Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Gerald Asamoah – o o oho HO!

Schöner als jeder Spielbericht:

SPOX: Wie haben Sie die Situation bei Ihrem Ausgleichstreffer erlebt?

Asamoah: (lacht) Ecke kommt rein, Asamoah steht rum, weiß nicht, wo er hin muss. Ball kommt, Kopfball, Tor.

Und der Grund für nächtliche Twitter-Wechselgesänge – prima war’s 😀 !

Ergänzend zur Pointe lesenswert auch die analytischen Qualitäten Asamoahs:

Asamoah: Meine Spielweise kam dem auf jeden Fall zugute. Ich bin ja nicht der Spieler, der in die Spitze sprintet, sondern den Ball behauptet und auch verteilt. Die Mitspieler wissen das natürlich und können dadurch wiederum selbst eigene Räume schaffen. Wichtig war in dieser Phase, dass wir die Bälle nicht schnell verlieren und in Konter laufen. Dazu habe ich versucht beizutragen.

SPOX: Könnte nicht schaden, wenn der ein oder andere Mitspieler diese Qualitäten auch hätte, oder?

Asamoah: Jeder hat seine Qualitäten. Jeder lernt bei uns von jedem. Ich könnte vielleicht noch von Marius Ebbers lernen, wie man eiskalt vor dem Tor bleibt. Vielleicht kann der ein oder andere von mir lernen, wie man lustig sein kann (lacht). Wir ergänzen uns da ganz gut.

SPOX: Charles Takyi ist neben Ihnen heute richtig aufgeblüht.

Asamoah: Stimmt, wir haben heute gut harmoniert. Als er gemerkt hat, dass jemand da ist, der die Bälle gut halten kann, konnte er seine Freiräume wiederum sehr gut nutzen und befreiter spielen.“

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12 Antworten zu “Gerald Asamoah – o o oho HO!

  1. kleinertod September 23, 2010 um 4:29 pm

    Herrlich und sehr amüsant. Danke für diesen link.

    Und die ersten beiden Sätze der letzten Antwort von Asamoah (also im Interview selbst) fand ich auch wieder genial. ^^

  2. momorulez September 23, 2010 um 6:17 pm

    Hatte den Link im Forum gefunden – und die Pointe zum Schluss fand ich auch prima 😉 …

  3. Nörgler September 23, 2010 um 8:10 pm

    Zu Asamoah kann ich noch eine historische Anekdote beitragen.

    Es begab sich aber zu der Zeit, als Asamoah bei Schalke und Amantinides beim FCK spielte. Der FCK hatte Heimspiel, und ich guckte in einer Lauterer Glotz&Saufkneipe, im Volke besser als „Premiere Sportsbar“ bekannt, das Spiel.

    Amantinides war für Asamoah zuständig. Das Duell verlief recht einseitig. Asamoah versetzt Amantinides einmal. Asamoah versetzt Amantinides zweimal. Asamoah versetzt Amantinides zum dritten mal.
    Amantinides erkannte ab Spielminute 20, daß er mit fußballerischen Mitteln da keinen Stich macht. Nunmehr Rempeln, Treten, Ellbogen raus, Trikotziehen, das volle Programm. Er machte das aber sehr geschickt, und der zudem mit Blindheit geschlagene Schiri zog nie eine Karte. So ging das in der ersten, so ging das in der zweiten Halbzeit. Asamoah startet, bringt sich und die Mitspieler in Position, Amantinides ist bei ihm und macht etwas, das Asamoahs schmerzverzerrtes Gesicht zur Folge hat.
    Aber Asamoah macht nie ein Revanchefaul, das moralisch längst mehr als berechtigt gewesen wäre. Asamoah spielt sein Ding, leidet, fühlt den Schmerz und erträgt ihn stoisch.
    Und dann kommt irgendeine Minute in den letzten 10 Minuten: Asamoah ist wieder mal vorbei, Amantinides erwischt immerhin noch des Gegenspielers Bein von hinten. Asamoah geht zu Boden, steht auf, brüllt Amantinides an. Der stößt Asamoah weg, Asamoah stößt Amantinides weg – und der Schiri gibt Rot gegen Asamoah.
    Das haben dann selbst die FCK-Fans im Sportspub irgendwie Scheiße gefunden.
    _________________________________

    Glückwunsch für Pauli! Sauber gemacht.

    Aber 0:5. So hat der FCK-Fan das von Anfang an befürchtet. Nach Desaster@Dortmund sind jetzt die Pfälzer Urängste reaktiviert: „nicht erstligafähig“.
    War das der Anfang vom Ende? Werden wir jetzt nach unten durchgereicht?

  4. momorulez September 23, 2010 um 8:27 pm

    Aaaaargh – gemeine Anekdote. Weil das so viel über ja wirklich Klasse-Typen wie Asamoah und die Gemeinheit dieser Welt aussagt.

    Wir – also die, die da im Stadion waren – haben ihn ja auch tatsächlich zumindest teilweise ans Millerntor gesungen. Beim Testspiel im Winter gegen Schalke hat das halbe Millerntor frenetisch „Wir wollen den Gerald sehen!“ gesungen, tatsächlich aus tiefem Herzen kommend und ganz ehrlich, und sich überschlagen vor Jubel, als er eingewechselt wurde. Er hat später in Interviews gesagt, daß er erst dachte, die wollten ihn verarschen, bis er schnallte, daß das ganz ernst gemeint war. Da hat sich wohl was bei ihm in Kopf und Bauch bewegt. Oder hatte ich das schon mal erzählt?

    Und er wurde echt vom ersten Moment an – trotz auch kritischer Stimmen im Forum – heiß und innig geliebt. Beim ersten Foul gegen ihn im ersten Testspiel wäre das Publikum fast ausgerastet – „tu ja unserem Gerald nix!!!“. Nicht nur, weil der für unsere Verhältnisse ja ein sehr großer Name ist. Das passt einfach, er und St. Pauli. Ich glaube, er fühlt sich auch echt wohl. So inmitten der heran strömenden Zuschauermassen ganz unprätentiös mit Mitspielern zum Stadion laufend sah ich ihn neulich, total entspannt.

    Danke für den Glückwunsch! Das war echt superwichtig, daß wir das gestern noch gewonnen haben.

    Für Lautern lief es ja leider nicht so gut 😦 … mal gucken, wie das wird mit uns und dem BVB.

  5. Nörgler September 23, 2010 um 10:50 pm

    Ich darf für mich beanspruchen, daß ich Asamoah von Anfang an für einen sauguten Fußballer gehalten habe, schon vor vielen Jahren. Der war doch auch Nationalspieler, wieso jetzt nicht mehr? Zu alt, zu langsam? Den muß man doch bloß nochmal lassen.
    Wir Alten haben nicht mehr so die Power, aber wir haben die Technik und die Erfahrung. Wir haben die Übersicht und die Antizipation. Wir riechen die Gefahr und wir riechen die Möglichkeit. Das ist Asamoah.

  6. momorulez September 23, 2010 um 11:07 pm

    Der wurde einfach auf Schalke zum Außenlinienrenner degradiert, gemeinerweise, und so auch für die Nationalmannschaft uninteressant. Wohl auch, weil er kein Poser ist. Fies.

    Weil das so was von richtig ist, was Du schreibst. Habe den jetzt erst drei Mal , und jedes Mal nicht mal eine ganze Halbzeit, selbst auf demPlatz gesehen – und was der für einen Überblick ins Spiel bringt, wie souverän er es umsortiert und was der für eine Präsenz hat – unglaublich. Der hat sich auch manchmal zu sehr zum lustigen Faxenmacher gemacht, dabei ist der pure Spielintelligenz.

    Einfach noch eine Anekdote, weil das wichtig für andere Diskussionen ist: Als ich Asamoah erstmals mit meinem schwarzen, Düsseldorfer Kompagnon in unserem Stammlokal traf, zusammen mit Charles Takyi, mit dem mein Kompagnon locker befreundet ist, saß der danach vor seinem Gyros und hat fast geheult. Weil er dem Gerald die Hände geschüttelt hat, auch einfach, weil der da war – und das nicht aus teeniehafter Starverehrung, sondern eben auch, weil das der erste schwarze Nationalspieler in Deutschland war.

    Und dann kommen diese ganzen verfickten „Linken“ an und labern, Hautfarbe würde doch keine Rolle spielen und wer sie erwähne, sei Rassist, schwätzen vom „rassistischen Arm der Black Panthers“ – weil mein Kompagnon sich das, was „Brot für die Welt“-Plakate als einziges Identikationsangebot aus ihm machten, selbstverständlich nur einbildete. Aaaaargh!

  7. bersarin September 24, 2010 um 5:11 pm

    Gut könnte ich mir vorstellen, ein Interesse an und irgendwann auch ein Verständnis vom Fußball zu entwickeln, wenn Ihr häufiger Sportkommentare bzw. -dialoge verfaßtet.

    Irgendwann sehe ich mich dann bei Eisern Union in dem von Fans in Heimarbeit renovierten Fußballstadion stehen. In der einen Hand einen gut gefüllten Becher Riesling, in der anderen die Kamera.

  8. momorulez September 24, 2010 um 7:38 pm

    😉 – Union ist ja auch so ein Verein mit wirklich spannender Geschichte und einem superlebendigen Umfeld. Die Stadionrenovieraktion hat mir auch sehr imponiert. Diese in die Vereinsleben eingewobenen Lebensgeschichten sind ja allein schon ungemein faszinierend.

    Bei Union hatte ich immer das Gefühl, daß die Ost-Widerstands-Historie so völlig anders und bis ’89 ja auch ungleich gefährlicher war und ist, daß ich die Differenz gewaltig fand. Obgleich ja zunächst die Ähnlichkeiten sich aufdrängen. Freunde von mir, St. Paulianer, sind in die Alte Försterei aber auch schon zu Spielen gegangen, wenn St. Pauli da gar nicht spielt. Einfach, weil sie sich da wohl fühlen.

    Fussball ist schon wahnsinnig spannend. Auch in ästhetischer Hinsicht. Und das auch dann, wenn man die Spieler nicht sexy findet 😉 …

  9. bersarin September 24, 2010 um 9:00 pm

    „Und das auch dann, wenn man die Spieler nicht sexy findet …“ Sehr schöner Satz: habe gerade sehr gelacht. Ja, so ist es wohl. Wobei ich den Anblick von Männern schon mag. (Schöne Bildbände stehen bei mir dazu auch in der Wohnung)

    Die Ästhetik des Sports und insbesondere die des Fußballs ist wohl ein Feld für sich. So ganz bin ich dort nie hineingelangt. Ermessen kann man sie wahrscheinlich erst nach einem Besuch im Stadion.

    Bei meinen Spaziergängen in der Stadt schaue ich manchmal zu, wenn ich an Fußballplätzen vorbeikomme, wo die Bezirksligen spielen. Meine Schwester hat dafür, im Ausgleich zu mir, aktiv Fußball gespielt. Ich bin eher der Typ, der korrigierend eingreift. So beim Schulsport seinerzeit in der Turnhalle während des Basketballs: „Ey werf den Ball rüber!“ Ich so, stehenbleibend: „Das heißt ‚wirf‘, Imperativ, Erweiterung des Stammvokals.“ Das Spiel geriet ein wenig ins Stocken. Die Mädchen habe (fast) alle gelacht, der Sportlehrer und die Jungs weniger.

    Ich bin ja ernsthaft am überlegen, ob ich mir irgendwann mal eine Karte kaufe und in die Alte Försterei gehe.

  10. momorulez September 24, 2010 um 11:54 pm

    Mach mal! Das muss schon ein Erlebnis sein! Am besten sind immer die unspektakulären Spiele gegen nominell langweilige Gener 😉 -dann ist jedes Stadion am ehesten es selbst.

    Sportfotografie ist wirklich ein spannendes Feld. Weil es meistens auf das Heroische oder das Spektakel geht. Dabei sind eigentlich die verspielten, jungenhaften Momente erwachsener Männer und Schwerverdiener das Anrührende. Auch die Bewegung eines Körpers in einem ganz eigentümlichen Raum, der seine Hände nicht wirklich nutzen darf hat was ganz Eigenes. Da gibt es einen tollen Text von Seel dazu.

    Wenn ich an Deine Demo-Bilder denke, müßte das was ganz Eigenes bei raus kommen, wenn Du Dich damit auseinandersetzt -gerade, weil Du eh mit Statik inmitten von Dynamik spielst, wenn ich Dich nicht fehldeute, was ja fast schon „wesenhaft“ für Fotografie ist, aber,so scheint es mir, selten Thema ist – oder spinne ich jetzt?

  11. bersarin September 25, 2010 um 10:03 am

    Nein, Du spinnst nicht, das ist völlig richtig. Neben Fläche, Form, Farbe und Struktur ist das Verhältnis von Statik/Dynamik oft unterbelichtet. Gilt ja auch beim Blick auf Theorien. Da frage ich auch immer mit: Wo sind die statischen, wo die dynamischen Elemente?

    Nun gehe ich also irgendwann ins Stadion, suche mir ein nicht ganz so spektakuläres Spiel heraus. Und vielleicht stelle ich dann auch Photos in den Blog.

  12. momorulez September 25, 2010 um 10:45 am

    Ich freu mich auf die Bilder!!!

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