Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Menschen im St. Pauli-Pulli …

„Mitten im liberalen Berliner Wellnessparadies, dem Weinbergspark, beobachtete ich kürzlich einen kleinen Jungen, der ein afrodeutsches Mädchen mit „Du bist eine Negerin!“ beschimpfte. Und der Vater? Stand daneben in seinem frisch gebügelten FC-St.-Pauli-Kaputzenpulli und las die SZ! Diese Situation war gruseliger als jeder Horrorfilm. Denn immerhin befand man sich im Epizentrum der Toleranz.“

Trage heute auch einen FC-St. Pauli-Kaputzenpulli. Und der Verein, als Mikrokosmos, nicht Institution gedacht, kann nun wenig Einfluss darauf nehmen, wer diese Klamotten trägt und sich so alles am ideologischen Ablaßhandel durch Stadionbesuch beteiligt – Gesinnung kaufen gehen, an der Vorreiterrolle der Fans im Kampf gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie schmarotzen und ansonsten den Linksspießer geben, das soll jedoch vorkommen. Schön wäre es, wenn wir jede Menge Fans wie Julia  Grosse hätten, die genau denen dann den Kopf waschen.

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15 Antworten zu “Menschen im St. Pauli-Pulli …

  1. mondoprinte Oktober 28, 2010 um 4:54 am

    Merke: Es geht darum, dass man zu den sympathischen Leuten gehört. Es zählt dabei nicht die Substanz dessen, was besagte Leute denken und meinen, sondern dass sie – nach außen sichtbar – zu besagter Gruppe gehören. Es reicht schon, sich eines positiven Vorurteils zu bedienen.
    Rassismus wird akzeptiert, solange er von jenen praktiziert wird, denen man unbedingt Gutes unterstellt. „Kritische Konsumenten“ (T. Ebermann) gibt es auch mit Totenkopf-T-Shirt…

  2. momorulez Oktober 28, 2010 um 8:53 am

    Ja. Und genau dieses „zu den Guten gehören“, ansonsten aber jegliche Reflexion abschmettern, nervt mich mittlerweile aber so was von. Es gibt ja auch weiterhin sehr viele sehr andere bei uns im Stadion, wahrscheinlich weit mehr als anderswo, aber es auch vieles zur Pose geronnen, und das tut weh.

    Der Ebermann läuft mir in der Tat im Moment ständig über den Weg, und jedes Mal wird einem klar, auf was für ein jämmerliches Niveau die politische Diskussion gesunken ist, seitdem solche weg sind. War neulich schon drauf und dran, den als St. Pauli-Präsident vorschlagen zu wollen (obwohl ich keine Ahnung habe, wie der zum FC St. Pauli steht), aber mit irgendwelchen Banken, Rummenigges und falschen Zwanzigern verhandeln, das würde so einer sich gar nicht antun.

  3. T. Albert Oktober 28, 2010 um 11:12 am

    Das Mädchen war halt intolerant und nicht aufgeklärt und homophob. Ist doch logisch.

  4. momorulez Oktober 28, 2010 um 11:26 am

    Ja, ich finde auch, daß man ja wohl ganz unaufgeregt konstatieren können muss, um sich den illusionslosen Blick auf die Welt auf die Welt bewahren. Allles Projektion, was die taz-Autorin da schreibt.

    (Gott, der arme Gurkenkaiser hat das neulich zunächst ernst genommen, als Du und Loellie solche Sprüche klopptet …)

  5. T. Albert Oktober 28, 2010 um 1:00 pm

    Gurkenkaiser bitte ich um Nachsicht!
    Wenn ihm jemand recht gibt, dann ich.
    Aber ich komme mit der ganzen Sache so nicht mehr klar, also mit dieser ganzem Rationalisierungsscheisse, dass ich mich um so mehr meiner eigentlich besten Laune erinnere und mich staunend auf das Lächerliche von „kosmogenitalischen Ausmassen“(Qeneau, nich Nietzsche), das diesen faschistischen Mehrheitsdiskurs, Dank an R. Michel hier, eigentlich ausmacht.

    Zum Grosse-Artikel: Ja, so isses. Da Erfahrungen dieser Art nicht ernst genommen werden – das macht den faschistischen Mehrheitsdiskurs aus, dazu kann man viel sagen – , erzähle ich ja auch meine Erfahrungen nicht mehr, die ich an der Seite meiner früheren langjährigen Freundin machen durfte. Ich habe davon schon mehrmals berichtet bei Che und den lustigen abürokratischen und gnademlosen Oberlaberalen, aber die Indolenz, die sich dann zeigt, hat mich dazu bewogen, das nicht mehr zu tun.
    Das waren Erfahrungen in Deutschland, besonders schön, weil unvermittelt und ehrlicher als sonst ausgestossen, waren sie in den Pogromjahren 92,93,94. Wie wäre es mit „Ekel“, um zu bezeichnen, was die Erinnerung daran immer noch in mir auslöst.
    Aber ist wohl alles Projektion, ja.

  6. T. Albert Oktober 28, 2010 um 1:06 pm

    Oh Mann, das Mädchen ist wahrscheinlich auch beschnitten, also ist es ein Verstoss gegen die universalen Menschenrechte, die gelten auch am Weinbergspark.

  7. T. Albert Oktober 28, 2010 um 1:08 pm

    da oben fehlt was: staunend…(), stürze, ….

  8. che2001 Oktober 28, 2010 um 1:50 pm

    Mit dem Ebermann war ich sogar mal Abendessen und einen heben. Wirklich ganz anderes Kaliber als die heutigen Politikerkleindarsteller. Ich sage nur: Eckart von Klaeden.

  9. momorulez Oktober 28, 2010 um 2:07 pm

    „Da Erfahrungen dieser Art nicht ernst genommen werden (…) Aber ist wohl alles Projektion, ja.“

    Ja, in der Tat. Und dann kommen vor allem die symbolisch,sprachlich, weltdeutungstechnisch ständig alles Eliminierenden, zu zufällig auf einer Party mal einen Schwulen getroffen haben, daher und attestieren denen, die abweichende Erfahrung berichten, „Vernichtungswille“. Das ist ja quasi-psychoanalytisch ganz interessant, was da abgeht, eben die Angst, daß man mit ihnen anstellt, was sie mit anderen anzustellen gewohnt sind.

    „Oh Mann, das Mädchen ist wahrscheinlich auch beschnitten, also ist es ein Verstoss gegen die universalen Menschenrechte,“

    Daß es sich bei der genannten Form der Beschneidung um einen gravierenden Menschenrechtsverstoß handelt, sollte ja unstrittig sein – daß man die Menschenrechte herrlich instrumentalsieren kann, um Diskreditierungsformen wie die von Dir aufgezeigte abzuspulen, leider auch. Zudem das:

    „Und dieses Urteil maße ich mir hiermit an. Nicht als weißer Herr zum schwarzen „Neger“. Sondern von Mensch zu Mensch. Und wenn man mir (zu Recht!) antwortet, diese Strafe sei doch erst durch die weißen Herren eingeführt worden, so antworte ich: Seid Ihr denen immer noch Untertan?“

    nicht nur einmal mehr die Gelegenheit nutzt, „Neger“ irgendwie los zu werden, sondern schlicht kontraproduktiv ist – wenn so ein HF99 da rum springt und sogar noch in biblische Formen übergeht „Ich aber sage euch“ anstimmt, erreichte das allenfalls das Gegenteil. Auch noch ein Messiahs-Komplex, zu allem Überfluß. Es gibt ja nun meine Wissens diverse Initiativen von schwarzen Frauen vor Ort, die man auch einfach mal unterstützen kann, anstatt daß da wer rum labert „Aber wisse, ich rede von Mensch zu Mensch mit Dir!“ Wie großzügig.

    Interessant ist das alles übirgens auch hinsichtlich des „christlichen Menschenbildes“, das von Eva an Frauen als Vehikel teuflischer Verführung und Fleischeslust gegeißelt hat. Das ist irgendwie in Vergessenheit geraten, die ganze Identifzierungen von „Frau“ mit „Fleisch“ und „Verschlingen“ und „Verführung“. Na, und nun kann man sich ja mal fragen, was Frau Merkel da konsequenterweise fordern müsste …

    Ebermann ist mir eben schon wieder über den Weg gelaufen. Ich will den dann immer gleich wählen.

  10. Isi Oktober 28, 2010 um 3:53 pm

    Seitdem ich ´ne Werder-Handtasche habe und passende Bettwäsche, trete ich gnadenlos Machos in den Arsch. Geht ok, oder?

    😉

  11. momorulez Oktober 28, 2010 um 3:55 pm

    Meiner Ansicht nach schon 😉 – der Fanblock für das Spiel gegen Werder ist leider heute innerhalb weniger Stunden ausverkauft gewesen. Dabei wollte ich da eigentlich hin. Mist.

  12. Isi Oktober 28, 2010 um 5:39 pm

    Meine Tochter ist der Fußball-Fan und sie kann nicht zu Werder-Pauli gehen, weil sie nicht wüßte, für wen sie jubeln soll.

  13. che2001 Oktober 28, 2010 um 5:49 pm

    Geht mir so ähnlich als Fan beider Mannschaften.

  14. momorulez Oktober 28, 2010 um 7:14 pm

    Na, für mich könnte sich nicht stellen 😉 – mag ja Werder auch, aber was St. Pauli betrifft, bin ich unwiderruflich parteiisch. Das ist ein soooo wichtiger Teil meines Lebens …

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