dass die Grenzziehung offensiver reproduziert wird, der Abgrenzungsdruck erhöht wird, was ein Paradoxon ist hinsichtlich des eigentlichen Grundes dieses Threads, aber auch klar gegen Statistiken wie jene McKinseys spricht, weil der Aufklärungseffekt schnellt verpufft.

  33. Loellie Dezember 2, 2010 um 3:22 pm

    Wobei es dem Posener nichtmal darum zu gehen scheint, Queer-Theory als solches zu diffamieren, der hat das ganz klar auf mich abgesehen, der ich Angehörige eines gewissen Millieus schon vor Jahren beschimpfte, sie mögen sich jemand anderes suchen, in dessen Namen sie glauben, arabische Kinder zu ermorden zu können. Das dieses Thema damals in den USA und Canada von Queeren Aktivisten bereits diskutiert wurde, wusste ich ja garnicht.

    Not in my Name!

    http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article11339196/Jetzt-wird-Israel-auch-seine-Toleranz-fuer-Schwule-vorgeworfen.html

    Meine These, dass die ganzen wortführenden Homo-Institutionen erfolgreich von rechts-konservativ nationalistischen Bürgerlichen unterwandert wurden, scheint sich zu verdichten. Zumindest was Berlin angeht. Der angebliche Ex-Neonazi ist jedenfalls kein Einzelfall, nur gibt das Netz in der Beziehung leider nicht sehr viel her. Ich frag mich schon, ob ich auf meine alten Tage nochmal da hochfahren muss, um ein bischen Stimmung in die Bude zu bringen. Es ist ja nicht so, als würde ich da keinen kennen.

    Noch was zum Thema Jugendschutz. Das erschreckende ist ja, dass hier sämtliche Parteien aus sogenannten taktischen Gründen für dieses Gesetz gestimmt haben. Und wie Vetter zu seiner Einschätzung kommt, versteh ich nicht, auch wenn ich weiss, warum er das so sieht. Er sagt es ja auch ganz offen, dass ER nicht betroffen ist.

  34. momorulez Dezember 2, 2010 um 3:40 pm

    Hatte gerade den annähernd gleichen Text unter anderer Überschrift gefunden:

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article11332781/Eine-Professorin-warnt-vor-rosarot-waschen.html

    Und wogegen er da wettert, ist nicht die Queer-Theory als solche, sondern eine bestimmte Variante der dritten Generation oder so, die wir hier schon mal unter dem Stichwort „Homonationalismus“ diskutiert haben. Die insofern wohl richtig ist, dass die Instrumentalsierung Schwuler gegen „Muslime“ harsch kritisiert wird, aber von manchen Adepten in Zonen des Denkens adriftet, die sich für mich schon auch ziemlich nach Antisemitismus anhören. Und ich gehören nun nicht zu jenen, die im Falle Israels ihre nationalistischen Neigunge ausleben, Juden zu ihren Ersatzariern erklären und die Gleichung „Israel = Der Jude an sich“ vollziehen, die ja selbst einfach nur Antisemitismen schmarotzt, und da wurde mir trotzdem ziemlich mulmig.

    Da trifft man dann auch im Gegenteil eher auf Denkweisen wie „Die reichen Schwulen nehmen den armen Schwarzen die Wohnungen weg“, so eine Art Westerwelle-Homophobie und eine Umdeutung von Schwulen generell zur herrschenden, ökonomischen Klasse. Und wie immer, wenn man in diesen Kreutabellen unterwegs ist, wo Mehrfachnennungen im Bereich unterjocht/herrschend möglich sind, was ja schon bei „schwuler Mann“ der Fall ist, Mann ist man halt, kommt es zu Absurditäten. Da kan ich Poseners Text jetzt gar nicht so schlimm finden; der ist auch immerhin aus der Achse des Guten geflogen, weil er seinen Mitschreibern zu recht Rassismus vorwarf, und wie gesagt gelegentlich auch zu Vernünftigem fähig.

    Vetter und die Anderen da sind in solchen Fragen wie jenen, dass Jugendschutz perfekt zur Schwulendiskriminierung taugt, schlicht naiv, denke ich mal – zudem im Zuge der ganzen Sexismus-Diskussionen auch bei ganz vernünfrtigen Leuten auf einmal was Erzprotestantisches durchdringt, das sich auch ratzfatz gegen Schwule richten kann.

  35. georgi Dezember 2, 2010 um 4:59 pm

    Momo:

    Auf Basis der Queer-Theory und analoger Denkweisen wären halt weder der 175 noch die Nürnberger Rassegesetze möglich gewesen, das nervt die.

    Du meinst, die Nazis hätten also auf ein paar Schiefdenkende Rücksicht genommen? Ach ja, dieser Heidegger. Der war Philosoph unter den Nazis und hätte den Begriff Dekonstruktion vorweggenommen, deutet Wikipedia an. Wer weiß, vielleicht wären auch für Queer-Theoretiker ein paar Lehrstühle an philosophischen Fakultäten freigemacht worden, wenn es Queer-Denkende schon damals gegeben hätte und die Nazis nicht so schwulenfeindlich wären.

  36. momorulez Dezember 2, 2010 um 5:20 pm

    Also, bevor Du Dich hier an Heidegger vergreifst, Vorsicht.

    Natürlich war der Nazi und für trotzdem für viele Denker von Sartre, dem Feind der Dekonstruktivisten, bis hin zu Derrida, deren Vordenker, wichtig.

    Aber dessen Philosophie, in deren Vollzug man natürlich auch allerlei Bezüge finden kann, die ihn zum Nazi machten, aber auch sehr viel andere, hat umgekehrt die Nazis in ihrem Handeln und Denken kaum beeinflusst – allenfalls sehr um die Ecke, wenn man Carl Schmitt, Mitautor der Nürnberger Rassegesetze, unter „politischem Existentialismus“ verbucht und den heroischen Dezisionismus kritisiert. Das war übrigens die berühmte Kritik von Habermas an Dutschke, die ironischerweise zu einer Zeit stattfand, als jene Notstandsgesetze, gegen die die Studenten protestierten, mit Carl Schmittschem Denken begründet wurden. Der nun wiederum bei Agamben, den Du nicht kennst und den ich nicht mag, eine große Rolle spielt.

    Es gibt zudem die völlig falsche Annahme, der theoretische „Antihumanismus“ und das Primat der Struktur, dem Diskurs etc. vor dem Subjekt in DIAGNOSTISCHER Hinsicht hätte Analogien zum Denken der Nazis hervor gebracht; da diese Diagnostik aber KRITISCH zu verstehen ist, um das Denken zu befreien, und gerade Begriffe wie Volk (im vordemokratischen Sinne), Rasse, Geschlecht etc. genüsslich und sachlich begründet auseinander genommen wurden, ist das höherer Blödsinn. Das Denken Derridas hat zudem viel mit der Schriftauslegung der jüdischen Tradition zu tun. Auch Butler begreift sich als u.a. als jüdische Denkerin.

    Und die Vorstellung, dass ein Denken wie das der Queer Theory dort auch nur den Hauch einer Chance gehabt hätte, ist grober Unfug, wie Du ja weißt. Das wäre unter „jüdisch-zersetzend“ verbucht worden, die Denker als erste im KZ gelandet. Zudem ja nun „Queer“ sozusagen als Fortsetzung von „schwul“ und „lesbisch“ zu denken ist, insofern hätte die Schwulenfeindlichkeit da eh zugelangt.

    Heidegger war übirgens auch ein wichtiger Denker für Dissidenten in Ex-Jugoslawien, Polen usw. zu Zeiten des real-existierenden Sozialismus.

  37. Loellie Dezember 2, 2010 um 6:09 pm

    Mir geht das heute zu schlecht zum debattieren, mein Magen ist aus unerfindlichen Gründen so aufgepumpt, dass ich Angst hab gleich zu platzen. Ich hab schon Migräne von der ganzen Rülpserei 😀

    Das mit dem Nationalismus halte auch für eine problematische Sicht, einerseits. Andererseits macht das aus Sicht der USA schon eher Sinn. Kulturkampf halte ich für angebrachter, auch wenn es letztendlich Machtinstrument zum durchsetzen nationaler Interessen der USA ist.
    Fatal ist natürlich, als Reaktion auf die Psy-Warrior mit explizite Anti-Israelhysterie zu reagieren und das als Kritik zu misverstehen. Dann geht man denen, die man glaubt zu kritisieren voll auf den Leim, was nun wiederum kein Grund ist, den Vorwurf des Rassismus gegen die CSD-Orga oder OutRage als substanzlos herunter zu spielen, wie Posener das tut und die Hamas-Kamelle gegen Butler auch noch aufzuwärmen.
    Diese ganzen Nohomonationalisten müsste ich mir allerdings nochmal zur Brust nehmen. Mehr als „irgendwie blöd“ ist da im Moment bei mir nicht abrufbar.

    Und Vetters Naivität versteh ich ja deshalb nicht, weil ausgerechnet der wissen müsste, und ja auch weiss, wie schnell einem Gummiformulierungen um die Ohren fliegen können.

  38. georgi Dezember 2, 2010 um 6:10 pm

    @momo:

    Ich vermute mal, die Sache ist viel einfacher: Die Queer-Denker hätten sich wie alle anderen Liberale mit den Nazis irgendwie arrangiert, widerwillig vielleicht, aber immerhin doch arrangiert, möglicherweise aber unter Verrat der Queer-Moral. Queer-Denker sind i.d.R. Zivilisten, und die sind feige und prinzipiell gesetzestreu, egal wie inhuman und unvernünftig die Gesetze auch sein mögen. Unter sehr günstigen Umstände hätten die Nazis ihrerseits sich auch mit der Queer-Theory arrangieren können. Das wäre vorstellbar gewesen. Queer-Theory ist blanke Moral und enthält keinerlei Herrschaftskritik.

  39. momorulez Dezember 2, 2010 um 6:21 pm

    Georgi, Du faselst einfach ein derart dummes Zeug unter Unkenntnis der Materie, Du blamierst Dich einfach nur, weil Du mit jedem Satz belegst, dass Du gar nicht weißt, worüber Du schreibst. Ich könnte jetzt allerdings auch unter dem Ignoranz dessen, Ziovilist zu sein, einfach Deine Erschießung fordern, weil Du hier als Agent der herrschenden Ordnung quasselst, natpürlich nur, wenn Du das gerne hättest und als richtiger empfindest. Hast Du irgendein Kriegstrauma? Mauerschütze? Was stimmt nicht mit Dir?

    @Loellie:

    Später mehr, muss zum Bus.

  40. georgi Dezember 2, 2010 um 6:59 pm

    OK, lassen wir das. Wir reden andauernd aneinander vorbei. Unser Problem liegt wahrscheinlich in der konditionalen Logik: Was wäre wenn? Was wäre, wenn es zu Hitlers Zeiten die Queer-Theorie gegeben hätte? Das ist natürlich eine blöde Frage. Queer-Theorie paßt überhaupt nicht in Hitlers Zeit. Zu Hitlers Zeiten dominierte der deutschnationale Patriotismus, der Antisemitismus, der Monarchismus und der Antiliberalismus. Dementsprechend war die Nazi-Ideologie auch beschaffen. Diese geistigen Strömungen haben inzwischen anderen Strömungen Platz gemacht. Nazis der Zukunft müssen sich darauf einstellen. Das wollte ich damit sagen.

  41. El_Mocho Dezember 2, 2010 um 8:57 pm

    Warum sollte Queer-Theory nicht mit Nationalsozialismus vereinbar sein? Wenn ohnehin alles nur auf „Diskursen“ beruht und gilt, dass „Macht und Wissen einander unmittelbar einschließen; dass es keine Machtbeziehungen gibt, ohne dass sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert“ (Foucault), dann ist es letzten Endes reine Geschmacksfrage, ob man Homosexualität verurteilt oder nicht. Wahrheit ist, was sich durchsetzt.

    Und wer fällt, den soll man stoßen.

  42. momorulez Dezember 2, 2010 um 9:02 pm

    @Loellie:

    Die ganze Vermengung der Homofrage mit der Israeldiskussion, wie das insbesondere von den Kanadiern unter den „Nohomonationalism“-Leuten betrieben wird, ist grotesk. Und ja, es liefert dann die Gründe, nicht mehr nachzuvollziehen, wieso die Butler des CSD-Preis angelehnt hat. Das ist ja auch eine der Stories, die mich aus der Fassung brachten, diese Hetze gegen die Butler in dem Zusammenhang, wo man bei sich als links Verstehenden, antideutsch Inspirierten immer dachte, man hört sie jetzt „schlag die jüdische, lesbische F… tot“ rufen – im Namen des Kampfes gegen Antisemitismus. Krude.

    Bei diesem JMSTV ist auch wieder bemerkenswert, wer da nun auf einmal von „Hysterie“ schreibt bei der Kritik, Leute, die sonst bei jedem Scheiss Sozialismusgespenster an Wände malt – und @Karsten jubelt dem auch noch kritiklos zu. Was immer auch geschieht …

  43. momorulez Dezember 2, 2010 um 9:07 pm

    @Georgi:

    So einfach isses leider nicht. Könnte hier jetzt lang und breit über Ähnlichkeiten und Differenzen hinsichtlich der damaligen und heutigen Situation schreiben; offenkundig ist, dass die Kritischen Traditionen schon vor ’33, massivst seit der Reichsgründung 1971, von einem Gebräu aus Essentialismus und Naturalismus hinfort gefegt wurden. Queer Theory ist dem kritischen Weg, der allein noch offen ist, zuzuordnen, und wird zumeist mit essentialistischen und naturalistischen Modellen attackiert, die nix anderes im Sinn haben, als die herrschende Ordnung zu stabilisieren.

  44. momorulez Dezember 2, 2010 um 9:20 pm

    @El Mocho:

    Zum einen siehe Antwort auf Georgi, und zum Zweiten machst Du einmal mehr genau das, was AUCH dem Nationalsozialismus, jedoch ebenfalls ganz anderen Denkformationen zugrunde liegt – nämlich, zwischen dem Normativen und dem Deskriptiven nicht zu unterscheiden. Georgi macht das auch die ganze Zeit – wenn ein Foucault historisch reale Wissens/Machtkomplexe untersucht, ist das keine normative Analyse, sondern eine Deskriptive, und das ist bei der Queer-Theory zu weiten Teilen auch so. Dieser Unsinn, den Du hier neulich zur Klitorisbeschneidung verbreitet hast, macht das auch – Tradition und das normativ zu fordernde als der gleichen Begründungsweise folgend behandeln. Der Papst-Faschismus macht das auch, wenn er von einer „natürlichen, normativen Ordnung“ ausgeht, gegen die dann aber kurioserweise verstoßen werden kann, so, als könne das Scheißen und Atmen gegen irgendwas verstoßen. Das kann jeder auch nur halbwegs Gebildete als naturalistischen Fehlschluss erkennen – dem Sein unmittelbar das Sollen entnehmen.

    Du wirst zudem das „alles nur Diskurse“ bei Foucault nicht finden, ein großer Teil von „Überwachen und Strafen“ dreht sich um die Zurichtung und Disziplinierung der Körper. Und der Wissens/Macht-Komplex besagt lediglich, dass auch die Queer-Theory Machtwirkungen entfalten kann, das spricht nun aber gerade nicht gegen sie. Soll sie ja. Gegenmacht.

  45. che2001 Dezember 2, 2010 um 10:45 pm

    „Geschmacksfrage“ hatten wir schon mal bei Friedman. Wie sich die Kreise schließen…

  46. momorulez Dezember 2, 2010 um 11:03 pm

    Da allerdings mit einer anderen Stossrichtung, Rassismus als Geschmacksfrage – El Mocho müht sich hingegen gerade in schlecht gemachter Relativismuskritik. Was dann aber im Kontext zu diesem seltsamen Irrglauben überleitet, der Nationalsozialismus habe irgendwas mit Relativismus zu tun gehabt, oder mit „Sittenverfall“. Der sah sich doch selbst als Kampf gegen Relativismus und Sittenverfall. Mit Willkür hatte der zwar zu tun, wie jedes Terror-Regime, aber nicht mit Relativismus.

  47. che2001 Dezember 2, 2010 um 11:53 pm

    Vielmehr erschuf der die „Deutsche Physik“ als Gegenbild zur „jüdischen“ Relativitätstheorie. Deshalb bauten ja auch Andere die Atombombe, und Enrico Fermi war ein Verfolgter des Mussolinie-Faschismus gewesen. Ein totalitärer Relativismus wäre auch so sinnvoll wie ein antiautoritärer Zwangscharakter, ein feministisches Patriarchat oder ein papistischer Anarchismus.

  48. che2001 Dezember 3, 2010 um 1:01 pm

    @“ der Nationalsozialismus habe irgendwas mit Relativismus zu tun gehabt, oder mit „Sittenverfall“.“ —– Strenggläubige Katholiken sehen das wirklich so, weil jede Abweichung von ihrem Glauben per se Relativismus und Sittenverfall bedeutet.

  49. momorulez Dezember 3, 2010 um 1:06 pm

    Die haben aber mit dem Papst und der mythisch-religiösen Aufladung des Politischen die Blaupause für den Führerstaat usw. geschaffen.

  50. che2001 Dezember 3, 2010 um 1:40 pm

    Klar hamse das. Die denken ja aber selber nicht politisch-historisch, sondern ihre eigenen Glaubensinhalte wortwörtlich. Im Übrigen ist der Katholizismus selber im Ursprung eine Schöpfung Kaiser Konstantins zur Heiligung des Cäsarentums. Da ist eine frühere Form des Führerstaats Voraussetzung der Religion.

  51. Nörgler Dezember 3, 2010 um 5:24 pm

    Alles wichtige Themen, gewiß, die jetzt indes zunehmend in den Hintergrund der Agenda rücken, weil …

  52. Nörgler Dezember 3, 2010 um 8:11 pm

    Dass ausgerechnet Du das fragst, finde ich überraschend 😉
    Noch 20 Minuten …

  53. El_Mocho Dezember 3, 2010 um 10:40 pm

    „wenn ein Foucault historisch reale Wissens/Machtkomplexe untersucht, ist das keine normative Analyse, sondern eine Deskriptive, und das ist bei der Queer-Theory zu weiten Teilen auch so.“

    Foucault macht ganz eindeutig Aussagen, die sich auf alle möglichen Fälle beziehen, so dass die Unterscheidung zwischen normativ und deskriptiv hier nicht greift. Wenn es „kein Wissen gibt, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert“, gilt das natürlich auch für das Wissen über das moralisch richtige und falsche. Genau das wirft ihm ja z.B. auch Habermas vor, denn Foucault trifft ständig normative Aussagen, obwohl die nach seinen eigenen Voraussetzungen eigentlich unmöglich sind.

    „Das kann jeder auch nur halbwegs Gebildete als naturalistischen Fehlschluss erkennen – dem Sein unmittelbar das Sollen entnehmen.“, das nervt die.

    Ja richtig, und du begehst ihn ständig selber, wenn du z.B. behauptest, dass „Auf Basis der Queer-Theory und analoger Denkweisen wären halt weder der 175 noch die Nürnberger Rassegesetze möglich gewesen“ wären und daraus eine moralisch/politische Überlegenheit besagter Denkweisen unterstellst.

    „der Wissens/Macht-Komplex besagt lediglich, dass auch die Queer-Theory Machtwirkungen entfalten kann, das spricht nun aber gerade nicht gegen sie. Soll sie ja. Gegenmacht.“

    Da haben wir es wieder. Wieso eigentlich Gegenmacht? Damit X das sagen hat und nicht mehr Y? Warum sollte das nicht egal sein? OK, Sexismus und Homophobie sind (vielleicht) soziale Konstruktionen, aber Gleichheit und Gerechtigkeit sind es auch. Propagierst du da nicht das Recht des Stärkeren?

    Dann doch lieber Nietzsche: „Was ist gut? – Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht, die Macht selbst im Menschen erhöht. Was ist schlecht? Alles, was aus der Schwäche stammt. (…) Die Schwachen und Missratenen sollen zugrunde gehen: erster Satz unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazuhelfen.“ (Nietzsche, Der Antichrist)

  54. momorulez Dezember 4, 2010 um 12:05 am

    @Nörgler:

    Im Nachhinein bin ich auch verblüfft über mich, weil ich, als ich „weil?“ fragte, gerade auf dem Weg zum Spiel war 😉 – ich sag mal „Uff!“ im Nachhinein.Und glücklich über 3 Punkte!

  55. momorulez Dezember 4, 2010 um 11:15 am

    @El Mocho:

    Du faselst. Natürlich bringen auch normativ richtige Positionen Machtwirkungen hervor, da hat Foucault gegen Habermas einfach recht. Gibt ja auch gute Machtwirkungen. Und natürlich kann man Moral als das Wissen um ein Regelrepertoire beschreiben, das ist aber was anderes, als selbst moralische Forderungen zu erheben und noch mal was anderes, als wie Foucault die Geschichte der Human- bzw. Sozialwissenschaften hinsichtlich ihrer konkreten Machtwirkungen, die er mit guten Gründen kritisiert, zu rekonstruieren.

    Und ein formaler Gleichtheitsgrundsatz ist nun entschieden das Gegenteil des Rechts des Stärkeren. Und „wieso eigentlich Gegenmacht“ ist schon eine originelle Position angesichts des rosa Winkels. Zudem nicht „Homophobie“ die soziale Konstruktion ist, sondern zunächst mal Heterosexualität. Moralische Regeln hingegen regeln menschliches Miteinander, das sind keine „Konstruktionen“, sofern sie vernünftig, nicht-funktional und ohne Rekurs auf „höhere Wahrheiten“ begründet werden. Dass Du hingegen in dieser Form Nietzsche predigst, habe ich nunmehr zur Kenntnis genommen.

  56. Loellie Dezember 4, 2010 um 7:27 pm

    Ich sags ja.

    „Das liberale „U-Boot“ Helmut Metzner, das beim Berliner US-Botschafter fleißig Partei- und Regierungs-Interna ausplauderte, sitzt im Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD). …

    … „Besonders freut mich, dass mit Helmut Metzner nun auch eine liberale Stimme im Vorstand des LSVD vertreten ist“, erklärte damals der FDP-Abgeordnete Michael Kauch: „Ich kenne Helmut Metzner aus langjähriger Zusammenarbeit und bin mir sicher, dass sowohl der LSVD als auch die Bürgerrechtspartei FDP von der stärkeren Vernetzung profitieren werden.“ … “

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=13281

    @ „Habe von Shanties singenden Matrosen geträumt, solchen wie von Pierre & Gilles gemacht “

    Und ich hab allen Ernstes letzte Nacht geträumt, das Sakamoto und ich uns unsterblich ineinander verliebt hätten, während er mir hinter dem Thresen eines China-Imbiss stehend, auf einem billigen Casio spielend, ein Liebeslied sang und ich, Kartoffelchips essend, überlegte, wie ich das jetzt meinem Mann erkläre.
    Sachen gibts … 😀

  57. Loellie Dezember 4, 2010 um 10:36 pm

    Auch hübsch

    Wir haben keine Lobby mehr 😦

  58. momorulez Dezember 4, 2010 um 11:31 pm

    Wie ich auf die Matrosen kam, erklärt ja der Eintrag eins weiter oben 😉 … dass nun ausgerechnet der „Maulwurf“, diese FDP-Schwulen werden unser Image noch bis zu den nächsten Lagerbauten ruinieren 😦 …

  59. che2001 Dezember 5, 2010 um 12:33 am

    Metzner ist wohl wiederum ein Spezi von jo@chim. Weia!

  60. Loellie Dezember 5, 2010 um 12:55 pm

    Es ist ja nun nicht so, als hätte ich euch jahrelang grundlos für eure Diskussionen mit diesem Millieu beschimpft. Metzner hat sein Blog übrigens letzte Nacht gelöscht.

  61. momorulez Dezember 5, 2010 um 1:31 pm

    Na, für mich waren die Diskussionen schon zu erhellend hinsichtlich dessen, was der Feind denkt, als dass ich sie bereuen würde …

  62. Loellie Dezember 5, 2010 um 4:46 pm

    Als ob das Beschimpfen je mehr hätte sein können als Protest oder vorschreiben könnte, wer mit wem was zu diskutieren hätte. Dir irgendwas zwischen Egoismus und Berufskrankheit zu unterstellen, um das unpräzise zu beschreiben, hatte mich dann irgendwann ja auch in der Beziehung befriedet. Reue hat jedenfalls nichts mit der Sache zu tun. Bin ja nicht der Papst 😉

  63. momorulez Dezember 5, 2010 um 5:09 pm

    Egoismus?Erkenntnisinteresse.Und, selbstkritisch gemeint, bildungsbürgerliche Nähegefühle wahrscheinlich ….

  64. Loellie Dezember 6, 2010 um 4:18 pm

    Da hätte ich zwischen Egoismus und Erkenntnisinteresse garnicht differenzieren wollen, insofern dass der Egoismus garnicht negativ konnotiert war.

    Ich hab dann aber noch was passendes gefunden. Zu den Zensoren und Verbietern gesellen sich jetzt auch noch die Markierer.
    Vor ein paar Tagen habe ich noch gedacht „wenigstens hört man von den Aids-hilfen immer wieder was vernünftiges“ und dann das hier.

    http://www.ondamaris.de/?p=23334

    „Tätowieren wäre effizienter und ehrlicher“

    Jetzt müssen sich schon die Positiven fragen, wo ihre Lobby geblieben ist 😦

  65. momorulez Dezember 6, 2010 um 4:23 pm

    Bin ja auch von christlichen Altruismus-Vorstellungen beseelt – und die Kriminalisierung von Positiven ist ja auch schon seit geraumer Zeit im Gange, diese No Angels-Frechheit war da ja nur der Höhepunkt.

  66. Loellie Dezember 8, 2010 um 10:46 pm

    Das Spielchen lässt sich endlos fortsetzen

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=13308

    Manchmal steh ich auch aufm Schlauch. Da gabs letztens schon was auf TP drüber und wenn ich mich recht erinnere, hatte ich den Link zu der Ausstellung doch sogar gepostet. Das hatte ich garnicht mehr in Verbindung gebracht.

  67. momorulez Dezember 8, 2010 um 11:13 pm

    😦 …da hätte der Herr Republikaner ja fast wörtlich sagen können, er würde uns unseren Lifestyle finanzieren. Eliminatorisches Dreckspack. Aber die Queerfront gegen die Anständigen wird uns hier ja auch seit Jahren unter die Nase gerieben.

  68. che2001 Dezember 9, 2010 um 12:00 am

    Außerdemingens werden Aidskranke verspottet bzw. dämonisiert, und die Denunziation von Surrealismus als „entartete Kunst“ gleich miteingebaut. Schwul=krank=Seuchenverbreiter=Zersetzung des Volkskörpers, das ist die Botschaft dieser Zensurattacke. Reinhard Heydrich würde sich freuen.

  69. Loellie Dezember 9, 2010 um 12:14 pm

    und wie üblich gibt es bis heute, nach einer Woche, ganze 3 Treffer in deutsch auf Google. TP, Queer.de und der schweizer Tagesspiegel.

  70. momorulez Dezember 9, 2010 um 12:25 pm

    „von solchen Themen fühlen sich die Leute belästigt“ wurde mir mal gesagt ….

  71. che2001 Dezember 9, 2010 um 12:55 pm

    Ein NDR-Redakteur mit definitiv linkem Background sagte mir mal, für erschlagene Schwarze interessiere sich niemand mehr, und ich war mal Zeuge, wie ausgerechnet Lea Rosh sich weigerte, einen Beitrag über Sexismus und Rassismus im Alltag zu senden.

  72. Loellie Dezember 9, 2010 um 5:14 pm

    Ich mach der Links wegen mal ein Crossposting

    Ich seh hier weit und breit keinen „Nazivergleich“. Dass diese naturalistische Attacke gegen das Homosexuelle auf der Zersetzung des Volkskörpers aufbaut ist doch offensichtlich.
    Es geht bei der privat finanzierten Ausstellung auch nicht um Steuergelder, sondern darum, dass in einem öffentlichen Gebäude ‚Pro-Gay-Propaganda‘ betrieben wird. Ein weitreichender Begriff der auch auf die aktuellen Anti-Bullying-Kampagnen an Schulen angewandt wird. Mittlerweile wird in den USA jede Erwähnung von Homosexualität deshalb als ‚Pro-Gay-Propaganda‘ eingestuft, weil Propaganda in öffentlichen Einrichtungen gegen die Verfassung verstossen. Deshalb riskieren Lehrer, die dazwischengehen, wenn mal wieder ein faggot verprügelt wird, ihren Job.
    Genau genommen ist für diese klerikalen Rechtsextremisten jedwede Zurschaustellung des Homosexuellen Pro-Gay-Propaganda deren eigentliches Ziel darin besteht, ganz bewusst religiöse Gefühle zu verletzen und diesem Sinne „Anti-Christlich“, was wiederum als ein Verstoss gegen die Religionsfreiheit gewertet wird. Dass derartige Wahnvorstellungen auch eine prima Rechtfertigung für Gewalt gegen alles Queere abgeben, sei nur nebenbei angemerkt. Schliesslich wehren sich diese armen „Christen“ ja nur gegen Terroristen.
    Was ist schon ein derartiges Machwerk im Vergleich zu tausenden missbrauchten Kindern.

    Bezeichnend, dass dieser in den USA ausgiebig diskutierte Skandal im deutschsprachigen Raum totgeschwiegen wird.

    Wer die Schrankschwestern findet, darf sich einen Länderpunkt auf den Bildschirm malen

    http://www.youtube.com/watch?v=io4ydriHDUU&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=N7Eog-Oiu6s

    Kommentar

    http://www.youtube.com/watch?v=f8HHfdTHOss

    10min Bericht

    http://www.youtube.com/watch?v=6IUg27Rky20

    David Wojnarowicz über Kunstsubventionen

    http://www.youtube.com/watch?v=mfmtkjA_HGU

    und weil es so prima passt, das hier auch noch

    http://blogs.artinfo.com/modernartnotes/2010/10/david-wojnarowicz-seems-important-right-now/

    Erinnern wir uns künftig an diese Posse als Amerikas Beitrag zum Welt Aids Tag [angry]

    Nu hab ich glatt vergessen zu erwähnen, dass Bürgersteige auch steuerfinanzierte Einrichtungen sind, auf denen, sofern sie von Queeren Menschen benutzt werden, ebenfalls ‚Pro-Gay-Propaganda‘ betrieben wird

  73. momorulez Dezember 9, 2010 um 11:37 pm

    Für mich war so ein merkwürdiges Ereignis die Beerdigung meines Vaters. Ich hatte damals weder Freund noch Lover, marschierte ausgerechnet mit der schrecklichen Mutter neben mir hinter dem Sarg hinterher, vor dem Schützenvereinsvertreter und das Blasorchester in Reih und Glied und musizierend dem Stadtbekannten auf dem Weg von der Kirche zum Friedhof die „letzte Ehre“ erwiesen. Der Weg führte an meiner Grundschule vorbei, einem Bau von 1901. Hinter mir gingen mein Bruder samt Frau und meine Schwester samt Freund.

    Ich wagte dann später laut zu räsonnieren, was wohl gewesen wäre, wenn ich mit Freund ebenso wie meine Geschwister da lang gegangen wäre, es säumten ein paar tausend Leute den Straßenrand. Und bekam die Antwort aus familiärem Kreise, dass das dann ja wohl eine Provokation gewesen wäre. ’91 war das, also in einem weit offenen Klima als heute.

    Es wären auch keine Flaschen geflogen oder Strafanzeigen erstattet worden, das Schlimmste aber ist: Ich hätte es mir eh nicht getraut.

    Fällt mir nur ein, weil das, was diese Klerikalfaschisten in den USA oder Leute, die sogar Amputierte in Drittweltländern verhöhnen und Fragen wie Homophobie und Rassismus als außerpolitisch betrachten, oder jene, die Queer-Fronten gegen Mütter behaupten, hysterisch bei Twitter auf einen los gehen, weil man schwule Perspektiven formuliert, oder diese Geschichten von den gehypeten Schwulen auf Parties erzählen, alles graduell höchst unterschiedliche Sachen und doch mit Wirkung, ja immer schon bestens funktioniert haben, unterschwellig auch hier, wo es ja noch – noch, Rüttgers Mappus sehen das exakt so wie die US-Faschisten – nicht so schlimm ist, permanent und immer schon ihr Ziel erreichen. Obwohl ich immer noch nicht weiß, was die mir wirklich wollen, trotz aller theoretischen Kenntnisse. Und dass ich auch hier beim Bloggen merke, wie permanent zermürbend dieser Dauer-Struggle mit all den Georgis ist, dass mir langsam echt die Lust schwindet, mich zu solchen Themen noch zu äußern – womit sie genau erreicht hätten, was sie wollen.

    Kleiner Exkurs.

  74. che2001 Dezember 9, 2010 um 11:54 pm

    Berührt mich heftig, die Schilderung der Beerdigung und wundert mich auch. In der Firma, für die ich lange gearbeitet habe waren auf den Betriebsfeiern die Partner der zwei schwulen Kollegen selbstverständlich dabei. Das war ein stockkonservatives Unternehmen, die Geschäftsführung geschlossen in der CDU, Chef trifft unternehmerische Entscheidungen im Loden auf der Jagd, wo die Deals ausgehandelt wurden, hat seinen Sohn mit dem Rohrstock erzogen, bei der Entlassung von MitarbeiterInnen spricht er von „entsorgen“. Die Gründung eines Betriebsrats wurde durch körperliche Entfernung der Kanditaten vom Firmengelände verhindert. Die schwulen Kollegen mit ihrer Partnern wurden auf Firmenfeiern schon eine Spur herablassender behandelt aus die Hetero-Paare – aber ich hatte immer den Eindruck, als Single stehe ich deutlich eine Stufe tiefer. Schwul sein machte einen schlechten Eindruck, solo sein war fast asozial.

  75. momorulez Dezember 10, 2010 um 12:11 am

    Müssen wir jetzt hier so blöde Hierarchien und Abstufungen aufmachen?

    Pointe war auch eher, was diese Propaganda der Rechten mit einem selber macht hinsichtlich dessen, was man sich zu zeigen traut und was nicht, weil die einen am liebsten zum Verschwinden bringen wollen und das auch tun, auch die hier Rausgeflogenen, wenn man nicht nach deren Regeln spielt.

    Dass dieser Zweierbeziehungskult auch jede Menge Unheil anrichtet: Ja, in der Tat. Aber müssen wir das jetzt vermengen? Vielleicht hinsichtlich dessen, dass Heteronormativität schon auch so wirkt, dass man dann, wenn man sich an die Pärchenregeln der Heten hält, glimpflicher davon kommt, als wenn man es bleiben lässt, ja.

  76. che2001 Dezember 10, 2010 um 1:04 am

    Was heißt hier denn „wir“ und „Hierarchien und Abstufungen aufmachen“? Ich schilderte, was ich selbst erlebt habe, weil es mir assoziativ bei Deiner Beerdigungsbeschreibung einfiel, und erlebte diesen Hierarchien und Abstufungen als im damaligen Betriebsklima so vorgegeben. Und hätte, ganz naiv, einfach gedacht, dass Dein familiäres Milieu offener, liberaler gewesen wäre als das einer Firma mit fast rechtsradikal zu nennenden Chefs. Ich habe außerdem nicht die Möglichkeit, irgendwelche Regeln bleiben zu lassen- ich bin ja nicht solo, weil ich das will. Und die Leute, die feste sexuelle Beziehungen haben, ob hetero oder homo, sind ja für mich insgesamt eine fremde, außenstehende Welt.

    Die Klerikalfaschisten in den USA, der sich selbst kultende Empathieverächter, die verrückte Mutter, der Schwulenschickerfinder und das ganze andere Gewusel machen natürlich ständig etwas mit Einem, ja nicht nur mit Dir. Wobei meine Reaktion dann eher die ist, die Balla-Balla zu finden und über sie abzulachen als mir das noch tiefer reinzuziehen.

  77. che2001 Dezember 10, 2010 um 11:10 am

    @Pärchenregeln: Das hat im Übrigen die Komponente, dass, wenn man als Ungepaarter dort auflief man sich verdächtig machte: Wer solo ist hat entweder niemand abgekriegt, was in einem vertriebsorientierten Unternehmen, in dem es um den Umgang mit Menschen geht dann zu Rückschlüssen auf die Leistungsfähigkeit führt („was für einen Wert hat der überhaupt?“) und zum Anderen auch die Komponente, ob man es vielleicht mit kleinen Kindern oder kleinen Tieren treibe.

  78. momorulez Dezember 10, 2010 um 11:27 am

    Kotz … Dreckspack.

    „Und hätte, ganz naiv, einfach gedacht, dass Dein familiäres Milieu offener, liberaler gewesen wäre als das einer Firma mit fast rechtsradikal zu nennenden Chefs.“

    Ach was … meine Schwester ist da offen, aber selbst bei meinen post-punkigen Kifferfreunden war die Differenz, Statuszuweisung und somit Einschränkung „schwulen Verhaltens“ doch überdeutlich und Grenzen enger gesteckt als bei Heten. Verschrillung, würde ich mal sagen – „Gleichwertigkeit“ empfindet da keiner und erwartet, dass die Schwuppen und ihre Lustknaben ggf. zurück stecken. Das ist so üblich auch bei puritnischen Linksspießern, und wenn sie dann erst mal Kinder haben …

    Das mit dem „tiefer reinziehen“ ist eben wegen dem, was Loellie berichtet, gar nicht ohne weiteres möglich. Die sind die Vorhut einer Entwicklung, die ziemlich finster enden kann – und die ja durch und durch prägend war. Dieses „Verschwinden lassen wollen“, das Loellie beschriebt, ist ja steter Weggefährte.

  79. che2001 Dezember 10, 2010 um 11:47 am

    Das verstehe ich ja sehr gut. Ist ja auch nur eine Methode, die ich für mich selbst gefunden habe, da nicht die Totalaggro zu fahren.

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