Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

So geht aufrechter Antifaschismus!

„Und als gäbe es in Deutschland wieder eine Reichsschrifttumskammer, die für Sprachregelung zuständig wäre, wurde die Floskel „nicht hilfreich” inzwischen einige Tausend Mal wiederholt: von andern Politikern, Kommentatoren und den Linienrichtern der „Political Correctness”. Die Interviews, die mit dem Verfasser des „wenig hilfreichen” Buches gemacht werden, gleichen Verhören, wobei das abschließende Urteil von vornherein feststeht: wenig hilfreich, kontraproduktiv, der Integration abträglich und dem deutschen Ansehen im Ausland nicht bekömmlich. Allesamt Kriterien, mit denen autoritäre und totalitäre Regimes ihre Kritiker stillzulegen versuchen. Der Gedanke, dass eine Demokratie vor allem von „falschen” Meinungen lebt, die eine Diskussion befördern, ist im Abgrund der kollektiven Empörung verschwunden.“

Der aufrechte Antifaschist Henryk M. Broder rührt eine Melange aus Motiven der Analyse des Antisemitismus an, um Herrn Sarrazin zu entlasten. Dabei greift er auf zum Teil sogar richtige Argumente zurück – es ist ja wirklich fraglich, wieso Angela Merkel sich nun so lautstark zu Worte meldet, wo ihre Partei für so linksdominante Meilensteine der Nach-Wiedervereinigungsgeschichte wie die de facto Abschaffung des Asylrechts wie auch für Unterschriftenlisten gegen ein neues Staatsbürgerrecht verantwortlich zeichnete; ebenso ist es richtig, dass Demokratie von „falschen Meinungen“ lebt -, um ein Spiel, das wie abgesprochen scheint, fortzusetzen: Sarrazin haut auf die meiner Ansicht nach rassistische Kacke und knüpft so an jene Theoreme an, die zur Leitideologie des Holocaust wurden. Wer das in diesem Sinne benennt, bedient sich jedoch wahlweise stalinistischer oder faschistoider Methoden. Kurz: Wer gegen faschistische Ideologie protestiert, ist selber einer. Dass dieses Analyse-Muster freilich genau auf der Linie von Christina (?) Schröder und immer häufiger auch polizeilicher Praxis liegen, wird dabei ebenso dezent verschwiegen wie die Folgen der leninistisch-sarrazinschen Avantgarde – dass nämlich nunmehr wieder eine „Integrationsdebatte“ los getreten wird von SPD, CDU und Bundespräsident.

Die scheinbare Opposition zwischen dem unterdrückten „Sündenbock“ Sarrazin und denen, die ihn, der von Talkshow zu Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen tingelt, in die auch Henryk M. Broder eingeladen wird, mit so hundsgemeiner Empörung überziehen und wortgewaltig den Mund verbieten, löst sich dergestalt in Wohlgefallen auf, weil NATÜRLICH die Bankenretter von dieser und von ihrem Sparpaket allzu gerne ablenken und die Vorlage nutzen – würden die ach-wie-witzig Reichschriftkammerscherze des Herrn Broder zutreffend sein, so hätte Erich Mühsam politische Reden in Leni Riefenstahl-Filmen gehalten.

Nein, die Texte von Herrn Broder zur Sarrazin-Verteidigung werden stattdessen auf den Internetseiten des größten deutschen Verlages veröffentlicht, zuvor in der Schweizer Weltwoche, was ja gut ist, weil Demokratie von falschen Meinungen lebt – allzu effizient scheinen die aktuellen Bestrebungen zur Reichsschriftkammergründung dennoch nicht zu verlaufen. Und er sagt ja auch nur „gäbe es“. Wie praktisch. Dann hat man das ja auch gar nicht geschrieben.

Aber das ist ja das Nützliche der zur rhetorischen Allzweckwaffe mutierten „Totalitarismustheorie“: Man kann sie überall anwenden, weil sie, mal ab von dem Werk Hannah Arendts, nichts beschreibt und nichts erklärt. Und weil sie vor allem von jedem INHALT ablenkt; wenn jemand was Faschistische sagt, ist es das gar nicht, weil es ja FORMAL Antifaschismus gegen die brutale Unterdrückungsdiktatur der „Political Correctness“ ist.

Umgekehrt muß der ach so aufrechte Antifaschist Henryk M. Broder nun aufpassen, das er sich nicht doch mit Frau Schröder in die Haare gerät, trauen sich doch in manchen Landstrichen Initiativen nicht mehr, „antifaschistisch“ in ihre Vereinsnamen zur Bekämpfung rechter Gewalt aufzunehmen, so hört man allerorten, weil dann die Gelder versickerten – und im Gegensatz zu Herrn Sarrazin, der rechte Gewalt mittels publizistischer Unterstützung auch durch Herrn Broder, meiner Meinung nach, sät, brauchen sie die Kohle. Ein Kommentar „gäbe es eine Reichschriftkammer“ diesbezüglich ist mir von Herrn Broder bisher jedoch noch nicht aufgefallen.

Advertisements

90 Antworten zu “So geht aufrechter Antifaschismus!

  1. Katzenblogger September 3, 2010 um 4:06 pm

    Der arme Herr Broder leidet unter einem Kollektivempörungsabgrund und einer Diktatur der „Political Correctness“. Während mir darum beinahe die Tränen aus den Augenwinkeln schießen, überlege ich, wie wohl die Welt beschaffen sein müsste, damit Herr Broder, der dieser Tage ausführlich zu Wort kam, ein ausreichend demokratisches Gedankengut verwirklicht sieht. Dunkel, fast böse wird mir klar, dass das eine Welt sein wird, wo praktisch alle Menschen genau so denken und sich äußern, wie es der von Selbstgerechten „gesteinigte“ Herr Sarrazin und der ihn verteidigende Kämpfer gegen Kollektivhysterie, Herr Broder tun.

    Während die politischen Irren äußerst schmerzensreich und unter Vergleich auf Praktiken der Reichsschriftumskammer beklagen, dass ihr Idol Sarrazin keinerlei Gehör erhielte, kommt es mir eigentümlicher Weise so vor, als ob nur noch der rassistische, islamophobe, sozialdarwinistische und auf Statistikfälschungen beruhende Gedankenmüll des Herrn Sarrazin Rezeption widerfährt. Zugleich möchte ich mich, wenn das nur möglich wäre, dieser Tage gerne einmal dumm ficken, und damit das tun, was Sarrazin und seine Fankurve in Bezug auf Deutschland untergangsgleich fürchtet.

    Und doch freue ich mich – nicht nur auf ein absehbares Ende der Debatte, das so sicher kommt, wie mein Überdruss des Falschen und Verlogenen bereits jetzt schon real ist. Und wie ich mich freue!

    Und zwar auf das Wochenende, auf kurze Regengüsse und vor allem auf zahlreiche nahrhafte Pilze, die nicht instande sind, schnappatmend unfassbare Dummheiten zu publizieren und die Kritik an den eigenen Vorstellungen als Ende der Meinungsfreiheit aufzufassen…!

    Mögen Steinpilze und Maronen mich beglücken – und den hysterischen Schwachsinn vergessen lassen, den Sarrazin, Steinhöfel, Broder und ein geistig kranker Schweizer (ja, pardon – aber alle Offenheit muss man in diesen Tagen wagen) verbreiten.

    Und ohne es genauer wissen zu wollen, ob der Grund meiner Freude tatsächlich Bestand hat, freue ich mich jetzt bereits über die Gegenwart, in der ausgerechnet die Weltwoche sich weigerte, einen vor Schwachsinn strotzenden Brodertext abzudrucken. Wie auch immer. Mein zentraler Wunsch ist letztlich doch folgender:

    Pilze!

  2. T. Albert September 3, 2010 um 4:08 pm

    Ja, der Broder assoziiert unverschämt und frei im Raum, wie ihn seine Versatzstücke gerade so ankommen. Die kombiniert er immer irgendwie um, aber raus kommt immer dasselbe.
    Die Reichsschrifttumskammer ist er gerade selber, das hat er sich auf in seinen „inneren Reichsparteitagen“ hart erarbeitet. Jetzt kann er anderen Leuten Vorschriften machen, wie sie ein Buch zu finden haben oder ob sich dazu äussern dürfen. Die Kanzlerin darf nicht, beim Bundesbankmann ist alles harmlos, zudem hat er recht. Und wie der Bundesbanker selbst sagt, hat der Broder ihm Material zum Buch zukommen lassen.
    ES gab in diesen ganzen irren Sendungen, genau zwei Frauen, die kein dummes und ideologisches Zeug faselten, und Friedmann, den Sarrazin anglisiert aussprach. Lustig.
    Aber ansonsten hab ich mich die ganze Zeit gefragt, wie diese Leute dazu kommen, ständig Lesevorschriften zu machen. Wo bin ich?

  3. Katzenblogger September 3, 2010 um 4:30 pm

    In der Verbroderugnsanstalt, T. Albert, in der Verbroderungsanstalt. Schau dir einmal den Wahlspruch an, der über dem Eingang der Verbroderungsanstalt geschrieben ist:

    „Die Lügen von heute sind die Wahrheiten von Morgen“

    (Humor ist, wenn man trotzdem lacht)

  4. T. Albert September 3, 2010 um 4:40 pm

    Und ich fand den ja mal richtich gut.

  5. mondoprinte September 3, 2010 um 5:07 pm

    Und trotzdem möchte Broder geliebt werden… Politisch unkorrekt sind jene, die ihren Rassismus ungehindert in die Welt und die Welt (Wortspiel ;-)) pupsen wollen und dabei aber noch einen Börne-Preis nicht verschmähen. Politisch unkorrekt ist die Provokation durch dumme Kerls… Die Provokation besteht eigentlich eher darin, dass einem die Galle hochgeht, weil Broder einem unterstellt, man würde sich ärgern – und das macht einen nur um so wütender. Dass Broder für die großen Verlage schreiben darf, wundert mich nicht – Sarrazin als Vertreter jener besseren Kreise, die seit jeher ihren Status sichern wollen, indem sie Bedrohungsszenarien heraufbeschwören – und sei es noch der größte Quatsch mit Sauce – ist im selben Boot.

  6. momorulez September 3, 2010 um 5:08 pm

    Ich fand den auch mal prima . Das Nachwort oder Vorwort zu dem Text von Hannah Arendt über deren Besuch in Deutschland nach ’45 ist grandios. Auch wenn er da Friedensbewegten wie mir vortrefflich auf die Glocke gibt, Dorothee Soelle herrlich auseinander nimmt, da konnte man sich wenigstens noch ertappt fühlen. Ich fand auch lange Zeit einfach wichtig, daß es jemanden gibt, der pointiert diese Positionen besetzt, selbst wenn es nicht die meinen sind.

    Aber das rückt immer weiter nach rechts, wird immer platter, immer mehr Masche und Textanrührmaschine und verdummt zudem noch junge Leute, ganz ironiefrei. Denen liefert er dann Munition für halbgares Kampfgeschrei, das rechtsradikale Positionen für Links-emanzipatorisch hält. Das nehme ich ihm mittlerweile ernsthaft übel.

  7. che2001 September 3, 2010 um 5:30 pm

    Sölle, Niemöller und solche waren in den alten Friedensbewegungszeiten ja zeitweise auch ätzend moralinsauer, und diese We-shall-overcome-Mentalität, dieses „wir-wollen-wie-das-weiche-Wasser-sein“, diese Mischung aus inszenierter Sanftmut, inszenierter moralischer Empörung und persönlich verinnerlichter Weltuntergangsangst – bis hin zum Appell, diese möglichst auch zu verinnern – das war ja die negative Seite der Ökopax-Bewegung (neben ihrem grottigen ästhetischen Auftritt) und Kritik daran war auch sehr angebracht. Ob Broder oder Droste, Kritik daran war mehr als angebracht. Ich wurde Autonomer, weil mich diese Mentalität abschreckte und ich ein politisches Umfeld suchte, wo ich meine Protesthaltung mit dem Zulassen von Aggression und mit Subversivität verbinden konnte.

  8. momorulez September 3, 2010 um 6:37 pm

    @Che:

    Ach, nee! 😉

    Ich kann das nun bis heute gar nicht als „negative Seite“ wahr nehmen, das ist irgendwie schon wieder auf einen falschen Ebene ansetzend. Ich suche noch mal raus, was der Broder da so brilliant, wirklich, schrub, das setzte den Akzent eher auf eine völlig verdrehte Vergangenheits“bewältigung“.

  9. mondoprinte September 3, 2010 um 7:30 pm

    @momorulez
    Ich nehm ihm das auch übel, dem Broder!

  10. Pingback: „Den »klassischen« Antideutschen …ging es nicht um Israel.“ | MondoPrinte

  11. Karsten September 4, 2010 um 12:33 am

    Ich find‘ den Broder ja schrecklich, wenn ich seine Texte lese. Aber wenn er mal im Fernsehen auftaucht, kommt er einfach sehr sympathisch rüber. Das Gegeifer, das ich mir immer vorstelle, wenn ich lese, kommt da einfach nicht!

  12. bandler September 4, 2010 um 7:20 am

    In Sachen Sarrazin ist jetzt der Gabriel von der SPD dran, mal klare Kante zu zeigen. Was ist jetzt nicht verstehe ist, warum der Wulff erstmal die Merkel fragen muss, denn er hat doch vor dem Antrag der Bundesbank gesagt, dass der Sarrazin weg soll. Ist er sich jetzt auf einmal nicht mehr so sicher und wir erlebe eine Überraschung, aber vielleicht ist das nur Alibi.

  13. momorulez September 4, 2010 um 8:07 am

    Da ist ja auch viel Spielerisches dabei, viel Raufenwollen und „Provokation“ und vor allem auch, selber Jäger, nicht Opfer sein wollen. Kann ich alles gut verstehen.

    Nur daß er auch da schlecht altert und von seiner Wirkung her mittlerweile so dermaßen viel Mist gebaut hat, daß man sich nur die Haare raufen kann.

  14. Loellie September 4, 2010 um 9:16 am

    Ehrlich gesagt …

    Wer es schafft Broder und sympathisch in Zusammenhang zu bringen, hat entweder einen Hirntumor von der Grösse eines Straussenei, oder ist schlicht gemeingefährlich. Ich glaub ich muss wirklich aufhören hier mit zu lesen.

  15. momorulez September 4, 2010 um 9:32 am

    Ehrlich gesagt ….

    Bin ich ja für jede Beschimpfung und jeden Wutanfall zu haben, aber ein „Sympathischfinden“ unter Gemeingefährlichkeit zu verbuchen, das könnte sich selbst einem Hirntumor verdanken. Eine Welt, die in jeglicher Hinsicht das bedient, was Deiner Wahrnehmung entspricht, wäre ja viellecht sogar wünschenswert, aber …

  16. Loellie September 4, 2010 um 10:16 am

    Wieso Wutanfall und Beschimpfung?
    Mir fällt niemand ein der die Kombination von Herrenmensch und Vernichtungswillen so aggressiv durch Körpersprache nach aussen transportiert. Wenn der mir in der Stadt entgegen käme, würde ich die Strassenseite wechseln, auch ohne ihn erkannt zu haben. Wenn jemand eine derart offensichtliche Bedrohung als sympathisch fehldeutet muss doch heftig was schieflaufen.
    Der Typ hat die Ausstrahlung eines Intensivtäters der mit einem Stahlrohr in der Hand gerade ausholt.

  17. Katzenblogger September 4, 2010 um 10:22 am

    Stichwort „Schauprozess“: Der eventuelle Inhaber eines Hirntumores MUSS einen Schauprozess fürchten, gerade, wenn es um die Ideen von Sarrazin geht oder seine jämmerlichen Versuche, diese zu verteidigen:

    Ein gesellschaftlicher Prozess, wo genau geschaut wird, wo Sarrazin Statistiken und Zahlen fälscht, wo genau geschaut wird, welchen Unfug und welche Verhetzungen Sarrazin verbreitet, wo genau geschaut wird, welchen wortwörtlich Irrsinn Broder aufbietet, um Sarrazin zu verteidigen – ja, das ist aus Broders Sicht zum Fürchten.

    Wo Broder vorwurfsvoll von „Schauprozess“ spricht, meint er den öffentlichen Diskurs – den er im Kern ablehnt. Sarrazins Verteidiger fordern kritiklose Zustimmung zum biologistischen, rassistischen, sozialdarwinistischen, klassistischen und islamophoben Unfug, der darauf zielt, andere Menschen nicht nur zu diffamieren, sondern diese auszusperren oder jedenfalls zu reglementieren und sie ärmer zu machen.

    Sie kämpfen gegen Menschlichkeit und Freiheit – und nennen die Kritik daran „Schauprozess“. Öffentliche Kritik an unmenschlichen Ideen vergleichen sie mit einer „Reichsschriftumskammer“ – diese Jammerlappen!

    Das ist so irre, und so abgrundtief daneben (abgesehen von der damit betriebenen massiven Verharmlosung des Naziregimes), dass ich immer noch nicht glauben kann, dass so ein Dreck überhaupt öffentlich vorgetragen wird. Diese „Opfer“ der „political correctness“ sülzen uns wochenlang die Ohren voll und behaupten dann, man würde sie unterdrücken.

    Rechtes Dreckspack!

  18. che2001 September 4, 2010 um 10:40 am

    Nicht zu vergessen: Broder und Stefan Herre Arm in Arm, immer gerne dran erinnert. DARAUF sollte man ihn in einer Talkshow mal ansprechen. Wie wäre denn die Talkshow, in der, sagen wir mal, Inge Viett ihm diese Frage stellt?

  19. Karsten September 4, 2010 um 11:35 am

    @Loellie:
    Wie schön, dass wir zwei echte Freunde bleiben. Ich sage mal so: Du scheinst zu jenen Leuten zu gehören, die Form und Inhalt nicht trennen können. Auch bei Menschen nicht.

    @Katze:
    Ich glaube, mit dem Hirntumor wurde eher ich diagnostiziert. Herrn Broder wurde die Ausstrahlung eines Intensivtäters unterstellt. Wie auch immer…
    Ich stimme zu, dass es sich bei dem öffentlichen Diskurs nicht um einen Schauprozess handelt, dass die genaue Sektion des Buches, seiner Behauptungen und Fakten wichtig und richtig ist, und dass die Leute, die nach Meinungsfreiheit krakelen, sich nicht beschweren sollten, wenn es auch etwas Gegenwind gibt.
    Sarrazins Entlassung hingegen hat schon etwas Unterdrückerisches, und der Umgang mit dem Thema in der Politik mit ihrem Parteisoldatentum ist auch weniger Diskurs als Erzwingung von Linientreue. DAS ist in der Tat bedenklich, weil es ja mit Abweichlern jeder Art in gleicher Form geschieht. Man denke nur an Müntefering, der Abgeordnete mit anderer Meinung mit Mandatsverlust bedrohte, oder an zahlreiche andere Fälle, in denen Fraktionen diszipliniert wurden.
    Ein kleiner zorniger Mann in mir würde sich sogar wünschen, dass Sarrazin nicht nur seinen Job, sondern auch sein Vermögen verliert und mal ganz realiter zeigen muss, wie man von HartzIV lebt und sich dank guter Erbanlagen und Erziehung ruck-zuck wieder nach oben kämpft. Aber mein Verstand sieht das einfach anders.

    @che:
    Herre ist schon noch erheblich schlimmer geworden seit damals, und ich bezweifle, dass Broder sich die Trinkgesellschaft am bewussten Abend tatsächlich vorher allzu intensiv angesehen hat. Der wollte sich doch nur mal feiern lassen. Ist ihm sicher jetzt peinlich. Vermute ich mal.

  20. momorulez September 4, 2010 um 11:53 am

    @Karsten:

    Ich finde nicht, daß irgendwelche „Fakten“ in dem Buch relevant sind oder gar diskutiert werden sollten. Das setzt bei der Populationsbildung völkische Kriterien voraus, insofern diskutiert man bereits auf einer Basis, die in sich menschenverachtende und de facto NORMATIVE Fehlannahmen enthält. Das ist doch eine Ablenkungsschlacht. Das will einem eine Diskussion darüber aufdrängen, ob Rassismus wahr sein kann. Das ist offener Faschismus.

    Und wenn es um Fakten geht, wieso überhaupt „Meinung“?

    Ansonsten möchte in keinem Land leben, in dem in staatlichen Organen Faschisten offen ihre Faschismen predigen können. Demnächst ruft in Brandenburg ein Polizeipräsident maoistische Kulturrevolutionen aus, und Karsten verbucht das unter „Meinungsfreiheit“. Und das, wo in diesem Land wegen irgendwelcher lächerlichen Eigentumsdelikte täglich Leute gefeuert werden und auch wegen der Politik Banken betreffend.

    Ich bin numehr der Meinung, daß Eigentum Diebstahl ist und geh gleich mal klauen. Mal gucken, was passiert. Erst recht, was mit einem Bundesbankvorstand passieren würde, der Statistiken vorlegt, aus denen die Notwendigkeit hervor geht, Springer zu verstaatlichten -verfassungsrechtlich durchaus möglich.

  21. Karsten September 4, 2010 um 12:29 pm

    @momorulez:
    Wenn man ihn schon anhand der gefälschten und ausgedachten Daten unmöglich machen kann, ist das doch gut. So meinte ich das. Und bezog sich damit auf Katzenblogger:
    Ein gesellschaftlicher Prozess, wo genau geschaut wird, wo Sarrazin Statistiken und Zahlen fälscht, wo genau geschaut wird, welchen Unfug und welche Verhetzungen Sarrazin verbreitet, wo genau geschaut wird, welchen wortwörtlich Irrsinn Broder aufbietet, um Sarrazin zu verteidigen – ja, das ist aus Broders Sicht zum Fürchten.

    Zur Meinungsfreiheit scheinen wir so unterschiedliche Einstellungen zu haben, dass wir da wohl keine Annäherung kriegen, oder? Nur soviel: Diebstahl ist keine Meinungsäußerung, sondern ein Verbrechen. Aber die Meinung, dass Eigentum Diebstahl sei, kannst Du gerne öffentlich äußern.

  22. Karsten September 4, 2010 um 12:30 pm

    Die blockquote hat nicht funktioniert. 😦

  23. che2001 September 4, 2010 um 12:30 pm

    @“Der wollte sich doch nur mal feiern lassen. Ist ihm sicher jetzt peinlich. Vermute ich mal.“ — Ich denke eher, dass da, wenn auch in Bierlaune, strategische Bündnisse geschmiedet wurden, aus denen dann nichts wurde. Und ich sehe bei PI, seit es die gibt, eigentlich keine Entwicklung. Die bezeichneten auch 2005 verschleierte Muslimas durchwegs als „Vogelscheuchen“ (einen anderen Begriff hatten die damals für die nicht) und fabulierten von negativen Allelfrequenzen im Erbgut der Araber.

  24. che2001 September 4, 2010 um 12:32 pm

    Auf privatem Kanal mehr zu dem Thema!

  25. Karsten September 4, 2010 um 12:32 pm

    @che:
    Ich finde, die sind immer schlimmer geworden. Aber schlimm fand ich sie von Anfang an – da bin ich ja viel angeeckt in liberalen Kreisen, Du erinnerst dich sicher.

  26. Karsten September 4, 2010 um 12:34 pm

    @che:
    Meinst Du Email? Dann warst Du das, der mir hier gerade blaue Pillchen verkaufen will? Ich schreibe den Markennamen lieber nicht, sonst kassiert Akismet meinen Kommentar. 🙂

  27. momorulez September 4, 2010 um 1:02 pm

    Ich sehe auch keinerlei Unterschied zwischen heute PI und damals. Das war damals den A-Team-Leuten z.B. nur ganz genehm, weil man die für die Drecksarbeit im Zuge des Pro-Bush-Bloggens brauchte, damit die in Ruhe zu mordende Iraker zu Untermenschen zu erklären, dann stößt man auf weniger Widerworte – sind ja nur „Kanacken“.Damals war allerdings dieser Ralf oder so dabei, der hier auch mal kommentiert hat, ein höchstgradig gebildeter und feinsinniger Typ mit poltisch leider komplett verdrehten Ansichten. Der war doch noch ein anderes Kaliber. Schon beeindruckend.

    Und Hate Speech ist äquivalent zu Körperverletzung, Sprechen ist Handeln. Ich kann Dir nicht dahingehend folgen, daß Körperverletzung unproblematischer ist als ein Eigentumsdelikt. Zudem sicht die Frage nicht darauf bezog, ob ich nun „Eigentum ist Diebstahl“ sage, sondern ob das ein staatlich angestellter Bundesbankvorstand tut. Dessen Aufgabe es ja schlecht sein kann, mutmaßlich Volksverhetzung zu betreiben. Und ein Hamburger Bezirksamtsvorsitzender, der privat antisemitische Expertisen verfaßt, fändest Du den in Ordnung?

    Aber was ist denn eine „Meinung“? Und was sagst Du zu Bruce LaBruce, Karsten?

  28. Katzenblogger September 4, 2010 um 1:37 pm

    Die Sache mit dem Ralf (oder so) hat mich auch gestört, sehr sogar, aus verschiedenen Gründen. Ich mag es nicht, wenn faschistische Geistlosigkeit in eine Verpackung aus Geist eingeschlagen wird. Wie auch immer, das habe ich dann geändert…- was natürlich nicht dazu geführt hat, dass die von einer Springertochter herangezüchtete PiPi-Brut zivilisiert wurde. Aber das war ja auch nicht das Ziel.

    Der Broderich hat sich ja vor einigen Jahren „sehr kritisch“ mit dem PiPi-Kram beschäftigt, aber er merkt nicht, dass er den PiPi-Kram von damals – den er ablehnte – inzwischen rechts überholt hat. Doch, natürlich, PiPi ist schlimmer geworden – aber zugleich durchschaubarer und es hat seine Bündnisfähigkeit verloren.

    Was den in Talkshows munter den Antifaschisten gebenden Broderich betrifft, glaube ich in seinem Fall nicht an einer Anwendung der Totalitarismustheorie, die imho durch falsch propagierende Neurechte und Rechtsliberale oft ein falsches Bild ergibt. Wenn ich mich recht entsinne (ich bin mir da sogar ziemlich sicher) hat Hannah Ahrendt z.B. nicht von einer Gleichwertigkeit von Nationalsozialismus und zentralplanwirtschaftlichen Blockstaatkommunismus gesprochen. Aber gut, das ist jetzt im Moment sowieso ein überflüssiger Schlenker.

    Richtiggehend ekelhaft finde ich, wie schnell und nachhaltig sich ein faschistisches bzw. faschistoides Millieu heranzüchten lässt, dass sich dann z.B. im Blog von RA Steinhöfel versammelt. Ich überlege gerade, dass es eine dufte Idee sein müsste, den Mann wg Volksverhetzung (innerhalb seiner Kommentarspalten) erstens strafrechtlich anzuzeigen und zweitens abzumahnen.

    Ich überlege das gerade sehr ernsthaft.

    (Hint: Mitkämpfer erwünscht)

  29. che2001 September 4, 2010 um 1:55 pm

    Hannah Arendt hat in Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft nur den Nationalsozialismus und den Stalinismus miteinander verglichen, schon der italienische Faschismus, der Maoismus oder die DDR gehören hier nicht mehr hinein. Stalinismus heißt in diesem Zusammenhang die Herrschaft von Herrn Josef Wissarianowitsch Dschugaschwili selber und nichts, was danach stattgefunden hat.

    Btw: Sehr lesenswert ihre Schrift „Sprengstoffspießer“, in der sie mit dem Terrorismus im Nahen Osten abrechnet.

  30. Karsten September 4, 2010 um 2:00 pm

    @MR:
    Zu Bruce LaBruce sage ich erst mal nix. Hören (oder sehen, oder lesen) kommt vor dem Sprechen. Oder auch: Ich kannte ihn bisher nicht. 🙂

    Ich kann Dir nicht dahingehend folgen, daß Körperverletzung unproblematischer ist als ein Eigentumsdelikt.

    Das ist nun die Stelle, wo Rayson und Boche immer wutentbrannt die Kommunikation abbrechen. Denn da legst Du mir doch etwas in den Mund, was ich gar nich gesagt habe. Was in diesem Fall schon ziemlich perfide ist.

    Und Hate Speech ist äquivalent zu Körperverletzung, Sprechen ist Handeln.

    Das gilt nur dann, wenn man eine enge Auslegung von „Hate Speech“ hat, sprich, eine konkrete Aufforderung zu Gewalt nachweisen kann. Ansonsten ist das einfach Unsinn, weil da stets alles mögliche konstruiert werden kann.

    ob das ein staatlich angestellter Bundesbankvorstand tut. Dessen Aufgabe es ja schlecht sein kann, mutmaßlich Volksverhetzung zu betreiben.

    Es ist ja wohl nicht anzunehmen, dass er seine Äußerungen (die ich eben nicht als Volksverhetzung betrachte) während seiner Dienstzeit verfasst hat. Und ein bisschen Privatperson bleibt er ja wohl auch noch. Es war ja auch nicht deine Aufgabe als Angestellter, Kapitalismuskritik zu betreiben.

    Und ein Hamburger Bezirksamtsvorsitzender, der privat antisemitische Expertisen verfaßt, fändest Du den in Ordnung?

    Sofern man ihm keine dienstlichen Verfehlungen nachweisen kann…

    Und: Du erwartest doch nicht ernsthaft von mir, den Begriff „Meinung“ zu definieren, oder?

  31. Katzenblogger September 4, 2010 um 2:24 pm

    Karsten, angesichts der indiskreten Anstandslosigkeit der neurechten Publizisten, sowie deren sehr konkreten und durchaus beabsichtigten Wirkungen, ist es schon bemerkenswert abstrakt und zudem eben nicht trennscharf genug, bei deren „hate speech“ erst im Fall konkreter Gewaltaufforderungen ein größeres Problem zu erkennen.

    Es endet ja in Gewalt. Meine These: Es soll in Gewalt enden.

    Der Jobverlust des Sarrazin mag zwiespältig sein – aber hier liegt eben nicht einfaches „Abweichlertum“ vor, sondern auch ein Missbrauch seiner Rolle als Bundesbankvorstand, sowie ein eklatanter Verstoß gegen das Beamtenrecht. Du solltest auch nicht vergessen, Karsten, dass der Mann auf das Grundgesetz unserer Republik vereidigt (!) ist – und die Werte dieses Grundgesetzes tritt Sarrazin doch ganz offenkundig mit Füßen.

    Okay – für libertären bzw. „klassisch liberalen“ Fundamentalismus (der in den letzten Jahren sehr wohl Einfluss auf dich hatte) mag das geradezu widersinnig klingen – aber ich finde allemal, dass wir vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte es gut vertreten können, wenn bestimmte Grenzen bei der Ausübung von Staatsämtern gezogen sind.

    „Hate speech“ kann Sarrazin ja gerne weiterhin verbreiten, verhungern wird er ohnehin nicht (das ihm angetane Leid dürfte konkret sehr gering ausfallen, pardon), mit offenen Armen wird er von diversen Verlegern empfangen – und kann sich sicherlich weiterhin in die öffentliche Debatte einmischen, an der ihm so viel liegt.

    Er kann aber seine Verhöhnung der Werte des Grundgesetzes nicht als Vorstandsmitglied der Bundesbank betreiben.

    Und das ist gut so.

    Im Übrigen ist Sarrazin ein Lügner, ein Statistikfälscher – und hat eigentlich in seinen politischen Auftritten so rein garnichts, was ihn für irgend ein hohes Staatsamt qualifiziert. Soll er doch in irgendeinem Versicherungsbeirat oder beim Maschmeyer seine Kröten verdienen.

    Wirklich, andere Menschen dürften weitaus größere und existentiellere Probleme haben, wenn sie ihre Meinungen äußern, hierzulande, und zwar auch dann, wenn sie sich dabei in den Grenzen des Grundgesetzes bewegen.

    Sarrazin ist sein Vorstandsjob los? Who cares?

    Sollte sich nichts für ihn finden, kann er gerne seine Zeit bis zur Pensionierung in dem 95 cm hohen Bückarchiv (!) eines Krankenhauses verbringen, in dem ich einige Wochen gearbeitet habe, um Krankenakten von Privatversicherten zu sortieren.

    Aber ich fürchte fast: So schlimm wird es ihn schon nicht treffen. Im Ernst Karsten, wo ist da überhaupt ein Problem? Wer ein so hohes Staatsamt besetzt, der sollte kein stark gebrechenes Verhältnis zur Menschenwürde haben.

    Wo ist Dein Problem mit seiner Entlassung??? Ich verstehe das nicht. Würde er lediglich einen mittleren Beamtenposten besetzen, wäre meine Beurteilung der Angelegenheit anders (und stände dann übrigens in Gegensatz zum Beamtenrecht) – quasi, ähm, liberaler.

    Wobei ich es andersherum als liberal hochverdienstvoll empfinde, dass man Sarrazin aus seinem Vorstandsjob bei der Bundesbank kegelt. Im Übrigen merke ich, dass ich wieder mehr Ahrendt lesen sollte, vielleicht parralel zu meinen Projekt, dem übelste Hetze verbreitenden Polit-Arschloch Steinhöfel einen Haufen Probleme zu bereiten.

    Das hat nämlich auch mit meinem antifaschistischen Nerv zu tun, der dieser Tage doch verblüffend stark gereizt wird.

  32. momorulez September 4, 2010 um 3:36 pm

    Ich bin hinsichtlich dessen, was der Katzenblogger zur Haltung zum Grundgesetz schreibt, schon bei ihm. Was mir freilich selbst auffiel, ist, daß das auch die Begründung der Berufsverbote in den 70ern war, natürlich wie üblich nur gegen links. Was eine fiesere Gegenattacke war, mir fiel noch noch nicht ein, wie ich die parieren könnte, ohne in Christina Schröders Fahrwasser zu landen.

    Zu Hannah Arendt: Neben vielem anderen ist bei ihr Imperialismus ein entscheidender Faktor. Was ja nun gerade aktueller denn je ist, weil die letzten 20 Jahre ideologisch auch dadurch geprägt waren, diesen Begriff als kritischen Begriff irgendwelchen RAF-Leuten vorzubehalten und ihn ansonsten zu delegitimieren. Hannah Arendt sah die völkischen Pan-Bewegungen, durchaus auch die panslawische, als Nährboden für Totalitarismen. Das ist nicht trivial. Ebenso wichtig bei ihr das „Bündnis zwischen Mob und Elite“, was ihr von links den Vorwurf des Elitären einbrachte. Genau das haben wir gerade: Bundesvorstand- und Springer-Konzern befeuern ideologisch neue Lichtenhagens. Die BILD heute ist wirklich ein derartiger Eklat. Das ist so dermaßen gemeingefährlich.

    @Karsten:

    Nein, ich habe Dir nix in den Mund gelegt und bin eher erstaunt, daß Du so was:

    Das gilt nur dann, wenn man eine enge Auslegung von „Hate Speech“ hat, sprich, eine konkrete Aufforderung zu Gewalt nachweisen kann.“

    schreibst. Nein, Hate Speech IST Gewalt, weil sie PHYSISCH wirkt. Die ist, wie Noergler neulich hier zu recht anmerkte, analog zu Mobbing am Arbeitsplatz, was schwere, gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann, zu betrachten. Es gibt so was wie sprachlich und visuell vermitteltes Körpergedächtnis unterdrückter, gemeuchelter, gefolterter Minderheiten, das in dem Moment aktiviert wird – bei Schwarzen, Juden, Schwulen, Frauen, seit Abu Ghraib spätestens auch bei Arabern.

    Genau darauf hat Che drüben in seinem Blogeintrag reagiert, als er Broder Herrenmenschentum diagnostizierte – die Haltung, die er Frauen gegenüber einnimmt, dieser paternale Verniedlichen, das geht in eben diese Richtung. Schwarze Frauen konnten mit dem BH-Wegwerfen und der ominipräsenten Nacktheit nach ’68 deshalb so wenig anfangen, weil daß SIE sich in Ketten nackt irgendwo räkeln, gehört eben mit in die Perspektive des Mehrheitsgesellschaft, ist teil eines historisch gewachsenen Folterapparates und wird in dem Moment, wo jemand „Nigger“ sagt, mobilisiert. Die Peitsche, in unserem Fall die Elektroschocks. Wenn in einen Scorcese sehe, in dem alle zwei Minuten jemand „Schwuchtel“ sagt, Leute sich die Köppe einballern und zugleich ein Leonardo di Caprio sich die ganze Zeit lecker halbnackt räkelt, dann habe ich genau diese PHYSISCHEN Effekt. Ich bin dann ein paar Tage komplett verspannt, ängstlich, verunsichert und komplett derangiert. Das ist eine direkte Gewaltandrohung. Auch Herr Sarrazin verfaßt Werke voller direkter Gewaltandrohungen.

    Daß nun gerade Du das verniedlichst und zugleich zu dem ohne weitere Kenntnis von Bruce LaBruce, ein Gigant unter den Filmemachern, „Hustler White“ ist wirklich ein Meisterwerk, ohne weiteres verständlichen Zitat nichts sagen willst, das ist doch, verzeih mir, symptomatisch, und genau darauf reagiert Loellie.

  33. momorulez September 4, 2010 um 3:38 pm

    PS: Katzenblogger, Du verfällst gerade ein wenig in diese Fettdruck-Referatshaltung, die mich früher wirklich immer irre gemacht hat, wenn Du mit Rayson & Co diskutiert hast. Ich verstehe dieses Sich-Aufblähen-wollen und kenne es auch, kannst du mir aber den Gefallen tun, das in diesem Blog weiter etwas dezenter und lyrischer zu betreiben?

  34. Katzenblogger September 4, 2010 um 4:14 pm

    Momorulez, das sind bei mir die Nerven. Sorry – die sind gerade genervt (nicht von dir).

  35. momorulez September 4, 2010 um 5:02 pm

    http://www.zeit.de/2010/36/Muslimifizierung

    Das ist der Link zu dem Artikel, den ich im anderen Thread meinte. Da kommt noch ein eigener Eintrag zu.

  36. Loellie September 4, 2010 um 5:12 pm

    Ich wär dem Katzenblogger verbunden, würde er künftig Abstand davon nehmen von mir abzuschreiben. Es ist dann doch noch ein erheblicher Unterschied ob ich bei Karsten per Ferndiagnose einen Gehirntumor befürchte, ihm alternativ gemeinerweise Gemeinheit unterstelle oder einen Zusammenhang zwischen Krankheitsbildern und Schauprozessen konstruiere.
    _______

    Dann seid ihr alle mal wieder zu schnell für mich.
    ________

    Ich hatte den Kommentar mit dem Link an anderer Stelle platziert, um das aus der Diskussion hier heraus zu halten. Das war gut gemeint, aber es scheint als hät’s keiner gemerkt und Karsten weiss jetzt möglicherweise überhaupt nicht, wo der Bruce la Bruce plötzlich herkommt und was das soll. Ich hol das gleich nochmal hoch. Sorry dafür
    _________

    @Momo

    Ich find das wirklich lieb wenn du versuchst zu verstehen worauf ich reagiere. Deinen Kommentar unterschreibe ich komplett, allerdings war der Gewalttäter mit der Eisenstange nicht metaphorisch gemeint um Hassrede mit physischer Gewalt zu assoziieren (was ja stimmt), oder auf Opfererfahrungen mich zu beziehen.
    Ich hab mal eine Gesprächsrunde in der Glotze gesehen bei der einer der Teilnehmer öfter im Bild war als die anderen. Der sass ja nur da und trotzdem war seine Körpersprache, seine Gestik und Mimik erschreckend identisch zu dem, was ich von Gewalttätern kenne die zu willkürlicher und exzessiver Gewaltanwendung neigen. Als der Teilnehmer anfing zu sprechen, wurde der Name eingeblendet und ich dachte „na das passt ja“.
    Und wenn nun jemand, den ich aufgrund seiner Ausstrahlung als Bedrohung für Leib und Leben wahrnehme, von einem Dritten als sympathisch bezeichnet wird, ist das für mich nicht nachvollziehbar und ich muss davon ausgehen, dass besagter Dritter nicht in der Lage ist, eine für ihn bedrohliche Situation richtig einzuschätzen.

    Hmm, vllt ist das ja doch das gleiche was unter Körpergedächtnis zu verstehen ist …

    ____________

    Der Link zu dem anderen Kommentar.

    https://metalust.wordpress.com/2010/09/01/aber-auch-das-geht-nicht-lange-genug-gut/#comment-8312

    Ich glaub Momo hat auch nicht gemerkt das ich in einem anderen Thread geposted habe.

  37. momorulez September 4, 2010 um 5:33 pm

    Stimmt, das kann sein, weil mir das iPad-App die Kommentare einfach untereinander auflistet und ich das als fortlaufende Diskussion lese, weil ich nicht richtig hingeguckt habe 😉 … deshalb hatte ich das, nun wieder beim Schreiben nicht wissend, welcher Kommentar genau unter welchem in welchem Thread steht, so gelesen, daß Du Karsten, wie ich finde, nicht nur zu Unrecht, sorry, Karsten, vorwirfst, daß er sich als Schwuler an die Perspektive der Mehrheitsgesellschaft ran kuschelt, um nicht getroffen zu werden, daß das aber auch nicht rettet, deshalb Bruce LaBruce. Etwas, das man Broder übrigens auch vorwerfen muß.

  38. momorulez September 4, 2010 um 5:38 pm

    Lustig, ich habe dann auch in meiner Verblödung im anderen Thread auf Kommentare hier geantwortet 😀 – Danke, Loellie, mir wäre das echt nicht aufgefallen!

  39. Loellie September 4, 2010 um 7:05 pm

    Gerne, ich war glücklicherweise schneller verwirrt als ich mich hätte aufregen können 😉

  40. Katzenblogger September 4, 2010 um 7:23 pm

    Loelli, du hast völlig recht, wenn du sagst, dass ein rhetorisches Manöver von dir gegenüber Karsten etwas ganz anderes ist als der Umstand, dass ich beim Broderich am Verstand zweifle. Das erste ist nämlich absurd, das zweite traurig.

    Das ist jedenfalls meine Meinung. Vielleicht hast du mich bzw. meine Bemerkung zu Broder missverstanden – wäre ja möglich, oder? Aus meiner Sicht ist es zwar nicht so, dass ich alle Ansichten von Karsten teile (wäre ja dann auch unsinnig, wenn ich ihm wie oben widerspreche, gell) – aber er ist vernünftigen Argumenten gegenüber allemal zugänglich, d.h. hinsichtlich seines Verstandes mache ich mir keine Sorgen.

    Sorgen mache ich mir bei anderen – und das erst recht, wenn ich sehe, dass diese geradezu offensiv ianstandslosen neurechten Personen öffentliche wichtige Diskurse prägen. Welches Problem du, Loelli, mit Karsten hast, weiß ich nicht – nicht einmal, ob du da ein Problem hast.

    Aber scheinbar hat hier fast jeder mit jedem gelegentlich Probleme.

  41. Karsten September 5, 2010 um 12:14 am

    Äääähhh… das ist jetzt alles sehr durcheinander. Ich gehe jetzt mal nur auf einiges ein, Momo, wenn ich dabei was entscheidendes unbeantwortet lassen sollte, mach mich bitte darauf aufmerksam.

    Sarrazin/Berufsverbote/70er: Eben.

    Nein, ich habe Dir nix in den Mund gelegt

    Doch, dass ich Körperverletzung weniger schlimm finden würde als Eigentumsdelikte. Was sowohl im Allgemeinen als auch in Bezug auf meine Position dazu Unsinn ist. Der Vorwurf war schlicht und einfach: Unfair und Scheiße.

    Dass manche Aussagen manchen anderen schwer verletzen, das ist sicher die Kehrseite der Meinungsfreiheit. Und der Redefreiheit (die ähnlich, aber nicht gleich ist). Aber was willst Du dagegen unternehmen? Positiv- oder Negativlisten? Hey, vieles tut weh. Der erste Typ, mit dem ich gerne was gehabt hätte, sagte: „Wie, du liebst mich? Nee, das ist nix für mich. Finde ich widerlich“. Soll man das unter Strafe stellen? Dem freundlichen Inder, der bei uns auf dem Markt Blumen verkauft, tat „Kinder statt Inder“ weh, dem Sohn von Buback tut jeder Kommentar weh, bei dem die „kapitalistischen Ausbeuter“ besser ins Arbeitslager gesteckt werden sollten. Alles durchaus auch psychosomatische (das ist sinnvoller als „physische“) Schmerzen. Aber das alles verbieten? Nein, da brauche ich mich von keinen Radikalen beeinflussen lassen (das @Katzenblogger), das ist nicht sinnvoll. Solange wir nicht in Utopia sind, müssen wir sie de jure reden lassen. Während wir ihnen de facto antworten: „Sexist, Rassist, Hassprediger, geh woanders hin!“.

    Mehr morgen, ich muss ins Bett. Aber bis dahin werde ich von Momo soviel zu hören bekommen haben, dass das noch Tage dauern wird. Aber dann ist das halt so. 🙂

    P.S.: Habe das Interview Bruce LaBruce gelesen. Schreibe einen Beitrag dazu, okay?

  42. momorulez September 5, 2010 um 12:30 pm

    Diese typisch liberalen Zerlaberungen der Erfahrungen breiter Bevölkerungsteile gehen mir dann ja doch immer auf den Geist, mit Verlaub. Die negieren die historische Erfahrung von Slaverei, Kolonialismus, Juden- und Schwulenverfolgung und ebenso jeder der Sintie und Roma und rechtfertigen sexistische Gewaltregime, wie es sie hier bis zum neuen Scheidungsrecht auch noch gab. Ich finde den Volksverhetzungsparagraphen da ziemlich gut und bin auch für dessen Anwendung, ja. Und für jedes „Schwuchtel“, „Fotze“ und „Neger“ 1 Jahr Knast wäre auch völlig in Ordnung. Dann würde ich mir das auch endlich mal abgewöhnen.

    Und ich schiebe Dir nichts unter, ich ziehe logische Schlüsse aus dem, was Du schreibst. Wenn „Hate Speech“ wie Körperletzung wirkt, Du aber nicht findest, es solle geahndet werden, Eigentumsdelikte jedoch geahndet werden sollten, und man zudem annimmt, daß Du findest, es solle etwas geahndet werden, weil es schlimm ist, dann ergibt sich das daraus. Nun schreck doch nicht vor den logischen Konsequenzen des von Dir Gesagten zurück.

  43. che2001 September 5, 2010 um 1:58 pm

    Nach Lesart des heutigen Fäuletons war der Hitler der 20er Jahre ein politisch unkorrekter Provokateur.

  44. Katzenblogger September 5, 2010 um 2:47 pm

    Ein Mahner und Aufrüttler!

  45. netbitch September 5, 2010 um 3:20 pm

    Ein beliebter Redner und Chöngeicht!

  46. Katzenblogger September 5, 2010 um 4:51 pm

    Ein verfemter Freigeist und mutiger Kämpfer gegen das Kopftuch!

  47. che2001 September 5, 2010 um 5:12 pm

    Damals allerdings noch nicht bei Elif und Aysche, sondern Sarah und Rebecca.

  48. Robert Michel September 5, 2010 um 7:24 pm

    @momo: Mit deiner Sichtweise, dass man das Recht an dem subjektiven Empfinden ausrichten soll, habe ich wirkliche Probleme. Das ist Gegenaufklärung. Ob Körperverletzungen schlimmer sind als Eigentumsdelikte kann allein der Betroffene entscheiden, aber man kann nicht allein aus der Perspektive des Betroffenen bestimmen, was eine angemessene Strafe ist. Denn eine angemessene Strafe muss objektiven Kriterien genügen. Andernfalls öffnet man Willkür Tür und Tor.

  49. momorulez September 5, 2010 um 7:30 pm

    @Robert:

    Quatsch, das ist keine Gegenaufklärung, das ist die Explikation des Grundsatzes der Kantisches Rechtslehre und hat mit „subjektivem Empfinden“ auch nix zu tun, sondern mit objektiven Machtverhältnissen. Aber Du kannst ja gerne mal in irgendeine Synagoge gehen und die Nachkommen von Holocaust-Opfern verhöhnen. Es ist schlichterdings eine Frechheit, die Forderung nach mangelnder Brutalität als „Gegenaufklärung“ zu behaupten, Hete.

  50. Robert Michel September 5, 2010 um 8:38 pm

    @momo: Ich war mir ziemlich sicher, dass das ein wunder Punkt von dir ist und du entsprechend wütend reagierst und kann mir vorstellen, dass dir das Lesen physisches Unbehagen bereitet. War es nicht ein Akt der Brutalität mein letztes Posting trotzdem zu schreiben? Sollte ich dafür belangt werden?

  51. momorulez September 5, 2010 um 8:49 pm

    @Robert:

    Nein, natürlich nicht, Du hast mich ja nicht als miese Schwuchtel beschimpft und lediglich erläutert, daß Dir weder die Aufklärungsideen noch der Grundsatz der Kantischen Rechtslehre wirklich zugänglich wurden 😉 …

  52. Katzenblogger September 5, 2010 um 10:09 pm

    Eigentlich wollte ich Robert Michel wegen seinem Posting von 07:24 verhöhnen, zwei Anläufe dazu habe ich genommen – aber jedesmal kurz vor Anklicken des Kommentarabsende-Buttons abgebrochen.

    Es ist ja ein weites Feld und gehört imho nicht hier in diesen Kommentarstrang. Andererseits ist es auch ganz einfach: Wenn – wie Robert sagt – das „subjektive Empfinden“ von körperlicher Gewalt vs Eigentumsdelikt sich schon unterscheiden kann (was in bestimmten Einzelfällen auch in die Richtung laufen kann, die Robert meint), und wenn dies so sehr bedeutungsvoll ist, warum ist er sich andersherum so sicher, dass es bei der Strafmaßbestimmung vergleichsweise so leicht sei, „objektive Kriterien“ aufzustellen? Vielleicht sieht Robert ja selbst, dass sich hinter den impliziten Annahmen hinter seiner Fragestellung ein Widerspruch auftut – der deutlich größer ist als der von Robert konstruierte mögliche Widerspruch von Momorulez, wenn auf die Körperlichkeit bzw. tatsächliche Gewaltwirkung von „Hate Speech“ verwiesen wird.

    Um das imho etwas abseitige Argument von Robert im Exempel weiter auszuführen: Wenn mir jemand 5 Mio Euro raubt (=Eigentumsdelikt), und mich damit in Schulden bzw. Mindervermögen in Höhe von rund 5 Mio Euro stürzt, dann – richtig – tut mir das „subjektiv“ mehr weh als eine einzelne Backpfeife (=körperliche Gewalt). Geht man hier aber von typischen Delikten aus (das wäre auch meine Empfehlung), wird die Relation klarer, und kann auch objektiv behauptet werden: Eine körperliche Gewalttat mit Verletzungsfolgen (z.B. Unterkiefer zertrümmert – also einfacher Faustschlag) ist für die allermeisten Menschen schlimmer als eine entwendete Briefbörse.

    Aber wie herum man diese Dinge auch verallgemeinern und für die gesellschaftliche Ebene objektivieren möchte (einen durchaus produktiven Hinweis dürfte das Strafrecht und die typische Zumessung von Strafmaßen geben):

    Momorulez Behauptung ist doch völlig richtig, dass „Hate Speech“ und Mobbing wie körperliche Gewalt wirken können, und (jedenfalls für die Betroffenen) richtig schlimm, richtig furchtbar sein können – und dies oft sind.

    Und zwar durchaus so furchtbar wie körperliche Gewalt. Ich weiß nicht, Robert, ob du mal einen Mobbingprozess durchlitten hast. Hast du? Und unabhängig davon: Kannst du diesem Argumentationsgang folgen?

  53. Karsten September 5, 2010 um 11:07 pm

    So, dann mal ganz unliberal.

    Als „Hate Speech“ empfundene Meinungsäußerungen sind eben keine körperliche Gewalt, Momo. Ich kann dich gerne mal zuerst „Tunte“ nennen und dir dann zwei Zähne ausschlagen, den Unterschied wirst Du dann schon bemerken. Wem der Unterschied nicht mehr klar wird, dem ist meiner Ansicht nach nicht zu helfen.

    Mobbing ist schlimm, es tut weh, es verletzt – ist ja nicht so, als hätte ich das selbst nicht erlebt. Aber verprügelt werden ist und bleibt etwas anderes. Nicht in einem fairen Kampf, nicht, weil man für etwas einsteht, sondern einfach nur, weil man ist, wie man ist. DAS ist ein Gefühl der Verzweiflung, der Wehrlosigkeit, der Todesangst (ja, selbst wenn die Jungs nur „spielen“ wollen), dem das Mobbing nicht annähernd gleichkommt. Auch das: Selbst erlebt.

    Nicht selbst erlebt habe ich eine Gesellschaft, in der man in den Knast kommt, weil man „Schwuchtel“ oder „Neger“ gesagt hat. Die hat es ja auch noch nicht gegeben. Aber es gab schon Gesellschaften, wo man in den Knast kam, weil man andere Aussagen getätigt hat. Und die scheinen mir schon ähnlich.

    Während der Katzenblogger nun versucht, verschiedene Formen körperlicher Gewalt und Eigentumsdelikte gegeneinader aufzurechnen… frage ich mich warum, wenn ich mich recht erinnere, auch der Herr Foucault in den mir von dir empfohlenen Buch genau das als fürchterlich beschrieb, wenn die Herrschaftsmethoden am Körper und der Körperlichkeit ansetzen, über die Hülle des Menschen einen grauenvollen Zugriff auf die Person in ihrem Inneren nehmen… Genau: Weil körperliche Gewalt eben doch schlimmer, unmittelbarer, grauenvoller ist.

  54. momorulez September 5, 2010 um 11:18 pm

    @Karsten:

    Das jetzt irgendwie dahingehend herunter zu nivellieren, daß körperliche Gewalt dadurch verniedlicht würde, ist natürlich eine prima Methode. Mord ist noch schlimmer, dann sanktionieren wir doch einfach mal die Körperverletzung nicht mehr.

    Und was für gesellschaftliche Analogien zu der Bestrafung der verbalen, homophoben Attacke, die ja eine Gewaltandrohung ist, Dir einfiele, das würde mich doch mal interessieren. Die meisten üblen Systeme haben Regimegegner bestraft und ansonsten mit Arbeitslagern und Arbeitspflicht gearbeitet. Du müßtest dann schon die These aufstellen, eine Homo-Herrschaft würde angestrebt, willst Du das?

  55. Karsten September 6, 2010 um 2:03 pm

    Ob ich die Homo-Herrschaft will oder ob ich die These aufstellen will? Letzteres fiele mir nicht ein, über Ersteres könnte man reden. 🙂

    Inhaltlich muss ich jetzt erst einmal nachdenken. Ganz sicher ist, dass die Behauptung (die gab’s ja oben), Mobbing sei genau so schlimm wie körperliche Gewalt, für mich genau das ist: Eine unzulässige Verniedlichung körperlicher Gewalt.

    Aber bei den Fragen von Bestrafung von Mobbing, Volksverhetzung und Meinungsfreiheit muss ich mir noch weitere Gedanken machen.

  56. momorulez September 6, 2010 um 2:07 pm

    Mobbing wirkt halt langsamer, aber dafür u.U. tiefgreifender – Kreislaufbeschwerden, Schlafstörungen undundund.

  57. che2001 September 6, 2010 um 2:30 pm

    Ich finde eine ehrlich mit Fäusten ausgetragene Auseinandersetzung im Zweifelsfall besser als mit Verleumdung, Hintertücke und Stimmungsmache verbundenes Mobbing. Und Kreislaufbeschwerden, Schlafstörungen, Angstzustände, Durchfälle, Herzrhythmusstörungen usw. über einen längeren Zeitraum finde ich auch schlimmer als Platzwunden oder Prellungen.

  58. Karsten September 6, 2010 um 2:49 pm

    Ihr vergesst, dass körperliche Gewalt eben dieselben Folgen nach sich ziehen kann, wie sie Mobbing hat. Vor allem, wenn sie ähnlich intensiv ausgeübt wird.

  59. momorulez September 6, 2010 um 2:56 pm

    Nein, das vergesse ich ja ausdrücklich NICHT; aber, um Dich zu zitieren:

    „dass körperliche Gewalt eben dieselben Folgen nach sich ziehen kann, wie sie Mobbing hat.“

    Das war doch meine These. Daß Hirnschäden, Bein ab und dergleichen als Folgen körperlicher Gewalt sowieso zu ächten sind, das steht doch außer Frage.

  60. Katzenblogger September 6, 2010 um 3:18 pm

    Es hängt wohl stark vom Einzelfall ab. Aber ein schwerer Mobbingvorfall (der sich z.B. über 18 Monate hinzieht) ist deutlich schwerwiegender als eine einmalige Schlägerei. Das wäre jedenfalls meine Erfahrung dazu.

    So: Und nun stelle man sich einmal vor, man würde Anfang der 60er Jahre im Süden der USA als Schwarzer leben – und müsste sich dort so gut wie jeden Tag die Sarrazins anhören, die einen für „genetisch dumm“ erklären, für ökonomisch nutzlose Ballastexistenzen u.v.m. Was genau tut das? Was bewirkt „Hate Speech“ bei einer Gruppe, die dieser „Hate Speech“ über einen längeren Zeitraum ausgesetzt wird? Darüber gibt es seriöse Forschung. Und nichts weist darauf hin, dass „Hate Speech“, die eine größere Verbreitung erfährt, harmlos ist.

    Es gab einmal den Fall einer amerikanischen Pädagogin, die – zur Verdeutlichung der Wirkung von Diskriminierung – ihre Kinder in „dumme Blauaugen“ und „kluge Braunaugen“ einteilte – und einen Tag lang diskriminierend behandelte. Für mich war es erschreckend, wie stark einzelne Kinder dadurch traumatisiert wurden.

    Ganz so, als seien sie gerade verprügelt worden.

    Ich denke, man muss sehr vorsichtig sein, wenn man auf Basis derartiger Befunde Grenzen der Äußerungsfreiheit formuliert. Aber nun: Der Sarrazin ist doch nach wie vor völlig frei, sich zu äußern. Er ist an das Grundgesetz per Amtseid gebunden – da nun aber ein Amt keine Privatveranstaltung ist und er trotz Vorwarnung weiterhin „Hate Speech“ verbreitet hat, so verliert er seinen Job – aber ein „Berufsverbot“ ist das noch lange nicht.

    Im Übrigen war Sarrazin auch dämlich, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Er wird schon nicht irgendeinen Mangel erleiden, noch wird ihm jemand den Heizkostenzuschuss streichen und ihn dazu auffordern, sich mehere Pullover übereinander anzuziehen, damit seine „ökonomisch nutzlose Existenz“ bitteschön der Allgemeinheit nicht zu teuer kommt.

    Karsten, Sarrazin ist kein Opfer.

  61. momorulez September 6, 2010 um 3:29 pm

    Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht irgendwo oder von irgendwem „das ist mir zu schwul“ oder „Schwuchtel“ höre, wenn auch sehr selten direkt an mich adressiert. Das ist so eine Art kulturelles Grundrauschen.

    Man wird über „Hate Speech“ von der Mehrheitsgesellschaft GEFORMT in seinem konkreten So- oder -So-Sein. Sozusagen Mobbing, wenn auch zumeist indirekt, gewissermaßen ein Leben lang, weil einem ergänzend die eigene Irrelevanz vor Augen geführt wird in annähernd jedem Spielfilm, jeder Serie – nur die Soaps haben ja irgendwann reagiert. Und die nicht Gemobbten werden alles dafür tun, mal übertrieben gesagt, gibt ja doch auch viele andere, auch, aber nicht nur in diesem Blog, nicht auf die Objekt-Seite zu geraten.

    Das liest sich immer so melodramatisch, aber gerade die Spuren eines „anderen Pubertierens“ sind einfach nicht revidierbar, glaube ich.

    Kurioserweise ist die „Aufarbeitung“ all dessen bei mir Thema, seit ich in die offene Konfrontation mit meinem damaligen Arbeitgeber gegangen bin. Da wurde irgendeine Energie, die vorher durch Inmichreinfressen gebunden war, frei.

  62. che2001 September 6, 2010 um 5:33 pm

    Eine „andere Pubertät“ habe ich auch durchlaufen, nur hieß mein Stigma nicht „Homo“, sondern „Psycho“.

  63. momorulez September 6, 2010 um 5:39 pm

    Das wollte ich erst sogar noch schreiben, daß in der Phase bei extrem vielen drastisch etwas schief geht. Aber die Differenz ist ja vielleicht trotzdem verständlich.

  64. che2001 September 6, 2010 um 5:42 pm

    Das war jetzt eigentlich andersherum gemeint, im Sinne von Diskriminierungserfahrungen gut nachvollziehen können weil selber diskriminiert worden. Sowas wie „erste Liebe“ und so spielte sich bei mir erst an der Uni ab. Vorher rannte ich in dem Bewusstsein rum, eine Art Mißgeburt zu sein.

  65. che2001 September 6, 2010 um 6:06 pm

    Und meine MitschülerInnen bezeichneten mich als Tropi, das war eine Abkürzung für „trotz Pille“.

  66. momorulez September 6, 2010 um 7:45 pm

    So was bin ich zum Glück entgangen, dazu hatte ich eine viel zu groß Klappe, Typ „Klassensprecher“ halt. Ich habe mich auch zu Schulzeiten nicht geoutet, hätte ich mir nicht getraut, nur Auserwählten gegenüber – der „andere Jahrgangsschwule“ zwar auch nicht, da der aber tuckiger war als ich, hat der zumindest mehr Geläster abbekommen. Komischerweise haben sich in den allerdings reihenweise Mädchen verknallt 😉 – da war ich eher Neutrum.

    Verglichen mit anderen Homos habe ich aber ganz schön Schwein gehabt; das waren eher innere Prozesse, die ich hier beschreibe.

  67. che2001 September 6, 2010 um 9:19 pm

    Als ich einer Mitschülerin eine Liebeserklärung machte, reagierte die mit einem Brief, in dem sie mir detailliert erläuterte, wieso sie mich unattraktiv fand, unter anderem ekelte sie sich vor jedem körperlichen Kontakt zu mir, dabei waren wir auf einer Kumpel-Ebene befreundet. Ich nahm von da an an, dass die gesamte Weiblichkeit so auf mich reagierte. Erst als Student wurde ich eines Besseren belehrt, nicht ohne die Zuhilfenahme von Haschisch.

  68. Katzenblogger September 6, 2010 um 9:55 pm

    Wie tragisch. Da hatte ich es besser. Als Schüler übte ich auf Frauen eine starke Anziehungskraft aus – die ich absolut nicht zu erklären wusste. Die erste „Frau“, der ich Rosen schenkte, war eine Drittklässlerin. Nein, das war sogar die zweite Klasse!

    (nein, keine Verdächtigungen: Sie war genauso alt wie ich)

    Ich fand meinen Antrag so beschämend/blamabel, dass ich sie bis Ende der vierten Klasse nicht mehr angeschaut habe. Die nächste Stufe waren dann anonyme, fantasievolle Liebesbriefe (mit eingewickelten Geschenke), die fast immer dazu führten, dass ich ertappt wurde. Das war ziemlich lustig. Sollte ich mal wieder machen, wenn ich es mir so recht überlege. Ab der vierten Klasse hatte ich immer eine „feste Freundin“, allerdings musste ich mich nie darum bemühen – jedenfalls bis zum Eintritt der Pubertät, wobei ich mich in meinem Fall schon ein wenig frage, wann die genau anfing – und wann sie endete (vermutlich befinde ich mich noch in der Pubertät…). Ab der achten Klasse folgte eine Phase, wo ich meine Liebeserklärungen mündlich vorbrachte – und das erste Mädchen, die sich das anhören durfte/musste meinte dann, und zwar echt supernett, dass sie sich „sehr geehrt“ fühlen würde, aber halt nicht in mich verliebt sei, und das wohl auch nicht sein werde. Irgendwie habe ich mich dann trotzdem total blamiert gefühlt und wurde immer zurückhaltender. Dann kam eine Phase, wo ich extrem schüchtern wurde, was sich erst dann wieder umkehrte, etwa in dem Alter, wo Che der Haschisch zu Hilfe kam.

    (schon ulkig/lustig, wenn man die eigenen ersten Schritte Revue passieren lässt)

    Äh – pardon – worüber reden wir hier eigentlich?? Mein G~tt, ich möchte, dass ein jeder Mensch glücklich leben kann – und eben genau das ist es auch, warum mir der Sarrazynismus so tierisch auf den Geist geht, und noch mehr sogar die Leute, die diesem hirnlosen, rassistischen Spinner zur Seite springen.

  69. momorulez September 6, 2010 um 9:55 pm

    Das ist fies, so ein Brief, richtig gemein, so richtig, richtig gemein …

    Das Objekt meiner Begierde, na, eines davon, mit dem es sich zu einer Freundschaft entwickelte, ich schlief auch häufiger da, die Mutter pflegte mir die Tür zu öffnen, mich zu sehen, auf der Schwelle umzudrehen, grußlos, ohne ein Wort zu sagen, intern nannten mich die Eltern „Hasi“ und fragten Kai immer, was wir denn trieben – was wir trieben, war, daß ich vor Begierde fast platzte, aber gar nix lief, ich ihn daraufhin abwechselnd wild hofierte, nachdem irgendwann raus war, worin mein Interesse bestand, und ihm aus Frustration wilde Szenen mit intensiven Übelnehmanfällen machte – „Du brauchst mich nur für Deine narzißtische Zufuhr, Du Schuft!“ -, bis es ihm zu bunt wurde und er mich mehr oder weniger nötigte, eine schwul-lesbische Jugendgruppe, beim ersten Mal tatsächlich mit ihm zusammen, zu besuchen 😀 … Die fanden ihn dann zunächst natürlich viel spannender als mich. Dann ging ich da ein paar Mal hin und war irgendwann so entsetzt über die Zickigkeit und Boshaftigkeit der Tunten untereinander, daß ich mich vorerst lieber wieder in Heten verknallte 😀

    Und nein, das erzähle ich nicht, um eine Diskrimierungserfahrung zu berichten, ganz im Gegenteil. Das war ja wirklich ziemlich prima von ihm. Das gab und gibt es flankierend ja auch. Eine Frustrationserfahrung trotzdem mit der kuriosen Pointe, daß die Hete netter war als die Homos.

  70. momorulez September 6, 2010 um 10:02 pm

    @Katzenblogger:

    Das hätte ich mir mal erlauben sollen, in der 3., 5. oder 7. Klasse Liebesbriefe an Jungs zu schreiben, unter der Schulbank zugesteckt 😦 … oder „willst Du mit mir gehen“ zu fragen. Meine Story da eben war aus der Zwölften Klasse.

    Das ist aber eine Antwort auf Sarrazin, diese Geschichten. Man bekommt dieses falsche Allgemeine nur aufgelöst, wenn man auf der Erfahrubgsebene kontert, und da nun gerade nicht jener der falschen Verallgemeinerung jener mit „Migranten“, wenn die nun zufällig mal negativ ausfielen …

  71. che2001 September 6, 2010 um 10:21 pm

    @“Das ist fies, so ein Brief, richtig gemein, so richtig, richtig gemein …“ Ich hielt so etwas noch mit Mitte 30, und das passierte mir noch viele weitere Male, auch in Nicht-Liebesdingen, wenn etwa mir jemand mir gegenüber begangene Zurückweisungen und Aggressionen rechtfertigte, für die rationale und realitätsgerechte Darlegung, warum die Dinge so sind wie sie sind und der ich mich zu beugen hätte. Na, irgendwo in einem Winkel meines Inneren sehe ich das ja heute noch so.

  72. momorulez September 6, 2010 um 10:30 pm

    Das sind aber schon noch verschiedene „Dinge“, die Du da vermengst …

  73. T.Albert September 6, 2010 um 11:19 pm

    Solche Geschichten aus dem eigenen Echtleben darf man doch nicht erzählen;
    1. darf man die nicht selbst ernst nehmen, damit man sich im Volkskörper und der Arbeitswelt nicht selbst zu ernst nimmt,
    2. erinnern wir uns da wahrscheinlich gar nicht dran, und zwar mit Grund;
    3. sind solche Erfahrungen nicht biographisch zu verwerten, also habt Ihr sie gar nicht gemacht;
    4. seid Ihr Staninisten, so wie Ihr lebt – Ihr sagts ja selbst, wie Ihr lebt;
    5. also, das ist ja wie bei Sartres unterm Sofa, wie sich das anhört.
    6. ihr habt Euch ja wohl inzwischen mal die Hörner abgestossen, oder?

    CHE, noch was:
    Christentum-Judentum-Paulus: Die Ruth Lapide ist ganz anderer Auffassung zu Paulus, die arbeitet ja immer am Original-Wortlaut und den hebr. und aram. Bedeutungen. Sie liest aus Paulus den jüd. Lehrer, wie sie überhaupt immer klar macht, dass Apostel und Jünger Juden waren und keine Lutherischen Deutschen. Ganz schön toll, wie die diese ganzen lustigen Schrift-Übersetzungen zurecht rückt. Jesus war kein Christ – das hat bei mir gesessen, als ich das so explizit gehört habe. Aber der Messias könnte er sein, nur wir wissens nicht, die Zeit wirds zeigen.

  74. T.Albert September 6, 2010 um 11:30 pm

    und @ Hate Speech:

    Nee, die ist keine körperliche Gewalt. Die körperliche Gewalt folgt ihr auf dem Fusse, und Hate Speech geht weiter. Selbst nach dem Mord geht sie weiter, wo sie schon die Ankündigung des Mordes war. Ist. Jetzt.

    Ich war ja aus irgendwelchen Gründen immer gegen Frau Butler, aber das ist eine Auseinandersetzung, die zu vertagen ist, So lange, bis der Mord unmöglich sein wird.
    Das hab ich dann heute von Dohnany gelernt.

  75. Katzenblogger September 6, 2010 um 11:31 pm

    Tja, Briefe…

    Wie toll es doch ist, sie aus irgend einem Schatzkästchen hervorholen zu können, und dann über die Zeit zu sinnen und ihren Lauf! Che, sei doch froh! So ein Brief sagt meistens doch, unabhängig vom Inhalt: „Du bist es mir wert“. Wobei, einmal hatte eine Dame mir gegenüber, im besten Studentenalter – hach -, erklärt, dass sie keinerlei Interesse an mir habe. Ich habe mich dann zurück gezogen, anfangs gekränkt – und erhielt drei Wochen später einen ellenlangen, dutzendseiten umfassenden Brief, in dem sie mir auseinander setzte, dass sie einerseits mit mir nichts anfangen wolle, es aber als sehr störend empfand, dass ich meine Bemühungen eingestellt habe. Sie hat sich beim Briefeschreiben richtig reingesteigert, ab Seite sechs wurde die Schrift unleserlicher und der Anteil der Schimpfwörter stieg rapide. Ich überschlug dann die nächsten Seiten, bereits etwas müde vom bislang bekannten Inhalt, guckte auf die Schlusspointen, die leider ausblieben, bis auf eine schlussendlich in verhältnismäßig leisen Ton verfasste Erklärung, dass sie sich gekränkt fühlt. Die Sache war damit für mich endgültig erledigt und ich hoffte, dass sie vielleicht eine Therapeutin hätte, mit der sie ihren Brief durchdiskutieren könne, während ich umso froher war, dass dieser Kelch an mir vorbei ging.

    Tjanun. Irgendwie – auch wenn der Schlenker jetzt etwas gewillkürt rüberkommt – erinnert mich die „Danni“ (so hieß die Dame) von damals an den Sarrazin von heute. Erklären kann ich es nicht.

    (außerdem ist er deutlich weniger schön als Danni – insofern kein Vergleich…)

    Ich glaube, ich brabbel/dahintippe wirres Zeugs. Naja, muss auch mal sein.

  76. momorulez September 6, 2010 um 11:46 pm

    @T. Albert:

    Stimmt, perönsichliche Erfahrungen verstoßen gegen die Meinungsfreheit und weisen die Integrationsangebote der Aufgeklärten zurück, weil „die Juden den Jesus ans Kreuz geschlagen hatten“, der Paulus deshalb völlig zu recht im Römerbrief gegen die Schwuppen wetterte, deshalb haben Liberale ja Prinzipien statt Erfahrungen, und wer Erfahrungen hat, will auch die geistig Zurückgebliebenen fördern und ist deshalb Staninist. Biographien sind eh der Kollektivismus, von dem uns Dohnanyi, Matussek und Sarrazin befreien.

    ABER: Je mehr sich an Frau Butler gerieben wird, desto mehr glaube ich, daß mehr an ihr dran ist 😉 … und Hate Speech IST Gewalt.

    @Katzenblogger:

    Ganz entgegen der Meinungsfreiheit sind in diesem Blog Therapiempfehlungen tabu, und wer Briefe nicht ganz liest, insbesondere von Frauen, ist selbst dann ein Matussek, wenn darin so gemeine Sachen wie an den Che stehen.

  77. T.Albert September 6, 2010 um 11:53 pm

    Mattussek wird uns demnächst befreien mit einem Artikelchen, in dem stehen wird, dass es sich am 8. Mai eben doch nicht um die Befreiung gehandelt hat, sondern um die Hurra-Kapitulation. Ich gehe jede Wette ein.

  78. momorulez September 7, 2010 um 12:01 am

    Der 8. Mai war das Ende der Aufklärung!

    (… die Russen und die Amis haben da den Muslimen den Weg frei geschossen …)

  79. T.Albert September 7, 2010 um 12:21 am

    „Willst du mit mir gehen?“ war ja irgendwann bei uns eine inflationäre Frage, mündlich und schriftlich. Die wurde also nur noch mit „Ja, wohin?“ beantwortet. Manchmal bekam dann darauf wiederum eine schöne, konkrete Antwort, wenn auch selten. Ich glaube, wir haben das auch nicht lange schriftlich gemacht, das war ja viel zu anstrengend, und mündlich ging schneller. Jetzt habt Ihr meine Erinnerungsmaschine angworfen. Wir waren Götter.

  80. Katzenblogger September 7, 2010 um 6:59 am

    Matussek. Das sitzt. Er hat mich Matussek genannt! Beinahe hätte ich zurückgeschimpft mit „Integrationsanbieter, du“.

  81. Katzenblogger September 7, 2010 um 7:15 am

    Nebenbei: So unübertrefflich abseitig Matt von Ussek in seinem Artikelchen auch formuliert und rumbehauptet, an einem zentralen Punkt hat er wohl Recht: Sarrazins Buch hat vermutlich sehr viel mit dem Frust einer „Integrationsanbieterin“ zu tun, nämlich seiner Frau. Und als braver, ehegattender Zahlensoldat hat Sarrazyn anschließend die passenden Statistiken herausgekramt bzw., zur Verdeutlichung der zu verdeutlichenden Aussage, frei erfunden. Ein Buch zur Frustbewältigung – Statistiken zum Frustbeweis und ein Ehegatte, der idiotischen Mist schreibend den Frust seiner Frau rächt.

    Wie oben schon gesagt: Ich habe mit überlängeren Texten, die einerseits auf absurdeste Weise die Realität fehldeuten und andererseits nur zur persönlichen Frustbewältigung dienen, meine Probleme. Mir ist das zu doof und zu destruktiv – und ich bin bei sowas einfach der falsche Adressat. Auch wenn ich einräumen könnte, dass hinter jeder Beleidigung eine Verzweiflung stecken mag.

  82. che2001 September 7, 2010 um 2:22 pm

    @Momorulez“Das sind aber schon noch verschiedene „Dinge“, die Du da vermengst“ —- Na ja, ob meine Liebe zurückgewiesen wurde, mir jemand in mehrseitigem Brief ein grob beleidigendes Verhalten mir gegenüber begründete oder behauptete, mein wichtigstes Werk sei ein Plagiat, so machten solche unverlangt und unerwartet erhaltenen Briefe stets dasselbe mit mir: sie kränkten mich über Monate bis Jahre, wobei ich zeitweise mich mit den Augen des Gegenübers sah. Das aber weniger im Sinne von Empathie als im Sinne von Identifikation mit dem Aggressor.

    @T.Albert „Ich glaube, wir haben das auch nicht lange schriftlich gemacht, das war ja viel zu anstrengend, und mündlich ging schneller.“ —- Also, bei uns bald auch nicht mehr mündlich, sondern Blick hin – Blick her und dann gleich anfassen. Aber wie gesagt, bei mir erst frei ab 21. Und schon so mit 26 kam dann diese furchtbare Moralinzeit, wo nichts mehr ging. Trotzdem zeitweise wüst gelebt. Ein auf längere Zeit erfülltes Liebesleben ist mir allerdings völlig fremd. Wahrscheinlich brauche ich das inzwischen auch nicht mehr.

  83. momorulez September 7, 2010 um 2:33 pm

    @Che:

    Ich will ja nicht Deine Kränkung infragestellen, aber Gründe für eine Zurückweisung sind schon noch andere als die, die andere veranlassen, auf einen wütend zu sein oder gar Plagiatsvorwürfe zu erheben. Und dann zu lernen, daß man da nicht „schuld“ ist, das ist auch echt eine Lebensaufgabe. Wobei ich schon merke, daß, je mehr ich selbst rumwüte, desto weniger Probleme habe ich damit, wenn mich jemand anwütet 😉 … Gefühlsausdruck statt „Schmollen“, bestimmt wieder ein Reizwort, mir fällt gerade kein anderes ein, kann schon ungemein dabei helfen, sich nicht jeden Schuh anzuziehen und in diesen endlosen, inneren Schuld- und Aggressionszirkeln sich aufzuhalten. Falls Du die meinst.

    Das sind ja diese Subjekt/Objekt-Geschichten auf einer anderen, psychologischen Ebene, sozusagen. Wenn man selbst sich in die Sujekt-Position begibt, entrinnt man dem Objekt-Dilemma, also dem, sich selbst mit der Perspektive, die einen zum Objekt macht, zu identifizieren.

  84. che2001 September 7, 2010 um 2:57 pm

    Ja, teilweise meine ich das, gerade auch was das eigene Verhalten angeht, teilweise hat es auch etwas damit zu tun, was in meinem früheren Umfeld bis zum Exzess praktiziert wurde, nämlich dem Gegenüber etwas haarklein schriftlich erklären zu wollen in der Erwartung, dass dieser das alles akzeptiert, was nichts weiter als ein rationalisierter Akt der Unterwerfung ist. Der Gestus war oftmals unabhängig von den Gründen der gleiche.

  85. momorulez September 7, 2010 um 3:06 pm

    Hast Du mal „Die Fesseln der Liebe“ von Jessica Benjamin gelesen? Wenn nicht, kann ich es Dir nur wärmstens ans Herz legen. Da werden zwei Sozialisationstypen sehr prägnant beschrieben, bei auf Hegel gründend, einmal auf der Herr- und Knecht-Dialektik fußend, dem was Du als Unterwerfung beschreibst, einmal auf dem Anerkennungsmodell. Sie ist ja feministische Psychoanalytikerin, aber eines ganz anderen Typus‘ als diese manipulativen Mistkühe. Mir, selbst sehr tief in diesen Schuld/Aggressions/Depressionszirkeln aufgewachsen, hat das wahnsinnig geholfen, das Buch.

  86. che2001 September 7, 2010 um 3:59 pm

    Nein, kenne ich nicht, aber danke für den Hinweis!

  87. momorulez September 7, 2010 um 4:04 pm

    Sie baut auch ganz explizit auf der Kritischen Theorie auf:

    http://www.amazon.de/Die-Fesseln-Liebe-Psychoanalyse-Feminismus/dp/3861091682/ref=sr_1_3?ie=UTF8&s=books&qid=1283871733&sr=1-3-spell

    Gebraucht gab es das da auch noch günstiger. Für mich war das schon ein Erweckungserlebnis.

  88. che2001 September 7, 2010 um 9:30 pm

    Solch ein Erweckungserlebnis hätte mich mal 20 Jahre früher erreichen sollen. Werde mal sehen, wo ich das Werk günstig bekommen kann. Inzwischen bin ich in verschiedener Hinsicht ja wieder woanders.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s