Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Unsere Zukunft?

Ring2 hat ja recht:

„Überhaupt war der Verein noch nie so bieder, mit jeder Tribüne, die aus lustlosem Beton sich des Kulturerbes Millerntor bemächtigt (ja, ich schreibe bewusst nicht “Kulterbe”), wird es schlimmer.“

Sonntag bei der Jahreshauptversammlung nun also soll man Biedermann Orth wählen, ich werde es mit Sicherheit nicht tun; bei Tweets, die eine selbstbewusste, schwule Perspektive formulieren, kommen bei Twitter – vereinzelt nur – Gegentweets von St. Paulianern, die „Fairness“ fordern, natürlich Heten gegenüber, frei nach dem Motto: Die Schwuppe, die sich wehrt, hat zunächst mal die Regeln, die Heterosexuelle fordern, zu beachten, weil diese ja so empfindlich sind.

Bei manchen Diskussionen fühlt man sich eher wie in Rahlstädter Eigenheimzirkeln darüber, daß der Nachbar immer zur falschen Zeit das Grillfleisch gart, als beim FC St. Pauli. Das Marketing des Vereins verhohnepiepelt revolutionäre Bewegungen von einst, indem es Delacroixs „Die Freiheit führt das Volk“ zur Werbung für die Restbestände zu verramschender Buisness-Seats missbraucht – kurz zum Hintergrund des Gemäldes:

„Am 27. Juli 1830 erhob sich die Pariser Bevölkerung zu einem Aufstand, der als Julirevolution von 1830 in die Geschichte eingegangen ist. Ursache der Revolution war die reaktionäre Politik Karls X., dessen oberstes Ziel es war, die Zustände wieder herzustellen, wie sie vor 1789 geherrscht hatten und damit die Vorherrschaft des Adels wieder durchzusetzen.“

Als hätten die Logen im Millerntor-Stadion nicht sowieso schon viel mit der Refeudalisierung der Gesellschaft zu tun, wird der Protest dagegen noch karrikiert. Witzig! Immerhin der fiese Kolonialslogan ist von der Spielerbrust verschwunden.

Doch Neues regt sich, wie mir scheint, eher unbemerkt. Eine neue Generation eignet sich Viertel und Verein, wie ich finde, ziemlich cool, auf ihre Weise an – ist ja ihr Zuhause. Nate57 scheint schwer trendy unter Hamburger Kids zu sein, wissen Eltern zu berichten; habe mich nur durch ein paar Song gehört, die zwar verwerflicherweise mit den üblichen Sexismen – „bitch“, „Weiber“,  „F…“ – durchsetzt sind, ansonsten aber vor allem Konflikte mit der Polizei schildern und eben die Aneignung des Lebensraumes St. Pauli fernab von Logen und Vereins-Geschäftsführern. Ganz am Rande tauchen auch im Forum mal solche Themen auf, vor allem bei einem Aufstiegsvideo, dessen Künstler ich nicht mehr weiß. Es folgen dann häufig klischeebewehrte Zuschreibungen, wie sie aus Rostocker Fankurven auch im Bezug auf Deniz Naki zu hören sind – „Macker, ey!“ -, anstatt sich klar zu machen, dass DAS St. Pauli im Jahre 2010 ist und nicht etwa der teils semirassistisch konnotierte Punkrock weißer Männer, der wie Folklore fast gepflegt wird. Um mich mal wieder in alle Nesseln gleichzeitig zu setzen 😉 …

Ich wittere da Potenzial, eine Zukunft jenseits innerstädtischer Eventfläche für Bildungs- und Besitzbürgertum mit akademischem Hintergrund. Und wollte nur darauf aufmerksam gemacht haben, wie unsere Youngster das Viertel, den Verein und ihre Welt sehen …

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