Metalust & Subdiskurse Reloaded

"Nur was sie nicht erst zu verstehen brauchen, gilt ihnen als verständlich"

Was „queer“ meint

Nämlich nicht einfach „gay“, „schwul“ oder dergleichen. Passend startet die Zufallsauswahl meines iPod gerade Prince mit „If I was your girlfriend“ – auch so was meint „queer“. Was in einem sehr schönen Essays zur „National“mannschaft auch Alexander Osang heraus arbeitet in der so wundervollen, folgenden Pointe:

„Als ich ihn fragte, ob denn ein Spieler, der etwas überraschend nominiert worden war, seiner Meinung nach auch schwul sei, sagte Becker nur: „Der ist halbschwul“, und ich begriff, dass das alles ein Synonym war für etwas, was Becker nicht mehr verstand. Irgendetwas Leichtes, Unideologisches, Tänzerisches, Schönes, Freudvolles, in dem man sich verirren konnte, wenn man sich bislang an Hackordnungen und Hierarchien orientiert hatte.“

Eben. So sehr ich aus eben diesen Gründen gegen das verkrampft-lockere „Schland“-Geschreie gewettert habe – was Spiel der Mannschaft betrifft, so bringt Osang einiges auf den Punkt und gibt den Beckers dieser Welt lustvoll auf die Nase.

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38 Antworten zu “Was „queer“ meint

  1. che2001 Juli 13, 2010 um 10:38 pm

    Bin ich jetzt eigentlich „halbschwul“, weil ich ein einziges Mal Analverkehr mit einem Mann genossen habe, sonst aber mich sehr eindeutig als hetero verstehe, weil in meinem gesamten Liebes- Traum- Begehrungs- und Realpartnerschaftsleben nur Frauen vorkommen, ich andererseits aber mit den heteronormalen Rollenzuweisungen wenig anfangen kann? Und sind Heteros/ras, die in sog. „schwulen Vierteln“ wie Greenwich Village oder Seaside Key West aufgewachsen dann Viertel-Schwule? Der Polymorph-perverse Charakter (wie Freund Coach das mal nannte: Polyphem) als positive Norm ist wohl immer noch der Ausweg. Bleiben wir dem Grundsatz treu: Wüst, pervers und normenscheu.

  2. momorulez Juli 13, 2010 um 10:53 pm

    Ach, an dem Punkt, wo es für Dich nicht mehr relevant ist, als was Du Dich verstehst, biste queer … und den P-Punkt hatte ich gestern schon mit dem Pantoffelpunk bei Twitter 😉 …

  3. che2001 Juli 13, 2010 um 11:36 pm

    Sind wir halt alle ganz gemütlich queer oder uneindeutig lustige Leute. Weg mit die Schablonen!

  4. momorulez Juli 14, 2010 um 12:03 am

    Nicht nur heute 😉 …

  5. mark793 Juli 16, 2010 um 6:25 pm

    @che: Bei Spreeblick war vor einiger Zeit ein Interview mit einem, ich bin fast versucht zu sagen: Schwulitätsforscher verlinkt, der die These vertrat, in wenigen Jahren werden Hetero-Männer nichts mehr dabei finden, Blowjobs zu geben. Davon abgesehen, dass ich die These bisschen steil finde (und nicht ausschließen würde, dass da auch ein bisschen der Wunsch Vater des Gedankens gewesen sein könnte) halte ich so eine Einmal-Erfahrung für nicht sonderlich exotisch – auch wenn ich sie nicht gemacht habe.

    Interessant fand ich aber die Herleitung dieses Megatrends: Im College seien Dreier mit einer Frau und zwei Männern mittlerweile gang und gäbe, und bei der Gelegenheit würden Männer auch durchaus mit dem jeweils anderen Teilnehmer aktiv werden. Die Extrapolation zu den baldigen Standard-Blowjobs mag etwas gewagt sein, aber ich denke, die Richtung stimmt durchaus.

  6. che2001 Juli 16, 2010 um 6:45 pm

    Kann sein und schön wärs. Aber ich vermute, dass es da gewaltige Unterschiede zwischen ein paar Metropolstädten und der Entwicklung in der platten Provinz gibt und dass Letztere eher auf Restauration früherer spießiger Partnerbeziehungen und Sexualtechniken hinausläuft.

  7. momorulez Juli 16, 2010 um 10:04 pm

    Mc Kinsey hat noch einen dermaßen hohen Anteil von Männern mit „homosexuellen“ Erfahrungen erhoben, die Urbanitätsthese kann da nicht stimmen, das waren keine Städter.

    Selbst im Iran ist der Prozentsatz höher als hier. Der nimmt da ab, wo bei einem hohen Informationsgrad die Abgrenzung gegen das identitäre Schwulsein besonders ausgeprägt ist. Meines Wissens ist sogar im Deutschland vor der Legalisierung mehr zwischenmännlich rumgemacht worden als heute – hatte Lysis, glaube ich mal geschrieben.

    Dieses Triple und mehr, was Mark erwähnt, hebt die Dichotomie dann wieder auf.

  8. che2001 Juli 17, 2010 um 4:48 pm

    Die Stadtmagazine sind doch konstant seit 30 Jahren voll mit Kontaktanzeigen in der Art von „tolerantes Paar sucht aufgeschlossene sie oder Ihn….“

  9. che2001 Juli 17, 2010 um 5:29 pm

    Seltwürdig ist aber schon, dass haufenweise Normalos völlig selbstverständlich sagen „das ist mir zu schwul“, wenn ihnen etwas nicht gefällt und das Nichtgefallen in Richtung bad taste, soft, bei Speisen oder Getränken süß oder nicht alkoholhaltig genug usw. geht. Es redet ja schließlich auch niemand davon, dass irgend etwas vernegert oder verjudet sei. Noch nicht….

  10. momorulez Juli 18, 2010 um 7:58 am

    Das „Das ist mir zu schwul“ bezeichnet ja meistens „Weibisches“ oder „Gekünsteltes“ oder „Weiches“ und in dem Sinne „Minderwertiges“ – da läuft meines Erachtens auch Frauenfeindliches mit. Das ist irgendeine männlich-patriarchale Abspaltungsmethode, um sich „rein“ und „fit“ zu halten – wobei mir in letzter Zeit gehäuft Homophobie auch bei Frauen auffällt. Das war längere Zeit eher nicht so. Und die Topoi, die in Deutschland Juden zugesprochen wurden, waren ja oft ein ähnliches, semantisches Feld – die waren ja auch weichlich, pervers, dekadent, unproduktiv (Schwule sind ja auch volkswirtschaftlich unsinnig, kann man immer mal in der Kommentarsektion des A-Team lesen), verschlagen, also „unecht“. Schwarze werden mit anderen Stigmata belegt, das ist oft das Negativ dessen, was bei „ist mir zu schwul“ als Positivbewertung mit läuft.

    Was mir in letzter Zeit verschärft auf den Geist geht, ist dieses Heiligsprechen der je eigenen Lebensform, das aggressiver geworden ist – diese Kleinfamilie arbeitender Menschen, hatten wir ja schon oft hier. Das war noch ’92 irgendwie anders.

  11. che2001 Juli 18, 2010 um 1:50 pm

    Ich würde behaupten, das war noch 2000 irgendwie anders. These: 9.11. als Initialzündung zur Mobilisierung des Extremismus der Mitte. Während übrigens sehr traditionell geprägte Milieus anderswo weiterhin erodieren und sich eher strukturell nach „links“ entwickeln, was ich gerade wieder in Tirol erleben konnte. Da befindet sich so etwas wie eine grün-alternative Szene noch in der Wuchsform, weil es sie, als diese bei uns ihre Hochphase feierte,schlichtweg nicht gab.

  12. momorulez Juli 18, 2010 um 4:20 pm

    Das kann gut sein, das mit 9/11 – wobei für mich schon Lichtenhagen etc. Vorboten waren. Und diese „neuen“ linksgrünpipapo-Leute sind auch so Authentizitätsfanatiker, komplett auf ihr Kindererziehungs-, Anstands- und Kleinbürgerglück bezogen. Weiß jetzt natùrlich nicht, ob das auch auf die in Tirol zutrifft.

  13. che2001 Juli 18, 2010 um 4:27 pm

    Dann blick mal darauf, wie junge linksgrüne Leute so um 1982 drauf waren. Diese ganze Kreativitätsworkshopmentalität von damals, kombiniert mit Umweltengagement, Feminismus, durchaus viel „sich selbst neu erfinden“ und Kletterszene, und so einer Art Anti-Haider-Antifa.

  14. momorulez Juli 18, 2010 um 4:44 pm

    Es gab ja im Grunde genommen damals schon, na, sogar 4 Fraktionen: Die Ebermanns, noch in einem Marxismus-Paradigma, die moralgrünen Roncalli-Pazifisten, bei denen sich so ein Spontitum mit Selbsterfahrungsbauchtanz paarte, die Authentizitätspunks mit Affinitäten zur autonomen Szene und die eher Kunst- und NDW-Orientierten, die vor lauter Tabubrecherei dann ständig mit Faschismen ästhetisch kokettierten.

    Hing ja meinerseits in fast allem drin, am wenigsten noch in den Authentizitätspunks, und habe aktuell das Gefühl, das von allen eigentlich das am besten war, was am nachhaltigsten weggemobbt wurde, nämlich die Ebermanns. Weil die Lifestylefragen gar nicht zu stellen brauchten.

    Während die anderen 3 Felder irgendwie alle ins Reaktionäre umgekippt sind.

    Muss jetzt aber alles mit Tirol nix zu tun haben.

    Ist auch alles Westen. Nach jüngsten Treffen mit selbstbewussten Identitäts-Ossis, beeindruckende Leute, habe ich wie so oft schon das Gefühl, dass es noch eine Weile braucht, bis wirklich begriffen wird, was sich da wie tradiert hat.

  15. che2001 Juli 18, 2010 um 5:29 pm

    Da unten spielt eine Rolle, dass die die ganzen 80er noch damit beschäftigt waren, gegen einen Oberförsterkatholizismus anzukämpfen und dass sich da heute Ökotum mit Born-to-be-Wild-Feeling (Klettern oder Raften statt Motorradfahren), Hippietum in der Boulder/Colorado-Variante, einem alternativökonomisch inspiriertem Nachhaltigkeitsdenken, Attac-mäßiger Kapitalismuskritik und einem Schuss aus dem Himalaya importiertem Buddhismus mischt. Und das empfinden sie als eine neue, junge Bewegung im Aufbruch.

  16. che2001 Juli 18, 2010 um 5:30 pm

    So ungefähr jedenfalls.

  17. momorulez Juli 18, 2010 um 5:38 pm

    Liest sich ja eher nach der Selbsterfahrungsbauchtanzvariante 😉 … meine ich weder böse noch wirklich abwertend, da regen sich bei mir trotz Joan Baez- und Klaus Hoffmann-Fantum zunächst mal eher ästhetische Ressentiments. Die ich nicht habe, wenn teilverstrahlte Youngster beim Fusion- Festival den Kommunismus feiern. Und ich werde einfach diese bangen Ahnungen nicht los, dass sich ein neuer, fieser Konservatismus im Moment auf der Linken konstituiert.

    Soll aber jetzt alles gar nicht Deine tollen Urlaubserfahrungen sabottieren wollen oder gar kommentieren. Wie prima das für Dich war, das sieht man Fotos in Deinem Blog ja an.

  18. che2001 Juli 18, 2010 um 6:08 pm

    Ich denke, dass die Komponente aus „einem alternativökonomisch inspiriertem Nachhaltigkeitsdenken, Attac-mäßiger Kapitalismuskritik“ durchaus auch Ebermann-kompatibel ist, nur theoretisch weniger tiefschürfend begründet. Auch wenn die Selbsterfahrungs-Komponente überwiegt. Und was das Hippietum angeht hat das mit den US-Wurzeln eher zu tun als mit seinem zweiten deutschen Aufguss (Direktimport über Rocky-Mountains-Kontakte), der Sound dazu ist übrigens Techno kombiniert mit Falco und Balkanpop. .

  19. netbitch Juli 19, 2010 um 1:40 pm

    @Das „Das ist mir zu schwul“ bezeichnet ja meistens „Weibisches“ oder „Gekünsteltes“ oder „Weiches“ und in dem Sinne „Minderwertiges“ – da läuft meines Erachtens auch Frauenfeindliches mit. Das ist irgendeine männlich-patriarchale Abspaltungsmethode, um sich „rein“ und „fit“ zu halten –> So einfach ist das nicht. Ich kenne auch Feministinnen, die das drauf haben und „das ist mir zu schwul“ sagen, wenn etwas den eigenen Ansprüchen, eine coole toughe Powerfrau sein zu wollen nicht entspricht. Wobei ich denen weniger echte Homophobie unterstellen würde als unreflektierte Ausdrucksweise. Aber dieses Aussondern und Abspalten des „Weichen“ ist nichts spezifisch Männliches – wohl jedoch etwas mit hohen Korrelationswerten auf der F-Skala.

  20. momorulez Juli 19, 2010 um 3:23 pm

    Na, ich meinte ja nun weniger feministisch reflektierte Leute, mit dem, was ich schrub, das sind ja erschütternd wenige – und die, die Du nennst und die empörenderweise auch in diese sprachliche Scheiße patschen, sind dann halt selbst patriarchal infiziert. Ich würde im Falle solcher Begrifflichkeiten übrigens immer von echter Homophobie ausgehen, die ja kein Wesensmerkmal von Personen sein muss, sondern sich auch einfach in sprachlicher Praxis zeigen kann. Ich bin da mittlerweile ziemlich empfindlich geworden.

    Zudem Schwulenfeindlichkeit unter Feministinnen eh keine Seltenheit ist. Was aber auch eine Riesendiskussion ist; wenn Somlu beispielsweise darauf hinwiest, dass auch Schwule ihre Rolle im Patriachat zu hinterfragen hätten, dann ist das ja zweifelsohne richtig.

    „Spezifisch männlich“ meine ich ja zudem nicht biologistisch – und mit der F-Skala haste schon völlig recht ….

  21. netbitch Juli 19, 2010 um 5:55 pm

    Mir stellt sich da mehr die Frage, ob eine nachpatriarchale Gesellschaft möglicherweise genauso ungerecht, vorurteilsgeladen und sexistisch sein könnte wie die bestehende.

  22. Katzenblogger Juli 19, 2010 um 6:24 pm

    Ungerechtigkeit, Vorurteile und Sexismus gehen immer…

    Ich glaube zwar, dass der Kampf gegen sexistische Ressentiments und Geschlechterdiskriminierung lohnenswert ist, immer lohnenswert ist, und auch, dass gesellschaftliche Toleranz und Progressivität in diesem Bereich eine Strahlkraft in andere Bereiche hat, aber: all das ist kein Automatismus. Sogar Antisexismus kann in totalitärer bzw. Freiheit reduzierender Gestalt(ung) praktiziert werden, wichtiger noch, die diversen sozialen Fragen lassen sich nur kleinenteils über Genderfragen erledigen.

    Und wer weiß, vielleicht birgt ein konsequent liebevoller und solidarischer Umgang im eigenen Freundes-/Bekannten-/Kollegen- und Familienkreis mehr revolutionäres Potential als jede noch so radikale Erledigung „des Patriarchats“.

  23. momorulez Juli 19, 2010 um 9:10 pm

    @netbitch:

    Kônnte schon; mich haben damals diese von Somlu verlinkten Leute in China sehr beeindruckt, wo Frauen die „Familienvorstände“ sind, die Geschwister die Kinder groß ziehen und alle ihre erotisch-amourösen Liebschaften nebenher haben. Das schien mir schon das eine oder Problem zu lösen.

    Ansonsten sind ja zumeist Statusfragen das Verheerende, und ist da nicht denkbar, dass Kriterien für Anerkennungsmodi auch post-patriachal oder post-kapitalistisch funktionieren könnten? Oder ist Gruppendynamik eh immer Scheiße?

  24. momorulez Juli 19, 2010 um 9:17 pm

    @Katzenblogger:

    Na, aber wenn Du wirklich glaubst, diese anderen Umgangsformen im Privaten würden was bewirken, ist ja der alte Traum des „erst mal bei sich anfangen“, wo setzt Du denn da an, was sind das für Formen, und wieso sollen die nicht am Arbeitsplatz gelten, und wie soll das Wirkung zeigen in einer kapitalistischen Gesellschaft? Ist man dann nicht schnell bei den konservativen Modellen, dass private Heimeligkeit die kalte, böse Welt zu kompensieren vermag – und ist das so?

    Mit dieser Umkehr, dass es ja auch totalitären Antisexismus geben könne, habe ich ja auch so meine Probleme. Es hat doch weltweit historisch immer das Gegenteil gegeben, warum sich dann solche Gedanken machen?

  25. Katzenblogger Juli 20, 2010 um 6:36 am

    Erstens, so privat ist das garnicht – ist es ja nicht auf die Familienzusammenhänge beschränkt. Zweitens, ersetzt es nicht politische Arbeit. Vielmehr, es soll diese begleiten, und ja, nach Möglichkeit auch in einer kalten kapitalistischen Gesellschaft.

    Gerade dort.

    Warum sich Gedanken machen? Tja – das ist eine fundamentale Frage. Ich denke, diese Frage hast du längst schon beantwortet, und das auch auf eine sehr ähnliche Weise wie ich. Wenn mich mein Sensorium nicht fehl leitet, ist die Frage nach totalitären bzw. Freiheit begrenzenden Potentialen einer (möglichen) Entwicklung aber nicht nur generell relevant, sondern bereits praktisch-konkret, jedenfalls wenn man sich bestimmte Formen des Kampfes gegen „Heterosexismus“ (ich mag diesen Begriff nicht, weil hier oftmals auch Heterosexualität mit-intendiert ist – was dich vielleicht weniger stört), „Heteronormativität“ (was ja immer auch ein Kampf um Normen ist – und somit auch schnell eine intolerante Seite entwickeln kann) und „Sexismus“ anschaut. Was in der Form von „queer“ noch vernüglich, entspannt und – vor allem – befreiend daher kommt, kann schneller als geahnt zu szene-interner Neu-Normativität gestaltet werden bis hin zu Intoleranz gegenüber Heterosexualität. Und nein, ich meine nicht, dass das nur rein theoretische Überlegungen sind. Wenn man sich bestimmte Varianten von Anti-Porno-Kampf anschaut, bestimmte Varianten (v.a. in den USA) von Tabuisierung von Sexualität und sogar Körperkontakt insgesamt (was ursprünglich feministisch und als Abwehr von sexualler Bedrängung intendiert war), dann zeigt dies imho, dass dies keine rein theoretischen Fragen sind.

    Insofern, bei aller grundsätzlichen Sympathie, halte ich es für sinnvoll, sogar immer für sinnvoll, sich zu fragen, welche Gestalt das Neue bzw. die gewünschte gesellschaftliche Veränderung findet (bzw. der Kampf dafür) – und wo da eventuell der Hakenfuß sein könnte.

    Und die allgemeine Verhaltensnorm „solidarischer Umgang miteinander“ halte ich für geeignet, auch dafür, um bestimmte Fehlentwicklungen und gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, gleich welcher Art, zu begrenzen bzw. „zu erden“ – auf das menschliche Maß.

    Das mag nach „wenig“ aussehen und überdies als mangelhaft theoretisch fundiert, als intellektuell minderattraktiv – mir ist es aber sehr wichtig, auch aus meinen Erfahrungen in poltisch regen Gruppierungen heraus.

  26. momorulez Juli 20, 2010 um 8:30 am

    „kann schneller als geahnt zu szene-interner Neu-Normativität gestaltet werden bis hin zu Intoleranz gegenüber Heterosexualität.“

    Ach Gottchen, die arme, heterosexuelle Mehrheit könnte „szeneintern“ in Schwulen-Kreisen auch mal diskriminiert werden! Das geht ja gar nicht! Da muss da das Jahrtausende währende Diskriminierungsprivileg schon gewahrt bleiben!

    Nimm das bitte nicht persönlich, Du weißt, dass ich Dich sehr mag und sehr schätze. Aber die Umkehrfiguren haben abgesehen von ein paar Frauenquoten gesellschaftlich Null Relevanz.

    Abgesehen von ein paar Sprüchen gelegentlich sind mir solche Phänomene tatsächlich unbekannt in diesem konkreten Fall. Und mich wundert tatsächlich die Fokussierung darauf.

    Ob es sich bei EMMA-PorNo noch um „Antisexismus“ handelt, sei dahin gestellt – die Wirkung ist zumindest bisher marginal, würde ich mal behaupten, selbst wenn die JU sich das jetzt auch zu eigen gemacht hat. Selbst die STOPP-Schilder sind ja gegen Kinderpornos gerichtet. Dieser evangelikale Alltagsterrorismus in den USA hat ja mit „Antisexismus“ nix zu tun; das ist genau die Variante, die gerne wieder zu Hause in aller Ruhe schwarze Dienstboten und eigene Ehefrauen und gelegentlich Töchter vergewaltigen möchte und kein Bock drauf hat, dass man drüber spricht.

    Problem ist für mich auch weniger, dass das theoretisch nicht fundiert ist, sondern sowas von verbreitet, bei jedem Antisexismus, Antirassismus und jedem Gewetter gegen Homophobie sofort zu unterstellen, das sei ja die wahre Repression, die Antirassisten seien die eigentlichen Rassisten und Homos wollten Heten nur unterjochen, das kommt mittlerweile so dermaßen oft als allererster Reflex, dass es selbst im Umfeld des FC St. Pauli kaum noch möglich ist, solche Themen zu platzieren. Und so ein gereiztes Genervtsein wird zunehmend als Grund angeführt, doch bitte die Schnauze zu halten.

  27. netbitch Juli 20, 2010 um 10:26 am

    Na ja, bei den Strukturen, die ich selber in der Frauenlesbenszene so erlebt habe war sicher auch ein totalitäres Potential dabei. Und so richtig ich das Aufbauen von Drohszenarien gegen Frauenbelästiger auch immer noch finde – die Anwendung von Selbstjustiz in Form von Körperstrafen wurde da z.T. durchaus befürwortet. Ich will jetzt wirklich kein Einfallstor für patriarchale Propaganda gegen das eröffnen, was mir wichtig und teuer ist, aber die hochmoralisch aufgeladene antisexistische Agitation, wie ich sie aus den Neunzigern kenne beinhaltete jederzeit vom Potential her alle Möglichkeiten der Schaffung von Sündenböcken, Diskriminierung und Hetze, auch wenn sie tatsächlich gut gemeint war. Es gab da sogar mal das „Outing“ eines „Vergewaltigers“, der noch nie Geschlechtsverkehr gehabt hatte.

  28. momorulez Juli 20, 2010 um 10:52 am

    Das ist aber ein Subkulturphänomen in hochideologisierten Gruppen ohne ernstzunehmende Effekte auf die Mehrheitsgesellschaft – und ich wage mal die Behauptung, dass das in Studentenstädten noch verschärft auftritt.

    Das gibt es, das nervt total, ich war ja tatsächlich nie lange in solchen Gruppen aktiv, weil ich mich dem nicht aussetzen wollte.

    Das ist aber in hegemonialen Bereichen so selten der Fall, dass ich es hochproblematisch finde, dann eine Herrrschaft der Marginalisierten an die Wand zu sprühen, so weit es die Gesamtgesellschaft betrifft.

  29. che2001 Juli 20, 2010 um 2:02 pm

    Ich lese das eher wie eine Warnung vor dem Jakobinismus von bestimmten Marginalisierten, der sehr real sich auf diejenigen auswirkt, die in solchen Subkulturen leben. Ein Bezug zur Gesamtgesellschaft oder Normalogesellschaft wurde ja gar nicht hergestellt.

  30. momorulez Juli 20, 2010 um 3:05 pm

    Doch, vom Katzenblogger schon, wenn ich ihn nicht grob mißverstanden habe. Und dann ist man, ohne dass er das wollte (!), ganz schnell bei den Frauen-, Migranten- und Homo-Verbänden, die alle anderen unterjochen wollten.

  31. Nörgler Juli 20, 2010 um 3:59 pm

    Der Pöbel zerstört die Bildung, und weil wir lernen wollen, müssen wir die Geistesschädlinge fernhalten. Angegriffen werden wir Lernen- und Kulturwoller – wir verteidigen uns nur.

    Der Pöbel zerstört den Leistungswillen, indem er per Staat die Leistungsträger aussaugt. Angegriffen werden wir Leistungswoller – wir verteidigen uns nur.

  32. momorulez Juli 20, 2010 um 4:01 pm

    Ja, genau so!

    Ich glaube aber, Du meintest da den anderen Thread, kann das sein?

  33. Nörgler Juli 20, 2010 um 4:02 pm

    Die Schwulen zerstören den Vaginalfick, weil, wenn alle schwul umerzogen sind, haben die Urschwulen keine Probleme mehr. Angegriffen werden wir Muschiwoller, und wir verteidigen uns nur.

  34. Nörgler Juli 20, 2010 um 4:06 pm

    Nein, Momorulez, ich meinte nicht den anderen Thread, sondern die Umkehrungsdiskussion hier in diesem Thread.
    Du sprichst von „Umkehrfiguren“, und da wollte ich nur ergänzen, dass die Umkehrerei in der Breite eine gesellschaftliche Pest ist.

  35. momorulez Juli 20, 2010 um 4:19 pm

    Ja, dann vollste Zustimmung. Das ist wirklich inflationär geworden. Man kann schon gar nicht mehr auf reale Rassismen verweisen, z.B., ohne gleich um die Ohren gehauen zu bekommen, dass man ja selbst der einzige sei und sonst keiner und das ja eh nur instrumentalisiere wegen Mehrheitsunterjochungsinteresse und Moralkeule. Das kommt sogar, wenn man gar nix zu Rassismus direkt sagt, sondern z.B. auf Kolonialgeschichte verweist – darüber bin ich noch nicht hinweg.

    Noch so ein Fall der fatalen Nietzsche-Wirkungsgeschichte.

  36. che2001 Juli 20, 2010 um 4:41 pm

    Als Wiglaf Droste so etwas um 1990 bezüglich Mißbrauchsdebatte mal startete waren es die Provokationen eines politisch besonders unkorrekten Satirikers, heute selbstverständliche Mehrheitsmeinung. Dabei hat von der Mehrheit noch niemand ein Umschwulungszentrum oder eine Negrofizierungsanstalt von innen gesehen;-)

  37. momorulez Juli 20, 2010 um 8:28 pm

    In der Tat 😉 … ich muss hier unbedingt noch diese Störungsmelder-Tostedt-Nummer verlinken, wo polizeilicherseits Antifaschisten, weil sie gegen Nazis sind, als Faschisten behandelt werden. Das wird langsam Regierungspolitik, diese Umkehr.

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