Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Etwas ausmalen: Liegen lernen

Nee, eben nicht. Also nicht „sich etwas ausmalen“. Was da ausmalt, weiß ich ja auch nicht, während Finger über Glasplatten und Tastaturen huschen und dieses verflixte Verhältnis von Form und Inhalt fortwährend neu erkunden. Da sind zwar die Finger, während man mit neuen Möglichkeiten dilettiert, rum probiert, wie eben alles Leben ein dilettantisches Rumprobieren ist, tapsig, unbeholfen und doch irgendwohin – aber selbst beim Malen mit Fingerfarbe gewinnt die feuchte Masse ihr Eigenleben und malt selbst aus. All der digitale Kladderadatsch, der nunmehr Möglichkeiten auslotet, was der erst hervor treibt, Hallelujah. Manchmal unterschätzt man ja als alter Sack, wie viele Synapsen bei Jüngeren von der Kenntnis dieser sich teils selbst generierenden Sprachen geformt sind.

Inwiefern jedoch konstituiert sich der Subtext, das, worauf man reagiert, während man liest, wenn ganz im Luhmannschen Sinne autopoetisch Sprache sich generiert und formt inmitten als der Statusse (?Stati?), der 140 Zeichen, der Blogeinträge, der Kommentare? Wie und wieso erfasst man das auch emotional?

Früher, ach, ja seufz, da hätte ich das oben mit Kopierer, Textmarker und Kugelschreiber gebastelt, vielleicht noch Lackstift, ganze Kunstformen mit goldenem Lackstift und schwarzem Papier haben wir zelebriert und inszeniert, um in jedem Brief das Besondere, die Mühe und Wertschöpfung für’s Du zu demonstrieren, und die Mixcassetennhüllen, die sahen auch so aus – man sah an Schrift und Dynamik das Befinden des Gegenübers. Okay, das kann man hier auch lesen, sehr stolz bin ich ja drauf, welch Emotionalität mir regelmäßig attestiert wird, wo einst mir doch immer vorgeworfen wurde, wie kontrolliert ich sei 😀 … Und die Emoticons gibt es auch. Die verwirren aber, weil man all die Zwischentöne realen Lächelns da hinein lesen kann.

Na, ein bißchen lernt man halt doch dazu, wenn man beim Bloggen Wüten übt. Zudem ich seit der Anschaffung von iPad und iPhone häufiger auf dem Rücken liegend schreibe; man schreibt dann anders, ganz, wie Wut sich anders fühlt, je nachdem, ob man liegt oder steht oder sitzt.

Aber was malt aus, während man liest? Wie nimmt die Imagination Bezug? Sie nimmt Bezug, wühlt nicht im Ungefähren, der Stoff, aus dem ihre Farben sind, ist weltlich und real und kommt vom Du. Und dann stehen da Worte und man fühlt. Was ist das Material dieser Empfindung, die die klaffende Wunde zwischen Ich und Du ausmalt mit all den Medien, derer Intersubjektivität habhaft werden kann? Wie entstehen die Bilder, Regungen, Reaktionen, die Gerüche gar, die Melodien, die sich ankündigen, sich vorbereiten zu erklingen?

Dachte, ich würde was lernen und habe eine Frage gefunden.

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