Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die instrumentelle Einstellung zum Anderen

Irgendwann konnte ich es nicht mehr hören. Da saßen diese feisten Bessertrainer hinter mir am Tresen und pöbelten in einer Art und Weise über Gerald Asamoah, daß ich es kaum noch aushalten konnte. Ich fand auch nicht, daß er besonders gut in Stuttgart gespielt hat; ich fand das auch gegen Nürnberg nicht, und da hat er ein Tor geschossen und eines vorbereitet. Und überhaupt. Hey, das ist Gerald Asamoah! Ich ranze die Bessertrainer an, sie sollten es mal unterlassen, permanent über die eigenen Spieler herzuziehen, das sei immerhin der erste schwarze, deutsche Nationalspieler gewesen und überhaupt. Den Rest des Abends gifteten wir uns an; in den Augen meines direkten Nachbarn glimmte fast Hass, als er geiferte, dieses Spiel habe ja Stani verloren, weil er den Gerald so lange auf dem Platz ließ.

Das sind diese berühmten Situationen, da man am Beispiel Fussball ganze Gesellschaftstheorien referieren könnte. Keine Angst, mache ich jetzt nicht. Trotzdem: Was geht in diesen Leuten vor, die nicht etwa punktuelles Verhalten geißeln, sondern in einer völlig übersteigerten Adaption des innerkapitalitischen Leistungsprinzips auf Gesamtpersonen los gehen? Ja, ist bei uns noch harmlos, man munkelt, andernorts riefen sie „Wir schlagen euch tot!“, trotzdem, was für eine Lust treibt da an bei diesem „Fussball gucken, um Spieler nieder zu machen“?

Meine Intervention freilich war nicht minder teilgaga, weil ein Lechner, ein Bruns oder mein Zweitschwarm Ozcipka nun auch nicht weniger Respekt verdient haben. Und Respektlosigkeit ist auch bei Cacau nicht geboten, deshalb ist das „über die eigenen Leute herfallen“ auch schon wieder blöde.

Aber Abschlussfrage: Worin besteht die Differenz zwischen dem Einfordern von Respekt und der spießbürgerlichen Benimmregel? Ich stelle die Frage ohne jede polemische Absicht; die ist für jemanden, der einst im Studienschwerpunkt Sozial- und Moralphilosophie durchackerte, einfach ganz spannend.

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Eine Antwort zu “Die instrumentelle Einstellung zum Anderen

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