Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Stimmung und Erregung als Welterschließung

Was ist das eigentlich für eine abstruse Welt, in der Emotionausdruck allseits als Affront wahr genommen wird?

In der seltsame Gebote nach „Sachlichkeit“ und „Argumentation“, manchmal freilich auch angemessen, in alle Kommunikationen sich einschleichen und den Deckel auf den Topf drücken, die eiskalt Kalkulierenden als „erfolgreich“ gelten und jede spontane Erregung als Affront und Grenzverletzung wahr genommen wird?

Wieso lernt eigentlich kein Schwein mehr, daß sich wechselseitiges Beschimpfen und Anbrüllen temporär völlig in Ordnung ist? Viel fieser sind doch die, die mit Lawrence-Olivier-als-Mengele-Lächeln trotzdem mit „herzlich“ unterschreiben.

Stimmungen und Erregungen, Gefühle und Neigungen sind, da hatten so unterschiedliche Denker wie Adam Smith, Martin Heidegger und Gilbert Ryle einfach recht, AUCH Formen, Welt zu verstehen, und selbst die einst so verlachte „Urschrei“-Therapie hatte wahrscheinlich mehr Sinn als diese allseits erzwungene Selbstkontrolle, die angesichts der realökonomischen Verhältnisse doch kaum noch möglich ist.

Selbst wenn ich mir Welt so erschließe, das Frustration als Gegenstand in ihr Allgegenwart zeigt, ist doch der Ausdruck dessen nicht minder zu befreien als diese allseits proklamierte Freiheit, seine „Meinung“ zu äußern – bei der ich immer weniger weiß, was sie eigentlich ist.

Wie immer landet man in den frühen 80ern, als Punk, Spontis und selbst die so aggressionsgehemmte Roncalli-Welt mit Rotzen, Pöbeln, Witz und Seifenblasen zumindest Möglichkeiten des Emotionshaushaltes auf der Lebensstil-Ebene andeuteten.

Und jetzt fallen sich kuschelnd und heulend Konkurrenten bei „Deutschland sucht den Superstar“ in die Arme, als sei die Inszenierung des Liebevollen Trostpflaster für Druckverhältnisse, daß man sich schon fast fragt, ob die martialischen Hip Hop-Varianten und manche Hool-Kulturen nicht näher an der Wahrheit sind.

Nein, die sind natürlich auch nicht in Ordnung – aber was zum Teufel ist denn dann der Weg?

44 Antworten zu “Stimmung und Erregung als Welterschließung

  1. T. Albert August 30, 2010 um 11:02 pm

    gutes bild.

    Naja, Gefühle als Weltzugang sind eben nicht vom IQ gedeckt.
    Sarrazin zum Beispiel muss ja auch Intelligenz vorspielen, der kann sich nicht einfach hinstellen und sagen, puh, ich weiss auch nicht, aber irgendwie wird mir das jetzt zu viel mit den ganzen Moslems, die hier rumlaufen, da seh ich mich ja selbst nicht mehr, was soll ich machen? Wie komm ich an einen ran, der mein Freund sein will, damit ich mich ein bisschen beruhige, und der mir seine Geshichte mal erklärt.
    Geht ja nicht, in seiner Position. Da muss er jetzt dieses Wissenschaftsbrimborium um sein Gefühl herum veranstalten, so kommt er wenigstens mit denen ins Gespräch, die so tun als glaubten sie, das sei Wissenschaft, was der da treibt. Hoffentlich kommen die nicht alle noch auf die Idee, sich gegenseitig den IQ zu messen, das gibt dann ein Hauen und Stechen, dem wir keinen Einhalt gebieten wollen.
    Alles, weil die nicht über ihre Gefühle sprechen wollen.

  2. momorulez August 30, 2010 um 11:14 pm

    @T. Albert:

    Danke für das Bilderlob! So allmählich nähere ich mich den Möglichkeiten dieser Programme aus weiter Ferne an 😉 … im Grunde genommen entstehen da gerade Serien, die ich dann immer weiter bearbeite. Das ist schon ein dolles Medium. Und macht richtig Spaß.

    Und: Ja! Das habe ich bei diesen ganzen Diskussionen auch nie verstanden – wenn ich früher, als es noch ein Asylrecht gab, mich an der Bushaltestelle zum 112er wieder fand zwischen all den Wohnschiffbewohnern, dann fühlte ich mich auch kurz seltsam, obwohl mir das als „allein unter Heteros“ ja ein wenig vertraut ist. Und ich fand nie, daß die Gefühle inkorrekt wären, auch bei anderen nicht, sondern daß man die ernst nehmen muß und es TROTZDEM keinen Grund gibt, daraus nun ein politisches Programm abzuleiten. Gar keinen.

    Anders bei den Buisness-Wixern – einfach, weil ich die kenne, und weiß, wie die herrschen. Siehe oben …

  3. Mrsnextmatch August 31, 2010 um 7:22 pm

    Amen.

    Echte-Emotion-zeigen ist ja heute schon fast ziviler Widerstand, sofern es außerhalb vom Wohnzimmer performt wird, man muss sich schon in der Krabbelgruppe grundlos zusammenreissen, und je weniger man Gerd Schröder ähnelt, desto größer die Chance, bei nicht verhinderten negativen Gefühlsäußerungen verhaftet oder entlassen zu werden…

    Das Bild ist toll, von wem ist das??

  4. T. Albert August 31, 2010 um 7:22 pm

    wenn die jungs punk waren, bes. ginsbergh, dann ist punk keineswegs halb an mir vorbeigerauscht. dann steck ich bis heute mittendrin.
    aus politischen gründen sollte man ginsbergh wieder richtig viel vorlesen. auch philip whalen und ferlinghetti, gary snyder.

  5. momorulez August 31, 2010 um 7:28 pm

    @Mrs. Next Match:

    Ja, in der Tat, das ist wirklich ziviler Widerstand. Die Leute haben vor irgendwas Angst, ich versteh nur immer weniger, wovor.

    Das Bild ist von mir 😉 .. einer meiner Versuche, aus dem iPad-App-Gewirr mal was zu machen. Danke!

  6. momorulez August 31, 2010 um 7:34 pm

    @T. Albert:

    Die anderen Genannten muss ich mir auch endlich aneignen. Und für mich haben die Punk klar vorbereitet, ach, waren es, auch wenn Howl z.B. sehr und elegisch ist – das ist aber trotzdem nicht Pink Floyd. DaDa, die Situationisten, das gehört da auch mit rein. Dieses Zerdeppern, um sich etwas neu anzueignen in den Trümmern und eine Ahnung davon bekommen, was eine eigene Sprache sein könnte … und vor allem auch „Wixer“ rufen, ohne daß irgendwer „Benimm Dich“ ruft.

  7. T. Albert August 31, 2010 um 7:40 pm

    Jaja, aber die Wixer rufen „Benimm Dich“, wenn man sie ruft.

    Mit den Situationisten muss ich auch noch mal intensiv beschäftigen.

  8. T. Albert August 31, 2010 um 11:09 pm

    Und überhaupt: wenn ich Zeit hätte, würde ich ein Blog aufmachen, um dort andauernd zu sagen, was endlich mal gesagt werden muss; was in diesem Land nicht gesagt werden darf; was die Mehrheit denkt; und so. Das ist ja ein gargantueskes, situatives, doitsches Anti-Dada, was so läuft gerade.
    Ich frage mich immer, weil ich jedem Menschen so eine Art Grund- und Rest-Naivität glauben möchte, ob diese Typen wie Sarrazin eigentlich wissen, was sie so anrichten. Langsam brauche ich mal ein bisschen Seelsorge. Wissen die, wie das ist, wenn kleine brandenburgische Primarschüler mit Ästen, die sie gerade an der Landstrasse am Schwielowsee irgendwo abgerissen haben, nach dir schlagen und „Scheissausländer“ zischen und quieken, weil deine Begleiterin „phänotypisch markiert“ ist? Vorneweg marschiert die deutsche Lehrerin. Das ist ja gewissermassen noch ein netteres Erlebnis unter anderen, weil es die dir die lieben Kleinen verschafft haben.
    Und jetzt dieses ganze intellektualistische Gelaber von Wixern, ja. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen, oder?

  9. momorulez September 1, 2010 um 12:10 am

    @T. Albert:

    Ja. Einfach nur ja.

    Und zudem natürlich, daß Saarazin dazu da ist, daß vieles nun gerade NICHT in die Publizistik drängt. Glatter Ablenkungskrieg, der da geführt wird. Z.B. gegen das, was Du gerade schreibst. Seelsorge nur für nützliche Buisness-Wixer und zu heilende Schwule, um in aller Ruhe auf den „falschen Phänotypen“ rumzutrampeln. Um auch ja keine Diskussion über die Bankenkrise fortzuführen.

  10. David September 1, 2010 um 2:44 am

    Ich grusel mich manchmal ein bißchen vor der Vorstellung, daß irgendwann in den nächsten Jahren ein Asteroid aus dem Dunkel des Alls auftauchen und alles hier zerdeppern könnte, die ganzen Bibliotheken, auch die Heine-Ausgaben, und die Bilder aus den iPhone-Apps und meine Freunde und Familie und das Internet auch.

    Doch dann atme ich immer erleichtert auf, denn wenn sie sich nicht beeilen, dann schaffen das die Türken vielleicht gar nicht bis dahin, das mit der Islamisierung Europas.

    So sieht’s mal aus.

  11. David September 1, 2010 um 2:46 am

    Oh Gott, iPad, nicht iPhone. Du hast ein iPad. Hoffentlich kommt der Asteroid schnell, Apple ist noch viel schlimmer als Moslems.

  12. David September 1, 2010 um 2:49 am

    Aber nun, wenn ich mir das Bild ansehe, dann war es ja wenigstens zu etwas gut. Vom Zweck persönlich kanonisiert.

  13. T. Albert September 1, 2010 um 6:58 am

    Das stimmt doch gar nicht, das mit den Heine-Ausgaben. Die will der Asteroid mit den App-Bildern ganz lassen, habe ich irgendwo im Interview gelesen.

  14. Katzenblogger September 1, 2010 um 8:15 am

    Leute, was macht ihr hier überhaupt? Eurabien steht vor der Tür, Islamisten färben alle Apps grün, die Zuwanderung in die Sozialsystem sorgt für eine Massenverarmung der deutschen Bevölkerung, und währenddessen wird konsequenten Aufklärern wie Sarrazin der Mund verbeten?!

    Das altbekannte „Bündnis gegen Rechts“ plant Bücherverbrennungen, es wuchern die Gewaltandrohungen gegen Sarrazin, und das alles, statt sein kluges Buch zu lesen und durchzudiskutieren, wie es sich gehört. Erbanlagen lassen sich doch nicht wegdiskutieren! Was für eine miese Debattenkultur in unserem Land, ständig wird dieser erstklassige Mann, der etwas unbeholfen für ein besseres Deutschland kämpft, unterbrochen oder verächtlich gemacht. Ich habe mir seine Argumente wieder und wieder angehört. Der Mikrozensus kann nicht irren! Und wieder hat man ihm nicht zugehört und die fatale Behauptung aufgestellt, auch ein muslimisches Kind könne Mathematik verstehen. Keiner sagt: “Sarrazin, deine Zahlen stimmen nicht, weil…” oder “Deine Methodik entspricht nicht seriösem wissenschaftlichen Vorgehen, weil…” oder “Sarrazin, die Muslime sind weniger fruchtbar, weil…”

    Deutsche! Liberale! FDP-Mitglieder! Nun ist es soweit. Die letzte Stunde ist da! Es sind Europas letzte Zuckungen, und wenn wir diesen Kampf nicht gewinnen, wenn wir uns nicht endlich aufbäumen und Seit´ an Seit´ mit Sarrazin schreiten und kämpfen, wenn wir die Empörungsdampfwalze der Gutmenschen nicht endlich stoppen: Ja, dann sind wir alle Dhimmis.

    Das ist mal sicher.

  15. momorulez September 1, 2010 um 8:50 am

    Ich glaube ja, dass dieses in vielerlei Hinsicht richtige Apple-Bashing AUCH dazu dient, von den Schweinereien der Anderen abzulenken. Eigentlich lenkt sowieso immer alles nur von irgendetwas anderem ab. Hat der Asteroid auch gesagt.

  16. Katzenblogger September 1, 2010 um 9:21 am

    Dein nächstes Bild aber bitte mit etwas mehr Grün, okay? Im Jahr 2035 werden vom Verfassungsgericht ohnehin die Farben Orange, Blau und Rot verboten (s. auch Zeitungsartikel vom 28.8.10, Zeitung: BILD, Autor: ein Kämpfer für die Freiheit). Momorulez, wenn du also heute schon mehr Grün verwendest in deinen Bildern, dann könntest du damit der mordlüsternen Empörungsdampfwalze der llinksmedialen Gutmenschenmafia zeigen, worauf sie sich einlassen!

    Es liegt an dir.

  17. Karsten September 1, 2010 um 11:11 am

    Hm. Ist mit dem intensiven Ausdruck negativer Gefühle nicht ein Affront gegenüber demjenigen beabsichtigt, der zum Ziel dieser Gefühle wird? Ich meine, sicher ist das auch eine Art von Kommunikation. Aber eben keine, die unmittelbar verstanden werden kann, weil sie ja erstmal auch Gefühle beim Gegenüber auslöst.

  18. momorulez September 1, 2010 um 11:22 am

    Wieso Affront? Wenn man wütend auf jedemanden ist, wieso sollte man ihm das nicht zeigen? Und Gefühle SIND auch mittelbares Verstehen.

  19. Katzenblogger September 1, 2010 um 11:24 am

    Karsten, ich denke, die Kunst besteht darin, Gefühle (die ja nicht nur negativ sein müssen) in eine angemessen zivilisierte Form zu bringen, welche das Dialogband mit dem/den Anderen nicht durchschneidet, aber auch nicht die Verbindung mit sich selbst.

    (ich übe noch)

  20. momorulez September 1, 2010 um 11:32 am

    Ich finde es auch völlig in Ordnung, Dialogbänder immer mal wieder durchzuschneiden 😉 … gelle, G-Punkt? Gefühle wie Abwehr, Ärger, Wut usw. sind ja zunächst mal so was wie emotionale Immunsysteme, und wer die beim Anderen nicht zu respektieren bereit ist, negiert dessen personale und sogar moralische Integrität im buchstäblichen Sinne. Diese Schuld-Aggressionszirkel sind doch völlig krank, die hierzulande allerorten sich drehen.

  21. ziggev September 1, 2010 um 1:05 pm

    Ich glaube, viele verdrängen ihre Gefühle, oder besser, die Tatsache, dass sie welche haben, indem sie vermeiden, sich ihrer bewusst zu werden. Vielleicht nehmen ja gerade Angstgefühle, Gefühle des Erniedrigtseins und der Hilflosigkeit zu. Ne unterschwellige depressive Stimmung passt da scho. Damit kommt man jedenfalls ganz gut durch und ist gut angepasst. So gesehen ist ein therapeutischer Ansatz wohl nicht schlecht: erst mal sehen, wie es sich anfühlt zu fühlen. (Vielleicht mal ein paar Urschreie ablassen.)

    Wenn du dich schlecht fühlst, brauchst du dich also in deinem Verhalten bloß ein bisschen an die Umwelt anpassen: du darfst – in einem gewissen Rahmen – zeigen, wie du dich fühlst. Probleme bekommst du, wenn es dir gut geht, wenn du etwas (vom Leben) willst, wenn du optimistisch bist. Das heißt aber noch lange nicht, dass du überhaupt Gefühle hast, was sind das denn: „Gefühle“? Oder warum reden wir hier, wie es scheint, eher von negativen Gefühlen? Einerseits, weil sie wohl unterdrückt werden sollen – und zugleich mehr oder weniger im, naja, Unterbewusstsein verblieben. Andererseits reagieren wir mit unseren Gefühlen auf irgendetwas – „positive Gefühle“ sehe ich eher als ein Agieren: irgendetwas wird in Gang gesetzt, ein Aufleben, Aufblühen.

    Und Gefühle zu unterdrücken fühlt sich nicht besonders gut an. Da ist dann die Flucht in eine negative Grundstimmung. Sie sich aber im halbbewussten trostlosen Vor-sich-hin-Siechen nicht bewusst zu machen, macht einen dann noch ängstlicher, auch vor den eigenen Gefühlen.

    Paradox, aber es gibt ja die These, dass man sich ohne Gefühle einfach viel besser fühlt. Machst du dir dein negatives Empfinden bewusst, vermeidest du schon mal negatives „Ressentiment“ (ein Gefühl, das ein Gefühl erzeugt), denn sonst müsstest du ja dich schlecht fühlen wollen, d.h. diesen Kreislauf aufrechterhalten zu wollen. Wenn du deine Gefühle aber zunächst dir bloß bewusst machst, dann kannst du z.B. auch den Auslöser erkennen, dass du z.B. wütend bist, weil jemand dich verletzt hat. Das kannst du dann einsetzten, um dich zu wehren, du musst dich aber nicht mehr wütend fühlen. Dann ist das mit den „Gefühlen“ eher ein lustiges Spiel. Wutentbrannt das Gegenüber erst mal zum Lachen bringen.

    Was ich aber genau gefühlt habe, als ich glücklich war, das kann ich unmöglich sagen. Ich bin ein bisschen gegen Authentizitätszwang, meist – oder doch zu oft – kommt da der Negative Kram bei raus und ist eben nicht authentisch. Es kommt immer auf den Kontext an. Gelassenheit zu erwarten gegenüber einem Wutausbruch, der einem „passiert“, bürdet in manchen den anderen etwas zu viel auf.

  22. momorulez September 1, 2010 um 1:21 pm

    Depression ist ja zumeist ein Nicht-Integrieren-Können von Wut. Und ist im klinischen Fall das totale Nichts-Fühlen, und das muß ein unerträglicher Zustand sein.

    Und die positiven Gefühle, na, das kann schon auch nach hinten los gehen, wenn Du dem Falschen eine Liebeserklärung machst 😉 …

    Ich glaube tatsächlich, daß der Umgang mit egal welchen Gefühlen in „unserer Kultur“ so verdreht ist, daß, weil keiner deren Ausdruck üben darf, sie dann, wenn sie gezeigt werden, als zu-nahe-treten erlebt werden.

  23. Karsten September 1, 2010 um 1:42 pm

    Ach, momorulez, Sauerei. Das gleiche wollte ich auch gerade schreiben, dass wir zwei ja auch was davon verstehen, warum man auch positive Gefühle oft verdrängen muss, weil sie sozial unerwünscht sein könnten.

  24. che2001 September 1, 2010 um 2:45 pm

    Sogenannte negatve Gefühle können etwas sehr Positives sein. Ich lag mal mit vierfach zerschmettertem Knochen und zwei Schläuchen im Körper im Krankenhaus, und was ich da hauptsächlich empfand war Verachtung für einen laut jammernd neben mir liegenden Mitpatienten – weil ich nämlich nicht jammerte, aber viel schwerer verletzt war. Im nachhinein denke ich mir, dass diese eigentlich absurde Reaktion meinerseits das war, was mich in die Lage versetzte, die Situation auszuhalten und relativ schnell zu genesen. Also ein für mich persönlich positives Gefühl, letztendlich. Was mir hingegen furchtbar auf den Zeiger geht sind Leute, die, wenn ich Wut, Enttäuschung, aber auch spontane Begeisterung empfinde diese als unangemessen empfinden und mich „beruhigen“ wollen. Ich bin emotional und will emotional sein, wobei ich in echten Krisensituationen allerdings eher gelassen reagiere – die Aufregung kommt hinterher, wenn ich sie mir gefahrlos leisten kann. Ich hatte mal einen Vorgesetzten, der bremste mich jedesmal aus, wenn ich, was bei mir öfter mal vorkommt, begeistert aufsprang und durchs Büro tanzte und der andererseits mit mir ei Personalgespräch anberaumte, als ich zu zwei Kollegen, die im Stehen neben meinem Arbeitsplatz eine Dienstbesprechung durchführten sagte „Leute, ich bin am Texten, bitte geht in den Besprechungsraum!“ Das sah der dann als Zeichen „sozialer Inkompetenz“ und verlangte von mir, dass ich mich künftig besser im Griff habe. Er selbst rannte stets mit aufgesetzter Haha-Fröhlichkeit durch die Gegend, klatschte unmotiviert in die Hände und grinste den ganzen Tag. Als es dann mal einen echten Konflikt gab entpuppte er sich als brüllender Psychopath. Ist das seine Gefühle ständig und vollständig unter Kontrolle haben wollen nicht schon die erste Stufe von borderline?

  25. T. Albert September 1, 2010 um 3:18 pm

    ICh weiss noch, wie mich der eine Polizist angesehen hat, sein Blick spiegelte meinen ganzen Zustand, furchtbar. Aber ich hatte richtig gewütet, und das war gut so.

  26. T. Albert September 1, 2010 um 6:13 pm

    Liebe wars! Also, ich musste meiner Liebe zeichenhaft ein Ende setzen. Ich wusste eines Morgens nicht mehr was ich sonst damit noch machen sollte, mit der ganzen Liebe.
    Das kostete viel guten Birnenschnapses, den ich einem Freund weggetrunken hatte, aber am nöchsten Morgen konnte die Polizeiblasetüte keinen Restalkohol feststellen.
    Hätte ich gewusst, wie teuer der Schnaps gewesen war, und hätte ich den grossen und jungen Kollegen gekannt, den ich verprügeln wollte, hätte ichs gelassen.
    ich weiss heute noch nicht, wer die Polizei geholt hat, drei Männer, zwei Frauen. Ich gegen alle. Und dann nennt der Staatsanwalt die Sache „nichtig“!
    Okay, ich hatte meine Ruhe.

  27. momorulez September 1, 2010 um 9:17 pm

    Love is a stranger … bin gerade versucht, daraus den Witz zu stricken, daß schon deshalb „Überfremdung“ ein Drecksgedanke für Hassende ist.

  28. Loellie September 1, 2010 um 9:26 pm

    Neulich im TeVau …

    Irgendwo im Ausland, wo alles gleich ist, Richtung Sibirien bei den Wilden.
    Die beiden Zöllner posieren Stolz vor der beschlagnahmten Ware. Schnaps und Zigaretten. Ein ganzer Schuppen voll.
    Der Dokumentarist will wissen „Was geschieht jetzt mit den Sachen?“
    Die beiden grinsen fett, der eine grinst fetter und sagt „Das wird alles vernichtet!“

    Ob’s Birnenschnaps war, weiss ich aber nicht.

  29. T. Albert September 1, 2010 um 9:45 pm

    Mann, ja, der ganze schöne Birnenschnaps.
    Besser aber, ich hab den getrunken, als so fette Zöllner irgendwo im Ausland.

    Zur Rezeption meiner Untat: Ja, das war ja interessant, der einzige Mann, der mich verstand,
    war mein alter bester Kumpel, der schwul ist. Aber etliche Frauen, die ich kannte, gaben mir
    recht. Wunderbar. Ha!
    Ja, love is a stranger with birnenschnaps.

  30. che2001 September 1, 2010 um 10:11 pm

    Ich weiß noch, wie ich mich mit einer, Frau, die ich liebte besoffen habe, weil ein Freund von mir, den sie liebte, sie beschissen behandelt hatte und wir zueinandr nicht mehr kommen konnten, weil zuviel passiert war und wir uns dann stattdessen jammernd gemeinsam die Kante gaben.

  31. T. Albert September 1, 2010 um 10:23 pm

    Und als Ihr fertig damit wart, Euch die Kante zu geben?
    Ich mein, Alkohol ist ja nicht umsonst ein Lösungsmittel.

  32. che2001 September 1, 2010 um 10:25 pm

    Haben wir unseren Rausch ausgeschlafen, aber getrennt.

  33. T. Albert September 1, 2010 um 10:30 pm

    Sehr, sehr schade.
    Aber so ist es ja meistens, glaube ich.

  34. che2001 September 1, 2010 um 10:34 pm

    Verliebt sein läuft bei mir ohnehin IMMER auf „Lass uns Freunde bleiben“ hinaus. Vögeln tun mit mir nur Frauen, die mich als Ersatz für jemand, der gerade nicht da ist brauchen oder als Sportgerät. Mit drei Ausnahmen: Die wollten mich voll und ganz, aber bei zween ich nicht, bei der Dritten habe ichs versiebt. .

  35. momorulez September 1, 2010 um 11:12 pm

    Ich mag das jetzt gar nicht so mit Schweigen beantwortet stehen lassen, will hiermit somit ausdrücklich Mitgefühl signalisieren – es ist nur wahsinnig schwer, darauf zu anworten, Worte zu finden. Weil ja das Georgette-Bonmot „Es gibt keinen sicheren Weg, einen Mann aus dem Haus zu treiben, als eine verheulte Fresse“ hier variiert gilt und trotzdem eine unerträgliche Dreckswahrheit in Worte faßt. Und überhaupt.

  36. che2001 September 1, 2010 um 11:26 pm

    Dabei habe ich mich sehr gut damit abgefunden. Bin eh der Meinung, dass das mit „der Liebe“ ein existenziell fauler Zauber und es sinnvoll ist, Liebe und Sex voneinander zu trennen. Gute Nacht.

  37. momorulez September 1, 2010 um 11:31 pm

    Nessun Dorma … (was heißt das überhaupt? Läuft hier gerade dank der Zufallsauswahl, und „dormir“ zumindest heißt schlafen …)

  38. Karsten September 1, 2010 um 11:45 pm

    Ein sexuelles Sportgerät zu sein ist ja auch ein Kompliment. Jedenfalls aus der Sicht von jemandem, dem Sportgeräte immer als Weg zur irgendwann vielleicht mal stattfindenden sexuellen Erfüllung angepriesen wurden.

    Ich bin froh, dass ich irgendwann eine völlig andere Beziehung gefunden habe, in der beide mehr Sport machen sollten, sich aber trotzdem lieben.

    Nun müsste man vermutlich Platitüden absondern, nach dem Motto, auch Du wirst „die Liebe“ noch finden und so. Gelingt mir irgendwie nicht. Wünschen würde ich es Dir dennoch.

    Ähh… *schweigen*

  39. momorulez September 1, 2010 um 11:51 pm

    Oops 😉 … I did it again.

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