Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Wohl wahr: Muslimenbashing als aggressive Normalisierungsstrategie, Fortsetzung des „Antisemitismusstreits“ vor 130 Jahren und BRD-Kontinuitätslinie

„Der Historiker Golo Mann hat 1961 in seinem Buch „Über Antisemitismus“ treffend beschrieben, worum es beim Antisemitismusstreit ging: „Zugleich mit der Judenemanzipation, der neuen bürgerlichen Angleichung im 19. Jahrhundert, erscheint der neue Antisemitismus. Aber er ist zunächst nicht das, was wir uns darunter vorstellen; er verlangt nicht Ausschließung, sondern völlige Angleichung und Bescheidenheit in der Angleichung; er verlangt Ausschließung nur derer, die sich nicht angleichen wollen.“

(…)

Im Wendewahlkampf 1982/83, aus dem Helmut Kohl siegreich hervorging, versprach die CDU, die Arbeitslosigkeit und die Zahl der in Deutschland lebenden Türken um die Hälfte zu reduzieren. Und Innenminister Friedrich Zimmermann (CSU) verkündete im Mai 1983: Ein konfliktfreies Zusammenleben wird nur möglich sein, wenn die Zahl der Ausländer bei uns begrenzt und langfristig vermindert wird, was vor allem die großen Volksgruppen, die Türken, betrifft.“
In Folge des allgegenwärtigen Türkenbashing in Politik und Publizistik kommt es in den achtziger Jahren zu einer Welle antitürkischer Gewalt in Westdeutschland. Türken werden von neonazistischen Straßenbanden erschlagen – in Hamburg, Berlin und anderswo. Und im bayerischen Schwandorf verbrennt 1988 ein Neonazi erstmals Türken im Schlaf.“

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4 Antworten zu “Wohl wahr: Muslimenbashing als aggressive Normalisierungsstrategie, Fortsetzung des „Antisemitismusstreits“ vor 130 Jahren und BRD-Kontinuitätslinie

  1. T. Albert Oktober 19, 2010 um 4:54 pm

    Ja, alles unstatthaft, alles unstatthaft.

    Denke immer, wenn das alles unstatthaft ist, es in Zusammenhang zu bringen, um so irrer.

  2. che2001 Oktober 19, 2010 um 9:48 pm

    Nach dem Attentat in Solingen titelte der „Fokus“: „Großmütig will Kohl die Türken versöhnen.“. Gemeint war Aufklärung des Verbrechens – eine absolute Selbstverständlichkeit für die Strafverfolgungsbehörden, warum sollte das den Türken gegenüber großzügig sein? – und die Einnahme einer Verdammungshaltung gegenüber Neonazis – was ist daran hinsichtlich einer demokratischen Regierung bemerkenswert? Na, immerhin hatte vorher Kohl selber sich noch als Leser der neurechten Postille „Mut“ geoutet, Wolfgang Gessenharter (kein linker Antifa-Protagonist, sondern Dozent an der Hochschule der Bundeswehr) festgestellt, dass die Neue Rechte mitregiere, wenn sie als Stichwortgeber für Kohl, Seiters und Co. fungiere, und Sprüche wie „man müsste schon einen reichen Juden erschlagen“, um den Sozialstaat zu finanzieren oder das Leben im Station von Santiago de Chile (einem KZ) sei bei sonnigem Wetter recht angenehm in den 70ern und frühen 80ern Standardrepertoire in der CDU. Da wurden die Gleise gelegt, auf denen sich heutige Diskurse bewegen, weniger grobschlächtig, dafür bis in die SPD hinein. Hatte gerade ein Gespräch mit Leuten aus Flüchtlingssoliinitiativen, dessen Quintessenz es war, dass das heutige Problem nicht Skin-Schlägerhorden seien sondern die Mitte der Gesellschaft. Sehnsucht nach den Panthern (Eldridge Cleaver, Stokeley Carmichael und Solchen).

  3. che2001 Oktober 19, 2010 um 10:31 pm

    Wenn Deutschtürken und Deutscharaber bei Antirassismusdemos so aufmarschierten wie damals die Schwarzen in Amerikanien, nämlich mit geschulterten Schrotflinten, wie reagierte dann die Staatsgewalt? Antifasist Genclik war da ja vergleichsweise harmlos.

    BTW: Machen wirs dem Franzman nach – Alle Räder stehen still. Ich will endlich mal hierzulande einen echten Generalstreik.

  4. momorulez Oktober 20, 2010 um 9:24 am

    Der ist ja hier verboten … schlimm. Fand ich immer eine der richtigen Forderungen Lafontaines, Generalstreiks und politische Streiks nicht mehr zu illegalisieren.

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