Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Der Pfeiffer und sein Steckenpferd

„„Die Türken wünschen sich mehr Kontakt zu den Deutschen, aber die Deutschen zeigen ihnen die kalte Schulter“, sagte Christian Pfeiffer, der Leiter des Forschungsinstituts, der „Süddeutschen Zeitung“. Pfeiffer geht davon aus, dass auch schlechte Erfahrungen deutscher Jugendlicher mit türkischen Altersgenossen zu diesem Ergebnis beigetragen haben. „Es gibt eine Macho-Kultur, die hier Probleme macht“, sagte er.“

Da legt der Herr Pfeiffer den Kern des völkischen Selbstverständnisses hierzulande frei, und dann liegt es plötzlich am vermeindlichen Macho-Privileg der Türken. Der ehemalige Justizminister Niedersachsens scheint in der „freien Wirtschaft“ wenig unterwegs gewesen zu sein – mehr Machismo, als in all den Statussymbolen er sich äußert, von der schicken Karre über das richtige Handy bis hin zur Wahl des Anzugs, geht ja gar nicht. Wer für Konkurrenz und Leistung votiert unter realkapitalistischen Bedingungen, plädiert für Machotum. Was macht denn „der Macho“? Er signalisiert Stärke, Überlegenheit, Durchsetzungsvermögen, Egoismus, also alles Attribute, die auf Chefetagen als förderlich gelten.

Die Äußerungen Pfeiffers sind selbst ein Indikator für die Einheit von Klassismus und Rassismus in Deutschland: Der „deutsche“ Macho ist zumeist ökonomisch eher privilegiert und kann somit auf die direkte, körperliche Demonstration „männlicher Tugenden“ zumeist verzichten. Während ich keinerlei Unterschied zwischen dem Auftreten vieler „deutscher“ „Unterschichtsangehöriger“ und ihren wahlweise „türkischen“, italienischen“, „britischen“ oder „us-amerikanischen“ Pendants wahr nehmen kann. Letztere haben es lediglich geschafft, eine „White Trash“-Kultur zu zelebrieren, die sich auch so nennt – im Gegensatz zu „Malle für alle“, dem „deutschen“ Pendant.

Daß gerade die Wohnlage betreffend die Abgrenzung gegen „Unterschichten“ dem deutschen Kleinbürger-Spießer Gebot ist, weil der sich „nach oben“ orientiert wie immer schon, völlig durchdefiniert vom Haben statt vom Sein, auch das scheint ein Herr Pfeiffer in seiner Substanz-Metaphysik aufgrund mangelnder analytischen Kategorien nicht erfassen zu wollen. „Türkisch“ gilt vielen schlicht als Synonym für „Unterschicht“, nix anderes hat der Herr belegt.

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