Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

„… aber auch das geht nicht lange genug gut.“


Mal relaxen können wie eine Maus in der Falle

In den meisten Fällen
enden wir als senile
gutmütige Narren, hin
und her geschoben von
einer rosigen Kranken-
schwester, die uns an-
blafft, weil die
Bettpfanne wieder rand-
voll ist.
Es sei denn, es nimmt
ein gewaltsames Ende –
ein Finish, in dem
noch einmal alles an uns
vorüberzuckt: Mahagoni-
farbene Sonnenstrahlen,
Girls am Strand, Platt-
füße, Haarschnitte,
rasselnde Wecker, ein
rasender Puls.
Egal wie, es kommt nie
richtig zusammen.
Ich gehe in Bars, durch
leere schmale Seiten-
straßen, ins Wettbüro,
frage mich, was ich
eigentlich will, und
denke wehmütig an
Urwälder voll Kletter-
pflanzen und ähnliche
Dinge, z.B. an Mäuse,
die sich mit den Vorder-
pfoten die Nase putzen.
Ich sehe mir die Leute an,

aber sie sind alle
beschäftigt mit Dingen,
die ein Spinner wie ich
für Unfug hält: Ein Haus
abstottern, von da nach
dort kommen, Geld verdienen
und darüber reden.
Das einzige wovon man
etwas hat, ist wahrscheinlich
rücksichtslos zu schlafen,
aber auch das geht nicht
lange genug gut – überall
werfen sie Preßlufthämmer an,
die Kirchenglocken juckt der
Schweiß der Beter, die Bienen
stechen, die Fenster gleißen,
Boote kentern und verfüttern
ihren Inhalt an die Haie, nur
Kanonen schlafen ungestört
in Museen. Ich gehe weg von
allem, habe nichts gelernt,
weiß jeden Tag weniger, meine
Hände werden magnetisch ange-
zogen von meiner Kehle,
meine Füße tragen mich voran
wie bewußtlose tierische
Extremitäten, in Gegenden
hinein, wo es schimmelt und
gärt, in eine behagliche
Hölle, voll von Grünzeug,
Ranken und Lianen, und dafür
danke ich ihnen auf den Knien.
Charles Bukowski

11 Antworten zu “„… aber auch das geht nicht lange genug gut.“

  1. Karsten September 1, 2010 um 2:43 pm

    Ist die seltsame Formatierung ein Unfall, oder soll sie was ausdrücken?

  2. ring2 September 1, 2010 um 2:46 pm

    Überhaupt ist das Werfen von Schatten ziemlich unhöflich.

  3. momorulez September 1, 2010 um 2:47 pm

    Rüber kopiert von der verlinkten Quelle. Und ich fand, die passt zum Inhalt, deshalb ließ ich sie so 😉 …

  4. momorulez September 1, 2010 um 2:47 pm

    Ja, wirft jemand einen Schatten, wehr Dich 😉 … oder duck Dich. Kampf oder Flucht.

  5. Mrsnextmatch September 1, 2010 um 7:12 pm

    HTML als neues Poesie-Stilmittel. Likes!

  6. Loellie September 4, 2010 um 10:50 am

    Ich werf das mal off topic hier rein

    http://partyzionist.blogsport.eu/2010/09/01/bruce-labruce-about-homonationalism/#comments

    Erstaunlich wieviele langsam zu begreifen scheinen, dass es keine gute Idee ist darüber zu diskutieren, wieviele Tritte gegen meinen Schädel noch als Meinung durchgehen, metaphorisch gesprochen, wenn auch leider nicht immer.
    Kennst du dich mit den Homophilen aus? Die hatten in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts ja ihre absolute Berechtigung, bzw, waren ja unbedingt Vorläufer von Gayrights, ich frag mich ob Vereine wie HUK, LSU oder Klust etc als homophil bezeichnet werden können. Anti-emanzipatorisch sind ja beide, nur war das Bedrohungszenario und der Diskurs in der ersten Hälfte des letzten Jhd ja eine ganz andere als heute.

    „In Amerika wenigstens hat der allgemeine Trend der Schwulenbewegung zu Verspießerung und Assimilation eine Welle von Homophobie ausgelöst.“ Könnt ja glatt von mir sein, deshalb erst recht, kann man das so sehn, oder ist das nicht doch Henne – Ei.

    http://www.queer.de/detail.php?article_id=12682

  7. Loellie September 4, 2010 um 11:11 am

    Lustig, auf Queer.de hat man bei Kommentar 27/28 gerade auch den Gehirntumor entdeckt.

  8. momorulez September 4, 2010 um 11:32 am

    Schauprozeß war u.a. von Sarrazin selbst, der per DIE WELT verlauten ließ, ihm solle ein Termin beim Bundespräsidenten eingeräumt werden wegen seiner möglichen Entlassung, und der nunmehr unter Anspielung auf den Stalininismus sich als Opfer wähnt, schon wieder so eine Verhöhnung der realgeschichtlichen Opfer, wie auch Broder sie ja betreibt. Während die BILD heute mit der Nazi-Floskel „Man wird ja wohl noch sagen dürfen“ potenzielle oder vielleicht sogar tatsächliche, keine Ahnung, NPD-T-Shirt-Sprüche flaggt. Broder hat ja zudem so Freundlichkeiten verkündet wie „In Moskau werden Schwule ja nur von der Polizei verprügelt, in Teheran hängt man sie gleich auf“; mir ist die Dimension des Problems durchaus bewußt. Mich interessiert auch, was Karsten zu dem BruceLaBruce-Interview sagt, ich kannte das – das ist nun aber alles kein Grund, Karsten irgendwelche neurologischen Diagnosen anzudichten. Gilt auch für Dich, @Katzenblogger. Dem würde der Schädel genau so eingetreten wie uns, Loellie. Und dem Broder übrigens gleich mit, in diesen rassephilosemitischen Diskursen läuft ja immer gleich mit, daß Juden als nächstes auf die Rübe kriegen. DIE Welt weiß so vorsichtshalber gleich auch zu berichten, daß jüdische Menschen in Malmö „von Muslimen“, sehr spezifisch, angegriffen worden seien. Was von egal wem unverzeihlich und zum Kotzen und verwerflich ist von allen Attackieren selbst zu verantworten; daß diese allgegenwärtige Instrumentalisierung von Juden und Israel so was auch mit bewirkt, weil es wieder so prima klappt, Minderheiten gegeneinander auszuspielen, sei auch betont.

    Diese Homophilen-Verbände kenne ich nicht, lediglich diese „Freundschaftsverbände“.

    Ansonsten halte ich es für wenig sinnvoll, sich daran aufzugeilen, was Broder für ein böser Mensch sei. Wir sind doch hier nicht in der Kirche. Ist ja schlimm genug, was er sagt, was er schreibt und was er fortwährend anrichtet.

  9. momorulez September 4, 2010 um 11:39 am

    Ach, apropos: Bei einem Volksfest in Ingolstadt haben weiße Christen, vermutlich heterosexuell, jüngst von einer Band animiert „Sieg Heil“-Rufe angestimmt. War wahrscheinlich eine Demo für Meinungsfreiheit und zur Verhinderung von Schauprozessen, und wer anderer Meinung sein sollte, dem wird demnächst prophylaktisch wieder der Schädel eingeschlagen. Und die BILD titelt dann „Das wird man ja noch machen dürfen!“

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