Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Die frühkindliche Einübung rassistischer Stereotype mit den Mitteln der Oper

„Indem Sie die Figur zusätzlich aber mit einer Afro-Perücke und “cooler” Sonnenbrille ausstatten (um insoweit bei der Original-Mozart-Fassung einer dunkelhäutigen Figur zu bleiben?), sie außerdem mit Merkmalen versehen, die man Schwarzen Menschen gerne andichtet (tanzen, flapsig und auf keinen Fall ernsthaft sein), personifizieren Sie rassistische Darstellungen der westlichen Welt und bedienen die Klischees eines offensichtlich zeitgenössischen kolonialistischen Zeitgeistes: der Schwarze Bösewicht misshandelt auch heute noch die schöne Weiße unschuldige Prinzessin.“

Antwort:

„Diese Inszenierung haben bereits über 10.000 (!!!) begeisterte Besucher gesehen, bisher hat sich keiner in dieser Weise geäußert! Im Jahre 2009 war „Die Kleine Zauberflöte“ sogar für den Kölner Theaterpreis nominiert!

(…)

Zu Ihrer Information:
Bei der Kammeroper Köln sind derzeit über 20 Nationen beschäftigt – Ausländerfeindlichkeit und Rassenhass gibt es im Theater nicht und bei uns schon gar nicht.“

Kopfschütteln … sich an die Stirn tippen, bis es blutet – die Analogie zu jüngst hier im Blog geführten Diskussionen dürfte auf der Hand liegen.

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80 Antworten zu “Die frühkindliche Einübung rassistischer Stereotype mit den Mitteln der Oper

  1. che2001 August 19, 2010 um 11:36 am

    Nachdem der Eingang zum Tierpark Hagenbeck von einem auf eine Palme kletternden Schwarzen verziert wird wundert Einen ja eigentlich gar nichts mehr.

  2. che2001 August 19, 2010 um 11:40 am

    Ich hatte ja mal in einem Vortrag Zitate aus einem tradierte Rassenvorstellungen weiterhin verwendenden Anthropologiebuch gebracht und dabei den Ausdruck „negrid“ durch „bimbid“ ersetzt. Kaum jemand hat da etwas gemerkt.

  3. momorulez August 19, 2010 um 11:45 am

    Ich finde die Unverfrorenheit des „Ausländerfeindlichkeit und Rassenhass gibt es bei uns nicht“ dann doch immer wieder verblüffend, weil sich da das „Schwarze sind Ausländer“ rein mischt und die Kategorie „Rasse“ dreist übernommen wird – aber natürllich wie üblich kein Wort über Stereotypenbildung verloren wird. Sofort ein identitärer Reflex – „ich BIN kein Rassist und Ausländerfeind“, als wäre das Problem damit erlegt, zu erfahren, welcher spezifischen Existentenzweise die Dame da frönt, bei gleichzeitiger Nichtzurkenntnisnahme dessen, was da kritisiert wird. Anstatt mal „Okay, Shit happens, sorry, ist tatsächlich Mist passiert, wir kümmern uns drum“ oder wenigstens „Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was Sie meinen, eine herabwürdigende Intention lag zumindest nicht vor; können Sie mir das genauer erläutern?“ Nö, noch nicht mal dieses menschlichste aller Gesten, sondern sofort Beschäftigung mit sich selbst.

  4. momorulez August 19, 2010 um 11:47 am

    Das mit dem „bimbid“ gaube ich aufs Wort …

  5. Katzenblogger August 19, 2010 um 12:07 pm

    „Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was Sie meinen, eine herabwürdigende Intention lag zumindest nicht vor; können Sie mir das genauer erläutern?“ Nö, noch nicht mal dieses menschlichste aller Gesten, sondern sofort Beschäftigung mit sich selbst.

    Vielleicht ist das auch Ausdruck eines Zeitgeistes, den das Duisburger Ordnungsamt auf folgenden Nenner brachte:

    Eigensicherung steht über Allem!

    Bei der konkret gegebenen Antwort spielt imho auch ein ebenso zeitgenössisches Verständnis von PR hinein, welche sich im Krisenfall oft nur auf „Einwandbehandlung“ und dem Präsentieren weißer Westen versteht – nicht aber auf Dialog.

  6. Pingback: Rassismus in den Köpfen? | Links und Liberal

  7. Karsten August 19, 2010 um 12:53 pm

    bimbid klingt aber auch so nach Fachwort, wer würde da schon nachfragen? 🙂

    @MR: Gibt’s bei Dir keine Trackbacks?

  8. momorulez August 19, 2010 um 1:23 pm

    @Katzenblogger:

    Kann ja sein, aber richtig isses nicht – so tradiert sich da auch noch die Paternalisierung.

    @Karsten:

    Doch, muss ich aber erst frei schalten!

  9. momorulez August 19, 2010 um 1:25 pm

    @Karsten:

    Schön, dass es das Blog jetzt gibt! Den Text selbst kann ich weniger schön finden – „hemmungslose Überreaktion“ ist schon eine ziemliche Frechheit. Das könnte ja von Genova kommen.

  10. che2001 August 19, 2010 um 2:01 pm

    Der Witz ist ja, dass schon das Fachwort „negrid“ rassistisch und wissenschaftlich unhaltbar ist, da es keine Menschenrassen gibt und etwa an Blutgruppen und Körperbautypen festmachbare biologische Teilpopulationen beim Menschen nicht mit Hautfarben und Gesichtszügen korrelieren.

  11. momorulez August 19, 2010 um 2:04 pm

    Na, ich hatte natürlich angenommen, dass Du in Deinen Vorträgen ein solches Wort auch nur im Sinne einer drastischen Kritik an den damaligen, rassistischen Vorstellungen verwendet hast.

    Gratulier mal Karsten zu seinem neuen Blog!

  12. che2001 August 19, 2010 um 2:08 pm

    Ja, herzlichen Glückwunsch! Ich hatte wegen des Kommentars von „Edith zunächst angenommen, das wäre das Blog einer Edith und nicht von Karsten. Aber gut geworden, wirklich.

  13. momorulez August 19, 2010 um 2:10 pm

    Jetzt muss man Karsten auch nicht mehr immer ausnehmen, wenn man was Gemeines über die B.L.O.G.s schreibt 😉 …

  14. mondoprinte August 19, 2010 um 2:11 pm

    @ momorulez
    Bin neugierig: Worin besteht Dein Problem mit Genova, der m.E. ein Top-Blog betreibt?

  15. momorulez August 19, 2010 um 2:27 pm

    @Mondoprinte:

    Puuuuuh … Teile davon kann man ja in dem Thread zum Thema „Erfahrung“ nachlesen. Und da habe ich schon wieder so scharf geschossen, dass ich das jetzt gar nicht wiederholen will; mir geht’s ja nicht darum, ihn Dritten gegenüber madig zu machen, weil sein Blog ja wirklich helle Momente hat, und wenn man es als Top empfindet, hat man dafür mit Sicherheit sehr gute Gründe. Mir persönlich ist das zu sehr an einem bestimmten Konsens orientiert und somit im Grunde genommen zu langweilig.

    Vielleicht eine subjektive Zusammenfassung: Ich komme mit seinem Kommunikationsverhalten nicht klar, ich mag es nicht, wenn Leute mich auffordern, irgendwas aufzuarbeiten, womit ich gar nix zu tun habe, und wenn ich es dann sogar trotzdem noch tue, dass das Gesagt einfach nicht zur Kenntnis genommen wird; ich mag es auch nicht, wenn Leute mir erzählen wollen, wie ich zu schreiben habe, ich finde seine Intellektuellenfeindlichkeit grenzwertig und kriege bei seinem Umgang mit Themen wie Homophobie Pickel.

    Kurzfassung: Ich kann Ignoranz bei gleichzeitig paternalisierenden und ständig Andere zu irgendwas auffordernden in Kombination mit manipulativem Verhalten nicht gut ertragen.

    Ich gönne ihm aber jeden Leser und jeden Gesprächspartner, mit dem er ja vielleicht auch ganz anders kommuniziert, und klar, in bestimmten Hinsichten ist sein Blog schon in Ordnung.

  16. Karsten August 19, 2010 um 3:32 pm

    @che:
    Danke für die guten Wünsche. Endlich kann ich wieder mit der Technik spielen, wie ich will. 🙂
    Das mit „Edith sagt“ ist ein alter Forumswitz, dachte, den kennt eigentlich jeder. „Edit“ eben… Vielleicht verkneife ich mir den in Zukunft, wenn ich mal ein alter Internet-Hase wir Du ihn erkennt…

    @MR:
    Du freust Dich über das Blog ja fast genauso wie ich. 🙂
    Bei BLOG stehe ich übrigens durchaus noch auf der Autoren-Liste. Kann auch sein, dass ich da den einen oder anderen Artikel schreibe. Und gegen Attacken, die ich nicht als fair empfinde, werde ich die Kollegen von dort auch weiterhin in Schutz nehmen. Abgesehen davon, dass Du auch weiterhin stefanolix ausnehmen müsstest. 😛

    On-Topic: Frechheit? Na, ich weiß nicht. Im ersten Anschreiben schon so starker Tobak, bis hin zum Jugendamt? Das ist für mich schon eine klare Überreaktion, so wie Leute, die direkt abmahnen lassen, anstatt sich mal normal zu melden. Da kann man doch auch keine sachliche Reaktion erwarten.
    Wobei ich natürlich davon ausgehe, dass Kommunikation und Überzeugung überhaupt Zielsetzung sind. Wenn ich einmal annehme, dass es nur um Provokation geht, sieht es natürlich anders aus. Damit erreicht man ja auch was. Ist nur kein Weg, den ich so toll finde.

  17. momorulez August 19, 2010 um 3:46 pm

    Ach, die Diagnostik von „Überreaktionen“ finde ich immer etwas anmaßend. „Hysterisch“ gar. Ich würde mir nicht zugestehen, über die emotionalen Ausdruckformen Dritter mir da irgendein Urteil anzumaßen. Diese ewige Aufforderung „Komm runter“ ist auch ziemlich üble Repression. Wut ist ein Menschenrecht wie Liebe, Trauer etc..

    Wenn Du da nicht Volldampf gibst in der Attacke, gerade bei Institutionen wie Theatern etc. wo alle sich total schlau, vollends aufgeklärtund sowieso über solche Themen erhaben fühlen, wirst Du schlichtweg ignoriert, und irgendwer streichelt Dir paternalistisch über den Afro – übrigens buchstäblich, das ist eine reale Haltung, die FreundInnen von mir nicht nur einmal passiert ist, dieses wie bei einem Kind über den Kopf streicheln.

    „Überzeugen“ hilft nur in Ausnahmefällen. Und es steckt eben nicht die ökonomische Power dahinter wie bei einer Abmahnung. Das sind auch völlig anderes gelagerte Fälle, in denen abgemahnt wird.

    Um Provokation geht es kein Stück, sondern um Verletztsein und sich wehren. Und das sind schon rassistische Klischees, die da zelebriert werden. Und was die mit Menschen machen, das kann man gar nicht unterschätzen.

  18. momorulez August 19, 2010 um 3:57 pm

    PS: Ich hole auch noch mal das Zitat aus dem „racismreview“-Blog mit rüber, das Noah drüben beim Braunen Mob auch zitiert. Auf solche Punkt gehst Du drüben gar nicht ein:

    „Many whites, even white anti-racists, want to place themselves at the heroic center of any narrative about racism or equate their experiences with those of people of color, and thus misunderstand the asymmetry of racism.
    Part of how white supremacy works is that whites must configure themselves as the center of a heroic narrative.

    (…)

    The asymmetry of racism reflects the unequal power relationships in our society. The challenge for those of us interested in creating change is finding a way to get whites to acknowledge systemic racism without configuring themselves as heroic, central figures or equating their experience with that of people of color. What this requires is for white people to work in coalition with people of color and to listen to the experiences of racial discrimination that people who bear the unequal burden of systemic racism without trying to take center stage.“

    Das ist analog zu dem, was ich hier auch die ganze Zeit zu vermitteln suche. Man kann keine Überzeugsarbeit leisten unter Ignoranz realer Machtverhältnisse, sondern hat diese selbst auch anzugreifen. Das ignoriert der Liberalismus systematisch, dieses Problem.

  19. Urfaust August 19, 2010 um 4:17 pm

    Als Überreaktion empfand man damals auch Kritik an diesem hier:

    http://www.amazon.de/gp/product/images/3888973678/ref=dp_image_0?ie=UTF8&n=299956&s=books

    Ein Weißer mit tumbem Gesichtsausdruck, plumpem Körperbau und Knochen im Haar – das ist doch zum Totlachen! Völlig Verrückt! Ein Paradoxon!

  20. momorulez August 19, 2010 um 4:28 pm

    @Urfaust:

    Eben bei der Lektüre der Schachpartie habe ich mich weg geschmissen, Glückwunsch! Bin jedem Zug gefolgt 😀 …

    Das Problem ist insofern, da ich ja davon ausgehe, dass Du Dich gerade über den scheinbaren Humor und tatsächlichen Rassismus des Herrn Hacke lustig machst, dass genau in diesem ätzenden Buchcover wie auch dem Buchtitel sich so eine seltsam arische Konsenshaltung zeigt, vollends aufgeklärt zu sein – ich habe am Rande Diskussionen mit dem Herren verfolgen dürfen, da wurde ganz schwindelig vor Übelkeit – meiner Ansicht nach eine ganz üble Type.

    Muss ich jetzt einfach zur Klarstellung noch mal betonen, nicht dass jemand mir unterstellt, ich würde hier Kommentare eines seltsamen Zungesschlages stehen lassen …

  21. Karsten August 19, 2010 um 7:35 pm

    @mr:

    Ich würde mir nicht zugestehen, über die emotionalen Ausdruckformen Dritter mir da irgendein Urteil anzumaßen

    Das hängt davon ab, welche Perspektive man so einnimmt. Wenn ich die innere Lebenswelt eines Menschen diskutiere, dann würde ich mir ein solches Urteil auch nicht anmaßen. Als Sozialarbeiter müsste ich wohl darüber reden, ob sie zielführend, hilfreich, „nützlich“ sind, diese Ausdrucksformen.
    Aber hier geht es ja um politischen bzw. gesellschaftlichen Diskurs und seine Regeln. Und in deren Rahmen ist das, was die Dame da geschrieben hat, unangemessen heftig, scharf und emotional.
    Mit Theatern kenne ich mich nicht aus, da muss ich einfach hinnehmen, dass du den besseren Blick in den Kulturbetrieb hast.
    Der Vergleich mit Abmahnungen bezog sich nicht auf die ökonomische Power, da führst Du in eine völlig andere Richtung. Es ging mir um die Angemessenheit der Reaktion. Nehme ich eben ein anderes Beispiel: Wenn meinen Nachbarn der Ast stört, der auf sein Grundstück hinüberhängt, dann erwarte ich einen freundlichen Hinweis, keinen geharnischten Brief, in dem er mir berichtet, dass er den auch ins Internet stellt und im Übrigen schon das Ordnungsamt informiert hat. Oder wenn mich jemand mit Schwulenwitzen wirklich nerven würde – dannn würde ich mit ihm darüber reden und keine Unterlassungsklage anstreben.
    Zum „racismreview“:

    listen to the experiences of racial discrimination that people who bear the unequal burden of systemic racism

    Davon spreche ich ja schon, dass man den Leuten vorurteilsfrei zuhören sollte, die Rassismus erleben, sich ernsthaft mit dem beschäftigen, was sie zu sagen haben. Um dabei aber nicht den „center stage“ einzunehmen, dafür bin ich zu egozentrisch (was nichts mit meiner Hautfarbe, aber dafür umso mehr mit meinem Charakter zu tun hat).

    @Urfaust:
    Ich möchte aber nochmal darauf hinweisen, dass ich nicht die Kritik selbst, sondern ihre Form als Überreaktion bezeichnet habe. Die Kritik selbst hat ihre Berechtigung, ebenso wie das von Dir hier gezeigte sich mit Kritik auseinandersetzen muss.
    Schachpartie war echt gut. 🙂

  22. momorulez August 19, 2010 um 7:55 pm

    @Karsten:

    Und wie kommst Du jetzt darauf, Dein wie auch immer begründetes „Angemessenheitskriterium“ anderen auch noch aus Sozialarbeiterperspektive andienen zu wollen? Und zudem auch noch rassistisches Kinderverziehen mit Ästen, die in einen Nachbargarten hängen, zu vergleichen?

    Du kannst ja individuell auf Schwulenwitze reagieren, wie Du lustig bist, aber da nun allgemeine Verhaltensvorschriften draus abzuleiten, das finde ich nicht sonderlich überzeugend. Das ist doch die Forderung nach Zwang zum Selbstzwang.

    Stonewall war abgesehen davon deshalb von solcher Wirkung, weil es ein Riot war.

  23. T. Albert August 19, 2010 um 8:31 pm

    Das ist diese Scheiss-Sprache, die gerade überall gesprochen wird. Überall.
    Antirassistisch sind sowieso alle, wie kann jemand anderes dann darauf kommen, das anders zu erleben?
    Die Texte, mit denen ich mich beruflich rumschlagen muss, funktionieren auch alle so. Genau in dem Bereich, wo wir angeblich weniger entfremdet wären. Ich bin mittlerweile verschwörungsgläubig überzeugt davon, dass viele Texte im Kunstbereich von den selben Leuten geschrieben werden, die in der Finanzwirtschaft auch schreiben und indolent quasseln.
    Es sind solche Antworten, die körperliche Ohnmachtsgefühle auslösen können.

  24. Karsten August 19, 2010 um 8:46 pm

    Lesen, Momo, lesen. Das mit der Sozialarbeit war eine Randbemerkung, die mit der Perspektive der individuellen Lebenswelt zusammenhing. Und da respektiert man dieselbe als Sozialarbeiter dahingehend, dass man nicht versucht, demjenigen, mit dem (bzw. indiesem Falle: über den!) man spricht, sein persönliches Empfinden vorschreiben zu wollen. Allenfalls versucht man, ihm klar zu machen, dass es für seine Situation nicht hilfreich ist. Das ist eine reine Perspektive der Nützlichkeit, die man allein wegen des Respekts vor den Emotionen des anderen einnehmen muss (darin unterscheidet sich Sozialarbeit auch von Psychotherapie, die sich eben Werturteile über die Empfindungen des Klienten anmaßt).

    Im nächsten Satz (man beachte das Aber!) wandte ich mich aber einer anderen Perspektive zu, nämlich der der gesellschaftlichen Diskussion, in der wir uns doch wohl bewegen, wenn Frau te Reh der Dirigentin klar machen will, dass man die von dieser verwendete Symbolik als klischeebehaftet und grenzwertig rassistisch wahrnehmen kann. Und hier ist es nun einmal keine gute Idee, demjenigen, dem man seine Perspektive vermitteln will, erst mal ins Gesicht zu spucken und eine zu langen.

    Dass ich die Äste mit Rassismus verglichen hätte, ist natürlich kompletter Unsinn, es ging um eine bestimmte Abfolge der Kommunikation. Da ich dir das aber vermutlich gerade nicht klar machen kann, antworte ich einfach entsprechend:

    Du wirst doch wohl nicht die Frechheit haben, eine Perücke, die in einem Theaterstück verwendet wird, in ihrem Ausmaß von Diskriminierung mit Razzien, bei denen Menschen misshandelt und verhaftet werden, gleichzusetzen, oder?

    So.

    .

    .

    Mensch, soweit, dass ich jetzt einen deiner Wutausbrüche verdient hätte, liegen wir doch gar nicht auseinander. Ich bestreite überhaupt nicht, dass Frau te Reh durchaus von etwas, das mir vermutlich gar nicht aufgefallen wäre, angegriffen sein kann. Ich sehe auch ein, dass ihre Perspektive da durchaus von großer Bedeutung ist, obwohl es 10.000 anderen Leuten nicht aufgefallen ist, weil sie durch ihre Situation empfindlicher gegenüber rassistischen Stereotypen ist als andere. Aber davon, dass es richtig ist, einer Frau, die dieses Empfinden nicht vorgeahnt hat, als sie ahnungslos diese Stereotypen reproduzierte, gleich mit Aggressionen und Jugendämtern gegenüberzutreten, davon überzeugst du mich gerade nicht. Ein gewisser Selbstzwang ist im sozialen Umgang erforderlich, sonst schlagen wir uns nachher alle die Köpfe ein.

  25. T. Albert August 19, 2010 um 9:02 pm

    Ach, die Frau te Reh benutzt nur ihrerseits die üblichen schichtspezifischen Ausdrucksmittel und Drohungen. Auch ihr Stil ist doch gang und gäbe. In ihrem Berufsleben als Architektin schreibt und kriegt sie jeden Tag solche Briefe und Drohungen.
    Ich finde, das passt bestens zusammen.

  26. Karsten August 19, 2010 um 9:12 pm

    @T.Albert:
    So habe ich das noch nicht gesehen… aber vielleicht bin ich d

  27. Karsten August 19, 2010 um 9:14 pm

    a deswegen so kritisch, weil mich auch IRL öfter mal so Leute nerven, die direkt zu Briefen dieser Art und allerlei nebulösen und konkreten juristischen und behördlichen Konsequenzen fuchteln, anstatt mal den Hörer aufzunehmen und anzurufen.

  28. Karsten August 19, 2010 um 9:21 pm

    +“greifen“, +“mit“. Meine Güte, den Kommentar habe ich aber versaut…

  29. T. Albert August 19, 2010 um 9:23 pm

    Das, was rausfällt, ist der NAchsatz, das Mozart im Gegensatz zur schmerzunempfindlichen Dirigentin eine zeitgenössische Begründung für die Erscheinung der Figur schon eingefallen wäre. Da erst äussert sich doch das Gefühl von Ohnmacht und Ungläubigkeit angesichts dieses bürokratisch verfassten Schwachsinns.

  30. momorulez August 19, 2010 um 9:30 pm

    @Karsten:

    Das war gar keiner meiner „berühmten Wutausbrüche“, und ich hatte Dich gelesen. Mir entgehen da offenkundig Feinheiten auch deshalb, weil ich die Zugangsweise etwas surreal finde, zugegeben, an welchen Punkten Du formalisierst. Zunächst:

    „Das ist eine reine Perspektive der Nützlichkeit, die man allein wegen des Respekts vor den Emotionen des anderen einnehmen muss (darin unterscheidet sich Sozialarbeit auch von Psychotherapie, die sich eben Werturteile über die Empfindungen des Klienten anmaßt).“

    Ist ein anderes Thema, aber trotzdem doppelt falsch. Respekt und Nützlichkeitserwägungen schließen einander aus, empfehle zum Verständnis dessen die „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ von Immanuel Kant und dort die Herleitung der „Zweck-Formel“ des Kategorischen Imperativs.

    Und: Bei aller Allergie gegen die Therapeutokratie gehen so Psychotherapeuten nicht mit ihren Klienten um. Da lernt man z.B., Wut überhaupt erst mal zuzulassen und nicht ständig mit verqueren Schuldgefühlen diesbezüglich rumzulaufen. Und treibt auch solche Ängste aus:

    „Ein gewisser Selbstzwang ist im sozialen Umgang erforderlich, sonst schlagen wir uns nachher alle die Köpfe ein.“

    Nö. So lange man noch in der Lage ist, selbst zu regulieren, wann man Wut zeigt und ggf. auch ausübt und wann nicht, ist alles in Ordnung. Das nennt sich Autonomie. Ich bin da ganz bei T. Albert:

    „Es sind solche Antworten, die körperliche Ohnmachtsgefühle auslösen können.“

    genau um die Auflösung solcher Zustände geht es.

    Und Frau Chefdirigentin gehört schlichtweg gefeuert, nicht „überzeugt“.

    Es ist völlig inakzeptabel, einer solchen Frau eine solche Stellung zuzugestehen und diese Machtstellung auch noch durch devotes Überzeugenwollen zu bestätigen. Wenn die sich mit einem Mozart-Stoff auseinander setzt, ohne diesen historisch sinnvoll zu verorten, um stattdessen mit saublöden Sottisen gegen das „Regietheater“ Restauration zu betreiben, ist die da einfach eine Fehlbesetzung und sollte mit Abschiebehaft nicht unter 3 Monaten bestraft werden. Macht man mit Schwarzen doch auch massenhaft, warum nicht mit der??? Die mit ihrer „Schwarze = Ausländer“-Schiene.

    Genau diese Scheiße wie Razzien an Leuten, einfach, weil sie sie schwarz sind, produziert sie doch mit ihrer Imitation von Drogendealer-Klischees, darauf läuft das hinaus, genau darauf – das ist Shaft + Afro, was die da auf die Bühne stellt, und Shaft war einfach eine Positivwendung rassistischer Klischees, die Schwarze ausnahmsweise mal der Opferrolle enthoben hat. Eine echte Befreiung damals, aber nicht in Zauberflöten-Inszenierungen zu reproduzieren unter umgekehrtem Vorzeichen.

    Träume immer von Filmen, wo eine Fummeltrinen-Gang Banker klatschen geht.

    Auch darum geht es: Nicht mehr Opfer sein wollen, dass die Mächtigen dann anwinselt „Bitte, bitte, sei doch so lieb und verzichte auf Deine Rassismen!“

    „Und hier ist es nun einmal keine gute Idee, demjenigen, dem man seine Perspektive vermitteln will, erst mal ins Gesicht zu spucken und eine zu langen.“

    Doch, genau das. Und bitte schleunigst eine schwarze Frau, am besten eine Lesbe, auf deren Chefdirigentensessel und die jetzige Besetzung putzen schicken oder als Küchenhilfe beschäftigen. Wie man das auch mit Schwarzen macht, und dann kommen die Razzien. Durfte ich mal mit Noah zusammen verfolgen: Horror.

  31. momorulez August 19, 2010 um 9:32 pm

    @T. Albert:

    Wir sind uns wieder mal erschütternd einig 😉 … ja, genau!

  32. momorulez August 19, 2010 um 9:36 pm

    @Karsten:

    Ach, das hatte aber auch seine Ästhetik, dieser Kommentar-Dreischritt 😉 …

    „die direkt zu Briefen dieser Art und allerlei nebulösen und konkreten juristischen und behördlichen Konsequenzen fuchteln, anstatt mal den Hörer aufzunehmen und anzurufen.“

    Das verstehe ich ja. Da haste ja auch recht. Das meine ich aber mit surrealen Formalisierungen: Du verkennst einfach dieses Alltagsgefühl, dass Schwarze in dieser Gesellschaft prägt. Dabei ist doch beim Braunen Mob eine Fülle von material verlinkt.Das meint Noah doch, wenn sie sagt, eine Ausbildung für Antira-Arbeit sei langsam mal vonnöten: Ständig kommen Weiße daher und nötigen Schwarzen ihre Perspektive auf – weil sie’s können, weil sie mächtig sind. Und die Machtstellung muss man angreifen.

  33. che2001 August 19, 2010 um 9:43 pm

    Das war ja für mich so das absolute Horror-aber- auch Aha!-Erlebnis, als ich eine Ausstellung zum Thema behördlicher Rassismus machte und eine berufsmäßige Flüchtlingssozialarbeiterin aus kirchlichem Umfeld zu einem Foto, das einen von Bullen malträtierten Schwarzen zeigte fragte, was denn das Bild dieses „Drogendealers“ in dem Kontext mache. Erschütternd!

    @“Träume immer von Filmen, wo eine Fummeltrinen-Gang Banker klatschen geht.“ — Da waren die Briten mit Filmen wie „Eat the Rich“, „Sammy and Rosy ged layed“ und „Mein wunderschöner Waschsalon“ echt weiter.

  34. momorulez August 19, 2010 um 9:50 pm

    Ja, gerade „Mein wunderbarer Waschsalon“ ist ja ein Beispiel, was ein Bewusstsein der eigenen Kolonialgeschichte + methodischem Queering dolles hervorbringen kann.

  35. che2001 August 19, 2010 um 10:01 pm

    Es gab da auch einen deutschen Film – leider habe ich den Titel vergessen – der die Situation von abschiebebedrohten Flüchtlingen thematisierte und das mit diesem sehr speziellen und von mir so sehr geliebten Humor tat, den ich aus Flüchtlingsszenekreisen (also: Die Kreise der sich selbst politisch organisierenden Flüchtlinge und ihrer deutschen UnterstützerInnen) kenne. Ging um Asylbewerber, die auf diesem schiffförmigen Internierungslager im Hamburger Hafen leben und sich deutsche Omis angeln, um die zu heiraten und ein Bleiberecht zu erlangen. Die Omis wissen zwar, dass sie selber nicht begehrt werden, finden es aber trotzdem toll, dass sich überhaupt wer um sie kümmert – ihre Familien wollen sie ins Altersheim abschieben und heiraten Flüchtlings. Für alle Beteilgten Win-Win-Situation. Den Film fand ich echt Klasse. Oder „Hartverschuirend“ (Herzzerreissend), einen partiell ähnlichen niederländischen Film.

  36. che2001 August 19, 2010 um 10:03 pm

    @“Bewusstsein der eigenen Kolonialgeschichte“— Ist Kuraishi nicht geborener Pakistani? Die Kolonialgeschichte ist da nicht ganz so eigen, Fatik Akin auch kein kritischer deutscher Regisseur im engen Sinne.

  37. T. Albert August 19, 2010 um 10:03 pm

    Es IST erschütternd. Die schwarzen Putzfrauen mit der meinerseits vermutet polnischen Vorarbeiterin (aufgrund irgendeines oft gehörten und zugeordeneten Akzents), die immer ab 18 Uhr das Uni-Büro, in dem ich sass, putzten (ich vermutete auch, dass die vermutet werdende Polin also befördert worden war, weil ich früher Putzkolonnen gesehen hatte, die aus Polinnen bestanden, ein Kopftuchmädchen habe ich noch nie in der Position gesehen), die hätten ja so einen Brief nicht geschrieben, vermute ich wieder, aber auch nicht zum Telefonhörer gegriffen. Vermute ich, weil ich eigentlich keine Ahnung habe.
    Ich weiss aber, dass man selbstverständlich nicht zum Telefonhörer greift, sondern sofort droht. Das ist normal. Ich kenne das auch so.
    Und die Dirigentin hat genau so eine Antwort geschickt, da steckt die Drohung drin: noch ein Schritt, Du Süsse, dann gibts Post von unserm Anwalt. Wir könnten sie fragen, ob sie denn Frau te Reh anrufen würde. Hat sie sie überhaupt mit korrekt geschriebenem Namen angesprochen?

  38. momorulez August 19, 2010 um 10:20 pm

    @Che:

    Das ist schnurz, ob der nun selbst eine solche Geschichte hat, weil „Mein wunderbarer Waschsalon“ verschiedene „Paki“-Szenen reflektiert und in der schwulen Story die soziale Umkehr betreibt, also der „Migrant“ Chef seinens „britischen“ Lovers ist und dafür von seinen „National Front“-Kumpels auf die Schnauze bekommt. Das ist so eine „Pop“-Tradition, die gibt es hier gar nicht.

    Wobei Fatih Akin schon ganz enorm Styles, Role-Models und eben „sein“ Altona jenseits dieser völkischen Vorstellungen „deutscher“ Städte inszeniert hat, das ist nicht zu unterschätzen. Und kein Grund, von ihm nun unsere Vorstellung von Kritik zu erwarten. Das ist doch auch paternalisierend.

  39. momorulez August 19, 2010 um 10:22 pm

    @T. Albert:

    Ich habe das Schreiben von Frau Dirigentin auch als Drohankündigung gelesen.

  40. che2001 August 19, 2010 um 10:32 pm

    „unsere Vorstellung von Kritik“ habe ich gar nicht. Identifiziere mich ja selber eher mit Akin oder Kuraishi. Ich habe auch mit einem Liverpooler Punk oder meinem Freund Mohamed in Kairo mehr gemein als mit Boche. Mit „eigener Kolonialgeschichte“ meinte ich mehr, dass sich das bei Dir für mich so las, als ob nun weiße Briten über ihre Kolonialgeschichte nachdenken würden, und da ist nichts schnurz.

  41. Katzenblogger August 19, 2010 um 10:33 pm

    Chefdirigentin?

    Ich kenne das Gefüge in diesem Theater nicht. Aber verantwortlich könnten eher sein:

    * Intendantin
    * Regisseurin (nein: es war meines Wissens vorrangig ein Regisseur, Lajos Wenzel – und an diesen hätte imho der Brief gerichtet werden müssen)
    * Schauspielerensemble
    * Bühenbildnerin
    * Maske

    Was mir auffällt – neben der eigentlichen Thematik:

    „10.000 begeisterte Besucher“
    – formuliert wurde hier nur die männliche Form
    – überwiegend waren es wohl Schulklassen bzw. „zwangsverschleppte“ Kinder, sowie die begleitenden Erwachsenen – welche die Besucher stellten
    – die „Begeisterung“ wäre mutmaßlich genauso hoch oder höher ausgefallen, wenn es eine „Krieg der Sterne“-Version der Zauberoper gewesen wäre (inkl. R2D2- ganz wichtig!) oder einfach nur eine bunte Collage der „best of“ Dieter Bohlen-Songs…
    – 10.000 ist nicht viel. Auch nicht für ein Kleintheater. Schon garnicht, wenn DAS „Pflichtstück“ kindgemäßer Opernliteratur aufgeführt wird.

    „Afroperücke und Sonnenbrille“
    – es ist imho eine selten dämliche Idee, die Figur des Monostatos „zeitgemäßer“ zu gestalten, ausgerechnet durch Afro-Frisur und Sonnenbrille. Wenn ausgerechnet sowas als Gegenstück zur „Verstümmelung des Regietheaters“ behauptet wird, dann vollendet sich die ganze Geschmacks- und Gedankenlosigkeit.

    Die große Frage ist überhaupt, ob in einer Märchenoper wie der Zauberflöte irgendwelche Figuren zeitgemäßer gestaltet werden sollten. Wenn, dann eher in eine Richtung, wo man an der Vorstellungswelt von Kindern ansetzt und die Figuren im Märchenhaften belässt – beispielsweise einen Monostatos als „bösen Hexer“ oder Kerkermeister.

    – generell: Diese Oper ist v.a. eine Märchenoper mit grellem Gut/böse-Gegensatz – der Monostatus ist dort nun einmal der Bösewicht, der Sklaventreiber und lüsterne Finsterling. Wollte man das zeitgemäß umsetzen, was ich (s.o.) eher kritisch sehe, böte sich aus meiner Sicht eher ein Einweben von Manager-Habitus in den Charakter des Monostatos an. Irgendetwas, was einen lebensweltlichen Bezug zu Macht und Sklaventreibertum hat – und damit ganz sicherlich keine Afroperücke oder Sonnenbrille.

    – zu den inszenatorischen Ideen dieser Aufführung: Reichlich daneben finde ich die Idee, Monostatos und Sarestro vom gleichen Schauspieler/Tenor darstellen zu lassen. Mit einer Orientierung am Original hat das definitiv nichts zu tun.

    – ob mit dieser Inszenierung eine „frühkindliche Einübung rassistischer Stereotype“ stattfindet? Abgesehen davon, dass hier m.E. eine grobe Überschätzung der Wirkungsmacht dieser Inszenierung vorliegt: die Oper ist so weit weg von aller Lebensweltlichkeit von Kindern, dass man genauso gut (nein: schlecht) behaupten könnte, dass ihnen mittels dieses Stückes die Hochachtung vor katholischen Priestern eingebläut würde. Die „Tapsigkeit“ des Monostatos – in dieser Inszenierung – zielt m.E. nicht darauf, dass damit rassistische Klischee bedient werden (wäre mir persönlich auch sehr neu – Schwarze als stereotyp tapsig), sondern es dient einem theaterpädogogischen Anliegen: Der Entschärfung der Bösewichtsrolle. Die Kinder sollen über Monostatos lachen können – statt Angst vor ihm zu haben. Ich behaupte: Je eindringlicher und realistisch böser die Figur des Monostatos ausgestaltet werden würde, umso eher würde sie ein rassistisches Potential haben – und tatsächlich Angst auslösen. Da den Kindern – mutmaßlich – in ihrem übrigen Leben nicht auf tapsige, schwarze Sklavenwächter stoßen werden – und auch nichts ähnliches – sehe ich die Gefahr als sehr gering an, dass hier tatsächlich Kinderseelen verdorben werden. Viel faszinierender und einprägsamer dürfte für die Kinder die Figur der „Königin der Nacht“ sein (mögliche Kritik: Frauen als Furchtbares), die Figur des Papageno, der Pamina oder des Tamino. Am Ende bleibt für die Kinder vor allem ein „das-Gute-siegt“ und, falls sie dem Stück folgen konnten, eine gewisse Beschwingtheit. Vor allem, weil so schön gesungen wurde.

    Wie gesagt, ich finde die Idee mit der Afroperücke dämlich – aber nicht minder, ausgerechnet mit Frau Hilsberg herumzustreiten. Denn: Die Musik dürfte das geringste Problem sein…
    😉

    P.S.
    Ich verstehe ja nicht viel von Theater und Oper, und auch nicht viel von theaterpädagogischen Überlegungen. Aber für ein paar kurze Sekunden hatte ich den Eindruck, dass die Autoren/innen vom Braunenmob-Blog da vielleicht auch ein paar Kenntnisrückstände haben.

    Wie gesagt: Ich verstehe von Theater- und Operdingen wirklich nicht viel. Ein Grund dafür ist übrigens die (aus meiner Sicht) oft nahezu vollkommene Weltfremdheit derjenigen, die Theater und Oper zu verantworten haben.

    Es berührt mich einfach nicht.

  42. momorulez August 19, 2010 um 10:34 pm

    @Che:

    Nee, das hatte ich nicht gemeint.

  43. momorulez August 19, 2010 um 10:48 pm

    @Katzenblogger:

    Ich verweise mal einfach auf den verlinkten Erfahrungsbericht, darauf, dass sich Stereotypenbildung summiert und eine Oper on Top kommt. Ansonsten kannst Du selbstverständlich dazu übergehen, nunmehr Schwarzen erläutern, wie sie die Welt und insbesondere jene der Oper wahrzunehmen haben, anstatt Schwulen zu erklären, wie, wann und wo sie sich diskriminiert zu fühlen haben. Ich bin mir sicher, dass der Braune Mob begeistert sich den Katzenblogger zum Dozenten z.B. bei der Journalistenschulung hinsichtlich der richtigen Wahrnehmungsweise richtiger Deutungen hinsichtlich frühkindlicher Prägungen durch Rassismen erwählen und derartige Expertisen diesbezüglich schnellstmöglich und reumütig in seine Ansichten integrieren wird.

    Sorry, aber es kommt wirklich darauf an, WER spricht. Und damit meine ich nicht den Katzenblogger als Person, sondern die schlichte Tatsache, daß Weiße Schwarze nicht über Rassismen und deren Wirkung belehren sollten.

  44. Karsten August 19, 2010 um 11:01 pm

    Hm. Ich versuche jetzt mal, die Bereiche, bei denen wir uns garantiert nicht einig werden, außen vor zu lassen, okay?

    Respekt und Nützlichkeitserwägungen schließen einander aus, empfehle zum Verständnis dessen die „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ von Immanuel Kant und dort die Herleitung der „Zweck-Formel“ des Kategorischen Imperativs.

    Hier habe ich den Eindruck, nicht angemessen wiedergeben zu können, was ich da gelernt habe – und vielleicht auch, dass ich mir den Kommentar generell hätte sparen sollen. Der Gedanke kam mir nur, weil es um eine Wut ging, die ich in der Form nicht annähernd nachvollziehen kann und auch nicht für gerechtfertigt halte, und ich mich kürzlich erst damit beschäftigt habe, wie ich im Beruf mit solchen Emotionen umgehen soll. Respektieren, zulassen, im Grunde nicht kritisieren und auch nicht darauf einwirken, das wird meine Aufgabe sein – und versuchen, mit dem Klienten Wege zu finden, dass diese Emotionen (muss ja nicht Wut sein, kann auch Trauer, Angst etc. sein) sein Leben möglichst wenig beeinträchtigen. Hatte aber eben nichts mit dem Thema zu tun, wie ich ja auch sagte (da bitte ich um Verständnis für meine Art des Schwurbelns, dem assoziativen Abschweifen).

    Von „berühmten“ Wutausbrüchen sprach ich übrigens nicht, sondern nur von Wutausbrüchen im Allgemeinen. Würde ja gerne mal wissen, ob es die auch IRL gibt und wie man das dann erlebt (ich selbst neige IRL übrigens zur Cholerik bei politischen Themen, die ich im Web nicht auslebe). 🙂

    Bei dem Selbstzwang fehlt mir der Dissens zwischen unseren Positionen, der im „Nö“ zum Ausdruck kommt. Das „regulieren, wann man Wut zeigt und wann nicht“ ist nämlich das, was ich mit einem „gewissen Selbstzwang“ meinte.

  45. momorulez August 19, 2010 um 11:21 pm

    Ich wüsste jetzt nicht, inwiefern Wut unter Rechtfertigungszwang stehen würde – und ich glaube, ich artikuliere mich im wahren Leben in halbwegs privaten Situationen sehr ähnlich wie hier, falls das die Frage war. Ich bin sehr selten laut, aber sehr oft sehr angriffslustig 😉 … Meine eher mütterlich-fürsorglichen Seiten kommen hier selten zum Tragen, die habe ich auch. Dazu ist dieses Blog aber auch nicht da.

    Zu dem, was man Dir da bei bringt: Sorry, Du hast es selbst zum Gegenstand gemacht – das, was Du beschreibst, ist Beihilfe zur Normalisierung. Die kann bei extrem Enthemmten ja tatsächlich hilfreich sein, aber so, wie Du es beschreibst, ist es generalisiert ziemlich problematisch, so mit seinem Gefühlshaushalt umzugehen.

  46. Katzenblogger August 19, 2010 um 11:41 pm

    Paradoxon: Wenn es so sehr darauf ankommt WER spricht, kommt es irgendwann dahin, dass garnicht mehr gesprochen wird. Und Verzeihung, ich habe sicherlich ein Dutszend verschiedene Aufführungen der Zauberoper für Kinder gesehen – und mir auf dieser Basis Gedanken gemacht.

    Es sind meine Gedanken. Ich finde sie weder so sinnfrei wie du (aber das ist dein gutes Recht, auch hier alles für sinnfrei zu halten, was ich geschrieben habe), noch halte ich es für eine prinzipiell gute Idee, zu allen Dingen das Maul zu halten, bloß weil irgendwer anders meine Auffassungen nicht teilt. Wenn das nämlich wahr wäre, was du schreibst, dürftest du selbst über viele Dinge nichts sagen, vor allem über jene, wo du selbst nicht unmittelbar betroffen bist. Also: auch und gerade über das, worüber du mich gerade zu belehren versucht hast…

    Verstehe mich nicht falsch: Es kann durchaus eine gute Idee sein, jemanden zu belehren, und zwar sogar dann, wenn er die falschen Standpunkte einnehmen sollte. Aber das Ross ist nicht so hoch, wie du zu sitzen glaubst, Momorulez.

    Ich weiß natürlich nicht, was die Journalistin bzw. genervte Opernbesucherin über meinen Kommentar denkt bzw. denken würde. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie dann deine Haltung einnehmen würde („nein, so darfst du das nicht sehen – und schon garnicht aussprechen“), ob und was sie davon plausibel findet, und wie sie – rein theoretisch gedacht – darauf antworten würde.

    Aber ich wäre neugierig darauf. Und sorry: Abkanzeln kann ich mich ganz alleine. Es bringt nur niemanden vorwärts.

    Auch dich nicht.

  47. momorulez August 20, 2010 um 12:22 am

    Doch, in der Tat bringt es mir viel. Schon wieder so ein Genova-Ding, mir erzählen zu wollen, was mir was bringt. Wie kommst Du darauf? Wieso glaubst Du, mir erzählen zu können, was mir was bringt?

    Es bringt mir einen Freiraum, den mir zu erkämpfen ich erst mal über 40 werden musste. Gegen dieses Heten-Dauergedröhne, auf das ein T. Albert z.B. konsequent verzichtet.

    Was ich zu den Rassismus-Themen schreibe, ist zum Teil Wiedergabe u.a. einer seit nunmehr 10 Jahre währenden Diskussion u.a. mit Mitgliedern des Braunen Mobs, zum Teil eine Ergänzung durch schwule Themen. Habe mich da oft belehren lassen.

    Und ein Schweigen ergäbe sich mit Sicherheit nicht, wenn weiße Hetenmänner weltweit einfach mal die Schnauze hielten, 10 Jahre lang. Am besten gleich alle Hetenmänner. Nur noch Schwule, Lesben und schwarze Frauen würden reden. Stell es Dir einfach mal vor.

    Zum Thema Oper und Rassismus könnte ich jetzt lange referieren, dafür bin ich zu müde.

  48. Karsten August 20, 2010 um 7:20 am

    Frage mich ja, wie so ein mütterlich-fürsorgliches Blog aussehen würde… *kopfschüttel*

    Keine Ahnung, wo ich gefordert habe, Wut unter Rechtfertigungszwang zu stellen… zu den IRL-Wutausbrüchen habe ich im eigentlichen Sinne keine Frage gestellt, also ist deine Antwort für mich mehr als ausreichend.

    Und zu den Inhalten meiner Ausbildung: Ja, ich habe es selbst angeschnitten, hätte es aber eben besser gelassen, wie ich ja bereits schrieb. So aber:

    Beihilfe zur Normalisierung

    Das moderne Berufsverständnis des Sozialarbeiters in drei Worten.

  49. momorulez August 20, 2010 um 8:53 am

    Karsten 11.11:

    „Der Gedanke kam mir nur, weil es um eine Wut ging, die ich in der Form nicht annähernd nachvollziehen kann und auch nicht für gerechtfertigt halte,“

    Karsten 7.20:

    „keine Ahnung, wo ich gefordert habe, Wut unter Rechtfertigungszwang zu stellen“

    Den oben zitierten Passus meinte ich. Und in der Tat halte ich das für ein wichtiges Thema, den Umgang mit Wut, weil es da keinerlei Mechanismnen gibt hier in „dieser Kultur“ außer „komm runter“. Und denke, dass sich die spektakulären Fälle dem verdanken, dass es diese Mechanismen nicht gibt.

  50. Karsten August 20, 2010 um 9:04 am

    Danke für den Hinweis. Bei dem Kommentar 11:11 vermische ich in der Tat die Wut und die Form ihres Ausdrucks. Die Wut selbst kann ich nicht nachvollziehen (aber das ist ja ganz allein mein Problem), die heftige Art ihres Ausdrucks halte ich nicht für gerechtfertigt (weil da eben soziale Konventionen eine Rolle spielen).

    Was für Mechanismen würdest du denn vorschlagen? Und gibt es Kulturen, in denen es diese gibt? Mir würde da spontan die polynesische einfallen, in der der Ausdruck von Wut ja wohl erheblich akzeptierter ist („Amok“ ist doch wohl ein polynesisches Wort…).

  51. momorulez August 20, 2010 um 9:11 am

    Ich finde schon manche Weisen des Umgangs mit Wut in Frankreich da viel weiter als hier und halte es für keinen Zufall, dass deshalb dort auch die Protestkultur eine andere ist. Die „tillen“ ja manchmal auch, dass unsereins schluckt, geben dem aber gar nicht das Gewicht, wie es im Rahmen unserer Mittelklassekontrolle üblich ist, das ist so eine verspielte Kultivierung des Ausbruchs, der die Emotion trotzdem ernst nimmt. Habe ich auch nicht drauf.

    Ich lege auch großen Wert drauf, dass meine Angestellten mich jederzeit anbrüllen dürfen. Macht zwar nur eine von denen, aber das ist wichtig, wenn Produktionsstress herrscht, dass Emotionshaushalte Raum bekommen.

    Ich mache da aber bei Gelegenheit einen eigenen Eintrag dazu.

  52. che2001 August 20, 2010 um 9:19 am

    @Karsten: Amok ist malayisch und bezeichnet ursprünglich Krieger, die sich unter Aufopferung des eigenen Lebens blindwütig auf den Feind stürzen, um die Mitstreiter zu retten.

    @MR: Die französische Wut- Protest- und Empörungskultur ist ja das, was ich so sehr als vorbildlich betrachte und in Deutschland vermisse. Im Augenblick fehlt es aber gerade in Frankreich daran, wenn man sich anschaut, was Sarkozevic da mit den Roma anstellt.

  53. momorulez August 20, 2010 um 9:30 am

    … Und Deutschland ja auch mit den Roma anstellt.

  54. che2001 August 20, 2010 um 9:51 am

    Gute Ergänzung. Aber Deutschland hat die profunderen Deportationserfahrungen, da erwarte ich so etwas schon. In Frankreich macht man damit hingegen sogar Wahlkampf, und die Roma, die da abgeschoben werden, sind EU-Bürger, die ein EU-Recht auf Freizügigkeit haben, während Deutschland serbische und kosovarische Roma abschiebt. Für die betroffenen Menschen ist das insofern ein Unterschied, als die von Frankreich Abgeschobenen wieder zurückkehren dürfen, können und werden, die von Deutschland Abgeschobenen hingegen ins dauernde Elend geschickt werden.

  55. che2001 August 20, 2010 um 10:21 am

    In meinem Bekanntenkreis gibt es ja einen ganz besonderen Umgang mit Alltagsrassismen, der vor allem durch einen ultradrastischen Humor geprägt ist. Ich kenne da z.B. eine Afro-Deutsche, die sich am Telefon mit Sprüchen meldet wie „Hier ist Shaine, die Negerin will immer nur das Eine“ oder einen Kurden, der mich auf der Straße mit „Herrenmensch“ grüßt und fragt, wieviele ich heute ins Gas geschickt hätte. Zum Anderen sind diese Leute aber auch schon öfters der Ausländerbehörde richtig auf die Bude gerückt, mit Festplatten neu formatieren und so.

  56. Katzenblogger August 20, 2010 um 3:00 pm

    „Doch, in der Tat bringt es mir viel. Schon wieder so ein Genova-Ding, mir erzählen zu wollen, was mir was bringt. Wie kommst Du darauf? Wieso glaubst Du, mir erzählen zu können, was mir was bringt?“

    Ich komme ja nicht generell da drauf. Vielleicht liege ich da auch falsch – und es „bringt“ dir so viel, wie ich es mir nicht einmal ausmalen kann. Ja, kann sein. Aber ich habe – an dieser Stelle (nicht: die vorherige Diskussion) – mehr als nur oberflächlichen Eindruck, dass deine Reaktion immer stärker zum Reflex degeneriert – wie kommst du z.B. darauf, dass ich der Dame vom Braunen Mob irgendeine Sichtweise vorschreiben wollte? Das ist doch irrwitzig, pardon. Genauso gut könnte ich behaupten, jeder würde jedem Sichtweisen vorschreiben wollen, indem er/sie seine/ihre Meinung äußert.

    „Es bringt mir einen Freiraum, den mir zu erkämpfen ich erst mal über 40 werden musste. Gegen dieses Heten-Dauergedröhne, auf das ein T. Albert z.B. konsequent verzichtet.“

    Ich gönne dir deinen Freiraum. Und ich glaube dir auch, dass er für dich sehr wichtig ist. Das gehört zu den Punkten, die ich in der Vergangenheit übersehen habe – neben vielen anderen Dingen – und die mir Leid tun, vor allem, wenn und wo sie diir ein Leid getan haben bzw. dich wütend gemacht haben. Ich sehe auch – was ich vorher nicht sah – wie wichtig dieser Freiraum ist und sein kann.

    Insofern: Pardon noch einmal.

    „Was ich zu den Rassismus-Themen schreibe, ist zum Teil Wiedergabe u.a. einer seit nunmehr 10 Jahre währenden Diskussion u.a. mit Mitgliedern des Braunen Mobs, zum Teil eine Ergänzung durch schwule Themen. Habe mich da oft belehren lassen.“

    Ich lasse mich – teils – sogar sehr gerne belehren. Aber – vielleicht ist dir das nicht so ganz klar: Weder stehe ich vor einem null Jahre betragenden politischen Nichts, noch sind mir (bzw. der Gruppe, der ich zugerechnet werde) massive Diskriminierungen fremd.

    „Und ein Schweigen ergäbe sich mit Sicherheit nicht, wenn weiße Hetenmänner weltweit einfach mal die Schnauze hielten, 10 Jahre lang. Am besten gleich alle Hetenmänner. Nur noch Schwule, Lesben und schwarze Frauen würden reden. Stell es Dir einfach mal vor.“

    Ganz prima. Vielleicht. Und du würdest dann z.B. von Spießer-Schwulen (die es ganz selbstverständlich auch gibt) dir dann Sachen anhören, die – kämen sie von mir – dir die Wut in die Augen treiben würden. Es würde sich vielleicht nicht einmal sonderlich viel ändern – aber so ganz kann ich es mir nicht vorstellen – das stimmt.

    „Zum Thema Oper und Rassismus könnte ich jetzt lange referieren, dafür bin ich zu müde.“

    Akzeptiert. Da gäbe es auch extrem viel zu sagen – und auch über die Zauberflöte. Das gehört übrigens zu den Gründen, warum ich mir bei Zauberflöten-Inszenierungen wünsche, dass der Part des Monostatos mehr in den Hintergrund rücken sollte und seine Boshaftigkeit nur in märchenhafter, unrealistischer Form zeigen soll. Gerade darum finde ich eine Verzeitgeistigung mittels Sonnenbrille und Afro komplett daneben – damit werden dann nämlich tatsächlich rassistische Vorurteile bzw. „klassische Kolonialromantik“ aus diesem Stück „hochgerührt“ bzw. in die heutige Zeit übersetzt.

    Das finde ich in vielfacher Hinsicht gräßlich und künstlerisch daneben. Zu allererst aus theaterpädagogischen Gründen, selbstredend (ich dachte das könnte man bei mir implizit voraus setzen, wenn man mich ein wenig kennt) auch wg. der damit transportierten rassistischen Perspektve, aber auch, weil ein Grundanliegen von Mozart, der Traum von einem humanistischen Miteinander, wo tolerant, frei von Vorurteil und vernünftig gelebt, gedacht und geträumt wird, damit – graduell – pervertiert wird.

    Aber sind ich bzw., genauer gesagt, meine Meinung deshalb allein schon ein guter Adressat für „befreiende Wut“? Oder wäre es denkbar, dass – im Einzelfall – diese Wut sogar blind macht, blind für das Gegenüber, blind für das, was es sagt, blind aber auch für das eigene (und in deinem Fall sehr große) Vermögen, komplexe Sachverhalte zu durchdenken.

    Das meinte ich, als ich – diesmal ganz patenalistisch – mir anmaßte, dir einen Vorschlag für eine mögliche Betrachtungsweise machen zu können, und – schlimmer noch – sogar zu glauben, dass es am Ende sogar für dich von Vorteil sein könnte.

    Aber wissen? Nein, das tue ich nicht. Wenn du aber etwas über mich erfahren willst: Die Gruppe, zu der ich rechne, kann es in Sachen Diskriminierungserfahrungen locker mit Schwulen und Lesben aufnehmen.

    Insofern: Wo genau liegt der Vorteil, wenn man sich gegenseitig anschweigt, weil man (unzutreffend womöglich) vermutet, dass der jeweils andere weniger diskriminiert ist – und darum nichts in dem Thema verloren habe? Und nein, das ist keine manipulative Frage.

    Was ich z.B. gelernt habe, zu meiner eigenen Verblüffung, ist: Meine eigene Strategie zur Kompensation und Unwirksammachung von Diskriminierungserfahrungen steht teils in diametralen Gegensatz zu dem, wie es andere Menschen machen. Fatalerweise führt das – meinerseits – teils zu Blindheit und einem Nichtnachempfindenkönnen ebendieser, strukturell sogar ähnlicher Diskriminierungserfahrungen.

    Die Welt ist kompliziert.

  57. ziggev August 20, 2010 um 3:42 pm

    @ Katzenbogger
    und nur ganz kurz off topic: fand die Schilderung deines Traum wundervoll. Konnte kaum anders, als mir das bildhaft vorstellen.

    Habe neulich das Buch von Waltraut Schälike (die Schwester vom Betreiber vom http://www.Buskeismus) gelesen(, in dem nichts idealisiert wird, und eigentlich auch keine Horrorgeschichten erzählt werden). Sie ist Tochter deutscher Kommunisten, die vor den Nazis in die Sovjetunion flüchteten, und beschreibt jetzt ihre Kindheit im Hotel „Lux“ und ihre frühe Jugend in der UDSSR während des 2. Weltkriegs. Machte auch die Bekanntschaft mit Stalins Tochter. Weiß nicht, warum: seit dieser Lektüre träume ich wieder, ich träume und träume und träume, verrückt!

  58. Karsten August 20, 2010 um 4:08 pm

    Spießer-Schwulen (die es ganz selbstverständlich auch gibt)

    Hat mich jemand gerufen? 😉

  59. che2001 August 20, 2010 um 5:24 pm

    Like Jeannie out of the bottle „here I am, Master!“

  60. momorulez August 20, 2010 um 5:38 pm

    Vfggdreerfvdvbjtertfeefsdffescvgrvssff;((( @Katzenblogger, ja, das Leben ist kompliziert und ich bin ein Reflex!

    Und für alle persönlichen Erfahrungen aller Menschen dieser Erde ist hier jederzeit Raum, so lange es wirklich welche sind. Sieheunten.

    @Ziggev:

    Den Traum fand ich ja auch prima, aber dann ging es wieder von vorne los 😦 … Verzeih mir, @Katzenblogger, aber gelegentlich könnte ich schon weit besser darauf reagieren, wenn die Vortragslänge etwas angepasst würde. Ja, ich weiß, so bist Du, bleib auch so, aber ich habe mich lieb dafür, zickig, arrogant, aufbrausend und ungeduldig zu sein 😀

    @Karsten:

    Ach, mit dem neuen Blog bist Du doch schon mal einem guten Weg, Dich den Fängen der Dominanzgesellschaft zu entringen!

  61. momorulez August 20, 2010 um 5:42 pm

    PS: Und für Else Lasker-Schüler interessiert sich wieder kein Schwein!

  62. Karsten August 20, 2010 um 5:44 pm

    Ich sehe aber schon eher aus wie der Dschinn aus Aladdin, und weniger wie die bezaubernde Jeannie. 🙂

  63. Karsten August 20, 2010 um 5:47 pm

    @mr:
    Wir haben dich doch auch lieb, so, wie du bist. 🙂
    Und zu der Frau Lasker-Schüler kann ich nicht mehr sagen als: Schönes Gedicht!

  64. momorulez August 20, 2010 um 5:54 pm

    Dankeschön!

    Und Lasker-Schüler, das ist so tragisch, dass diese so unglaublich großartige Frau und Dichterin so in Vergessenheit geraten ist und oft nur als Kitsch wahrgenommen wird … Die hat einen Ehrenplatz in meinem Disco-Punk-Streisand-Dungeon!

  65. che2001 August 20, 2010 um 6:04 pm

    @Karsten, wieso hattest Du damals „Liberale Stimme“ eigentlich dichtgemacht?

  66. Karsten August 20, 2010 um 6:58 pm

    @che:
    Meine Schreibfrequenz wurde immer geringer, und es wurde mehr und mehr offensichtlich, dass sie die „kritische Masse“, die für das Leserinteresse vonnöten ist, nicht mehr erreichte. Also bin ich zu BLOG gegangen, weil ein Multiautorenblog die entsprechende Frequenz leichter halten kann.
    Rayson und Boche waren damals gerade interessiert daran, das Meinungsspektrum von BLOG zu erweitern. Mit stefanolix hatten sie ja auch jemanden gewonnen, der eher linksliberal argumentiert, da fühlte ich mich ganz gut aufgehoben. Dann kamen R.A., MartinM, Marian und Björn hinzu – und es war eine wirklich interessante, vielfältige Mischung. Auch die Kommentatoren waren damals bunter.

  67. che2001 August 20, 2010 um 8:53 pm

    Ja, das war dann auch die Zeit, in der ich mit den BLOGs in engeren Kontakt trat. Schade, dass das Level nicht gehalten wurde und mit der Zeit immer mehr Beiträge kamen, wo mir nur noch „Auweia“ zu einfiel.

  68. T. Albert August 20, 2010 um 9:05 pm

    Wieso ist die Frau Lasker-Schüler in Vergessenheit geraten?
    Ich hab nur keine Zeit. – Wollte mal ne grosse Arbeit im öffentlichen Raum am Zürcher HB mit ihrem Namen und allen möglichen anderen, die dort aus dem Zug gestiegen sind oder von Künstlern wie Max Bill und Richard Paul Lohse u. a. rausgeholt worden waren und versteckt wurden. – Hab ich aber nicht gemacht. Irgendwas geht da über meine inneren Verhältnisse. Jaspers hat sich noch nach dem Krieg aus der BRD ausbürgern lassen, 1967, nachdem er seine Frau iregndwie vor der antisemitischen Rasse hatte schützen können. Das ist eigentlich alles nix für die Bildenden Künste.

    Und das Gedicht: grosse Rede zu Gott, nich?

    Naja, stimmt schon, mittlerweile kennen die nur noch sehr wenige. Wir durften sie ja noch aus zweifelhaften Gründen in der Schule lesen, Mitte der Siebziger.
    Kitschverdacht ist immer schnell bei der Hand, wenn einem die Sprache nicht passt. Und dies ist besondere deutsche Sprache, besondere innere und Erfahrung des Àusseren.

  69. T. Albert August 20, 2010 um 9:10 pm

    Ich hätte sagen müssen: die Aufforderung zum Kitschverdacht.

  70. momorulez August 20, 2010 um 9:28 pm

    Ich kenne kaum jemanden, der sie noch kennt, bemerkenswerterweise war jedoch meine Freundin vom Braunen Mob in ein Projekt involviert, wo Musiker mit ihr arbeiteten.

    Obwohl es, glaube ich, einen Preis in Wuppertal gibt – den dann irgendwann mal ein Ministerpräsident an Ede Lasker-Schüler oder so gemahnend verliehen hat, die ganze Zeit über einen Mann referierend, wenn ich jetzt nicht Anekdoten durcheinander bringe.

    Das ist aber symptomatisch für vieles, was diesem Axel-Springer-Philosemitismus folgt: Das, was als deutschjüdisches Erbe tatsächlich immer wieder neu so ungeheuer bereichernd und lehrreich ist, wird auf dem Altar der „christlich-jüdisch-kapitalistischen Tradition“ geopfert. Und die hat auch keinen Platz für diesen imaginierten wie auch durchlittenen Gefühlsraum einer Else Lasker-Schüler. Je mehr diese vermeintliche Tradition beschworen wird, desto mehr verschwinden die alle, so kommt es mir vor. Einfach verschluckt.

    Für mich war damals dieses Buch „Die verbrannten Dichter“ ungemein beeindruckend und einflussreich. Da habe ich Mühsam, Toller, Else Lasker-Schüler kennen gelernt, Oskar-Maria Graf,Walter Mehring, lauter Leute, die völlig aus dem Gedächtnis verschwunden sind, während Neo Rauch Spengler und Ernst Jünger nachmalt.

    Auch dieser sich bis zu G-Punkt schleppende Adorno-Hass ist dafür ein Symptom.

  71. T. Albert August 20, 2010 um 9:39 pm

    „Je mehr diese vermeintliche Tradition beschworen wird, desto mehr verschwinden die alle, so kommt es mir vor. Einfach verschluckt.“

    Ja.
    Als wir uns mal über Hermann Brochs Kitsch-Zitat gezankt haben, war ja genau das von mir mitgemeint. Der hat ja nicht nur gesagt, Kitsch ist ein Verbrechen, sondern auch: Hitler ist Kitsch.
    Und dann laufen Kerle in den Schulen rum, die erzählen Lasker-Schüler sei Kitsch, Martin Mosebach ein grosser Stilist wie Jünger und Rauch ein solcher Maler.

  72. momorulez August 20, 2010 um 9:44 pm

    Wir haben da zwar weiterhin ein teildifferentes Kitsch-Verständnis; ich glaube aber auch damals schon verstanden zu haben, was Du meintest. Ich verteidige ja nur inständig mein Disco-Punk-Streisand-Dungeon 😉 -Danke noch mal, ich habe mich da wirklich gefreut und fühlte mich verstanden.

  73. T. Albert August 20, 2010 um 9:53 pm

    Ach wieso denn, ich find doch Disco super, Streisand auch, ich hab wahrscheinlich nur andere Assoziationen damit als Du, Punk ist leicht an mir vorbeigerutscht, nicht ganz, aber ich kann mich zu Punk nicht so oder so verhalten, der kam bebi mir immer schon irgendwie sublimiert an. Von den Pogo-Veranstaltungen im Ruhrgebiet bin ich immer geflohen, wenn ich genug Bier drin hatte. Also, ich hab den richtig erlebt, meistens war ich im keller nebenan bei den Bastlern, Bricollagisten. Es war alles so durcheinander.

  74. T. Albert August 20, 2010 um 9:59 pm

    OGott, ich meine natürlich: Ich hab den nicht richtig erlebt, den Paenk.

  75. momorulez August 20, 2010 um 10:00 pm

    Ja, großartig durcheinander 😉 … Also, so habe ich die Zeit ja auch in Erinnerung.

  76. momorulez August 20, 2010 um 10:13 pm

    PS: Ich habe ja auch keinen Pogo getanzt, war ’77 11 Jahre alt, und auch Anfang der 80er habe ich mich in die einschlägigen „Clubs“ nicht rein getraut, die „Kornstraße“ und so. Aber als ästhetische Kosmen haben mich Punk, Postpunk und Disco doch nachhaltigst geprägt, durchaus auch die „Neuen Wilden“. Aber das habe ich ja schon so dermaßen oft berichtet 😉 -sieht man hier im Blog ja auch gerade mal wieder.

    Sprachlich waren „Die verbrannten Dichter“ wichtiger.

  77. che2001 August 20, 2010 um 10:56 pm

    Für mich war Punk volldieäktschn und das Gegenprogramm zu dem Ökomüslischleim, der auch gerade lief. Und als ich dann linksradikal wurde vereinigte sich das für mich mit Reggae, Metal und Worldmusic zu einem völlig neuen Sound. @Reggae: Von der Existenz dieses „Gentleman“ habe ich nur über dieses Blog überhaupt etwas erfahren, für mich be deutete Reggae bis dato Bob Marley, Peter Tosh, Chalice, Lynton Kweizie Johnson und Apache Indian. Als ich hier erstmals etwas über Gentleman las war meine Wahrnehmung „Aha, ein neuer vollkommen unbekannter Schwulenhasser mehr.“

  78. mondoprinte August 22, 2010 um 9:06 am

    @ momorulez
    Merci für die Auskunft und Glückwunsch zum Auftaktsieg gestern 😉

  79. momorulez August 22, 2010 um 10:26 am

    @mondoprinte:

    Dankeschön! Waren wirklich großartige 7 Minuten zum Schluß 😉 – der Laden, wo ich mir das Spiel ansah, stand Kopf! Und jetzt spielt nächsten Samstag am Millerntor der Tabellenerste gegen den Tabellenzweiten, vorbehaltlich der heutigen Spiele 😉 …

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