Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

In Nizza lag ich …

auf dem Doppelbett. Der Typ, der neben mir schlief, trug immer metallic glänzende Anzüge, wie eine Karosserie, grau und blau, zerknittert, ein B-Movie-Helden-Zitat. Er gefiel sich unrasiert, wirkte wölfisch. In der Küche wuchs Schimmel, die Wand zur Dusche war nicht dicht. Nachmittags, nach dem Sprachkurs, legte ich mich noch mal hin und konnte nur mit Walkman einschlafen. Aus dem drang Howard Devoto. Nach dem Schlummer ging ich auf den Balkon und sah den Männern vor dem Bistro unten zu, wie sie in ihren Unterhemden schwitzten. Schrieb weiter mit der Hand, schwarz auf Recycling-Papier, an einem Text „Was hat Hildegard Knef mit Nizza zu tun“. Dachte an Walter Mehring und an Klaus Mann, der unweit von diesem Balkon, in Cannes, sein Leben beendete. Der Bahnhof lag nur 5 Minuten fußläufig entfernt; dort stapelten sich die Rucksacktouristen. Zum Chagall-Museum brauchte ich nur den Berg hinauf steigen. Maurice schickte mir zum Geburtstag einen Slip, einen Tanga fast, mit kleinen Totenköpfen drauf und berichtete mir im beiliegenden Brief, wie er das Zusammensein mit seinem Freund genießen konnte, während sie Versöhnung feierten. Wenn die Howard-Devoto-Cassette ausgehört war, legte ich den Knef-Mix ein und schrieb weiter. „Ich schicke meine Worte ins Exil“ war die Pointe, pathetisch und wahr.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s