Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Da wächst was aus meiner Tapete …

… und flüstert mir zu. „Hey!“, flüstert es, „glaub bloß nicht, keiner schaut Dir zu.“ Da in langen Jahren des Bloggens mir so oft berichtet wurde, freundschaftlich, verständnisvoll, kameradschaftlich, daß ich eh nur projizierte, dachte ich kurz „Bin das ich?“

Das sieht aber ganz anders aus. Kann eigentlich nicht sein.

Manchmal zwinkert es mir zu, neckisch, kumpelhaft. Dann wieder kritisiert es mich harsch, es sei schließlich objektiv und ich mit all meinen Betroffenheiten eh nur nervtötend. Über „Das macht mich jetzt aber betroffen!“ hätten schließlich 3 Pop-Generationen sich schlapp gelacht, da müsse ich meine Lachhaftigkeit nicht auch noch ständig so inszenieren.

Gelegentliche Beschimpfungen höre ich schon gar nicht mehr, sie sind mir ständige Begleiter geworden. Gestern referierte es von Korrelationseffizienten und eindimensionaler Skalierung, wie Schluckauf drängte sich ein Ausruf dazwischen, immer das gleiche Wort: „Offenbarung!“ Ich wollte dann, mit dem Hund war ich schon draußen gewesen, mit ihm über Sätze diskutieren, die mit „Offenbar“ anfangen.

Doch es hört mir gar nicht zu. Es wächst da vor sich hin und sagt nur immer wieder, man habe es geschickt, aber es dürfe nicht sagen, wer das getan habe und warum und schon gar nicht, wofür es da sei. Ich habe auch ein Bild davor gehängt, da hat es sich kurzerhand durchgefressen.

Manchmal hat es romantische 5 Minuten und wird leiser, es wolle mal wieder eine Alte knallen, raunt es dann. Wenn es sich langweilt, z.B., wenn ich Mittagsschlaf halte, während andere schon im Stadion sind, stimmt es „Wohl unter Linden, wo wir uns finden!“ an, so laut, daß sich schon die Nachbarn beschwerten – und ich wache dann natürlich auch auf.

Wenn ich Kaffee koche, brüllt es mir aus dem Wohnzimmer hinterher „Nie sollst Du mich befragen!“, dabei habe ich das eh aufgegeben. Ich spüre nur, wie es anfängt, mein Verhalten zu beeinflussen, weil ich dauernd genötigt bin, mich irgendwie zu ihm zu verhalten. Ständig kommentiert es alles, was ich tue – wie ich den Hund kämmen soll, daß ich mir wenigstens einen Schäferhund hätte kaufen sollen, wieso ich ständig diesen Quatsch lesen würde,und ob ich nicht mal gründlicher putzen könne. Und wo eigentlich meine Freundin sei. „Beziehungsunfähig, oder was?“

Nichts von alledem machte ich, nichts überzeugte mich, und doch sind diese Sprüche schon nervend, wenn man nur Musik hören will. Jetzt brüllt es mir gerade zu, wie ich schreiben soll. „Kurze Sätze! Zackig! Immer an den Leser denken! Immer! IMMER!“

Nur einmal, da ist es kurz verstummt: Als ich es gemalt habe. Das Resultat sieht man ja oben. Wieso nur erinnert es mich so an Sky DuMont?

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8 Antworten zu “Da wächst was aus meiner Tapete …

  1. Jekylla Oktober 24, 2010 um 7:23 pm

    Mich erinnert es an Charlie Rivel. Aber was weiss ich schon?

  2. momorulez Oktober 24, 2010 um 7:25 pm

    Das Original war aber tatsächlich Sky Dumont 😉 – den Mund habe ich freilich nachbearbeitet.

    Ich war übrigens mit dem Spiel heute trotz Niederlage zufrieden – und Sie?

  3. jekylla Oktober 25, 2010 um 7:54 am

    Ich auch. Wenn man die Euphorie, die sich zwischenzeitlich immer mal einstellt, mit einem realistischen Auge betrachtet, ist alles, was am Ende <15 ist, ein guter Platz.

    Wenn man gute Chancen nicht verwandelt, verliert man eben auch mal altruistisch gegen den VfB. 😉

  4. jekylla Oktober 25, 2010 um 7:54 am

    <= hätte das heissen sollen, Sonderzeichenfail 🙂

  5. Nörgler Oktober 25, 2010 um 9:41 am

    Ihr Säcke! Ihr Pfeifen! Ihr Versager! Wegen Euch ist dieser faszinierend brillant spielende FCK 1 Platz runtergerutscht!

  6. momorulez Oktober 25, 2010 um 11:55 am

    Könnte das nicht am Versagen, der Sackhaftigkeit und dem Pfeiffentum des FCK selbst gelegen haben? 😉

  7. Nörgler Oktober 25, 2010 um 12:19 pm

    Der FCK hat damit überhaupt nichts zu tun. Nur St. Pauli ist schuld!

  8. momorulez Oktober 25, 2010 um 12:25 pm

    Angesichts dessen, daß es mir lieber ist, der FCK steigt ab, als daß das uns widerfährt, nehmen wir diese Schuld gerne auf uns 😉 …

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