Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

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„Keine Straftaten, keine verfassungsfeindlichen Symbole, keine Neonazis, kein Problem. So sehen es die Polizei und der Klub. Der Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer kommt allerdings zu einem ganz anderen Urteil. Der Soziologe hat im Auftrag der Stadt Dortmund im vergangenen Jahr eine Studie über den Rechtsextremismus in Dortmund erstellt. «Selbst wenn die Neonazis im Stadion nicht offensichtlich agitieren, ist es für sie der ideale Ort, um neue Leute anzuwerben», sagt Heitmeyer. Er hält es für einen Fehler, die Neonazis beim BVB zu ignorieren; das erlaube ihnen, sich unbemerkt auszubreiten.

Fahrten zu KZ-Gedenkstätten

Auf Anfrage heisst es bei Borussia Dortmund, dass man von «solchen Umtrieben noch nichts bemerkt» habe. Grundsätzlich ist der Verein allerdings sensibilisiert für das Thema. So veranstaltet der BVB über das Fanprojekt regelmässig Fahrten mit jungen Ultras zu KZ-Gedenkstätten. Rolf-Arnd Marewski sagt, dass die Neonazis vor allem ausserhalb des Stadions ein Problem darstellten: «Das sind ganz junge, extrem gewaltbereite Leute, ihre rassistischen und antisemitischen Parolen skandieren sie meist auf den Fahrten zu den Auswärtsspielen.»

Wie zuletzt Ende September bei der Partie gegen den Aufsteiger St. Pauli in Hamburg. Dort überfielen zwei Dutzend Angreifer im Ultra-Dress die Fankneipe der St.-Pauli-Anhänger, das «Jolly Roger». «, haben die uns zugebrüllt», berichtet ein Augenzeuge.“

Puuh. Der Begriff „rechtsoffen“ ist ja immer häufiger auch aus anderen Stadien zu hören. Und gerade die Anbindung an die „Autonomen Nationalisten“ zieht sofort ein ganz anderes Problem nach sich – daß deren Ideologie meines Wissens häufig eine „Kapitalismuskritik von rechts“ ist, die sogar das Motiv der „Kolonisierung der Lebenswelt“, Jürgen Habermas , adaptiert, das hier im Blog eine der Kategorien ist. Die gegen eine abgehobene, in sich ununterscheidbare Parteienlandschaft agitiert, die die Interessen der Bevölkerung weder kennt noch wahr nimmt. So etwas ist prima fusionierbar mit einer Kritik des „Kommerzes“ beim Fussball und dem dort ja manifesten Lokalpatriotismus.

Ich weiß nicht, ob und wie weit die denken, und es ist historisch kein Novum, diagnostisch bei links zu klauen und das mit der ganzen völkischen Scheiße aufzuladen, zu der diese Drecksäcke fähig sind, um bei zu links konträren Antworten, eben nationalistischen, rassistischen, antisemitischen zu landen. Und ich frage mich ganz offen, ob nun KZ-Besuche da Abhilfe schaffen können. Oder was es sein kann.

Nicht minder bemerkenswert dieser Verzicht auf offene Symbole, auch das nix Neues, aus diesem Anlass einmal mehr erwähnt – weil sich da eben auch die Frage stellt, inwiefern das Anziehen von Totenkopfpullis, symbolischer Akt, und dergleichen mehr und ansonsten die weitestgehende Ignoranz politischer Fragen eine ädaquate Antwort darstellt. Ich spreche vom FC St. Pauli und kann mich irren, daß immer noch viel mehr Politisierung bei uns herrscht, als ich das aktuell wahr nehme.

Eher Fragen über Fragen, angerissen, unsortiert, von einem St. Paulianer anlässlich dieses Artikels gestellt …

(via St. Pauli Nu)

7 Antworten zu “?

  1. kleinertod November 11, 2010 um 6:54 pm

    Der Satz „Dort überfielen zwei Dutzend Angreifer im Ultra-Dress die Fankneipe der St.-Pauli-Anhänger, das «Jolly Roger». «, haben die uns zugebrüllt», berichtet ein Augenzeuge.”“ ist leider unverständlich, der link hingegen spannend.

    Gut, wenn dies Grauen thematisiert wird. Lösungen sind sicherlich von Seiten des Vereins schwierig – in die Köpfe kann man nicht schauen – aber möglich bei entsprechender Bereitschaft – und wenn eben auch ein nicht unerheblicher Teil der Fans mitmacht bei dem Reinigungsprozeß.

    Welche Mittel im Einzelnen zur Erfolglosigkeit verdammt sind ist eine andere Frage – aber an sich sind diese Dinge eher zu begrüßen. Aber eben nicht abzusegnen als ausreichend.

    Der Kampf gegen Hohlbirnen in den eigenen Reihen ist ein fortlaufender und auch bei uns niemals ausgestanden – wenngleich wir derzeit kaum Gefahr laufen, von dieser Seite aus unterwandert zu werden…

  2. Loellie November 11, 2010 um 7:11 pm

    Dann denk ich doch endlich mal dran den Artikel aus der WOZ über die Serbischen Hools geschickt zu platzieren

    http://www.woz.ch/artikel/2010/nr43/thema/19958.html

    Das hatte Che in diesem Sinne ja schon angerissen, die WOZ ist da logischerweise ausführlicher.

  3. momorulez November 11, 2010 um 8:01 pm

    @Loellie:

    Es gab neulich auch ein recht erschütterndes Interview über Fussballfans in der Ukraine, ich weiß nur nicht mehr wo das war, mit einer Schalker Fanbeauftragten. Die schilderte einen derat offenen Rassismus und Neofaschismus, ganz finster. Die begründete das da mit „Alles, was links ist, gilt durch die realsozialistischen Verhältnisse als furchtbar, als finden die Leute alles gut, was rechts ist.“ Ist zwar ein bißchen schlicht, aber das war echt gruselig zu lesen.

  4. Loellie November 11, 2010 um 8:06 pm

    http://fanini.blogsport.de/2010/11/07/das-war-versuchter-mord/

    Der erste Googletreffer. Zum lesen komm ich heute aber nicht mehr

  5. momorulez November 11, 2010 um 8:10 pm

    @Kleinertod:

    Das ist ja keine Frage der „Selbstreinigung der Vereine“, dann gehen die Jungs halt woanders hin. Wollte uns als FC St. Pauli auch kein Problem andichten; wir haben eher das Problem, daß die, die gerade nicht volltrunken sind, so satt, studentisch und sozialpädagogisiert sind oder aber in Medien und Werbung arbeitend zu abgehoben, ich ja auch, um noch mitzukriegen, was abgeht. Wobei ich z.B. das politische Innenleben der Jolly-Gänger und Ultras zu wenig kenne.

    Für mich war eher die Frage, was für eine Art linker Gegenwehr da im Allgemeinen denkbar ist, die sich auch beim FC St. Pauli zeigen kann. Und über „Gegen rechts“-Sticker hinaus geht. Marketing-Aktionen im Delacroix-Look können das ja nicht sein.

    PS: Da fehlten Worte im letzten Absatz des Zitates, habe das geflickt.

  6. momorulez November 11, 2010 um 8:25 pm

    @Loellie:

    Ja, da ist das Interview übernommen worden!

  7. momorulez November 12, 2010 um 1:00 pm

    Bemerkenswerterweise redigiert WordPress „Juden“ haben die uns zugerufen raus. Habe das schon zu korrigieren versucht, ging nicht.

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