Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Verfassungsgegner Gunnar Heinsohn

Das hatte ich ja unten prognostiziert – es geht um nichts anderes als eine Attacke auf das Grundgesetz im Falle der aktuellen „Integrationsdebatte“. Es geht darum, den Wohlstand insbesondere von Beamten und sonstwie mit staatlichen Pensionsansprüchen Versehenen gegen „Unterschichten“ und „Migranten“ abzusichern.

Gunnar Heinsohn musste sich jetzt, getrieben, wie er wirkt, natürlich auch noch zu den Sarrazinschen Vorlagen zu Worte melden – ein zweiter Name ja, der wie ein Minenhund brav jenes Terrain erkundet, das die Großparteien kurze Zeit später besetzen. Immerhin gebührt ihm der Verdienst, so klar auszusprechen, daß Gleichheitsgebot und Sozialstaatsprinzip doch der Funktionalität sozialdarwinistisch-ökonomischer Selektion zu opfern seien. Und ganz, wie das bei antidemokratischen Denkern so ist, delegiert er die Abschaffung des Kernbestandes des Grundgesetzes nicht etwas an das Parlament, sondern zum einen an das Bundesverfassungsgericht, zum anderen an „die Familie“ – eine seltsam paradoxe Intervention, das Verfassungsgericht aufzufordern, gegen die Verfassung zu agieren:


„Der niederländische Weg, bei einer Höchstsumme von 3000 Euro für eine hilfebedürftige Familie Schluss zu machen, ist hier ausgeschlossen. Bekommt eine Sozialhilfefamilie in den Niederlanden noch ein weiteres Kind, gibt es für dieses kein Extrageld. Faktisch wirkt das als Kürzung für alle Familienmitglieder und dämpft den Impuls, das Einkommen durch Neugeborene zu vermehren.

Unser Verfassungspatriotismus kollidiert mit der Versorgungskraft

Bei uns jedoch ist der Hilfeanspruch an die Person gebunden. Seine Übertragung an das Familienkollektiv verletzt das Gleichheitsprinzip und ist deshalb verfassungswidrig. Unakzeptabel ist auch der amerikanische Weg, der seit 1997 nur maximal fünf Jahre Sozialhilfe vorsieht und damit die Geburtenzahl bei bildungsfernen Hilfeempfängern bis 2005 um 70 Prozent gesenkt hat.

Die Amerikaner verletzen zwar nicht das Gleichheitsprinzip, aber wegen fehlender Lebenslänglichkeit der Versorgung die Menschenwürde. Das gilt auch für andere Regierungen, die Zuwanderer erst einmal fünf oder zehn Jahre von der Sozialhilfe ausschließen. Was sie, Den Haag oder Washington machen, wäre in Deutschland strafbar.

Gleichwohl kollidiert unser Verfassungspatriotismus mit der Versorgungskraft des vergreisenden Restes. Wird deshalb das Sozialstaatspostulat des Grundgesetzes bald genauso vor das Bundesverfassungsgericht müssen wie hochrangige Verleumder Sarrazins? Oder werden die – gewiss ebenfalls raren – Verfechter seiner Reform dann als Verfassungsfeinde am Pranger landen?“

Als Teil des vergreisenden Restes, der vermutlich sein Leben lang von „Transferleistungen“ der arbeitenden Bevölkerung lebte, wäre vielleicht geboten, avantgardistisch die Versorgung des Herrn Heinsohn an seine Kinder zu deligieren. Ansonsten liegt der Text ausnahmsweise passagenweise über dem Niveau sonstiger Verlautbarungen des ehemaligen Pädagogikprofessors, ganz interessant und zugleich verräterisch der Verweis auf folgendes Phänomen:

„Die Mehrheitsgesellschaft versteht zumeist nicht, dass der eingeforderte Verzicht auf solche Haltungen diese jungen Migranten nur von neuem mit dem Rücken an die Wand drängen würde. Ihre Integrationsverweigerung ist ja kein Selbstzweck, sondern soll einen Selbstwert bewahren, für den persönliche Leistungsressourcen fehlen. Solche jungen Türken verhalten sich durchaus ähnlich wie deutsche Schulversager, die durch Nationalismus eine Größe erlangen wollen, die das eigene Potenzial nicht hergibt.“

Mal ab von Termini wie „Schulversager“, „Integrationsverweigerer“, „das eigene Potenzial nicht hergibt“ – was Heinsohn hier durchaus richtig darlegt, sind Mechanismen der Statusgewinnung in einer durch und durch funktionalistischen Welt. Das „Leistungkriterium“ selbst bildet einen Widerspruch zum Egalitarismus des Grundgesetzes, das unabhängig von konkreten, persönlichen Eigenschaften Menschwürde und Menschenwert zuspricht. Das „Leistungskriterium“ ist im engeren Sinne menschenverachtend und zudem patriachal, weil es auf sich behauptende Männlichkeit im Konkurrenzgeschehen setzt, und DAS ist das Problem, nicht das „Fehlen persönlicher Leistungsresourcen“.
Freundlicherweise bestätigt Herr Heinsohn hier auch die Verlogenheit des gesamten Diskurses, der von „Leitkultur“ schwadroniert, während er Litaneien zur „Integration“ anstimmt, indem er die kompensatorische Funktion des „Nationalen“ heraus arbeitet. Für ihn scheint der staatliche Rahmen lediglich dazu da zu sein, Funktionserfordernisse einer durch und durch kapitalistischen Gesellschaft bereit zu stellen; zu fragen ist wiederum, wie er sich denn da als Ex-Professor verortet.

Er entlarvt zudem die Verlogenheit jener Liberalen, die behaupten, es ginge ihnen um Individualrechte, wenn sie gegen Sozialstaat und „Migranten“ hetzen.  Nee, Heinsohn spricht unverblümt aus, daß diese schnurz sind, prioritär ist die Rolle des Rädchens im Getriebe, und wessen Form da nicht paßt, wird mittels Nationalstaat exkludiert und hat alle Individualrechte verwirkt. Hier greifen all die tradierten, linken Kritiken an dem Widerspruch zwischen dem universalistischen Geist der genuin liberalen Verfassungen und ihrer de facto-Stabilisierung von inegalitären, kapitalistischen Besitzverhältnissen.

Das Sozialstaatsprinzip sollte hier Linderung verschaffen, nun wird es mit der Behauptung von Gruppenidentitäten („Aleviten“, „Anatolier“ etc.)  ausgehebelt werden, nachdem Herr Heinsohn vorher gegen „volksdeutsche Unterschichten“ wetterte, insbesondere alleinerziehende Mütter.

Daß nämlich die Konsequent seiner Ausführungen wäre, halb Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg in die Sahara oder nach Sibirien zu deportieren oder sonstwie zu entsorgen, das verschweigt er – noch .  Insofern kann nur einmal mehr die Konsequenz sein, daß die „Überflüssigen“ aus Anatolien, Afrika und Meck.-Pomm. sich verbündeten. Den Anteil der Anteilslosen einfordern. Leider bleibt dieses wohl weiter Utopie. Ich geh jetzt Schönberg hören.

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50 Antworten zu “Verfassungsgegner Gunnar Heinsohn

  1. Katzenblogger September 8, 2010 um 11:34 am

    Vor ein paar Tagen hat Clement, ebenfalls hocherfreut über die „Sarrazin-Debatte“ auf einer dieser selbstgerechten „Für-die-Freiheit“-FDP/Unternehmer-Zusammenkünfte gesagt, dass an Stelle des Sozialstaates künftig doch bitteschön „Eigenverantwortung“ treten solle. Die Gesichter derjenigen, die ihm an genau dieser Stelle Applaus gaben, bekomme ich (leider!) nicht mehr aus meinen Kopf.

    Wowereit meinte vor ein paar Tagen, er wisse genau, dass Sarrazyn bereits ein zweites Buch in der Pipeline hat, diesmal mit dem Themenschwerpunkt HartzIV.

    Vielleicht täusche ich mich, aber irgendwie kommt mir das Ganze so vor, als ob diejenigen, welche die höchsten staatlichen Zuwendungen/Zahlungen erhalten, den verdrehtesten Begriff von Verantwortung entwickeln. Man müsste das mal untersuchen: Ob staatliche Zahlungen/Zuwendungen oberhalb von 5.000 Euro/Monat eine verdummende Wirkung ausüben – und wieviel Prozent des IQ in Erosion gerät bei je 500 Euro, die über dieser Schwelle liegen…

  2. che2001 September 8, 2010 um 12:10 pm

    Eigenverantwortung könnte heißen, eine kleine Wegelagerei aufzumachen. Wenn man in Deutschland aus dem Supermarkt kommt, wartet da oft ein Berber und fragt nach einem Euro. In Brasilien kann es einem passieren, dass, wenn man zur falschen Uhrzeit den Markt verlässt unter Vorhaltung einer Machete nach Portemonnaie, Brieftasche und Einkäufen gefragt wird. Diese möglichen Konsequenz scheint den Herren gänzlich unvorstellbar zu sein. Als es in Deutschland noch so richtig bittere Armut gab gab es auch den Schinderhannes und die Fußbrenner.

  3. entdinglichung September 8, 2010 um 12:24 pm

    seitdem Heinsohn 1988 das Buch Die Sumerer gab es nicht: Von den Phantom-Imperien der Lehrbücher zur wirklichen Epochenabfolge in der „Zivilisationswiege“ Südmesopotamien veröffentlicht hatte, verbietet sich eigentlich, ihn noch irgendwie zu beachten

  4. momorulez September 8, 2010 um 12:29 pm

    Dafür kann man bei ihm immer ganz gut ablesen, welche Richtung die Debatte als nächstes nehmen wird, ähnlich wie bei Sarrazin ja auch seit geraumer Zeit …

  5. che2001 September 8, 2010 um 12:51 pm

    @Katzenblogger: Hähä, stimmt, das ist ähnlich wie dieser Typ mit seinem „erfundenen Mittelater“, der Karl den Großen Karl den Fiktiven nennt und ernsthaft behauptet, wir würden im Jahr sechzehnhundertnochwas leben, weil einige Jahrhunderte dazugedichtet wurden. Gehört in die gleiche Kategorie wie „Spurlos verschwunden – Das Bermuda-Dreieck“ von Charles Berlitz oder „Das Philadelphia-Experiment“, nur dass diese Bestseller der 70er niemandem weh taten. Interessant ist aber, was Leser als interessante Lektüre angeben, die dieses Heinsohn-Buch gekauft haben bzw. was sie „auch“ kaufen: „Politische Korrektheit: Das Schlachtfeld der Tugendwächter“ von Jörg Schönbohm, „Das Ende der Geduld: Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter“ von Kirsten Heisig, „Das Dschihadsystem – Wie der Islam funktioniert“ von Manfred Kleine-Hartlage, „Deutsche Opfer, fremde Täter. Ausländergewalt in Deutschland. Hintergrund – Chronik – Prognose“ von Michael Paulwitz und Götz Kubitschek, „Die Türkei in Europa: Gewinn oder Katastrophe?“ von Roberto de Mattei und „Zurüstung zum Bürgerkrieg“ von Torsten Hinz sowie „2034 Der Abschied vom Abendland“ von Max Eichenhain. Diese PI-Kacke ist mittlerweile gleichsam eine eigene Literaturgattung.

  6. che2001 September 8, 2010 um 1:06 pm

    „1920 erschien „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ von Bindung und Hoche als ratonalisierter Hassausbruch sich existentiell bedroht fühlender bürgerlicher Professoren vor Unterschichten“- Götz Aly, Aussonderung und Tod. Die Klinische Hinrichtung der Unbrauchbaren.

    „Eine Analyse des Rassismus muss in Deutschland von der Kontinuität und Verschränkung des Kolonial-Rassismus, der Rassenhygiene und des Antisemitismus ausgehen. Dem weißen Subjekt in der Massengesellschaft ist der Rassismus zur zweiten Natur geworden. der aktuelle Rassismus in den Unterklassen entspringt der Angst der Verlierer bei der postkeynesianischen Rekonstruktio der Gesellschaft. Der Fluchtpunkt des Rassismus von oben allerdings ist nach wie vor die Bevölkerungspolitik, der es um die Eindämmung der trikontinentalen „Überschussbevölkerung“ geht und um die Regulation des illegalen Arbeitsmarkts in den Metropolen. Demgegenüber betreibt die Linke in ihrer Debatte eine unproduktive Selbstethnisierung.“ – Materialien für einen Neuen Antiimperialismus Nr. 5

  7. che2001 September 8, 2010 um 1:07 pm

    Mit @katzenblogger“ meinte ich @entdinglichung, sorry

  8. momorulez September 8, 2010 um 1:36 pm

    „Diese PI-Kacke ist mittlerweile gleichsam eine eigene Literaturgattung.“

    Science-Fantasy meets Thrill with Heisig: Best Moments of Racism!

    Das Aly-Zitat bringt es auf den Punkt, was hat den bloß so ruiniert? Hat den wer gekauft?

    PS: Das mit der Hinzudichtung von ein paar Jahrhunderten ist aber eine reizvolle Vorstellung 😀 …

  9. che2001 September 8, 2010 um 2:04 pm

    Der Mann mit den hinzugedichteten Jahrhunderten, Heribert Illig, glaubt auch, dass auf die Pyramiden direkt Ramses gefolgt sei und so die Zeit von 2400 bis 1350 v.Chr. hinzugedichtet wurde. Er ist der Verleger von Gunnar Heinsohn und gilt als Sektenführer, der Leute im Ufologen-Umfeld und Ähnliche um sich schart.

  10. momorulez September 8, 2010 um 2:12 pm

    Das ist aber mal ab von dem politischen Unrat, der in diesen Szenen oft um sich greift, trotzdem eine lustige Vorstellung 😉 …

  11. ziggev September 8, 2010 um 2:17 pm

    🙂 @ “ … kleine Wegelagerei auf[zu]machen“, Che, bei so ´ner Terminologie bin ich dabei, bei der Revolte.

  12. ziggev September 8, 2010 um 2:19 pm

    , …. äh-hm, meinte natürlich das mit der Eigenverantwortung, weißt schon.

  13. entdinglichung September 8, 2010 um 2:20 pm

    die Vertreter (VertreterInnen) von „Chronologiekritik“ und rassistischem Rechtspopulismus a la PI verbindet vieles: ein Hang zum Querulantentum (was glücklicherweise oft eine schlagkräftigere Organisierung der Szene verhindert) verbunden mit einer Selbststilisierung zu einem von (tatsächlichen oder imaginierten) Establishment ignorierten oder missachteten „unbequemen Querdenker“ und einem enormen Mitteilungsbedürfnis … Schrebergarten- und Stammtischpalaver mit einem Hang zum Grössenwahn … Helge Schneider zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=I2L3yf2vPmU

  14. netbitch September 8, 2010 um 2:26 pm

    ….“glaubt auch, dass auf die Pyramiden direkt Ramses gefolgt sei und so die Zeit von 2400 bis 1350 v.Chr. hinzugedichtet wurde. Er ist der Verleger von Gunnar Heinsohn und gilt als Sektenführer, der Leute im Ufologen-Umfeld und Ähnliche um sich schart.“

    Und jetzt lehnen wir uns gaaanz entspannt zurück, atmen tiiieeeefr durch, fassen uns an den Händen, schließen die Augen und sagen: „Thuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuule!“

  15. che2001 September 8, 2010 um 2:37 pm

    @entdinglichung: Und sowas kommt dann hinten bei heraus

  16. Katzenblogger September 8, 2010 um 5:53 pm

    Ich habe jetzt auch genbiologische Berechnungen angestellt!

    Also, es ist bekannt und in den Sozialwissenschaften unumstritten, dass die Anhänger der FDP unter allen Wählern die höchste Neigung zu Seitensprüngen haben. Rechnet man mit 1,4 Kindern pro Generation (35 Jahre), einer durchschnittlichen Seitensprungquote von 10 Prozent (unter den Kindergeburten), einem Ausgangsanteil von 5 Prozent unter den FDP-Anhängern und einer unter FDP-Anhängern verdoppelten Seitensprungquote…

    *Trommelwirbel*

    …dann dauert es EXAKT 1000 Jahre bis die FDP in unserem Land die absolute Mehrheit erreicht! Die absolute Anzahl der FDP-Anhänger ist dann allerdings unverändert geblieben.

    (Rubrik: Heute bin ich Sarrazyn)

  17. che2001 September 8, 2010 um 6:08 pm

    Jedenfalls ist sehr bezeichnend, wer dort oben an Autoren so versammelt ist: Ein Spinner, der selber Forschungsgegenstand der Bizarrologie sein könnte, ein Ex-General- und Ex-Innenminister, der die Bundeswehr auf Demos und gegen Kriminelle einsetzen möchte, eine überforderte Richterin mit Tunnelrealität, ein Politikwissenschaftler aus dem Spektrum zwischen PI und Achse des Guten, ein Verleger der Neuen Rechten, ein Autor der „Junge Freiheit“, ein Kirchenhistoriker beim Vatikan und früherer Berlusconi-Berater, noch ein „Junge Freiheit-Autor und noch einer. Das ist nichts Anderes als die Erfolgsbilanz des Kampfes der Neuen Rechten (ja, der richtig klassischen!) um die kulturelle Hegemonie. Übrigens, Rückmeldung meines Vaters: „Einsperren, diese Leute, wenn man das 1928 mit Anderen gemacht hätte hätten Millionen ihr Leben behalten“.

  18. netbitch September 8, 2010 um 8:25 pm

    So etwas nennt sich dann wohl „Stützen der Gesellschaft“.

  19. che2001 September 8, 2010 um 9:36 pm

    Einerseits ja, andererseits ist das eigentlich eine Freakshow. Aber das waren die Bonapartisten 1850 und Hitlers Paladine ja auch.

  20. T. Albert September 8, 2010 um 10:22 pm

    Was habt Ihr denn?
    Das ist deutsche Wissenschaft.

    Da hab ich den ganzenTag keine Zeit, lese das jetzt alles und muss fast kotzen.
    Am Nachmittag hatte ich ein schönes Arbeitsgespräch mit einer schwarzen Studentin aus Afrika, eine junge Dame, die, wie fast alle jungen „Ausländer“, mit denen ich zu tun habe, ausser Schweizerdeutsch auch perfektes Hochdeutsch spricht, was natürlich gar nicht sein kann; sie ist auch eine gute Zeichnerin und hat weder Hände noch Unterschenkel. Ich frage sie nicht warum.
    Dann habe ich imZug in Barthes „Kritik und Wahrheit“ gelesen, um mich abzulenken, und jetzt das hier, diese professoralen Intelligenzfreaks, als hätte seit 1965 nix anderes gegeben. Da die alle, wie dieser Bankier von sich sagt, so intelligent sind, kann man sie auch später um so deutlicher, oder um es mit der blonden Bestie Koch zu sagen, brutalstmöglichst zur Verantwortung ziehen. Oder ist die in der Intelligenz nicht mit inbegriffen beim Kauf?

  21. che2001 September 8, 2010 um 10:43 pm

    Meine Eltern, die den NS erlebt haben, reagieren auf diese perverse Debatte mit Sprüchen wie „einsperren“ und „MG rundum schwenken“. Und finden es verständlich, wenn Kurden in Deutschland irgendwo eine Kalaschnikow verbuddelt haben. Meine kurdischen und türkischen Bekannten reagieren hingegen eher sanft – nach dem Prinzip, sie hätten unter Saddam und Evren Schlimmeres erlebt. Saddam und Evren – das ist bereits der Maßstab. Die hatten, als man sie unter der Peitsche fragte, ob sie jetzt reden würden, die Herdplatte angestellt und gesagt: „Das kommt doch jetzt als Nächstes.“

    —-Ich bin mal wieder völlig außer der Form, aber das fällt mir als Ehestes dazu ein.

  22. T. Albert September 8, 2010 um 11:04 pm

    Ich muss immer an diesen Satz von Freud denken:
    Der Verlust des Schamgefühls ist das erste Anzeichen von Schwachsinn.
    Ich glaube, so ging der.
    Sorry, aber ich kann nicht anders.

    Und da sich alles so schön ineinander fügt, empfehle ich mal Micha Brumlik im Schweizer Radio zu „Bologna“ zu hören, der mal darauf hinweist, wie kapitalistische Entdemokratisierung funktioniert, nämlich genau so wie wenigstens ich sie erfahre oder zu erfahren meine.

    http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/reflexe/2741.sh10142652.html

  23. momorulez September 8, 2010 um 11:14 pm

    Ich habe mir heute, peinlich, erstmals die „Grasblätter“ von Walt Whitman zugelegt. Leider in der älteren Übersetzung, als Grashalme, und eigentlich müßte ich die ja eh im Original lesen. Dafür bin ich zu faul.

    Das ist schon … ach, Eskapismus now begins? Weiß nicht. Vielleicht sind die Gegendiskurse doch zu schwach geworden gegen diesen ganzen Haß. Der ja energetisch sich auch ganz schön lebendig anfühlen kann. Und so liest man da rum, bei Whitman, mit welcher Wucht und Lust der auf Demokratie, Männer, Frauen, Natur, Städte, auf Wahrnehmen und Wahrgenommes aufzählen der alte Rauschebart los spazierte und fragt sich erst recht, was die ganze Scheiße soll.

    Ja, irgendwie fehlen mir langsam auch die Worte. Und dann sucht man die, die unter ganz anderen Bedingungen geschrieben wurden, findet da was und wird noch trauriger.

  24. T. Albert September 8, 2010 um 11:30 pm

    Das ist doch kein Eskapismus, ohne das hält mans ja echt nicht aus. Diese Literatur gehört zum Kampf dazu, um so mehr, je mehr sie auf Zweckfreiheit aus ist, finde ich.
    Che hat ja bei sich dieses schöne Heine-Zitat gebracht,
    „Eng verbunden mit der Revolution ist die Partei der Blumen und Nachtigallen.“
    Ja, sollte man nie vergessen.

    („Kampf“ ist ja irgendwie schon ein aufgezwungenes Scheisswort. Aber ich fühle mich langsam bekämpft.)

  25. momorulez September 8, 2010 um 11:37 pm

    Über das Zitat beim Che habe ich mich auch gefreut! Wie, kurz vorm Schlafengehen noch mal pathetisch, jegliche Poesie dem Status generieren und aberkennen gewichen ist bei gleichzeitiger Panik vor Dysfunktionalität – grausam.

    Bekämpft fühle ich mich ja schon lange, bisher habe ich mich eigentlich wacker geschlagen. Aber so langsam schwindet der Elan, sich immer wieder aufzubäumen, ein bißchen Staunen hätte man ja auch mal wieder gerne. Aber das ist wohl ein anderes Thema – ist es das überhaupt?

  26. T. Albert September 9, 2010 um 12:23 am

    Das mit dem Pathos, das macht mir zu schaffen, dieses Pathos, das sich ausbreitet, sogar in mir. Und ich fürchte, es war immer schon da und es war mir nicht klar. Morgen hau ich wieder ab in die Berge, um mich wenigstens für einige Tage zu heilen. Gerade hab ich mir aus Zufall von Ferdinand Kriwet „Apollo America“ angehört, von 69, und ich war ganz geschockt, wie ich diese Stimmen von damals in mir drin habe und wie grausam pathetisch die da alle von ihrer Mondlandung brüllten und iregendeine nationalistische Scheissreligion draus machten. Das habe ich als Junge damals natürlich nicht realisiert. Aber eben dachte ich, das gibts gar nicht, diese widerlichen Stimmen, der widerliche, immer gleiche Tonfall, selbst Armstrong auf dem Mond hört sich an wie ein Arschloch voll Arroganz, und was für Drecksäcke die doch wirklich waren, Nixon, Humphrey und wer da sonst nnoch brüllte. Und jetzt haben wir das alles wieder, fehlt nur noch, dass diese bizarren Typen auf dem Mond landen,jetzt. Aber keiner diskutiert mit denen richtig, dafür schlucken wir ihre pathetische Wixe.

  27. momorulez September 9, 2010 um 8:48 am

    Ich erinner mich gut an das verzweifelte Gelächter angesichts der Absurdität der Realhistorie, das Joan Baez befiel, als sie von Nixon redete, als ich sie mal treffen durfte …

    Loeelie hat ja recht: Die haben einfach Stonewall und die Black Panther nie verwunden, so weit zu den ideologischen US-Importen, die da mit laufen. Und hierzulande ertragen es die Pappnasen nicht, daß das 3. Reich Scheiße war, und koppeln das an ihren sadistischen Obertanendünkel.

  28. momorulez September 9, 2010 um 8:54 am

    „Steinbach bestätigte nach einem Bericht von „Welt online“, dass sie in der Sitzung gesagt habe: „Und ich kann es auch leider nicht ändern, dass Polen bereits im März 1939 mobil gemacht hat.““

    Und die CDU tut so, als würde sie sich darüber aufregen. Henryk M. Broder wird daraufhin Pamphlete verfassen, daß solche Aussagen im Sinne der Meinungsfreiheit zu fördern seien, weil sie ja recht habe.

  29. che2001 September 9, 2010 um 10:15 am

    Und die Antifa (M) hatte ausnahmsweise recht, als sie die Vetrtriebeenenverbände als Revanchistenpack bezeichnete, das erstmal entnazifiziert gehöre.

  30. che2001 September 9, 2010 um 11:32 am

    In den 80ern fühlte ich mich übrigens sehr sehr viel bedrohter als jetzt (immerhin hat die Vernichtungspolizei eine Genossin von mir umgebracht, und bei mir kamen die Briefe immer später an als bei den anderen HausbewohnerInnen und geöffnet), ich habe eher so das Gefühl, dieser Staat, diese Gesellschaft geht mich immer weniger an. So, als ob sich das alles auf einem anderen Planeten oder in einem Film abspiele, der mit der unmittelbar erlebten Wirklichkeit nichts zu tun hat.

  31. ziggev September 9, 2010 um 12:35 pm

    @Che, hast du mal daran gedacht, das alles aufzuschreiben: So war´s in den 80ern? Sachlich, distanziert, beschreibend. Müsstest nur überlegen, wie du den subjektiven Anteil verarbeitest. Aber da sind ja der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Ein Plot, der parallel läuft, oder Rückblenden, ein Krimi, Sex n Krime. Bei diese skandalgeilen Gesellschaft bestimmt kein Problem, wenn du es gar nicht lassen kannst, dir einen netten kleinen Bestseller zusammenzubasteln. Ich würde nur die Reflexion und das Subjektive vom Inhalt trennen. Hat dich vielleicht schon öfter jemand gefragt, aber bei dem, was du immer so erzählst … das sind Sachen, von denen ich gar keine Ahnung hatte bzw. habe. Oder bist du da sozusagen „Geheimnisträger?“

    – ja, ich finde auch, alles läuft so ab, als ließe man´s einfach laufen. Im Grunde interessiert sich keiner, was am Ende dabei herauskommt. Vielleicht sind es einfach nur irgendwelche Machteliten, die sich jetzt ganz gut eingerichtet haben. Ich weiß es nicht. Für einige läuft es ja bestens. Die Empörung von früher kenne ich jedenfalls nicht mehr so. Die Empörung, wie absurd das doch alles ist. Manchmal denke ich, dahinter schnurrt ein wohl durchdachter und gut funktionierender Apparat. Desh., weil das, was eigentlich aussehen müsste wie ein ständiges Sich-Überbieten von Absurditäten, tatsächlich absichtlich initiieren wird und einem rationalem Plan folgt, wirkt diese anscheinende Sorglosigkeit, mit der man sich alldieweil in dieser Gesellschaft tummelt, weniger besorgnisauslösend und ruft beim Publikum eher Gleichgültigkeit hervor.
    Ich glaub, da war mal die Postmoderne etc. dran. Vereinzelung usw. Der Versuch, über die eigene Situation in dieser Gesellschaft zu reflektieren, endet beinahe notwendig im Opportunismus. Auch wenn ich in Der U-Bahn mir gut situierten Managertypen angucke, die bei mir z. T. in der Nähe wohnen und dann immer erst so ab 9 h losfahren, oder wenigstens, bei den „normalen“ Mittelstandsverdienern kommt es mir so vor, dann sehe ich oft ein leises Erschrecken ob der einem in dieser Gesellschaft verlustig gegangenen Selbstachtung, ein scheeler Blick: Menschenwürde, wo warst du noch gleich?

  32. Katzenblogger September 9, 2010 um 12:37 pm

    Langsam mutiere ich…

    Und zwar in einen FAZ-Fan – deshalb (Link zu einem Artikel von Manfred Velden)!

    Ich stehe im Bad und dann lache ich laut
    (der Boden hier fast wie Sarrazyn schwimmt)
    Seine Gen-Theorien zerfallen zu Staub
    Die Zukunft ist nicht vom Erbe bestimmt

  33. momorulez September 9, 2010 um 1:40 pm

    @Katzenblogger:

    Der FAZ-Text ist wirklich gut 😉 …

    @Ziggev:

    Ich sach das Che ja auch immer, daß er mal Historiker in eigener Sache spielen solle. Und zur Postmoderne ist ja nur immer wieder zu sagen, daß die auch auf den Stalinismus, den „real-existierenden Sozialismus“ und Auswüchse wie jenen in der franzöischen KP reagierte, und daß on top nun mal, zum Glück, irgendwann die Mauer fiel. Rund um die Bankenkrise hatte ich das Gefühl, daß nun ein Wendepunkt käme, und daß gerade ein Bundesbanker sich mit diesem Mist hervor tut, ist ja auch kein Zufall. Ich glaube fest an die Ablenkungsschlacht, die ja schon immer hervorragend funktioniert hat, auch ’33.

  34. che2001 September 9, 2010 um 2:13 pm

    @Ziggev, das habe ich längst getan, in Form eines autiobiografischen Romans, den niemand drucken will. Die Szene-Leute haben sich darin voll wiedererkannt, aber über das autonome Lager hinaus scheint das niemanden mehr zu interessieren. Selbst eine Zeitschrift, die wir mal herausgegeben haben und deren Thematiken so etwa dem entsprachen was auf meinem Blog zu lesen ist musste bereits 2000 mangels LeserInnen eingestellt werden.

  35. che2001 September 9, 2010 um 2:34 pm

    Ein Mensch von einer Stiftung, dessen Kontakdaten MR mir gegeben hatte und den ich auf dieses Thema mit der Frage, ob man in dem Bereich ein Forschungsprojekt initiieren könne hielt es nichtmal für nötig zu antworten. Unsereins taucht im Verfassungsschutzbericht auf und auf Flugblättern und das war´s. Die Damen von der Leyen und Kohl haben ja sogar versucht, das Buch „Autonome in Bewegung“, eine Art Geschichtsbuch der Szene zu verbieten.

  36. momorulez September 9, 2010 um 2:37 pm

    Wart’s ab, die Zeit war noch nicht reif, ist jedoch nah …

  37. che2001 September 9, 2010 um 2:50 pm

    Es ist merkwürdig, dass die 68er, die RAF (letztere ja als fast schon romantisierter Mythos, dieser Baader-Meinhof-Komplex-Film ist ja im Grunde eine moderne Abenteuergeschichte, bei der man sich wohlig gruselt) und die Spontis in Zeitungsartikeln, literarisch und filmisch verarbeitet wurden, die Autonomen aber nicht.Da könnte man auch nen Film draus machen, Ansatzpunkte lieferten ja schon „Was tun, wenn´s brennt“ und „Die fetten Jahre sind vorbei“. So in der Art, aber mit historischen Fakten gefüllt und Dokumentarszenen eingeblendet, das hätte was.

  38. momorulez September 9, 2010 um 2:56 pm

    Es gab ja einen Versuch, die „Hafenstraße“ zu verfilmen, war das nicht sogar mit Till Schweiger?, das ist aber völlig gefloppt.

    Das ist einfach vom Punk-Thema überlagert, und das ist ja auf dem (Sach-)Buchmarkt die wohl am besten dokumentierte, allerdings musikalisch konnotierte Subkultur ist – neben Hip Hop. Und „Verschwende Deine Jugend“ z.B. wurde auch enorm gehyptet und schlecht verfilmt. „Dorfpunks“ ebenso.

  39. che2001 September 9, 2010 um 3:16 pm

    Für mich stände aber neben der subkulturellen sehr stark die im engen Sinne politische Entwicklung im Mittelpunkt, also Antifa, Flüchtlingsarbeit, Wackersdorf, Volkszählung, „Antiterrorgesetze“, Asylrechtsabschaffung. Ein Film, an dem man sich auch orientieren könnte wäre Mario van Peebles „Panthers“.

    Subkulturell habe ich die Autonomen auch nicht als so verpunkt erlebt, sondern eher als eine Überlagerung aus Punk, New Wave, Rockertum (also nicht Biker, sondern Hardrock hörender Lederszene) mit Spontis (die eher noch Hippie und öko waren) und Frauenlesbenszene, und bei der (M) kam dann eine ganz starke Techno-Dancefloorkomponente hinzu, nebst Skaterszene.Und mit den Unruhen von L.A. dann halt auch HipHop. Das, was da von den Popkulturtheoretikern als immer so gegensätzlich und geradezu spinnefeind dargestellt wird kenne ich aus eigenem Erleben als in unentwirrbarer Vermischung begriffen. Politisch beachtlich wäre dann da auch wieder der Mischmasch aus Anarchos, Alt-MLern, Radikalfeministinnen, Antiimps und dissidenten Jusos und Grünen. Und die Bündnispolitik mit DGB und Kirchens.

  40. momorulez September 9, 2010 um 3:27 pm

    Nee, ich wollte die Autonomen jetzt auch gar nicht verpunken, mir war das ja eh alles zu uncool 😀 – kleiner Scherz.

    Die Themen, die Du nennst, die allesamt wichtig wären – vor denen haben im Moment zumindest im filmischen Bereich, alle Angst, die so was finanzieren könnten. Dann lieber „Dresden“, Opfer-Geschichte. Punks in der DDR, das war auch noch möglich. Aber BRD-Kritik nach der Zäsur „’68“, die man nicht völlig eliminieren kann, weil das eben Aufarbeitung des „3. Reiches“ war: Pustekuchen. Alles sonstige Kritik von links war halt „Extremismus“, so ja offizielles Regierungshandeln, und sowieso illegtim und vom Osten gesteuert.

    Solche Themen kann man nur in kleinen Verlagen heraus bringen. Oder als kriminalisierte „Irrtums-Geschichte“ mit bürgerlicher Läuterung als Akt 3. „Der Straßenkämpfer wird Vater“ oder so.

  41. ziggev September 9, 2010 um 3:53 pm

    nee, erst das Buch, dann der Film. Und natürlich nicht für die Autonomen geschrieben. Das ist für Nichteingeschworene viel zu kompliziert. Stelle mir ehe so ´ne Art modernen Simplizissimus vor, nur anstelle der Bekehrungsgeschichte müsste was anderes hin. Muss gar nicht bürgerlich sein mit Läuterung. Wie gesagt Sex n Krime, läuft doch immer gut. Wichtig wäre der Informationsgehalt. Wenn ich schon allein die Liste der Gruppen, die es so gab, anschaue, wird mir schwindelig. Wie wär´s mit nem Eso-Aufhänger, da hätte ich vielleicht Kontakte? Das Ganze rein beobachtend, stattgefundene oder nicht stattgefunden habende sexuelle Befreiung, herzzerreißende Liebesgeschichte über Kontinente hinweg? Oder Spionage-Thriller, junge Burschen darin verwickelt, mit tragischem Ausgang? Blos weg von diesem ganz Authentischem Szene-abffilmen, von diesem Selbstreflexiven. Wenn, dann, wie in einem coming off age Roman.

  42. entdinglichung September 9, 2010 um 4:14 pm

    da gab es auch noch einen (furchtbaren) autobiographischen Roman des Kunst & Kampf-Guru … hat mich richtig Energie gekostet, das Teil zuende zu lesen ;-(

  43. che2001 September 9, 2010 um 4:18 pm

    Das habe ich ja alles gemacht: Schelmenroman mit Sex&Crime und Agentenstory. Interessiert keine Sau außerhalb der Szene.

    Der Kunst&Kampf-Guru hat mir bei meiner zweiten Festnahme anrkennend auf die Schulter geklopft nach dem Prinzip „Jetzt gehörst Du dazu.“ JaJa.

  44. ziggev September 9, 2010 um 4:44 pm

    bei Postmoderne dachte ich an Baudriliard, guten Morgen, dies ist nicht die Originalfassung, du bist nicht die Originalfassung, für die du dich hältst, überall ist ne Videokamera versteckt, in deinem Kopf ist ebenfalls eine.

    Ach, was war das für eine schöne, glückliche Zeit. Obwohl die postmodernen Träume wahr geworden sind. In der U-Bahn überall Bildschirme. Gleichschaltung, über Klassengrenzren hinweg. Wer sich seiner selbst im ges. Kontext vergewissern will, macht das demütigende Erlebnis, feststellen zu müssen, dass auch er darauf reduziert ist, ein so und so großes oder kleines Einkommen zu haben. Auch dieser Managertyp, dem niemand mehr, jedenfalls gedacht, sich entgegenstellen wird mit irgendwelchen längstvergangenen Ideen im Kopf von bösem Kapitalismus, linken Utopien. Es ist langweilig geworden ein Arschloch zu sein.

    Gut, dann musst du halt was machen, das in die heutige Zeit passt, einen Rahmen finden, mit Rückblenden. Vielleicht ein Erweckungserlebnis? Manchmal, ich hoffe, ich trete dir damit nicht zu nahe, hatte ich das Gefühl, dass du immer noch da was an Emotionen „aufarbeitet“, sorry für das blöde Wort jetzt. Also doch ein „Selbstfindungsbuch“ – du hast ja therapeutische Erfahrung, die du ausbeuten könntest – einschließlich Läuterung am Schluss, nur mit umgekehrten Vorzeichen: Jetzt erst recht! Wie bei „Frau am Abgrund der Zeit“ von Marge Piercy, das überaus ambivalent endet. Man weiß nicht, ist die Heldin, die in der Psychiartrie landet, zur Mörderin geworden oder nicht.

    hm, vielleicht findest du ja etwas, das sich für einen literarischen Ansatz eignet. Als Sachbuch getarnt brauchst du dann ja auch nicht literarisch zu schreiben.

    Wie auch immer, ich glaube, ich würde das Manuskript gern mal lesen.

  45. che2001 September 9, 2010 um 5:47 pm

    Gib mir doch einfach Deine email.

  46. che2001 September 9, 2010 um 6:07 pm

    Supi, dann bin ich mal gespannt, wie Du die Geschichte findest. Vorab: Es ist großenteils Selbsterlebtes, nur in einen Plot gebracht, der in dieser Stringenz konstruiert ist und mit einer erfundenen Räuberpistole als Fluchtpunkt.

  47. ziggev September 9, 2010 um 7:45 pm

    ja, aufregend jetzt sowas.

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